Die 10. Frage des “Kritikers”

10. Was sind die Ursachen dafür, dass sich der Islam in den späten, also in den 19 endgültigen Suren des Korans aus medinesischer Zeit – „zufällig“ parallel zur Vita des „Propheten“ Mohammed – weg von einer Religion und hin zu einer Hass-, Gewalt- und Terrorideologie entwickelt hat? Siehe auch Hadith.

Mein Versuch einer Antwort:

Als erstes muss die Frage ein weiteres Mal von den gleichen Mythen befreit werden wie die 8. Frage. Die Chronologie des Qurans ist nicht in Suren aufteilbar und Es gibt keine endgültigen und unendgültigen Suren. Es gibt keine komplett abrogierten Suren, sondern lediglich einige abrogierte Ayat innerhalb einiger Suren. Der Quran ist in seiner Gesamtheit gültig und erfährt keinerlei Kürzung o.ä.. Die Abrogationen wirken sich lediglich auf die Usul-Wissenschaften aus (Usul ist der Plural von Asl und bedeutet soviel wie Wurzel bzw Quelle), verbleiben aber weiterhin im Quran und werden rezitiert.

Was die Entwicklung der Sira (Lebensgeschichte) des Gesandten Allahs -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- angeht, so ist aber vollkommen richtig, dass es am Beginn seiner Gesandtschaft eine bedeckte, heimliche Phase der Praxis und Einladung zum Islam unter den Götzendienern gab. Darauffolgend gab es eine Phase der offenen Praxis und Einladung zum Islam unter den Götzendienern und letzlich dann eine Phase der kriegerischen Auseinandersetzung mit den Götzendienern, die aber von den Götzendienern ausging, dass ist wichtig in diesem Zusammenhang. Die Götzendiener von Mekka haben die Muslime unterdrückt, beleidigt, gequält, gefoltert und getötet, ohne das sie sich gewehrt haben. Erst ab einem bestimmten Moment war es den Muslimen dann erlaubt sich zu wehren und ihrerseits Gewalt anzuwenden.

Der Quran -und das müßte eigentlich ein Jeder wissen der sich damit ernsthaft beschäftigt- ist ein Buch, welches Offenbarungen enthält die zu bestimmten Anlässen kamen. Jede Passage – mal sind es einzelne, mal mehrere Ayat und manchmal komplette Suren – wurde zu einem bestimmten Anlass herabgesandt. So erklärt sich, dass in der Zeit des Friedens Ayat offenbart wurden, die nicht von Kampf und Kriegsführung handeln und in der Zeit des kriegerischen Konfliktes eben auch Ayat die sich mit dem Kampf und der Kriegsführung beschäftigen … und trotz alledem auch Ayat mit der Option des Friedens.

Die Sira des Gesandten Muhammad -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- ähnelt übrigens in ihrer Entwicklung sehr der Sira des Gesandten Moses -Allah schenke ihm Heil-. Will man dem Alten Testament der christlichen Bibel – also auch der Thora – glauben schenken, dann übertrifft seine Sira die Sira des Gesandten Muhammad -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- sogar bei weitem in ihrer Brutalität der Kriegsführung. Es würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, wenn ich sämtliche Eroberungs- und Vernichtungszüge von Moses -Allah und schenke ihm Heil- aus der Bibel hier auflisten würde, aber ich werde gern im Anhang dieses Beitrages eine PDF zum Herunterladen anbieten, die den Titel Blutbad in der Bibel trägt. Dort findet man nicht nur die biblischen Kriegsverse aus den Büchern Moses, sondern auch Kriegsverse aus den Büchern der anderen Propheten, wie Josua, Samuel, Jeremia, Jesaja und Hosea. Zudem kann eventuell auch ein Blick in diesen Ausschnitt einer Doku recht interessant sein «Moses (Musa) – Prophet und Schlachtherr».

Um aber bei der biblischen Sira des Gesandten Moses -Allah schenke ihm Heil- zu bleiben, werde ich nur ein Beispiel hier aufzeigen, und zwar aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 20, Verse 13-18:

„Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen und sollst essen von der Beute deiner Feinde, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat. So sollst du mit allen Städten tun, die sehr fern von dir liegen und nicht zu den Städten dieser Völker hier gehören. Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern, Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, damit sie euch nicht lehren, all die Gräuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott.“

Interessant ist hier auch der Bezug zur Kriegsbeute. Man erinnere sich an die 8. Frage des „Kritikers“, in der er bemängelte, dass es im Quran eine Sure gibt die den Namen al-Anfal -die (Kriegs-)Beute- trägt und an einigen wenigen Stellen auch davon handelt. Diese Kriegsbeute findet sich zuhauf in der Bibel, auch wenn man darauf verzichtete eines der angeblichen Prophetenbücher danach zu benennen.

Der „Kritiker“ benutzte ebenfalls die Schlagwörter Hass, Gewalt und Terror in seiner Frage, um den Islam damit ideologisch zu brandmarken. Wagen wir doch mal ein Experiment. Im Anhang an den Beitrag zur 8. Frage des „Kritikers“ befindet sich eine deutsche Übersetzung der ungefähren Bedeutung des Qurans zum Herunterladen. Einfach mal die PDF öffnen und Hass in die Suchspalte eingeben. Man wird verwundert feststellen, dass es dieses Wort im Quran in dieser Form gar nicht gibt. In der Bibel ist das anders. Im Alten wie auch Neuen Testament ist Hass ein fester Bestandteil der Religion. Ich erwähnte diese Tatsache mal in einem etwas älteren Beitrag auf meinem Blog für Islamische Texte; … bei Interesse einfach mal reinlesen: >>Das Lieben und das Hassen für Allah<<

So finden wir in den Psalmen, Kapitel 11, Vers 5 folgende Aussage:

Der Herr prüft Gerechte und Frevler; wer Gewalttat liebt, den hasst er aus tiefster Seele.

Und laut Lukas, Kapitel 14, Vers 26 soll Jesus -Allah schenke ihm Heil- gesagt haben:

So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.

Über Terror und Gewalt brauchen wir wohl nicht mehr zu reden. Terror und Gewalt sind Bestandteile einer jeden Kriegsführung, und Kriege gibt es seit Anbeginn der Menschheit. Er ist vom Volke Israel und seinen Gesandten und Propheten ebenso ausgegangen, wie von anderen Völkern und Religionsgemeinschaften. Sogar in der modernen Kriegsführung wird die Einschüchterung des Feindes (also das Terrorisieren) als taktisches Mittel genutzt, auch von den sogenannten westlichen Armeen. Wer also den Islam aufgrund seiner kriegerischen und gewaltsamen Inhalte als „Hass-, Gewalt- und Terrorideologie“ bezeichnet, der muss das mit dem Judentum und Christentum ebenfalls tun.

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PDF: Blutbad in der Bibel

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