{"id":712,"date":"2013-05-22T15:28:50","date_gmt":"2013-05-22T15:28:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/?p=712"},"modified":"2015-02-16T15:40:34","modified_gmt":"2015-02-16T15:40:34","slug":"buchauszug-bertrand-de-jouvenel-die-metaphysik-der-staatsgewalt-und-das-einfallstor-des-despotismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.al-adala.de\/Neu\/buchauszug-bertrand-de-jouvenel-die-metaphysik-der-staatsgewalt-und-das-einfallstor-des-despotismus\/","title":{"rendered":"Buchauszug: Bertrand de Jouvenel &#8211; Die Metaphysik der Staatsgewalt und das Einfallstor des Despotismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Ausz\u00fcge, die gleich hier folgen, m\u00f6chte ich nur ganz kurz versuchen einf\u00fchrend zu erkl\u00e4ren. <a href=\"http:\/\/www.jungefreiheit.de\/Archiv.611.0.html?jf-archiv.de\/archiv07\/200705012645.htm\" target=\"_blank\"><em>Bertrand de Jouvenel<\/em><\/a> war ein anerkannter Gelehrter der politischen Philosophie und ein konservativer Liberaler. Im 1. Kapitel seines Werkes <em>\u00dcber die Staatsgewalt<\/em>, befasst er sich mit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Metaphysik\" target=\"_blank\"><em>Metaphysik<\/em><\/a> der Staatsgewalt<em>,<\/em> also quasi mit der <em>ersten<\/em> und <em>naturgem\u00e4\u00dfen Ursache<\/em> derselben. Der Auszug ist eine finale Aussage des Kapitels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Der zweite Auszug ist nicht nur <em>eine<\/em>, sondern <em>die<\/em> finale Aussage des 2. Kapitels (namens <em>Souver\u00e4nit\u00e4tstheorien<\/em>), denn es handelt sich um den letzten Abschnitt des selbigen. Dort befasst <em>Jouvenel<\/em> sich mit den beiden haupts\u00e4chlichen Souver\u00e4nen unserer bisherigen staatshistorischen Geschichtsschreibung, n\u00e4mlich der Gottes- und der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t. Bemerkenswert ist hierbei u.a. seine &#8218;Theorie&#8216; bzw. Ansicht, dass es sich beim Volk, wenn es als Souver\u00e4n Anerkennung findet, ebenfalls um eine <em>&#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transzendenz\" target=\"_blank\">transzendentale<\/a> Grundursache&#8220;<\/em> handelt, also quasi-g\u00f6ttlich ist. Das deckt sich nat\u00fcrlich mit der Meinung nicht weniger klassischer Liberaler (und \u00fcbrigens auch der &#8218;Salafisten&#8216;), dass es sich bei menschengemachter Gesetzgebung <em>(<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rechtspositivismus\" target=\"_blank\">Rechtspositivismus<\/a>)<\/em> um eine Anma\u00dfung handelt, die der Anbetung des Staates als Gott gleichkommt. Um auf die finale Aussage des zweiten Absatzes zur\u00fcck zu kommen: <em>Jouvenel<\/em> trifft eben am Ende dieses Kapitels ein wichtige Aussage \u00fcber die Schw\u00e4che der Systeme, n\u00e4mlich das sie <em>&#8211; das eine mehr, das andere weniger &#8211;<\/em>, durch das Bestreben der Regenten nach alleiniger Souver\u00e4nit\u00e4t, sich in Despotien verwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 1. Auszug, Seite 34-35 (Hervorhebung durch Unterstrich von mir)<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Gesellschaften, und auch solche, die uns wenig entwickelt scheinen, haben eine viele tausend Jahre alte Vergangenheit, und Herrschaft, der sie einst unterworfen waren, ist nicht verschwunden, ohne den Nachfolgern ihren Nimbus vererbt, ohne im Bewu\u00dftsein der Gesellschaft Spuren hinterlassen zu haben, denen sich stets neue hinzugesellen. Die Aufeinanderfolge von Regierungen einer Gesellschaft kann als eine einzige, sich st\u00e4ndig anreichernde Regierung gesehen werden. Daher ist die Staatsgewalt auch weniger Gegenstand logischer als vielmehr historischer Erkenntnis. Wir k\u00f6nnen zweifellos die Systeme beiseite lassen, die ihre verschiedenen Eigenschaften auf eine einzige Ursache zur\u00fcckzuf\u00fchren trachten, die Grundlage aller von den Herrschenden ausge\u00fcbten Rechte und aller von ihnen geforderten Leistungen sein soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies Prinzip ist bald der g\u00f6ttliche Wille, dessen Verweser, bald der Gemeinwille, dessen Bevollm\u00e4chtigte sie sind, oder es ist der Nationalgeist, den sie verk\u00f6rpern, das Kollektivgewissen, dessen Dolmetsch, der soziale Finalismus, dessen Agens sie sind. Damit wir in irgendeiner dieser Wesenheiten das anerkennen, was die Herrschaft ausmacht, d\u00fcrfte es keine Herrschaft geben, der diese \u201aKraft\u2018 fehlt. Nun ist es aber offenbar, da\u00df es Herrschaft schon in Zeiten gegeben hat, in denen der Nationalgeist ein Ausdruck ohne Sinn war, in denen keine Gemeinwille sie trug. <span style=\"text-decoration: underline;\">Das einzige System, das der fundamentalen Bedingung gen\u00fcgt, jede Herrschaft zu erkl\u00e4ren, ist das des g\u00f6ttlichen Willens.