{"id":1608,"date":"2012-10-11T16:35:01","date_gmt":"2012-10-11T16:35:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1608"},"modified":"2015-04-14T16:38:01","modified_gmt":"2015-04-14T16:38:01","slug":"materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\/","title":{"rendered":"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.2 \u2013 Kriegsberichterstattung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als Mohammed Aly im Jahr 1804 Pascha von \u00c4gypten wurde, wo er w\u00e4hrend der letzten zwei Jahre allen Einfluss ausge\u00fcbt hatte, den ihm seine zahlreichen Truppen und seine eigene Schlauheit \u00fcber die schwachen Reste der einst furchtbaren Mammelucken, nur verleihen konnten, wurde ihm von der Pforte haupts\u00e4chlich zur Pflicht gemacht, die heiligen St\u00e4dte wieder zu erobern. Er wusste recht wohl, dass die Nichtbefolgung dieser Befehle von der Regierung mit dem Verluste seiner Stelle bestraft werden w\u00fcrde; und um ihn noch mehr anzuspornen, versprach ihm die Pforte das Paschalik von Damaskus f\u00fcr einen seiner S\u00f6hne, sobald er von Mekka und Medinah Besitz genommen haben w\u00fcrde. Auch sein eigener Ehrgeiz machte ihm die Erreichung dieses Zieles h\u00f6chst w\u00fcnschenswert, indem ihn die Befreiung der heiligen St\u00e4dte \u00fcber alle andere Paschas des t\u00fcrkischen Reiches erheben und seinem Namen so viel Zelebrit\u00e4t verleihen w\u00fcrde, dass die Pforte nachher nie sich bewogen finden m\u00f6chte, seinen Interessen entgegen zu treten. W\u00e4hrend der ersten Jahre seiner Regierung hatte er es immer mit den Mammelucken zu tun; und erst im Jahre 1810 kam ein Vergleich mit ihnen zu Stande, nach welchem sie ihre Anspr\u00fcche auf ganz Unter\u00e4gypten und den gr\u00f6\u00dferen Teil von Ober\u00e4gypten aufgaben. Er lud sie unter dem Versprechen eines sichern Geleits nach Kairo ein und lie\u00df sie alsdann, wie bekannt, auf eine treulose Weise in dem Kastell dieser Stadt ermorden. Gegen das Ende des Jahres 1809 machte Mohammed Aly ernsthafte Anstalten f\u00fcr seine Expedition. Vor allen Dingen musste er eine hinl\u00e4ngliche Zahl Schiffe f\u00fcr den Transport von Truppen und Lebensmitteln zur Verf\u00fcgung haben. H\u00e4tte er ein einziges Schiff aus Hedschaz in Beschlag genommen, so w\u00fcrden alle anderen aus Furcht weggeblieben sein und seiner Unternehmung Nachteile gebracht haben. Er beschloss daher, eine Flottille zu bauen, und w\u00e4hrend der Jahre 1809 bis zum Fr\u00fchling 1811 wurden zu Suez 28 gro\u00dfe und kleine Schiffe (von 100 bis 250 Tonnen Tr\u00e4chtigkeit) gebaut, und es fanden hier gegen 1000 Arbeiter, unter welchen sich Griechen und andere Europ\u00e4er befanden, best\u00e4ndig Besch\u00e4ftigung. Das Holz wurde zu Bulak bei Kairo zugehauen, auf Kamelen durch die W\u00fcste transportiert, und zu gleicher Zeit wurden zu Suez gro\u00dfe Magazine von Getreide, Zwieback und anderen Lebensmitteln angelegt. Da es nicht leicht war, in solchen Schiffen viel Reiterei \u00fcber ein gef\u00e4hrliches Meer zu transportieren, so musste daf\u00fcr gesorgt werden, dass sie zu Lande den Punkt ihrer Bestimmung erreichen konnten. Die Kastell auf der Pilgerstra\u00dfe zwischen Kairo und Yembo (Adscherud, Nakhel, Akaba, Moeyleh und el Wodsch) wurden alle ausgebessert, mit neuen Mauern verst\u00e4rkt und mit Infanterie von den Moggrebyns versehen, die mit den Beduinen gut umzugehen wussten. Diejenigen Beduinenst\u00e4mme, welche in der N\u00e4he dieser Kastell lebten, wurden durch Geschenke dahin gebracht, mit ihren Kamelen nach Kairo zu ziehen und Proviant zu holen, der in den Magazinen dieser Kastell niedergelegt wurde. Zu gleicher Zeit wurden auch Getreidemagazine zu Kosseir errichtet; aber zu Anfange des Krieges besa\u00df dieser Hafen noch nicht die Wichtigkeit, welche er nachher als ausschlie\u00dfliches Depot aller Vorr\u00e4te erlangte, indem er Hedschaz weit n\u00e4her, als Suez lag, welches blo\u00df der Handelshafen f\u00fcr Kairo blieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Als Ghaleb, der Scherif von Mekka, h\u00f6rte, dass so bedeutende Anstalten zu einem Angriffe von Hedschaz gemacht w\u00fcrden und dass Mohammed Aly gr\u00f6\u00dfere Hilfsmittel besitze, als irgendein anderer Pascha, der bis jetzt noch mit Heeresmacht sich einen Weg in dieses Land zu bahnen versucht habe, so hielt er es f\u00fcr zweckdienlich, in geheime Korrespondenz mit ihm zu treten und ihm die Versicherung zu geben, dass, wenn auch unbesiegbare Umst\u00e4nde ihn gen\u00f6tigt h\u00e4tten, sich den Wahaby anzuschlie\u00dfen, er doch bereit sei, das Joch abzusch\u00fctteln, sobald nur eine ansehnliche t\u00fcrkische Armee die K\u00fcste von Hedschaz betreten habe. In Folge dieser Korrespondenz gab er umst\u00e4ndliche Auskunft \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Zustand