{"id":1582,"date":"2010-09-26T09:46:53","date_gmt":"2010-09-26T09:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1582"},"modified":"2016-10-06T10:23:19","modified_gmt":"2016-10-06T10:23:19","slug":"der-zionismus-seine-theorien-aussichten-und-wirkungen-ii-das-wesen-des-zionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/der-zionismus-seine-theorien-aussichten-und-wirkungen-ii-das-wesen-des-zionismus\/","title":{"rendered":"Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen &#8211; II &#8211; Das Wesen des Zionismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was neu ist im Zionismus, ist unj\u00fcdisch, ist ein Assimilationsprodukt, eine Anlehnung an die Anschauungen, die die Au\u00dfenwelt beherrschen. Der Zionismus hat aber auch Z\u00fcge aufzuweisen, welche wirklich j\u00fcdisches Gut darstellen. Aus dieser beabsichtigten Aufnahme mancher alten echt j\u00fcdischen Tendenz, aus wohl\u00fcberlegten Mischung vom Altem mit jenem Neue, das bedingungslos schlecht und verwerflich ist, wird es erkl\u00e4rlich da\u00df unbefangene Juden im Zionismus auch Anerkennenswertes und Gutes zu loben finden. Der Zionismus hat in unverkennbarer Absicht mit seinem unj\u00fcdischen nationalen Chauvinismus alte gut j\u00fcdischen Forderungen verkn\u00fcpft und je nach der Gelegenheit, versteht er es auch, die eine oder die andere Richtung wirksam auszuspielen. Einmal ist der Zionismus der politische Faktor mit nationaler absondernder Verhetzung, das andere Mal aber die humanit\u00e4re Vereinigung, die den leidenden Glaubensbr\u00fcdern Brot und eine Heimst\u00e4tte schaffen will! Und mit ein unleugbarem Geschick versteht er dabei, im Fernstehenden den Eindruck zu erwecken, als ob die humanit\u00e4re Seite etwas spezifisch Zionistisches sei, ein Gebiet, dem die anders denkende Judenheit sich nicht mit gleicher Liebe und Begeisterung hingebe. Gerade in unseren Tage betont ja die Bewegung das kolonisatorische Moment und die rein wirtschaftliche Hilfsaktion in einem so starkem Ma\u00dfe, da\u00df tats\u00e4chlich f\u00fcr den Uneingeweihten eine gewisse Verwirrung entsteht und er nicht merkt, da\u00df im Zionismus das Neue nicht gut, und das Gute nicht neu ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der humanit\u00e4ren Seite des Zionismus seien einige Worte gewidmet, nachdem festgestellt worden ist, da\u00df sich hierin nichts spezifisch Nationales offenbart, und da\u00df von Nichtzionisten, von Orthodoxen wie von Liberalen, diese Arbeit weit intensiver und besser geleistet wird. Der einzige Unterschied besteht darin, da\u00df diese letzteren wirkliche Arbeit emsig und ger\u00e4uschlos verrichteten, w\u00e4hrend jene Bewegung auch Scheinarbeit mit einen unendlichen Geschrei begleitet und dadurch die Welt zu einer unendliche \u00dcbersch\u00e4tzung ihres Wertes und Umfangs verleitet. Das gilt auch von der T\u00e4tigkeit im heiligen Lande. Auch wir wissen wohl da\u00df Pal\u00e4stina nicht ein beliebiges Reich ist wie andere auch. Es ist uns heilig als die St\u00e4tte, an der unsere Religion entstand, als der Boden auf dem der Tempel sich erhob, wo die Propheten gewirkt haben. Heilig ist uns die Erde, die unserer V\u00e4ter Herzblut getr\u00e4nkt hat; durch tausende von erhebende Erinnerungen mit Pal\u00e4stinas Gauen verkn\u00fcpft, werden wir immer uns in Stolz gen Osten wenden und der Gedanken an Zion wird in unserem Herzen nicht verl\u00f6schen. Das heilige Land ist unser Vaterhaus, das Vaterhaus derer, die weit in aller Welt zerstreut f\u00fcr des Gottesnamens Ehre wirken, und wie jeder von uns &#8211; mag er noch so sehr von ihm entfernt sein, seines wirkliches Vaterhauses nicht nur in Liebe gedenkt, sondern bestrebt ist, es in Stand zu halten, um seines Glanzes sich freuen