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Kommentar: Meine Verteidigung Imam al-Ghazalis

Das Folgende ist ein Kommentar von mir, den ich als Antwort auf einen anderen Kommentar verfasst habe. Beide Kommentare befinden sich unter meinem Beitrag "Ratschlag an die Notgeilen: Die Pflichten gegenüber den leibeigenen Mägden" im Ahlu-Sunnah-Blog. Der Kommentar ist leider so lang geworden, dass ich die Arbeit dafür nicht nur für einen Kommentarbereich geleistet haben möchte. Deshalb also hier eine Kopie meiner Verteidigung Imam al-Ghazalis:

Wa alaykum assalam wa rahmatullah

Ich habe lange überlegt, ob ich zu deinem Kommentar etwas schreiben soll. Eigentlich habe ich die Gewohnheit abgelegt, mich in endlosen Debatten zu ergehen. In diesem Fall möchte ich zumindest bezüglich deiner Bewertung von Imam al-Ghazali etwas lesbares für die Nachwelt hinterlassen.

Im Gegensatz zu anderen Autoren dieses Blogs, vertrete ich die Ansicht, dass Gelehrte – und somit auch ihre Abhandlungen und Fatawa – einen gewaltigen Nutzen für uns Muslime haben.

Das WISSEN ist von außerordentlicher Eminenz.

Al-Hafizh ibnul-Qayyim al Jawziyyah – Allah sei ihm gnädig – kommentiert in seinem „Miftaah Daaris Sa’aadah“ die 18. Ayah in Sure al’Imran, deren ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache etwa folgendermaßen lautet:

«Bezeugt hat Allah, daß kein Gott da ist außer Ihm Selbst; und die Engel und die Wissenden (bezeugen es); Er sorgt für die Gerechtigkeit. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen.»

Ibnul Qayyim nennt insgesamt 9 Punkte, allein nur um die Stellung der „Wissenden“ darzulegen, die in dieser Ayah genannt werden. Ich werde leider nicht umhin kommen, hier alle 9 Punkte zu nennen.

Ibnul Qayyim schrieb:

«Dieser Vers zeigt die Überlegenheit des Wissens (`ilm) und seiner Leute; die folgenden Punkte können aus dem Vers abgeleitet werden:

1. Allah erwählte die Leute des Wissens (Ulul-`ilm) um Seine Einzigkeit (tauhid) über den Rest Seiner Schöpfung zu bezeugen.

2. Allah ehrte die Leute des Wissens dadurch, dass Er ihre Bezeugung gemeinsam mit Seiner Bezeugung nennt.

3. Er erhob den Status der Gelehrten, indem Er ihre Bezeugung mit der Bezeugung der Engel assoziierte.

4. Dieser Vers zeugt von der Überlegenheit derer die Wissen besitzen. Allah lässt nicht ein einziges Seiner Geschöpfe bezeugen, mit Ausnahme der Aufrechten unter ihnen.
Es gibt da eine sehr bekannte Überlieferung vom Propheten – sall´Allahu alayhi wa salam -, der sagte:
„Die Aufrechten in jeder Generation werden dieses Wissen weitertragen und werden die Verfälschungen der Extremisten und die falschen Behauptungen und die (falschen) Interpretationen der Unwissenden zurückweisen.“
(hasan)

5. Allah, der Eine, frei von jeglichen Mängeln, zeugt hier selber von seiner Einzigkeit, und Er ist der größte aller Zeugen. Dann wählte er aus Seiner Schöpfung (als Zeugen) die Engel und die Gelehrten – das ist ausreichend um ihre Qualität zu zeigen.

6. Allah ließ die Gelehrten mit dem allergrößten Zeugnis bezeugen, welches lautet: „Niemand hat das Recht angebetet zu werden außer Allah!“ Allah, der Eine, frei von allen Mängeln und der Allerhöchste, gehört eigentlich nicht zu den Zeugnisabgebenden, es sei denn es handelt sich um Angelegenheiten mit höchster Wichtigkeit, und nur die großartigsten Geschöpfe Allahs bezeugen dies ebenfalls.

7. Allah machte die Bezeugung der Leute des Wissen zu einer Prüfung gegen die Ungläubigen, auf das sie die Beweise und die Zeichen Seiner Einzigkeit (den Tauhid) annehmen mögen.

8. Allah, der allerhöchste, benutzte ein einziges Verb (shahida) welches sich auf Seine Bezeugung und die Bezeugung der Engel und Gelehrten bezog. Er benutzte kein zusätzliches Verb für ihre Bezeugungen; und damit verband Er ihre Bezeugungen mit der Seinen. Dieses zeigt die enge Verbindung zwischen ihren Bezeugungen und Allahs Bezeugung, als ob Er selber Seine Einzigkeit mit ihren Zungen bezeugte und sie dieses Zeugnis aussprechen ließ.

