{"id":1819,"date":"2015-05-16T17:30:12","date_gmt":"2015-05-16T17:30:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=1819"},"modified":"2015-05-16T17:59:14","modified_gmt":"2015-05-16T17:59:14","slug":"h-h-frank-ueber-den-sufismus-6-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-6-teil\/","title":{"rendered":"H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (6. Teil)"},"content":{"rendered":"<pre style=\"text-align: justify;\">Nach l\u00e4ngerer Zeit setze ich nun die Abschrift aus dem Buch \u00ab<em>Das Abendland und das Morgenland \u2013 Eine Zwischenreichbetrachtung\u00bb<\/em> von <em>Herman Heinrich Frank <\/em>fort, dass 1901 im Leipziger <em>Hermann Seeman Nachfolger Verlag<\/em> publiziert wurde.\r\nEine Linkliste mit allen bisher verschriftlichten Teilen der Abschrift findet ihr oben im Men\u00fc unter \u00abBeitragsserien\u00bb.<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Also sehen wir, da\u00df die Sufi trotz gr\u00f6\u00dfter Verschiedenheiten in der \u00e4u\u00dferen Form ihrer Lehre, innerlich eigentlich die Gebildeten im Orient sind. Indes hat nat\u00fcrlich das ausf\u00fchrlich geschilderte orientalische Wesen, haupts\u00e4chlich deswegen weil staatlich, wirtschaftlich, klimatisch der Orient seine besondere Form hat, der Sache ebenfalls ihre besondere Form gegeben, die selbstverst\u00e4ndlich auf das Abendland nicht ohne weiteres anwendbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Hingegen mu\u00df auf das allerst\u00e4rkste hervorgehoben werden, da\u00df die Beziehungen zur Religion selbst auf den einf\u00e4ltigsten Beurteiler im Abendland zu der Wahrnehmung f\u00fchren k\u00f6nnen, da\u00df der Derwisch obgleich weder den Satzungen des Islam unterthan, noch auch aber diese je verh\u00f6hnend oder verspottend, doch von der gro\u00dfen Masse, die dem Islam ergeben ist, gesch\u00fctzt und gesch\u00e4tzt wird; ferner, da\u00df der Derwisch, obgleich aus Staat und wirtschaftlicher Lebensordnung herausgetreten, weder diese beiden verspottet noch feindselig betrachtet und daher auch mit diesen beiden im vollsten Einvernehmen lebt. Kein Derwisch hat Revolution gegen die Staatsgewalt, noch gegen das Kapital gepredigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben der K\u00fcrze wegen hier wiederholt den Ausdruck &#8222;Derwischlehre&#8220; gebraucht. Man hat sich hierunter immer den Sufismus im allgemeinen zu denken und wolle nicht vergessen, da\u00df hierbei zun\u00e4chst immer nur von vor\u00fcbergehenden oder habituell gewordenen &#8222;Zust\u00e4nden und Empfindungen&#8220; gesprochen werden kann. Wie man diese deutlich mache, durch Worte bezeichne, als Begriffe lehre, die Mittel (geistige oder k\u00f6rperliche Di\u00e4t) angebe, um diese Zust\u00e4nde und Empfindungen zu erzeugen, als die gemeinten zu erkennen, zu befestigen, als einen aufsteigenden Weg der L\u00e4uterung zu begreifen, dieses alles geh\u00f6rt eben in den Bereich der tastenden Versuche und zu den Verschiedenheiten der Methode der einzelnen Orden, ja sogar der einzelnen selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt uns noch \u00fcbrig folgende zwei Fragen zu besprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">1. Was ist die moderne soziale Frage?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">2. Gibt es ein Mittel, wenn wir die Sch\u00e4den erkannt haben, uns in friedlicher Weise damit auseinander zu setzen? Und gibt es etwa ein Sufitum, da\u00df sich aus dem Orientalischen ins Europ\u00e4ische \u00fcbersetzen lie\u00df?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem wir das vorausgeschickte als gegenw\u00e4rtig voraussetzen, ordnen wir nunmehr die Bausteine zu einem Ganzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der modernen Kultur versuchen wir aus der Vogelschau folgende Charakteristik zu geben:<br \/>\nDie metaphysischen Wahrheiten haben durch Majorit\u00e4t Jahrhunderte hindurch einen Zwang erfahren, der sie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">1. als Wahrheiten deklarierte ,<br \/>\n2. Identit\u00e4t von Wesen und \u00e4u\u00dferer Satzung dekretierte.