Schlagwort-Archive: Christentum

Buchauszug: Karlheinz Deschner – Schwertmission und Heiliger Krieg der Kirche

„In diesen Zusammenhang gehören die Kriege, die auf Drängen, mit Beteiligung oder unter dem Kommando der Kirche geführt worden sind: die Vernichtung ganzer Völker, der Wandalen, der Goten, im Osten die unentwegte Niedermetzelung der Slawen – für die christlichen Chronisten der Karolinger und Ottonen bloß in heidnischer Finsternis befangene Verbrecher, die mit allen Mittelm, des Verrats, Betrugs, der Grausamkeit bekehrt werden mußten.

Im Hochmittelalter ist jede Glaubensbelehrung vor allem auf Streit und Kampf für Christus ausgerichtet, die Schwertmission, der «Heilige Krieg», die «nova religio», die Garantie für alles Gute, Große, Ewige, Christus, schon in den frühmittelalterlichen Hymnen als Kämpfer besungen, wird nun Heerführer , der König, der Sieger überhaupt.“

(Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums – 1. Band: Die Frühzeit, Seite 18)

Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums ist eine empfehlenswerte Lektüre für jeden, der sich ebenso unvoreigenommen mit dem Christentum auseinandersetzen möchte, wie es PImaten, Pegidasten und AfD'ler mit dem Islam tun.

Buchauszug: Murad Wilfried Hofmann – Die tatsächliche westliche Geschichte seit der Aufklärung

«Die tatsächliche westliche Geschichte seit der Aufklärung war mitnichten die Verwirklichung der Vernunft, sondern eine Serie von Unmenschlichkeiten allergrößten Ausmaßes:

Verproletatisierung ganzer Landstriche und Kinderarbeit; Sklavenhaltung und Apartheid; zwei mörderische Weltkriege; Einsatz chemischer und nuklearer Waffen; systematische, ja im Falle von Nazi-Deutschland industrielle Vernichtung von Kulaken, Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen und Geistesschwachen; bolschewistischer Staatsterror; faschistischer Chauvinismus; »ethnische Säuberungen« in Mitteleuropa, Kroatien, Bosnien und Serbien.

Für dieses singuläre Scheitern einer großen Idee, der Herrschaft der Vernunft über autonome Individuen, waren die Väter der Aufklärung nicht unmittelbar verantwortlich, etwa David Hume (1711-1776), Immanuel Kant (1727-1804), Frangois Marie Voltaire (1694-1778), Friedrich der Große (1712-1786), Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) oder Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).

Erst recht ist den Hauptanregern der Aufklärung dieser Vorwurf zu ersparen, einem Michel Montaigne (1533-1592), René Descartes (1596-1650), John Locke (1632-1704) oder Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), denn sie alle waren keine die Existenz einer Gottheit leugnenden Atheisten, sondern Deisten, die an einen einzigen, weit abwesenden Gott (deus absconditus) glaubten, wenngleich nicht an das kirchlich vermittelte Christentum und sein trinitäres Gottesbild.

Ihre eigene Gottesvorstellung beruhte nicht auf Offenbarung, sondern Naturbeobachtung und Nachdenken. Sie wollten nicht Religion als solche abschaffen, wohl aber den erstickenden Dogmatismus der Kirchen und den Obskurantismus des (aus ihrer Sicht) ungebildeten, unduldsamen, herrschsüchtigen und schmarotzenden Klerus.

In der Tat benutzten einzelne Aufklärer den Islam, um auf diesem Umweg die Befreiung von dem als unerträglich empfundenen kirchlichen Joch zu beflügeln.

Lessing tat dies 1779 auf anständige (und daher für ihn riskante) Weise mit Hilfe der Vorbildlichkeit der Muslime in seinem Theaterstück »Nathan der Weise«.2 Voltaire hingegen, dafür von Friedrich dem Großen durch die Blume gerügt, hatte dies zuvor mit seinem Drama von »Mahomet« (1742), dem »Lügenpropheten«, auf weniger anständige (und weniger riskante) Weise getan, wider besseres Wissen und zu Lasten des Islam. Er schlug den Sack (Islam) und meinte den Esel (die römische Kirche).

