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Zitat: Yusuf al-Qaradawi – „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

«Im Qurʾān kommt nicht vor, was im Evangelium vorkommt, nämlich, dass der Reiche nicht eher ins Paradies geht, als dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Und der Prophet sagte nicht zu seinen Gefährten: „Geht und verkauft all eure Habe und dann folgt mir!“. Sondern Er sagte: „Kein Vermögen war mir so nützlich wie das Vermögen von Abū Bakr“ und Er bat Allāh darum, dass dieser seinem Diener Anas sein Vermögen mehre.»

(Yūsuf Al Qaraḍāwī, in einem Facebook-Posting vom 28.02.2016)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Was der Christ in den Orient bringt (1901)

„So ist die Einfachheit und Anspruchslosigkeit der arabischen oder persischen Cafeschänken durchaus nicht der Mangel einer fehlenden Kultur und beklagenswerten langweiligen Armseligkeit des Lebens, sondern sie würde würdiger verglichen mit der Einfachheit des griechischen Theaters, wo ohne alle Meiningerei die Verse eines Sophokles, Euripides, Äschylos vorgeführt wurden. Und diese arabisch-syrisch-palästinischen Lande, — es sind die Stätten, wo die herrschenden Religionen Europas geboren wurden, jenes Evangelium der Armen und Bettler das Licht der Welt erblickte, — es sind die Orte, wo man es ernst meint mit dieser Einfachheit des Lebens; es sind die Wohnstätten uralter Kultur und Weisheit, wohin schon in vorgeschichtlichen Zeiten die alten Griechen wallfahrteten, hin zur mystischen, wahrlich im tiefen Innern verborgenen Weisheit des Orients! Und dorthin will nun der Christ mit dem Musterkasten wallfahren, Absatzgebiete für seine Fabrikware schaffen, Bedürfnisse importieren, aufdrängen, welche die Moslims nicht haben und gar nicht haben wollen. Mit seiner Kultur und seinen sozialen Fragen will er jene Gegenden beschenken und, — wenn die Geduld reißt, wenn der Fanatismus erwacht, — den Leuten die Pistole auf die Brust und die Mündung der Kanonen auf ihre Gebäude richten.

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Die „Weihnachtsgeschichte“ im Koran

Im Koran gibt es eine Sure mit dem schönen Namen Mariyam. Es ist die 19. Sure des Buches Allahs und sie ist benannt nach der ehrenwerten Mutter des Messias, Jesus – Allah segne ihn und schenke ihm Heil –.

In dieser Sure kann man die Geschichte seiner jungfräulichen Geburt lesen, und zwar so wie wir Muslime an sie glauben Der folgende Auszug (Verse 16-40) stammt aus der ungefähren deutschsprachigen Bedeutung des Korans nach Abu-r-Rida Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul.

Und erwähne im Buch Maria. Als sie sich von ihrer Familie nach einem östlichen Ort zurückzog und sich vor ihr abschirmte, da sandten Wir Unseren Engel Gabriel zu ihr, und er erschien ihr in der Gestalt eines vollkommenen Menschen; und sie sagte: ”Ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Allerbarmer, (lass ab von mir) wenn du Gottesfurcht hast.”

Er sprach: ”Ich bin der Bote deines Herrn. (Er hat mich zu dir geschickt) auf dass ich dir einen reinen Sohn beschere.”

Sie sagte: ”Wie soll mir ein Sohn (geschenkt) werden, wo mich doch kein Mann (je) berührt hat und ich auch keine Hure bin?”

Er sprach: ”So ist es; dein Herr aber spricht: «Es ist Mir ein leichtes, und Wir machen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu Unserer Barmherzigkeit, und dies ist eine beschlossene Sache.»”

Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück. Und die Wehen der Geburt trieben sie zum Stamm einer Dattelpalme. Sie sagte: ”O wäre ich doch zuvor gestorben und wäre ganz und gar vergessen!”

Da rief er (Jesus) ihr von unten her zu: ”Sei nicht traurig. Dein Herr hat dir ein Bächlein fließen lassen; und schüttele den Stamm der Palme in deine Richtung, und sie wird frische reife Datteln auf dich fallen lassen. So iss und trink und sei frohen Mutes. Und wenn du einen Menschen siehst, dann sprich: «Ich habe dem Allerbarmer zu fasten gelobt, darum will ich heute mit keinem Menschen reden.»”

Dann brachte sie ihn auf dem Arm zu den Ihren. Sie sagten: ”O Maria, du hast etwas Unerhörtes getan. O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht, und deine Mutter war keine Hure.”

