Schlagwort-Archive: Tugend

Zitat: Asfa-Wossen Asserate – Manieren (II)

„Gerade unter diesem Aspekt der Manieren ist Toleranz in religiösen Fragen niemals ein Recht, auf das der Nichtreligiöse pochen darf, sondern eine beträchtliche moralische Leistung, die mit Dankbarkeit quittiert zu werden verdient. Vielmehr hat die Hindu- oder Muslim- oder Sikh-Gemeinschaft, die Andersgläubigen den Zutritt zu ihren heiligen Stätten verbietet, ein Recht zu einem solchen Ausschluß, und keine kunsthistorischen Interessen und kein Bildungsbedürfnis des kamerabewehrten Weltreisenden können diesem Recht etwas abhandeln.[…] Wer Religion ernst nimmt, wird daran nichts auszusetzen finden, und wer es nicht tut, hat keine andere Behandlung verdient.“

– Asfa-Wossen Asserate (Manieren, S.112f.)

Zitat: Asfa-Wossen Asserate – Manieren

„Wer einer Religion anhängt, tut dies im besten Fall, weil er von ihrer Wahrheit durchdrungen ist. Wer dieser Religion nicht folgt, muß sich also im Irrtum befinden. Wir machen es uns mit unserer inzwischen allgemeingültig gewordenen Auffassung des Begriffs der Toleranz etwas zu leicht, wenn wir diese Tugend als Konsequenz eines mild auf- und abgeklärten Indifferentismus pflegen. Ihre Stärke entfaltet die Duldsamkeit erst, wenn sie gegenüber dem als zutiefst irrig und falsch Erkannten geübt wird.“

 – Asfa-Wossen Asserate (Manieren, S.112)

Wenn Deutsche ständig meckern, murren und lamentieren

von Yahya ibn Rainer

Das häufige Meckern, Murren und Lamentieren im kleinen Kreis (z.B. unter Gleichgesinnten) oder für-sich allein, ist eine bekannte Eigenart des allgemeinen Deutschen. Man kann es nervig finden und kleinkariert, aber es erfüllt einen gewissen Zweck.

Für uns Deutsche – im protestantischen Norden etwas mehr, im katholischen Süden etwas weniger – ist Zurückhaltung eine wichtige, ja geradezu angeborene Tugend. Man ist nicht gern laut, versucht möglichst Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen und scheut den offenen Konflikt.

Allerdings kann auch der allgemeine Deutsche das Leben in der Gemeinschaft nicht entbehren und stößt deshalb, besonders in der Großstadt recht häufig, auch auf Mitmenschen, die diese Tugenden nicht (mehr) im wünschenswerten Umfang beherrschen oder gar mit einer komplett anderen Wesensart geschlagen sind.

Dort ist man dann mit Menschen konfrontiert, die laut(er) sind, in gewissen Situationen keine Rücksicht nehmen, bestimmte Normen nicht einhalten, und dies alles womöglich noch in einer fremden Sprache und im Grenzfall sogar höchst temperamentvoll (oder aggressiv). Das ringt einem Deutschen, egal wie viel Zurückhaltung er auch zu wahren versucht, viel Disziplin ab und erzeugt einen gewissen Rückstau an Emotionen.

Und da auch wir keine Maschinen sind, sondern empfindungsfähige Geschöpfe, brauchen diese aufgestauten Emotionen ein Ventil. Manchen, wirklich disziplinierten Deutschen, reicht dabei ein leichtes Kopfschütteln, ein dezentes Augenrollen oder ein leises Schnalzen mit der Zunge. Andere jedoch müssen etwas mehr tun, um den Druck abzuführen. Sie meckern, murren und lamentieren dann, allerdings erst, wenn sie allein sind oder im Kreise Gleichgesinnter.

Ist der Mitteilungsdruck einmal besonders groß, dann nimmt man sogar in Kauf, dass umstehende Fremde Kenntnis vom eigenen Unmut nehmen, wobei man allerdings niemals jemanden persönlich anspricht, sondern einen gepflegten Monolog führt.

