Archiv für den Monat: Januar 2013

Gedicht: Wilhelm Busch – Al-Jarh wa al-Ta’dil

Sei ein braver Biedermann,
Fange tüchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
Gerne mit empor gehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul?
Willst nicht, daß dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
Und verlege dich aufs Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenuß,
Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein sel‘ger Kritikus
Hocherhaben über Allen.

Buchauszug: Roland Baader – Der demokratische Wohlfahrtsstaat in Zahlen

„Macht und politische Gewalt fangen mit Geschenken und Versprechungen an. Das gilt jedenfalls für eine Institution, die ihre Geschenke nicht aus selbsterwirtschaftetem Eigentum verteilen kann: den Staat. Jeden einzelnen Euro, den der Staat irgendjemandem zuweist, muß er einem anderen – oder mehreren anderen, darunter oft auch den Beschenkten selber – vorher oder nachher wegnehmen. (Das „nachher“ funktioniert hauptsächlich über die Staatsverschuldung). Das bedeutet bei jeder Art der Geschenke oder Wohltaten eine doppelte Machtentfaltung: bei der räuberischen Nehmerfunktion und bei der bestechenden oder Abhängigkeit schaffenden Geberfunktion. In beiden Sphären – auf der Nehmerseite und auf der Geberseite – vergrößert sich die Staatsmacht zudem durch die Tatsache, daß die Zahl der direkt oder indirekt für den Staat tätigen Menschen wächst und in unmittelbare Abhängigkeit vom Machtapparat gerät.

Buchauszug: Roland Baader – Der demokratische Wohlfahrtsstaat in Zahlen weiterlesen

Buchauszug: Ghazanfar & Islahi – Al-Ghazali über freiwilligen Tausch, die Entwicklung der Märkte und Profit

Der folgende Text stammt aus der Publikation Economic Thought of Al-Ghazali (Ökonomische Lehre des Al-Ghazali) von den Professoren Dr. S. Mohammad Ghazanfar und Dr. Abdul Azim Islahi und wurde von mir (Yahya bin Rainer) aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.

Diese Textpassage ist nicht nur interessant für Muslime, sondern ggf. auch für Nichtmuslime, die sich mit der Geschichte der Handelstheorie auseinandersetzen. Der islamische Gelehrte Abu Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazali – Allah sei ihm gnädig -, um den es hier geht, lebte im 11. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung.

Freiwilliger Tausch und die Entwicklung der Märkte

Al-Ghazali bietet eine recht detaillierte und überzeugende Abhandlung über die Rolle und Signifikanz freiwilliger Handelsaktivitäten und die Entstehung von Märkten, nachdenkend über die Kräfte von Angebot und Nachfrage sowie die Bestimmung von Preisen und Profiten.

Ferner zeichnet er wortgewandt die Entstehung von Handelsstädten und -zentren nach, als eine Ordnung zur Befriedigung der gegenseitigen Interessen seiner Teilnehmer – und eindeutig die Grundlage bildend für die später formulierte internationale Handelstheorie [etwa 700 Jahre später].

Laut al-Ghazali entstehen Märkte aufgrund natürlicher Kräfte, als Teil der „Natürlichen Ordnung“ der Dinge und als ein Ausdruck des selbstmotivierten menschlichen Wunsches nach freiwilliger Befriedigung gegenseitiger ökonomischer Bedürfnisse. Damit der Leser ein korrektes Verständnis von der Tiefe und dem Umfang von al-Ghazalis Analyse bekommt, empfiehlt es sich ihn in einigen Details zu zitieren:  (1)

„Es kann passieren, dass Landwirte an einem Ort leben, wo keine landwirtschaftlichen Geräte erhältlich sind. Und Schmiede sowie Zimmerleute dort leben, wo keine Landwirtschaft existiert. Also benötigt der Landwirt Schmiede und Zimmerleute, und die wiederum brauchen die Landwirte.

