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Kurz gesagt: Kein religiöses Lob für neue Konvertiten

Ein Tipp für Geschwister die Umgang mit Konvertiten pflegen:

Das Schlimmste für die gesunde Entwicklung des Konvertiten ist das Lob seines Umfeldes. Konvertiten starten nicht selten mit Vollgas und erwecken in diesem frühen Stadium den Eindruck, als seien sie besonders gläubig und streng mit sich selbst.

Mit dem übermäßigen Loben jedoch werden Konvertiten häufig unter Druck gesetzt, was schlimme Folgen haben kann, besonders wenn sich mal ein Imantief ankündigt. Dann nämlich fangen nicht wenige Konvertiten mit dem heucheln an, um nicht die Erwartungshaltung ihres Umfeldes zu enttäuschen und um weiterhin den gleichen hohen Rang zu bekleiden.

Diese Heuchelei kann zu einer großen Belastung werden und im schlimmsten Fall kann es auch zu einem Abfall vom Islam kommen. (Ich kenne Beispiele)

Wer es der Heuchelei gestattet, sich fest in der religiösen Praxis einzunisten, der beginnt auch andere Muslime der Heuchelei zu bezichtigen. Jede Person, die nach außen eine vorbildliche Praxis zeigt wird quasi im negativen Sinne beneidet oder man projiziert den eigenen Zustand auf sie.

So lieb und nett der Lob einiger Muslime auch gemeint sein mag, er stiftet häufig mehr Schaden als Erfolg.

Generationenkonflikt: Projizierter Selbsthass bei erprobten Muslimen

von Yahya ibn Rainer

Mir ist aufgefallen, dass viele aktive Muslime (besonders Konvertiten und Revertiten), wenn sie sich religiös weiterentwickeln, vieles von dem was sie früher sagten und taten zu bereuen beginnen und sich sogar dafür schämen.

Leider führt das bei einigen dazu, dass sie für andere noch jüngere Muslime eine Art Abneigung entwickeln, weil sie dieselben oder ähnlichen Aussagen und Taten bei ihnen vorfinden. Diese reiferen Muslime projizieren sozusagen ihren Selbsthass auf andere Muslime, was sich u.a. darin äußert, dass sie sehr aktiv darin sind, diese jüngeren Muslime online zu provozieren, zu beleidigen oder sich öffentlich über sie lustig zu machen.

Es gehört einfach zur Aufrichtigkeit auf dem Wege der Selbsterkenntnis («Wisse: Der Schlüssel zur Erkenntnis Allahs ist die Selbsterkenntnis.» – Imam al-Ghazali), sich solcherlei Schwächen einzugestehen und sie zu bekämpfen.

Ich sehe dieses oben genannte Phänomen bei vielen Muslimen in meinem Umfeld und auch bei mir selbst. Das Problem hierbei ist, dass wir durch dieses Vorgehen keine Nähe schaffen zwischen den Generationen, sondern, ganz im Gegenteil, noch mehr Spaltung hervorrufen.

«Die Beziehung zwischen Alt und Jung ist immens wichtig und zeichnet sich durch gegenseitigen Respekt aus, welcher aber zugunsten des Älteren überwiegen muss, da die religiöse Weisheit (Hikma) im Islam einen ganz besonderen Stellenwert hat.»

Diesen Respekt erlangen wir jedoch nicht, wenn wir die Jugend provozieren, beleidigen oder uns über sie echauffieren … und ganz besonders nicht, wenn wir sie uns zum öffentlichen Feindbild erklären. Manchmal müssen wir uns einfach eingestehen, dass mancherlei Dummheit wohl zu einer gesunden religiösen Entwicklung dazugehört, sonst wären wir selbst heute nicht dort wo wir sind.

Wa Allahu 3alem.

Die gefährliche Egozentrik sozial engagierter Muslime

von Yahya ibn Rainer

Es gibt, Allah sei es gedankt, unter uns viele aktive Geschwister, die gemeinnützige, wohltätige und mildtätige Projekte planen, gestalten und aus der Traufe heben. Allein im Bereich der spendenbasierten Wohl- & Mildtätigkeit haben sich in den letzten Jahren dutzende kleine und größere Vereine und Organisationen gebildet.