Schließlich hatten sich auch Kants Kritiken zunächst nicht anti-religiös, sondern nur anti-kirchlich ausgewirkt.

Mit seiner »Kritik der reinen Vernunft« (1781) hatte er nicht etwa die Nichtexistenz Gottes bewiesen (noch beweisen wollen), sondern nur die Unzuverlässigkeit jeder Metaphysik, die über Erkenntniskritik hinausgeht und damit notwendigerweise spekulativ oder – wie Ludwig Wittgenstein gesagt hätte – zum Sprachspiel wird. Ganz im Gegenteil: In seiner folgenden »Kritik der praktischen Vernunft« (1788) arbeitete Kant mit dem (für das Funktionieren der Gesellschaft notwendigen) Postulat Gottes, d.h. mit Gott als nützlicher Arbeitshypothese.

Dennoch führte die von der Aufklärung bewirkte Befreiung des Menschen von kirchlicher Bevormundung zur Marginalisierung der Religion. Das anstelle Gottes zum Maßstab aller Dinge aufsteigende und während der Französischen Revolution inthronisierte »autonome« (!) Individuum wurde in grandioser Selbstüberschätzung zum neuen Idol, da die Autonomie des Menschen als prinzipiell universell und grenzenlos gedacht war.»

(Murad Wilfried Hofmann. Der Islam im 3. Jahrtausend  Eine Religion im Aufbruch, Seite 20-21 )

Buchauszug: ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz – Die Byzantiner und ihre Religion

«[…] Wenn wir uns nunmehr den Byzantinern zuwenden, so finden wir, daß sie Ärzte, Philosophen und Astronomen sind, dass sie die Grundregeln der Musik beherrschen, die Herstellung von Waagen verstehen und es in der Bildhauerei zu höchster Vollendung gebracht haben. […] In der Baukunst gibt es keine wie sie, und im Drechseln, Tischlern und im Handwerk haben sie nicht ihresgleichen. Zudem besitzen sie ein (geoffenbartes) Buch und bilden eine Religionsgemeinschaft. […]

Und trotz all diesen Fähigkeiten sind sie der Ansicht, dass es drei Götter gibt, von denen zwei verborgen sind und nur einer sich gezeigt hat. Wie die Lampe Öl, einen Docht und einen Behälter braucht, so ist bei ihnen das Wesen Gottes (dreigeteilt).

Sie behaupten, dass ein Geschöpf zum Schöpfer geworden ist, dass ein Sklave sich zum Herrn gewandelt hat und dass ein geschaffenes (Wesen) sich in ein von Ewigkeit her bestehendes verändert hat, dass es aber danach getötet und gekreuzigt wurde, dass es verschwand und man auf sein Haupt eine Dornenkrone setzte; dann sei es nach seinem Tod wieder lebendig geworden.

Wenn er aber seinen Dienern erlaubte, ihn gefangen zu nehmen und zu fesseln, und ihnen die Gewalt gab, ihn zu töten und zu kreuzigen, so nur, damit er selbst die Leiden seiner Söhne teile und es ihnen schmackhaft mache, ihm ähnlich zu werden, auf dass sie alles (Böse), das ihnen angetan wird, für gering erachten, sie sich nicht brüsten mit ihren Taten und sich bemühen, so viel wie möglich für ihren Herrn zu tun.

