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#Erdogan #Todesstrafe #Aufklärung #Abendland

von Yahya ibn Rainer

Da sich momentan viele aufgeklärte Europäer (und mit der Aufklärung infizierte Orientale) über die Ankündigung Erdogans erregen, er wolle ggf. die Todesstrafe wieder einführen, möchte ich zum Thema gern einmal einen Vordenker der abendländischen Aufklärung zu Wort kommen lassen:

locke

*John Locke war ein einflussreicher englischer Philosoph und Vordenker der Aufklärung. Locke gilt allgemein als Vater des Liberalismus und als einer der bedeutendsten Vertragstheoretiker im frühen Zeitalter der Aufklärung.

«Unter politischer Gewalt also verstehe ich ein Recht, Gesetze zu geben mit Todesstrafe und folglich allen geringeren Strafen, zur Regelung und Erhaltung des Eigentums, und die Macht der Gemeinschaft zu gebrauchen, um diese Gesetze zu vollziehen und das Gemeinwesen gegen Schädigung von außen zu schützen, und alles dies allein für das öffentliche Wohl.»

(*John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung, 1. Kapitel, Punkt 3)

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«Der Mensch wird, wie nachgewiesen worden ist, mit einem Rechtsanspruch auf vollkommene Freiheit und unbeschränkten Genuß aller Rechte und Privilegien des Naturrechts, in gleichem Verhältnis wie jeder andere Mensch oder eine Menge von Menschen geboren.

Dadurch hat er von Natur eine Gewalt, nicht allein sein Eigentum, d. h. Leben, Freiheit und Besitz gegen die Schädigungen und Angriffe anderer zu schützen, sondern auch über jede Verletzung dieses Rechtes durch andere zu richten und sie so zu bestrafen, wie es nach seiner Überzeugung das Vergehen verdient, sogar mit dem Tod, wenn es sich um Verbrechen handelt, deren Abscheulichkeit nach seiner Meinung die Todesstrafe erfordert.»

(*John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung, 7. Kapitel, Punkt 87)

Buchauszug: Friedrich Engels über die Notwendigkeit der Sklaverei für den modernen Sozialismus

Äußerst interessant, was ich bei der Lektüre des Buches „Jenseits der Leistungsgesellschaft“ von Bertrand de Jouvenel gefunden habe. Ab Seite 81 zitiert de Jouvenel nämlich einen beträchtlichen Auszug aus Friedrich Engels „Anti-Dühring“.  Der Inhalt ist meines Erachtens geradezu brisant, weshalb ich ihn hier unbedingt niederschreiben musste.

«Erst die Sklaverei machte die Teilung der Arbeit zwischen Ackerbau und Industrie auf größerem Maßstab möglich, und damit die Blüte der alten Welt, des Griechentums.

Ohne Sklaverei kein griechischer Staat, keine griechische Kunst und Wissenschaft; ohne Sklaverei kein Römerreich. Ohne die Grundlage des Griechentums und des Römerreichs aber auch kein modernes Europa. Wir sollten nie vergessen, dass unsere ganze ökonomische, politische und intellektuelle Entwicklung einen Zustand zur Voraussetzung hat, in dem die Sklaverei ebenso notwendig wie allgemein anerkannt war. In diesem Sinne sind wir berechtigt zu sagen:

Ohne antike Sklaverei kein moderner Sozialismus.

[…] Es ist sehr wohlfeil, über Sklaverei und dergleichen in allgemeinen Redensarten loszuziehen und einen hohen sittlichen Zorn über dergleichen Schändlichkeit auszugießen. Leider spricht man damit weiter nichts aus als das, was jedermann weiß, nämlich dass diese antiken Einrichtungen unsern heutigen Zuständen und unsern durch diese Zustände bestimmten Gefühlen nicht mehr entsprechen. Wir erfahren damit aber kein Wort darüber, wie diese Einrichtungen entstanden sind, warum sie bestanden und welche Rolle sie in der Geschichte gespielt haben. Und wenn wir hierauf eingehn, so müssen wir sagen, so widerspruchsvoll und so ketzerisch das auch klingen mag, dass die Einführung der Sklaverei unter den damaligen Umständen ein großer Fortschritt war.»

(Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft «Anti-Dühring»)

Was eine deutsche Muhajira in Ägypten über die Flüchtlingskrise in Deutschland meint

von Yahya ibn Rainer

Unlängst, während eines kurzen Ägyptenaufenthaltes, empfing ich mit meiner Frau zusammen eine alte Bekannte. Die Schwester ist Schwäbin, vollzog bereits vor weit über 20 Jahren die Hijra nach Ägypten, lebte dort mit ihrem ägyptischen Ehemann und zog zwei Söhne groß. Heute ist sie leider Witwe und ihre beiden Söhne sind längst erwachsen. Trotzdem entschied sie sich in Ägypten zu bleiben, was gewiss auch daran liegt, dass man dort (auch unter einem al-Sisi) als Niqab-Trägerin mit weniger (bis gar keinen) gesellschaftlichen Diskriminierungen zu kämpfen hat.

Natürlich verfolgt sie auch in Ägypten die Nachrichten aus Deutschland, besonders auch solche über die momentane Flüchtlingskrise. Während hierzulande die meisten Leute klar Partei ergreifen – entweder für oder gegen Flüchtlinge – und sich aufgrund dessen mittlerweile sogar eine deutliche gesellschaftliche Spaltung vollzogen hat, hatte die Schwester (mit ein wenig Abstand vom Geschehen) eine erfreulich ausgeglichene Meinung. Sie meinte zu uns:

«Ich kann die Syrer, die sich jetzt auf den Weg nach Europa und vor allem nach Deutschland machen, vollkommen verstehen. Natürlich sorgen sie sich um ihre Zukunft, wollen in Sicherheit leben und wünschen sich eine gute Ausbildung für ihre Kinder. Ich würde an ihrer Stelle auch nach Deutschland gehen.

Aber ich kann ebenso auch die Deutschen verstehen, die sich gegen diese Massenzuwanderung wehren und nicht damit einverstanden sind. Syrer sind Fremde, mit einer anderen Kultur und einer anderen Religion. Stellt euch mal vor, es würden vergleichsweise Massen an Christen in ein muslimisches Land einwandert, das würde den Muslimen auch nicht gefallen.

Das ist einfach zu viel.»

Wie ihr seht, muss man nicht immer (nur eine) Partei ergreifen.

Sind Flüchtlinge automatisch gute Menschen?

von Yahya ibn Rainer

Sind Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen um in den reichen Westen zu gelangen, automatisch gute und unterstützenswerte Menschen? Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden steigt und steigt und gleichzeitig werden wir in den Medien regelmäßig mit Horrormeldungen aus dem Mittelmeer konfrontiert, wo immer öfter überladene Flüchtlingsboote kentern und Menschen ertrinken. Dieser Umstand lässt natürlich Mitleid entstehen und verleitet dazu, Kritiker des staatlichen Asyls als Nazis oder Rassisten zu diffamieren.

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Der Orientreisende Herman Heinrich Frank über den Sufismus (1901)

Seit einigen Tagen lese ich das Buch Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Heinrich Frank, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde.

Über den Autoren konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen, außer das, was er im Buch selbst an Auskunft gibt. Dort schreibt er im recht kurz gehaltenen Vorwort:

„Jedenfalls habe ich uneigennützig gehandelt. Für die Ehre und Schande einer Kritik fehlt mir jedes Verständnis. Und was fünfzehn Jahre im Orient mir allmählig an Eindrücken aufgedrungen und aufgezwungen, ist eben so über und unter aller Kritik, wie die Eindrücke, die mir Europa vorher und nach langer Abwesenheit aufs neue in die Seele gesenkt hat. Reden mußt ich! Hier stehe ich; ich kann nicht anders.“

Und so liest sich das Werk dann auch. Ein gebildeter Europäer mit 15 Jahren Orienterfahrung kehrt zurück und versucht aufrichtig und objektiv die Verhältnisse, Entwicklungen und Gesinnungen beider Welten zu vergleichen. Über weite Teile kommt der Orient – und vor allem der Muslim dort – recht gut weg und Europa muss u.a. für seine sittliche Rückentwicklung einige Federn lassen.

