{"id":567,"date":"2012-11-28T18:10:12","date_gmt":"2012-11-28T18:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=567"},"modified":"2015-05-14T20:29:07","modified_gmt":"2015-05-14T20:29:07","slug":"liberalismus-mal-anders-betrachtet-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/liberalismus-mal-anders-betrachtet-2-teil\/","title":{"rendered":"Liberalismus mal anders betrachtet (2. Teil)"},"content":{"rendered":"<p><em>von Yahya bin Rainer al-Brusi<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der morgenl\u00e4ndische und der abendl\u00e4ndische Liberalismus, zwei wirklich verschiedene Paar Schuhe. Zur Zeit kann man in \u00c4gypten ganz gut beobachten, wie sich die Anh\u00e4nger des dortigen Liberalismus gebaren. Am Sonntag starb ein 15j\u00e4hriger Anh\u00e4nger der Muslimbr\u00fcder, als wildgewordene Liberale die Parteizentrale in der Stadt Damanhur st\u00fcrmten (<a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/aegypten-junger-mann-stirbt-bei-protesten-gegen-mursi-1932088.html\" target=\"_blank\">&gt;&gt;<\/a>). Und auch der <em>moralische Relativismus<\/em> zeigt mehr und mehr seine h\u00e4sslich Fratze in der Gesellschaft. (Siehe <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/news3\/article110445575\/Zahlreiche-Anzeigen-wegen-Belaestigung-nach-Feiertagen-in-Aegypten.html\" target=\"_blank\">hier&gt;&gt;<\/a> und <a href=\"http:\/\/wissen.dradio.de\/aegypten-du-bist-ein-belaestiger.37.de.html?dram:article_id=228591\" target=\"_blank\">hier&gt;&gt;<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Im Orient bedeutet Liberalismus in erster Linie eine Abkehr von Religion, religi\u00f6ser Moral und Sitte. Vorbild sind nicht selten die Zust\u00e4nde in westlichen Zivilisationen, und dass vollkommen unabh\u00e4ngig davon, ob diese Zust\u00e4nde dort positiv oder negativ beurteilt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der klassische Liberalismus des Abendlandes jedoch unterscheidet sich grundlegend von dieser Sichtweise. Religion ist in der Wiege des Liberalismus &#8211; also in Europa &#8211; nicht nur ein freies Bekenntnis, sondern vielmehr integraler Bestandteil und Ursprung des selbigen. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Hermann_Hoppe\" target=\"_blank\"><em>Hans-Hermann Hoppe<\/em><\/a>, einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler der Gegenwart, widmet sich als Philosoph, Soziologe und \u00d6konom den wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit. In seinem Buch <em>Demokratie, der Gott der keiner ist<\/em> schreibt er auf Seite 417,<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Klassisch-liberale politische Philosophie &#8230; war zun\u00e4chst und vor allem eine Morallehre. Auf der Philosophie der Stoiker und sp\u00e4ten Scholastiker aufbauend, &#8230;&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; und die Sp\u00e4tscholastik (auch Zweite Scholastik genannt) war eine <em>&#8222;theologisch-juristisch-philosophische katholische Str\u00f6mung im 16. Jahrhundert, die haupts\u00e4chlich von den L\u00e4ndern der iberischen Halbinsel ausging&#8220;<\/em> (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spanische_Sp%C3%A4tscholastik\" target=\"_blank\">wiki<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Wirtschaftswissenschaftler <em>Prof. Dr. Helmut Leipold<\/em> dr\u00fcckt es in einer Publikation (Ordnungstheorie und Ordnungspolitik: Konzeptionen und Entwicklungsperspektiven, Seite 420 <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=9Ncl55epoZcC&amp;lpg=PA420&amp;ots=1XXzZwHhwf&amp;dq=%22die%20ideen%20der%20unantastbarkeit%22&amp;hl=de&amp;pg=PP1#v=onepage&amp;q=%22die%20ideen%20der%20unantastbarkeit%22&amp;f=false\" target=\"_blank\">&gt;&gt;<\/a>) \u00e4hnlich aus:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Ideen der Unantastbarkeit der Freiheit, des Lebens, des Denkens, Glaubens und des Eigentums sind religi\u00f6sen Ursprungs und wurden sp\u00e4ter von der liberaleren Ideologie aufgenommen und s\u00e4kularisiert.