Die 4. Frage des “Kritikers”

4. Warum waren der „Gröfaz“ Adolf Hitler und andere Nazigrößen vom Islam sehr angetan? Hitler hielt den Islam gar für die „ideale Religion“.

Mein Versuch einer Antwort:

Erkennt ihr was mit dieser Frage nicht stimmt? Der Begriff GröFaZ steht übrigens für die spöttisch gemeinte Bezeichnung Größter Feldherr aller Zeiten und soll in diesem Zusammenhang wohl eine Abgrenzung (von Seiten des Autors) zum Faschismus, Rassismus und Antisemitismus des europäisch-abendländischen Tyrannen Adolf Hitler bedeuten. Eine gängige Praxis unter Antisemiten ist nämlich das ständige Leugnen des selbigen. Eine interessante These innerhalb der Szene der selbsternannten Antisemitenjäger lautet nämlich, „Den Antisemiten erkennt man daran, dass er leugnet, einer zu sein!“.

Aber das Dumme an dieser Frage ist, dass sie nicht wirklich an die Muslime gerichtet ist. Diese Frage hätte der „Kritiker“ wohl eher an Adolf Hitler selbst richten sollen. Vielleicht hat er aber auch mehrere Fragenkataloge in der Schublade und hat hier aus Versehen eine Frage aus dem Katalog „12 Fragen an das Führerhauptquartier“ entnommen. Aber davon werde ich mich nicht abhalten lassen. Eine gewisse Emphatie läßt mich aus dieser Frage einen Kern extrahieren, dessen Beantwortung eventuell für den Autor der Frage zielführend sein könnte.

Warum war Hitler vom Islam angetan? Die Beantwortung dieser Frage gründet sich wohl in einer Tradition, in der christlich-abendländische Persönlichkeiten ihre Wertschätzung zum Islam und seinem Gesandten kundtaten.

… diese Liste ließe sich fast endlos weiterführen.

Die Erfahrung zeigt, speziell heute, wo der Islam die schnellst wachsende Religion des Erdballs ist, dass die Zuneigung zum Islam durchaus viele Facetten haben kann. Es gibt Menschen die vom Gebetsruf (Adhaan) dermaßen beeindruckt werden, dass sie sich mit dem Islam auseinandersetzen, andere sind überrascht von der Herzlichkeit und Liebe unter den Muslimen, widerum andere sind beeindruckt von der Gastfreund- und Hilfsbereitschaft der Muslime. Das wohl größte Anziehungspotenzial hat wahrscheinlich die Reinheit des Monotheismus (Tauhid), der jegliche Form der Anbetung, neben der zum allmächtigen Gott, vollkommen verbietet. Viele Frauen lernen den Islam schätzen, weil er die Frau schätzt. So wundert es kaum, dass an den meisten Orten dieser Welt, wo der Islam rasant an Anhängern gewinnt, vor allem Frauen den Islam annehmen.

Aber die Frage nach dem WARUM läßt sich auch andersrum stellen. Der „Kritiker“ möchte ja hier einen speziellen Bezug vom deutschen Faschismus zum Islam herstellen. Was aber würde er antworten, wenn hier gefragt würde, „Warum waren SS-Obersturmbannführer Eichmann und SS-Obergruppenführer Heydrich so sehr vom Zionismus angetan?“?

Eichmann lernte nach seinen Treffen mit Polkes (>>) sogar hebräisch. Für jemanden wie den „Kritiker“, der seinen Fragekatalog auf einem Blog veröffentlichte, der sich explizit als proisraelisch (also auch prozionistisch) bezeichnet, wäre das wohl eine Frage mit ähnlichem Charakter wie der seinigen.

Was jetzt genau Adolf Hitler am Islam faszinierte, dass kann man leider nur aus Sekundärliteratur erfahren, denn in seinem eigenen Machwerk „Mein Kampf“ erwähnt er den Islam mit keinem Worte. Zitate aus Sekundärliteratur sollte natürlich immer quellenkritisch untersucht werden. In „islamkritischen“ Kreisen werden gern Zitate aus dem Buche Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944 von Werner Jochmann verwendet. Das in diesem Zusammenhang wahrscheinlich bekannteste Zitat aus diesem Buch findet man auf Seite 370 und es lautet:

„Auch das Regime der Araber in Spanien war etwas unendlich Vornehmes: die größten Wissenschaftler, Denker, Astronomen, Mathematiker, einer der menschlichsten Zeiträume, eine kolossale Ritterlichkeit zugleich. Als dann später das Christentum dahin kam, da kann man nur sagen: die Barbaren. Die Ritterlichkeit, welche die Kastilier haben, ist in Wirklichkeit arabisches Erbe. Hätte bei Poitiers nicht Karl Martell gesiegt: Haben wir schon die jüdische Welt auf uns genommen – das Christentum ist so etwas Fades -, so hätten wir viel eher noch den Mohammedanismus übernommen, diese Lehre der Belohnung des Heldentums: Der Kämpfer allein hat den siebenten Himmel! Die Germanen hätten die Welt damit erobert, nur durch das Christentum sind wir davon abgehalten worden.“

Das Buch hält einer anständigen Quellenkritik übrigens nicht stand. Aber was solls. Dieses, wie auch andere Zitate, die von Hitler und Konsorten im Netz kursieren, zielen ganz speziell auf den Kampfeswillen und Heldenmut des islamischen Kämpfers (Mujahid) ab. Es ist keine wirkliche Zuneigung zum Islam und seiner Lehre, denn eine solche Zuneigung hätte Wissen über den Islam vorausgesetzt … und wer sich Wissen über den Islam aneignet und dafür eine innere Zuneigung bzw Zustimmung erfährt, der nimmt den Islam auch in letzter Konsequenz an. Weder Hitler, noch irgendeiner seiner Konsorten machte auch nur den Anschein den Islam annehmen zu wollen. Sie waren lediglich erfüllt von einem Neid, dass weder ihre Ideologie, nämlich der Nationalsozialismus, noch das heimische Christentum derartig mutige und heldenhafte Kämpfer hervorbringen konnte wie der Islam es seit Anbeginn tat und auch immernoch tut.

Niemand stirbt mit mehr Aufopferung, Mut, Gewissheit und Freude für eine Sache wie ein Muslim für den Islam. Jeder Tyrann, jeder Diktator, jeder König, jeder Präsident, jeder Kanzler wünscht sich eine Armee von Soldaten, die für ihre Sache (wie Sozialismus, Kommunismus, Faschismus, Demokratie, Liberalismus usw) so gern kämpfen und sterben, wie es die Muslime für den Islam tun. Es muss einem Muslim nicht peinlich sein, dass auch einem Adolf Hitler dieser Vorzug nicht entgangen ist …

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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