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Zitat: Wael B. Hallaq – Es gab nie einen islamischen Staat …

«Es gab nie einen islamischen Staat. Der Staat ist modern und mit modern meine ich nicht eine besondere zeitliche Einheit an irgendeinen Punkt auf der Chronik der Menschheitsgeschichte. Das Moderne ist eine spezifische Struktur von Beziehungen, welche sich als ein einzigartiges Phänomen auszeichnet. Sie stellt eine besondere Qualität dar.

Aus diesem Grund stellt der Gebrauch des Begriffs “ Islamischer Staat“ – im Sinne einer Entität, die in der Geschichte bereits existierte – nicht nur ein Frönen in anachronistischem Denken dar, sondern verkennt auch die strukturellen und qualitativen Unterschiede zwischen dem modernen Staat und seinen „Vorgängern“, insbesondere im Vergleich mit dem, was ich als „islamische Herrschaftsform“ bezeichne.»

(Wael B. Hallaq, The Impossible State – Islam, Politics, and Modernity’s Moral Predicament, Seite 48)

Zitat: Murad Wilfried Hofmann – Die natürliche „Pflichtversicherung“

«In der Tat: In der muslimischen Welt – ob reich oder arm – ist die Familie noch das soziale Netz, das sie im Okzident einmal gewesen war, bevor der Staat sie dieser Funktion durch Kranken-, Arbeitslosen-, Unfall-, Renten- und Pflegeversicherung praktisch enthob. In der muslimischen Familie wird weiterhin gemeinsam gelebt, gegessen, gebetet, gefeiert, getrauert und gestorben – und das ohne kollektivistische Unterdrückung von Individualität. Bunte Vögel haben ihre Familiennische, und der muslimische Familienverband fördert gezielt individuelle Begabungen, zum Beispiel durch Finanzierung von Studien im Ausland.»

 – Murad Wilfried Hofmann
in Der Islam im 3. Jahrtausend  Eine Religion im Aufbruch

Zitat: Ibn Hazm – Was NICHT zu den Pflichten der Ehefrau gehört

«Es obliegt der Frau grundsätzlich überhaupt nicht, ihrem Mann mit irgendetwas zu dienen, weder mit Teigkneten, noch mit Kochen, Einrichtung, Fegen, Spinnen, Weben oder mit sonst irgendetwas. Wenn sie es aber tut, so ist es besser für sie. Dem Mann obliegt es hingegen, sie mit fertig genähter Kleidung und fertig gekochtem Essen zu versorgen. Sie hat lediglich einen guten Umgang mit ihm zu pflegen, nicht freiwillig ohne seine Erlaubnis zu fasten, während er zugegen ist, niemanden in sein Haus zu lassen, den er nicht mag, sich nicht zu verweigern, wenn er nach ihr verlangt und das zu behüten, was er an Vermögen bei ihr gelassen hat.»

 – Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.) in Al-Muhallaa

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Zitat: Ibn Hazm – Über Zölle, Mehrwertsteuer und andere Handelsabgaben

«Es besteht Konsens darüber, dass die Zollposten auf den Wegen und an den Toren der Städte, sowie das, was auf den Märkten an Abgaben auf die von Händlern und Vorbeikommenden herbeigeschafften Waren erhoben wird, gewaltiges Unrecht, Sünde und Frevel ist.»

 – Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.) in Maraatib al-Ijmaa

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Zitat: Abd al-Qadir al-Jilani – Das Verlangen nach Versorgung kommt von Allah

«Wenn Er (Allāh) dir also etwas von deinem Anteil zukommen lassen will, welchen du erlangen sollst und es als Versorgung keinem zukommen soll außer dir, dann lässt Er in dir ein Verlangen entstehen und führt dich anschließend dahin.»

 – Abd al-Qadir al-Jilani (gest. 561 n.H.)