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bezugnehmend auf die <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bill_of_Rights_%28Vereinigte_Staaten%29\" target=\"_blank\">Bill Of Rights<\/a><\/em> der Vereinigten Staaten, schreibt der deutsche liberale Volkswirt und freie Publizist <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Baader\" target=\"_blank\">Roland Baader<\/a><\/em> in seinem Buch <em><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/index.php\/literatur-und-lyrik\/mein-buecherregal#kapital\" target=\"_blank\">Das Kapital am Pranger<\/a> <\/em>(auf Seite 255-256), &#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Der Hinweis auf den Sch\u00f6pfer macht deutlich, da\u00df diese in der Tradition des Abendlandes stehende Freiheitsauffassung &#8211; anders als es uns einige moderne Polit-Pfaffen weismachen wollen &#8211; wesentliche Wurzeln im Christentum hat.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; worauf er dann den gro\u00dfen katholischen Theologen und Religionsphilosophen <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Romano_Guardini\" target=\"_blank\">Romano Guardini<\/a><\/em> zitiert:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Axiome der Unantastbarkeit der Person &#8230;, der Freiheit und Ehre jedes Menschen &#8230; &#8211; der grunds\u00e4tzlichen Gleichberechtigung jenseits von Privileg und Begabung &#8230;, die Wahrheit des Wortes und die Verl\u00e4\u00dflichkeit des Vertrages &#8211; das, und vieles sonst enth\u00e4lt &#8230; als Gedanke wie als Motiv und als Haltung die Wirkungen von vielen Jahrhunderten christlicher Gewissensbildung und Menschenformung.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Tatsache muss man aber nicht nur den wildgewordenen <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Libertinismus\" target=\"_blank\">Liberinisten<\/a><\/em> des Orients um die Ohren hauen, sondern auch vielen zeitgen\u00f6ssischen Liberalen des <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Okzident\" target=\"_blank\">Okzidens<\/a><\/em>. Den Orientalen, weil sie sich anscheinend speziell in dieser wichtigen Angelegenheit nicht an der Methodik des hochgelobten Westens orientieren wollen, und vielen hiesigen Liberalen, weil sie <em>&#8211; <\/em><em>durch Inanspruchnahme des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Newspeak\" target=\"_blank\">orwellschen Newspeak<\/a> &#8211;<\/em> mittlerweile einem Liberalismusbegriff anheimgefallen sind, der mit dem klassischen aber rein gar nichts mehr zu tun hat. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Hermann_Hoppe\" target=\"_blank\"><em>Hans-Hermann Hoppe<\/em><\/a> geht auf diese Tragik in einer Fu\u00dfnote ein, die auf Seite 411 seines o.g. Buches zu lesen ist.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Im Gegensatz dazu [zum klassischen Liberalismus, Anm. d. Verf.] hat der moderne amerikanische &#8222;Liberalismus&#8220; eine fast entgegengesetzte Bedeutung, die auf <em>John Stuard Mill<\/em> und sein 1859 erschienenes Buch <em>On Liberty<\/em> als den Ursprung des modernen moderaten <em>&#8211; sozialdemokratischen &#8211;<\/em> Sozialismus zur\u00fcckgeht.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dem auch sei. Der klassische Liberalismus war und ist keine Hippie-Ideologie von Moral-, Sitten- und Gesetzlosigkeit, sondern ein Produkt christlich-theologischer Exegese. Echte klassisch-liberale Denker waren sich dessen immer bewusst und sie wurden nicht m\u00fcde zu erkl\u00e4ren, dass ohne Religion &#8211; samt ihrer Sitten- und Morallehre &#8211; keine wahre Freiheit m\u00f6glich sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der englische Historiker, liberale Katholik und Journalist <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lord_Acton\" target=\"_blank\">Lord Acton<\/a><\/em> (1834-1902) verpackte diesen Umstand passend in folgende Worte (zitiert in <em><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/index.php\/literatur-und-lyrik\/mein-buecherregal#kapital\" target=\"_blank\">Das Kapital am Pranger<\/a><\/em>, von <em>Roland Baader<\/em>, 275):<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Kein Land ohne Religion kann frei sein. Religion schafft und verst\u00e4rkt das Pflichtbewu\u00dftsein. Wenn die Menschen nicht aus Pflichtgef\u00fchl anst\u00e4ndig bleiben, mu\u00df die Furcht diese Rolle \u00fcbernehmen. Je mehr sie aber von der Furcht bewacht werden, desto weniger frei sind sie. Je gr\u00f6\u00dfer die Kraft des Pflichtbewu\u00dftseins, desto gr\u00f6\u00dfer die Freiheit.