{"id":632,"date":"2013-01-12T13:37:40","date_gmt":"2013-01-12T13:37:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=632"},"modified":"2016-02-03T13:00:38","modified_gmt":"2016-02-03T13:00:38","slug":"die-medienkompetenz-von-mainstreamveraechtern-und-das-problem-der-berichterstattung-aus-dem-nahen-und-mittleren-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/die-medienkompetenz-von-mainstreamveraechtern-und-das-problem-der-berichterstattung-aus-dem-nahen-und-mittleren-osten\/","title":{"rendered":"Die Medienkompetenz von Mainstreamver\u00e4chtern und das Problem der Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten"},"content":{"rendered":"<p><em>von Yahya bin Rainer<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was haben sogenannte Islamisten, Salafisten und Jihadisten mit Islamophobikern, Muslimhassern und Abendlandsverg\u00f6tterern gemeinsam?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, es ist eine Eigenschaft, die sie wohl auch mit vielen Schiiten, Evangelikalen, Libert\u00e4ren, Neurechten, Verschw\u00f6rungstheoretikern und vielen anderen Randgruppen dieser Gesellschaft gemeinsam haben. Es ist eine offen zur Schau gestellte Abneigung gegen die sogenannten Mainstreammedien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Abneigung sind sicherlich zahlreich und unterschiedlich gelagert, jedoch scheint ein pr\u00e4gnanter und gemeinsamer Grund darin zu liegen, dass eben diese gesellschaftliche Randgruppen \u00fcberdurchschnittlich oft das Ziel der Berichterstattung dieses modernen Schandpfahls werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wurden Andersdenkende fr\u00fcher noch vom Souver\u00e4n an einen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pranger\" target=\"_blank\">echten Pranger<\/a> gestellt und anderen Repressalien ausgeliefert, so \u00fcberl\u00e4sst man das heutzutage den gut einge\u00fcbten und erprobten Mechanismen der demokratischen Mehrheitsgesellschaft. Hier und da greift die Staatsmacht sicher auch mal helfend oder regulierend ein, aber Pranger und Repression funktionieren auch ohne ihr Dazutun hervorragend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Resultat dieser Tatsache ist, dass gesellschaftliche Randgruppen, die bereits das Ziel einer solchen negativen Berichterstattung wurden, naturgem\u00e4\u00df eine Antipathie gegen dieses Medium entwickeln. Tragischerweise fehlt es den meisten unter ihnen dann aber an einer glaubw\u00fcrdigen Konsequenz, denn nicht selten sind sich diese gesellschaftlichen Randgruppen auch untereinander spinnefeind und finden die Berichterstattung dieses (eigentlich verabscheuten) Mainstreams dann nat\u00fcrlich vollkommen angebracht, wenn er &#8222;die anderen&#8220; an den Pranger stellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Denkweise veranschaulicht, wie ernst es diesen Mainstreamver\u00e4chtern tats\u00e4chlich ist und sollte zudem jeden Menschen mit einem F\u00fcnkchen Anstand und Aufrichtigkeit zum Nachdenken anregen. Wenn wir wissen, dass ein bestimmtes Medium h\u00e4ufig l\u00fcgt, schlecht recherchiert oder tendenzi\u00f6s berichtet, warum nutzen wir dann trotzdem seine Berichte wenn es mal nicht gegen uns geht, sondern gegen &#8222;die Anderen&#8220;?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht das man mich falsch versteht. Ich habe selber keine Antwort darauf. Auch ich verlinke auf Facebook und Twitter Artikel und Kommentare von Mainstreammedien und auf der anderen Seite verfluche ich sie. Wenn es gegen PImaten, Nazis, Kommunisten, Evangelikale, Zionisten usw. geht, dann ist mir der Mainstream lieb. Aber sobald man dort negativ \u00fcber sogenannte Islamisten, Salafisten, Jihadisten, Scharia, Islam usw. schreibt, dann h\u00f6rt man auch von mir den allbeliebten Fluch auf die L\u00fcgenpresse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie unehrlich das doch ist.