zu k\u00f6nnen, freuen wir uns wenn es in Bl\u00fcte ist, so ist es mit Pal\u00e4stina auch. Ohne das wir dort wohnen wollen, freuen wir uns, wenn es in Bl\u00fcte steht, und jede Bem\u00fchung die seinem Wohle gewidmet ist, darf unsere Unterst\u00fctzung sicher sein. Darum ist schon vor dem Entstehen des Zionismus wie auch seit jener Zeit &#8211; unbeirrt durch seine T\u00e4tigkeit &#8211; eifrig kolonisiert worden, und die Hauptarbeit wurde und wird von M\u00e4nner geleistet die sich dem Zionismus fernhalten, ja sogar ihm feindlich gegen\u00fcber stehen. Und wenn vielleicht in manchen Punkten die zionistische Kolonisation in Pal\u00e4stina intensiver zu sein scheint, so liegt das einerseits daran, da\u00df sie sp\u00e4ter begann als die der anderen und da\u00df demgem\u00e4\u00df deren Erfahrungen ihr zu Gute kamen; andererseits aber liegt ihr Vorteil in der Konzentration auf den einen leicht \u00fcbersehbaren Fleck, wo hingegen unserer Arbeit sich auf alle Welt erstreckt und an vielen Orten den Juden eine Heimst\u00e4tte mit Freiheit, Ruhe und sicherem Brote zu verschaffen sucht. Will man das spezifische Kennzeichen zionistischer Hilfsarbeit feststellen, so kann es nur in der Enge des Gesichtspunkts bestehen, in der Beschr\u00e4nkung auf den Boden der V\u00e4ter. Das Wirken aller anderen Organisationen ist umfassender und erfolgreicher, ihre Leistungen sind weit gr\u00f6\u00dfere, auch wenn sie nicht so viel Aufsehens davon machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn aber die humanit\u00e4re Seite des Zionismus wirklich Bedeutung bes\u00e4\u00dfe, d\u00fcrfte sie nicht das wahre Wesen der Bewegung verdecken, und das diesem keinerlei Wert beizumessen ist, ergibt sich deutlich, wenn man das Wesen des Zionismus mi dem des Judentums vergleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Judentum ist eine Religion! Es ber\u00fchrt geradezu merkw\u00fcrdig, da\u00df man geschichtliche Tatsachen, die mit solcher Wut in die Menschheitsgeschichte eingegriffen haben, da\u00df sie Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, darstellen, noch erheben mu\u00df. Das Judentum ist seit der Zerst\u00f6rung des Tempels nie etwas anderes gewesen, und \u00fcberall, wo es auf die Geschichte der Welt eingewirkt hat, kam nur das religi\u00f6se Moment in Frage. Der Zionismus will es anders! Er erblickt im Judentum in erster Reihe eine Nation und zieht daraus seine Folgerungen, er wandelt den Charakter unserer Gemeinschaft in das Gegenteil um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun l\u00e4\u00dft sich nicht bestreiten, da\u00df das Judentum einstmals eine Nation war, als eben noch der Tempel sich erhob. Aber das war in Zeiten, als man die Unterschiede zwischen nationaler und religi\u00f6ser Einheit noch nicht so fa\u00dfte wie heute und der Gedanke an eine Religion, die \u00fcber die Grenze der Nation hinausgriff erst dunkel in den K\u00f6pfen aufzud\u00e4mmern begann. Gerade in unserem Judentum entstand eben zum erste Male der Begriff einer Ewigkeitsreligion, und das war der Grund da\u00df diese Gemeinschaft als allererste ihre nationale Zertr\u00fcmmerung \u00fcberleben und als blo\u00dfe Religion fortbestehen konnte, obgleich der R\u00f6mer sich die gr\u00f6\u00dfte M\u00fche gegeben hatte der j\u00fcdischer Staat mit eiserner Hand f\u00fcr immer aus der Reihe der Nationen zu vertilgen. W\u00e4re das Judentum anderen Nationen wesensgleich gewesen, so w\u00e4re es untergangen, genauso wie Hellas und das gewi\u00df m\u00e4chtige Rom. Es war aber mehr, es hatte Ewigkeitswerte, und indem es sie betonte, erhielt es sich. Seit der Zerst\u00f6rung des Tempels ist das nationale, verg\u00e4ngliche Moment zur\u00fcckgetreten, w\u00e4hrend das religi\u00f6se immer mehr