Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.7 – Kriegsberichterstattung

Mittlerweile hatte Abdallah Ibn Saud seine Pflicht nicht vernachlässigt; auch er rückte mit einer Armee von Beduinen und Landbauern aus Nedschid in die Provinz Kasym und nahm sein Hauptquartier zu Schenana, nur fünf Stunden von Khabara, wo Tusun Pascha sich gelagert hatte. Hier befand sich aber Tusun in einer prekären Lage, er hörte, dass sein Schatzmeister Ibrahim Aga mit seinen Reitern unterwegs umzingelt und, trotz des tapfersten Widerstandes, zusammengehauen worden sei. Der fruchtbare Distrikt von Kasym hätte noch für eine weit größere Armee, als die türkische war, die notwendigen Bedürfnisse hergeben können, aber die leichten Truppen der Wahaby hatten die Türken rings umgeben, sodass sie ihre täglichen Bedürfnisse bloß noch aus zwei, oder drei Dörfern beziehen konnten und vorauszusehen war, dass bald große Not eintreten werde. Die Straße nach Medinah war vom Feinde besetzt, und Tusun Pascha konnte deshalb, hinsichtlich der Schritte seines Vaters Mohammed Aly, keine Nachricht erhalten.

Tusun Pascha konnte auf die Beduinen, welche bei ihm waren, kein großes Vertrauen setzen und wusste recht gut, dass sie beim ersten unglücklichen Ereignisse für die Türken zur Gegenpartei übergehen würden. Er hätte diesem Zustande der Ungewissheit gern durch eine Schlacht ein Ende gemacht, aber seine Offiziere und seine Soldaten widerstrebten ihm in diesem Betreff. Die überlegene Zahl der Wahaby flößte ihnen Furcht ein, und sie hatten die Überzeugung, dass im Falle sie geschlagen würden, nicht ein Mann davonkomme. Man hielt es deshalb für klüger, mit dem Feinde zu unterhandeln, als sich mit ihm in ein Gefecht einzulassen, und dies umso mehr, als Mohammed Aly seinen Sohn ermächtigt hatte, Frieden zu schließen, sobald es unter günstigen Bedingungen geschehen könne. Einige Beduinen wurden beauftragt, in diesem Betreff die Gesinnungen des feindlichen Anführers zu sondieren, welcher, als er davon Kenntnis erhielt, seinerseits einen gewissen Habab sendete, um die eigentliche Absicht Tusuns zu erfahren. Dabei bot er jedem sicheres Geleit an, welcher ins Lager der Wahaby gesendet werden würde. Wie günstig übrigens auch die Umstände für den Anführer der Wahaby waren, so sah er doch ein, dass selbst die Vernichtung von Tusuns ganzer Macht, die etwa aus 1200 Mann bestand, ihm wenig wahren Gewinn bringen könne. Mohammed Aly würde vielmehr dadurch genötigt worden sein, seine ganze Macht auf diesen Punkt zu richten, und dieses würde den Wahaby größeren Nachteil gebracht haben, als man aus diesem teilweisen Siege würde ziehen können. Außerdem wusste er auch, dass die Hilfsquellen Ägyptens es dem Mohammed Aly erlaubten, den Feldzug in Hedschaz auf jede Zeit zu verlängern. Die Türken hatten viele Niederlagen erlitten, aber immer ihren Verlust wieder ersetzt und waren sogar nach jeder Niederlage stärker aufgetreten. Sie besaßen auch die Mittel der Bestechung, und der Häuptling der Wahaby wusste recht gut, dass einige seiner jetzigen Kampfgenossen im Herzen seine Feinde seien. Schloss er nun Frieden, so konnte er sich die Abhängigkeit derjenigen Stämme sichern, die bis jetzt noch nicht zu den Türken übergetreten waren.