der Wahaby, \u00fcber die Gesinnung der Beduinen in Hedschaz und dar\u00fcber, wie am besten der Angriff zu machen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem ersten Kaufmanne von Kairo, Seyd Mohammed el Mahruky, der selbst oft in Mekka gewesen war und den Handel auf dem Roten Meere vollkommen kannte, vertraute Mohammed Aly die politische Leitung des Krieges und alle notwendigen Unterhandlungen mit den Beduinen am Roten Meere an; und es l\u00e4sst sich nicht leugnen, dass dieser Mann zum endlichen Gelingen der Unternehmung viel beigetragen habe. Mohammed Aly besa\u00df einen zu argw\u00f6hnischen Charakter, um gro\u00dfes Vertrauen in die Versicherungen Ghalebs zu setzen, dessen List und Verschlagenheit nur zu gut bekannt waren; aber es machte sich n\u00f6tig, die Erwartungen zu n\u00e4hren, welchen Ghaleb hinsichtlich des Einfalles einer fremden Armee bei sich Raum gegeben hatte. Es wurden ihm die sch\u00f6nsten Versprechungen gemacht, dass die Z\u00f6lle von Dschidda (die Hauptquelle seines Einkommens) ihm bleiben sollten; und die Soldaten, welche zu dieser Unternehmung eingeschifft werden sollten, wurden durch insgeheim verbreitete Nachrichten ermutigt, dass Ghaleb mit seiner ganzen Macht zu ihnen sto\u00dfen w\u00fcrde, sobald sie am Ort ihrer Bestimmung angelangt waren. Der Zustand \u00c4gyptens war noch nicht so ruhig, dass Mohammed Aly das Land in eigener Person h\u00e4tte verlassen k\u00f6nnen. Im s\u00fcdlichen Teile von Ober\u00e4gypten f\u00fchrten die Mammelucken noch immer mit den Truppen des Paschas einen hitzigen Krieg. Tusun Bey, der zweite Sohn Mohammed Alys, ein J\u00fcngling von 18 Jahren, befehligte die erste Unternehmung gegen die Wahaby, die nach vielem Verzug zu Ende des Augusts 1811 abzugehen bereit war. Tusun Bey hatte im Kriege mit den Mammelucken, als er noch ein Knabe zu nennen war, Beweise von au\u00dferordentlichem Mute gegeben; und da der Mut unter der gegenw\u00e4rtigen Rasse der entarteten Osmanen eine so seltene Eigenschaft war und eine noch seltenere in der Familie eines Pascha, so hielten ihn seine Freunde f\u00fcr die schwierigste Unternehmung tauglich. Ahmed Aga, der Schatzmeister, oder <em>kheznedar<\/em> Mohammed Alys, ein Mann von gro\u00dfer Tapferkeit und weisem Rate, wurde dem Tusun als Anf\u00fchrer beigegeben. In den Kriegen gegen die Mammelucken und gegen die Araber in \u00c4gypten hatte er sich als ein t\u00fcchtiger Haudegen bewiesen und bei seinem Herrn in Ansehen gebracht. Seine g\u00e4nzliche Verachtung des Menschenlebens und aller moralischen Grunds\u00e4tze, so wie sein stolzes Prahlen hatte ihm zu dem Beinamen Bonaparte verholfen, worauf er sich viel einbildete und bei welchem er durchg\u00e4ngig in \u00c4gypten genannt wurde.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass er ein tapferer Soldat war, l\u00e4sst sich nicht leugnen; aber Neigung zum Trunk und Ausschweifungen der niedrigsten Art hatten seinem Charakter alle Energie und seinem Geiste alle Beurteilung geraubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen zwei Befehlshabern wurde noch der oben genannte el Mahruky beigegeben, der haupts\u00e4chlich die diplomatische Unterhandlung mit dem Scherif und den Beduinen zu besorgen hatte. Zwei gro\u00dfe Ulama aus Kairo, Scheikh el Mehdy und Scheikh el Tahtawy, schifften sich ebenfalls mit den Truppen ein, um, wie man sagte, durch ihre gelehrte Unterhaltung die Wahaby von den Irrt\u00fcmern zu \u00fcberzeugen, welche sie in ihrem neuen Glauben angenommen h\u00e4tten. Die Expedition bestand aus zwei Teilen. Die Infanterie bestand haupts\u00e4chlich aus Arnauten<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, an der Zahl 1500 bis 2000. Sie wurden von Saleh Aga und von Omar Aga angef\u00fchrt, in Suez nach dem Hafen Yembo eingeschifft und nahmen alle neu gebauten, mit Proviant beladenen Schiffe mit sich. Die Reiterei unter Tusun Bey und Ahmed Bonaparte bildete ein Korps von etwa 300 Mann t\u00fcrkischer Reiter und bewaffneter Beduinen. Sie wurde von dem Scheikh des Stammes Howeytat, namens Schedid, angef\u00fchrt und ging zu Lande nach Hedschaz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober 1811 langte die Flotte in Yembo an. Die Truppen landeten in geringer Entfernung von der Stadt, die nach schwachem Widerstand zwei Tage darauf kapitulierte. Vierzehn Tage sp\u00e4ter langte die Reiterei an, ohne von den Beduinenst\u00e4mmen, die bereits durch bedeutende Geldsummen gewonnen waren, den geringsten Widerstand erfahren zu haben. Die Einnahme von Yembo wurde als ein erster Sieg \u00fcber die Wahaby ausposaunt und als eine g\u00fcnstige Vorbedeutung des ferneren Erfolges der Unternehmung betrachtet. Die Truppen blieben mehrere Monate unt\u00e4tig und zwar die Infanterie in der Hafenstadt Yembo und die Reiterei mit den Beduinen zu Yembo el