{"id":505,"date":"2015-02-07T18:24:48","date_gmt":"2015-02-07T18:24:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=505"},"modified":"2015-02-07T19:15:51","modified_gmt":"2015-02-07T19:15:51","slug":"wir-gehoeren-zu-deutschland-dazu-brauchen-wir-euch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/wir-gehoeren-zu-deutschland-dazu-brauchen-wir-euch-nicht\/","title":{"rendered":"Wir geh\u00f6ren zu Deutschland, dazu brauchen wir euch nicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahre 1929 ver\u00f6ffentlichte der Journalist und Schriftsteller <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurt_Tucholsky\" target=\"_blank\">Kurt Tucholsky<\/a><\/em> sein Buch <em>&#8222;Deutschland, Deutschland \u00fcber alles&#8220;<\/em>. Der folgende Text ist ein Auszug aus diesem Buch und formuliert nach meinem Daf\u00fcrhalten einen sehr sch\u00f6nen Heimatbegriff, den gewiss auch einige Muslime in Deutschland unterschreiben w\u00fcrden. Er rettet sozusagen die Gef\u00fchlswelt von Zuneigung und Liebe f\u00fcr die Heimat vor dem einnehmenden Zugriff nationalistischer und kollektivistischer Populisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich widme den Text allen Muslimen in Deutschland, die sich als deutsche Muslime empfinden und hoffe, dass er auch ihnen (wie mir) aus der Seele spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nun haben wir auf vielen Seiten Nein gesagt, Nein aus Mitleid und Nein aus Liebe, Nein aus Ha\u00df und Nein aus Leidenschaft &#8211; und nun wollen wir auch einmal Ja sagen. Ja -: zu der Landschaft und zu dem Land Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Land, in dem wir geboren sind und dessen Sprache wir sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Der Staat schere sich fort, wenn wir unsere Heimat lieben.<\/span> Warum grade sie &#8211; warum nicht eins von den andern L\u00e4ndern -? Es gibt so sch\u00f6ne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, aber unser Herz spricht dort nicht. Und wenn es spricht, dann in einer andern Sprache &#8211; wir sagen \u203aSie\u2039 zum Boden; wir bewundern ihn, wir sch\u00e4tzen ihn &#8211; aber es ist nicht das.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es besteht kein Grund, vor jedem Fleck Deutschlands in die Knie zu sinken und zu l\u00fcgen: wie sch\u00f6n! Aber es ist da etwas allen Gegenden Gemeinsames &#8211; und f\u00fcr jeden von uns ist es anders. Dem einen geht das Herz auf in den Bergen, wo Feld und Wiese in die kleinen Stra\u00dfen sehen, am Rand der Gebirgsseen, wo es nach Wasser und Holz und Felsen riecht, und wo man einsam sein kann; wenn da einer seine Heimat hat, dann h\u00f6rt er dort ihr Herz klopfen. Das ist in schlechten B\u00fcchern, in noch d\u00fcmmeren Versen und in Filmen schon so verf\u00e4lscht, dass man sich beinah sch\u00e4mt, zu sagen: man liebe seine Heimat. Wer aber wei\u00df, was die Musik der Berge ist, wer die t\u00f6nen h\u00f6ren kann, wer den Rhythmus einer Landschaft sp\u00fcrt &#8230; nein, wer gar nichts andres sp\u00fcrt, als dass er zu Hause ist; dass das da sein Land ist, sein Berg, sein See, auch wenn er nicht einen Fu\u00df des Bodens besitzt &#8230; es gibt ein Gef\u00fchl jenseits aller Politik, und aus diesem Gef\u00fchl heraus lieben wir dieses Land. Wir lieben es, weil die Luft so durch die Gassen flie\u00dft und nicht anders, der uns gewohnten Lichtwirkung wegen &#8211; aus tausend Gr\u00fcnden, die man nicht aufz\u00e4hlen kann, die uns nicht einmal bewu\u00dft sind und die doch tief im Blut sitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lieben es, trotz der schrecklichen Fehler in der verlogenen und anachronistischen Architektur, um die man einen weiten Bogen schlagen mu\u00df; wir versuchen, an solchen Monstrosit\u00e4ten vorbeizusehen; wir lieben das Land, obgleich in den W\u00e4ldern und auf den \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen manch Konditortortenbild eines Ferschten dr\u00e4ut &#8211; la\u00df ihn dr\u00e4uen, denken wir und wandern fort \u00fcber die Wege der Heide, die sch\u00f6n ist, trotz alledem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal ist diese Sch\u00f6nheit aristokratisch und nicht minder deutsch; ich vergesse nicht, dass um so ein Schlo\u00df hundert Bauern im Notstand gelebt haben, damit dieses hier gebaut werden konnte &#8211; aber es ist dennoch, dennoch sch\u00f6n. Dies soll hier kein Album werden, das man auf den Geburtstagstisch legt; es gibt so viele. Auch sind