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Zitat: Jacob Burckardt – Wer geistig reich werden will

„Für den, welcher wirklich lernen, d.h. geistig reich werden will, kann nämlich eine einzige glücklich gewählte Quelle das unendlich Viele gewissermaßen ersetzen, indem er durch eine einfache Funktion seines Geistes das Allgemeine im einzelnen findet und empfindet.
Es schadet nichts, wenn der Anfänger das Allgemeine auch wohl für ein Besonderes, das sich von selbst Verstehende für etwas Charakteristisches, das Individuelle für ein Allgemeines hält; alles korrigiert sich bei weiterem Studium, ja schon das Hinzuziehen einer zweiten Quelle erlaubt ihm durch Vergleichung des Ähnlichen und des Kontrastierens bereits Schlüsse, die ihm zwanzig Folianten nicht reichlicher gewähren.
Aber man muss auch suchen und finden wollen, und bisogna saper leggere (De Boni). Man muss glauben, dass in allem Schutt Edelsteine der Erkenntnis vergraben liegen, sei es von allgemeinem Wert, sei es von individuellem für uns; eine einzelne Zeile in einem vielleicht sonst wertlosen Autor kann dazu bestimmt sein, dass uns ein Licht aufgehe, welches für unsere ganze Entwicklung bestimmend ist.“
-Jacob Burckardt (Weltgeschichtliche Betrachtungen, S.20f.)

Zitat: Murad Wilfried Hofmann – Soziologie als moderne Ideologie

„Diese Soziologie gibt sich unideologisch, ja ideologiefeindlich. Dabei ist sie ein Glaube, der sich als Wissenschaft maskiert. Oder ist es nicht ideologisch, wenn ich die philosophisch-theologischen Grundfragen allen menschlichen Daseins, zu allen Zeiten, zustellen verbiete, indem ich sie lächerlich mache? Ist nicht diese von der Soziologie inspirierte amerikanische Pädagogik der Gleichmacherei auf dem niedrigsten gemeinsamen Nenner in hohem Maße Ausdruck einer Weltanschauung?“

-Murad Wilfried Hofmann (Tagebuch eines deutschen Muslims, S.21)

Zitat: Horkheimer & Adorno – Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen

«Der Mythos geht in die Aufklärung über und die Natur in bloße Objektivität. Die Menschen bezahlen die Vermehrung ihrer Macht mit der Entfremdung von dem, worüber sie die Macht ausüben. Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann.»

 – Max Horkheimer & Theodor W. Adorno (Dialektik der Aufklärung)

Zitat: Horkheimer & Adorno – Die Wut entlädt sich auf den, der auffällt ohne Schutz

«Erst die Blindheit des Antisemitismus, seine Intentionslosigkeit, verleiht der Erklärung, er sei ein Ventil, ihr Maß an Wahrheit. Die Wut entlädt sich auf den, der auffällt ohne Schutz. Und wie die Opfer untereinander auswechselbar sind, je nach der Konstellation: Vagabunden, Juden, Protestanten, Katholiken, kann jedes von ihnen anstelle der Mörder treten, in derselben blinden Lust des Totschlags, sobald es als die Norm sich mächtig fühlt. Es gibt keinen genuinen Antisemitismus, gewiß keine geborenen Antisemiten.»

– Max Horkheimer & Theodor W. Adorno (Dialektik der Aufklärung)

Zitat: Asfa-Wossen Asserate – Manieren (II)

„Gerade unter diesem Aspekt der Manieren ist Toleranz in religiösen Fragen niemals ein Recht, auf das der Nichtreligiöse pochen darf, sondern eine beträchtliche moralische Leistung, die mit Dankbarkeit quittiert zu werden verdient. Vielmehr hat die Hindu- oder Muslim- oder Sikh-Gemeinschaft, die Andersgläubigen den Zutritt zu ihren heiligen Stätten verbietet, ein Recht zu einem solchen Ausschluß, und keine kunsthistorischen Interessen und kein Bildungsbedürfnis des kamerabewehrten Weltreisenden können diesem Recht etwas abhandeln.[…] Wer Religion ernst nimmt, wird daran nichts auszusetzen finden, und wer es nicht tut, hat keine andere Behandlung verdient.“

– Asfa-Wossen Asserate (Manieren, S.112f.)

Zitat: Muhammad Abdul Wahid al-Hanbali – Wenn das Kapitel Wirtschaft/Handel beginnt, herrscht totale Stille

«Wann immer ich Fiqh (gemäß der hanbalitischen Rechtsschule) lehre, gibt es einige Einzelpersonen, die andauernd (diejenigen) Urteile hinterfragen, die dem widersprechen was sie bisher zu praktizieren pflegten. Dies passiert zuhauf in den Kapiteln der Reinheit und des Gebets, und vielleicht ein bisschen beim Fasten und ein bisschen weniger noch bei Zakah und Hajj.

Aber in dem Moment wenn das Kapitel Wirtschaft/Handel beginnt, herrscht totale Stille. Weil sie keinerlei Ahnung haben, akzeptieren sie alles was du sagst. Und dies ist so, weil sie nie weiter als Reinheit und Gebet und allerhöchstens Hajj gekommen sind.

Ähnlich ist es, wenn der Imam einen Fehler im Juz `Amma macht und jedermann bereit ist ihn zu korrigieren. Aber für den Rest des Qurans schweigen die Leute.

