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Wisst ihr was ich bedenklich finde? #Trump #Medien

von Yahya ibn Rainer

Wisst ihr was ich bedenklich finde?

Muslime, die sich regelmäßig über die Medien echauffieren, weil diese falsch und einseitig über den Islam und die Muslime berichten, wenn sie beispielsweise Negatives als Usus darstellen oder Aussagen von Gelehrten/Predigern/Imamen aus dem Zusammenhang reißen, damit sie gefährlich und rückständig klingen; und wenn der betroffene Gelehrte/Prediger/Imam sich öffentlich dazu erklärt, die Aussage zurück nimmt, relativiert oder in den richtigen Zusammenhang bringt, dann wird dem keine Beachtung mehr geschenkt.

Die gleichen Muslime wiederum nehmen ALLES was ebendiese Medien über Trump, AfD und andere imaginäre und wahre Feindbilder berichten, für bare Münze, ohne auch nur in Betracht zu ziehen, dass die Medien hier mit den selben Mitteln arbeiten könnten.

Versteht mich bitte nicht falsch. Das Gros der Trumpianer, AfDler, Pegidasten und PI-maten macht genau das Gleiche. Sie schwadronieren einerseits von der Lügenpresse, wenn sie sie ins Visier nimmt, teilt aber wie berauscht ihre Beiträge, wenn darin ein Muslim als Täter auftaucht oder der Islam als gefährlich dargestellt wird.

Dies ist ein äußerst unehrlicher, ja geradezu verlogener Medienkonsum. Sicher könnte man anbringen, den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen zu wollen, aber letztendlich sind wir dadurch kein Stück besser als sie.

Speziell was Trump angeht, gibt es zahlreiche Beiträge von ihm, in denen er (von den Medien verkürzt dargestellte) Ausschnitte wieder relativierte oder in den richtigen Zusammenhang bringt. Dies wurde von den parteiischen Medien absichtlich ignoriert. Im Zeitalter des Internets jedoch, wo man durch wenige Suchbegriffe oder vordefinierte Filterblasen (und unabhängig von Presse, TV und Radio) solche Informationen kredenzt bekommt, wirkt sich diese journalistische Ignoranz genau umgekehrt aus.

Immer wenn der Gegner etwas zu verschweigen versucht, ist dies ein zusätzlicher Ansporn es als Wahrheit anzuerkennen. Trump hat auch deshalb gewonnen, weil die Leute gesehen haben, wie er über alle Gebühr dämonisiert wurde (was nicht bedeuten soll, dass er ein Engel ist).

Ich bin kein Fan der Lügenpresse-Rhetorik von Pegida, AfD & Co, aber unsere Kritik an den Medien sollte sich nicht nur an Lügen gegen Muslime & Islam festmachen. Kein gesellschaftliches Feindbild wird von den Leitstrommedien objektiv und fair behandelt, weder wir orthodoxen Muslime noch die Erzkatholiken, Evangelikalen, Nationalisten usw.

Eine Teilschuld am Hass gegen uns müssen wir uns selber geben, weil wir uns vom politischen Kulturmarxismus, Werterelativismus und Sittenverfall instrumentalisieren lassen, im Kampf gegen den wachsenden Bevölkerungsanteil, der (bis auf die Liebe zum Islam) weitaus mehr mit uns gemeinsam hat, als ihm und uns wirklich bewusst ist.

Causa #Erdogan: #Satire oder nicht?

von Yahya ibn Rainer

Dies sei vorausgeschickt:
Ich bin kein Fan von Erdogan, so wie ich generell kein Fan von Staat und willkürlicher Herrschaft bin. Jedoch bin ebenfalls nicht mit der ideologischen Brille geschlagen, mit der die zahlreichen Medien und Politiker die Causa Erdogan beurteilen.