Nakhel, sechs Stunden vom Hafen entfernt. Letzterer Ort ist die Hauptstation der Dscheheyne-Araber. Diese Zeit verging mit Unterhandlungen. Tusun Bey fand, dass Hedschaz keineswegs in einem solchen Zustande sei, wie er es nach Ghalebs Schilderungen zu finden gehofft hatte. Die Beduinenbewohner dieses Landes und besonders die beiden gro\u00dfen St\u00e4mme Harb und Dscheheyne waren, trotz ihres Hasses gegen die Wahaby und ihres Wunsches, wieder an dem reichen Tribut und dem Gewinne Teil zu nehmen, den ihnen die t\u00fcrkische Pilgerkarawane sonst brachte, doch in gro\u00dfer Furcht vor der Macht und Wachsamkeit Sauds; und sie wagten sich nicht zu regen, solange die T\u00fcrken keinen entschiedenen Vorteil erlangt hatten, aus welchem sie Hoffnung f\u00fcr das Gelingen der Unternehmung sch\u00f6pfen konnten, im Falle dass sie sich ihnen anschl\u00f6ssen. Die Einnahme von Yembo war f\u00fcr die Verfolgung dieses Krieges eben nicht von gro\u00dfer Wichtigkeit, obschon es den T\u00fcrken \u00e4u\u00dferst n\u00fctzlich war, einen sichern Ankerplatz f\u00fcr ihre Schiffe und ein Depot f\u00fcr ihre Vorr\u00e4te zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Zeit, als die t\u00fcrkische Expedition anlangte, lag in Yembo keine Garnison der Wahaby, aber der Scherif Ghaleb hatte in dieser Stadt einen Gouverneur und ungef\u00e4hr 100 Soldaten. Diese hatten einigen Widerstand zu leisten versucht, aber die Einwohner n\u00f6tigten sie, sich zur\u00fcckzuziehen, weil sie bef\u00fcrchteten, die Stadt einer Erst\u00fcrmung wilder Truppen auszusetzen, und es der Klugheit gem\u00e4\u00df hielten, zu kapitulieren. Der Scherif blieb ruhiger Zuschauer dieses beginnenden Krieges. Er entschuldigte sich schriftlich bei Tusun Bey mit seiner geringen Macht und seiner Furcht vor den Wahaby deshalb, dass er sich noch nicht angeschlossen habe, erkl\u00e4rte aber feierlich, dass er die Maske abnehmen und die Wahaby offen angreifen wolle, sobald die T\u00fcrken einen wichtigen Vorteil errungen h\u00e4tten, womit zugleich alle Beduinenst\u00e4mme in Hedschaz auf ihre Seite treten w\u00fcrden. Unterdessen warf er eine starke Garnison nach Dschidda und Mekka, und als ihn Saud dringend aufforderte, sich mit ihm gegen die T\u00fcrken zu vereinigen, entschuldigte er sich damit, dass er einen pl\u00f6tzlichem \u00dcberfall von Dschidda von der Wasserseite her bef\u00fcrchtete, was auch die Einnahme des entfernter gelegenen Mekka zur Folge haben k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war offenbar die Absicht des Scherifs, die Zeit abzuwarten und \u00fcber denjenigen Teil herzufallen, der die erste bedeutende Niederlage erfahren w\u00fcrde, oder auch zu warten, bis beide Teile durch den Krieg geschw\u00e4cht sein w\u00fcrden, und sie dann beide aus seinen Gebiete zu vertreiben. Die einzigen Beduinen in Hedschaz, welche Tusun Bey den Wahaby abwendig machen konnte, waren einige Zweige von dem gro\u00dfen Stamme der Dscheheyne, die in der Nachbarschaft von Yembo wohnten, wogegen aber der gr\u00f6\u00dfere Teil dieses Stammes, wie auch alle Teile des Stammes Harb, der an das Gebiet der Dscheheyne grenzte, gegen alle Anerbietungen des Tusun Bey unempfindlich blieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es machte sich indessen notwendig, den Feldzug zu er\u00f6ffnen, damit nicht die Bewohner von Hedschaz, wie auch der Feind diese Unt\u00e4tigkeit als Furcht und die Unterhandlung als einen Beweis der Schw\u00e4che auslegen m\u00f6chten. Eine Bewegung gegen Mekka, oder Dschidda w\u00fcrde den Scherif Ghaleb, welcher diese St\u00e4dte besetzt hatte, mit einem Male gen\u00f6tigt haben, sich f\u00fcr die eine, oder die andere Partei zu erkl\u00e4ren; aber eine solche Erkl\u00e4rung hatte Tusun Bey mehr zu f\u00fcrchten, als es bei den Wahaby der Fall war. Sehr klug richtete er deshalb seine Blicke auf Medinah, welches sechs Tagereisen von Yembo liegt. Medinah galt immer f\u00fcr die am besten befestigte Stadt in Hedschaz, f\u00fcr das Bollwerk dieser Provinz gegen Nedschid und f\u00fcr die Festung der Wahaby. Der Besitz dieser Stadt konnte deshalb der syrischen Pilgerkarawane ihren Weg \u00f6ffnen, oder verschlie\u00dfen. Die Einnahme von Medinah musste eine Menge Beduinen bewegen, sich der t\u00fcrkischen Armee anzuschlie\u00dfen; und der Scherif Ghaleb versprach f\u00f6rmlich, als er diese Absicht der T\u00fcrken erfuhr, sich gegen Saud zu erkl\u00e4ren, sobald diese Stadt genommen sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Tusun Bey eine Garnison zu Yembo zur\u00fcckgelassen hatte, marschierte er mit seinen Truppen im Januar 1812 auf Medinah los. Nach einem geringen Kampfe r\u00fcckte er in Beder, einer kleinen Stadt, zwei Tagereisen von Yembo gelegen und vom Stamme Harb bewohnt, ein. Beder liegt am Fu\u00dfe der Gebirge, \u00fcber welche der Weg