Ihre Entschuldigung ist größer als ihr Vergehen. Wenn wir das, (was wir berichtet haben) nicht mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hätten, würden wir es nicht für wahr halten und nicht annehmen, dass ein Volk von Theologen, Ärzten, Astronomen, Diplomaten, Mathematikern und Leuten, die in jedem Handwerk geschickt sind, vorgibt, ein Mensch, von dem man sah, wie er aß und trank, harnte und sich entleerte, hungerte und dürstete, sich ankleidete und sich auszog, wuchs und abnahm, dann getötet und, wie sie behaupten, gekreuzigt wurde, sei ein Herr und Schöpfer, von Ewigkeit und unerschaffen, der die Lebenden sterben lässt und die Toten auferweckt.»

(ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz, [159-255 n. H.], al-Ahbar (wa-kaifa tasihh) in Lughat al-`Arab IX, S 174-180, übertragen in die deutsche Sprache von Walter W. Müller, in Arabische Geisteswelt – ausgewählte und übersetzte Texte von al-Jahiz, Artemis Verlag, ©1967, Seite 62-64)

Wieso Maultaschen auch „Herrgottbscheißerle“ heißen

von Yahya ibn Rainer

Unter dem Namen Maultaschen kennt sie fast jeder, diese schwäbische Teigware mit fleischiger Füllung. Sie gelten als die deutsche Version der italienischen Ravioli und werden nicht nur in Mitteleuropa gern kredenzt. Die wenigsten wissen jedoch weshalb sie Maultaschen heißen und dass sie in ihrem Ursprungsland, dem Schwabenländle, auch „Herrgottbscheißerle“ genannt werden.

Maultaschen heißen sie nämlich nicht, weil sie so formvollendet ins geöffnete Kauwerkzeug passen, sondern weil sie aus dem Städtchen Maulbronn stammen. Dort gibt es seit 1138 ein christliches Zisterzienser-Kloster, welches maßgeblich Anteil hatte an der Erfindung dieser deutschen Spezialität.
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Fundstück: Bischöfliche Mahnung bezüglich der Kleidung der Frauen und Jungfrauen (1925)

Für das heutige achso christliche Abendland wäre eine solche bischöfliche Mahnung ein wahrer Skandal und würde wohl für zahlreiche Kirchenaustritte sorgen.

Bischöfliche Mahnung
bezüglich der Kleidung der Frauen und
Jungfrauen

Beim Herannahen der wärmeren Jahreszeit sehe ich mich veranlaßt alle Frauen und Jungfrauen
zu bitten, aus Ehrfurcht vor Gott in dem Gotteshause stets mit bis zum Hals geschlossenen und nicht zu kurzen Aermeln versehenen Kleidern zu erscheinen. Weibliche Personen in freier Kleidung mögen der Kommunionbank fernbleiben, damit sie nicht von dem Priester bei Austeilung der hl. Kommunion übergangen werden müssen; ebenso wäre es unpassend, in solcher Kleidung den Beichtstuhl zu betreten. An die Mütter richte ich die Bitte, ihre Töchter so zu kleiden, wie es die christliche Schamhaftigkeit und Bescheidenheit verlangt.
Auch wird erwartet, daß bei Trauungen die Teilnehmerinnen am Brautzuge in einer Kleidung erscheinen, wie es die Heiligkeit der Handlung und des Gotteshauses verlangt.

Limburg, den 20. Mai 1925.

Augustinus,
Bischof von Limburg

[>>Hier das Original<<]

Auszug aus Heinrich Heines Testament

„Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konfession angehöre, wünsche ich nicht, daß die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begräbnisse eingeladen werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschaft, um mein Leichenbegängnis zu feiern.

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Weihnachten: Mitfeiern oder nicht?

von Yahya ibn Rainer

“Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind.” Die sogenannte Weihnachtszeit der Christen ist für manche von uns hier in Deutschland eine Prüfung. Speziell zu dieser Zeit lese ich vermehrt über Meinungsverschiedenheiten zwischen den hiesigen Muslimen. Darf man Weihnachten (mit-)feiern? Darf man den Christen zu diesem ihrem Feste gratulieren oder zumindest den “Frohe Weihnacht”-Wunsch erwidern?