Zum Ende hin jedoch thematisiert H. H. Frank ein Phänomen des Orients, welches ihm wohl eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung wert war, nämlich den Sufismus.

Allein die Tatsache, dass diese Betrachtung von einem Außenstehenden vorgenommen wurde, macht sie schon interessant, aber H. H. Frank ist eben zudem noch mehrjährig orienterfahren und nachweislich um Objektivität bemüht, was zusätzlich zur Lektüre motiviert.

So werde ich also den gesamten Abschnitt zu diesem Thema abschreiben und in mehreren Teilen hier publizieren.

H. H. Frank über den Sufismus (1. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (2. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (3. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (4. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (5. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (6. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (7. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (8. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (9. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (10. Teil)

Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898)

„Gibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das türkische. Jeder Kenner dieser braven, liebenswürdigen, grundehrlichen und dafür von aller Welt verlästerten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tatsächlich gibt es kaum eine Staats- und gesellschafterhaltende Tugend, die dem Türken — insbesondere dem anatolischen — nicht eigen wäre: Herzensgüte und Ehrlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, demokratischer Gleichheitssinn und unbedingte Loyalität gegen die Regierung, so drückend die staatliche Notwendigkeit auch auf ihm lasten möge, endlich natürlicher Anstand und Mässigkeit und eine von der Religiosität nicht in Banden gehaltenen Intelligenz. Welch hohe Lebensweisheit, welch sittlicher Ernst, welches Gemüt spricht nicht schon aus den teilweise sogar aus vorislamscher Zeit stammenden türkischen Sprüchwörtern: „Wer von der Lüge sich entfernt, der nähert sich Gott.“ — „Mann ist, wer sein Wort hält.“ — »Tue das Gute, und wirf es ins Meer; sieht es der Fisch nicht, so sieht es der Herr.“ — „Tue Gutes denen, die dir Böses antun, so wirst du bei Gott Gnaden finden“ u. s. w, Maximen, denen der gute Moslim in seinem Wandel weit eifriger nachzuleben pflegt, als der Christ den ähnlich lautenden Befehlen Jesu. […]

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Ein deutsch-französischer Islamkonvertit beschreibt im Jahre 1904 die Gegensätze zwischen Europa und dem Orient

„Noch viele andere Gegensätze bestehen zwischen dem Orient und Europa.

Bei den Orientalen ist der Bart ein Zeichen der Würde, in Europa ein Merkmal der Vernachlässigung.

Im Orient schneidet man Brot u. s. w. von sich ab, in Europa zu sich her.

Im Orient winkt man mit der Hand nach unten, in Europa nach oben.

Im Orient ist es Gebrauch, den Kopf zu rasieren; in Europa gilt das als Strafe.

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Buchauszug: Schmitz du Moulin – Ein großer Kontrast zwischen dem Abend- und Morgenlande (1904)

„Für die Europäer, muss es wohl das Auffallendste, ihnen Unerklärlichste sein, dass unter den Muselmanen weder ein Unterschied der Farbe noch des Ranges, der Klasse, der Stellung irgend einen Unterschied des Gefühles oder gar eine Abneigung unter den Menschen erzeugt. Das steht vollkommen im Gegensatze zu der allgemeinen Erfahrung bei den europäischen Nationen, die dabei aber den Mund so voll nehmen, so viel von Menschenliebe und Freiheit reden. Selbst ein Volk wie die Mänder, die seit Jahrhunderten niedergetreten waren, zeigen, sobald sie, wie in Amerika aufatmen dürfen, einen denkbar fanatischen Rassenhass. […]