Da zeigte sie auf ihn (Jesus). Sie sagten: ”Wie sollen wir zu einem reden, der noch ein Kind in der Wiege ist?”

Er (Jesus) sagte: ”Ich bin ein Diener Allahs; Er hat mir das Buch gegeben und mich zu einem Propheten gemacht. Und Er gab mir Seinen Segen, wo ich auch sein möge, und Er befahl mir Gebet und Zakah, solange ich lebe; und ehrerbietig gegen meine Mutter (zu sein); Er hat mich nicht gewalttätig und unselig gemacht. Und Friede war über mir an dem Tage, als ich geboren wurde, und (Friede wird über mir sein) an dem Tage, wenn ich sterben werde, und an dem Tage, wenn ich wieder zum Leben erweckt werde.”

Dies ist Jesus, der Sohn der Maria – (dies ist) eine Aussage der Wahrheit, über die sie uneins sind. Es geziemt Allah nicht, Sich einen Sohn zu nehmen. Gepriesen sei Er! Wenn Er etwas beschließt, so spricht Er nur: ”Sei!” und es ist. ”Wahrlich, Allah ist mein Herr und euer Herr. So dient Ihm! Das ist ein gerader Weg.”

Doch die Parteien wurden uneinig untereinander; wehe darum denen, die ungläubig sind; sie werden einen großen Tag erleben. Wie gut wird ihr Hören und Sehen an dem Tage sein, wo sie zu Uns kommen werden! Heute aber befinden sich die Frevler in offenbarem Irrtum.

Und warne sie vor dem Tag der Verbitterung, wenn alles entschieden werden wird, während sie (jetzt) noch in Sorglosigkeit leben und immer noch nicht glauben. Wir sind es, Die die Erde, und alle, die auf ihr sind, erben werden, und zu Uns werden sie zurückgebracht.

Buchauszug: Betrand de Jouvenel – Das Göttliche Gesetz

„Jedes Volk auf dem Weg zur Zivilisation besaß seine heiligen Bücher, die seinen Fortschritt bedingten. Selbst der unreligiöseste Mensch wird in den bewundernswerten heiligen Büchern großer historischer Völker so etwas wie das Werk einer Vorhersehung anerkennen. Auf der anderen Seite hat man sie wegen ihrer außerordentlichen Übereinstimmung mit der gesellschaftlichen Situation für Monumente menschlicher Weisheit gehalten, denen durch geschickten Trug übermenschlicher Ursprung unterlegt worden wäre.

Diese Auffassung führt leicht zu dem großen Irrtum anzunehmen, die Staatsgewalt sei der Urheber dieses Gesetzes, während sie ihm im Gegenteil unterworfen ist, wie sich am Fünften Buch Mose zeigt, wo es heißt, der König solle sich eine Abschrift des Gesetzes anfertigen lassen, täglich in ihm lesen, alle seine Gebote getreulich einhalten und weder rechts noch links von ihnen abweichen. (A.T., 5. Buch Mose, XVII, 16-19)

Nicht die Staatsgewalt setzt das Gesetz, sondern die Gottheit durch den Mund inspirierter oder gläubiger Männer. Nicht die staatliche Autorität, sondern die Gottheit wird durch einen Übergriff beleidigt. Nicht die staatliche Autorität, sondern die Gottheit allein bestraft die Übertretung.“

(Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 237)

Das vorgegaukelte Fehlen von Gottes(ehr)furcht im Christentum

von Yahya ibn Rainer

Heutzutage hört man ja von vielen Christen in der Dawa, dass man den „lieben Gott“ nicht fürchten brauche. Sogar Pastoren und Priester lassen sich schon zu solch einer Aussage hinreissen, nur um den Islam als Angstreligion darzustellen. Wer jedoch die Bibel aufmerksam liest, die Texte der christlichen Gelehrten kennt und die Verfassungen der deutschen Bundesländer studiert, der wird schnell bemerken, dass es sich bei der angeblichen Furchtlosigkeit im Christentum um einen weiteren Mythos handelt.

Der Aufruf, Gott zu fürchten, findet sich im gesamten Kanon der christlichen Bibel wieder. Für die „Ungläubigen“ unter euch hier einige wenige Auszüge:

Laut Bibel AT sprach ein Engel zu Abraham -Allah schenke ihm Heil-, als dieser seinen Sohn Isaak -Allah schenke ihm Heil- für Allah den Erhabenen schlachten wollte:

Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.