Es gibt Brunnenbauprojekte, Armenspeisungsprojekte, Infrastrukturprojekte, Waisenhausprojekte, Schulprojekte, Gefangenenhilfeprojekte, Halal-Partnervermittlungsprojekte uvm.

Natürlich hält jeder Initiator/Mitarbeiter sein eigenes Projekt für besonders wichtig, sonst würde er dafür nicht seine kostbare Zeit investieren. Aber leider bedeutet eine immer weitere Zunahme von Projekten, dass auch der Pool an Spenden- und Hilfsbereitschaft pro Projekt kleiner wird, weil mit der Zunahme der Projekte nicht automatisch auch die Zahl der Muslime steigt, die diese unterstützen können/wollen.

Solche Projekte stehen also in einem gewissen Wettbewerb miteinander. Um in diesem Wettbewerb zu bestehen, setzen viele muslimische Projekte auf die Mithilfe von Gelehrten und Predigern. Die Beteiligung solcher Persönlichkeiten verschafft dem Projekt eine gewisse Seriosität und Vertrauenswürdigkeit. Aus diesem Grunde bekommen Gelehrte und Prediger nicht wenige Anfragen von gemeinnützigen, wohltätigen, mildtätigen, aber auch zahlreichen kommerziellen Unternehmungen.

Leider ist die Seriosität und Vertrauenswürdigkeit einer solchen Unternehmung im vornherein nicht klar zu beurteilen. Auch wenn die Beteiligten an sich nicht zu tadeln sind, können Projekte durch andere Einflüsse zu einem Reinfall werden oder gar Verbotenes bewirken. Aus diesem Grund sind viele Gelehrte, Prediger und andere öffentliche Persönlichkeiten vorsichtig geworden. Besonders wenn man sich bereits für 1 oder 2 Projekte engagiert, möchte man ungern in zahlreiche andere involviert sein, um nicht den Überblick zu verlieren, denn schnell kann die Glaubwürdigkeit in der Dawa verloren gehen, wenn man mit gescheiterten Projekten in Verbindung gebracht wird, auch wenn man selbst am Scheitern keinen Anteil hatte.

Für Initiatoren und Mitarbeiter an solchen Projekten ist diese Situation sicherlich nicht leicht. Sein eigenes Projekt (in das man Herzblut gesteckt hat und das man natürlich persönlich als besonders wichtig erachtet) scheitern zu sehen, weil es nicht von ausreichend Spendern oder den gewünschten Persönlichkeiten unterstützt wird, ist kein schönes Erlebnis.

Leider reagieren nicht wenige Menschen sehr emotional auf diese Erfahrung und beginnen den Muslimen allgemein oder bestimmten Persönlichkeiten die Schuld für das Scheitern zu geben. Schnell hantiert man mit der moralischen Keule und bemerkt im Eifer des Gefechtes gar nicht, dass man den Muslimen allgemein oder bestimmten Personen damit Unrecht tut.

Man muss bei der Betrachtung eigener Projekte unbedingt aus der egozentrischen Betrachtungsweise ausscheren und dem Gesamtkontext mehr Beachtung schenken.

Man befindet sich …

  1.  … in einem umkämpften Markt, mit vielen anderen, ähnlichen und gleichen Ideen.
  2. … in einem Wettbewerb der guten Taten. Hier gilt in erster Linie die aufrichtige Absicht und nicht der Erfolg (zumindest wenn man die Belohnung bei Allah beabsichtigt).
  3.  … in einem Bereich der freien individuellen Entscheidungskraft. Als Initiator sucht man sich nach eigenem Gutdünken die geeignetsten Partner aus, muss diesen aber die gleiche freie Entscheidungskraft zusprechen; was im Resultat auch eine Absage sein darf.

Bitte beachtet das, wenn ihr aktiv seid oder werden wollt. So wie ihr euch freiwillig für euer Projekt engagiert (und dafür andere Projekte vernachlässigt oder komplett ignoriert), müsst ihr selbiges auch für eure anderen Geschwister zugutehalten. Jeder hat das Recht EUER Projekt zugunsten anderer Projekte zu ignorieren.