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Buchauszug: Leopold Weiss – Ein Muslim muss mit erhobenem Haupt leben

„Um die Wiederherstellung des Islam zu erreichen, müssen sich die Muslime, bevor sie irgendwelche Reformschritte gehen, völlig von der Verteidigungshaltung für ihre Religion befreien. Ein Muslim muss mit erhobenem Haupt leben. Er muss realisieren, dass er verschieden ist und sich von dem Rest der Welt unterscheidet; er muss lernen, auf seinen Unterschied stolz zu sein. Er sollte danach streben, diesen Unterschied als eine kostbare Eigenschaft zu bewahren und diesen der Welt kühn zu verkünden – anstatt sich dafür zu entschuldigen und andere Kulturkreise zu assimilieren.

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Buchauszug: José Ortega y Gasset – Wenn die Massen „Ideen“ haben

„Bedeutet es nicht einen gewaltigen Fortschritt, wenn die Massen „Ideen“ haben, das heißt gebildet sind? Ganz und gar nicht. Die „Ideen“ dieses durchschnittlichen Menschen sind keine echten Ideen, noch ist ihr Besitz Bildung. Die Idee ist ein Schach, das man der Wahrheit bietet. Wer Ideen haben will, muß zuerst die Wahrheit wollen und sich die Spielregeln aneignen, die sie auferlegt. Es geht nicht an, von Ideen oder Meinungen zu reden, wenn man keine Instanz anerkennt, welche über sie zu Gericht sitzt, keine Normen, auf welche man sich in der Diskussion berufen kann. Diese Normen sind die Grundlagen der Kultur. Es kommt mir nicht auf ihren Inhalt an. Was ich sagen will, ist, daß es keine Kultur gibt, wenn es keine Normen gibt, auf die wir und unsere Gegner zurückgreifen können. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Prinzipien des bürgerlichen Rechts gibt. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Ehrfurcht vor gewissen Grundwahrheiten der Erkenntnis gibt.

Es gibt keine Kultur, wo die wirtschaftlichen Beziehungen von keiner Verkehrsordnung beherrscht werden, unter deren Schutz man sich stellen kann. Es gibt keine Kultur, wo ästhetische Polemiken es nicht für notwendig erachten, das Kunstwerk zu rechtfertigen.

Wo dies alles fehlt, gibt es keine Kultur; es herrscht im genauesten Sinn des Wortes Barbarei. Und Barbarei ist es, geben wir uns keinen Täuschungen hin, die dank der zunehmenden Aufsässigkeit der Massen in Europa anzubrechen droht.“

(José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1930, Seite 73)

Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Der Demokratismus des Islam (1919)

„Unausgesetzt beschäftigt mich das Problem, woher dem Islam seine formende Kraft kommt, die soviel größer scheint, als die aller anderen Religionen. Die Reflexion auf das extrem Demokratische mohammedanischer Verbände hat mich heute endlich, wenn ich nicht irre, auf die richtige Spur gebracht. Der Demokratismus des Islam erklärt seine Werbekraft, zumal in Indien, wo Bekehrung zu ihm die einzige Möglichkeit bezeichnet, der Kastenbestimmtheit zu entrinnen ; und hier handelt es sich um echte Gleichheit — weit mehr so, als in den Vereinigten Staaten Amerikas —, denn die Muslime gelten nicht bloß, sondern halten sich wirklich für Brüder, unbekümmert um Rasse, Vermögen und Position. Aber dieser Demokratismus ist kein Letztes ; er ist die Wirkung einer tieferliegenden Ursache, und die scheint mir den Schlüssel zu bieten zu allen Rätseln der Vorzüge des Mohammedanerglaubens. Der Islam ist die Religion absoluter Hingebung. Was Schleiermacher als Wesen aller Religiosität bezeichnete, definiert tatsächlich die des Muselmanns.