nach Medinah unvermeidlich f\u00fchrt. Von den Beni Harb, welche alle P\u00e4sse in diesen Gebirgen besetzt haben, war einiger Widerstand zu erwarten, aber von anwesenden Truppen der Wahaby war nichts bekannt. Tusun lie\u00df eine kleine Garnison zu Beder und marschierte mit seiner Armee nach Szafra. einem Marktplatz des Stammes Harb, acht Stunden von Beder. Hier ergriff nach kurzem Gefecht eine Abteilung dieses Stammes die Flucht. Vier Stunden von Szafra f\u00fchrt der Weg durch einen engen Pass, vierzig bis sechzig Ellen breit, zwischen steilen und schroffen Gebirgen hin. Am Eingange dieses Passes liegt das Dorf Dschedeyde, in einem Haine von Palmenb\u00e4umen. Dieses ist die Hauptniederlassung von Beni Harb, denen in fr\u00fcheren Zeiten die syrische Pilgerkarawane oft betr\u00e4chtliche Summen zahlen musste, um freien Durchgang zu erhalten. In diesem Defil\u00e9<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, welches l 1\/2 Stunden lang ist, wurde die t\u00fcrkische Armee auf einmal von der ganzen Macht des Stammes Harb angegriffen. Als die T\u00fcrken nach einigen Scharm\u00fctzeln die Oberhand zu behalten glaubten, lie\u00dfen sie sich verleiten, die Araber bis in die Mitte dieses Passes zu verfolgen, aber mit einem Male waren die Berge auf beiden Seiten dick mit den Truppen der Wahaby bedeckt, die den Tag zuvor aus Nedschid angelangt waren, und wovon die T\u00fcrken nicht das Geringste erfahren hatten. Die Wahaby wurden von Abdallah und Faysal, den S\u00f6hnen Sauds, angef\u00fchrt, und ihre Armee bestand aus zwanzigtausend Mann Infanterie und Kamelreitern, und sechs bis achthundert Mann zu Pferde. H\u00e4tten sich die T\u00fcrken in das Dorf Dschedeyde zur\u00fcckgezogen und daselbst befestigt, so h\u00e4tten sie den Angriff aushalten k\u00f6nnen und eine ehrenvolle Kapitulation erlangt, da es bei der Menge der Feinde unm\u00f6glich war, sich lange auf diesem Punkte zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem ersten Kriegsgeschrei begann aber die t\u00fcrkische Infanterie zu fliehen und die Kavallerie, welche den R\u00fcckzug decken sollte, ergriff bald ebenfalls die Flucht, w\u00e4hrend ihre schnellf\u00fc\u00dfigen Feinde sie von hinten dr\u00e4ngten, sie von beiden Bergseiten her \u00fcberholten und unaufh\u00f6rliche Salven auf sie gaben. Selbst in dieser verzweifelten Lage verlor Tusun Pascha nicht den Ruhm der Tapferkeit und benahm sich, wie es einem Anf\u00fchrer nur Ehre macht. Nachdem er sich vergebens M\u00fche gegeben hatte, seine Truppen zu sammeln, eilte er, nur von zwei Reitern seines Gefolges begleitet, zur Nachhut und st\u00fcrzte sich auf den Feind, um ihn von der Verfolgung abzuhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Augenzeugen haben mir die Versicherung gegeben, dass Tusun mit Tr\u00e4nen in den Augen den fliehenden T\u00fcrken zugerufen habe: \u201eWill denn keiner bei mir bleiben?&#8217;\u201d Etwa zwanzig Reiter sammelten sich um ihn, und gl\u00fccklicher Weise waren die Wahaby auf kurze Zeit damit besch\u00e4ftigt, sich des Gep\u00e4cks der Armee zu bem\u00e4chtigen, und lie\u00dfen deshalb in der Verfolgung nach. Als endlich die T\u00fcrken das freie Feld vor dem <em>Defil\u00e9<\/em> erreicht hatten, sammelte sich ihre Reiterei wieder und besch\u00fctzte einigerma\u00dfen die anderen. H\u00e4tten die Wahaby sich eiligst \u00fcber die Berge begeben, so w\u00fcrden sie die ganze t\u00fcrkische Armee eingeschlossen und vernichtet haben. Sie begn\u00fcgten sich indessen mit Eroberung der ganzen Bagage [Gep\u00e4ck], vier Feldst\u00fccke, fast aller Kamele und vieler Beute, die sie in den G\u00fcrteln der Arnauten fanden, welche sich in \u00c4gypten durch Pl\u00fcnderung der Mammelucken bereichert hatten. Gegen zw\u00f6lfhundert wurden an diesem Tage erschlagen. Tusun Bey zog sich nach Beder zur\u00fcck, verbrannte hier das Lager, da ihm alle Transportmittel fehlten, lie\u00df auch aus demselben Grunde seine Kriegskasse zur\u00fcck und eilte von Beder an die Meeresk\u00fcste, wo mehrere seiner Schiffe in einer Bai, namens Bereyka, vor Anker lagen. Hier schiffte er sich mit sehr wenigen Begleitern ein und ging nach Yembo. Der Rest seiner Truppen langte einige Tage sp\u00e4ter in gro\u00dfem Elende an. Zum Gl\u00fccke f\u00fcr die T\u00fcrken glaubten die Wahaby, dass ein starkes Korps derselben zu Beder sich verschanzt habe, und verfolgten nicht unmittelbar ihren Sieg. Wer also nur einigerma\u00dfen noch bei Kr\u00e4ften war, erreichte endlich Yembo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Wahaby erfuhren, dass ihre Feinde sich nach Yembo zur\u00fcckgezogen hatten, sendeten sie Streitparteien aus, welche bis an die Mauern dieser Stadt schw\u00e4rmten. Sobald der Scherif erfuhr, dass die Unternehmung der T\u00fcrken verungl\u00fcckt sei, begab er sich pers\u00f6nlich nach