Im Zeitalter des Internets und der sozialen Netzwerke droht diese persönliche Zurückhaltung jedoch ein Ventil gefunden zu haben, das zu purer Enthemmung führt. Der allgemeine Deutsche übt zwar immer noch seine Zurückhaltung im öffentlichen Raum, jedoch entlädt er nun seinen Frust (meist anonym) auf Facebook und Twitter. Dort findet er nicht nur haufenweise Gleichgesinnte, sondern auch politische Agitatoren, die dem deutschen Meckerhannes eine große Plattform bieten und seinen Frust geschickt als Propaganda nutzen.

Was früher ein Garant für ein friedliches und zivilisiertes Zusammenleben war, ist heute zu einer schlimmen Waffe verkommen, die den gesellschaftlichen Frieden gefährdet. Die so kostbare Zurückhaltung führt den gesellschaftlichen Zustand in der realen Welt vollkommen ad absurdum, wenn man im Vergleich dazu die enthemmte Frustration der digitalen Welt betrachtet.

Zwei Dinge sind meines Erachtens wichtig, damit sich dieser Zustand wieder etwas entspannt.

  1. Die Menschen müssen wieder lernen sich in Zurückhaltung zu üben. Ich weiß, dass das Gerede von Integration einigen schon aus dem Halse heraushängt, aber in dieser Sache sehe ich eine Bringschuld bei all denen, die dem deutschen Wesen gegenüber eher abgeneigt sind (was nicht nur Ausländer sein müssen, sondern häufig auch sehr eigensinnige oder linke Individualisten).
  2. Lasst die Nazi-Keule mal häufiger stecken. Es ist einfach ein Fakt, dass meckernde Deutsche, besonders wenn sie sich über Ausländer beschweren (was ja nicht per se immer zu Unrecht sein muss), gern als Nazis, Rassisten oder ähnliches beschimpft werden. Das kann wirklich sehr frustrierend sein und trägt letztendlich nicht zu einer Besserung des Verhältnisses bei.

Ich, für meinen Teil, zelebriere meine Zurückhaltung geradezu. Ich empfinde es sogar als äußerst befriedigend, mit nahezu uneingeschränkter Ruhe und Empathie den öffentlichen Raum zu durchschreiten und möglichst niemandem zur Last zu fallen. Probiert es einfach mal aus und euch wird gewahr, dass sogar der kleinkarierteste Meckerhannes in der Lage sein wird, euch ein zufriedenes Lächeln zu schenken.

Die zeitgenössischen Verteidiger des Tasawwuf im Internet

von Yahya ibn Rainer

Viele zeitgenössische Verteidiger des Tasawwuf (die wir fälschlicherweise bisher immer als „Sufis“ bezeichneten), nehmen mehr und mehr die Unsitten unerzogener „Jungsalafisten“ an, die sie eigentlich vorgeben, wegen eben dieser Unsitten und schlechten Charakterzüge, abzulehnen.

Die sozialen Netzwerke sind voll mit Muslimen, die mit ihren Turban-Profilbildern und Sufi-Sheikh-Zitaten den Eindruck erwecken, sie wären auf dem Weg des Tasawwuf, der ihre Herzen reinigt, ihr Nafs bändigt und ihre Zungen zügelt.

Was ich aber häufig an Beiträgen und Kommentaren lese, ist nichts anderes, als das Spiegelbild eines unerzogenen „Jungsalafisten“ im Sufigewandt. Ein Spiegelbild, welches sich in Beleidigungen und Schmähungen ebenso ergeht, wie in Belustigungen und Provokationen.

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Buchauszug: Ibn Khaldun – Das Böse steht dem Charakter des Menschen besonders nahe

«Wisse, dass Allah – gepriesen sei er – in der Natur der Menschen das Gute wie das Böse verankert hat, so wie Er, der Erhabene, sagt:

„ … und (Wir) zeigten ihm die beiden Wege … „ [Koran 90. 10]

und ferner:

„ … und Er hat ihr (d. h. der Seele) ihre Sündhaftigkeit und ihre Gottesfurcht eingegeben.“ [Koran 91. 8]

Das Böse steht dem Charakter des Menschen besonders nahe, wenn man versäumt hat, auf seine Gewohnheiten achtzuhaben, und der Mensch nicht dazu erzogen worden ist, der Religion zu folgen. So verhält es sich bei der Masse der Menschen, mit Ausnahme derer, denen Allah Erfolg beschied.

