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Zitat: Wael B. Hallaq – Es gab nie einen islamischen Staat …

«Es gab nie einen islamischen Staat. Der Staat ist modern und mit modern meine ich nicht eine besondere zeitliche Einheit an irgendeinen Punkt auf der Chronik der Menschheitsgeschichte. Das Moderne ist eine spezifische Struktur von Beziehungen, welche sich als ein einzigartiges Phänomen auszeichnet. Sie stellt eine besondere Qualität dar.

Aus diesem Grund stellt der Gebrauch des Begriffs “ Islamischer Staat“ – im Sinne einer Entität, die in der Geschichte bereits existierte – nicht nur ein Frönen in anachronistischem Denken dar, sondern verkennt auch die strukturellen und qualitativen Unterschiede zwischen dem modernen Staat und seinen „Vorgängern“, insbesondere im Vergleich mit dem, was ich als „islamische Herrschaftsform“ bezeichne.»

(Wael B. Hallaq, The Impossible State – Islam, Politics, and Modernity’s Moral Predicament, Seite 48)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LXVI)

«Selbst wenn die Aufrichtigkeit nicht ausreicht, gibt es keine andere noble Art, an sich zu arbeiten.»

«Mit einer langen Reihe berühmter Namen verwischt der Unwissende die Risse in seinen Gedankengängen.»

«Andere Epochen waren vielleicht vulgär wie die unsere, aber keine hatte den fabelhaften Resonanzboden, den unerbittlichen Verstärker der modernen Industrie.»

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LXIII)

»Weil er den Einwand, der ihn widerlegt, nicht versteht, glaubt der Schwachkopf sich bestätigt.«

»Die moderne Industrie strotzt von Artikeln, die weder, wie offensichtlich, zur geistigen Perfektionierung des Menschen, noch zur materiellen Vervollkommnung der Zivilisation taugen.«

»Der pädagogische Eifer war Ratgeber der schlimmsten Dummheiten der Geschichte und seiner schrecklichsten Verbrechen.«

Jede konstituierte muslimische Gruppierung, die sich um staatliche Macht bewirbt, lehne ich kategorisch ab

von Yahya ibn Rainer

Jede konstituierte muslimische Gruppierung, die sich um staatliche Macht bewirbt – ob kriegerisch oder demokratisch – lehne ich kategorisch ab.

Den Muslimen ist das Wissen um die Entstehung natürlicher Autoritäten abhanden gekommen und es fehlt ihnen nicht selten auch die nötige Bescheidenheit um solche Autoritäten anzuerkennen.

Familien, Sippen, Stämme und ihre Oberhäupter wurden durch Vereine, Verbände, Parteien und ihre politischen Strategen ersetzt.

Die Moderne infiziert die muslimische Gemeinde vor allem mit ihren Krankheiten. Während die Muslime auf den Gebieten der Wissenschaften und Technologien hinterherhinken (gelinde ausgedrückt), kopieren sie jedoch allzu gern und erfolgreich die Resultate der modernen Wohlstandsgesellschaft.

Die Atomisierung der Gemeinschaft, die Herauslösung des Individuums aus seinen natürlichen Abhängigkeiten, die Überführung dieser Abhängigkeiten an den modernen Überstaat und die gleichzeitige Aufrechterhaltung der Illusion von Selbstbestimmung und Freiheit sind Phänomene, die den Muslim lähmen und ihn in das Denkkorsett des demokratischen Wohlfahrtsstaates zwingen.

Dass man sich in Form von Gruppierungen und Parteien um staatliche Macht bewirbt, ist eine dieser kranken Ideen der Moderne. Allein im Wort „Partei“ ist schon der Frevel eingebaut, der in dieser Idee steckt, denn es handelt sich lediglich um einen „Part“ (Teil) der Gesamtheit, der unabhängig und in sich eigene Hierarchien und Autoritäten erzeugt.

Der personelle Aufstieg in solch geschlossenen Konstrukten funktioniert komplett anders als in natürlichen Gesellschaftsformen. Wer es in einer Partei oder Gruppierung zur Führungspersönlichkeit bringt, muss dazu im gesamtgesellschaftlichen Kontext längst nicht in der Lage sein. Das jedoch ist eine Voraussetzung für anerkannte Autorität. Denn nur eine allgemein anerkannte Autorität, die gesamtgesellschaftlich in der Lage war aufzusteigen, kann sich an der Spitze mit anderem beschäftigen, als mit der Aufrechterhaltung der eigenen Machtposition.