betont worden ist, und nur darum erhielt sich das Judentum, weil es Tr\u00e4ger von Ideen war, die st\u00e4rker sind als V\u00f6lker und Nationen. Die engen Fesseln nationaler Beschr\u00e4nkung waren gesprengt und die universale Weltreligion sowie der Glaube an des Judentums Aufgabe, durch treues Festhalten an diese Religion, die Welt f\u00fcr den reinen Gottesglauben zu erobern, waren ein Inhalt, wie er erhabener und gr\u00f6\u00dfer nicht gedacht werden konnte. Zu allen Zeiten ist die gewaltige Gr\u00f6\u00dfe dieser Ideen in Jissro\u00e9l empfunden und erkannt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Judentum war und ist eine Religion! Nur darum ist es ewig und unzerst\u00f6rbar. Der ewige Charakter des Judentums ist ein universeller, Welten umspannender und Menschen verbindender. Der Nationalismus aber rei\u00dft das Judentum aus dieser Stellung in der Weltgeschichte heraus und macht es zu einer kleinen Nation mit relativen Wert, genau denselben denn die Tausenden entstehenden und vergehenden Nationen auch haben. Diesem nationalen Gedanken ordnet der Zionismus auch das religi\u00f6se unter. Da nun die j\u00fcdische Religion in einem ausgesprochener Gegensatz zu allem beschr\u00e4nktem Nationalen steht, kann man ermessen, welche Umwandlung sie sich dabei gefallen lassen mu\u00df. Alles, was im Lehrinhalte des Judentums gro\u00df und ewig ist, weil es eine \u00dcberwindung der engherzigen nationalen Begriffe darstellt, wird darum vom Zionismus abgelehnt und seine Richtigkeit bestritten, und wo diese Mittel nicht verfangen, wird es mit Schmutz und Hohn beworfen. Unter der Bearbeitung des Nationalismus wird die j\u00fcdische Religion zu eine Karikatur ihres eigentlichen Wesens. Aus der universellen Weltreligion mit ihrem erhabenem Fluge wird der bescheidene Kultus eines kleinen Volksstammes. Nicht mehr ist der Ma\u00dfstab f\u00fcr gut und b\u00f6sen, in ewigen g\u00f6ttlichen Gesetzen zu finden, sondern in nationalen Eigent\u00fcmlichkeiten des Volkes dessen Fehler, Schw\u00e4chen und typischen Laster zum Range von Tugenden erhoben werden m\u00fcssen. Da nun einmal nicht alle j\u00fcdischen \u201eRasseneigenschaften&#8220; gut sind, und auch diese schlechten Ber\u00fccksichtigung und Pflege finden, gef\u00e4hrdet der Zionismus die allgemeinverbindliche Ethik, an deren Stelle er einen j\u00fcdischen Rassensittenkodex setzt, der aber wahre Ethik nicht mehr darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zionismus spottet \u00fcber alles was in der j\u00fcdischen Religion gro\u00df und erhaben ist. Er h\u00f6hnt wenn die nicht nationale Judenheit trotz aller Entt\u00e4uschungen, die sie in der Welt erf\u00e4hrt, das Wesen Gottes in der Liebe und Gerechtigkeit erblickt, und an ihren Sieg mit aller Kraft der Seele glaubt. Der Zionismus verspottet und verh\u00f6hnt den Universalismus in der j\u00fcdischen Religion \u00fcberhaupt und leugnet damit zugleich den Glauben an den einen Gott, der aller Menschen Vater ist und die Geschicke der ganzen Menschheit lenkt. Der Zionismus leugnet die Mission des Judentums und beschimpft die Rabbiner, welche, den alten prophetischen Verhei\u00dfungen und Hoffnungen getreu diesen Stein als einer der herrlichsten in der goldenen Krone der j\u00fcdischen Lehre ansehen. Damit nimmt er aber einen der st\u00e4rksten Antriebe zum sittlichen Handel, das Gef\u00fchl der Verantwortung, das jeder einzelne von uns wie unsere j\u00fcdische Gesamtheit der Menschheit gegen\u00fcber tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und warum dies alles? Warum leugnet und verh\u00f6hnt der Zionismus diese gr\u00f6\u00dften und erhabensten Gedanken unseres Glaubens? Nur weil er ein Kind der Zeit ist, das nicht historisch denken und blicken kann und kein anderes Gesichtsblick kennt als den ganzen engen der heutigen Zust\u00e4nde! Und da diese tr\u00fcbe sind , da unsere Zeit uns noch nicht anh\u00f6ren will, da sie noch kein Verst\u00e4ndnis hat f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe und Erhabenheit des universalistischen, reinen Gottesglaubens, erkl\u00e4rt der Zionismus die religi\u00f6se G\u00fcter f\u00fcr wertlos und wirft sie leichtfertig von sich. Ohne den geringsten Sinn f\u00fcr seine Verantwortung gegen die Geschichte zerst\u00f6rt der Zionismus die j\u00fcdische Religion!