Natürlich möchte jeder von ihnen seine eigenen Bedürfnisse befriedigen, indem er im Austausch etwas von dem gibt, was er (selbst) besitzt. Es kann aber auch vorkommen, dass, wenn der Zimmermann Lebensmittel für einige Werkzeuge haben möchte, der Landwirt diese Werkzeuge gar nicht benötigt. Oder, wenn der Landwirt die Werkzeuge vom Zimmermann braucht, der Zimmermann jedoch nicht die Lebensmittel gebrauchen kann.

Oh ja, Situationen solcherart bereiten wirklich Probleme. Deshalb entstehen Kräfte die zur Bildung von Handelsplätzen führen, wo alle Arten von Werkzeugen für den Tausch bereitliegen und wo Lagerhallen errichtet werden um die Produkte der Landwirte zu speichern.

Dann kommen Kunden um diese Güter zu erwerben und die Märkte und Lagerhäuser gedeihen. Landwirte bringen ihre Produkte zu den Märkten und wenn sie nicht alles davon ohne Weiteres verkaufen oder tauschen können, dann verkaufen sie es zu einer niedrigeren Rate an die Händler, die wiederum speichern die Produkte und versuchen, sie (später) mit Profit wieder an Käufer zu verkaufen. Dies ist die Wirklichkeit für alle Arten von Waren und Dienstleistungen.“

Dann denkt al-Ghazali über ortsübergreifenden und grenzüberschreitenden Handel nach: (2)

„Diese Praktiken dehnen sich dann auf unterschiedliche Städte und Länder aus. Die Leute reisen zu verschiedenen Dörfern und Städten, um dort Werkzeuge und Nahrungsmittel zu beschaffen und um diese zu transportieren.

Die ökonomischen Angelegenheiten der Leute organisieren sich also zwischen Städten, die möglicherweise nicht alle notwendigen Werkzeuge haben, und Dörfern, die vielleicht nicht alle benötigten Lebensmittel haben.

Die eigenen Bedürfnisse und Interessen der Leute schaffen also den Bedarf füreinander und für den Transport (der Waren). Damit entsteht eine Klasse von professionellen Händlern, die Ware von einem Ort zum anderen befördern.

Das Motiv hinter all diesen Aktivitäten ist die Akkumulation (Anhäufung) von Profiten, daran gibt es keinen Zweifel. Diese Händler erschöpfen sich durch Reisen [und andere Anstrengungen], um die Bedürfnisse anderer zu befriedigen und weil sie Profite machen wollen, und diese Profite werden dann auch noch von anderen aufgefressen – wie Räuber und tyrannische Herrscher.

(Was die Herrscher angeht) so scheint dies aufgrund ihrer Unwissenheit und Dummheit zu passieren, denn mit diesen (Handels-)Aktivitäten hat Allah ein System zur Verfügung gestellt, das für das Wohlergehen der Leute sorgt und unter ihnen Gemeinschaften formiert.

Ehrlich gesagt, im Grunde basieren alle weltlichen Angelegenheiten auf der Unwissenheit und Niedertracht einiger weniger Menschen. Wenn die Menschen weise wären und höhere und noblere Absichten hätten, dann würden sie das irdische Leben ablegen. Jedoch, wenn sie (alle) dies tun, dann würden die Mittel zum Lebensunterhalt vergehen und die Menschen würden zugrunde gehen, samt den Frommen unter ihnen.“

So also beleuchtet al-Ghazali, hinsichtlich des Verlaufs ökonomischer Aktivitäten, die Notwendigkeit von Arbeitsteilung und Spezialisierung, beide Faktoren einbeziehend, den örtlichen sowie menschlichen. Weiter zeigt er auf, dass Handelsaktivitäten einen Mehrwert für die Waren erzeugen, die dadurch am entsprechenden Ort und zur gegebenen Zeit für die Käufer verfügbar sind. Die natürlichen Kräfte des Tauschens führen ebenso zur Entstehung von professionellen Händlern, die durch das Profitstreben geleitet werden.

