Archiv für den Monat: November 2015

Zitat: ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz – Anschläge? Das gab es wohl auch mal andersherum.

«Wir sind aber anderer Meinung , was den Unterschied zwischen den beiden Unglauben und den beiden Religionsgemeinschaften (der Juden und Christen) angeht, und zwar auf Grund der Heftigkeit des Widerstandes und der Hartnäckigkeit, mit der die Christen uns bekämpfen, und auf Grund der ständigen Bereitschaft, trotz ihrer niederen Herkunft und ihrer unedlen Abstammung den Muslimen mit Anschlägen aufzulauern.»

`Amr ibn Bahr al-Jāhiz (776-869 n. chr. Zeitr. / 159-255 n. H.)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Maßloser Reichtum und maßvolles Leben

«Doch als die Asabiya der Araber schließlich durch die Prophetie Muhammads – Allah segne ihn und schenke ihm Heil -, mit der Allah sie auszeichnete, im Islam geeint wurde, rückten sie gegen die Völker der Perser und Byzantiner vor und beanspruchten das Land, das ihnen von Allah bestimmt und wahrhaftig versprochen worden war. Sie entrissen ihnen ihr Königtum und eigneten sich ihre irdischen Güter an. Solch unvorstellbarer Reichtum wurde ihnen zuteil, daß sogar ein einzelner Reitersmann in einigen Feldzügen etwa 33.000 Goldstücke erhielt. Kurz: Was sie dabei erbeuteten, war unermeßlich.

Dennoch blieben sie der Härte ihrer Lebensweise verhaftet. `Umar war es, der seine Kleidung mit Lederstücken ausbesserte, und `Ali war es, der sprach: «O Gold und Silber! Verführt andere, nicht mich!» Abu Musa vermied es, Hühnerfleisch zu essen, weil es, da so selten, den Arabern damals unbekannt war. Siebe gab es bei ihnen überhaupt nicht, und sie aßen den Weizen mit seiner Kleie. Und dies alles, obgleich ihre Gewinne größer waren als jemals die eines Volkes auf Erden!

So groß waren die Gewinne der Menschen, wie du ersehen kannst. Durch ihre Religion wurde ihnen dies nicht verwehrt, denn als Kriegsbeute handelte es sich um legitimen Besitz. Außerdem gingen sie nicht maßlos mit ihm um, sondern lebten in jeder Hinsicht genügsam, wie wir bereits gesagt haben. So ist ihnen hierbei kein Vorwurf zu machen.»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung / al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 148-149)

Buchauszug: Al-Ghazali – Von Aristoteles, Ibn Sina und al-Farabi

«Aristoteles systematisierte die Logik für sie (die Philosophen), verfeinerte die Wissenschaften und schrieb nieder, was vorher noch nie niedergeschrieben worden war, und brachte zur Reife, was vorher unreif gewesen war.

Insgesamt widersprachen die meisten (der theistischen Philosophen) den beiden vorher erwähnten Gruppen der Materialisten und der Naturalisten. Durch das Aufdecken ihrer Ungereimtheiten haben sie anderen diese Arbeit erspart. Somit stimmt der (Vers des Korans)

„Und Er verschont die Gläubigen damit zu kämpfen“

… indem sie sich gegenseitig bekämpfen.

Dann widersprach Aristoteles Platon, Sokrates und den Theisten vor ihm in so gründlicher Weise, daß er sich von ihnen allen distanzierte. Auch er blieb jedoch in den Ungereimtheiten ihres Unglaubens und ihrer Ketzereien verhaftet, von denen er sich erfolglos zu befreien versuchte.

Deshalb müssen sie und ihre Anhänger, unter ihnen islamische Philosophen wie Ibn Sina (Avicenna), al-Farabi und andere, als Ungläubige betrachtet werden. […]

Die Lehre des Aristoteles steht den Lehrmeinungen der Muslime in der Übermittlung durch al-Farabi (al-Farabius) und Ibn-Sina (Avicenna) nahe . Die Summe ihrer Irrtümer liegt in zwanzig Fragen. In drei von ihnen müssen sie für Ungläubige, in siebzehn für ketzerische Erneuerer gehalten werden. […] Die drei Fragen, in denen sie eine andere Meinung als alle übrigen Muslime vertreten, sind:

1. Die Körper würden nicht auferstehen, sondern die reinen Seelen würden belohnt oder bestraft werden. Belohnung und Bestrafung seien nur geistige Zustände, keineswegs körperliche. Sie haben Recht, wenn sie die geistige (Belohnung und Bestrafung) bejahen, denn sie sind auch (in der Offenbarung) vorhanden. Aber sie lügen, wenn sie die körperlichen ableugnen und sind in ihren Aussagen gegenüber der islamischen Offenbarung als Ungläubige zu bezeichnen.