1. Mose 22, 12

Im 2. Buch Mose belohnt Allah der Erhabene seine Dienerinnen für die Gottesfurcht:

Weil die Hebammen Gott fürchteten, schenkte er ihnen Kindersegen.

2. Moses 1, 21

Im 3. Buch Mose finde ich auch folgende Verse inhaltlich recht interessant:

Du sollst einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen; vielmehr sollst du deinen Gott fürchten. Ich bin der Herr.

3. Mose 19, 14

Du sollst vor grauem Haar aufstehen, das Ansehen eines Greises ehren und deinen Gott fürchten. Ich bin der Herr.

3. Mose 19, 32

Nimm von ihm keinen Zins und Wucher! Fürchte deinen Gott und dein Bruder soll neben dir leben können.

3. Mose 25, 32

Auch aus dem 5. Buch Mose möchte ich einige Beispiele nennen:

Möchten sie doch diese Gesinnung behalten, mich fürchten und ihr Leben lang auf alle meine Gebote achten, damit es ihnen und ihren Nachkommen immer gut geht.

5. Mose 5, 29

Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten; ihm sollst du dienen, bei seinem Namen sollst du schwören.

5. Mose 6, 13

Du sollst auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, achten, auf seinen Wegen gehen und ihn fürchten.

5. Moses 8, 6

Dieser Vers aus dem 1. Buch Samuel hat sogar einen aktuellen Bezug, besonders aus der Sicht von uns bösen Islamisten:

Wenn ihr den Herrn fürchtet und ihm dient, wenn ihr auf seine Stimme hört und euch seinem Befehl nicht widersetzt, wenn sowohl ihr als auch der König, der über euch herrscht, dem Herrn, eurem Gott, folgt (dann geht es euch gut).

1. Samuel 12, 14

Und auch die Psalme sind nicht frei von Gottesfurcht und Wahrheit:

Der makellos lebt und das Rechte tut; der von Herzen die Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht verleumdet; der seinem Freund nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht; der den Verworfenen verachtet, doch alle, die den Herrn fürchten, in Ehren hält; der sein Versprechen nicht ändert, das er seinem Nächsten geschworen hat; der sein Geld nicht auf Wucher ausleiht und nicht zum Nachteil des Schuldlosen Bestechung annimmt. Wer sich danach richtet, der wird niemals wanken.

Psalm 15, 2-5

Wer ist der Mann, der Gott fürchtet? Ihm zeigt er den Weg, den er wählen soll.

Psalm 25, 12

Alle Welt fürchte den Herrn; vor ihm sollen alle beben, die den Erdkreis bewohnen.

Psalm 33, 8

Ein Problem, dem wir Muslime uns im Dialog mit den Christen immer ausgesetzt sehen, ist ihre Aussage, dass das Alte Testament für sie nicht verbindlich ist und durch das Neue Testament abrogiert wurde. Das ist natürlich auch eine faule Ausrede. Im Katechismus der Katholischen Kirche lesen wir in Absatz 121 und 123 folgendes:

„121 Das Alte Testament ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.

123 Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes. Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es hinfällig gemacht habe [Markionismus], wies die Kirche stets entschieden zurück.“

Trotz alledem beharren manche Christen darauf, dass sie das Alte Testament ablehnen. Diese Sichweise auf den Kanon der christlichen Bibel stützt sich häufig auf eine antisemitische Haltung, die im deutschen Nazi-Reich unter Adolf Hitler wohl seine stärkste Manifestation erhielt. Auf Wikipedia kann man einen Eintrag lesen, der sich mit der Ideologie der sogenannten Deutschen Christen (DC) auseinandersetzt. Es ist eben diese Ideologie die heute manche Christen dazu antreibt das Alte Testament zu leugnen, sie streben „die „Entjudung“ der kirchlichen Botschaft durch Abkehr vom Alten Testament, Reduktion und Umdeutung des Neuen Testaments“ an und wenden sich damit direkt gegen die Lehre der klassischen christlichen Kirchen. Das es genau diese Christen auch sind, die heute den Islam und seine Lehre nicht nur kritisieren, sondern auch beleidigen, dass verwundert nach Lektüre des Wiki-Artikel überhaupt nicht.
Hier einige Auszüge daraus:

„Die Deutschen Christen (DC) waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. […]

Der Flensburger Pastor Friedrich Andersen wurde durch Houston Stewart Chamberlain zum Rasse-Antisemiten und forderte seit 1904 die Abschaffung des Alten Testaments und „aller jüdischen Trübungen der reinen Jesuslehre“. […]

