von Jens Ranft
In asch-Schaukānīs Werk „Anleitung der Vertrauenswürdigen zur Übereinstimmung der (göttlichen) Gesetzgebungen hinsichtlich des Monotheismus, der Auferstehung und des Prophetentums.“ (ارشاد الثقات الى اتفاق الشرائع على التوحيد والمعاد والنبوات), im Kapitel 2 namens „Über die Darlegung der Übereinstimmung der Šarāʾiʿ (religiösen Gesetzgebungen) in der Bestätigung des Maʿād (Wiederkehr / Jenseits)“ gibt es eine umfangreiche und überaus polemisch formulierte Erwähnung des jüdischen Gelehrten Abū ʿImrān Mūsā b.ʿUbaidallāh Maimūn al-Qurṭubī (gest. 1204), dessen Ansichten asch-Schaukani darlegt und danach zu widerlegen sucht.
So schreibt asch-Schaukani:
»Doch es trat ein Mann aus den Juden hervor, ein zindīq (Häretiker), genannt Moses Maimonides, ein andalusischer Jude. Von ihm stammen Aussagen, in denen er den Maʿād (Auferstehung / Jenseits) leugnet; und seine Aussagen darüber sind widersprüchlich: einmal bekräftigt er ihn, und ein anderes Mal verneint er ihn.
Doch dieser zindīq hat nicht den Maʿād insgesamt geleugnet; vielmehr leugnete er – nachdem er den Maʿād grundsätzlich anerkannt hatte –, dass es darin sinnlich-körperliche (ḥissīya ǧismānīya) Genüsse gebe; sondern (er behauptete), es gebe nur intellektuelle, geistige (ʿaqlīya rūḥānīya) Genüsse.
Und diese Auffassung wurde von jemandem unter den Muslimen übernommen, der ihm ähnlich ist, nämlich Avicenna; er folgte ihm darin und übernahm von ihm Aussagen, die nahelegen, dass in den früheren Šarāʾiʿ vor der muḥammadischen Gesetzgebung kein Beweis für den Maʿād enthalten sei – und dies aus Nachahmung (taqlīd) dieses verfluchten jüdischen zindīq.
Obwohl doch die Juden selbst ihm diese Aussage vorgeworfen, ihn verflucht und ihn als Ungläubigen bezeichnet haben. «
Wer sich etwas genauer mit dem Judentum befasst, wird früher oder später auf den Namen Moses Maimonides stoßen. Seine Zeitgenossen kannten ihn vor allem unter seinem arabischen Namen Abū ‘Imrān Mūsā ibn ‘Ubaidallāh Maimūn al-Qurtubī und unter Juden war und ist er bekannt als Rabbi Mosche ben Maimon (und dem daraus resultierenden Akronym RaMbaM).
Der Rang dieses jüdischen Gelehrten unter den zeitgenössischen Juden ist außergewöhnlich. Er lebte in der Zeit zwischen 1135 und 1204 n. Chr., zuerst im muslimischen Cordoba (Al-Andalus/Spanien), wo er auch geboren wurde, später dann in Fustat/Kairo (Ägypten). Die Verehrung, die diesem Gelehrten entgegengebracht wird, drückt sich auch in einer kursierenden Redensart aus:
Von Moses (dem Propheten) bis Moses (Maimonides) gab es keinen wie Moses!
Sein gesamtes Leben verbrachte Maimonides unter muslimischer Herrschaft und zu Zeiten seines Aufenthaltes in Fustat/Kairo brachte er es sogar zum Berater und Leibarzt des Sultans von Ägypten, Salahudin ibn Ayyub, dem Bezwinger der Kreuzfahrer.
Die meisten seiner religiösen Werke verfasste er in arabischer Sprache, einige wenige aber auch auf hebräisch.
>>> Die Essenzen des Glaubens in Judentum und Islam: Teil 1 – Die 13 Glaubensartikel des Maimonides