Wenn Deutsche ständig meckern, murren und lamentieren

von Yahya ibn Rainer

Das häufige Meckern, Murren und Lamentieren im kleinen Kreis (z.B. unter Gleichgesinnten) oder für-sich allein, ist eine bekannte Eigenart des allgemeinen Deutschen. Man kann es nervig finden und kleinkariert, aber es erfüllt einen gewissen Zweck.

Für uns Deutsche – im protestantischen Norden etwas mehr, im katholischen Süden etwas weniger – ist Zurückhaltung eine wichtige, ja geradezu angeborene Tugend. Man ist nicht gern laut, versucht möglichst Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen und scheut den offenen Konflikt.

Allerdings kann auch der allgemeine Deutsche das Leben in der Gemeinschaft nicht entbehren und stößt deshalb, besonders in der Großstadt recht häufig, auch auf Mitmenschen, die diese Tugenden nicht (mehr) im wünschenswerten Umfang beherrschen oder gar mit einer komplett anderen Wesensart geschlagen sind.

Dort ist man dann mit Menschen konfrontiert, die laut(er) sind, in gewissen Situationen keine Rücksicht nehmen, bestimmte Normen nicht einhalten, und dies alles womöglich noch in einer fremden Sprache und im Grenzfall sogar höchst temperamentvoll (oder aggressiv). Das ringt einem Deutschen, egal wie viel Zurückhaltung er auch zu wahren versucht, viel Disziplin ab und erzeugt einen gewissen Rückstau an Emotionen.

Und da auch wir keine Maschinen sind, sondern empfindungsfähige Geschöpfe, brauchen diese aufgestauten Emotionen ein Ventil. Manchen, wirklich disziplinierten Deutschen, reicht dabei ein leichtes Kopfschütteln, ein dezentes Augenrollen oder ein leises Schnalzen mit der Zunge. Andere jedoch müssen etwas mehr tun, um den Druck abzuführen. Sie meckern, murren und lamentieren dann, allerdings erst, wenn sie allein sind oder im Kreise Gleichgesinnter.

Ist der Mitteilungsdruck einmal besonders groß, dann nimmt man sogar in Kauf, dass umstehende Fremde Kenntnis vom eigenen Unmut nehmen, wobei man allerdings niemals jemanden persönlich anspricht, sondern einen gepflegten Monolog führt.

Im Zeitalter des Internets und der sozialen Netzwerke droht diese persönliche Zurückhaltung jedoch ein Ventil gefunden zu haben, das zu purer Enthemmung führt. Der allgemeine Deutsche übt zwar immer noch seine Zurückhaltung im öffentlichen Raum, jedoch entlädt er nun seinen Frust (meist anonym) auf Facebook und Twitter. Dort findet er nicht nur haufenweise Gleichgesinnte, sondern auch politische Agitatoren, die dem deutschen Meckerhannes eine große Plattform bieten und seinen Frust geschickt als Propaganda nutzen.

Was früher ein Garant für ein friedliches und zivilisiertes Zusammenleben war, ist heute zu einer schlimmen Waffe verkommen, die den gesellschaftlichen Frieden gefährdet. Die so kostbare Zurückhaltung führt den gesellschaftlichen Zustand in der realen Welt vollkommen ad absurdum, wenn man im Vergleich dazu die enthemmte Frustration der digitalen Welt betrachtet.

Zwei Dinge sind meines Erachtens wichtig, damit sich dieser Zustand wieder etwas entspannt.

  1. Die Menschen müssen wieder lernen sich in Zurückhaltung zu üben. Ich weiß, dass das Gerede von Integration einigen schon aus dem Halse heraushängt, aber in dieser Sache sehe ich eine Bringschuld bei all denen, die dem deutschen Wesen gegenüber eher abgeneigt sind (was nicht nur Ausländer sein müssen, sondern häufig auch sehr eigensinnige oder linke Individualisten).
  2. Lasst die Nazi-Keule mal häufiger stecken. Es ist einfach ein Fakt, dass meckernde Deutsche, besonders wenn sie sich über Ausländer beschweren (was ja nicht per se immer zu Unrecht sein muss), gern als Nazis, Rassisten oder ähnliches beschimpft werden. Das kann wirklich sehr frustrierend sein und trägt letztendlich nicht zu einer Besserung des Verhältnisses bei.