Zu den Charaktereigenschaften des Bösen bei den Menschen zählen Ungerechtigkeit und Feindschaft untereinander. Denn wessen Auge auf das Hab und Gut des Nächsten fällt, dessen Hand streckt sich auch schon aus, um es zu ergreifen, es sei denn ein zügelndes Element hält ihn davor zurück, so wie es heißt:

„Ungerechtigkeit ist ein Wesenszug der Seelen. Wenn du einen tugendhaften Menschen findest, so gibt es einen Grund, warum er nicht ungerecht ist.“»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 76)

Ich bin Muslim, der Islam ist perfekt, ich nicht …

von Yahya ibn Rainer

Das ist wirklich ein sehr schöner Spruch, der hier im Netz seine Verbreitung findet.

»Ich bin Muslim, der Islam ist perfekt, ich nicht.
Wenn ich Fehler mache, dann gebt mir die Schuld, nicht dem Islam.«

Leider weiß ich nicht, welchen Urheber diese Weisheit hat, aber mit dem Inhalt kann sich sicherlich jeder Muslim anfreunden. Mich motivierte dieser Sinnspruch zu einer weiterführenden Überlegung.

Es müsste für einen Muslim eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Islam perfekt (also frei von Mängeln und Fehlern) ist, immerhin kommt er – unserer festen Überzeugung nach – vom Schöpfer, Lenker und Erhalter des gesamten Universums. Doch schadet es nicht, den Muslim von Zeit zu Zeit wieder daran zu erinnern, denn wie wir ja aus dem obigen Sprüchlein wissen, ist der Muslim nicht perfekt, denn er ist fehlbar.

Wenn diese beiden Einsichten klar sind, dann können wir die Substantive Islam und Muslim richtig einordnen. Es fehlt aber noch etwas wichtiges, quasi eine Auslassung im Text, denn der Muslim, wenn er einen Fehler macht, ist nicht allein dadurch entschuldigt, dass er nicht perfekt ist. Zum Muslimsein gehört nämlich noch die Eigenschaft, die eigenen Fehler möglichst einzusehen, zu bereuen und sich zu bemühen sie abzustellen.

Um es kurz zu sagen: Der Muslim ist zwar nicht perfekt, sollte aber nach Perfektion streben. Sein Ideal soll der bestmögliche Zustand sein, mit so wenig Fehlern wie möglich.

Unter dieser Prämisse kann man auch die attributiven Adjektivierungen dieser Substantive betrachten und verstehen. Wenn wir also etwas als »islamisch« bezeichnen, dann statten wir es mit den göttlichen Attributen des Islams aus (perfekt, frei von Mängeln und Fehlern), und bezeichnen wir etwas als »muslimisch«, dann kann es nicht perfekt sein, da es mit den menschlichen Attributen eines Muslims ausgestattet ist, also mit Fehlbarkeit.

Leider zeigt der zeitgenössische Sprachgebrauch, besonders auch unter abendländischen Muslimen, keine solche Unterscheidung. Dabei handelt es sich doch um eine gewaltige Aussage, einen Menschen, eine menschliche Institution oder ein menschliches Machwerk als islamisch zu bezeichnen. Gebietet es nicht die Zurückhaltung und Bescheidenheit, die eigene Person und das eigene Werk mit den menschlichen Attributen des Muslims auszustatten?

Man soll mich nicht falsch verstehen. Das Adjektiv islamisch hat ganz sicher seine Berechtigung, nämlich immer dann, wenn wir ein Ideal umschreiben, welches uns anzustreben empfohlen ist. So sind wir angehalten, dass islamische Gebet zu verrichten, aber unser Gebet, wenn wir es verrichtet haben, ist und bleibt das Gebet eines Muslims, niemals perfekt. Die Tugenden, die Allah – der Hocherhabene – und Sein Gesandter – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – uns auferlegten, sind unzweifelhaft islamische Tugenden, aber im Resultat, wenn wir versuchen sie bestmöglich in der Lebenspraxis umzusetzen, sind sie bestenfalls ein Schatten dessen, was wirklich islamisch ist.