Dieser fühlt sich jederzeit in der absoluten Gewalt seines göttlichen Herrn, und zwar in dessen persönlicher Gewalt, nicht in der seiner Minister und Knechte ; er steht ihm jederzeit Auge in Auge gegenüber. Dies bedingt denn das Demokratische des Islam : in allen absoluten Monarchien herrscht bis zur Stufe des Throns der Geist der Gleichheit; von allen Ländern Europas war das Rußland von gestern das demokratischeste, weil gegenüber der absoluten Gewalt des Zaren alle Unterschiede zwischen den Untertanen geringfügig erschienen. Aber es gibt Autokratien verschiedenen Geistes; je nach der Art des Herrschers erscheinen sie stark oder schwach. So beruht die einzigartige Gestaltungskraft des Islam auf dem einzigartigen Charakter seines Gottes. Allah, weit mehr als Jehovah, weit mehr als der Christengott, verdient den Namen eines Herrn der Heerscharen ; er ist Autokrat im Sinne eines Generals, nicht eines Tyrannen. Hiermit hätte ich es denn: der Mohammedanerglaube bedeutet, als einziger der Welt, recht eigentlich militärische Disziplin. […]

Nun wird keiner bestreiten, daß die Bewußtseinsform des gutgedrillten Soldaten von allen die größte Leistungsfähigkeit sichert überall, wo es sich um Ausführen, nicht um Ausdenken handelt. Die islamische Welt stellt eine einzige Armee dar von einigem, ungebrochenem Geist. Solch‘ ein Geist schmilzt auf die Dauer alle Unterschiede ein ; er macht alle zu Kameraden. Im Islam hat er alle Rassendifferenzen eingeschmolzen. Der Ritualismus dieses Glaubens hat einen anderen Sinn, als der von Hinduismus und Katholizismus ; es handelt sich um Objektivierungen der Disziplin. Wenn die Gläubigen täglich zu bestimmten Stunden in der Moschee in Reihe und Glied ihre Gebete verrichten, alle gleichzeitig gleiche Gebärden vollführend, so geschieht dies nicht, wie im Hinduismus, als Mittel zur Selbstverwirklichung, sondern in dem Geist, in welchem der preußische Soldat vor seinem Kaiser vorbeidefiliert. Diese militärische Grundgesinnung erklärt alle wesentlichen Vorzüge des Muselmanns.“

(Hermann Graf Keyserling, Das Reisebuch eines Philosophen, 1919, Seite 179-180)

Auszug: Thomas Fasbender – Sie kämpfen für Identität

„Der von Buchanan prophezeite Kampf zwischen Homo davosiensis und den Anhängern der alten Identitäten ist längst entbrannt. Gulliver im globalen Dorf bemerkt die Nadelstiche und reagiert gereizt. Auf allen Seiten marschieren die Liliputaner auf, verteilt über ein höchst widersprüchliches Sammelsurium von Fronten: Dritte-Welt-Bauern gegen Monsanto, Nestlé und Unilever; Islamisten gegen den säkularen Staat; die Netzgemeinde gegen Überwachung, Kontrolle und Datenspeicherung; Wutbürger gegen die Pläne der Großeuropäer in Brüssel; Identitäre gegen ein multikulturelles Europa; Antiglobalisten gegen die geballte Bankenmacht; Schweizer für das Recht zu bestimmten, wer in ihrem Lande Wohnsitz nehmen darf und wer nicht.