Ich, für meinen Teil, zelebriere meine Zurückhaltung geradezu. Ich empfinde es sogar als äußerst befriedigend, mit nahezu uneingeschränkter Ruhe und Empathie den öffentlichen Raum zu durchschreiten und möglichst niemandem zur Last zu fallen. Probiert es einfach mal aus und euch wird gewahr, dass sogar der kleinkarierteste Meckerhannes in der Lage sein wird, euch ein zufriedenes Lächeln zu schenken.

Die Pflichten gegenüber den leibeigenen Knechten und Mägden

von Yahya ibn Rainer

Sicherlich habt ihr es auch schon vernommen, denn es ist in aller Munde: Der „Islamische“ Staat hat in seinem Einflussbereich die Leibeigenschaft (auch: Sklaverei) wieder eingeführt.

Dem muslimischen Recht entsprechend, darf mit feindlichen Kriegsgefangenen auf 4 verschiedene Weisen verfahren werden. Hierzu zitiere ich aus einer staatstheoretischen Abhandlung des weithin anerkannten Rechtsgelehrten Abū l-Hasan al-Māwardī (364-450 n.H.):

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Buchauszug: Abu Hamid al-Ghazali – Das Hassen für Allah

«Jeder, der in Allah liebt, muß notwendig auch in Allah hassen. Denn wenn du einen Menschen liebst, weil er Allah gehorsam und lieb ist, so mußt du ihn notwendig hassen, wenn er Allah ungehorsam und verhaßt ist, denn wenn die eine Ursache Liebe hervorruft, so muß notwendig die entgegengesetzte Ursache Hass hervorrufen, beides hängt zusammen und ist nicht voneinander zu trennen; und so ist es regelmäßig, wo immer Liebe und Haß auftreten. Aber beide, Liebe und Haß, sind Leiden, die tief im Herzen verborgen sind und nur dann zutage treten, wenn sie sehr stark werden. Zutage aber treten sie in dem Verhalten der Liebenden und Hassenden, darin, daß sie die Nähe des anderen suchen oder fliehen und ihm in allem zu Willen sind oder widerstreben. Dies Zutagetreten der Liebe und des Hasses im Verhalten nennt man Freundlichkeit und Feindlichkeit.

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Muslime, die ihre Zeit vor allem damit verbringen, sich mit den Fehlern und Nachlässigkeiten anderer Muslime zu beschäftigen

von Yahya ibn Rainer

Muslime, die ihre Zeit vor allem damit verbringen, sich mit den Fehlern und Nachlässigkeiten anderer Muslime zu beschäftigen, sind meist selbst von inneren Zweifeln geplagt und versuchen sich auf diese Weise Selbstachtung und Bestätigung zu verschaffen. Aber die daraus resultierende gefühlte Überlegenheit und Sicherheit ist eine Fassade, sie hebt die Selbstzweifel nicht auf, sondern betäubt sie nur, wie ein Rauschmittel. Wie ein Rauschmittel macht es aber auch abhängig. So verschließt man sich dem einzigen Mittel, mit welchem Selbstzweifel beseitigt werden können, nämlich durch eine intensive Beschäftigung mit sich selbst.

Die Tatsache, dass die Religion allgemeinhin nur noch von wenigen Menschen aufrichtig und sichtbar praktiziert wird, lässt den Neuerweckten – also den anfangs hochmotivierten Konvertiten oder Revertiten – recht schnell einen Zustand erreichen, in dem er (zumindest rein äußerlich) aus der Masse der Muslime heraus sticht. Nicht jede Nafs kann diesen Umstand richtig einordnen.

Manch einer beginnt (mit Blick auf sein Umfeld) mit sich zufrieden zu sein und setzt das ihm Mögliche an äußerlicher religiöser Praxis gewissermaßen als allgemein machbar voraus, macht sich also quasi selbst zum Maßstab. Man beginnt diejenigen als geringer zu erachten, die weniger in der Lage sind zu praktizieren, die nachlässiger sind oder Fehler begehen die man selbst (noch?) nicht begeht … und man spricht darüber.

Dies aber ist die große Gefahr für die Neuen im Islam. Sie bleiben nämlich dadurch in ihrer eigenen Entwicklung stehen. Und wenn sie meinen, in ihrer äußerlichen Praxis einen (mit anderen) vergleichsweise guten Zustand erreicht zu haben, dann stürzt sie eben diese Sichtweise (zumeist ohne dass sie es selbst merken) in eine innerliche Krise.