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an die "Stimme der Gelehrten".
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Zitat: Ibn al-Qayyim – Händler sind für die Schöpfung, was Fische für das Meer sind

«Die Schöpfung ist [wie] das Meer: Die Gelehrten sind dessen Perlen [Schmuck], die Asketen dessen Ambra [Parfüm], die Händler dessen Fische [Nutzen], die Übeltäter deren Krokodile und die Unwissenden der Schaum auf dessen Oberfläche.»

 – Ibn Qayyim al-Jawziyyah (gest. 751 n.H.)

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung und Unterstützung - geht raus an den Bruder Behzad Zibari.
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At-Tibi: Zeit und Timing sind wie das Kapital eines Geschäftsmannes

Der Universal-Gelehrte Sharaf ad-Din at-Tibi (auch: at-Tayyibi / gest. 743 n.H.) sagte:

«Zeit und Timing sind wie das Kapital eines Geschäftsmannes: Je mehr Kapital er hat, umso höher kann der Profit werden. Wenn also jemand seine Lebenszeit nutzt um seine Taten zu verbessern, wird er Erfolg haben. Wenn er allerdings sein Kapital vergeudet, wird er nie irgendeinen Profit erzielen.»

(Quelle: Facebookseite von Sheikh Muhammad Al-Munajjid, übersetzt von Yahya ibn Rainer)

Yahya ibn Mu´adh: In der Sprache der Ökonomie, aber mit Bezug zum Jenseits

Yahya ibn Mu´adh (gest. 258 n.H.) sagte:

«Gottesdienst ist wie das Betreiben eines Gewerbes;

  • sein Betrieb/Laden ist die Abgeschiedenheit (des Gottesdienstes),
  • sein Kapital ist das Bestreben die Sunnah zu erfüllen
  • und der Profit liegt in der Erlangung des Paradieses.»

(Quelle: Facebookseite von Sheikh Muhammad Al-Munajjid, übersetzt von Yahya Ibn Rainer)

Zitat: Ibn al-Qayyim – Reichtum und Armut sind eine Prüfung Allahs

«Allah, der Allmächtige, ist der Schöpfer von Überfluss und Not, ebenso wie Er der Schöpfer aller anderer Dinge ist. Reichtum und Armut wurden von Ihm erschaffen, um seine Knechte darauf zu prüfen, wer die besseren Taten vollbringt. Er liefert beide einer Prüfung von Gehorsam und Ungehorsam aus, um zu belohnen oder zu bestrafen.

Deshalb sagt Er: „Und Wir prüfen euch mit Schlechtem und Gutem als Versuchung. Und zu Uns werdet ihr zurückgebracht.“ (Quran 21:35). Manchmal prüft Er einen Mann, indem Er ihm reichlich Wohlstand beschert und manchmal indem Er ihm die Mittel zum Lebensunterhalt schmälert.»

(Ibn al-Qayyim – `Uddat al-Sabirin, Beirut: Dar al-Afaq al-Jadidah, 1978, Seite 162, zitiert aus Economic Thought of Ibn al-Qayyim von Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, übersetzt von Yahya ibn Rainer)

#Erdogan #Todesstrafe #Aufklärung #Abendland

von Yahya ibn Rainer

Da sich momentan viele aufgeklärte Europäer (und mit der Aufklärung infizierte Orientale) über die Ankündigung Erdogans erregen, er wolle ggf. die Todesstrafe wieder einführen, möchte ich zum Thema gern einmal einen Vordenker der abendländischen Aufklärung zu Wort kommen lassen:

locke

*John Locke war ein einflussreicher englischer Philosoph und Vordenker der Aufklärung. Locke gilt allgemein als Vater des Liberalismus und als einer der bedeutendsten Vertragstheoretiker im frühen Zeitalter der Aufklärung.

«Unter politischer Gewalt also verstehe ich ein Recht, Gesetze zu geben mit Todesstrafe und folglich allen geringeren Strafen, zur Regelung und Erhaltung des Eigentums, und die Macht der Gemeinschaft zu gebrauchen, um diese Gesetze zu vollziehen und das Gemeinwesen gegen Schädigung von außen zu schützen, und alles dies allein für das öffentliche Wohl.»