Nicht Führerschaft und Staat sollte der Muslim im Guten fokussieren und anpeilen, sondern die Zivilgesellschaft, denn sie allein legitimiert das Oberhaupt und führt seinem Staat das Personal zu. Nicht Herrscher und Staat erziehen das Volk, sondern das Volk erzieht die Obrigkeit.

Und vor allem muss uns wieder klar werden, dass der Staat – die Dawla – weder Selbstzweck noch Pflichtteil im Islam ist. Der Staat, wie er heute von fast allen Muslimen gedacht wird, ist den primären Quellen des Islams vollkommen fremd. Er hat sich in der langen Staatsgeschichte vielmehr als ein Instrument erwiesen, welches den Status des reinen Nutzens schnell verliert und sich zum Mittel für Despotie und Ausbeutung wandelt.

Deshalb verdient der Staat keinerlei Preisung und besonderes Vertrauen, wie es durch zahlreiche muslimische Gruppen und Parteien heute geschieht, sondern er braucht eine aufmerksame und kritische Kontrolle durch zivilgesellschaftliche Autoritäten und die wahre islamisch legitimiert Obrigkeit, nämlich den Amir.

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LVIII)

„Nur der führt sein Leben, der es beobachtet, denkt und in Worte faßt, die übrigen treibt das Leben vor sich her.“

„Den Menschen zu erziehen heißt, ihn an der ‚freien Entfaltung seiner Persönlichkeit‘ zu hindern.“

„Die Zukunft ist abstoßend, weil nichts den Schwachkopf hindert, dort seine Träume unterzubringen.“

Buchauszug: Markus v. Hänsel-Hohenhausen – Das Leben ist Materie, rational und deshalb verfügbar geworden

„Das Leben ist Materie, rational und deshalb verfügbar geworden, ohne dass das in industrialisierte Arbeitsprozesse alternativlos eingespannte Individuum damit die verheißene Freiheit erlangen könnte. Der Dauerdiskurs um die Verteilung der Güter, die die moderne, aufgeklärte Auffassung von „Gerechtigkeit“ ist, ist ein Aspekt dieser neuen Unfreiheit. Die Materialisierung des Lebens zeigt das Unentrinnbare, Diktatorische der Aufklärung, wie sie uns durch den Lauf der Geschichte hindurch erreicht hat, ihre Totalität, das Zwanghafte und das Zerstörerische ihrer Rationalisierung.

Seit 200 Jahren hofft der moderne Mensch, durch die Zweckmäßigkeit seines Handelns Herr über die Welt zu werden. Seine Herrschaft über die Materie soll ihn von ihr befreien. Ein banaler Irrtum, denn was er beherrscht, wird er niemals los.“

(Dr. Markus von Hänsel-Hohenhausen, Hitler und die Aufklärung – Der philosophische Ort des Dritten Reiches, Seite 26)

Buchauszug: Markus v. Hänsel-Hohenhausen – Die moderne westliche Gesellschaft

„Zweifellos hat das neue Denken die westliche Gesellschaft auch in einem nie gekannten Maß modernisiert. Das Mythenverbot der Aufklärung ermöglichte eine Rationalisierung, die die Gleichschaltung des Individuums in industrialisierte Arbeitsprozesse, in die technologische Erziehung und in seine Vereinzelung vor den Bildschirmen vorbereitete. Die Leugnung des Mythischen, das der Sinn ist, wie wir ihn in der Familie, in einer Lebensaufgabe und in der Erzählung unserer Biographie erfahren (und der allein uns frei machen kann), ist der Preis für diese Modernisierung.