So meldete sich am 29.03.2016 die AfD-Politikerin Beatrix von Storch mit folgendem Bild auf Facebook zu Wort:

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Man könnte ihr sicherlich zustimmen, WENN sie sich – nur 10 Tage zuvor und ebenfalls auf Facebook – nicht auf diese Weise über eine SATIRE zu ihre Person aufgeregt hätte:

vStorchWie kann man SATIRE nur als HETZE bezeichnen? Gehört sie doch zur politischen Kultur einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie.

Nun hat sie zwar damals – mangels eigener staatlicher Machtbefugnis – keinen Botschafter einberufen, aber immerhin fordert sie schon einmal, dem „Propagantainment“ den zwangsfinanzierten Geldhahn zuzudrehen, was ihr in Zukunft durchaus möglich werden könnte, da sie sich ja demokratisch um die nötige Machtfülle dazu bewirbt.

Ihre Forderung, die Zwangsfinanzierung des öffentlichen Rundfunks abzuschaffen, unterstütze ich übrigens vollkommen. Aber wie ist es um ihre freiheitlich-demokratische Kultur bestellt, wenn sie SATIRE, die per (Duden-)Definition eine Kunstgattung ist …

… «die durch Übertreibung, Ironie und beißenden Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt» …

…, bereits als VERLEUMDUNG, ANSTACHELUNG, HETZE und PROPAGANDA auffasst.

Nun, ich nehme Frau von Stroch hiermit in Schutz und gebe ihr auch hier vollkommen Recht. Was in westlichen Gefilden mittlerweile als SATIRE und KARIKATUR (getarnt) in vielen TV- und Radio-Stationen, sowie in zahlreichen Presseprodukten unter das Volk gebracht wird, ist genau das, nämlich Verleumdung, Anstachelung, Hetze und Propaganda. Und Erdogan hat das Recht, sich ebenso darüber zu echauffieren wie von Storch & Co. Nur mit dem Unterschied, dass ER (im Gegensatz zur AfD) bereits (demokratisch) die nötige Machtbefugnis erlangt hat und somit auch seinen Missfallen durch diplomatische Kanäle zum Ausdruck bringen kann/darf.

Erdogan hat nichts anderes getan, als seine verletzte Ehre – immerhin die eines hohen Volksvertreters – zum Ausdruck zu bringen. Alle Unkenrufe, die den Versuch unterstellen, in die deutsche Pressefreiheit einzugreifen, entbehren jeglicher Grundlage. Der genaue O-Ton der diplomatischen Note scheint nicht bekannt zu sein und wird von geneigten Mainstreammedien mit einem „offenbar“ oder „wahrscheinlich“ als reine Mutmaßungen präsentiert.

Im Islam, das sollte man wissen, ist die Verleumdung und Beleidigung einer Person verboten. Die Türkei ist nun einmal ein muslimisches Land und seine Bürger haben eine Ehre, die vom Recht geschützt wird. Dass diese Ehre im christlich-jüdischen Abendland keinen Wert hat, muss man tolerieren, aber man muss es nicht wortlos hinnehmen.

Und wie gehen deutsche Volksvertreter mit SATIRE um? Das musste im Juli 2005 ein Aktionskünstler erfahren. Der Kölner Stadtanzeiger schreibt dazu:

«Für Fotomontagen, die Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (beide SPD) mit Hitler-Bärten zeigen, ist ein Arbeitsloser zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den 28-Jährigen am Montag wegen Beleidigung schuldig. Der Mann selbst hatte sich als Aktionskünstler und seine im Internet veröffentlichten Werke als Satire bezeichnet. „Einen demokratisch gewählten Kanzler mit einem der schlimmsten Verbrecher und größten Schlächter der Menschheitsgeschichte gleichzusetzen, sei nicht von der Kunstfreiheit gedeckt“, urteilte hingegen Richter Sascha Daue. Schröder und Clement hatten Anzeige erstattet. […]»

Quelle: http://www.ksta.de/schroeder-bild-mit-hitler-bart-im-internet–1000-euro-geldstrafe-13686366?originalReferrer=https://www.facebook.com&originalReferrer

Ups, was ist denn das? Der böse Sultan Schrödodan …

Medien- und Behördenhetze: Sind arabische Korane für muslimische Flüchtlinge gefährlich?