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich \u00fcber den Universalismus und den Weltengott, \u00fcber die Mission des Judentums mit dem billigen Spott der Beschr\u00e4nkung lustig zu machen, diese erhabene Lehre zu verwerfen, weil unsere Zeit ihnen nicht g\u00fcnstig ist, weil wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenm\u00e4\u00dfig nicht feststellen k\u00f6nnen? Ist der Erfolg \u00fcberhaupt ein Ma\u00dfstab f\u00fcr die Richtigkeit einer Idee? Bleiben unsere Propheten nicht doch, was sie sind, behalten ihre Lehren nicht ihren Wert, wenn auch ihre Zeit sie mit Schmutz und Hohn bewarf, wie es heute der Zionismus mit jedem andersdenkenden tut? War darum die gewaltige Kraft ihrer Begeisterung geringer an Wert, waren darum ihre Grunds\u00e4tze schlecht, weil sie kein Geh\u00f6r fanden, und viele von ihnen, vom Volke verachtet und verfolgt, verdarben und starben? Nein, der \u00e4u\u00dfere Erfolg ist noch niemals der Ma\u00dfstab f\u00fcr den inneren Wert einer Sache gewesen, und damit kommen wir zum wichtigsten religi\u00f6sen Gute, das der Zionismus zerst\u00f6rt. Der Glaube an den gerechten und liebenden Weltengott und das Streben, diesen Glauben zu verbreiten, gipfeln in den Gedanken an das messianische Reich, an jene Zeit, da auf Erden wirkliche Harmonie, wirklichen Frieden, echte Kultur herrschen werden, und alle Welt da die enge Schranken der Konfessionen und Nationen, die an allen Krieg und Streit die Schuld tragen, gefallen sein werden den einen einzigen Gott anbetet. Dieser Glaube war es allein, der dem Judentum zu allen Zeiten, Kraft und Ausdauer gab; ihn zerst\u00f6ren und leugnen hei\u00dft das Judentum selber zerst\u00f6ren. In ihm stimmen auch alle Richtungen des Judentums sachlich \u00fcberein, wenn sie auch in Einzelheiten eine verschiedene Auffassung haben. Und was macht der Zionismus aus diesen Grundglaubensatze der Religion? Sein Messianismus ist ein rein nationaler, er tr\u00e4umt von einem j\u00fcdischen Reiche, das nicht etwa, &#8211; wie die Verhei\u00dfungen der Propheten und die innigen W\u00fcnsche unserer Gebeten es zum Ausdruck bringen &#8211; dann sich erheben wird, wenn alle V\u00f6lker sich dem einzigen Weltengotte zugewandt haben werden, sondern sein Ideal ist ein Staat, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut, dessen Zukunftsehen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im \u00fcbrigen sein Schicksal getrennt hat von dem der Welt. Dieses kleinliche und beschr\u00e4nkte Messiasideal ist dem Judentum wesensfremd, dessen wahren Zukunftshoffnungen Vereinigung und Liebe, nicht Ha\u00df und Absonderung verk\u00fcnden. Nur das Wort hat der Zionismus behalten, aber der Inhalt ist verf\u00e4lscht, und die messianische Vorstellung des Nationalismus ist verderbliche, verwirrende Phrase!