Muhammad ibn ʿAlī asch-Schaukānī über at-Tawrāt (die Torah)

von Jens Ranft

Unter anderem für seine Schrift „Anleitung der Vertrauenswürdigen zur Übereinstimmung der (göttlichen) Gesetzgebungen hinsichtlich des Monotheismus, der Auferstehung und des Prophetentums.“ (ارشاد الثقات الى اتفاق الشرائع على التوحيد والمعاد والنبوات) studierte asch-Schaukani (gest. 1834) die Offenbarungsschriften der Juden und Christen, um zu belegen, dass die Zielsetzungen (maqāṣid) dieser Bücher denen des Quran gleichen:

  • Das erste Ziel (maqṣad) ist die Bestätigung des Tawḥīd (Einzigkeit Allahs)
  • Das zweite Ziel ist die Bestätigung des Maʿād (Auferstehung/Rückkehr im Jenseits)
  • Das dritte Ziel ist die Bestätigung der Nubuwwāt (Prophetentümer/Sendung der Propheten)

Über die Torah schrieb asch-Schaukani u.a. folgendes:

»Was nun die Tawrāt betrifft, so sind die Texte darin über dieses Thema (den Tawḥīd) sehr zahlreich, und sie enthält die Erwähnung dessen, was an Auseinandersetzungen (ḫuṣūmāt: Streitgespräche) mit den Götzendienern geschah, sowie die Darlegung von Beweisführungen (ḥuǧaǧ: Argumente, Beweise) gegen sie, besonders nach dem Tod von Mūsā (Mose) und dem Auftreten der Propheten der Kinder Israels.

Denn es ereigneten sich zwischen ihnen Begebenheiten, deren ausführliche Darstellung lange dauern würde. Und sie pflegten diejenigen zu bekämpfen, die Götzen (aṣnām) anbeteten, und hielten deren Blut für erlaubt (yastaḥillūna dimāʾahum: betrachteten ihre Tötung als religiös erlaubt). Und dazu riefen sie die Anhänger Mūsās und die Gelehrten (aḥbār) der jüdischen Gemeinschaft auf. Und jeder Prophet, den Allah aus den Propheten der Kinder Israels entsandte, verpflichtete die Kinder Israels dazu, diejenigen zu bekämpfen, die Götzen anbeteten, und gegen sie in ihre Länder zu ziehen.

Und die Tawrāt (Tora) enthält auch die Darstellung dessen, was an Berichten über die Propheten vor Mūsā geschah und was zwischen ihnen an Aufrufen zum Tawḥīd (Einzigkeit Allahs) und zur Flucht vor dem Širk (Beigesellung) und zur Abschreckung davon stattfand.

Und zu den Textstellen der Tawrāt gehört das, was im zwanzigsten Kapitel des zweiten Buches erwähnt wird, und sein Wortlaut ist:

„Ich bin Allah, dein Herr, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, aus dem Haus der Knechtschaft. Du sollst keinen anderen Gott neben Mir haben. Du sollst dir kein Bildnis machen und kein Abbild dessen, was im Himmel oben ist und was auf der Erde ist und was unter der Erde ist. Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und sie nicht anbeten. Denn Ich bin Allah, dein Herr, der Mächtige, der Eifersüchtige (d. h. keiner darf neben Ihm verehrt werden).“ Ende.

Und dies wird an anderen Stellen wiederholt.«

Was asch-Schaukani hier am Ende aus der Torah zitiert ist übrigens das Schma Jisrael (hebräisch für „Höre, Israel“), das zentrale Glaubensbekenntnis des Judentums.