Obwohl die Akkumulation (Anhäufung) von Wohlstand an sich nicht zu den edelsten Tätigkeiten der herrschenden Ordnung der Dinge gehört, erkennt al-Ghazali es als ein notwendiges Phänomen an – eines, das essentiell ist für die reibungslose Funktion einer fortschrittlichen Gesellschaft und im Interesse der Menschen im Allgemeinen.

Überdies erwähnt al-Ghazali, während er die Handelsaktivitäten näher erörtert, das Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz für die Handelswege und er schlägt vor, dass die Herrscher einen solchen Schutz bieten müssten, so dass die Märkte auch gedeihen können.

Man kann aus al-Ghazalis Schriften erkennen, dass er die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage ebenso wie die Rolle von Profiten, als Teil der gottgewollten Ordnung des Allmächtigen versteht. Ferner stellt er recht gut definierte Verhaltensregeln auf, die unternehmerisches Verhalten leiten sollen.

 

Fußnoten:

(1) Ihya Ulum al Din, Vol. 3, p. 227.
Es sei angemerkt, dass diese aufschlussreiche Analyse von Märkten, durch al-Ghazali, vieles von dem vorausnimmt, was zahlreiche klassische Ökonomen Europas, hier sei speziell Adam Smith genannt, im 17.-19. Jahrhndert während ihren Diskursen sagten. Besonders interessant ist, dass das Landwirt-Zimmermann-Beispiel hier analog ist zur berühmten Metzger-Bäcker-Darstellung des Adam Smith. Als er das durch Eigeninteresse motivierte Verhalten erörterte, sagte Smith: „Es hat nichts mit dem Wohlwollen des Metzgers, Brauers oder Bäckers zutun, dass wir unser Abendessen erwarten können, sondern mit ihrer Rücksichtnahme auf ihre eigenen Interessen.“
(Wealth of Nations, Modern Library, New York, 1965, p. 14).

(2) Ihya Ulum al Din, Vol. 3, p. 227.

Buch: ‚Economic Concepts of Ibn Taimiyah‘ von Prof. Dr. Abdul Azim Islahi

Ich habe ja bereits einige Publikationen von Prof. Dr. Islahi auf diesem Blog bereit gestellt und es werden in schaa Allah noch einige folgen, jedoch eines seiner Werke ist nicht frei als PDF erhältlich. Es handelt sich hierbei um eine revidierte Fassung seiner Dissertationsarbeit von 1980, die er an der Aligarh Muslim Universität in Indien begann und unter Prof. Dr. Muhammad Nejatullah Siddiqi – damals Professor für Ökonomie – an der King Abdulaziz Universität in Jeddah / Saudi Arabien beendete.

Buch: ‚Economic Concepts of Ibn Taimiyah‘ von Prof. Dr. Abdul Azim Islahi weiterlesen

Buchauszug: Muhammad Nejatullah Siddiqi – Freies Unternehmer- und Eigentum

„Wir brauchen eine gut versorgte Gesellschaft, aus der Armut verbannt und Wohlergehen für alle gewährleistet wird. Der Weg zur Verwirklichung dieses Ziels ist die Freiheit des Unternehmer- und Eigentums, (lediglich) begrenzt durch (beständige) moralische Gesetze und beaufsichtigt von einem gerechten Staat, der diesen göttlichen Gesetzen – der Scharia – Geltung verschafft.“

(Prof. Dr. Muhammad Nejatullah Siddiqi, in der Einleitung zum Buch „Economic Concepts of Ibn Taimiyah“ von Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Seite 15 )

Zitat: Taariq Ibn Lahsan – Über die Dawa zum Jihad … hierzulande

„Ich bezweifle bei den meisten von denen, die meinen sie müssten Daʿwah zum Jihād machen, dass sie wissen was sie tun oder dass sie auch nur wissen was sie sich mit ihren Worten für eine Last auferlegen. Worte sind billig und man braucht keinen großen Mut für das bloße Reden. Was dahinter steckt zeigt sich, wenn die Prüfungen den Menschen erreichen und die Tat gefragt ist, und schon so manch vorgeblicher Löwe ist alsdann zum zahmen Kätzchen geworden.