Habab wurde von Tusun gut aufgenommen, auch sendete er sogleich seinen Arzt, einen geborenen Syrier (der das Arabische besser sprach, als irgendein Türke), namens Yahya Effendy, um mit Abdallah zu unterhandeln. Er überbrachte einige Geschenke und blieb drei Tage im Lager der Wahaby. Da beide Teile Frieden wünschten, so war die Unterhandlung bald geschlossen, und einer von Abdallahs Höflingen traf bei Tusun ein, um von ihm die Ratifikation des Vertrages zu erhalten. In diesem Friedensschluss entsagte Abdallah allem Anspruch auf den Besitz der heiligen Städte, nannte sich sogar selbst einen gehorsamen Untertan des Sultan und erhielt freies Geleite für alle seine Anhänger durch das türkische Gebiet, sodass sie die Wallfahrt nach Belieben machen konnten. Tusun Pascha überließ dem Abdallah Ibn Saud diejenigen Städte von Kasym, die er in Besitz hatte, und entließ alle Scheikhs dieses Landes, die bereits auf seine Seite getreten waren. Er trat ihm auch diejenigen Beduinenstämme ab, deren Weidegebiet jenseits Hanakye lag, und behielt für sich nur diejenigen, welche zwischen Hanakye und Medinah und im Gebiete der heiligen Städte wohnten. Von den südlichen Wahaby war gar nicht die Rede. Sobald nun Tusun abgezogen war, bestrafte Abdallah in Folge dieses Übereinkommens diejenigen Beduinen (besonders den Stamm Meteyr), die auf die Seite seiner Feinde getreten waren.

Da beide Teile eine Treulosigkeit befürchteten, so erregte die Priorität des Abmarsches einige Schwierigkeiten. Abdallah willigte endlich ein, sein Lager abzubrechen, bestand aber darauf, dass vier von des Paschas vornehmsten Offizieren bei ihm als Geiseln bleiben mussten, bis er eine sichere Position erreicht habe, wo er sie dann zurücksenden wolle. Tusun weigerte sich noch eine Zeitlang, diesen Punkt einzugehen und höchst wahrscheinlich, um seine eigene Schwäche zu verbergen. Es fand eine Korrespondenz statt und mehrere von Abdallah’s Originalbriefen sind jetzt in meinem Besitze. Die meisten derselben enthalten eine so freie und kühne Sprache, durch welche sich die Beduinen immer ausgezeichnet haben, und die unendlich verschieden von dem zeremoniösen und höflichen Stil ist, den man in ähnlichen Fällen bei anderen Nationen des Morgenlandes zu finden pflegt. Sie waren sämtlich von Abdallah diktiert worden und drückten unverhohlen seine Gedanken aus, die er in jenem Augenblicke hatte; auch ergibt sich aus der Handschrift, dass zur Übertragung seiner Gedanken aufs Papier wenig Zeit verwendet worden sei.

Tusun Pascha marschierte nun von Khabara nach Raß und kam nach 28tägigem Aufenthalt in der Provinz Kasym zu Ende des Junius 1815 nach Medinah zurück. Bei ihm waren zwei Gesandte von Abdallah an Mohammed Aly mit den Friedensartikeln und einem Brief ihres Oberhauptes an den Pascha; ferner einem anderen an den Großsultan.

Tusun fand seinen Vater nicht mehr zu Medinah, denn nachdem sich derselbe überzeugt hatte, dass die gegenwärtigen Hilfsquellen und Kriegsmittel in diesen nördlichen Teilen von Hedschaz nicht ausreichend seien, um Hoffnungen des Erfolges zu rechtfertigen, beschloss er, diese zweifelhafte Sache seinem Sohne zu überlassen, um nicht Gefahr zu laufen, den Ruhm zu vermindern, den er sich bereits gesammelt hatte. Bei dieser Gelegenheit bewies er großen Mangel an Liebe zu seinem Sohne. Während der Abwesenheit Tusuns sendete er an ihn keinen einzigen Boten, sodass derselbe von dem, was in Medinah und an anderen Orten vorging, nicht das Geringste erfuhr. Auch dachte Mohammed Aly so wenig an die Bedürfnisse seines Sohnes, dass er ihn ohne einen einzigen Piaster ließ, und derselbe, als er nach Medinah zurückgekehrt war, für seine täglichen Ausgaben Geld borgen musste.

Mohammed Aly war vielleicht gezwungen, Medinah und dann auch Hedschaz zu verlassen. Im Februar und März 1815 befürchtete man in Ägypten vom Capudan Pascha des Großherrn einen Angriff auf Alexandrien, denn derselbe war aus dem Mare di Marmora mit einer starken Flotte ausgelaufen und kreuzte im Archipel. Alexandrien und Rosette wurden mit großer Truppenmacht verstärkt, und Kechya Bey, Gouverneur von Kairo, sendete eiligst zu Wasser und zu Lande Boten, um den Mohammed Aly von diesen Dingen zu benachrichtigen.