Beder zu den Wahaby. Es wurde zuerst vorgeschlagen, Yembo zu st\u00fcrmen, aber man gab endlich den Vorschlag auf, weil man bef\u00fcrchtete, dass die arabischen Bewohner der Stadt, die sich den T\u00fcrken aufrichtig angeschlossen hatten, mit wahrer Verzweiflung fechten w\u00fcrden. Die Wahaby fanden es unn\u00f6tig, die Stadt l\u00e4nger zu belagern, und zogen sich ins Innere zur\u00fcck, bereit, sich augenblicklich wieder zu versammeln, sobald es die T\u00fcrken wagen sollten, zum zweiten Mal eine Armee ins freie Feld zu f\u00fchren. Bei diesem R\u00fcckzug gaben sie dem Stamme Harb den Auftrag, die T\u00fcrken zu beunruhigen und der Stadt alle Zufuhr abzuschneiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bezug auf die gef\u00e4hrliche Lage, in welcher sich Tusun Pascha befand, als ihn alle seine Leute bis auf zwei Reiter verlassen hatten, muss ich hier eine Anekdote von einem dieser braven Soldaten erz\u00e4hlen. Er hie\u00df Ibrahim Aga und war Anf\u00fchrer von Tusuns Mammelucken <em>(Anakder Agassy)<\/em>. Er war ein junger Mann von etwa zwanzig Jahren, in Edinburg geboren und hie\u00df Thomas Keith. Bei der letzten englischen Expedition gegen \u00c4gypten war er, nebst mehreren anderen Soldaten vom zwei und siebzigsten Regiment der Hochl\u00e4nder (Highlander), in welchem er B\u00fcchsenschmied war, zum Gefangenen gemacht worden. Er ging zum Muselm\u00e4nnischen Glauben \u00fcber und wurde von dem Soldaten, der ihn gefangen genommen hatte, an den obenerw\u00e4hnten Ahmed Bonaparte verkauft. Als ein sizilianischer Mammeluck, der Liebling seines Herrn, einst den jungen Schotten beleidigt hatte, so folgten Schl\u00e4ge; die Schwerter wurden gezogen, und der Sizilianer fiel. Ibrahim Aga entging dem Zorn des Ahmed Bonaparte und flehte die Gemahlin des Mohammed Aly um ihren Schutz an, die ihn beg\u00fcnstigte und ihren Sohn Tusun Bey bewog, ihn in seine Dienste zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tusun gab in einem Anfalle von \u00fcbler Laune, die sich bei den t\u00fcrkischen Despoten so oft einzustellen pflegt, den Befehl, dass der junge Schotte, wegen einer geringf\u00fcgigen Vernachl\u00e4ssigung seiner Pflicht, get\u00f6tet werden solle, aber der brave Bursche verteidigte den Eingang seiner Stube mit seinem Schwerte gegen mehrere Angreifer \u00fcber eine halbe Stunde lang, entsprang dann durch das Fenster und fl\u00fcchtete sich wieder zu seiner g\u00fctigen Besch\u00fctzerin, die ihn bald wieder mit seinem Herrn auss\u00f6hnte. Tusun Bey lernte endlich den Wert Ibrahims, als eines tapferen Soldaten, kennen, machte ihn zum Anf\u00fchrer seiner Mamelucken und bef\u00f6rderte ihn endlich nach seinem tapferen Benehmen bei Dschedeyde zur Stelle eines Schatzmeisters, dem Rang nach der zweite Posten am Hof eines Paschas. Er focht wieder tapfer bei Medinah und bei Taraba, wie sp\u00e4ter erz\u00e4hlt werden soll, wurde im Jahr 1815 Gouverneur von Medinah und zwei Monate sp\u00e4ter, als er dem Tusun Bey, der in der Provinz Kasym lagerte, mit zweihundert und f\u00fcnfzig Reitern zur Hilfe eilen wollte, wurde er von einer \u00fcberlegenen Zahl Wahaby angegriffen und teilte das Los seiner Truppen, die alle bei diesem Treffen umkamen. Bei dieser Gelegenheit erlegte der tapfere Schotte vier Wahaby mit eigener Hand; und Abdallah Ibn Saud bekannte, dass Tusun Bey und sein treuer Schatzmeister die beiden tapfersten M\u00e4nner im Heere seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verluste, welche sie bis jetzt gehabt hatten, machten die Truppen v\u00f6llig mutlos. Saleh Aga und Omar Aga, die beiden Anf\u00fchrer der Infanterie, erkl\u00e4rten jetzt, dass sie nicht l\u00e4nger in Hedschaz fechten k\u00f6nnten. Tusun Bey beschloss deshalb, sie nach Hause zu schicken. Sie kehrten nach Cosseir zur\u00fcck, und auf dem Wege nach Kairo rekrutierten sie ihr Korps mit einer Menge von Subjekten, die mit dem Pascha unzufrieden waren. Nachdem sie sich dieser Stadt gen\u00e4hert hatten, nahmen sie eine so imposante Stellung an, dass Mohammed Aly alle Kunst anzuwenden hatte, sie durch Drohungen und Geschenke dahin zu bringen, dass sie \u00c4gypten verlie\u00dfen. Beide hatten in fr\u00fcherer Zeit die reichsten Distrikte in Ober\u00e4gypten gepl\u00fcndert und schifften sich in Alexandrien mit bedeutenden Sch\u00e4tzen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Truppen des Tusun Bey hatten schon durch die erm\u00fcdende Landreise bis nach Yembo viele Pferde verloren und wurden von der meisten Beduinen-Reiterei verlassen, die sie bis jetzt begleitet hatte. Gegen zweihundert Pferde waren bei Dschedeyde get\u00f6tet worden; und als die Armee Yembo erreichte, konnte sie nicht \u00fcber zweihundert Pferde mehr aufstellen. Auch Mangel an Futter n\u00f6tigte die Besitzer, diese \u00fcbriggebliebenen Pferde zu verkaufen, und