Wahr („objektiv“) soll jetzt nur sein, was das Subjekt durch sein fehlerhaftes Rechnen und Messen beweisen kann, als sog. Szientismus ein zu hinterfragender Wissensglaube. Alles andere sei „subjektiv“ und könne keinen Anspruch auf Wahrheit erheben, also all das, was wir nicht anfassen (nicht „begreifen“) können, Liebe, Hoffnung und Freude, die Essenz unseres Daseins, ein geistiger Sinn unseres Lebens, der, weil wir ihn nicht beweisen können, aber deshalb kein blinder Glauben ist, weil wir ihn wissen, ein Glaubenswissen ist.“

(Dr. Markus von Hänsel-Hohenhausen, Hitler und die Aufklärung – Der philosophische Ort des Dritten Reiches, Seite 25)

Auszug: Der Begriff „Salafi(s)ten“ in der dt. Islamwissenschaft

Erst kürzlich wurde das Buch „Salafismus in Deutschland – Ursprünge und Gefahren einer islamisch-fundamentalistischen Bewegung“ des Journalisten Thorsten Gerald Schneiders publiziert. Im Grunde handelt es sich um eine wissenschaftliche Fachlektüre, aber durch den momentanen Medienhype um Scharia-Polizisten und Hooligans gegen Salafisten, erlangte dieses Band eine recht hohe Nachfrage und der Herausgeber findet sich als Salafismus-Experte in TV und Radio wieder.

Der folgende kurze Auszug stamm aus der Einleitung des Buches und nimmt Bezug auf die Wortschöpfung Salafisten.

„Der große deutsche Islamwissenschaftler Josef van Ess ist verstimmt. Der Tübinger Emeritus, dessen fundierte Kenntnisse des klassischen arabisch-islamischen Schriftkorpus wohl tiefgründiger sind als die der meisten anderen Islamwissenschaftler, ärgert sich über das plötzliche Auftauchen der »Salafisten (mit s)«. In einer Korrespondenz mit dem Herausgeber dieses Bandes räumt er freimütig ein, er könne mit dem Terminus nichts anfangen: »Bisher kannte ich nur Salafiten (ohne s); den Begriff gab es (als Eindeutschung von ahl as-salaf [Anhänger der Altvorderen]) schon in meiner Jugend. Aber er war positiv besetzt und ist nun sang- und klanglos aus dem Verkehr gezogen worden.« Spöttisch fragt er: »Wer hat sich denn diesen Begriff nun wieder ausgedacht? Und wer bestimmt, wie man ihn definiert?« Die Islamwissenschaft nach seiner Einschätzung offenbar nicht, was van Ess zu dem Lamento führt, seine Disziplin habe die Deutungshoheit über die Moderne offenbar völlig verloren.“

(Thorsten Gerald Schneiders, Salafismus in Deutschland, transript Verlag, Seite 9)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LI)

„Wenn der Staub sich legt, den die großen Ereignisse, der modernen Geschichte aufwirbeln, ist der Historiker über die Mittelmäßigkeit der Protagonisten sprachlos.“

„Um den Dummkopf zu entlarven, gibt es kein besseres Reizwort als mittelalterlich.
Er sieht sofort rot.“

„Die Konsequenzen seiner Handlungen sind so unvorhersehbar, dass der Mensch schließlich zum bloßen Zuschauer der Geschichte wird, die er macht.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XLII)

„Was nicht Vorurteil ist, ist von Vorurteilen ausgegangen.“

„Das Unterbewusste fasziniert den modernen Menschen.
Weil man dort seine bevorzugten Blödheiten als unwiderlegbare Hypothese unterbringen kann.“

„Auf der Suche nach Kultur begeben sich heute in die Fakultäten der Geisteswissenschaften Massen, die intellektuell für manuelle Arbeiten bestimmt sind.“

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXXIV)

„Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“

„“Soziale Gerechtigkeit“ ist der Begriff, um Anspruch auf irgendeine Sache zu erheben, auf die wir kein Recht haben.“

„Die sterbenden Gesellschaften häufen Gesetze an wie die Sterbenden Heilmittel.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXXI)

„In einem Jahrhundert, in dem die öffentlichen Medien unbegrenzte Dummheiten unter die Leute bringen, wird der gebildete Mensch nicht an seinem Wissen erkannt, sondern an seinem Nichtwissen.“

„Die Resultate der modernen „Befreiung“ lassen uns mit Wehmut an die abgeschaffte „bürgerliche Heuchelei“ zurückdenken.“

„Die Moderne nennt „Wandel“ das immer schnellere Marschieren auf dem gleichen Weg in die gleiche Richtung.“