Den 19ten Mai, einige Wochen, nachdem ich Yembo verlassen hatte, um nach Kairo zurückzukehren, erhielt Selim Aga, Gouverneur von Yembo, einen Eilboten aus Medinah, welcher ihm den Befehl brachte, bei Todesstrafe ein Schiff bereit zu halten, welches noch diesen Abend unter Segel gehen könne. Den folgenden Tag langte Mohammed Aly mit einem geringen Gefolge auf Dromedaren zu Yembo an, und ohne an der Küste erst Erfrischungen einzunehmen, eilte er aufs Schiff und ließ augenblicklich die Anker lichten. Der Pascha wollte nicht einmal dem Kapitän erlauben, längs der Küste hinzusegeln, wie es gewöhnlich ist, obschon er wusste, dass das Schiff nur dürftig mit Wasser versorgt sei, sondern ließ ihn in gerader Richtung nach Kosseir in die offene See stechen.

Als er hier landete, konnte er weder ein Pferd noch ein Kamel bekommen, bestieg aber ohne Zeitverlust einen Esel und nahm seinen Weg durch die Wüste nach Genne, alsdann fuhr er den Nil hinab nach Kairo. Die Furcht eines Angriffes auf Alexandrien hatte sich in der Zwischenzeit gelegt. Davon erhielt er Nachricht und richtete nun erst seine Reise nach der Hauptstadt mit größter Bequemlichkeit ein, die er den 25sten Junius 1814 nach einer fast zweijährigen Abwesenheit erreichte, während welcher seine Gesundheit von dem Klima Arabiens sehr gelitten hatte. Er wusste damals noch nicht, dass mit den Wahaby Frieden geschlossen worden sei; um aber seinen Einzug mit gehörigem Pomp zu feiern, wurde verkündigt, dass Tusun Pascha Derayeh eingenommen habe und dass die Wahaby gänzlich vernichtet seien.

Im Monat August, nachdem Mohammed Aly nach Ägypten zurückgekehrt war, legten gerade die Truppen, welche am arabischen Feldzuge Teil genommen hatten, Zeichen der Insurrektion an den Tag. Das Korps des Mahu Bey und andere begannen, die Hauptstadt zu plündern, und der Pascha fand es nötig. sich in sein Kastell zu Kairo zurückzuziehen. Diejenigen Truppen, welchen schöne Versprechungen in Hedschaz gemacht worden waren, fanden jetzt, dass Einrichtungen in Vorschlag waren, in Folge welcher ihr Sold beträchtlich vermindert und ihre Anstrengungen vermehrt werden sollten. Der Pascha wünschte den Nizam Dschedid, oder das neue System der Disziplin einzuführen, — eine Maßregel, welche schon dem Sultan Selim das Leben gekostet hatte. Die Insurrektion wurde unterdrückt, jedoch durfte es Mohammed Aly nicht wagen, die Urheber zu bestrafen. Man fand auch, dass der Ruf, welchen er sich in Hedschaz erworben hatte, eine Veränderung in seinem Charakter hervorgebracht habe. Die Leutseligkeit, durch welche er sich vor anderen Paschas ausgezeichnet hatte, war in Stolz verwandelt worden: statt einer einfachen kriegerischen Einrichtung, sah man jetzt Pomp und Pracht vorherrschen; auch ergriff er das Monopol aller Ausfuhr und Einfuhr zum Nutzen seiner eigenen Kasse, wodurch den Arbeitern und Manufakturisten großer Nachteil zugefügt wurde.