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, die mildtätigen Handlungen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe öffentlich kategorisch als Missionierungs- bzw. Anwerbungsversuche anzuprangern.

Der (arabische) Koran ist für jeden praktizierenden Muslim ein ganz normaler und äußerst wichtiger Teil des religiösen Lebens. Es gibt weder einen salafistischen, noch einen sunnitischen oder schiitischen Koran.

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Fundstück: Die kritische Distanz im Journalismus schwindet

Während nach den Festnahmen zweier Muslime in Oberursel (bei Frankfurt) nicht nur zahlreiche Medien und fast alle Politiker von einem „wohl im letzten Moment vereitelten Terroranschlag in Hessen“ schwafeln, sondern auch massenhaft „Muslime“ sich mal wieder genötigt sahen, diesen Verlautbarungen zweifelsfrei zu glauben und sich im vorauseilendem Gehorsam zu distanzieren und sogenannte „Islamisten/Salafisten/Wahhabiten“ in Verantwortung zu ziehen, schaffen es manche NICHTMUSLIMISCHE Autoren – unabhängig vom allgemeingesellschaftlichen Salafismus-Bashing – objektiv zu bleiben und die allgemeingültige Unschuldsvermutung zu verteidigen.

Ich feiere solch unabhängigen und grundehrlichen Journalisten, die sich nicht zum politischen Erfüllungsgenossen machen und sich nicht vom Gesinnungsverdacht der Gesellschaft blenden lassen.

Hier ein wirklich toller Beitrag des Autoren Florian Rötzer zum Thema der schwindenden kritischen Distanz im Journalismus:

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44819/1.html?from-mobi=1

5-seitiges Interview in der aktuellen Ausgabe des Monatsmagazins eigentümlich frei

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Normalerweise meinen es die Medien nicht gut mit uns „Salafisten“, und so rate ich aus eigener Erfahrungen jedem orthodoxen Muslim davon ab, sich für Interviews o.ä. zur Verfügung zu stellen.

Interviews werden letztendlich fast immer zurecht geschnitten, damit am Ende bloß nichts übrig bleibt, was den „Salafisten“ als normalen Menschen darstellen könnte. Der Mainstream kann es sich einfach nicht erlauben, dem herrschenden Vorurteil ins Wort zu reden.

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Die „Einzelfall“-Rhetorik der Pegidaisten, ist sie euch schon aufgefallen?

Die „Einzelfall“-Rhetorik der Pegidaisten, ist sie euch schon aufgefallen?

Im PImatenstyle werden mehrheitlich Medienberichte geteilt, die Straf- oder andere Missetaten zum Inhalt haben, an denen mindestens ein Asylbewerber, Flüchtling, Ausländer oder Muslim als Täter beteiligt war, und als Kommentar dazu kommt ein provisorisches „Natürlich nur ein Einzelfall“.

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Kommentar zu einem Artikel der ZEIT: Muslime waren’s

Ich möchte gern einen kurzen Kommentar zu diesem Artikel der ZEIT abgeben:
Angst vor Rassismus-Vorwürfen darf Ermittlungen nicht lähmen

Artikel wie dieser sind ein Beleg für die vergiftete und tendenziell islamfeindliche Atmosphäre in Deutschland und Teilen Europas.

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Offener Brief an die EW-Redakteurin Anna S.: Stadtteil-Journalismus auf BILD-Niveau

Betrifft den Artikel von Frau Anna S. im Elbe Wochenblatt 30.Juli 2014

Frau Anna S.,

jede Woche bekommen wir das Elbe Wochenblatt kostenlos und frei Haus geliefert und meine ägyptische Ehefrau und ich waren bisher immer begeistert von der Qualität dieser regionalen Stadtteiljournalie. Wir leben seit über 6 Jahren (und unsere beiden Söhne 3 und 5 Jahre) in Wilhelmsburg und haben hier unseren Lebensmittelpunkt gefunden. Wir genießen förmlich das offene und vielfältige kulturelle und religiöse Klima hier und hatten bisher noch nie das Gefühl nicht willkommen zu sein.