Besonders wenn man als Neuer anfangs viel gelobt wurde, weil man mit seiner sichtbaren Praxis so außerordentlich vorbildlich schien, reicht schon ein kleines Glaubenstief aus – das jeden von uns einmal ereilt – und man sieht sich gezwungen einen Teil seiner Handlungen zu heucheln. Denn wer will schon das Lob missen, den Lobenden enttäuschen und dem zuvor geschmähten religiösen „Schwächling“ die nun eigene Nachlässig- und Fehlerhaftigkeit eingestehen.

Für manche Konvertiten und Revertiten bedeutet diese erste Krise manchmal sogar schon das Ende des religiösen Lebens oder zumindest eine große Relativierung, für andere jedoch öffnet dieser innere Zweifel erst die Tür zum wahren Extremismus, nämlich dann, wenn er Gleichgesinnte findet, die ebenfalls dem Rausch verfallen sind, durch die Geringschätzung der Anderen die eigenen Zweifel zu betäuben.

Die zeitgenössischen Verteidiger des Tasawwuf im Internet

von Yahya ibn Rainer

Viele zeitgenössische Verteidiger des Tasawwuf (die wir fälschlicherweise bisher immer als „Sufis“ bezeichneten), nehmen mehr und mehr die Unsitten unerzogener „Jungsalafisten“ an, die sie eigentlich vorgeben, wegen eben dieser Unsitten und schlechten Charakterzüge, abzulehnen.

Die sozialen Netzwerke sind voll mit Muslimen, die mit ihren Turban-Profilbildern und Sufi-Sheikh-Zitaten den Eindruck erwecken, sie wären auf dem Weg des Tasawwuf, der ihre Herzen reinigt, ihr Nafs bändigt und ihre Zungen zügelt.

Was ich aber häufig an Beiträgen und Kommentaren lese, ist nichts anderes, als das Spiegelbild eines unerzogenen „Jungsalafisten“ im Sufigewandt. Ein Spiegelbild, welches sich in Beleidigungen und Schmähungen ebenso ergeht, wie in Belustigungen und Provokationen.

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Buchauszug: Ibn Khaldun – Die löblichen Eigenschaften eines Herrschers

«Einer löblichen Herrschaftsgewalt entspricht die Milde. Wenn der Herrscher jedoch Gewalt ausübt, rücksichtslos Strafen verteilt, auf der Suche nach den Schwächen der Menschen ist und deren Vergehen auflistet, werden die Menschen von Furcht und Demut ergriffen und suchen dem durch Lüge, List und Betrug zu entgehen. Dies wird für sie zu einem natürlichen Charakterzug, und ihre Auffassungen wie ihre Charaktereigenschaften werden verdorben.

Mitunter lassen sie den Herrscher auf den Schlachtfeldern im Stich und beteiligen sich nicht an Verteidigungsmaßnahmen. Mit dem moralischen Verfall der menschlichen Bestrebungen nimmt auch der militärische Schutz Schaden. Bisweilen verbinden sich die Menschen, um den Herrscher zu ermorden. Auf diese Weise wird die Dynastie zugrunde gerichtet und der Schutzwall zerstört. […]

Zu den löblichen Eigenschaften gehört es, den Menschen gegenüber gütig zu sein und sie zu verteidigen. In dieser Verteidigung kommt das wahre Wesen des Königtums zur Geltung. Güte und Wohltätigkeit gegen die Menschen gehören dazu, ebenso, Milde walten zu lassen und ihrem Leben Aufmerksamkeit zu widmen. Diese Dinge sind eine wichtige Grundlage, um die Liebe der Untertanen zu gewinnen.