Allah berichtet uns in seinem Buch von den Gläubigen, dass sie den Kampf zu verabscheuen pflegten, als da er sagte: Vorgeschrieben ist euch zu kämpfen, obwohl es euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist, und vielleicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wisset nicht. [2:216]

So fragt man sich: Hat die Jugend der sog. „Salafiyyah Jihādiyyah“ die Gefährten des Propheten in Imān und Taqwā bereits so weit überholt, dass man bei ihnen keinerlei Spur mehr von Abneigung gegenüber dem Kampf finden kann?

Ich sage: Der einzige Grund dafür ist, dass der Kampf für die Gefährten des Propheten das Vergießen von Blut, das Verlieren von Gliedmaßen und die Preisgabe von Familie, Besitz und nicht zuletzt dem eigenen Leben war, wohingegen er für jene vorlauten „Jihādīs“ von heute nicht mehr ist als Musik und bunte Bilder…“

[Taariq Ibn Lahsan, Administrator des weltbekannten deutschsprachigen Forums www.ahlu-sunnah.com]

Auszug: Bruno Bandulet – Es war einmal …

„Es war einmal ein Land, das hatte die stärkste Armee weit und breit, die besten Schulen und Universitäten, eine kleine, hocheffiziente Verwaltung, wenige und einfache Gesetze. Es hatte eine Börse, an der die Aktien immer dann stiegen, wenn die Arbeitslosigkeit zurückging, und fielen, wenn sie zunahm. Dies bei einer Arbeitslosenquote zwischen 2 und 3%. Es hatte einen Kapitalmarkt, auf den man unbesorgt auf Sicht von 30 Jahren in Anleihen investieren konnte und dabei keine Kaufkraftminderung riskierte, denn das Geld blieb auch in der nächsten Generation stabil.

Auszug: Bruno Bandulet – Es war einmal … weiterlesen

Buchauszug: Islahi – Ibn al-Qayyim über Reichtum, Armut und Zuhd

Abu Abdullah Schams ad-Din Muhammad ibn Abi Bakr ibn Ayyub – Allah sei ihm gnädig –, vor allem bekannt als Ibn al-Qayyim al-Dschauziya, war ein großer Gelehrter des 14. Jahrhunderts (christlicher Zeitrechnung). Prof. Dr. Abdul Azim Islahi ist ein zeitgenössischer Gelehrter des Fachbereichs Islamische Ökonomie. Aus seiner Publikation stammt das folgende Zitat, welches von mir aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde.

Buchauszug: Islahi – Ibn al-Qayyim über Reichtum, Armut und Zuhd weiterlesen

Die Medienkompetenz von Mainstreamverächtern und das Problem der Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten

von Yahya bin Rainer

Was haben sogenannte Islamisten, Salafisten und Jihadisten mit Islamophobikern, Muslimhassern und Abendlandsvergötterern gemeinsam?

Nun, es ist eine Eigenschaft, die sie wohl auch mit vielen Schiiten, Evangelikalen, Libertären, Neurechten, Verschwörungstheoretikern und vielen anderen Randgruppen dieser Gesellschaft gemeinsam haben. Es ist eine offen zur Schau gestellte Abneigung gegen die sogenannten Mainstreammedien.