Der „zornige Gewittergott“ Jehova sei ein anderer als der „Vater“ und „Geist“, den Christus verkündet und die Germanen geahnt hätten. Kindliches Gottvertrauen und selbstlose Liebe sei das Wesen der germanischen „Volksseele“ im Kontrast zu jüdischer „knechtischer Furcht vor Gott“ und „materialistischer Sittlichkeit“. Kirche sei keine „Anstalt zur Verbreitung des Judentums“: Darum sollten Religions- und Konfirmandenunterricht keine Stoffe des Alten Testaments wie die Zehn Gebote mehr lehren, und auch das Neue Testament sei von jüdischen Einflüssen zu „reinigen“, damit man den Kindern Jesus als Vorbild für „Opfermut“ und „männliches Heldentum“ darstellen könne.“

(http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen)

Eine, auch aus islamischer Sicht, kranke Ansicht und Ideologie, der nachweislich auch heute noch antisemitische Christen angehören.

Aber auch solchen Konsorten kann man natürlich Paroli bieten, denn Gottesfurcht gibt es natürlich auch im Neuen Testament der christlichen Bibel. Auch hier möchte ich mit Beispielen nicht geizen.

Beginnen möchte ich mit dem Lukas-Evangelium, denn laut ihm soll Jesus -Allah schenke ihm Heil- folgende Worte gesprochen haben:

Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können. Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.

Lukas 12, 4-5

Und ebenfalls im Lukas-Evangelium werden Maria, der Mutter des Messias, -Allah schenke ihr Heil- folgende Worte zugerechnet:

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

Lukas 1, 46-50

Im Johannes-Evangelium finden wir diese Worte:

Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.

Johannes 9, 31

Laut der Apostelgeschichte von Lukas sagte der Gefährte (Jünger) Jesu -Allah schenke ihm Heil-,  Simon Petrus -Allah sei ihm gnädig-, folgendes:

Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.

Apostelgeschichte 10, 34-35

Das sollte, bezugnehmend auf das Neue und Alte Testament genug sein. Was wir jedoch nicht ausser Acht lassen sollten, ist die Bibelexegese, also gewissermaßen die Tafsir-Wissenschaft der Christen, denn auch die Bibel ruft nach einer Erklärung durch ihre Gelehrten. Bei den Protestanten (also evangelischen Christen) greift man hier zum Kleinen Katechismus von Martin Luther. Es war für mich eine reine Freude, bei der Recherche zu diesem Artikel in eben diesem Kleinen Katechismus schon zu Beginn, im ersten Kapitel, gleich mehrfach fündig geworden zu sein. Der Kleine Katechismus beginnt nämlich mit der Erklärung der 10 Gebote, die laut AT dem Propheten Moses -Allah schenke ihn Heil- von Allah dem Erhabenen übergeben wurden.

Ich komme leider nicht umhin, dieses gesamte Kapitel hier zu zitieren, denn es ist geradezu offensichtlich wie wichtig für diesen großen christlichen Gelehrten, Exegeten und Reformer die Gottesfurcht war:

Die Zehn Gebote

1.Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
Was heißt das?
Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

2.Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

3.Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen.

4.Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebst auf Erden.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsere Eltern und Herren[1] nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

5.Gebot
Du sollst nicht töten.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Lebensnöten.

6.Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir keusch und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der Ehe einander lieben und ehren.

7.Gebot
Du sollst nicht stehlen.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern im sein Gut und Nahrung bessern und behüten helfen.

8.Gebot
Du sollst nicht falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht aus Falschheit belügen, verraten, verleumden oder hinter seinem Rücken reden, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.

9.Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause trachten, noch mit einem Anschein von Recht an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienlich sein.

10.Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.
Was heißt das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Frau, Gehilfen oder Vieh nicht ausspannen, abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

Schluss der Gebote
Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen?
Er sagt: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifernder Gott, der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.

Was heißt das?
Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen diese Gebote tun. Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten. Darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten.

Deutlicher geht es wohl nicht.

Und jetzt kommt der Hammer!

In einigen Bundesländern Deutschlands ist die Gottesehrfurcht sogar ein fester Bestandteil der Verfassung. Im föderalen System der Bundesrepublik ist ja bekannterweise die Schulpolitik eine Angelegenheit der Bundesländer und somit findet eben diese Schulpolitik auch Erwähnung in den jeweiligen Landesverfassungen. In Bayern klingt das in Artikel 131 (Ziele der Bildung) Absatz 2 folgendermaßen:
(2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt.
Das dürfte wohl einige überraschen. Nicht nur die Tatsache, dass die „Ehrfurcht vor Gott“ überhaupt ein verfassungsmäßiges Ziel der bayrischen Schulpolitik ist, sondern das sie von all diesen hehren Bildungszielen sogar an erster Stelle kommt.
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Nun mag der eine oder andere meinen, „Diese Bayern waren ja schon immer ein eigensinniges und erzkatholisches Völklein“, aber ein Blick in die Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen zeigt, dass es sich hier nicht um einen eigenbrötlerischen Ausreisser im allgemeinen Verfassungsallerlei handelt, denn dort lesen wir im 1. Absatz des 7. Artikels folgendes:

(1) Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.