die Mannschaft wurde nach Kairo geschickt, um sich frisch equipieren<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> zu lassen. Sobald der Pascha den ungl\u00fccklichen Ausgang der Unternehmung seines Sohnes erfahren hatte, suchte er auf alle m\u00f6gliche Weise den Verlust zu ersetzen und Anstalten zu einer neuen Expedition zu machen. Mohammed sendete seinem Sohne gro\u00dfe Geldsummen, um sie unter die benachbarten Beduinen-Scheikhs zu verteilen, in der Hoffnung, sie dadurch dem Interesse der Wahaby abwendig zu machen. Der ganze Fr\u00fchling und Sommer des Jahres 1812 wurde zu diesen Unternehmungen verwendet, und es langten t\u00e4glich Truppenverst\u00e4rkungen und Kriegsvorr\u00e4te zu Yembo an. Dem Mahruky gelang es endlich, durch sein Gold eine betr\u00e4chtliche Zahl der Beni Harb zu gewinnen, haupts\u00e4chlich aber die st\u00e4rksten Zweige dieses Stammes, die Beni Salem und die Beni Sobh, welche den Pass von Szafra und Dschedeyde besetzt hielten. Selbst Scherif Ghaleb, als er \u00fcberzeugt war, dass Mohammed Aly sich entschlossen hatte, den Kampf zu verl\u00e4ngern, kehrte wieder zu seinem alten Systeme der Politik zur\u00fcck und versicherte dem Tusun Bey, dass er blo\u00df aus Furcht sich zu Beder mit den Wahaby vereinigt habe, erneuerte auch sein Versprechen, den t\u00fcrkischen Truppen die Tore von Dschidda und Mekka zu \u00f6ffnen, sobald sie Medinah genommen haben w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober 1812 hielt sich Tusun f\u00fcr hinl\u00e4nglich m\u00e4chtig, um einen zweiten Versuch auf Medinah zu machen. Die Beduinen an dieser Stra\u00dfe waren seine Freunde geworden; viele Individuen der Dscheheyne hatten sich ihm angeschlossen; und die Nachricht, dass die Wahaby ganz unt\u00e4tig in Nedschid waren, best\u00e4rkte seine Hoffnung eines g\u00fcnstigen Erfolges. Er verlegte sein Hauptquartier nach Beder, und Ahmed Bonaparte \u00fcbernahm die Anf\u00fchrung der Truppen, die durch denselben Pass, den Schauplatz ihrer vorigen Niederlage, jetzt nach Medinah vorr\u00fcckten. Sie kamen ungehindert durch, lie\u00dfen eine starke Besatzung zu Dschedeyde und erreichten ohne Schwertstreich die Mauern von Medinah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Garnison der Wahaby hatte Stadt und Kastell seit vorigem Jahre besetzt, und beide waren auf eine lange Belagerung gut mit Vorr\u00e4ten versehen. Das Oberhaupt der Wahaby war indessen auf eine ganz unerkl\u00e4rliche Weise in Hedschaz unt\u00e4tig geblieben; aber der Sieg zu Dschedeyde hatte seine Autorit\u00e4t \u00fcber alle n\u00f6rdlichen Araber verbreitet, und im Jahr 1812 sammelte er von den Beduinen in der unmittelbaren N\u00e4he von Bagdad, Aleppo und Damaskus den Tribut ein. Nachdem zu Mekka die zu Dschedeyde gemachte Beute verkauft worden war, kehrte er nach Derayeh zur\u00fcck, und seine Soldaten waren so stolz durch ihren Sieg geworden und verachteten die T\u00fcrken wegen ihres feigen Benehmens bei Dschedeyde derma\u00dfen, dass sie der Meinung waren, es stehe jederzeit in ihrer Gewalt, sie wiederum zu schlagen. Saud erwartete wahrscheinlich, dass Medinah lange Zeit Widerstand leisten w\u00fcrde und dass die T\u00fcrken endlich aus Mangel an Lebensmitteln zur R\u00fcckkehr gezwungen sein w\u00fcrden. In diesem Falle sah er vorher, dass die Beni Harb ihre fremden Alliierten verlassen w\u00fcrden, die dann abermals leicht vernichtet werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Gefechte mit der Besatzung der Wahaby fanden vor Medinah statt, und in Folge derselben drang Ahmed Bonaparte in die Vorst\u00e4dte und trieb die Wahaby in die innere Stadt, aus welcher sie bei der Ann\u00e4herung der T\u00fcrken alle Einwohner vertrieben hatten, die jetzt in den Vorst\u00e4dten wohnten und lebhaften Anteil an dem ersten Gefechte gegen die \u00fcberlastigen Wahaby nahmen. Die innere Stadt wurde von einer starken und hohen Mauer und einem befestigten Kastell besch\u00fctzt, gegen welches die T\u00fcrken nichts, als leichte Feldst\u00fccke richten konnten. Nach einer 14 t\u00e4gigen Belagerung, binnen welcher Zeit die Wahaby verschiedene Ausf\u00e4lle gemacht hatten, legten die T\u00fcrken eine Mine, aber auf eine so offenbare Weise, dass die Wahaby Mittel fanden, entgegen zu arbeiten und ihnen alles zu zerst\u00f6ren. Eine zweite Mine hatte in der Mitte des November 1812 einen bessern Erfolg und sprengte einen Teil der Mauer in die Luft, w\u00e4hrend die Wahaby bei ihrem Mittagsgebete versammelt waren, worauf die Arnauten in die Stadt eindrangen. Die erschrockenen Wahaby flohen nach dem Kastell; gegen 1000 von ihnen wurden in den Stra\u00dfen niedergehauen; die ganze Stadt wurde gepl\u00fcndert, und es waren im Ganzen nur f\u00fcnfzig T\u00fcrken geblieben. Der obenerw\u00e4hnte Schotte, Thomas Keith (oder Ibrahim Aga), bewies bei dieser