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was machen diejenigen, die die \u00f6ffentlich-rechtlichen (also staatlichen) Sendeanstalten und allgegenw\u00e4rtigen (Mainstream-) Printmedien in Deutschland komplett ausblenden, oder es zumindest versuchen? Woher beziehen sie ihre Informationen, wem schenken sie ihr vertrauen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch diese Realit\u00e4t ist be\u00e4ngstigend. Speziell auf Facebook erkennt man die Tendenzen der deutschen Mainstreamver\u00e4chter und fragt sich ernstlich nach dem Grad an Medienkompetenz der ihnen innewohnt. Anstatt <em>Tagesschau<\/em> und <em>heute <\/em>beim deutschen Staatsfernsehen zu schauen, schenken sie ihr vertrauen nun den Staatsmedien von Ru\u00dfland (z.B. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russia_Today\" target=\"_blank\">RT<\/a>), Iran (z.B. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Presstv\" target=\"_blank\">Press TV<\/a>), China (z.B. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/China_Central_Television\" target=\"_blank\">CCTV<\/a>) \u00a0und mittlerweile sogar Syrien. Zudem scheinen Verschw\u00f6ungsblogs jeglicher Couleur (Truther, Infokrieger usw.) auf die Ver\u00e4chter des Mainstreams eine gewaltige Anziehungskraft auszu\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Entwicklung ist nicht nur tragisch weil sie (aus meiner Sicht) eine gewaltige Inkompetenz zutage f\u00f6rdert, sondern auch, weil sie sich ganz offensichtlich zu einem Tool wandelt, das den Konsumenten zwar vom hiesigen gesellschaftlichen Diktat befreit, aber quasi ohne Umwege in die Arme anderer Interessen treibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum ich eigentlich mit diesem Beitrag begann<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie das so beim Schreiben ist. Dieser Beitrag sollte eigentlich recht kurz werden, aber da haben wir den Salat. Im Grunde wollte ich nur die Syrien-Berichterstattung ansprechen. Denn hier haben wir es (ganz speziell) mit einem Thema zu tun, welches in der Mehrheitsgesellschaft stark vom Mainstream beeinflusst wird. Der Nahe und Mittlere Osten ist in seinen politischen sowie religi\u00f6sen Spannungsfeldern sehr kompliziert zu begreifen. Die kolonialistischen Hinterlassenschaften von Engl\u00e4ndern, Franzosen und letztendlich auch Amerikanern, haben im gesamten Gebiet Zwietracht und politische Verwirrung hinterlassen. Sie st\u00fcrzten und unterdr\u00fcckten in den letzten 100 Jahren nat\u00fcrlich erwachsene Autorit\u00e4ten, privilegierten unbeliebte (und deshalb willige) Minderheiten und importierten fremde (und nicht selten tragisch fehlgeleitete) politische Konzepte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Wirrwarr aus politischen und religi\u00f6sen Interessen m\u00fcssen nun die zahlreichen Journalisten, Reporter und Korrespondenten ein informatives Bild abgeben und wie es scheint, gibt es von solchen Berichterstattern nur dreierlei Arten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">1. Die einen gehen dort r\u00fcber und wissen vorher schon was sie berichten werden. Sie gehen dort hin um endweder ProFSA oder ProAssad zu berichten. Diese kommen wohl speziell aus den Staatsmedien der (teils offen, teils verdeckt) involvierten Nationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">2. Diejenigen, die ohne Vorgabe ins Gebiet gehen und neutral zu berichten versuchen. Diese Berichterstattung ist solange neutral (und leider auch vollkommen unqalifiziert), bis die Berichterstatter sich bem\u00fchen, dass o.g. Wirrwarr zu entr\u00e4tseln und die wahren Hintergr\u00fcnde zu erfahren. Und wenn ihnen das einigerma\u00dfen gelungen ist, dann werden sie zu &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">3. &#8230;denjenigen, die nicht umhin kommen, f\u00fcr die eine oder andere Seite Sympathien zu entwickeln, sei es aus eigenen politischen oder religi\u00f6sen Ansichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die wahre Tragik unserer Medien. Kein Journalist kann wirklich neutral bleiben, wenn er \u00fcber solche Krisen, Kriege und Konflikte berichtet &#8230; und das ist auch nicht seine Aufgabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erz\u00e4hle in diesem Zusammenhang immer gern die Geschichte vom ehrlichen Journalisten in Pinneberg. Damals machten die Leitmedien gro\u00dfe Furore, weil der (mittlerweile) allseits bekannte\u00a0<em>&#8222;salafistische Hassrapper&#8220;<\/em> Abou Maleeq die Kleinstadt n\u00f6rdlich von Hamburg besuchte. Es wurde fleissig gegen den kleine Pinneberger Gebetsraum polemisiert, der den muslimischen Gast freundlich aufnahm, wobei der Vertreter der (nicht vorhandenen) J\u00fcdischen Gemeinde Pinnenerg besonders herausstach. Ein junger ans\u00e4ssiger Konvertit war daraufhin der Versuchung erlegen, diesen Vertreter im Internet als &#8222;dreckigen Juden&#8220; zu bezeichnen, was letztendlich das Fass zum \u00dcberkochen brachte. Die Medienlandschaft war im Aufruhr und die kleine muslimische Gemeinde beschloss, die B\u00fcrgermeisterin, den Vertreter der (nicht vorhandenen) J\u00fcdischen Gemeinde Pinnebergs und Vertreter der Presse einzuladen, um alle Missverst\u00e4ndnisse aus den Weg zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die B\u00fcrgermeisterin kam nicht, der j\u00fcdische Vertreter ebenfalls nicht, aber einige Journalisten waren sich nicht zu schade der Einladung zu folgen und sich ein Bild zu machen. Damals war ich noch der Ansicht, dass man den Kontakt zu den Medien suchen sollte, um ihnen einen m\u00f6glichst authentischen Einblick in das Alltagsleben orthodoxer Muslime zu verschaffen. Ich wollte diese Menschen \u00fcberraschen, indem ich ihnen zeigte, dass wir eigentlich normale Menschen sind wie sie, nur eben mit einer anderen Religion und einem etwas anderen Lebensstil. Heute bin ich gel\u00e4utert und glaube nicht mehr daran, dass es jemals eine ausgeglichene Berichterstattung \u00fcber das geben kann, was heutzutage als\u00a0<em>Salafismus<\/em> abgestempelt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber damals war es eben anders. Ich machte mich also frohen Mutes auf den Weg nach Pinneberg, um dort eventuell das eine oder andere Wort mit einem Journalisten wechseln zu k\u00f6nnen.\u00a0 Im Gebetsraum angekommen, sah ich dann einige Exemplare der Gattung <em>Journalist etwas verunsichert am Rande sitzen. Ein Mitglied des Tr\u00e4gervereins machte sich ran und sprach einen Journalisten an. Sie redeten ein wenig, die Atmosph\u00e4re wurde lockerer und der Bruder sah wohl die Chance f\u00fcr eine Bitte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Sehen Sie mal&#8220;<\/em>, sagte er\u00a0<em>&#8222;sie sind doch ein Journalist, jemand der der Wahrheit verpflichtet ist und immer neutral berichten mu\u00df!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da wurde der Bruder auch schon unterbrochen.\u00a0<em>&#8222;Nein&#8220;<\/em>, sagte der Journalist\u00a0<em>&#8222;dass ist so nicht richtig! Ich bin zwar Journalist, aber meine Aufgabe ist es nicht neutral zu berichten. Ich berichte nur, was unsere Kundschaft, und somit der zust\u00e4ndige Redakteur lesen m\u00f6chte. Das hat mit Neutralit\u00e4t nichts zu tun. Jeder Journalist, jeder Redakteur und nat\u00fcrlich auch jeder Leser hat eine eigene Meinung. Zeitungsverlage sind Wirtschaftsunternehmen und bedienen eine Kundschaft und f\u00fcr diese Kundschaft berichten wir!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine L\u00f6sung f\u00fcr das Problem einer authentischen Informationsbeschaffung und einem aufrichtigen und anst\u00e4ndigen Umgang mit den Mainstreammedien habe ich mit diesem Beitrag sicherlich nicht gefunden, aber zumindest m\u00f6chte ich es als Denkansto\u00df verstanden wissen. Denn egal wie sich die Feindeskonstellation auch darstellt, sollte man doch zumindest die eigene Glaubw\u00fcrdigkeit nicht aufs Spiel setzen und mit sauberen Mitteln k\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Yahya bin Rainer Was haben sogenannte Islamisten, Salafisten und Jihadisten mit Islamophobikern, Muslimhassern und Abendlandsverg\u00f6tterern gemeinsam? 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