(*John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung, 1. Kapitel, Punkt 3)

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«Der Mensch wird, wie nachgewiesen worden ist, mit einem Rechtsanspruch auf vollkommene Freiheit und unbeschränkten Genuß aller Rechte und Privilegien des Naturrechts, in gleichem Verhältnis wie jeder andere Mensch oder eine Menge von Menschen geboren.

Dadurch hat er von Natur eine Gewalt, nicht allein sein Eigentum, d. h. Leben, Freiheit und Besitz gegen die Schädigungen und Angriffe anderer zu schützen, sondern auch über jede Verletzung dieses Rechtes durch andere zu richten und sie so zu bestrafen, wie es nach seiner Überzeugung das Vergehen verdient, sogar mit dem Tod, wenn es sich um Verbrechen handelt, deren Abscheulichkeit nach seiner Meinung die Todesstrafe erfordert.»

(*John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung, 7. Kapitel, Punkt 87)

Zitat: Ibn Taymiyya – Eigentumsrecht

«Individuen verfügen über ihr Eigentum, niemand kann es ihnen nehmen, weder komplett noch teilweise, ohne eine (gültige) Vereinbarung und ihre volle Zustimmung.¹ […] jemanden zu zwingen, etwas zu verkaufen – während er rechtlich nicht verpflichtet ist zu verkaufen – oder (jemanden zu zwingen) etwas nicht tun zu dürfen – wozu er rechtlich die Erlaubnis hätte – ist Unrecht; und Ungerechtigkeit ist eine (Form der) Unterdrückung die verboten ist.²»

¹ Ibn Taymiyah, Majmu‘ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad Ibn Taimiyah, Vol. 29, Band 29, Seite 522

² Ibn Taymiyah, Majmu‘ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad Ibn Taimiyah, Vol. 29, Band 29, Seite 521

Zwei muslimische Gelehrtenstimmen zu Steuern und zu ihrer Hinterziehung

«[…] Wenn der Staat jedoch andere Steuern als die Zakah (Almosenabgabe) von den Einwohnern nimmt und sie für Verschwendung, Unheil, Unterhaltung, Ablenkung und Verbotenes ausgibt und sie nicht zu den in der Scharia vorgesehenen Stellen leitet, wie z.B. den rechtmäßigen Empfängern der Zakah (den Bedürftigen), dann ist es erlaubt das Vermögen oder den Gewinn zu verbergen, damit man ihnen nicht unrechtmäßig Vermögen zahlt und ihnen so dabei hilft verbotene Taten zu begehen. Und Allah ta’ala sagte: „Und helft euch nicht gegenseitig in der Sünde und Feindseligkeit“»

 – Sheikh Abdullah Ibn Jibrin

«[…] Und der Grundsatz im Auferlegen von Steuern ist, dass es verboten ist, vielmehr ist es sogar von den großen Sünden. Und demjenigen, der Steuern erlässt, wurde angedroht, dass er das Paradies nicht betreten wird. Und in der prophetischen Sunnah wird darauf hingedeutet, dass die Steuer eine größere Sünde als Zina (Unzucht) ist.»

 – Sheikh Muhammad Salih al-Munajjid

(Quelle: https://islamqa.info/ar/130920)

WICHTIG: Dies ist kein Aufruf zur Steuerhinterziehung, sondern nur die Darstellung zweier Gelehrtenmeinungen im Islam. Ich vertrete vielmehr die Ansicht, dass man im Rahmen der hiesigen Gesetze als Muslim zwar Steuerzahlungen vermeiden sollte (wo es nur geht), aber jede Form des kategorischen Steuerhinterzugs halte ich für taktisch falsch, da es strafbar ist und somit dem Ruf der Muslime und des Islams schaden kann.

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung und Unterstützung - geht raus an die Brüder der avantgardistischen Telegram-Gruppe "Ökonomie und Gesellschaft".