Was machen wir Muslime an diesen 3 Tagen? Muslime als Minderheit unter Christen, das war im Laufe der muslimischen Geschichte eher die Ausnahme als die Regel, und so ist es für hier lebende Türken, Araber, Afghanen, Pakistaner usw eine neue Situation, die sich ähnlich schwer gestaltet wie für uns konvertierte Muslime. Man sucht also den richtigen Weg zwischen Ablehnung auf der einen Seite und dem Güteerweisen und redlichem Umgang auf der anderen Seite, denn beides ist uns im Umgang mit den Nichtmuslimen auferlegt.

Im Wissen darüber, dass es vor uns Muslimen – hier in Deutschland – bereits ein anderes Schriftvolk gab, das als Minderheit unter den Christen lebte und das die christliche Lehre ebenso ablehnte wie wir, veranlasste mich dazu, ein wenig zu recherchieren. Die Juden, die in Deutschland und ganz Europa schon seit knapp 2000 Jahren als Minderheit angesiedelt sind und die die Dreifaltigkeitlehre, Gottessohnschaft und Vergöttlichung von Jesus dem Messias -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- mit aller Entschiedenheit ablehnen, haben extra einen Brauch eingeführt, den sie speziell zum Zeitpunkt der christlichen “Heiligen Nacht” praktizier(t)en.

Sie nennen ihn die Nitl-Nacht (vom lat. natalis “zur Geburt gehörig”), in der sie sich mit Absicht vom Studium ihrer Schrift (der Thora) fernhalten, um sich zu ermahnen wie es wäre, wenn sie der christlichen Lehre folgen würden. Denn ein maßgeblicher Teil der christlichen Lehre ist ja, dass die Verbindlichkeit vieler Gebote und Verbote der Thora durch den angeblichen Kreuztod Jesu -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- aufgehoben wurde, da er die Sünden, die durch die Übertretung dieser Gesetze entstehen würden, auf sich genommen hat.

Zu diesem jüdischen Brauch möchte ich gern aus dem Brief eines bekannten deutschen Rabbiners zitieren, den er irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfasste:

Es dämmert … die Weihnachtsglocken tönen durch die christliche Welt. Es sind die einzigen Signale des christlichen Kultus, die auch in jüdische Häuser dringen. Denn in der Nitlnacht ruht das Studium des Gesetzes.

Für ein paar Abendstunden vergegenwärtigt sich das jüdische Volk, wie arm es ohne Thora wäre. Wie bettelarm und hilflos, wenn jene Anschauung im Rechte wäre, die im Christentum die Überwindung der jüdischen Gesetzlehre sieht und nicht die fragmentarische Weltansicht einer tausend-jährigen Übergangszeit, die auf Umwegen – langsam aber sicher – an den Fuß des Moriaberges führt.

Darum – wenn die Weihnachtsglocken tönen – horcht Jissroél nachdenklich auf – legt sein Kostbarstes bei Seite und wartet, bis sie ausgeklungen. Gäbe es Gott, daß sie nicht umsonst über die Erde klingen, und mögen sie mit mächtigem Schall das Gewissen der Völker wecken!

Selig sind, die da hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen gesättigt werden. So heißt es in der Bergpredigt. Das Recht und die Liebe – es ist endlich Zeit, das aus den toten Worten, lebendige Taten werden. Was nützt es, wenn für nichtigen Zweck die nationale Ehre geschützt, die nationale Wehrkraft vermehrt, der nationale Wohlstand gefördert wird – wenn Millionen ungesättigt nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, wenn das Alphabet jeder Menschengesittung, das Recht und die Liebe, noch immer gelehrt – vergeblich gelehrt werden muß. Hat man denn schon vergessen, daß der feierliche Schall der Weihnachtsglocken dem Geburtstag eines jüdischen Kindes gilt! – In der Nitlnacht ruht das Studium der Thora. Ausnahmsweise, nach althergebrachtem Brauch.