Die beiden Gesandten des Abdallah Ibn Saud, welche mit Tusun Pascha nach Medinah gegangen waren, langten zu Kairo im August gerade während dieses militärischen Aufstandes an. Einer von ihnen, namens Abd el Azyz, war ein Verwandter des berühmten Stifters der Wahabysekte, Abd el Wahab; der andere war ein Beamter Sauds. Sie überreichten Mohammed Aly den Friedensvertrag, welchen sie mit seinem Sohne Tusun Pascha abgeschlossen hatten, ferner auch die obenerwähnten Briefe. Abd el Azyz war ein sehr gelehrter Mann, und mehrere der geschicktesten Ulama in Kairo wurden von dem Pascha beauftragt, mit ihm über theologische Gegenstände zu disputieren. Er erkundigte sich nach jedem Umstand, welcher auf die Zivil- und Militäreinrichtungen Ägyptens Bezug hatten, nach den Hilfsquellen und nach dem Handel des Landes. Er kaufte mehrere arabische Bücher und erregte endlich den Argwohn Mohammed Alys, welcher nun die Gesandten auf allen ihren Wegen von zwei, oder drei Soldaten begleiten ließ. Dieses Benehmen machte ihre Lage so unangenehm, dass sie bald um Erlaubnis zur Reise nachsuchten. Jeder erhielt eine Kleidung und 500 Dollars zum Geschenk, auch gab ihnen der Pascha an Abdallah Ibn Saud einen Brief mit, der über Frieden und Krieg höchst zweideutige Ausdrücke enthielt. Er erbot sich nämlich, den mit seinem Sohne geschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen, sobald die Wahaby ihm die Provinz Hassa, eine der fruchtbarsten und wichtigsten ihres ganzen Gebietes, indem sie am Persischen Meerbusen liegt, abtreten würden.

Es lag jetzt am Tage, dass Tusun Pascha entweder die Wahaby in Kasym getäuscht, oder dass Mohammed Aly aufs Neue bewiesen habe, wie sehr er alle gegebenen Versprechungen verachte. Tusun, welcher seinem Vater im Rang gleich stand, hatte einen Friedensvertrag geschlossen, der für seine ganze Partei verbindlich war; auch hatte er den ganzen Vorteil dieses Friedensvertrages genossen, da ihm nicht gestattet worden war, sich und seine Armee vom Untergange zu retten. Seinem Vater schien indessen daran viel gelegen zu sein, die Sache in Konstantinopel ganz anders darzustellen, und da er selbst versprochen hatte, die Wahaby zu vernichten und Derayeh zu nehmen, so galt es, seinen Oberherrn zu überzeugen, dass er dieses Ziel noch nicht aufgegeben habe, und dass der Vertrag, den sein Sohn geschlossen habe, bloß als ein temporärer Waffenstillstand zu betrachten sei.

Im September 1815 wurde der arabische Held, Scherif Radscheh, in Ketten nach Kairo gebracht. Es hieß, dass er mit Hassan Pascha, dem Gouverneur von Mekka, in Streit geraten sei, der den Verdacht einer verräterischen Korrespondenz mit dem Feind auf ihn geworfen hatte. Aber beim Lichte besehen, lag weiter nichts im Hintergrunde, als dass die ganze Partei der Osmanen ihn wegen des hohen Rufes, den er erlangt hatte und wegen des allgemeinen Gerüchtes, dass er zum Siege bei Byssel das Meiste beigetragen habe, mit Eifersucht betrachtete. Während der ersten Monate seiner Gefangenschaft zu Kairo, wurde er wie ein gemeiner Verbrecher behandelt; aber im Frühling 1816, als zu einer Expedition gegen die Wahaby Anstalten getroffen wurden, kam er aus seinem Gefängnis, und Mohammed Aly tat, als ob er ihn auszeichnen wolle. Den 7ten November 1815 kam Tusun Pascha mit einigen 100 Soldaten nach Kairo. Nach seiner Rückkehr nach Medinah wurde die Kommunikation mit den Wahaby durch ganz Hedschaz wiederhergestellt. Es kamen Karawanen aus Nedschid nach Medinah und Mekka, und im Dezember wohnten viele Wahaby der Wallfahrt bei. Kein türkischer Anführer hatte sich während dieses Krieges so sehr hervorgetan, oder mehr persönliche Tapferkeit an den Tag gelegt, als Tusun, aber seine Unternehmungen liefen immer unglücklich ab. Er wurde zu Kairo mit allen, seinem Rang und seiner Tapferkeit gebührenden, Ehrenbezeigungen empfangen; als er aber seinen Vater in Alexandria besuchte, fand er eine sehr kalte Aufnahme *).

*) Im September 1816 starb Tusun Pascha an der Pest zu Rosette, wo er ein großes Truppencorps befehligte, welches hier zur Verteidigung der Küste aufgestellt war. Er wurde betrauert als ein Mann, der für seine Freunde große Anhänglichkeit besaß und mit der Verwendung des Geldes verschwenderisch freigebig umging.