Wisse, dass jemand, der vorsichtig und äußerst scharfsinnig ist, nur selten die Eigenschaft der Milde besitzt. Sie ist zumeist bei dem zu finden, der unachtsam und sorglos ist. Selten kommt sie bei einem scharfsinnigen Herrscher vor, weil der die Untertanen über ihr Leistungsvermögen hinaus beansprucht, da seine Einsicht über ihre geistigen Kräfte hinausreicht und er mit seinem Scharfsinn den Ausgang von Dingen schon zu ihrem Beginn überblickt. Die Menschen können daran zugrunde gehen.»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 136-138)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Das Böse steht dem Charakter des Menschen besonders nahe

«Wisse, dass Allah – gepriesen sei er – in der Natur der Menschen das Gute wie das Böse verankert hat, so wie Er, der Erhabene, sagt:

„ … und (Wir) zeigten ihm die beiden Wege … „ [Koran 90. 10]

und ferner:

„ … und Er hat ihr (d. h. der Seele) ihre Sündhaftigkeit und ihre Gottesfurcht eingegeben.“ [Koran 91. 8]

Das Böse steht dem Charakter des Menschen besonders nahe, wenn man versäumt hat, auf seine Gewohnheiten achtzuhaben, und der Mensch nicht dazu erzogen worden ist, der Religion zu folgen. So verhält es sich bei der Masse der Menschen, mit Ausnahme derer, denen Allah Erfolg beschied.

Zu den Charaktereigenschaften des Bösen bei den Menschen zählen Ungerechtigkeit und Feindschaft untereinander. Denn wessen Auge auf das Hab und Gut des Nächsten fällt, dessen Hand streckt sich auch schon aus, um es zu ergreifen, es sei denn ein zügelndes Element hält ihn davor zurück, so wie es heißt:

„Ungerechtigkeit ist ein Wesenszug der Seelen. Wenn du einen tugendhaften Menschen findest, so gibt es einen Grund, warum er nicht ungerecht ist.“»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 76)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LVIII)

„Nur der führt sein Leben, der es beobachtet, denkt und in Worte faßt, die übrigen treibt das Leben vor sich her.“

„Den Menschen zu erziehen heißt, ihn an der ‚freien Entfaltung seiner Persönlichkeit‘ zu hindern.“

„Die Zukunft ist abstoßend, weil nichts den Schwachkopf hindert, dort seine Träume unterzubringen.“

Tarek Bärliner und seine inzestiöse Assoziationskraft

von Yahya ibn Rainer

Ich kam leider nicht umhin auf diesen Beitrag in der IZ aufmerksam zu werden, wurde er ja von zahlreichen Persönlichkeiten des salafi-kritischen Milieus geradezu gefeiert und somit auch zahlreich in den sozialen Netzwerken geteilt. Dieser ominöse Beitrag namens „Über die Sprache der „Internet-Salafis“ – Bruder sucht Schwester zum Heiraten“ wurde am 03.04.2015 auf der Website der Islamischen Zeitung publiziert und behandelt anscheinend ein äußerst wichtiges Thema, nämlich die in bestimmten Zusammenhängen falsch eingesetzten Possessiva bei den arabischen Worten für Bruder (Akh) und Schwester (Ukht).

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Zitat: Edmund Burke – Von bürgerlicher Freiheit

„Die Menschen sind zu bürgerlichen Freiheit genau in dem Maße befähigt wie sie bereit sind, ihren eigenen Trieben moralische Fesseln anzulegen […] Die Gesellschaft kann nicht existieren ohne daß irgendwo eine Kontrollmacht über ihre Wünsche und Triebe angesiedelt ist, und je weniger von dieser Kontrollmacht im Innern sitzt, desto mehr muß sie von außen kommen. Es liegt in der ewigen Ordnung der Dinge, daß Menschen von ungezügeltem Charakter nicht frei sein können. Ihre Leidenschaften schmieden ihre Fesseln.“

(Edmund Burke, 1729-1797, zitiert in Das Kapital am Pranger von Roland Baader, Seite 274-275)

Weitere Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

<< Vorherige Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

„Wie ganz anders urteile ich jetzt über die Türken, die ich bei meiner ersten Ankunft hier mit so lieblosen Vorurteilen betrachtete ! Mit ihren Sitten, Gewohnheiten und ihrem Charakter bin ich jetzt, ebenso wie mit ihrer Tracht, nicht allein ausgesöhnt, sondern aufrichtig befreundet ; denn ich habe Wahrheitsliebe, Rechtschaffenheit und Freundlichkeit gefunden, die achtungswertesten und liebenswürdigsten Eigenschaften, bei einem Volke, wo ich sie noch wenig erwartet hatte. […]