2. Von derselben Art ist ihre Behauptung, Gott kenne nur Universalia, nicht aber Singularia. Dies ist auch klarer Unglaube. Das Wahre aber liegt darin:

„Deinem Herrn entgeht auch nicht das Gewicht eines Stäubchens, weder auf der Erde noch im Himmel“

3. Das Gleiche gilt für ihre Behauptung, die Welt sei ewig, ohne Anfang und Ende. Keiner der Muslime hat eine solche Auffassung je vertreten. Ihre Verneinung der göttlichen Eigenschaften sowie ihre Aussage, Gott wisse durch sich selbst, nicht durch ein Wissen, welches über sein Wesen hinausgeht u.a., ähnelt der Lehrmeinung der Mu’taziliten.

Deshalb darf man sie (die Mu’tazillten) aber nicht für Ungläubige halten. Wir haben das in unserem Buch »Das Kriterium zur Unterscheidung von Islam und Häresie« erwähnt, in dem derjenige verworfen wird, der voreilig einen anderen des Unglaubens bezichtigt, der seiner eigenen Lehrmeinung widerspricht.»

(Abu Hamid Muhammad al-Ghazali, Al-Munqid min ad-dalal, aus dem Arabischen übersetzt von ‚Abd-Elsamad ‚Abd-Elhamid Elschazli, Felix Meiner Verlag GmbH, Hamburg ©1988)

Auszug: Völkermord in Ruanda (1994) – Die Rolle der christlichen Kirchen

Als ich im April 2014 den Beitrag Auszug: Völkermord in Ruanda (1994) – Muslime als Lebensretter & Identität als Muslim publizierte – der u.a. Auszüge aus einem Arbeitspapier des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz beinhaltet – , wollte ich auf einen bestimmten Umstand aufmerksam machen.

Viele uns geläufige schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit, speziell auch solche vom afrikanischen Kontinent, sind uns nur oberflächlich bekannt. Durch die Medienkonzentration auf den Nahen und Mittleren Osten jedoch, erfahren wir von Verbrechen die dort passieren viel häufiger und auch die Religionszugehörigkeit der Konfliktbeteiligten wird immer häufiger explizit erwähnt.

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Schönes Gleichnis: Bewahrung des Kapitals und Kampf gegen die Khawarij haben Vorrang

von Yahya ibn Rainer

Was hat Vorrang? Kapital zu erwirtschaften oder bereits vorhandenes Kapital zu bewahren? Und was hat noch Vorrang? Die Bekämpfung der Götzendiener oder die Bekämpfung der Khawarij?

Ibn Hajar lässt in seinem Fath al-Bari zu dieser Frage den Gelehrten und Wesir Awn ad-Din ibn Hubayra (geb. 499 n. H.) zu Wort kommen.

«Es heißt in der Überlieferung, dass das Bekämpfen der Khawarij Vorrang gegenüber der Bekämpfung der Götzendiener hat. Die Weisheit [dahinter] ist, dass die Bewahrung des Kapitals des Islam in deren Bekämpfung liegt, wohingegen das Erzielen von Profit in der Bekämpfung der Götzendiener liegt. Das Bewahren des Kapitals hat Vorrang.»

Für mich ist diese Aussage in vielerlei Hinsicht interessant.

  1. Sie weist darauf hin, dass die Araber mitunter auch ein Volk von Händlern und Kaufmannsleuten waren und deshalb Gleichnisse aus der Welt des Wirtschaftens nicht nur von Allah und Seinem Gesandten geprägt wurden, sondern auch von zahlreichen Gelehrten.
  2. Kapital, also verfügbares Vermögen, wird in diesem Gleichnis mit dem Islam gleichgesetzt.
  3. Das Erzielen von Profit wird in diesem Gleichnis mit dem Kampf gegen die Götzendiener gleichgesetzt.
  4. Das Bewahren von Kapital, also das Behalten und Schützen von Vermögen, wird mit dem Kampf gegen die Khawarij gleichgesetzt und es wird ihm sogar ein Vorrang eingeräumt, gegenüber dem Erzielen von Profit.
  5. Die Wichtigkeit des Kampfes gegen die Khawarij wird sehr deutlich.