Und aus dieser Perspektive schaue ich auf unsere Sprachpraxis, wenn ich die Machwerke der Muslime betrachte. Wir kennen islamische Vereine, islamische Parteien, islamische Schulen, islamische Kindergärten, islamische Gelehrte und eine islamische Nation. Und wir haben in Deutschland sogar eine Islamische Zeitung und im Nahen Osten einen Islamischen Staat.

Verspürten die Muslime auch in der Vormoderne schon den Drang, ihre fehlbaren Handlungen und Werke als islamisch, also quasi unfehlbar zu bezeichnen? Man vergleiche mal die Literatur der Vormoderne mit der Literatur des heutigen Zeitalters, egal ob im Abend- oder Morgenland. Die Adjektive islamisch, islamic, islamiyya  usw. finden sich, wenn überhaupt, nur ganz selten, während sie heute allgegenwärtig sind.

Wie will man unter diesen sprachlichen Voraussetzungen von einem Unwissenden oder Nichtmuslim verlangen, die obige Weisheit ernst zu nehmen?

Routine und Disziplin im Angebot

von Yahya ibn Rainer

Zu Anfang zwei kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag. Wenn ich mich morgens um ca 7 Uhr auf den Weg zur Arbeit mache, dann gehe ich in Hamburg/Wilhelmsburg, auf dem Bahnsteig des örtlichen S-Bahnhofes, an einer kleinen Filiale der Ditsch Brezelbäckerei vorbei. Morgens ist da meistens recht viel los, denn viele holen sich dort einen Kaffee zum Mitnehmen und manchmal noch ein Stückchen Kleingebäck für den Weg zur Arbeit oder Schule.

Wenn ich mich diesem kleinen Kabuff nähere und der nette junge Herr darin mich von weitem sieht und ich ihm dabei zustimmend in die Augen schaue, dann dreht er sich um, nimmt sich einen kleinen Kaffeebecher und stellt ihn unter seinen Kaffeeautomaten. Wenn ich dann an der Verkaufstheke angekommen bin, nachdem ich ein wenig in der Schlange warten musste, steht da zumeist schon mein frisch dampfender kleiner Kaffeebecher. Ich bedanke mich und lege ihm die € 0,90 auf den Tresen und gehe weiter.

Die meisten anderen Kunden stehen in der Schlange und bestellen erst wenn sie an der Reihe sind, überlegen manchmal noch hin und her und zum Teil kommt es auch zu kleinen Kommunikationsdefiziten und man merkt wie anstrengend das manchmal für beide Seiten sein kann. Mit mir hat der Brezelverkäufer also leichtes Spiel. Es läuft sozusagen geschmiert, wie seine Butterbrezel mit Schnittlauch.

Wenn ich dann im Büro meiner Arbeit nachgehe und die Mittagszeit sich ankündigt, entscheide ich mich von Zeit zu Zeit für den Luxus, mein Mittagsmahl auswärts einzunehmen. Ich mache mich also kurz nach 12 Uhr auf den Weg zum Lades, ein türkisches Restaurant etwa 200m Luftlinie von meinem Büro entfernt.

Wenn ich die Gastronomie betrete, grüße ich freundlich die Tresenbedienung und steuere auf den einzigen kleinen Tisch mit zwei Stühlen zu. Dort angekommen, nehme ich mein Schlüsselbund, meine Geldbörse und mein Samsung aus der Jacke, platziere sie ordentlich auf dem Tisch und hänge die nun entleerte Jacke über den Stuhl, auf den ich mich dann setze. Der Kellner sieht mich dabei, kommt jedoch nicht zu mir, sondern verschwindet in der Küche.

Kurze Zeit später kommt er mit einer kleinen Schüssel İşkembe Çorbası und einem großen Glas Ayran wieder, begrüßt mich freundlich, stellt beides auf den Tisch und fragt: „Die Sigara Böreği sofort oder etwas später?“ Worauf ich meistens antworte: „Etwas später bitte.“

Wieso erzähle ich das hier? Ganz einfach. Anhand dieser beiden kleinen Anekdoten möchte ich veranschaulichen, mit welch einfachen Mitteln das gesellschaftliche Leben ungemein vereinfacht und friedvoller gestaltet werden kann.