9. Allah, der Eine, frei von jeglichen Mängeln, ließ die Gelehrten durch diese Bezeugung Sein Recht (Das niemand das Recht hat angebetet zu werden außer Allah) erfüllen und wenn sie es erfüllen, dann erfüllten und etablierten sie dieses Recht Allahs auch auf sie. Ab diesem Moment ist es verpflichtend für die ganze Menschheit diese Bezeugung zu akzeptieren, welche das Mittel ist um die Glückseligkeit im diesseitigen Leben und am letzten Tag der Rückkehr (zu Allah) zu erreichen. Wer auch immer diese Weisung und Führung der Gelehrten annimmt und diese Wahrheit ihrer Bezeugung akzeptiert, dann gibt es für die Gelehrten eine Belohnung in der gleichen Höhe wie für die Folgenden. Und niemand kennt den Wert dieser Belohnung, außer Allah.»

Jetzt möchte ich gern auf deine Beurteilung von Imam al-Ghazali eingehen, die du in deinem Kommentar wie folgt in Worte gefasst hast:

«Nun ist es aber so, dass Al Ghazali in diesen Themen [wie leider auch in vielen anderen spezifischen Fiqh Themen] nicht gerade seine Wissenschaftliche Stärke hat. So wurde und wird er bis heute, eigentlich nicht herangezogen, wenn es um diese Fiqh Angelegenheiten geht.
Das Zitat von Ghazali nimmt allerdings ca. 50 % deines gesamten Beitrags ein.
Zu den Worten von Ghazali: An keinster Stelle bringt er Quellen, den Sanad oder sonstwas, zu dem was er berichtet. »

Ich möchte gerne, lieber Abdul Jabbar, dass du dir deiner Stellung bewusst wirst. Damit meine ich nicht deine gesellschaftliche Stellung, deine Stellung in einer Moschee oder in Foren, Telegram- bzw. WhatsApp-Gruppen. Es geht um deine Stellung als Wissender, als Gelehrter. Nimm z.B. einen ausgebildeten DITIB-Imam. Wenn du mit ihm sitzt und ihr vergleicht eurer Wissen über den Quran und die Sunnah. Wie viel kennt der ausgebildete Imam an Quran und Ahadith auswendig? Es geht nicht darum, ob seine (vielleicht staatlich genötigten) Urteile korrekt sind, sondern was er weiß und kennt in der Religion. Meinst du, es könnte für dich knapp werden? Gehen wir einmal davon aus, dass du für dich das gleiche Wissens-Niveau in Anspruch nimmst wie so ein ausgebildeter DITIB-Imam.

Dann realisiere, dass dieser DITIB-Imam lediglich der ausgebildete Schüler eines unbedeutenden Professors ist, der jedoch viel mehr Wissen hatte als er. Dieser Professor wiederum hat im besten Fall bei einem Großgelehrten studiert. Und die Großgelehrten unserer Zeit? Sie halten sich für gering im Vergleich mit den früheren Großgelehrten. Und diese frühen Großgelehrten wiederum hatten auch Vorbilder. Die Besten der Allerbesten, die das Niveau eines ausgebildeten DITIB-Imams in einem Ausmaß überstrahlten, welches kaum in Worte zu fassen ist, wurden von den Großgelehrten jedes Jahrhunderts, als die „Wiederbeleber der Religion“ (Mudschaddid) bezeichnet. Also hatte jedes Jahrhundert einen Großgelehrten, den beinah alle darauf folgenden Großgelehrten mit diesem Titel ehrten.

Der Mudschaddid des 5. Jahrhunderts nach Hijra ist (mit überwältigender Mehrheit der Großgelehrten aller Zeiten bis heute) der Imam Abū Hāmid Muhammad al-Ghazālī; so bestätigt es auch Schams ad-Dīn Muhammad adh-Dhahabī in seinem „Siyar a’lam al-nubala’“.

Al-Ghazalis Hauptwerk, Iḥyā ulūm ad-dīn (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften), gilt auf vielen Gebieten der religiösen Wissenschaften geradezu als grundlegend. Besonders in der islamischen Ethik erfuhr er über alle sunnitischen Rechtsschulen hinaus größte Zu- und Übereinstimmung bei den führenden Großgelehrten.

Abū l-Faradsch ʿAbd ar-Rahmān Ibn al-Dschauzīs „Minhādsch al-Qāsidīn“ und Muwaffaq ad-Dīn Abū Muhammad ʿAbdallāh ibn Qudāma al-Maqdisīs „Mukhtasar Minhādsch al-Qāsidīn“ basierten im vollen Umfang auf dem Ihya al-Ghazalis.