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wer das folgende Zitat des Freiheitsphilosophen <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edmund_Burke\" target=\"_blank\">Edmund Burke<\/a><\/em> (1729-1797) (zitiert in <em><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/index.php\/literatur-und-lyrik\/mein-buecherregal#kapital\" target=\"_blank\">Das Kapital am Pranger<\/a><\/em>, von <em>Roland Baader<\/em>, Seite 274-275) liest, wird sich unweigerlich an die Lekt\u00fcre eines islamischen Buches \u00fcber Tazkiya erinnern:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Menschen sind zu b\u00fcrgerlichen Freiheit genau in dem Ma\u00dfe bef\u00e4higt wie sie bereit sind, ihren eigenen Trieben moralische Fesseln anzulegen &#8230; Die Gesellschaft kann nicht existieren ohne da\u00df irgendwo eine Kontrollmacht \u00fcber ihre W\u00fcnsche und Triebe angesiedelt ist, und je weniger von dieser Kontrollmacht im Innern sitzt, desto mehr mu\u00df sie von au\u00dfen kommen. Es liegt in der ewigen Ordnung der Dinge, da\u00df Menschen von ungez\u00fcgeltem Charakter nicht frei sein k\u00f6nnen. Ihre Leidenschaften schmieden ihre Fesseln.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese zwei Passagen zeigen die (Ein-)Sicht <em>theistischer<\/em> Denker. Aus ihrer Warte scheint es sicherlich logisch, dass sie ihrer Religion diesen wichtigen Stellenwert einr\u00e4umen. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Baader\" target=\"_blank\"><em>Roland Baader<\/em><\/a> jedoch kl\u00e4rt uns dar\u00fcber auf, dass die obigen Feststellungen sich nicht nur auf &#8222;Gl\u00e4ubige&#8220; beschr\u00e4nken. So schreibt er auf Seite 275-276 seines Buches <em><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/index.php\/literatur-und-lyrik\/mein-buecherregal#kapital\" target=\"_blank\">Das Kapital am Pranger<\/a><\/em> folgendes:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Zur selben \u00dcberzeugung kamen auch die Agnostiker unter den gro\u00dfen Freiheitsphilosophen. So auch Hayek, der zu diesem Thema am tiefsten gesch\u00fcrft hat. In unz\u00e4hligen Schriften hat er dargelegt, da\u00df die pers\u00f6nliche Freiheit nur in einer Gesellschaft bewahrt werden kann, in welcher die wichtigsten Werte wie die Achtung der Person, der Respekt vor dem Eigentum und das Halten von Vertr\u00e4gen <em>fraglos<\/em> gelten. Der Schl\u00fcssel hierbei ist das Wort <em>fraglos<\/em>. Nur wenn die Prinzipien des rechten und gerechten Verhaltens, die \u00ab<em>man tut &#8230;\u00bb<\/em> und \u00ab<em>man tut nicht &#8230;\u00bb<\/em>-Regeln in einer Gesellschaft in Form von religi\u00f6sen Glaubensinhalten oder als <em>tradierte<\/em> Tabus gelten &#8211; und somit nicht rational &#8222;hinterfragt&#8220; werden, k\u00f6nnen sie bei einer hinreichend gro\u00dfen Zahl von B\u00fcrgern verbindliche Leitlinien f\u00fcr das pers\u00f6nliche Verhalten bleiben. Sobald nur noch solche moralischen Werte und Verhaltensregeln anerkannt werden, die sich rational (&#8222;vern\u00fcnftig&#8220;) erkl\u00e4ren und rechtfertigen lassen, gehen diese Werte verloren, weil die wenigsten von ihnen einer rationalen Begr\u00fcndung zug\u00e4nglich sind. Sobald man hinter die Zehn Gebote der Bibel ein <em>Warum?<\/em> setzt, ist ihre &#8211; das menschliche Zusammenleben stabilisierende &#8211; Kraft dahin. Sie m\u00fcssen dann durch den strafbewehrten Befehl ersetzt werden.