von Jens Ranft
Ich verfolge seit einiger Zeit mit zunehmendem Interesse wieder professionellen Kampfsport, insbesondere der MMA-Sport hat es mir da angetan. Angestiftet von dem legendären Kampf zwischen Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov (2019), fing ich damals an mich wieder damit zu befassen.
Mittlerweile bin ich kein Casual Fan mehr, sondern verfolge neben sämtlichen Events der großen Promotions (wie UFC, Oktagon uns GMC) gelegentlich auch Amateur-Veranstaltungen.
Als die tschechische OKTAGON-Promotion auch in Deutschland groß wurde, fiel mir etwas auf: Tschechien gilt als eines der am stärksten säkularisierten Länder der Welt und als das atheistischste Land Europas. Rund 70 % der Bevölkerung bekennen sich zu keiner Religionsgemeinschaft. Trotzdem ist es unter den meisten tschechischen MMA-Kämpfern verbreitet, sich in der Promotion, sowie vor und nach den Kämpfen explizit christlich zu äußern, sei es in Worten oder durch Riten (wie das Sichbekreuzen).
In Deutschland wird der MMA-Sport überdurchschnittlich durch Muslime repräsentiert, was mich ebenfalls verwunderte, ist doch die Ausübung von Kampfsport im Islam deutlich limitiert, da beispielsweise das Schlagen ins Gesicht explizit verboten (haram) ist. Doch im MMA ist gerade das Schlagen ins Gesicht (neben diversen Submissions) ein wichtiger Bestandteil um Schaden zu generieren, was bei einem KO oder Punktsieg dringend vonnöten ist.
Trotzdem zeigen auch Muslime im MMA-Sport oft eine sehr ausgeprägte religiöse Praxis, wie das Knien beim Trinken, das Heben der Hände zum Bittgebert vor dem Betreten des Käfigs oder die Dankbarkeits-Niederwerfung nach dem Kampf.
Als ich kürzlich während der Arbeit ein wenig Zeit hatte, fragte ich spontan die Google-KI folgendes:
„Hat sich schonmal jemand zum Verhältnis MMA und Religion ausführlichere Gedanken gemacht?“
Und siehe da:
„Ja, absolut. Das Verhältnis von Mixed Martial Arts (MMA) und Religion – insbesondere dem Christentum und dem Islam – ist mittlerweile ein festes Forschungsfeld in der Sportsoziologie, Theologie und den Kulturwissenschaften.“
Und darauf folgte ein großer Fundus an Forschungen und Ergebnissen, die mich wirklich in den Bann gezogen haben.
Und ja, natürlich ist auch das interessierte Schauen von Kampfsportarten, in denen das Schlagen ins Gesicht ein wichtiger Bestandtei ist, aus islamischer Sicht nicht unproblematisch. Das vergegenwärtige ich auch des Öfteren und reflektiere darüber.
Vielleicht ein Grund mehr sich in dieses rabbit hole zu begeben und zu schauen, weshalb MMA und Religion sich dermaßen bedingen.