Herr Ranft, was meinen Sie denn zu den Anschlägen in #Paris?

von Yahya ibn Rainer

Ich möchte keinen Roman daraus machen. Ich verabscheue das gesellschaftliche Klima hier in Europa, wenn Vorfälle solcherart – wie nun in Paris – geschehen. Weltweit sterben tagtäglich Menschen durch die Hände anderer Menschen. Buddhisten metzeln in Burma, Christen metzeln Zentralafrika, Uganda, Südsudan usw., Alawiten metzeln in Syrien, Schiiten metzeln im Irak, Kommunisten metzeln in Nordkorea, Kolumbien und in Anatolien usw. usf., aber niemand erwartet von ihnen hierzulande immer und immer wieder eine Distanzierung.

Dass die muslimischen Täter häufig – oder eigentlich fast immer – Resultate der hiesigen Gesellschaft sind, wird ausgeblendet, und auch, dass Tragödien, wie diese in Paris, an anderen Orten dieser Welt fast täglich passieren, nicht selten sogar unter Beteiligung unserer Staaten (Zivile Opfer durch Drohnenkrieg, Luftschläge usw.)

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ISIS vs. Frankreich: Wenn Terror die historische Grundlage eines Staates ist

von Yahya ibn Rainer

Nach den Anschlägen von Paris ist die halbe Welt aus den Fugen geraten. Der IS a.k.a. ISIS a.k.a. Daesh ist in aller Munde und vielerorts streitet man darüber, ob es sich bei diesem Gebilde nun wirklich um einen „Staat“ oder eher um eine „Terrororganisation“ handelt. Dabei muss man sich diese Frage gar nicht erst stellen, denn das eine schließt das andere nicht zwingend aus. Ein guter Beweis dafür ist bemerkenswerterweise Frankreich – das Opfer der kürzlichen Angriffe des IS – und seine republikanische Entstehungsgeschichte.

Wie wir alle wissen, ist die heutige Französische Republik das Resultat der Französischen Revolution, die vor etwa 225 Jahren eingeläutet wurde. Ein Mitinitiator und führender Kopf dieser Revolution war der Franzose Maximilien de Robespierre, den ich einleitend hier gerne zitieren möchte:

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Buchauszug: Ibn Khaldun – Die Ernennung eines Imams ist unerläßlich

«Die Ernennung eines Imams ist unerläßlich. Seine Notwendigkeit wird im religiösen Gesetz durch den Konsensus der Prophetengefährten und der Nachfolgegeneration als rechtens anerkannt, denn die Gefährten des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – schickten sich bei seinem Tode alsbald an, Abü Bakr – Allah möge an ihm Wohlgefallen haben – den Treueid zu leisten und ihm die Aufsicht über ihre Angelegenheiten zu übertragen. So war es auch in allen Jahrhunderten danach, und zu keiner Zeit wurden die Menschen einem Chaos überlassen. Seine Grundlage hatte dies im Konsensus, der den Beweis für die Notwendigkeit eines Imams liefert.

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Buchauszug: ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz – Die Byzantiner und ihre Religion

«[…] Wenn wir uns nunmehr den Byzantinern zuwenden, so finden wir, daß sie Ärzte, Philosophen und Astronomen sind, dass sie die Grundregeln der Musik beherrschen, die Herstellung von Waagen verstehen und es in der Bildhauerei zu höchster Vollendung gebracht haben. […] In der Baukunst gibt es keine wie sie, und im Drechseln, Tischlern und im Handwerk haben sie nicht ihresgleichen. Zudem besitzen sie ein (geoffenbartes) Buch und bilden eine Religionsgemeinschaft. […]

Und trotz all diesen Fähigkeiten sind sie der Ansicht, dass es drei Götter gibt, von denen zwei verborgen sind und nur einer sich gezeigt hat. Wie die Lampe Öl, einen Docht und einen Behälter braucht, so ist bei ihnen das Wesen Gottes (dreigeteilt).