Die Schwächen des Imams in seinem Ihya waren vor allem im Bereich der Mystik/Sufistik zu finden. Hier wurde ihm insbesondere ein unkritischer Umgang mit Überlieferungen vorgeworfen. Aber die Mehrheit der gewaltigsten Gelehrten nach ihm, haben darin keinen Makel erkannt, der den Status des Mudschaddid hätte abschwächen können.

Wenn ich nun also von dir lese – einem Muslim, der vielleicht auf dem Niveau eines ausgebildeten Moschee-Imams ist (wenn überhaupt) -, „dass Al Ghazali in diesen Themen [wie leider auch in vielen anderen spezifischen Fiqh Themen] nicht gerade seine Wissenschaftliche Stärke hat.“, dann muss ich dir im vollem Umfang widersprechen.

Es mag vielleicht sein, dass die grundlegenden Werke des schafiitischen Fiqh al-Ibadah den Imam nicht allzu oft erwähnen, aber auf den allermeisten anderen Gebieten des Fiqh (und hier vor allem auf dem Gebiet der Ethik) ist Imam al-Ghazali nicht nur im schafiitischen Fiqh, sondern auch darüber hinaus, in allen 4 Rechtsschulen, anerkannt und respektiert.

Dass frühere Gelehrte ihre Werke ohne die heute so üblichen Quellenverweise schrieben, war durchaus normal und weit verbreitet. Dies ist aber kein Indiz dafür, dass die genannten Überlieferungen, Aussprüche und Zitate inhaltlich falsch sind. Vielmehr war zur damaligen Zeit die Unterscheidung zwischen Wissenden und Unwissenden viel deutlicher. So musste man für die Wissenden solche Quellenverweise gar nicht großartig anführen, da diese sowieso in Quran, Sunnah und Sekundärliteratur bewandert waren; und die Unwissenden – das allgemeine Volk – konnten mit derlei Angaben gar nichts anfangen bzw. sie nicht verifizieren.

Diese Gewohnheit kam erst auf, als Halb- und Viertelgelehrte, wie du und ich, auf der Bildfläche erschienen und damit begannen, den Gelehrten ihr Wissen abzusprechen und ihre Beweise zu hinterfragen. Auch wir können heutzutage solche Quellenverweise nicht wirklich selbst verifizieren, sondern müssen dazu wiederum auf die Expertisen von Gelehrten zurückgreifen … mit dem Unterschied, dass wir Dank Google nun die freie Auswahl haben, wessen Expertise zur Quelle uns am besten in den ideologischen Kram passt.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Du und ich, wir sind geblendet von der Illusion, dass wir etwas Wissen besitzen, möge Allah uns diese Anmaßung vergeben. Aber die Disqualifikation eines Mudschaddid, den die größten Gelehrten der Ahlus Sunnah bestätigten und lobten, geht wirklich zu weit. Ich halte das für eine Anmaßung sondergleichen.

Wa Allahu 3alem.

 

Ist die Namensänderung bei Islamkonvertiten eine Unsitte?

von Yahya ibn Rainer

Vor einiger Zeit machte mich ein Bruder aus Hannover auf einen Blog aufmerksam, der von einem Konvertiten aus den USA gepflegt wird. Der Name dieses Konvertiten ist Joe Bradford und er studierte und graduierte im Fach Islamisches Recht und Rechtstheorie an der Islamischen Universität zu Medina.

Aus dem folgenden Blogbeitrag habe ich einen Teil in die deutsche Sprache übertragen:

What’s in a name? or Why you don’t have to and shouldn’t change your name in Islam. (http://www.joebradford.net/change-name-islam)

Ist die Namensänderung bei Islamkonvertiten eine Unsitte? weiterlesen

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXX)

„Das Volk fühlt sich heute nur frei, wenn es autorisiert ist, nichts zu respektieren.“

„Andere Epochen waren vielleicht vulgär wie die unsere, aber keine hatte den fabelhaften Resonanzboden, den unerbittlichen Verstärker der modernen Industrie.“

„Nach der Tugend hat dieses Jahrhundert das Laster in Verruf gebracht.
Die Perversionen sind zu Vorstadtparks geworden, in denen die sonntägliche Menge sich vertraut bewegt.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XV)

„Nichts ist der Macht verboten, falls ihr Ursprung sie legitimiert, wie der Demokrat es lehrt.“

„Der Demokrat ist dazu imstande, selbst sein Interesse seinem Ressentiment zu opfern.“

„Dem Demokraten genügt es nicht, dass wir respektieren, was er mit seinem Leben machen will, er verlangt darüber hinaus, dass wir respektieren, was er mit unserem machen will.“