Also denke nicht, dass derjenige, der viel ablehnt oder kritisiert, dies aus Kenntnis tut. Vielmehr ist es so, dass sie nur wenige Kenntnisse haben, und dies ist das einzige was sie wissen und sie nutzen nur die Chance dies zu zeigen.»

Shaykh Muhammad Abdul Wahid al-Hanbali

Zitat: Asfa-Wossen Asserate – Manieren

„Wer einer Religion anhängt, tut dies im besten Fall, weil er von ihrer Wahrheit durchdrungen ist. Wer dieser Religion nicht folgt, muß sich also im Irrtum befinden. Wir machen es uns mit unserer inzwischen allgemeingültig gewordenen Auffassung des Begriffs der Toleranz etwas zu leicht, wenn wir diese Tugend als Konsequenz eines mild auf- und abgeklärten Indifferentismus pflegen. Ihre Stärke entfaltet die Duldsamkeit erst, wenn sie gegenüber dem als zutiefst irrig und falsch Erkannten geübt wird.“

 – Asfa-Wossen Asserate (Manieren, S.112)

Zitat: Ali Pasha Mubarak über den Trickle-Down-Effekt

«Denn so wie die Reichen sich sehr anstrengen um viel Gewinn zu erzielen, so haben auch die Armen ihre Manieren ihr Brot zu verdienen und ihren Vergnügungen nachzugehen, je nach ihrer Situation.

Die Armen entsprechen in jeder Stadt ja immer den Reichen. Je größer die Stadt wird und je reicher die Reichen, nehmen auch die Existenzmöglichkeiten der Armen zu, denn indem sie überall Stellen haben und Dienste leisten, können sie mehrere Sachen zu gleicher Zeit verfolgen, was man nur sieht wenn man gut darauf acht gibt.»

– Ali Pasha Mubarak (gest. 1310 n.H.),
in seinem Buch ‚Alam ad-Dīn

Quelle: https://lesewerkarabisch.wordpress.com/2017/12/14/ali-mubarak-und-das-trickle-down-effekt

Zitat: Prof. Dr. Gustav Kafka über die negative Auswirkung einer finanziellen Arbeitslosenunterstützung (1949)

„Es ist hier natürlich nicht der Ort, konkrete Vorschläge zur Arbeitsbeschaffung zu machen; nur darauf muß hingewiesen werden, daß Arbeitslosenunterstützung ein sehr mangelhafter Ersatz für Arbeitsbeschaffung ist, weil sie in dem Unterstützungsempfänger eine geistige Einstellung erzeugt, die sich zum Bezug von Geld oder Gütern ohne eigene Gegenleistung für berechtigt hält.

Mit bedenklichen Folgen dieser Einstellung auf die Arbeitsmoral sind durch die Erfahrungen aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zur Genüge bestätigt worden.“

(Gustav Kafka, Freiheit und Anarchie, ©1949, Seite 35)

Zitat: Murad Wilfried Hofmann – Islamische Emanzipation der Frau

«Es trifft zu, daß islamische Kleidung ihren Trägerinnen eine Würde verleihen kann, wie man sie im Westen mit langem Abendkleid verbindet. Dies – und die starke Position der Muslima in der Familie – bedeutet jedoch noch nicht, daß die Frau in muslimischen Ländern die Rolle einnimmt, die Koran und Sunna für sie vorgesehen haben. Man müßte blind sein zu übersehen, daß viele Frauen in der muslimischen Welt ihre islamische Emanzipation noch vor sich haben. Diese Welt ist mehr als ihr guttut Männerwelt geblieben.»

– Murad Wilfried Hofmann (geb. 1931),
ehemaliger Informationsdirektor der NATO und ehemaliger Deutscher Botschafter in Algerien und Marokko, Muslim seit 1980

Zitat: Ludwig Ferdinand Clauß – Ein Beamter mit einem selbständigen Gewissen ist so etwas wie ein rundes Viereck

«In den Staat gehören Leute, die nicht nur wissen, was gespielt wird, sondern demgemäß das Spiel auch rechtzeitig Mitmachen. Ein Beamter mit einem selbständigen Gewissen ist, von hier aus gesehen, so etwas wie ein rundes Viereck.»

– Ludwig Ferdinand Clauß (gest. 1974 / rahimahuAllah)

Zitat: Wael B. Hallaq – Es gab nie einen islamischen Staat …

«Es gab nie einen islamischen Staat. Der Staat ist modern und mit modern meine ich nicht eine besondere zeitliche Einheit an irgendeinen Punkt auf der Chronik der Menschheitsgeschichte. Das Moderne ist eine spezifische Struktur von Beziehungen, welche sich als ein einzigartiges Phänomen auszeichnet. Sie stellt eine besondere Qualität dar.

Aus diesem Grund stellt der Gebrauch des Begriffs “ Islamischer Staat“ – im Sinne einer Entität, die in der Geschichte bereits existierte – nicht nur ein Frönen in anachronistischem Denken dar, sondern verkennt auch die strukturellen und qualitativen Unterschiede zwischen dem modernen Staat und seinen „Vorgängern“, insbesondere im Vergleich mit dem, was ich als „islamische Herrschaftsform“ bezeichne.»

(Wael B. Hallaq, The Impossible State – Islam, Politics, and Modernity’s Moral Predicament, Seite 48)