Gegen das Ende des Jahres 1815 kamen mehrere arabische Scheikhs von Hedschaz nach Kairo, um den Schutz des Paschas in Anspruch zu nehmen. Sie waren Verwandte des Ibn Medry, welchen Mohammed Aly an Tamys Stelle zum Oberhaupt der Asyr gemacht hatte. Als indessen der Pascha nach Kairo zurückkehrte, nötigte Tamys Partei die neuen Scheikhs zur Flucht,

Und Hassan Bey war nicht im Stande, sie zu unterstützen. Mohammed Aly empfing sie höflich zu Kairo, gab ihnen einige Geschenke und schickte sie nach Mekka zurück, konnte aber damals keine Truppen für Hedschaz erübrigen, indem er aufs Ernstlichste mit Vorbereitungen zur Verteidigung der Küste des Mittelmeeres gegen einen Angriff beschäftigt war, den er dem allgemeinen Gerüchte zufolge, von Seiten Englands erwartete. Als er noch in Hedschaz war, hatte er bereits vom ersten Pariser Frieden und vom Falle Napoleons gehört, auch befürchtet, dass England eine große Armee aus dem südlichen Frankreich nach Ägypten senden werde, indem er glaubte, dass dieses der Lieblingsgegenstand aller europäischen Machte sei. Diese Befürchtung wurden durch den zweiten Pariser Traktat nur noch mehr erneuert, als die Engländer von den sieben Inseln Besitz nahmen, die er als Stufen zu seinem eigenen Gebiete betrachtete. In seiner Meinung wurde er durch die albernen Berichte seiner eigenen Emissäre[1] und durch das Geflüster schmeichelnder und serviler Franken, oder Pseudo-Europäer bestärkt, die alle üble Gesinnungen gegen England hegten. Nach einigen Monaten gab sich diese Sorge, und der Pascha richtete nun sein Augenmerk wieder auf Hedschaz, indem er Willens war, eine mächtige Ausrüstung unter seinem Sohne Ibrahim Pascha dahin zu senden.

Im Januar 1816 wurden Zirkularschreiben an alle Araber-Scheikhs in Hedschaz gesendet, in welchen denselben Ibrahims baldige Abreise gemeldet und sie zugleich ermahnt wurden, ihm beizustehen; auch folgte zugleich die Versicherung, dass Mohammed Aly in kurzer Zeit ihr Gebiet selbst zu besuchen und seine früheren Siege durch die Einnahme von Derayeh zu krönen beabsichtige. In diesen Briefen war der mit Abdallah Ibn Saud abgeschlossene Vertrag nicht im Geringsten erwähnt, auch war keine Antwort von Letzterem, rücksichtlich der Forderung Mohammed Alys, ihm die Provinz el Hassa abzutreten, bis jetzt noch eingelaufen.

Im März 1816 kam die Nachricht, dass südlich von Mekka Unruhen ausgebrochen seien. Die türkische Reiterei, welche zu Beische, Rannye und Taraba stand, war weggezogen worden. Einige Beduinen, im Dienste des Paschas, blieben als Besatzung zu Taraba. Die Wahaby schienen in diesen Gegenden täglich an Stärke zuzunehmen; auch scheinen die südlichen Distrikte nie in dem mit Abdallah Ibn Saud geschlossenen Frieden begriffen gewesen zu sein.

Im August 1816 verließ Ibrahim Pascha Kairo, um sich nach Hedschaz zu begeben und, wie man sagt, mit dem Befehle, Derayeh anzugreifen und den Weg über Medinah und Kasym zu nehmen. Er war von ungefähr 2000 Mann Fußvolk begleitet, die über Kosseir nach Yembo gingen, während 1500 libysche Beduinen zu Pferde den Weg zu Lande einschlugen. Diese Reiter hatte er sich selbst aus den kriegerischsten Beduinenstämmen in Oberägypten auserwählt. In seinem Gefolge waren zwei französische Offiziere. Der eine derselben war unter Napoleon chef d’Escadre zu Rochefort gewesen und hatte sich, der Weisung zu Folge, Frankreich zu verlassen, nach Ägypten begeben, wo Mohammed Aly ihn auf eine äußerst schmeichelhafte Weise aufnahm. Mehrere andere französische Emigranten des Jahres 1816 nahmen ebenfalls an der Expedition Anteil.

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[1] Abgesandte

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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