<br \/>\n3. gegen die Natur und Geisteswissenschaft aus eigener Machtvollkommenheit abgrenzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die geschichtliche Entwicklung wurden diese Kr\u00e4fte s\u00e4mtlich frei und es erstarkte eine politische, profane Ordnung, die volle Entfaltung der geistigen Kr\u00e4fte im Gefolge hatte. Diese warfen sich auf die Naturwissenschaften, deren praktische Indienststellung der Naturkr\u00e4fte durch die \u00fcberraschendsten Tatsachen v\u00f6llig blendete, die Geisteswissenschaften (Beobachtung des okkulten Seelenlebens, der Moral ect.) in den Hintergrund dr\u00e4ngte und der materiellen Weltanschauung zum v\u00f6lligen Siege verhalf. Hiermit trat ein ungeahnter Aufschwung des Handels, Wandels, Verkehrs und Mehrung des nationalen Verm\u00f6gens ein. Diese von der Empirie geschaffenen Tatsachen erzeugten die zwei j\u00fcngsten Wissenschaften: die National\u00f6konomie und Statistik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hiermit erstand eine theoretische und praktische Erkenntnis der allgemeinen \u00f6konomischen Lebensbedingungen, die, Anfangs nach einer gewaltsamen L\u00f6sung verlangend, sp\u00e4ter einen legalen Ausweg sucht, um sich zu verwirklichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dieser Sachlage aber ist der Mensch, statt die Natur zu unterwerfen, selber in den Dienst der Maschine, in ihre R\u00e4der geraten. Die Kultur hat sich derartig gesteigert, da\u00df im Abendland f\u00fcr den einzelnen eine Ausschlie\u00dfung von derselben nicht m\u00f6glich ist. Der Mensch ist dadurch in einen <em>h\u00e4rteren <\/em>Kampf geraten und braucht seine <em>gesammte<\/em> Kraft, um sich \u00fcberhaupt zu halten, zu behaupten. Die soziale Frage liegt nun darin, da\u00df diese Kraftleitung einesteils <em>nur<\/em> in den Kreis der wirtschaftlichen und merkantilen Interessen gestellt ist und da\u00df andererseits ein geistiger Mangel durch dieses g\u00e4nzliche Aufgebrauchtwerden nun doch empfunden wird. Hierbei hat sich herausgestellt, da\u00df ein Entfliehen aus dem Tretrad nicht m\u00f6glich ist, d. h. das Leben ist materiell geworden, das Leben ist teurer geworden als es wert ist, es rentiert geistig und seelisch nicht mehr. Der Verlauf des Lebens hat somit eine merkantile Uniformierung erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die entgegengesetzten Bestrebungen, eine geistige Selbstbehauptung im Volksleben ist die \u00e4u\u00dfere Religion, im Gegensatz zur inneren, subjektiven, religi\u00f6sen \u00dcberzeugung. Der Religion nun f\u00e4llt die Aufgabe zu, gegen den eingestandenen Mangel &#8211; die Literatur mit den photographischen Wirklichkeitsbildern: Ibsen, Tolstoi, Zola, Sudermann verleiht der Sachlage einen unzweideutigen Ausdruck! &#8211; im Volksleben wieder abzuhelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierbei stellt sich heraus, da\u00df die \u00e4u\u00dferen Zwangsmittel der \u00e4u\u00dferen sichtbaren Religion versagen. Das hei\u00dft nicht etwa, da\u00df die Religion fort sei, noch abgesetzt werden k\u00f6nne, aber sie ist zu schwach geworden, um gegen die wirtschaftlich herrschenden Meinungen aufzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder deutlicher: wenn dei berufenen Diener der Religion und ihre ordnungsgem\u00e4\u00df berufenen Aussch\u00fcsse heut das Abstehen von wirtschaftlichen Forderungen predigen, d. h. Gen\u00fcgsamkeit gegen einen Lohn im Jenseits lehren, so weisen die Arbeiterkreise darauf hin, da\u00df die Ausbeutung der Massen durch die Besitzenden von derselben Religion nicht verhindert worden sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder mit anderen Worten: der rein ideale Glaube an ein Jenseits ist nicht mehr im stande, die wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen im Diesseits zu beherrschen. Es ist selbst ein Zeichen der Zeit, da\u00df der ehrliche Kapitalist nicht den Mut mehr hat, dem Proletarier mit Phrasen zu kommen. Er hat aber\u00a0 &#8211; von etwas sozial humanem Gebahren abgesehen &#8211; nichts gelernt und nichts vergessen. Er hat nicht den Mut das Indifferenzgesetz zu bekennen. Wir sind zu materiell, der Natur entfremdet, wir gefallen uns in den Schmerzen und Freuden unserer Kultur!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach l\u00e4ngerer Zeit setze ich nun die Abschrift aus dem Buch \u00abDas Abendland und das Morgenland \u2013 Eine Zwischenreichbetrachtung\u00bb von Herman Heinrich Frank fort, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde. Eine Linkliste mit allen bisher verschriftlichten Teilen der Abschrift findet ihr oben im Men\u00fc unter \u00abBeitragsserien\u00bb. &#8222;Also sehen wir, da\u00df die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/h-h-frank-ueber-den-sufismus-6-teil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">H. H. Frank \u00fcber den Sufismus (6. 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