Der allgemeine Charakter dieses Volks ist vollständige Ergebenheit in die Vorschriften ihrer Religion. Diese bildet ebensowohl das bürgerliche wie das sittliche Gesetz, und ist, anstatt durch weltliche Geschäfte und Interessen unterbrochen, unaufhörhch mit den täghchen und stündlichen Beschäftigungen, ja mit jeder Handlung des Lebens verknüpft. Das Gebet ist bei ihnen nicht auf einen bestimmten Ort beschränkt, — und wird ebensowohl auf dem Felde und in der Kammer gehalten, wie in der Moschee. Jeder verrichtet seine Andacht, unabhängig von einer Priesterschaft (die hier nicht existiert) in vollkommener Einfalt und ohne Ostentation. Charakter, Sitten und Gebräuche, körperliche Gesundheit und das ganze Leben des Volkes scheinen durch die Religion gebildet. Ich habe den Koraan nicht gelesen, und mein Urteil über die Religion ist daher nach ihren Lehrern gebildet, die in der Tat nicht blosse Lehren zu sein scheinen. […]

Dass die Religion alle bürgerlichen Verhältnisse und Pflichten regelt, habe ich stets an den Antworten auf meine Fragen, warum dies oder jenes geschehe, bemerkt, wo die beständige Antwort war, ihre Religion befehle es ihnen. Gesetz und Religion sind eines und werden den Kindern von Jugend auf zusammen gelehrt, und bei einer Verletzung der so eingeschärften Pflichten, hat der Sultan absolute Gewalt zu strafen, und die Ausübung derselben ist sicher. […]

Der Zug im Charakter des Volkes, welcher dem Fremden, der unter ihnen verweilt, zuerst auffällt, ist Gastfreundlichkeit. Diese wurde mir von allen Ständen erwiesen, vom Pascha bis zu dem Bauer in seinem Zelte im Gebirge, — und als etwas, das sich ganz von selbst versteht, ohne den Gedanken an eine Vergeltung. Keine Frage ward getan; an einen Unterschied der Nation oder Religion, von reich oder arm, wurde nicht gedacht; sondern „speise den Fremden“ war das allgemeine Gesetz. […]

Zunächst fällt dem Reisenden die Ehrlichkeit des Volkes auf. Ich liess stets Sättel, Riemenzeug, Kochgeräte und alles, was ich nicht im Zelte brauchte, wo ich und mein Diener schliefen, draussen vor demselben, ohne die geringste Furcht, dass wir etwas verlieren könnten, obgleich hin und wieder jemand vorbeiging und neugierig mein Eigentum untersuchte; aber auch nicht ein Stück Schnur ist mir weggekommen. […]

Als ich gegen meinen Diener, einen Griechen, darüber eine Bemerkung äusserte, entschuldigte er die Ehrlichkeit der Türken, in dem er meinte, ihre Religion erlaube ihnen nicht zu stehlen. An Versuchungen zur Übertretung fehlt es keineswegs, denn die gewöhnlichen Anzüge der Frauen und Kinder sind reich mit der kurrenten Goldmünze des Landes besetzt, aber das Gesetz „Du sollst nicht stehlen!“ scheint unbedingten Gehorsam zu finden. Wahrheitsliebe, die Zwillingsschwester der Ehrlichkeit, tritt ebenfalls scharf bei ihnen hervor, und hier verteidigt der Grieche sie wieder, — das moslimsche Gesetz erlaubt nicht zu lügen; ihre Religion verbietet es. […]

Die Nationalsitte, welche es zu einem besondern Vorrechte des Sohnes macht, dem Vater aufzuwarten, flösst dem Volke von Jugend auf die Pflicht ein, ihre Eltern zu ehren. In allen Lagen und Umständen wo ich sie sah, in ihren Familien und unter Fremden, schien Liebe und Zärtlichkeit gegen einander zu herrschen. Aufrichtigkeit verscheucht allen Verdacht, und Ehrbarkeit und Biederkeit erzeugen Offenheit in allen ihren Handlungen. […]

Ihrer Religion gehorsam, welche, eben so wie das jüdische Gesetz, für Geld Zinsen zu nehmen verbietet, enthalten sie sich vieler einträglicher Gewerbe, welche mit Darlehn verbunden sind; daher kommt es, dass andere Nationen, in der Regel die Armenier, die Bankiersgeschäfte betreiben. […]