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zionismus und j\u00fcdische Religion, ein beschr\u00e4nkter Nationalismus und der Glaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegens\u00e4tze. Wer das Judentum kennt und liebt, wer seine wertvollen G\u00fcter behalten will, mu\u00df den Nationalismus ablehnen. In diesem Punkte sind Orthodoxe und Liberalen sich einig, einig in dem Wunsche, die religi\u00f6se Kraft des Judentums zu st\u00e4rken, einig in dem Bewu\u00dftsein da\u00df der Zionismus theoretisch mit der j\u00fcdischen Religion unvereinbar ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich \u00fcber den Universalismus und den Weltengott, \u00fcber die Mission des Judentums mit dem billigen Spott der Beschr\u00e4nkung lustig zu machen, diese erhabene Lehre zu verwerfen, weil unsere Zeit ihnen nicht g\u00fcnstig ist, weil wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenm\u00e4\u00dfig nicht feststellen k\u00f6nnen? Ist der Erfolg \u00fcberhaupt ein Ma\u00dfstab f\u00fcr die Richtigkeit einer Idee? Bleiben unsere Propheten nicht doch, was sie sind, behalten ihre Lehren nicht ihren Wert, wenn auch ihre Zeit sie mit Schmutz und Hohn bewarf, wie es heute der Zionismus mit jedem andersdenkenden tut? War darum die gewaltige Kraft ihrer Begeisterung geringer an Wert, waren darum ihre Grunds\u00e4tze schlecht, weil sie kein Geh\u00f6r fanden, und viele von ihnen, vom Volke verachtet und verfolgt, verdarben und starben? Nein, der \u00e4u\u00dfere Erfolg ist noch niemals der Ma\u00dfstab f\u00fcr den inneren Wert einer Sache gewesen, und damit kommen wir zum wichtigsten religi\u00f6sen Gute, das der Zionismus zerst\u00f6rt. Der Glaube an den gerechten und liebenden Weltengott und das Streben, diesen Glauben zu verbreiten, gipfeln in den Gedanken an das messianische Reich, an jene Zeit, da auf Erden wirkliche Harmonie, wirklichen Frieden, echte Kultur herrschen werden, und alle Welt da die enge Schranken der Konfessionen und Nationen, die an allen Krieg und Streit die Schuld tragen, gefallen sein werden den einen einzigen Gott anbetet. Dieser Glaube war es allein, der dem Judentum zu allen Zeiten, Kraft und Ausdauer gab; ihn zerst\u00f6ren und leugnen hei\u00dft das Judentum selber zerst\u00f6ren. In ihm stimmen auch alle Richtungen des Judentums sachlich \u00fcberein, wenn sie auch in Einzelheiten eine verschiedene Auffassung haben. Und was macht der Zionismus aus diesen Grundglaubensatze der Religion? Sein Messianismus ist ein rein nationaler, er tr\u00e4umt von einem j\u00fcdischen Reiche, das nicht etwa, &#8211; wie die Verhei\u00dfungen der Propheten und die innigen W\u00fcnsche unserer Gebeten es zum Ausdruck bringen &#8211; dann sich erheben wird, wenn alle V\u00f6lker sich dem einzigen Weltengotte zugewandt haben werden, sondern sein Ideal ist ein Staat, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut, dessen Zukunftsehen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im \u00fcbrigen sein Schicksal getrennt hat von dem der Welt. Dieses kleinliche und beschr\u00e4nkte Messiasideal ist dem Judentum wesensfremd, dessen wahren Zukunftshoffnungen Vereinigung und Liebe, nicht Ha\u00df und Absonderung verk\u00fcnden. Nur das Wort hat der Zionismus behalten, aber der Inhalt ist verf\u00e4lscht, und die messianische Vorstellung des Nationalismus ist verderbliche, verwirrende Phrase!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zionismus und j\u00fcdische Religion, ein beschr\u00e4nkter Nationalismus und der Glaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegens\u00e4tze. Wer das Judentum kennt und liebt, wer seine wertvollen G\u00fcter behalten will, mu\u00df den Nationalismus ablehnen. In diesem Punkte sind Orthodoxe und Liberalen sich einig, einig in dem Wunsche, die religi\u00f6se Kraft des Judentums zu st\u00e4rken, einig in dem Bewu\u00dftsein da\u00df der Zionismus theoretisch mit der j\u00fcdischen Religion unvereinbar ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sieht es nun in der Praxis aus? Praktisch erkl\u00e4rt ja der Zionismus Religion als Privatsache. Man darf sich nicht etwa durch den Einwand , den man h\u00e4ufig h\u00f6rt, t\u00e4uschen lassen, da\u00df dies nur auf die speziellen Probleme der Religion beziehe, und da\u00df der Zionismus dieselbe Stellung wie andere j\u00fcdische Organisationen einnehme. Wenn diese erkl\u00e4ren, religi\u00f6se Fragen nicht in den Kreis ihrer Betrachtungen ziehen zu wollen, handelt es sich um Einzelheiten strittiger Natur. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen der Zentralverein, die Gro\u00dfloge, der Hilfsverein und alle anderen sich nicht dar\u00fcber \u00e4u\u00dfern, ob in der Synagoge eine Orgel zuf\u00e4llig ist, ob jede Gemeinde ein rituelles Tauchbad haben m\u00fc\u00dfte. Solche Betrachtungen w\u00fcrden Streit hervorrufen und die \u00e4u\u00dferen zusammenfassenden Abwehraufgaben hindern. Aber alle j\u00fcdischen Organisationen stehen ohne weiteres auf dem Boden der grunds\u00e4tzliche Anerkennung der j\u00fcdischen Religion als obersten und einzigen einheitlichen Faktors des j\u00fcdischen Lebens und ungeschriebenes Staut ist bei allen, da\u00df nur diejenigen Mitglieder werden k\u00f6nnen, die sich zur j\u00fcdischen Religion bekennen, wobei man sich nat\u00fcrlich &#8211; das Prinzip der Gewissensfreiheit entsprechend &#8211; mit dem Bekenntnis begn\u00fcgt das freiwillig abgelegt wird, und nicht n\u00e4her zu forschen vermag, zu welchen praktischen Folgen es im Leben f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zionismus erkl\u00e4rt da\u00df die Religion Privatsache sei, da\u00df jeder sich sein Verh\u00e4ltnis zur Religion gestalten k\u00f6nne, wie es ihm pa\u00dfe, und da\u00df eine positive Stellung der Religion f\u00fcr den Begriff \u201eJude&#8220; nicht erforderlich sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statistische Feststellungen \u00fcber die Anzahl der religionslosen Zionisten lassen sich nun nicht machen, weil der Staat nur als \u201eJuden&#8220; betrachtet, der sich zur j\u00fcdischen Religion bezeichnet, aber jeder Kenner der Verh\u00e4ltnisse wei\u00df, wie gleichgiltig man in f\u00fchrenden zionistischen Kreisen innerlich der Religion gegen\u00fcbersteht. Wie k\u00f6nnte es auch anders in eine Bewegung sein, nach deren Grunds\u00e4tzen man zu gleicher Zeit ein Atheist und ein guter Jude sein kann, in deren Kreisen man den Centralverein es als ein Makel anheftet und ihn meidet, weil er sich eine Vereinigung deutscher Staatsb\u00fcrger j\u00fcdischen Glaubens nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die offizielle Stellung der Juden, die offiziell als Glaubensvereinigung gelten und nur in dieser Gestalt dem Staate gegen\u00fcber eine Gemeinschaft darstellen, bringt es mit sich, da\u00df im allgemeinen der deutsche Zionist als zur j\u00fcdischen Religion geh\u00f6rig gilt. Aber die logischen und folgerichtigen Theoretiker gehen weiter und verlangen nicht einmal dieses \u00e4u\u00dferlichen Bekenntnis zum j\u00fcdischen Glauben. Da\u00df man theoretisch ebenso wie Atheist auch Christ oder Mohammedaner und trotzdem ein guter Nationaljude sein k\u00f6nne, ist noch niemals bestritten worden, aber die ehrlichen Theoretiker, denen taktische Fragen gleichgiltig sind, finden auch nichts dabei, wenn diese Anschauung in die Praxis umgesetzt wird. Dr. Jeremias erkl\u00e4rt in der \u201ej\u00fcdischen Rundschau&#8220; vom 31. M\u00e4rz 1911, da\u00df man es als Geschmacks- und nicht als Prinzipiensache ansehen m\u00fcsse, ob man den Schekel nur von Angeh\u00f6rigen des j\u00fcdischen Glaubens nehmen wolle und solle. Dr. Joseph erkl\u00e4rt mit aller Seelenruhe, wie er selbst sagt, da\u00df man ein guter Nationaljude und dabei ein guter Christ oder \u00fcberzeugungstreuer Atheist sein k\u00f6nne (Liberales Judentum, Jahrgang 1911, Seite 47). Die deutsche zionistische