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal abgesehen von der Tatsache, dass <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_August_von_Hayek\" target=\"_blank\">Friedrich A. von Hayek<\/a><\/em> ein <em>Agnostiker<\/em> war, muss hier auch unbedingt erw\u00e4hnt werden, dass er <em>&#8222;zu den wichtigsten Denkern des Liberalismus im 20. Jahrhundert&#8220;<\/em> gez\u00e4hlt wird und 1974 f\u00fcr seine <em>&#8222;Pionierarbeit auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und &#8230; Analysen des Zusammenhangs zwischen \u00f6konomischen, sozialen und institutionellen Ph\u00e4nomenen mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet&#8220;<\/em> (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_August_von_Hayek\" target=\"_blank\">wiki<\/a>) wurde. Also nicht irgendein philosophierendes Leichtgewicht, sondern ein wissenschaftliches Schwergewicht\u00a0par excellence.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die obigen Schl\u00fcsselw\u00f6rter <em><strong>fraglos<\/strong><\/em> und <em><strong>tradiert<\/strong><\/em> d\u00fcrften dem Leser schon bei der Lekt\u00fcre des<em> <a title=\"Liberalismus mal anders betrachtet (1. Teil)\" href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=544\" target=\"_blank\">1. Teils dieser Reihe<\/a><\/em> aufgefallen sein. Dort schrieb ich:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Im Morgenland war es das Schariarecht, das von den Libertinisten <em>(und sp\u00e4teren Liberalen)<\/em> als despotisch empfunden wurde, weil dieses <strong><em>tradierte<\/em><\/strong> Recht <strong><em>fraglos<\/em><\/strong> Geltung hatte, wie es der Islam &#8211; als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesetzesreligion\" target=\"_blank\">Gesetzesreligion<\/a> &#8211; nun einmal einmal vorschreibt.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was <em>fraglos<\/em> bedeutet, hat <em>Baader<\/em> ja sehr sch\u00f6n erkl\u00e4rt. Es wird einfach nicht in Frage gestellt bzw hinterfragt, da der Weisheit letzter Schluss h\u00e4ufig rational gar nicht zu erfassen ist. Das kennen wir Muslime auch aus unserer Scharia. Manche Verbote kann man ganz klar und rational erkl\u00e4ren und begr\u00fcnden, andere wiederum entziehen sich unserer Logik und werden quasi &#8222;blind&#8220; befolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer liberalen &#8211; also freien &#8211; Gesellschaft werden den Menschen keine (oder zumindest nur sehr wenige) neue und willk\u00fcrliche Zw\u00e4nge auferlegt. Viele (die Gesellschaft und Gemeinschaft erhaltenden) Ma\u00dfnahmen werden durch freiwilliges und karitatives Handeln erreicht. Diesen Umstand kennen wir auch aus dem Islam. Es gibt in einem islamischen Staat im Grunde nur zwei (islamisch gerechtfertigte) Pflichtabgaben, f\u00fcr Muslime einzig die <em>Zakah<\/em> und f\u00fcr Staatsangeh\u00f6rige anderer Konfessionen die <em>Dschizya<\/em>. Diese Abgaben waren nicht sehr hoch und somit konnte der Staat aufgrund seiner niedrigen Einnahmen auch nicht f\u00fcr alle gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse in Anspruch genommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese Anspr\u00fcche, f\u00fcr die der Staat nicht aufkommt, m\u00fcssen freiwillig von der Gesellschaft \u00fcbernommen werden. Religionen, und hier besonders die abrahamitischen (Islam, Christen- und Judentum), rufen ihre Anh\u00e4nger dazu auf, oder verpflichten sie geradezu, \u00fcber den Pflichtteil hinaus freiwillig zu spenden und zu helfen. Entfernt sich jedoch diese Religion aus den K\u00f6pfen, oder wird durch die Religion des Sozialismus (Sozialdemokratismus) ersetzt, dann schwindet diese Freiwilligkeit und der sozialistische Wohlfahrtsstaat nimmt sich mit Gewalt was er braucht, um seine Wahlversprechen zu finanzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So \u00e4hnlich hat das auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Baader\" target=\"_blank\"><em>Roland Baader<\/em><\/a> ausgedr\u00fcckt (<em>Das Kapital am Pranger<\/em>, Seite 277):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Mit dem Niedergang des religi\u00f6sen Glaubens und der fraglos geltenden Moralregeln schwindet auch die Karitas, die freiwillige Hilfsbereitschaft der Menschen f\u00fcr ihre in Not und Elend lebenden Mitb\u00fcrger. Schon im Griechenland des Aristoteles war das Zeichen des eleutheros, des Freien, die Freigiebigkeit, die freiwillige Bereitschaft, anderen zu geben. Schwindet sie, schwindet auch die Freiheit. Und umgekehrt! Auch deshalb ist der Wohlfahrtsstaat, das politische Raubsystem des erzwungenen &#8222;Gebens&#8220; seinem innersten Wesen nach ein System der Freiheitszerst\u00f6rung.