Dieser Brauch ist ein sinniger Brauch. Wenn sich die Enthaltsamkeit vom Lernen nur auf die Stunden einer – dieser erstreckt.
Jedoch dieser Brauch verliert jeden vernünftigen Grund, wenn die Enthaltsamkeit vom Lernen, bereits in der vorhergehenden Nacht geübt, in der folgenden Nacht fortgesetzt werden sollte – wenn auch in den übrigen Nächten des Jahres das Studium des Gesetzes ruht.

Zu den Perlen, um die uns die Vernachlässigung der Thora bringt, zählt auch die sinnige Muße der Nitlnacht. Darum klingen die Weihnachtsglocken vorwurfsvoll in so manches jüdisches Haus. O, daß sie auch uns zur Besinnung brächten!

(Aus Rabbiner Dr. Raphael BREUER „Unter seinem Banner” (1908) S.186-187 >>)

Wer diesen Brief aufmerksam liest und versteht, der erkennt die feinsinnige Mahnung, die der Rabbiner an seine Glaubensgenossen richtet. Eine Mahnung, die so ähnlich auch bei vielen Muslimen heute angebracht ist. Der Aufruf, in der Nitlnacht nicht die Thora zu studieren, ist bei genauerer Betrachtung eher eine Ermahnung, es an den anderen Tagen des Jahres (wieder) vermehrt zu tun. Und auch die Kritik an der christlichen Lehre ist höflich verpackt und mit Weisheit geschrieben.

Und vor allen Dingen: Es gibt eine klare Aussage, nämlich dass das Einzige vom “christlichen Ritus”, was “auch in jüdische Häuser” dringt, die Töne der “Weihnachtsglocken” sind. Und so ist es auch eine Mahnung an uns Muslime, denn die Juden leben bereits seit vielen Jahrhunderten als Minderheit unter den Christen und erdachten sich einzig aus dem Grunde einen Brauch, um den christlichen Ritus und die Besinnung darauf aus den jüdischen Häusern fern zu halten und eine eigene Besinnung und Ermahnung daraus zu ziehen.

Die muslimische Minderheit in diesem Lande ist gerade einmal 2-3 Generationen – sprich 50 Jahre – hier daheim und verspürt zum Teil anscheinend schon jetzt ein unbändiges Bedürfnis am christlichen Ritus, anstatt sich selbst am eigenen Ritus zu ermahnen.

Wenn es hierzulande tatsächlich eine christlich-jüdische Tradition gibt, dann nur, weil beide Seiten die ihrigen pflegten, und zum Pflegen gehört auch das Reinhalten. Der institutionelle (und somit auch politische) Antisemitismus kam, mit seiner volkszornigen und tödlichen Wucht, erst mit der sogenannten jüdischen Emanzipation und dem damit verbundenen Versuch auf, das Judentum in die christliche Mehrheitsgesellschaft zu integrieren, was einerseits zur Verwässerung der jüdischen Lehre führte und anderseits zu erkennbaren Einflüssen jüdischen Lebens in der christlichen Alltagskultur. Früher nannte man das in gewissen Kreisen “Verjudung”.

Und auch heute werden die ersten kritischen Stimmen laut, die einerseits von einer “Islamisierung” sprechen und anderseits die Befürchtung hegen, dass durch sogenannte “Integrationsbemühungen” die Islamische Lehre verwässert wird. Beide Seiten haben Recht. Die Gesellschaft muss sich vom Ideal der Gleichheit und Verschmelzung seiner Gruppen verabschieden. Man muss Fremdes wieder ablehnen und diskriminieren dürfen, wenn auch nicht (staats-)politisch, sondern privat. Vielfalt definiert sich durch Unterschiedlichkeit und Religion ist fundamental. Multikulti ist das falsche Konzept in dieser Sphäre.

