Meine gute alte Krups …

von Yahya ibn Rainer

krups1Viele Jahre hat sie in einer Kiste verbracht. In 3 verschiedenen Wohnungen wurde sie nie ausgepackt, sondern in ihrer Kiste immer irgendwo auf oder unter einem Küchenschrank verstaut. Während dieser langen Zeit hat sie eine Patina angesetzt. Eine Mischung aus fettiger Küchenluft und Hausstaub hatte die schneeweiße Oberfläche meiner guten alten Krups schmierig gelb werden lassen.

Ich weiß nicht genau wie alt sie ist, denn ich habe sie selber nicht gekauft, sondern vor knapp 15 Jahren aus dem Hausstand meines Vaters erhalten. Er brauchte sie nicht mehr, und was er nicht wußte, ich brauchte sie auch nicht wirklich. Dabei war die gute alte Brotschneidemaschine früher fester Bestandteil eines jeden gut sortierten deutschen Haushalts.

Was hat sich also geändert? Früher stand die Brotschneidemaschine gut sichtbar auf jeder Küchenanrichte. Ich erlebte sogar noch die Maschinen mit Handkurbel. Später kamen jedoch die elektrischen in Mode. Heutzutage findet man dieses typisch deutsche Küchenutensil nur noch selten in Deutschlands Küchen.

Fakt ist, dass sich die deutsche Esskultur geändert hat. Deutschland war schon immer bekannt für sein vielfältiges und schmackhaftes Brotsortiment. Laut dem GMF (Vereinigung Getreide-, Markt- und Ernährungsforschung) gibt es in Deutschland über 300 verschiedene Brotsorten. Besonders bekannt ist Deutschland allerdings für seine Grau- und Schwarzbrote. Dies sind Brote, die aus hochwertigeren Mehltypen hergestellt werden, denn je dunkler das Brot, desto höher auch der Mineralien- und Ballaststoffeanteil. Minderwertige, also weiße Mehle, sind hingegen arm an Mineralien und Ballaststoffen, dafür aber reich an Kohlenhydraten, de facto also reich an Zucker.

Der Brotkonsum hat sich grundlegend geändert. Früher kaufte man ein ganzes Laib Brot beim Bäcker, heute kauft man geschnittenes Brot im Discounter. Anstatt zum traditionellen Graubrot zu greifen, ist anscheinend das geschnittene American Sandwich Brot, ein sogenanntes Super Soft Weißbrot total angesagt. Es ist zwar vollkommen geschmacksneutral, nicht streichfest, besonders schimmelanfällig und durch die große Oberfläche (weil bereits geschnitten) schnell ausgetrocknet, aber es ist auch schön billig.

Aber auch das Angebot an geschnittenen Grau- und Schwarzbroten in den Discountern ist häufig minderwertig. Die Graubrote sind oft schon beim Kauf trocken und viele dunklere Brotsorten werden leider mit Glukosen und Malzextrakten gefärbt. Die Vorteile eines ganzen und frischen Natursauerteig-Brotes wissen viele junge Leute heute garnicht mehr zu schätzen, dabei liegen sie doch auf der Hand.

Ein anständiges Graubrot aus Natursauerteig ist saftig und hat einen Eigengeschmack. Mit saftig meine ich nicht feucht und wabbelig, wie es häufig bei den bereits angesprochenen American Sandwich Broten der Fall ist. Es handelt sich beim Sauerteigbrot tatsächlich um Brotsaft, der fest im Brot eingebunden ist und sich für gewöhnlich nicht schnell verflüchtigt und in der Verpackung niederschlägt.

Ein solches Brot, vernünftig aufbewahrt und nur nach Bedarf aufgeschnitten, übersteigt eine qualitative Haltbarkeit von 1 Woche deutlich. Die Kruste ist meistens knusprig und sehr schmackhaft, und der Teig im Innern ist weich sowie schnitt- und streichfest. Eine traditionelle Brotschneidemaschine ist ein hervorragendes Utensil, um mit dem wertvollen Nahrungsmittel sparsam umzugehen.

Meine gute alte Krups hat ein praktisches Drehrad, mit dem man die Schnittbreite auf den Millimeter genau einstellen kann. Der Teig eines guten Graubrotes ist dabei so fest und fein, dass man ohne Probleme 1 oder 2 Millimeter dünne Scheiben davon schneiden könnte. Das ist natürlich keine normale Dicke, aber für einen Muslim mit einer bewußt sparsamen Nahrungszufuhr (positiver Enthaltsamkeit) eine tolle Vorrichtung, die man mit einem normalen Brotmesser niemals so einwandfrei ersetzen könnte.

Ich schneide mein Brot in 5mm-Scheiben, denn ich habe meine gute alte Krups wieder aus ihrem Versteck geholt und gesäubert. Im Hause Ibn Rainer gibt es nur noch Grau- und Schwarzbrot, schon allein den Kindern zuliebe. Es schmeckt uns allen sehr gut und mit der Brotschneidemaschine geschnitten, hält ein Laib Graubrot deutlich länger als eine Packung wabbeliges Weißbrot.

Probiert es mal aus, schneidet euer Brot selber … typisch deutsch.

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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