Ihre religiöse Ergebenheit gibt ihnen eine solche Unterwerfung unter den göttlichen Willen, dass man sie sogar fälschlicher Weise als Fatalisten dargestellt hat. Allein sie sind ebenso bedacht, Übel zu vermeiden, wie andere. Ich habe gesehen, dass sie alle Kräfte anwandten, um eine Feuersbrunst zu löschen; oft bin ich von ihnen um Arznei gebeten worden, und sie nehmen gern Rat, um Krankheit zu verhüten; wenn aber dem Feuer nicht Einhalt getan werden kann, so unterwerfen sie sich und sagen : „Gott ist gross !“ und wenn die Krankheit mit dem Tode endet, sei es bei einem Kinde oder den Eltern, so zeigt das kräftige Auge allein, was im Herzen vorgeht, und der Leichnam wird dem Grabe überliefert, mit der unterwürfigen Betrachtung „Gott ist gross und barmherzig. […]

Die Erlaubnis der Mehrehe, welche das muselmansche Gesetz gestattet, hat zu einer der strengsten Anklagen gegen den sittlichen Charakter ihrer Bekenner Grund gegeben. Aber obwohl das Gesetz erlaubt, mehrere Frauen zu haben, so macht doch das Volk selten Gebrauch von dieser Freiheit. In tausend Fällen habe ich den Türken in seinem Zelte mit einer Frau gesehen, der er mit eben solcher Zärtlichkeit anhing, wie ein Bauer seiner Frau in einem christlichen Lande, […]

Ehe ich dieses Volk besuchte, bildete ich mir ein, ein Zug seines Charakters sei Grausamkeit; ich habe aber sowohl in ihrer Behandlung der Tiere, als in ihrem Betragen gegen einander selbst gerade das Gegenteil gefunden. Instrumente zur Züchtigung der Lasttiere kennt man kaum. Über das Kameel erlangen sie allen Einfluss durch Freundlichkeit und Belohnungen, und der Gehorsam desselben ist vollkommen. Dem Europäer fällt es sehr auf, dass die Vögel durchaus keine Furcht haben, und dies allein reicht hin, die Osmanen von jeder Beschuldigung frei zu sprechen. […]

Dem Verbote des Weines (und aller berauschender Getränke), welches dem muselmanschen Gesetze eigentümhch ist, ist vielleicht zum grossen Teil die moralische und physische Gesundheit des Volkes zuzuschreiben. Der Unmässigkeit, welche alle jene guten Grundsätze zu Schanden machen würde, wird dadurch entgegengetreten. Die physischen Folgen dieses Gesetzes sieht man deutlich daran, dass es keine Krüppel gibt und die Türken fast keine Krankheit kennen; Zahnschmerz ist fast das einzige Übel, dem sie oft unterworfen sind. Eine der wohltätigen sittlichen Folgen der Mässigkeit zeigt sich darin, dass man bei dem Volke durchaus keine verworfene Armut findet. Ich habe keine Bettler gesehen, ausser Blinden, und einige wenige Personen, denen man die Armut ansah. Die Bedürfnisse des Volkes sind gering, und in der Regel leicht zu befriedigen, und in jedem Zelte findet man ein Mahl für den Fremden, welches Standes er auch sein mag. Ich habe nie einen Türken von Opium berauscht gesehen, und ich glaube, der Gebrauch dieses Reizmittels beschränkt sich auf die üppigen Bewohner der Hauptstadt. […]

Muss sich nicht das christliche Europa vor diesen Bekennern des falschen (?) Propheten schämen? Wären wir unserer Religion ebenso ergeben, wie die Muselmanen der ihrigen, — welch ein Himmel auf Erden würden unsere Länder sein! Der Aberglaube und gänzliche Mangel an Moralität bei den Bekennern der griechischen Kirche kann die Osmanen wohl von einem Wechsel ihrer Religion abschrecken. Die Bekenner der griechischen Kirche werden oft Anhänger des Propheten, wenn sie dabei für ihren Handel oder ihre bürgerliche Stellung Vorteile sehen; aber wohl nie kommt der Fall vor, dass ein Türke zu diesem sogenannten Christentum übertritt.“

(Sir Charles Fellows, Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien, 1853)