Diese beiden Herren, der (afghanische) Brezelverkäufer im Ditsch-Kabuff und der (türkische) Kellner im Lades, kennen mich nicht und ich kenne sie ebenso wenig. Nie haben wir mehr Worte ausgetauscht als die morgendliche bzw. mittägliche Begrüßung und Verabschiedung. Trotz alledem hat sich zwischen uns ein Verhältnis aufgebaut, eine Art Vertrauensverhältnis. Es ist eine große Erleichterung für die beiden hart arbeitenden Servicekräfte, dass sie im Trubel des Andrangs sich mit mir nicht in eine unnötig lange Konversation begeben müssen. Was sich zwischen uns etabliert hat, nennt sich eine Routine.

Menschen, die im Alltag routiniert handeln, sind eine große Erleichterung für ihr Umfeld. Wie ich bereits erwähnte, kann daraus ein Vertrauensverhältnis entstehen und gegenseitiges Vertrauen ist der Kitt einer jeden zivilisierten Gesellschaft. Es schont nicht nur die Nerven und hilft notwendigeres zu fokussieren, sondern es steigert gleichzeitig auch die Effizienz.

Routiniertes Handeln jedoch kommt nicht von allein, es erfordert ein gewisses Maß an Disziplin. Wer impulsives und unberechenbares Handeln gewohnt ist, empfindet dies häufig als Ausdruck der eigenen individuellen Freiheit. Und Disziplin ist im Endeffekt nichts anderes, als sich freiwillig selbst in seiner individuellen Freiheit einzuschränken.

Routiniertes Handeln beschränkt sich nicht nur auf die zwei Beispiele die ich oben erwähnte. Auch Pünktlichkeit ist eine Tugend die aus Disziplin und Routine entsteht. Ebenso kann man andere Verhaltensweisen im gesellschaftlichen Umgang als Routine bezeichnen, wie z.B. das korrekte Anstellen an einer Menschenschlange oder das Praktizieren eines Reißverschlussverkehrs, wenn sich parallel mal 2 oder mehr Warteschlangen gebildet haben.

Man kann behaupten, dass überall dort, wo etwas gesellschaftlich reibungslos und effizient vonstatten geht, es ausschließlich der Routine und Disziplin der Menschen geschuldet ist, die daran beteiligt sind.

Routine kann beizeiten aber auch unfreiwillig komisch wirken, besonders für diejenigen, die sie in konsequenter Form nicht verinnerlicht haben. So machten sich speziell Migranten zum Beispiel nicht selten lustig, wenn sie sahen, dass die Deutschen – egal ob motorisiert oder zu Fuß – grundsätzlich vor roten Ampeln stehen blieben, auch wenn nirgends auch nur ein Hauch von Verkehr zu sehen war. Der deutsche Nachtschwärmer also, der sonntags morgens um 4 Uhr treu an der Fußgängerampel stehen blieb, auch wenn rechts und links kein einziges Auto in Sicht schien, sorgte ebenso für ungläubiges Staunen, wie der deutsche Linksabbieger in seinem PKW, der, obwohl weder Gegenverkehr noch rückwärtiger Verkehr vorhanden war, pflichtbewusst den Blinker setzte. Aber auch diese Erscheinungsformen der Disziplin sind Teil des Erfolges, denn sie zeigen, dass die Routine in Fleisch und Blut übergegangen und zu einer guten Sitte geworden ist.

Jedoch ist diese gute Sitte auch ein äußerst fragiles Gut, denn das routinierte Handeln des einen kann für den anderen durchaus zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden. So wird ein diszipliniertes Anstellen an einer Menschenschlange, zur Erlangung eines knappen Gutes, von solchen Leuten ad absurdum geführt, die sich eiskalt vordrängeln. Der routinierte Mensch lässt ein solches Fehlverhalten einige Male über sich ergehen und schüttelt vielleicht diskret und leise über diese Unverschämtheit seinen Kopf. Aber wenn sich diese Phänomene häufen und sich schwache Geister ein Beispiel daran nehmen, weil es vor allem Zeit spart und häufig auch andere (vielleicht geldwerte) Vorteile bringt, dann verlässt auch der disziplinierteste Mensch irgendwann das freiwillig erbrachte Vertrauensverhältnis und die Sitten beginnen zu verkommen.