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die immer gleiche Physiognomie des Orients

„Der Orient hat nun einerseits eine ganz strenge Richtung, die den metaphysischen Lehrmeinungen der Religion eine unbedingte Herrschaft zugesteht. Die Beurteilung des Handelns im Jenseits äußert eine direkte Wirkung aufs Diesseits. (Diese Beziehung wird natürlich vermittelt durch eine die Zukunft vorauswissende Gottheit.)

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Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Überlegene Toleranz (1919)

„Die Unvornehmheit des typischen buchstabengläubigen Christen beruht auf seiner plebejischen Bangigkeit. Die Gegenprobe anzustellen fällt nicht schwer: die ursprünglichen Calvinisten haben sich im selben Sinn für auserwählt gehalten, wie die Muslime, und unter ihnen sind zweifelsohne die überlegensten Typen zu finden, welche die Christenheit hervorgebracht hat. Zwar waren sie nie so vornehm, wie die Muslime; sie waren eben deshalb auch intolerant.

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Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Der Demokratismus des Islam (1919)

„Unausgesetzt beschäftigt mich das Problem, woher dem Islam seine formende Kraft kommt, die soviel größer scheint, als die aller anderen Religionen. Die Reflexion auf das extrem Demokratische mohammedanischer Verbände hat mich heute endlich, wenn ich nicht irre, auf die richtige Spur gebracht. Der Demokratismus des Islam erklärt seine Werbekraft, zumal in Indien, wo Bekehrung zu ihm die einzige Möglichkeit bezeichnet, der Kastenbestimmtheit zu entrinnen ; und hier handelt es sich um echte Gleichheit — weit mehr so, als in den Vereinigten Staaten Amerikas —, denn die Muslime gelten nicht bloß, sondern halten sich wirklich für Brüder, unbekümmert um Rasse, Vermögen und Position. Aber dieser Demokratismus ist kein Letztes ; er ist die Wirkung einer tieferliegenden Ursache, und die scheint mir den Schlüssel zu bieten zu allen Rätseln der Vorzüge des Mohammedanerglaubens. Der Islam ist die Religion absoluter Hingebung. Was Schleiermacher als Wesen aller Religiosität bezeichnete, definiert tatsächlich die des Muselmanns.

Dieser fühlt sich jederzeit in der absoluten Gewalt seines göttlichen Herrn, und zwar in dessen persönlicher Gewalt, nicht in der seiner Minister und Knechte ; er steht ihm jederzeit Auge in Auge gegenüber. Dies bedingt denn das Demokratische des Islam : in allen absoluten Monarchien herrscht bis zur Stufe des Throns der Geist der Gleichheit; von allen Ländern Europas war das Rußland von gestern das demokratischeste, weil gegenüber der absoluten Gewalt des Zaren alle Unterschiede zwischen den Untertanen geringfügig erschienen. Aber es gibt Autokratien verschiedenen Geistes; je nach der Art des Herrschers erscheinen sie stark oder schwach. So beruht die einzigartige Gestaltungskraft des Islam auf dem einzigartigen Charakter seines Gottes. Allah, weit mehr als Jehovah, weit mehr als der Christengott, verdient den Namen eines Herrn der Heerscharen ; er ist Autokrat im Sinne eines Generals, nicht eines Tyrannen. Hiermit hätte ich es denn: der Mohammedanerglaube bedeutet, als einziger der Welt, recht eigentlich militärische Disziplin. […]

Nun wird keiner bestreiten, daß die Bewußtseinsform des gutgedrillten Soldaten von allen die größte Leistungsfähigkeit sichert überall, wo es sich um Ausführen, nicht um Ausdenken handelt. Die islamische Welt stellt eine einzige Armee dar von einigem, ungebrochenem Geist. Solch‘ ein Geist schmilzt auf die Dauer alle Unterschiede ein ; er macht alle zu Kameraden. Im Islam hat er alle Rassendifferenzen eingeschmolzen. Der Ritualismus dieses Glaubens hat einen anderen Sinn, als der von Hinduismus und Katholizismus ; es handelt sich um Objektivierungen der Disziplin. Wenn die Gläubigen täglich zu bestimmten Stunden in der Moschee in Reihe und Glied ihre Gebete verrichten, alle gleichzeitig gleiche Gebärden vollführend, so geschieht dies nicht, wie im Hinduismus, als Mittel zur Selbstverwirklichung, sondern in dem Geist, in welchem der preußische Soldat vor seinem Kaiser vorbeidefiliert. Diese militärische Grundgesinnung erklärt alle wesentlichen Vorzüge des Muselmanns.“