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus islamischer Sicht ist die Wohlfahrt des (r\u00e4uberischen) Staates eine wahre Katastrophe. Auch wenn er einen Teil des Geldes, welches er uns gewaltsam enteignet, f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen ausgibt, so geht doch ein immenser Teil des Geldes allein durch den gigantischen Beh\u00f6rdenapparat verloren, der die Umverteilung des Diebesgutes organisiert. Zum anderen wird dem unfreiwilligen &#8222;Spender&#8220; die Entscheidung abgenommen f\u00fcr wen oder was sein hart erarbeitetes Geld &#8222;gespendet&#8220; werden soll. Speziell f\u00fcr uns Muslime ist das tragisch, weil uns so die M\u00f6glichkeit genommen wird eine g\u00fcltige Absicht (<a href=\"http:\/\/www.islam-pedia.de\/index.php5?title=Niyya\" target=\"_blank\">Niyya<\/a>) f\u00fcr unsere Handlung zu fassen, was f\u00fcr die Annahme und Belohnung der Tat bei unserem Sch\u00f6pfer von hoher Bedeutung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Speisung der Armen, der Bau von Unterk\u00fcnften und Schulen, die Hilfeleistung jeglicher Art f\u00fcr Bed\u00fcrftige und das Ehrenamt werden mehr und mehr aus der religi\u00f6sen und freiwilligen Verantwortung des Individuums heraus gel\u00f6st und dem Staat \u00fcbereignet. Somit geht nicht nur ein Inhalt der Religion verloren, sondern h\u00e4ufig auch die Religion an sich. An ihre Stelle kommt ein neuer Glaube und eine gef\u00e4hrliche G\u00f6tze, n\u00e4mlich der <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Etatismus\" target=\"_blank\">Etatismus<\/a><\/em>, der Glaube an den allweisen absolutistischen Staat und die Politisierung der Wohlfahrt, nur noch zum Selbstzweck &#8230; quasi eine Selbstvergottung und eine Vergottung der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sagte es auch bereits 1950 der deutsche \u00d6konom und Sozialphilosoph <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_R%C3%B6pke\" target=\"_blank\">Wilhelm R\u00f6pke<\/a> <\/em>voraus, in seinem Buch <em>Ma\u00df und Mitte<\/em>, Seite 60 (zitiert in <em><a href=\"http:\/\/www.al-adala.de\/index.php\/literatur-und-lyrik\/mein-buecherregal#kapital\" target=\"_blank\">Das Kapital am Pranger<\/a><\/em>, Seite 215-216):<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Indem wir die Religion verdr\u00e4ngen, setzen wir eine vollkommene Politisierung der Existenz an ihre Stelle. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Selbstvergottung des Menschen nun nimmt die Form der Vergottung der Gesellschaft an, die somit zum eigentlichen Idol der Massen wird, und erst damit wird die leidenschaftliche Kraft begreiflich, die in der Politisierung der Existenz liegt.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Jahre sp\u00e4ter bekam er <em>&#8211; u.a. f\u00fcr diesen Scharfsinn &#8211;<\/em> das <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verdienstorden_der_Bundesrepublik_Deutschland\" target=\"_blank\">Bundesverdienstkreuz<\/a><\/em> verliehen. Heute hat man f\u00fcr solcherart Ansichten kein offenes Ohr mehr, leider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya bin Rainer al-Brusi Der morgenl\u00e4ndische und der abendl\u00e4ndische Liberalismus, zwei wirklich verschiedene Paar Schuhe. Zur Zeit kann man in \u00c4gypten ganz gut beobachten, wie sich die Anh\u00e4nger des dortigen Liberalismus gebaren. Am Sonntag starb ein 15j\u00e4hriger Anh\u00e4nger der Muslimbr\u00fcder, als wildgewordene Liberale die Parteizentrale in der Stadt Damanhur st\u00fcrmten (&gt;&gt;). Und auch der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/liberalismus-mal-anders-betrachtet-2-teil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Liberalismus mal anders betrachtet (2. 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