&#8220;<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Der 2. Auszug, Seite 56-57 (Hervorhebung durch Unterstrich von mir)<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Souver\u00e4nit\u00e4tstheorien &#8211; von ihren Ergebnissen her betrachtet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen wir jetzt die Theorien, deren Wesen wir zu erfassen suchten, f\u00fcr einen Augenblick vor uns Revue passieren. Sie alle wollen die Untertanen dadurch zum Gehorsam verpflichten, da\u00df sie eine hinter der Gewalt stehende, <span style=\"text-decoration: underline;\">mit dem absoluten Recht ausgestattete transzendentale Grundursache aufzeigen: Gott oder das Volk.<\/span> Alle sind sie bestrebt, auch die Staatsgewalt dieser Grundursache unterzuordnen; so da\u00df sie in zweifacher Weise disziplin\u00e4r wirken: gegen\u00fcber dem Untertanen und gegen\u00fcber der Gewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit sie den Untertanen disziplinieren, st\u00e4rken sie die tats\u00e4chliche Gewalt. Indem sie aber die Gewalt binden, gleichen sie diese St\u00e4rkung wieder aus, sofern es ihnen gelingt, die Subordination der Gewalt praktisch zu bewerkstelligen. Und darin liegt die Schwierigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den praktischen Mitteln, die angewendet werden, um die Gewalt im Zaume zu halten, kommt umso mehr Bedeutung zu, je unbeschr\u00e4nkter das Souver\u00e4nit\u00e4tsrecht ist, dessen sie sich bem\u00e4chtigen k\u00f6nnte, und je gr\u00f6\u00dfer die Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft, falls sie sich seiner bem\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Der Souver\u00e4n aber ist unf\u00e4hig, sich <em>in toto<\/em> [vollst\u00e4ndig bzw. im Ganzen] zu offenbaren, um die Regierung an ihre Pflicht zu mahnen. Es bedarf eines Kontrollk\u00f6rpers und dieser &#8211; an der Seite der Regierung oder \u00fcber ihnen stehend &#8211; wird versuchen, sich der Souver\u00e4nit\u00e4t zu bevollm\u00e4chtigen, die beiden Rechtstitel, den des Regenten und den des W\u00e4chters, in sich zu vereinen und damit ein unbegrenztes Befehlsrecht zu erlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man mag gar nicht genug Sicherungen einzubauen, sondern wird die Macht zusammen mit ihrem Kontrollorgan durch Aufteilung der Befugnisse oder durch h\u00e4ufigen Wechsel der Berechtigten zerst\u00fcckeln m\u00fcssen und damit die Verwaltung der sozialen Interessen schw\u00e4chen und die Gemeinschaft \u00fcberhaupt verwirren. <span style=\"text-decoration: underline;\">Schw\u00e4che und Unordnung aber f\u00fchren unvermeidlich zu einer erneuten Vereinigung der Souver\u00e4nit\u00e4tsfragmente, und die Staatsgewalt sieht sich pl\u00f6tzlich mit despotischem Recht versehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Despotismus wird um so ausgepr\u00e4gter sein, je umfassender das Souver\u00e4nit\u00e4tsrecht angelegt wurde, als man es gegen jeden \u00dcbergriff gefeit w\u00e4hnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es f\u00fcr die Gemeinschaft ganz unvorstellbar ist, die Gesetze zu \u00e4ndern, bleibt der Despot an sie gebunden. Glaubt sie, ein Teil dieser Gesetze entspreche G\u00f6ttlichem Befehl und sei unumst\u00f6\u00dflich, so bleibt wenigstens dieser Bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Wir ahnen bereits, da\u00df aus der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t ein weit r\u00fccksichtsloserer Despotismus hervorgehen kann, als aus der G\u00f6ttlichen Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/span> Denn wenn es einem Tyrannen, sei er Individuum oder Kollektiv, gel\u00e4nge, die eine oder andere Souver\u00e4nit\u00e4t zu usurpieren, <span style=\"text-decoration: underline;\">den Willen Gottes in Gestalt eines unverg\u00e4nglichen Gesetzes k\u00f6nnte er doch niemals in Anspruch nehmen, um seine Willk\u00fcr durchzusetzen. Im Gegensatz dazu braucht der Gemeinwille nicht in einem Gesetz pr\u00e4determiniert zu sein, er vermag vielmehr, aus verschiedenen aufeinanderfolgenden und sich \u00e4ndernden Gesetzen zu sprechen. Die usurpatorische Staatsgewalt hat in diesem Fall freie Hand, und Freiheit der Gewalt ist Willk\u00fcr.<\/span>&#8222;<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden Ausz\u00fcge, die gleich hier folgen, m\u00f6chte ich nur ganz kurz versuchen einf\u00fchrend zu erkl\u00e4ren. Bertrand de Jouvenel war ein anerkannter Gelehrter der politischen Philosophie und ein konservativer Liberaler. Im 1. 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