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3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXXI)

„In einem Jahrhundert, in dem die öffentlichen Medien unbegrenzte Dummheiten unter die Leute bringen, wird der gebildete Mensch nicht an seinem Wissen erkannt, sondern an seinem Nichtwissen.“

„Die Resultate der modernen „Befreiung“ lassen uns mit Wehmut an die abgeschaffte „bürgerliche Heuchelei“ zurückdenken.“

„Die Moderne nennt „Wandel“ das immer schnellere Marschieren auf dem gleichen Weg in die gleiche Richtung.“

 

Die Political-Correctness-Keule

Die fleissigsten Schwinger der Political-Correctness-Keule, die fast jede öffentliche Mehrheitsmeinung als gutmenschlichen Mainstream verschreien und so vehement auf die grundgesetzlich verankerte Meinungsfreiheit pochen, sind zumeist nicht wirklich Vertreter einer wahren Political Incorrectness. Die meisten von ihnen pflegen lediglich eine eigene Correctness und verteidigen diese nicht selten sogar energischer und kompromissloser als es die sogenannten Gutmenschen mit der ihrigen tun.

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Zitat: Franz Rosenthal – Die religiöse Verehrung des ‹Wissens› im Islam

Den Beweggrund für den Drang nach Übernahme des fremden Wissens erklärte der deutsch-amerikanische Orientalist Franz Rosenthal im Jahre 1965 mit folgenden Worten:

«Vielleicht wären weder der praktische Utilitarismus, der den Muslimen die Bekanntschaft mit der Medizin, der Alchemie, mit den exakten Wissenschaften wünschenswert erscheinen ließ, noch der theoretische Utilitarismus, der sie veranlaßte, sich mit philosophisch-theologischen Fragen zu beschäftigen, zur Fundierung einer ausgedehnten Übersetzungstätigkeit ausreichend gewesen, wenn die Religion Muhammads nicht von Anfang an die Rolle des Wissens (‚ilm) als Haupttriebkraft des religiösen und damit des gesamten menschlichen Lebens in den Vordergrund gestellt hätte […] Ohne diese dem Islam von Haus aus eigene Zentralstellung, ja gewissermaßen religiöse Verehrung des ‹Wissens› wäre die Übersetzungstätigkeit vermutlich weniger wissenschaftlich, weniger ausgreifend gewesen und hätte sich wohl viel mehr auf das unbedingt Zwecknotwendige beschränkt, als es tatsächlich der Fall gewesen ist.»

(zitiert aus: Fuat Sezgin, Wissenschaft und Technik im Islam, Bd.1, S.5)

Die Medienkompetenz von Mainstreamverächtern und das Problem der Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten

von Yahya bin Rainer

Was haben sogenannte Islamisten, Salafisten und Jihadisten mit Islamophobikern, Muslimhassern und Abendlandsvergötterern gemeinsam?

Nun, es ist eine Eigenschaft, die sie wohl auch mit vielen Schiiten, Evangelikalen, Libertären, Neurechten, Verschwörungstheoretikern und vielen anderen Randgruppen dieser Gesellschaft gemeinsam haben. Es ist eine offen zur Schau gestellte Abneigung gegen die sogenannten Mainstreammedien.

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Auszug: Lion Edler – Journalismus

Dies ist ein Auszug aus einem Artikel des freien Journalisten Lion Edler im Monatsmagazin eigentümlich frei:

Angesichts all dessen passt […] perfekt eine Szene aus Michael Klonovskys Roman „Land der Wunder„. Die Hauptfigur Johannes Schönbach trifft dort bei einem Boulevardblatt auf den Kollegen Reger. Klonovsky lässt Reger eine Journalismusschelte sprechen, die auch in den Stein sogenannter „Qualitätsmedien“ gemeißelt gehört:

„Journalismus ist die organisierte Zerstörung der geistigen Empfänglichkeit der dem Journalismus ausgesetzten Bevölkerung. Von nichts Ahnung haben und über alles mitreden, das ist Journalismus. Das bisschen Investigative, das bisschen Schweinereiaufdecken ist angesichts der Schweinerei, die der Journalismus insgesamt verkörpert, absolut nebensächlich.“

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Von Hoaxes, Leichtgläubigkeit und dem Mediengeschäft

von Yahya ibn Rainer

Erst kürzlich mußte ich es wieder einmal anmerken, auf Facebook, als Reaktion auf diesen „muslimischen“ Coca-Cola-Hoax. (Hier eine Fatwa dazu>>)

„Zeitgenössische Muslime haben eben eine spezielle Ader für versteckte Botschaften und mystische Verschwörungen.“

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Buchauszug: Erik von Kühnelt-Leddihn – Gefährliche Halbgelehrte

„Früher einmal war die Bildungslage eine ganz andere. Da gab es sehr breite, wirklich analphabetische Massen, eine recht dünne Mittelschicht und oben eine kleine, hochgebildete Minderheit. (Daher auch der spanische Ausdruck las memorías für elitäre „Hochgruppen“.) Heute haben wir eine gewaltige Schicht aus Viertel-, Halb- und Dreiviertelgebildeten, an die sich nicht nur die Massenmedien, sondern auch die Fach- und Romanliteratur richtet.

Dieser Sachverhalt hat auch wirtschaftliche Gründe, denn ein Buch mit einer Auflage von 400 Stück wird heute nicht mehr gedruckt – außer zu horrenden Preisen oder mit Subventionen. Finanziell ist das anders nicht möglich.

Nun aber ist gerade diese Mittelschicht gefährlich und gefährdet – nicht nur politisch, sondern auch religiös. Sie ging von der Ersten in die Zweite Aufklärung, sie „glaubt, dass sie weiß“. (Der Christ weiß, dass er glaube.) Sie wird ja auch von der Demokratie aufgefordert, Urteile zu fällen, Entscheidungen zu treffen, Stimmen abzugeben, bei Volksbefragungen mitzutun.

Und die Demokratie redet ihr zudem noch ein, dass Wissen und Nichtwissen politisch „gleichberechtigt“ sind. Für zahlreiche Betätigungen sind heute behördliche Befähigungsnachweise notwendig: Man kann weder in der Schule einem Sechsjährigen das Einmaleins beibringen, im Spital einen Kranken eine Injektion verabreichen, eine Apotheke an der Straßenecke in Betrieb nehmen oder gar ein Auto aus der Garage zum Bahnhof fahren, ohne durch Prüfungen und Dokumente „qualifiziert“ zu sein.

Doch zum Wählen oder Gewähltwerden genügt die Erfüllung rein vegetativer Bedingungen: Man muss vor so und so viel Jahren geboren und immer noch am Leben sein. Sonst nichts!

Das gilt eben genau so für die Wähler als auch für die Gewählten. Das Wissen und die Erfahrung, die Wahrheitsliebe und die charakterliche Standfestigkeit der meisten Volksvertreter ragt kaum über das Mittelmaß der Wähler hinaus. Man stelle sich vor, was geschehen würde, wenn Ärzte, Ingenieure, Piloten oder Lokomotivführer in ihrem Beruf nicht sachlich besser vorbereitet wären als der durchschnittliche Mandatar. Nun, ein Arzt, der nie Medizin studiert und sein Diplom durch Sonderbeziehungen oder durch Fälscher erhalten hatte, könnte in seiner illegalen Laufbahn doch einiges Unheil anrichten, ja auch Menschenleben gefährden und vielleicht ein Dutzend oder gar einige hundert Tote auf dem Gewissen haben. Doch ein Politiker, der weltweite Entscheidungen trifft, kann nicht nur hunderte oder tausende, sondern auch Millionen Todesfälle und namenloses Elend verursachen.“

(Erik von Kühnelt-Leddihn, Konservative Weltsicht als Chance – Entlarvung von Mythen und Klischees, Seite 21-23)