sie stets unvollst\u00e4ndig &#8211; es gibt immer noch einen Fleck Deutschland, immer noch eine Ecke, noch eine Landschaft, die der Fotograf nicht mitgenommen hat &#8230; au\u00dferdem hat jeder sein Privat-Deutschland. Meines liegt im Norden. Es f\u00e4ngt in Mitteldeutschland an, wo die Luft so klar \u00fcber den D\u00e4chern steht, und je weiter nordw\u00e4rts man kommt, desto lauter schl\u00e4gt das Herz, bis man die See wittert. Die See &#8211; Wie schon Kilometer vorher jeder Pfahl, jedes Strohdach pl\u00f6tzlich eine tiefere Bedeutung haben &#8230; wir stehen nur hier, sagen sie, weil gleich hinter uns das Meer liegt &#8211; f\u00fcr das Meer sind wir da. Windumweht steht der Busch, feiner Sand knirscht dir zwischen den Z\u00e4hnen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die See. Unverge\u00dflich die Kindheitseindr\u00fccke; unverwischbar jede Stunde, die du dort verbracht hast &#8211; und jedes Jahr wieder die Freude und das \u00bbGuten Tag!\u00ab und wenn das Mittell\u00e4ndische Meer noch so blau ist &#8230; die deutsche See. Und der Buchenwald; und das Moos, auf dem es sich weich geht, dass der Schritt nicht zu h\u00f6ren ist; und der kleine Weiher, mitten im Wald, auf dem die M\u00fccken tanzen &#8211; man kann die B\u00e4ume anfassen, und wenn der Wind in ihnen saust, verstehen wir seine Sprache. Aus Scherz hat dieses Buch den Titel \u203aDeutschland, Deutschland \u00fcber alles\u2039 bekommen, jenen t\u00f6richten Vers eines gro\u00dfm\u00e4uligen Gedichts. Nein, Deutschland steht nicht \u00fcber allem und ist nicht \u00fcber allem &#8211; niemals. Aber mit allen soll es sein, unser Land. Und hier stehe das Bekenntnis, in das dieses Buch m\u00fcnden soll:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wir lieben dieses Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun will ich euch mal etwas sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich \u203anational\u2039 nennen und nichts sind als b\u00fcrgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache f\u00fcr sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie rei\u00dfen den Mund auf und rufen: \u00bbIm Namen Deutschlands &#8230; !\u00ab Sie rufen: \u00bbWir lieben dieses Land, nur wir lieben es.\u00ab Es ist nicht wahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Im Patriotismus lassen wir uns von jedem \u00fcbertreffen &#8211; wir f\u00fchlen international. In der Heimatliebe von niemand &#8211; nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen ist. Unser ist es.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so widerw\u00e4rtig mir jene sind, die &#8211; umgekehrte Nationalisten &#8211; nun \u00fcberhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle &#8211; so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterl\u00e4ndische umzufallen.<span style=\"text-decoration: underline;\"> Wir pfeifen auf die Fahnen &#8211; aber wir lieben dieses Land.<\/span> Und so wie die nationalen Verb\u00e4nde \u00fcber die Wege trommeln &#8211; mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel &#8211; mit genau demselben Recht nehmen wir Flu\u00df und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land. Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen &#8211; weil wir es lieben. Man hat uns zu ber\u00fccksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns: MUSLIME, OB SALAFIS ODER SUFIS, EINGOTTGL\u00c4UBIGE ALLER GRADE; man hat uns mitzudenken, wenn \u203aDeutschland\u2039 gedacht wird &#8230; wie einfach, so zu tun, als bestehe Deutschland nur aus den nationalen Verb\u00e4nden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und in allen Gegens\u00e4tzen steht &#8211; unersch\u00fctterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalit\u00e4t und ohne gez\u00fccktes Schwert &#8211; die stille Liebe zu unserer Heimat.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Hevorhebungen durch Unterstrich sind von mir und die kleine textliche Ver\u00e4nderung von mir wurde durch GRO\u00dfBUCHSTABEN kenntlich gemacht]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 1929 ver\u00f6ffentlichte der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky sein Buch &#8222;Deutschland, Deutschland \u00fcber alles&#8220;. Der folgende Text ist ein Auszug aus diesem Buch und formuliert nach meinem Daf\u00fcrhalten einen sehr sch\u00f6nen Heimatbegriff, den gewiss auch einige Muslime in Deutschland unterschreiben w\u00fcrden. 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