Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Das Vorurteil der Orient-Faulheit (1901)

„Nun also, so räumen wir doch auf mit dem Vorurteil der Orient-Faulheit! Die apathische Ruhe, die Unbeweglichkeit der Züge ist Glut unter der Asche, die leise Schwermut ein Gefühl der gehemmten Kraft. Aus dieser Grundstimmung geht die glänzende Virtuosität des Orientalen für das Religiöse hervor. Er meint es ernst damit, bitter ernst. Das unmittelbare Empfinden der Allmacht Gottes und der schattenhaften Nichtigkeit des Menschen beherrscht seine ganze Denkweise.

Nun, dann ist es doch, gelinde gesagt, eine wahre Barbarei, die rücksichtslose Hervorkehrung des Religiösen am Orientalen zu einer Art apathischen Instinktes, dem in seiner Faulheit jeder äußere Effekt gleichgültig ist, herabwürdigen zu wollen!“

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 77)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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