Das speziell wir Deutschen für diese Tugenden bekannt sind, haben wir in gewisser Weise sicherlich auch dem Protestantismus zu verdanken, der eine besondere Arbeits- und Wirtschaftsethik etablierte, welche im Preußischen Reich seine volle Entfaltung erlangte. Der Erfolg, der daraus resultierte, legte den Grundstein für unseren Wohlstand, den wir Deutschen seit beinah 300 Jahren durchgehend immer wieder in der Lage waren zu erwirtschaften.

Wenn es also etwas gibt, worauf wir stolz sein können und was wir als wertvoll erachten sollten, dann sind es unsere Tugenden, die auf Disziplin und Routine zurückzuführen sind. Diese Tugenden sollten wir aufrecht erhalten, auch wenn wir gesellschaftlich in Isolierung geraten, weil wir den Islam annehmen. Die deutschen Tugenden sind ein Erbe, das wir mitnehmen sollten und für welches wir auch unter unseren muslimischen Geschwistern werben sollten.

Die Islamische Ummah hat während ihrer gesamten historischen Entwicklung immer von den Tugenden und Wissenschaften der Völker profitiert, die sie in sich aufgenommen hat. Ob nun das Erbe Persiens, Indiens oder des Byzantinischen Reiches, die Ummah hat profitiert und konnte so zu zivilisatorischer Größe aufsteigen.

Und ein gewaltiger Schelm scheint derjenige, der der Ansicht ist, dass die heutige Ummah keine Verwendung hat, für ein wenig preußische Disziplin und Routine.

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Von der Gerechtigkeit

„Alle klassischen Definitionen bezeugen, daß die Gerechtigkeit als etwas aufgefaßt wurde, was in den Seelen wohnt oder wohnen sollte. So in den Institutionen des Justinian: „Gerechtigkeit ist der beständige und immerwährende Wille, jedem sein Recht zu gewähren“. Die Gerechtigkeit erscheint also hier als ein Zustand des Willens. […]

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Auszug: Dominik Tischleder – Die hilflose Anrufung des „Abendlandes“ ist womöglich Ausdruck eines verzweifelten Relativismus

«Nun, da nach Lage der Dinge das „Abendland“ wie auch die „Leitkultur“ nicht mehr vorhanden sind, sondern faktisch, egal wie bedrohlich oder sonstwie unschön man das findet, einem Pluralismus der Lebensformen weichen mussten, ist all das, was dann einem „Abendländer“ als besonders „abendländisch“ gilt, für seine Mitbürger nicht mehr unmittelbar einsichtig und bindend. Deshalb kann man in leichter Abwandlung Carl Schmitts formulieren: „Wer Abendland sagt, will geltend machen und durchsetzen. Tugenden übt man aus; Normen wendet man an; Befehle werden vollzogen, aber das Abendland wird gesetzt und durchgesetzt.“

In der Benutzung des Begriffs spiegelt sich eine Machtfrage: Wer interpretiert die Geschichte? Gleichsam also das Interesse derjenigen, die sie beantworten und nun auf Durchsetzung drängen. Vor allem wird das, was „Abendland“ inhaltlich ausmachen soll, rettungslos durch die jeweils gerade aktuellen politischen Lagen und Wertvorstellungen bestimmt, heute sind es eben die „judeo-christlichen Werte“, früher mehr die Werte der „Volksgemeinschaft“ oder die Abendlandwerte der „Grand Nation“.

