Sind die Zaiditen (5er-Schiiten) uns Sunniten näher als die Imamiten (12er-Schiiten)?

von Jens Ranft

Gemeinhin heißt es immer, die Zaiditen (5er-Schiiten) seien gemäßigte Schiiten und den Sunniten näher als die Imamiten (12er-Schiiten). Das stimmt aber so nicht.

Es gab/gibt unter den Zaiditen 2 Flügel, die sich im Streit befinden und ganz unterschiedliche Ansichten dazu hegen, welchen Status die 2 ersten rechtgeleiteten Kalifen (Abu Bakr & Umar) und ihre Unterstützer unter den Prophetengefährten haben.

Die Batriyya, die Abu Bakr und Umar als rechtmäßige Kalifen anerkannten, und die Jarudiyah, die hierin die Dogmatik der Imamiten (12er-Schiiten) einnahmen.

Diese Meinungsverschiedenheit hatte vor allem Einfluss auf ihr Urteil im Umgang mit Sunniten.

Der Gründer des zaiditisch-jemenitischen Imamats, Imam al-Mansur al-Qasim ibn Muhammad (gest. 1620) herrschte von 1598 bis 1620 und verband mit der Huldigung (bay’a) seiner Untertanen die Aufforderung zum Jihad gegen die sunnitischen Osmanen. Als Grund nannte er die Islamwidrigkeit ihrer Herrschaft, sowie Unterdrückung (zulm), Unzucht (zina), Tyrannei (jawr) und Verderbtheit (fasad).

Es sollte 20 Jahre dauern, bis das schiitische Imamat unter Herrschaft seines Sohnes, Imam Mu’ayyad Muhammad ibn al-Qasim (gest. 1644), die Osmanen aus dem Jemen vertrieben hat.

Von seinem Nachfolger an der Macht, Imam al-Mutawakkil Isma’il (gest. 1676), der von 1644 bis 1676 herrschte, ist bekannt, dass er nach Abzug der hanafitischen Osmanen einen großen missionarischen Druck auf die im Land ansässigen Schafiiten ausübte, sodass viele von ihnen vom Sunnitentum zum Schiitentum wechselten. Die übrig gebliebenen Schafiiten wurden fortan als osmanische Kollaborateure betrachtet und das schafiitische Siedlungsgebiet im Jemen wurde zum Haus des Krieges (dar al-harb) erklärt.

Imam al-Mahdi Ahmad ibn al-Hasan (gest. 1681), herrschte von 1671 bis 1681 und bezeichnete, ebenso wie die Imame vor ihm, die Osmanen und Schafiiten des Landes als kuffar at-ta’will, was ihr Eigentum und ihr Leben für die Zaiditen halal machte. Ähnlich verfuhr man auch mit den jemenitischen Juden, denen 1677 ihr Status als Schutzbefohlene (Dhimmi) aberkannt wurde.

Eine versöhnlichere Haltung des zaiditischen Imamats mit den Sunniten im Land begann langsam erst ab 1687, mit der Machtergreifung vom Salih al-Mawahibs und wandelte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts, gewissermaßen parallel zum wirtschaftlichen Aufstieg des Jemens als Kaffeeumschlagplatz im Handel mit Europa.