Die Medienkompetenz von Mainstreamverächtern und das Problem der Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten weiterlesen

Buchauszug: Ghazanfar & Islahi – Al-Ghazali über Reichtum, Armut, Profit, Wohlfahrt und Voluntarismus

Imam Abu Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazali – Allah sei ihm gnädig – war ein großer und anerkannter islamischer Gelehrter des 11. Jahrhunderts (christlicher Zeitrechnung). Prof. Dr. S. Mohammad Ghazanfar und Prof. Dr. Abdul Azim Islahi sind zeitgenössische Gelehrte des Fachbereichs Islamische Ökonomie. Aus ihrem Buch stammt das folgende Zitat, welches von mir aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde.

4. Reichtum und Armut

[…] Laut al-Ghazali ist das nach Profit strebende Verhalten der Menschen nicht grundsätzlich als verwerflich zu betrachten, denn der Wunsch Reichtum und Eigentum zu erwerben ist Teil der menschlichen Natur und ein Mittel um ein höheres Maß an materiellem Wohlergehen zu erreichen. Al-Ghazali erkennt diese Form der „Maximierung“ als menschliche Wesensart an, indem er sagt,

„Ein Mann liebt es den Wohlstand zu vermehren und seinen Besitz aller Arten von Eigentum zu vergrößern. Wenn er zwei Täler von Gold hätte, würde er gern auch ein drittes haben.“

Dann erwähnt er einen klaren Grund für dieses Verhalten; er sagt,

„Ein Mann hat hohe Ambitionen. Er denkt immer daran, dass der momentan vorhandene Reichtum nicht ausreichen oder vernichtet werden könnte, und für diesen Fall benötigt er deshalb mehr. Er versucht also diese Ängste durch weitere Anhäufung zu überwinden. Jedoch werden diese Befürchtungen niemals enden – auch wenn er alle Besitztümer der Welt hat.“

Al-Ghazali scheint damit (allgemein) menschlich-materialistische Tendenzen zu beschreiben, wie sie in jeder Gesellschaft vorhanden sind, ob nun in seiner (damalig) eigenen oder jeder zeitgenössischen Industriegesellschaft. Er erkennt somit nicht nur das Begehren des Menschen an, Reichtum und Besitztum zu vermehren, sondern auch sein Bedürfnis sich achtsam auf die unbekannte Zukunft einzustellen.

5. (Ver-)Teilung und Gleichheit von Wohlstand

Al-Ghazali nimmt eine kritische Meinung zu allen Mitteln ein, die eine Gleichheit von Einkommen und Wohlstand in einer Gesellschaft erzwingen. Ebenso kritisiert er diejenigen die darauf bestehen, dass alle Menschen allgemein ein bestimmtes Existenzminimum zum Leben brauchen – ein solcher Ansatz wäre lediglich für jene Menschen geeignet, die fromm sind und ausschließlich das Jenseits begehren; es kann aber kein Rezept für eine Gesellschaft als Ganzes sein. Wäre dies ein allgemeingültiges Konzept, dann bietet es den Herrschern nämlich einen guten Grund zu Tyrannen und Dieben zu werden und den Menschen unter Zwang all jenes Abzunehmen, was ihrer Ansicht nach übrig und über den Bedürfnissen der Menschen ist. Darüber hinaus wird es zu einem Problem für den Staat, nicht nur in Bezug auf die Einziehung (Eintreibung) dieses „Überschusses“, sondern auch bezüglich der angemessenen Verteilung an diejenigen, über deren Bedürftigkeit ja auch noch geurteilt werden müsste.

Als Alternative, meint al-Ghazali, muss der Geist der islamischen Brüderlichkeit zu einem voluntaristischen (freiwilligen) Teilen des Reichtums leiten. Auch hier spricht al-Ghazali von drei Arten des Teilens und er ordnet sie im Hinblick auf ihre Erwünschtheit entsprechend der Scharia. Die unterste Stufe ist, wenn eine Person ihren Bruder als Helfer oder Diener betrachten kann und sie macht es sich ebenfalls zur Aufgabe, ihrem Not leidenden Bruder zu helfen, ohne zu erwarten um Hilfe gebeten zu werden.

