Auszug: Die Selbsterkenntnis durch Triebseele und Eigentum, als Tor zur Erkenntnis Allahs

«Mit Blick auf das Ego [Nafs / Triebseele] als ein Mittel zur Selbsterkenntnis sollte angemerkt werden, dass das Ego nicht nur als ein durchweg negatives Element zu begreifen ist, das es ausschließlich abzutöten und mundtot zu machen gilt. Schließlich hat das Nafs wie alles Geschaffene auch einen Sinn. Zum einen kommt ihm die Aufgabe zu, dass es den Muslim dazu befähigt, sich im Rahmen der Gebote Allahs neben sinnlichen auch an körperlichen Genüssen erfreuen zu können, wobei man dafür sogar Lohn erhält.

Ein weiterer interessanter Aspekt des Egos besteht darin, dass es dem Menschen sogar dazu dienen kann, eine Vielzahl der Namen Allahs zu begreifen.

Als Beispiel sei hier Sein Name „Al-Malik“ angeführt. Al-Malik könnte als „der absolute Herrscher“, „der absolut souverän über Sein Eigentum, und damit über Alles Verfügende“ übersetzt werden.

Um den Namen Al-Malik zu begreifen, wurde dem Menschen durch sein Ego die Möglichkeit gegeben zu erfahren, was Eigentum überhaupt ist. Denn erst durch die Existenz eines „Ich“ ist der Mensch überhaupt dazu in der Lage, dass er sagt: „Dies ist mein, es gehört mir!“, um damit einen Gegenstand zu seinem Eigentum zu erklären. Ohne ein Nafs wäre er also gar nicht befähigt, bestimmte Dinge seinem „Ich“ und damit seiner Person zuzuordnen.»

(Das Menschen- und Seelenbild im Islam oder Grundzüge einer islamisch pädagogischen Psychologie, Dr. Samir Suleiman und Dipl. psych. Chawla Muhammad, S. 18)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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