All das hängt zusammen, quer durch alle politischen Lager, durch alle Kulturen, durch alle sozialen Schichten. Sie kämpfen für Identität, wie sie sie verstehen, für ein Dasein, das nicht nur der Effizienz und dem Bruttosozialprodukt geschuldet ist. Für Familie, Heimat (auch metaphysische), private Räume (auch im Netz), Herkommen, Zugehörigkeit. Sie kämpfen für Dinge, die sich ähnlich bleiben und berechenbar sind auch im Wandel der Zeit.
Sie kämpfen für etwas, das gilt, und gegen Beliebigkeit.“

(Thomas Fasbender, Identität und Kunst: Krim-Sezession als Zäsur, eigentümlich frei Nr. 142, Seite 43)

Buchauszug: Leopold Weiss – Die westliche Rasse und ihre Zivilisation

„Trägt schon der heutige Unterricht der europäischen Literatur in vielen muslimischen Einrichtungen zur Entfremdung junger Muslime vom Islam bei, gilt dasselbe in noch weit größerem Ausmaß für die europäische Deutung der Weltgeschichte. In ihr kommt die alte Haltung „Römer gegen Barbaren“ sehr deutlich zur Geltung. Ohne es einzuräumen, will ihre Darstellung von Geschichte beweisen, dass die westliche Rasse und ihre Zivilisation allem überlegen ist, was in der Welt erzeugt wurde oder erzeugt werden kann; und daher gibt sie dem westlichen Streben nach Weltmacht eine Art moralische Rechtfertigung. Seit der Zeit der Römer sind die europäischen Nationen daran gewohnt, alle Unterschiede zwischen Ost und West aus der Perspektive einer europäischen „Norm“ zu betrachten. Ihre Beweisführung basiert auf der Annahme, die Entwicklung der Menschheit könne nur auf Grundlage der europäischen Kulturerfahrungen beurteilt werden. Folge ist notwendigerweise eine verzerrte Perspektive. Und je weiter sich die Bewertungsmaßstäbe von dem europäischen Blickwinkel entfernen, desto schwieriger wird es für die Europäer, die reale Erscheinung und Struktur der beobachteten historischen Objekte zu begreifen. […]

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Buchauszug: Schmitz du Moulin – In der Verwaltung etc. huldigt kein Muselman dem allgemeinen Stimmrecht … (1904)

„In der Verwaltung etc. huldigt kein Muselman dem allgemeinen Stimmrecht oder ähnlichen sogenannten gebildeten oder fortgeschrittenen Ideen Europas. Diese Ansichten können ihm höchstens Mitleid mit den Europäern einflößen, die sich so von der Hefe des Volkes leiten lassen, die auch theoretisch nicht anerkennen, daß es bessere, tüchtigere Leute unter ihnen gibt. Er weiß, er fühlt, daß es für den edlern Menschen keine höhere Tugend gibt, als die des Gehorsams.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Was der Christ in den Orient bringt (1901)

„So ist die Einfachheit und Anspruchslosigkeit der arabischen oder persischen Cafeschänken durchaus nicht der Mangel einer fehlenden Kultur und beklagenswerten langweiligen Armseligkeit des Lebens, sondern sie würde würdiger verglichen mit der Einfachheit des griechischen Theaters, wo ohne alle Meiningerei die Verse eines Sophokles, Euripides, Äschylos vorgeführt wurden. Und diese arabisch-syrisch-palästinischen Lande, — es sind die Stätten, wo die herrschenden Religionen Europas geboren wurden, jenes Evangelium der Armen und Bettler das Licht der Welt erblickte, — es sind die Orte, wo man es ernst meint mit dieser Einfachheit des Lebens; es sind die Wohnstätten uralter Kultur und Weisheit, wohin schon in vorgeschichtlichen Zeiten die alten Griechen wallfahrteten, hin zur mystischen, wahrlich im tiefen Innern verborgenen Weisheit des Orients! Und dorthin will nun der Christ mit dem Musterkasten wallfahren, Absatzgebiete für seine Fabrikware schaffen, Bedürfnisse importieren, aufdrängen, welche die Moslims nicht haben und gar nicht haben wollen. Mit seiner Kultur und seinen sozialen Fragen will er jene Gegenden beschenken und, — wenn die Geduld reißt, wenn der Fanatismus erwacht, — den Leuten die Pistole auf die Brust und die Mündung der Kanonen auf ihre Gebäude richten.

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