#Pegida & Co wirken: Heute wandert ein Unternehmer aus

von Yahya ibn Rainer

Er ist ein erfolgreicher deutscher Unternehmer, eingetragener Kaufmann und Hauptgesellschafter in einem deutsch-arabischen Handelsbetrieb. Er war hierzulande Arbeitgeber für bis zu 15 Angestellte und ist Vater von 7 potentiellen Rentenbeitragszahlern. Er hat zwar ägyptische Wurzeln, ist aber schon seit vielen Jahren deutscher Staatsbürger.

Während diesen vielen Jahren in Deutschland hat er dieses Land, sein Volk und seine Tugenden zu schätzen gelernt. Er ist quasi selbst zu einem Deutschen geworden, trotz seiner Herkunft, seiner Religion, seines Bartes und seiner vollverschleierten Frau. Wenn ein anderer Muslim in seiner Gegenwart Deutschland verächtlich machte, hat er dieses Land und seine Leute verteidigt.

Heute nun, am 24.02.2015 wird er Deutschland verlassen, für immer und mit Kind und Kegel. Von den 7 potentiellen Rentenbeitragszahlern wird nur sein ältester Sohn in Deutschland verbleiben, seine Töchter jedoch und die jungen Söhne möchte er nicht hier lassen.

Innerhalb nur weniger Monate, sagt er, ist die Stimmung in Deutschland bedrohlich gekippt. Früher schaute ihn niemand herablassend an, nur weil er einen Bart hatte, heute jedoch schielt man ihn nicht nur offen an, sondern murmelt ihm nicht selten dabei auch irgendwelche boshaften Flüche hinterher. Auch seine Frau wurde immer öfter das Ziel von Spott und Häme.

Er lebte nie in einer sogenannten Parallelgesellschaft, sondern war immer mittendrin. Oft kritisierte er die Muslime für das Fehlen der guten Tugenden und lobte die Arbeitsmoral und Zuverlässigkeit der deutschen Angestellten oder Vertragspartner.

Die ersten, die der Stimmungsumschwung gegen den Islam und die Muslime in der deutschen Gesellschaft trifft, sind diejenigen, die direkt in ihr leben, und das sind meistens die integeren und erfolgreicheren unter ihnen. Andere jedoch, die sich in ihrer Parallelgesellschaft ein Milieu geschaffen haben, das ihnen vorbehaltlos freundlich gesinnt ist (ihnen aber leider nur äußerst selten die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit bietet), können sich recht gut vor solcherlei Anfeindungen abschirmen.

Dieser erfolgreiche Unternehmer ist mein Chef. Mich hat er damit beauftragt, während seiner Abwesenheit die Handelsgesellschaft komplett abzuwickeln und aufzulösen. Sein Kaufmannsbüro wird mit stark reduzierter Mannschaft so lange verwaltet, bis er sein Unternehmen erfolgreich im Ausland angesiedelt hat.

Marokko hat nun einen innovativen, wohlhabenden, erfolg- und kinderreichen deutschen Migranten und Deutschland hat einen unabhängigen Arbeitgeber und Unternehmer verloren …

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

2 Gedanken zu „#Pegida & Co wirken: Heute wandert ein Unternehmer aus

  1. „Die ersten, die der Stimmungsumschwung gegen den Islam und die Muslime in der deutschen Gesellschaft trifft, sind diejenigen, die direkt in ihr leben, […]“, wahre Worte. Khayr inshaAllah. Möge Allah euch weiterhin in der Dunya und der Akhira erfolgreich sein lassen, amin.

  2. So ist das schon vor Pegida gewesen, es sind viele Ausländer , besonders Muslime die es zu etwas gebracht haben und eine Nutzen für diese Gesellschaft waren, in die Heimat ihrer Eltern zurückgekehrt, aufgrund von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Vorurteile oder Islamhass.

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