Gelegenheit seine gew\u00f6hnliche Unerschrockenheit und war der erste, welcher durch die Bresche eindrang. Gegen 1500 Wahaby fl\u00fcchteten sich ins Kastell, was die T\u00fcrken aus Mangel an schwerem Gesch\u00fctz nicht nehmen konnten; und da das Kastell auf einem massiven Felsen lag, so war eine Mine nicht anzulegen. Als aber nach drei Wochen ihre Vorr\u00e4te ersch\u00f6pft waren, kapitulierten die Wahaby unter der Bedingung des sicheren Geleits, welches ihnen Ahmed Bonaparte zugesichert hatte. Er gestand ihnen auch zu, dass sie all ihr Gep\u00e4ck mitnehmen k\u00f6nnten, und dass Kamele f\u00fcr diejenigen vorhanden sein sollten, welche nach Nedschid zur\u00fcckzukehren w\u00fcnschten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Garnison aus dem Kastell ausr\u00fcckte, fand sie, statt der versprochenen 300, nur 50 Kamele zu ihrer Disposition. Sie war demnach gen\u00f6tigt, den gr\u00f6\u00dften Teil ihres Gep\u00e4cks zur\u00fcckzulassen, und das Wertvollste musste jeder Einzelne auf dem eigenen R\u00fccken fortschaffen. Kaum hatten sie aber das Weichbild [Zentrum] der Stadt verlassen, als die t\u00fcrkischen Soldaten ihnen nachsetzten, sie auspl\u00fcnderten und so viele von ihnen t\u00f6teten, als sie nur erreichen konnten. Au\u00dfer denen, welche mit Kamelen versehen waren, entkamen nur wenige. Diese Araber geh\u00f6rten meistenteils zum Stamme Asyr, welcher s\u00fcdlich von Mekka wohnt und nach der Zeit dem Mohammed Aly einen so hartn\u00e4ckigen Widerstand entgegengesetzt hat. Einer der Anf\u00fchrer dieser Wahaby, Saleh Ibn Saleh aus Bagdad, war so gl\u00fccklich, die Heimat wieder zu erreichen. Masaud el Mebheyan, welchen Saud zum Oberhaupt aller Beni Harb gemacht und ihn auch \u00fcber mehrere andere St\u00e4mme gesetzt hatte, wollte sich nicht in die Stadt einschlie\u00dfen und begab sich deshalb mit seiner Familie und vierzig Mann Bedeckung in ein Gartenhaus, welches er, eine Stunde von Medinah entfernt, in einem Dattelhaine befestigt hatte. Als Medinah genommen war, kapitulierte er unter der Bedingung des sicheren Geleits f\u00fcr sich, seine Familie, seine Leute und s\u00e4mtliches Gep\u00e4ck. Es wurde ihm in den Vorst\u00e4dten ein Haus f\u00fcr seine Familie und sein Eigentum angewiesen. Als aber das Kastell \u00fcbergegangen war und die Besatzung auf eine so niedrige Weise ermordet wurde, pl\u00fcnderten die T\u00fcrken sein Haus, t\u00f6teten seine S\u00f6hne und seine Begleitung, legten ihm selbst Fesseln an und sendeten ihn nach Yembo. Als er durch Beder kam, gelang es ihm des Nachts in die Gebirge zu entkommen. Er fl\u00fcchtete sich zu einigen Beduinen des Stammes Beni Harb, welche nach drei Tagen durch t\u00fcrkisches Geld bewogen wurden, ihn auszuliefern. Er wurde hierauf von Yembo nach Kairo und nachher nach Konstantinopel gesendet, wo ihm der Kopf abgeschlagen wurde. Sein Leidensgef\u00e4hrte bei dieser Gelegenheit war Hassan el Kaladschy, dessen wir schon Erw\u00e4hnung getan haben und der bekanntlich die Regierung von Medinah usurpierte<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, ehe die Wahaby die Stadt nahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das treulose Benehmen der T\u00fcrken zu Medinah war eine h\u00f6chst unweise Ma\u00dfregel, indem sie es mit einem Feinde zu tun hatten, welcher wegen der p\u00fcnktlichsten Erf\u00fcllung seines Versprechens ber\u00fchmt war und einmal zugestandenes sicheres Geleite niemals verletzte. Alle Beduinen \u00e4rgerten sich \u00fcber ein solches Benehmen, und andere Vorf\u00e4lle \u00e4hnlicher Natur, die ich nachher erw\u00e4hnen will, sch\u00e4ndeten den t\u00fcrkischen Namen durch ganz Hedschaz. Ahmed Bonaparte sammelte, im echten Geschmack eines Vandalen, alle Sch\u00e4del der in Medinah erschlagenen Wahaby und lie\u00df aus denselben, auf der Stra\u00dfe nach Yembo, eine Art von Turm aufbauen. Er stellte eine Wache dabei; aber dennoch gelang es den Arabern und selbst den Einwohnern von Medinah, nach und nach die meisten dieser gr\u00e4sslichen Denkm\u00e4ler zu beseitigen; und als ich im Jahr 1815 nach Medinah kam, waren sehr wenige derselben noch \u00fcbrig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Medinah eingenommen war, r\u00fcckte eine Expedition von 1000 Reitern und 500 Mann Infanterie, welche \u00fcber Yembo gegangen waren, gegen Dschidda und Mekka. Sie wurden von Mustafa Bey, dem Schwager Mohammed Alys, angef\u00fchrt. Gleich dem Ahmed Bonaparte hatte sich dieser Mann ehedem durch seine barbarische Strenge gegen die \u00e4gyptischen Rebellen ausgezeichnet, mit welchen Mohammed Aly so h\u00e4ufig zu k\u00e4mpfen hatte. Als Gouverneur der Provinz Scherkieh rottete er ganze Beduinenlager aus und verbrannte viele D\u00f6rfer; und oft pflegte er sich zu r\u00fchmen, dass mehr M\u00e4nner unter den H\u00e4nden seiner <em>kowas<\/em> (oder Scharfrichter) gestorben seien, als in die Welt getreten sein w\u00fcrden, wenn jedes seiner Weiber alle Tage im Jahr ein m\u00e4nnliches Kind geboren h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scherif Ghaleb war durch den Fall von Medinah etwas eingesch\u00fcchtert worden. Vielleicht w\u00fcnschte er auch wirklich, das Joch der Wahaby abzusch\u00fctteln, und zog es wenigstens jetzt vor, sich zu den Osmanen zu halten. Er sendete Boten dem Mustafa Bey entgegen und lie\u00df ihn in seine St\u00e4dte einladen. Einige hundert Mann wurden nach Dschidda abgesendet, w\u00e4hrend die Hauptmacht gegen Mekka r\u00fcckte, wo el Medhayfe damals die Macht der Wahaby befehligte. Er fand sich indessen nicht stark genug, eine Schlacht anzubieten, und zog sich nach Tayf zur\u00fcck und zwar einige Stunden vor dem Einzuge des Mustafa Bey im Januar 1813. Das Eigentum der Mekkaner wurde respektiert, wie auch ehedem von den Wahaby. Ghaleb stie\u00df nun zu den T\u00fcrken mit mehr, als 1000 Arabern und schwarzen Sklaven. Vierzehn Tage nach der Befreiung von Mekka wurde ein Angriff auf Tayf gemacht, welches drei Tagereisen gegen Osten lag. Vor der Stadt fiel ein Gefecht vor; el Medhayfe ergriff die Flucht, und Scherif Ghaleb zog mit Mustafa Bey in die Stadt ein, welche die Wahaby zehn Jahre lang besessen hatten, und die mehr, als irgendeine andere Stadt in Hedschaz gelitten hatte.<\/p>\n<p>____________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ich besitze einige Originalbriefe, welche das Oberhaupt der Wahaby an ihn gerichtet hatte. In denselben wird er \u201eAhmed Aga Bonaparte\u201d genannt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Albaner<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Engpass<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> aufr\u00fcsten<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> widerrechtlich an sich nahm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Mohammed Aly im Jahr 1804 Pascha von \u00c4gypten wurde, wo er w\u00e4hrend der letzten zwei Jahre allen Einfluss ausge\u00fcbt hatte, den ihm seine zahlreichen Truppen und seine eigene Schlauheit \u00fcber die schwachen Reste der einst furchtbaren Mammelucken, nur verleihen konnten, wurde ihm von der Pforte haupts\u00e4chlich zur Pflicht gemacht, die heiligen St\u00e4dte wieder zu &hellip; <a href=\"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.2 \u2013 Kriegsberichterstattung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[473,586,576],"class_list":["post-1608","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur","tag-j-l-burckhardt","tag-kriegsberichterstattung","tag-ueber-die-wahaby"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.7 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.2 \u2013 Kriegsberichterstattung - Al-Adala.de<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.2 \u2013 Kriegsberichterstattung - Al-Adala.de\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Als Mohammed Aly im Jahr 1804 Pascha von \u00c4gypten wurde, wo er w\u00e4hrend der letzten zwei Jahre allen Einfluss ausge\u00fcbt hatte, den ihm seine zahlreichen Truppen und seine eigene Schlauheit \u00fcber die schwachen Reste der einst furchtbaren Mammelucken, nur verleihen konnten, wurde ihm von der Pforte haupts\u00e4chlich zur Pflicht gemacht, die heiligen St\u00e4dte wieder zu &hellip; Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.2 \u2013 Kriegsberichterstattung weiterlesen &rarr;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Al-Adala.de\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2012-10-11T16:35:01+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2015-04-14T16:38:01+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Jens Yahya Ranft\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@YahyaRanft\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@YahyaRanft\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Jens Yahya Ranft\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"26\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.al-adala.de\\\/Neu\\\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.al-adala.de\\\/Neu\\\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"Jens Yahya Ranft\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.al-adala.de\\\/Neu\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e980c293b3ac0aff8c8f90c65abaa111\"},\"headline\":\"Materialien zur Geschichte der Wahaby \u2013 07.2 \u2013 Kriegsberichterstattung\",\"datePublished\":\"2012-10-11T16:35:01+00:00\",\"dateModified\":\"2015-04-14T16:38:01+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.al-adala.de\\\/Neu\\\/materialien-zur-geschichte-der-wahaby-07-2-kriegsberichterstattung\\\/\"},\"wordCount\":5183,\"keywords\":[\"J. 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