Sie behaupten, dass ein Geschöpf zum Schöpfer geworden ist, dass ein Sklave sich zum Herrn gewandelt hat und dass ein geschaffenes (Wesen) sich in ein von Ewigkeit her bestehendes verändert hat, dass es aber danach getötet und gekreuzigt wurde, dass es verschwand und man auf sein Haupt eine Dornenkrone setzte; dann sei es nach seinem Tod wieder lebendig geworden.

Wenn er aber seinen Dienern erlaubte, ihn gefangen zu nehmen und zu fesseln, und ihnen die Gewalt gab, ihn zu töten und zu kreuzigen, so nur, damit er selbst die Leiden seiner Söhne teile und es ihnen schmackhaft mache, ihm ähnlich zu werden, auf dass sie alles (Böse), das ihnen angetan wird, für gering erachten, sie sich nicht brüsten mit ihren Taten und sich bemühen, so viel wie möglich für ihren Herrn zu tun.

Ihre Entschuldigung ist größer als ihr Vergehen. Wenn wir das, (was wir berichtet haben) nicht mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hätten, würden wir es nicht für wahr halten und nicht annehmen, dass ein Volk von Theologen, Ärzten, Astronomen, Diplomaten, Mathematikern und Leuten, die in jedem Handwerk geschickt sind, vorgibt, ein Mensch, von dem man sah, wie er aß und trank, harnte und sich entleerte, hungerte und dürstete, sich ankleidete und sich auszog, wuchs und abnahm, dann getötet und, wie sie behaupten, gekreuzigt wurde, sei ein Herr und Schöpfer, von Ewigkeit und unerschaffen, der die Lebenden sterben lässt und die Toten auferweckt.»

(ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz, [159-255 n. H.], al-Ahbar (wa-kaifa tasihh) in Lughat al-`Arab IX, S 174-180, übertragen in die deutsche Sprache von Walter W. Müller, in Arabische Geisteswelt – ausgewählte und übersetzte Texte von al-Jahiz, Artemis Verlag, ©1967, Seite 62-64)

Zitat: Abu Hamid al-Ghazali – Besitz, eine Ablenkung für den Menschen, so oder so

„Manch eine Person könnte sich vom Vorhandensein des Besitzes ablenken lassen und manch eine [andere] Person könnte sich von dessen Nichtvorhandensein ablenken lassen und die Gefahr liegt in dem, was von Allah ablenkt.“

 (Abu Hamid  al-Ghazali, in Ihya Ulum ad-Din, übersetzt von Weisheitsperlen)

Buchauszug: Friedrich Engels über die Notwendigkeit der Sklaverei für den modernen Sozialismus

Äußerst interessant, was ich bei der Lektüre des Buches „Jenseits der Leistungsgesellschaft“ von Bertrand de Jouvenel gefunden habe. Ab Seite 81 zitiert de Jouvenel nämlich einen beträchtlichen Auszug aus Friedrich Engels „Anti-Dühring“.  Der Inhalt ist meines Erachtens geradezu brisant, weshalb ich ihn hier unbedingt niederschreiben musste.

«Erst die Sklaverei machte die Teilung der Arbeit zwischen Ackerbau und Industrie auf größerem Maßstab möglich, und damit die Blüte der alten Welt, des Griechentums.

Ohne Sklaverei kein griechischer Staat, keine griechische Kunst und Wissenschaft; ohne Sklaverei kein Römerreich. Ohne die Grundlage des Griechentums und des Römerreichs aber auch kein modernes Europa. Wir sollten nie vergessen, dass unsere ganze ökonomische, politische und intellektuelle Entwicklung einen Zustand zur Voraussetzung hat, in dem die Sklaverei ebenso notwendig wie allgemein anerkannt war. In diesem Sinne sind wir berechtigt zu sagen:

Ohne antike Sklaverei kein moderner Sozialismus.

[…] Es ist sehr wohlfeil, über Sklaverei und dergleichen in allgemeinen Redensarten loszuziehen und einen hohen sittlichen Zorn über dergleichen Schändlichkeit auszugießen. Leider spricht man damit weiter nichts aus als das, was jedermann weiß, nämlich dass diese antiken Einrichtungen unsern heutigen Zuständen und unsern durch diese Zustände bestimmten Gefühlen nicht mehr entsprechen. Wir erfahren damit aber kein Wort darüber, wie diese Einrichtungen entstanden sind, warum sie bestanden und welche Rolle sie in der Geschichte gespielt haben. Und wenn wir hierauf eingehn, so müssen wir sagen, so widerspruchsvoll und so ketzerisch das auch klingen mag, dass die Einführung der Sklaverei unter den damaligen Umständen ein großer Fortschritt war.»

(Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft «Anti-Dühring»)

Eine kleine Richtigstellung zu meinem Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“

von Yahya ibn Rainer

Nachdem ich meinen Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“ hier und auf ahlu-sunnah.com/blog publiziert hatte, gab es einige kritische Stimmen, die meinen Artikel dahingehend tadelten, dass er Glauben und Weltliches (Finanzielles) in nicht erlaubter Weise mische.

Die Grafik, die ich für den Beitrag benutzte …

circles

… und die ich im Rahmen eines Seminars mit Sheikh Haitham al-Haddad das erste Mal zu sehen bekam, bezog sich tatsächlich nur auf die Verantwortlichkeit für den Glauben. Der Beweis, den der Sheikh für dieses Urteil nannte, war die Aya 6 in Sure at-Tahrim(66) im edlen Quran (ungefähre Bedeutung):

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Was eine deutsche Muhajira in Ägypten über die Flüchtlingskrise in Deutschland meint

von Yahya ibn Rainer

Unlängst, während eines kurzen Ägyptenaufenthaltes, empfing ich mit meiner Frau zusammen eine alte Bekannte. Die Schwester ist Schwäbin, vollzog bereits vor weit über 20 Jahren die Hijra nach Ägypten, lebte dort mit ihrem ägyptischen Ehemann und zog zwei Söhne groß. Heute ist sie leider Witwe und ihre beiden Söhne sind längst erwachsen. Trotzdem entschied sie sich in Ägypten zu bleiben, was gewiss auch daran liegt, dass man dort (auch unter einem al-Sisi) als Niqab-Trägerin mit weniger (bis gar keinen) gesellschaftlichen Diskriminierungen zu kämpfen hat.

Natürlich verfolgt sie auch in Ägypten die Nachrichten aus Deutschland, besonders auch solche über die momentane Flüchtlingskrise. Während hierzulande die meisten Leute klar Partei ergreifen – entweder für oder gegen Flüchtlinge – und sich aufgrund dessen mittlerweile sogar eine deutliche gesellschaftliche Spaltung vollzogen hat, hatte die Schwester (mit ein wenig Abstand vom Geschehen) eine erfreulich ausgeglichene Meinung. Sie meinte zu uns:

«Ich kann die Syrer, die sich jetzt auf den Weg nach Europa und vor allem nach Deutschland machen, vollkommen verstehen. Natürlich sorgen sie sich um ihre Zukunft, wollen in Sicherheit leben und wünschen sich eine gute Ausbildung für ihre Kinder. Ich würde an ihrer Stelle auch nach Deutschland gehen.

Aber ich kann ebenso auch die Deutschen verstehen, die sich gegen diese Massenzuwanderung wehren und nicht damit einverstanden sind. Syrer sind Fremde, mit einer anderen Kultur und einer anderen Religion. Stellt euch mal vor, es würden vergleichsweise Massen an Christen in ein muslimisches Land einwandert, das würde den Muslimen auch nicht gefallen.

Das ist einfach zu viel.»

Wie ihr seht, muss man nicht immer (nur eine) Partei ergreifen.

Der falsche gesellschaftliche Idealismus moderner „Islamisten“

von Yahya ibn Rainer

Moderne muslimische Idealisten haben ein falsches Bild von einer „islamischen“ Gesellschaft. Sie meinen, dass die Scharia ein Erziehungstool ist, das im bestmöglichen Fall dafür sorgen soll, dass die gesamte Gesellschaft aus vorbildlichen und frommen Muslimen besteht, Sünden so gut wie ausgemerzt werden und keine Armut mehr existiert.

Aber eine Gesellschaft, die nur aus vollkommen frommen, in jeglicher Hinsicht vorbildlichen und wohlhabenden Muslimen besteht, kann es nicht geben und die Scharia ist auch nicht als Erziehungstool gedacht um eine solche Gesellschaft zu formen. Vielmehr ist es sogar so, dass eine Gesellschaft zwingend auch aus schwachen und weniger tugendhaften Menschen bestehen muss, damit sie nicht zugrunde geht.

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