Eine höhere Ebene ist, seinen Bruder wie sich selbst zu betrachten und es ihm zu erlauben Anteil am (eigenen) Eigentum zu haben, als ob auch er der Besitzer des selbigen sei.

Der höchste Rang ist es, den Bedürfnissen des Bruders einen größeren Vorzug einzuräumen als den eigenen. Laut al-Ghazali ist diese höchste Stufe des voluntaristischen (freiwilligen) Teilens und Gebens ein Kennzeichen des wahren islamischen Verhaltens.

Und er zitiert den quranischen Vers 42:38

„[…] und diejenigen, die […], ihre Angelegenheiten durch Beratung untereinander regeln und von dem ausgeben, womit Wir sie versorgt haben, […]“

, den er als Verweis auf die frühen Muslime interpretiert, die ihr Eigentum untereinander und miteinander teilten, manchmal sogar ohne zu unterscheiden was wem gehört, wie beim Reiten auf Tieren. Somit ist also klar, dass, soweit es das (Auf-)Teilen von Reichtum angeht, al-Ghazali es bevorzugt diese Handlung auf voluntaristischer (freiwilliger) Basis beruhen zu lassen, als Teil einer schariabedingten moralischen Verpflichtung und Neigung, anstatt durch autoritäre Vorschriften des Staates – obwohl diese letztere Vorgehensweise nicht vollkommen ausgeschlossen wird, für den Fall das es die Umstände erfordern, wie wir später entdecken werden.

(Prof. Dr. S. Mohammad Ghazanfar & Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Economic Thought of Al-Ghazali (Ökonomische Lehre des Al-Ghazali), Seite 11-12)

Auszug: Stephan Wehowsky – Vernunft und Aufklärung

„Aus heutiger Sicht scheint es so zu sein, daß gerade die Aufklärung – das Projekt der Intellektuellen – durch falsche Prämissen zum Verlust der Werte beigetragen hat. Indem sie die Ethik rational formulierte, setzte sie sie einem Rechtfertigungsdruck aus, dem traditionelle oder persönlich getönte Werthaltungen nicht gewachsen waren. Folglich brachen sie zusammen, aber ihre Leerstellen wurden nicht hinreichend mit vernünftigen Regeln ausgefüllt. Denn über das, was vernünftig ist oder nicht, läßt sich mit guten Gründen streiten. Das gilt um so mehr in Anbetracht der Erfahrung, daß beste Absichten nicht immer Nutzen stiften, sondern Schaden anrichten können.“

(Philosoph, Theologe und Publizist Dr. Stephan Wehowsky in „Die Werte und die Wirklichkeit. Von der Verpflichtung der Intellektuellen„, Neue Züricher Zeitung, Januar 1996, zitiert aus „Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören“ von Roland Baader)

Gedicht: Karl Marx – In seinem Sessel, behaglich dumm, Sitzt schweigend das deutsche Publikum

In seinem Sessel, behaglich dumm,
Sitzt schweigend das deutsche Publikum.
Braust der Sturm herüber, hinüber,
Wölkt sich der Himmel düster und trüber,
Zwischen die Blitze schlängelnd hin,
Das rührt es nicht in seinem Sinn.

Doch wenn sich die Sonne hervorbeweget,
Die Lüfte säuseln, der Sturm sich leget,
Dann hebt´s sich und macht ein Geschrei,
Und schreibt ein Buch: „Der Lärm ist vorbei.“

(Gedicht von Karl Marx – ja, der Kommunist)

PDF: Abdul Azim Islahi – Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis

Hier die englischsprachige Publikation des muslimischen Ökonomen Prof. Dr. Abdul Azim Islahi:

Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis
(Beiträge muslimischer Gelehrter zur ökonomischen Lehre und Analyse)

Im Anhang befindlich (PDF zum herunterladen):