Parteileitung hat zwar Joseph energisch von ihren Rocksch\u00f6\u00dfen abgesch\u00fcttelt, aber das ist sehr undankbar gewesen, undankbar gegen einen ehrlichen, folgerichtig denkenden Menschen, der schlicht die Wahrheit sagte und auf die Finessen zionistischer Diplomatie noch nicht geaicht war. Er hat nur das ausgesprochen, was anderen aus taktischen Gr\u00fcnde verschweigen. Im Zentralorgan der deutschen Zionisten stand &#8211; um noch ein Beispiel aus vielen herauszugreifen &#8211; am 19. April 1912 zu lesen, da\u00df er zionistische Atheist im Interesse der Bewegung sich nicht scheuen solle; seinen Atheismus offen zu bekennen, und wenn auch in diesem Wunsche eine anerkennenswerte Gegnerschaft gegen religi\u00f6se Heuchelei zu Tage tritt, die Sache wird dadurch nur unterstrichen, da\u00df man als nationaler Jude kein religi\u00f6ses Interesse zu haben braucht. Vom Ausland soll hier garnicht die Rede sein, denn da\u00df z.B. in Ru\u00dfland der Nationaljude christlicher Konfession nicht nur in Ausnahmen vorkommt, wie der oft genannten Herzenstein es noch war, sondern etwas Allt\u00e4gliches zu werden beginnt, das geben sogar zionistische Bl\u00e4tter ganz offen zu (Frankfurter Israelitisches Familienblatt vom 2. Februar 1912 (Seite 1 und 2). Es kann hier unsere Aufgabe nicht sein, uns in Einzelheiten zu ergehen, es mag gen\u00fcgen auf die allgemein bekannte Tatsache da\u00df einem gro\u00dfen Teil der russischen Jugend der Nationalismus nur ein Vorwand ist, der die Taufe deckt und ihn vor dem Vorwurfe bewahrt, feigen Verrat begangen zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedenfalls ist es ganz unbestreitbar, da\u00df das Judentum, welches der Zionismus st\u00fctzt und aufbaut, mit wahrem Judentum auch praktisch nichts zu tun hat, und da\u00df er auch praktisch auf die j\u00fcdische Religion zerst\u00f6rend wirkt. Die Anschauungsweise der Zionisten, \u00e4hnelt der der Antisemiten. Zwar gibt es zwischen beiden, dem verschiedenen Milieu entsprechend, indem sie wirken, manche Unterschiede \u00e4u\u00dferlicher Natur. Doch ebenso wie der Antisemitismus \u00e4u\u00dfert sich der Zionismus in Unfrieden, in scharfer Intoleranz, in Ungerechtigkeit und Verst\u00e4ndnislosigkeit gegen Gegner. Was diese t\u00e4glich zu beobachtenden Erscheinungen praktisch bedeuten, wird Gegenstand sp\u00e4terer Betrachtung sein, uns interessiert hier vornehmlich ihre theoretische Grundlage. Es ist falsch zu glauben, da\u00df die blo\u00dfe Ausw\u00fcchse der politischen K\u00e4mpfe seien oder der Stellung, die andere Richtungen im Judentum zum Zionismus einnehmen. Die \u00dcbereinstimmung mit dem Wesen des Antisemitismus, da\u00df sich uns Juden gegen\u00fcber in den sch\u00e4ndlichen Anschl\u00e4ge gegen Gut, Freiheit und Ehre der Juden offenbart, w\u00fcrde noch weit sch\u00e4rfer hervortreten, wenn der Zionismus eine so herrschende Machtstellung einn\u00e4hme wie jener. Jeder Vorwurf aber, den man dem einen Teile macht, gilt gleicherweise f\u00fcr den anderen, und viele schwache Charaktere, die in den Zionismus hineingezogen worden sind, haben sich ganz und gar die Denkweise des Antisemitismus angew\u00f6hnt, haben zu ihrem Teile zu dem Beweise beigetragen, da\u00df der Zionismus ebenso wie sein Zwillingsbruder, der Antisemitismus, nicht nur zur j\u00fcdischen, sondern zu jeder Religion, die ethische Grunds\u00e4tze hat, in sch\u00e4rfstem Gegensatze steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was neu ist im Zionismus, ist unj\u00fcdisch, ist ein Assimilationsprodukt, eine Anlehnung an die Anschauungen, die die Au\u00dfenwelt beherrschen. Der Zionismus hat aber auch Z\u00fcge aufzuweisen, welche wirklich j\u00fcdisches Gut darstellen. 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