(Hermann Graf Keyserling, Das Reisebuch eines Philosophen, 1919, Seite 179-180)

Die Geschichte von Zwangs-, Mehr- und Kinderehe im christlichen Abendland

von Yahya ibn Rainer

Wer kennt sie nicht, die Angriffe auf den Islam und seinen letzten Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – vonseiten christlicher und pseudochristlicher PImaten und PROleten, die sich gern als Retter des Abendlandes aufspielen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich in diesem Milieu die Kritik an Zwangs-, Mehr- und Kinderehe, die sie samt und sonders speziell im Islam als angelegt wissen wollen. Das glorreiche christliche Abendland – für das sie seit geraumer Zeit auch die armen Juden in Haftung nehmen – ist für sie der moralische Gegenentwurf. So schmücken sich derart gesinnte „Abendlandsretter“ im Internet dann natürlich auch gern mit Namen von großen abendländischen Rittern und Fürsten, die entweder den Einfall der Mauren nach Mitteleuropa verhinderten (wie z.B. Karl Martell) oder an den (anfangs) erfolgreichen Kreuzzügen teilnahmen (wie z.B. Richard Löwenherz).

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Von Abendland, Nationalismus und Spenglers Fellachen

„Der Bereich der Mechanei wird noch heute aus Gewohnheit „das Abendland“ genannt, obschon der Sinn dieses Wortes gerade am Geiste der Mechanei erlosch. Abendland ist seinem Begriffe nach als Gegensatz zum Morgenlande gedacht: oriens – occidens ist ein Begriffspaar, dessen Glieder nicht voneinander lösbar sind. Der Sichtpunkt, von dem aus sie gesetzt sind, ist Rom: erst das antike, dann aber das christliche Rom, das sich selbst als den Mittelpunkt der Christenheit sieht. Durch den Einbruch des Islams in den Mittelmeerbereich und die Aufspaltung der Mittelmeerwelt in Ost und West war Rom gezwungen, Anlehnung nach Norden, nämlich an das damalige Frankenreich zu gewinnen, eine Entwicklung, die zu einem Gemeinschaftsbewußtsein des „christlichen Abendlandes“ geführt hat, dessen Christlichkeit von diesem Begriffe nicht abzutrennen ist. Das Abendland setzt sich darin bewußt vom Morgenlande ab, dessen Inbegriff erst Byzanz und – seit der Kreuzzugspropaganda – mehr und mehr die Welt des Islams war.

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Die Arabische Nation

„Gegen unseren Ansatz, das arabische Geschichtsbewußtsein sehe den Beginn der arabischen Geschichte in der Entstehung des Islams, läßt sich natürlich einwenden, daß es Christen „arabischer Nation“ gibt, daß diese Nichtmuslime sich (heute) durchaus als Araber fühlen und von den Muslimen (unter Gesichtspunkten heutiger Politik) als Araber anerkannt werden. Wird der Begriff Nation im westlichen Sinne verstanden, so ist das richtig. Ein Teil dieser Christen stammt aus alten, geschichtsbewußten Familien, die auf vorislamische Zeit zurückschauen. Das gibt manchen von ihnen gegenüber den islamischen Nachbarn ein besonderes Bewußtsein von Überlegenheit, das sich gleichsam auf ein Erstgeburtsrecht des Christentums gegenüber dem Islam beruft.

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