Die hilflose Anrufung des „Abendlandes“ in politischer Absicht ist, entgegen seiner Intention, womöglich selbst Ausdruck eines verzweifelten Relativismus, denn in der Nutzbarmachung ist sie eben nicht Ausdruck einer Gemeinschaft, die versucht, das Gute zu erkennen und zu tun, sondern selbstgerechter Ausdruck derer, die die Wahrheit beziehungsweise das, was sie dafür halten, bereits gefunden haben. Ein Zug zur Gesinnungsschnüffelei wird so unvermeidlich, denn um Gesinnung geht es ja, wenn man genötigt wird, sich zu irgendwelchen gerade aktuellen „Abendlandwerten“ zu bekennen, nur weil man beispielsweise ein rechtschaffener, hier wohnender Bürger islamischen Glaubens ist.»

(Dominik Tischleder, Pegida und das „Abendland“ – Gegenwartsskizze und Begriffsgeschichte, Magazin eigentümlich frei, Nr. 150, Seite 18-19)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (L)

„Generation ist ein inhaltsleeres Wort, wenn es nicht Zeitgenossen eines großen Mannes bezeichnet.“

„Revolutionen sind nicht die Lokomotiven, sondern die Entgleisungen der Geschichte.“

„Ein großer Geschichtsschreiber ist nicht so sehr, wer Mängel an dem bemerkt, was er bewundert, als der, der Tugenden bei dem zugibt, was er verabscheut.“

 

Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898)

„Gibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das türkische. Jeder Kenner dieser braven, liebenswürdigen, grundehrlichen und dafür von aller Welt verlästerten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tatsächlich gibt es kaum eine Staats- und gesellschafterhaltende Tugend, die dem Türken — insbesondere dem anatolischen — nicht eigen wäre: Herzensgüte und Ehrlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, demokratischer Gleichheitssinn und unbedingte Loyalität gegen die Regierung, so drückend die staatliche Notwendigkeit auch auf ihm lasten möge, endlich natürlicher Anstand und Mässigkeit und eine von der Religiosität nicht in Banden gehaltenen Intelligenz. Welch hohe Lebensweisheit, welch sittlicher Ernst, welches Gemüt spricht nicht schon aus den teilweise sogar aus vorislamscher Zeit stammenden türkischen Sprüchwörtern: „Wer von der Lüge sich entfernt, der nähert sich Gott.“ — „Mann ist, wer sein Wort hält.“ — »Tue das Gute, und wirf es ins Meer; sieht es der Fisch nicht, so sieht es der Herr.“ — „Tue Gutes denen, die dir Böses antun, so wirst du bei Gott Gnaden finden“ u. s. w, Maximen, denen der gute Moslim in seinem Wandel weit eifriger nachzuleben pflegt, als der Christ den ähnlich lautenden Befehlen Jesu. […]

Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898) weiterlesen

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXX)

„Das Volk fühlt sich heute nur frei, wenn es autorisiert ist, nichts zu respektieren.“

„Andere Epochen waren vielleicht vulgär wie die unsere, aber keine hatte den fabelhaften Resonanzboden, den unerbittlichen Verstärker der modernen Industrie.“

„Nach der Tugend hat dieses Jahrhundert das Laster in Verruf gebracht.
Die Perversionen sind zu Vorstadtparks geworden, in denen die sonntägliche Menge sich vertraut bewegt.“

 

Auszug: Larken Rose – Die Botschaft, die wir verinnerlicht haben

„[…] die Botschaft, die wir leider verinnerlicht haben. Mit einigen wenigen Ausnahmen haben wir sie alle von unseren Lehrern, von unseren Eltern, von den Medien und der Regierung eingetrichtert bekommen. Es war zwar nicht so offen und direkt, aber die dahinter liegende Nachricht lautete, dass Gehorsam [der Regierung gegenüber] eine Tugend sei.

Noch trauriger ist, dass die Regierung die wirkliche Religion darstellt an die die Menschen glauben. Alle. Auch diejenigen die sich als Christen, Juden, Muslime, Atheisten, Agnostiker, was auch immer bezeichnen. Die wirkliche Religion der überwiegenden Mehrheit der Menschen in diesem Land und auf der ganzen Welt ist die Verehrung der Regierung. Sie ist der Gott, vor dem sie niederknien. Sie ist der Gott, den sie um seinen Segen bitten. Und sie ist der Gott, dem sie gehorchen.“

(Larken Rose, politischer Aktivist in den USA >>)