Wieder an erster Stelle, diese Ehrfurcht. Und um es nicht allzu spannend zu machen, sind hier noch Auszüge aus den Verfassungen von Baden-Würtemberg, dem Saarland und Rheinland-Pfalz:

Die Jugend ist in der Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen.

(Verfassung für das Land Baden-Würtemberg, Artikel 12, Absatz 1)

Die Jugend ist in der Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe und der Völkerversöhnung, in der Liebe zu Heimat, Volk und Vaterland, zu sorgsamem Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen.

(Verfassung für das Saarland, Artikel 30)

Die Schule hat die Jugend zur Gottesfurcht und Nächstenliebe, Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit, zur Liebe zu Volk und Heimat, zum Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, zu sittlicher Haltung und beruflicher Tüchtigkeit und in freier, demokratischer Gesinnung im Geiste der Völkerversöhnung zu erziehen.
(Verfassung für das Land Rheinland-Pfalz, Artikel 33)
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Was stellen wir also fest?
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1. In mindestens 5 Landesverfassungen der Bundesrepublik Deutschland ist die Gottesehrfurcht erstes Bildungs- bzw Erziehungsziel.

2. Wir haben es also in mindestens 5 Fällen mit einem Verstoß gegen die verfassungsmäßige Ordnung zu tun … denn in Deutschlands Schulen lernt man so alles Mögliche, aber Gottesehrfurcht ist garantiert nicht dabei.

Aber das Wichtigste ist, dass wir nun einen kleinen Beleg haben, für diese Art von Christen, die im Dialog mit uns Muslimen nur allzu gern die Anwesenheit von Gottesfurcht im Christentum leugnen.

Die 10. Frage des “Kritikers”

10. Was sind die Ursachen dafür, dass sich der Islam in den späten, also in den 19 endgültigen Suren des Korans aus medinesischer Zeit – „zufällig“ parallel zur Vita des „Propheten“ Mohammed – weg von einer Religion und hin zu einer Hass-, Gewalt- und Terrorideologie entwickelt hat? Siehe auch Hadith.

Mein Versuch einer Antwort:

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Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir

von Yahya ibn Rainer

„Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir.“

Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlagt sie vor mir weiterlesen

Du sollst nicht töten? (3. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Im 2. Teil dieser Reihe habe ich nachgewiesen, dass Martin Luther (der christliche Schriftgelehrte und Begründer der zweitgrößten christlichen Konfession) den Bibelvers Du sollst nicht töten (2.Mose/20.Kapitel/13.Vers) zwar mißverständlich (oder gar falsch) übersetzte, aber trotzdem die tatsächliche Bedeutung verinnerlicht hatte.

Ebenso hatte ich im 1. Teil dieser Reihe aufgezeigt, dass sehr viele deutschsprachige Bibelübersetzungen diesen Fehler übernahmen. Namentlich nannte ich die originale Lutherbibel von 1545, die Revidierung der Lutherbibel von 1912 sowie die neueste Revidierung von 1984. Zudem fand sich diese Fehlübersetzung auch in der Schlachter-Bibel und in der Elberfelder-Bibel. Aber auch die überaus bekannte Hoffnung-für-Alle-Bibel und die (besonders bei den Freikirchen) beliebte Neues-Leben-Bibel übernahmen diesen Übersetzungsfehler von Martin Luther.

Verlässt man jedoch diesen protestantischen und freikirchlichen Konfessionsbereich, dann wird man auch neuere und von Martin Luther komplett unabhängige Übersetzungen finden. So verhält es sich z.B. mit der Einheitsübersetzung.

Die Erarbeitung der Einheitsübersetzung ist eine Folge der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Zweite Vatikanum löste Latein als alleinige Sprache der Messe ab und ließ die Landessprachen in der Liturgie zu. Dadurch wurde auch die Erarbeitung neuer Bibelübersetzungen für den liturgischen Gebrauch in den Landessprachen dringlich: „Darum bemüht sich die Kirche, dass brauchbare und genaue Bibelübersetzungen in die verschiedenen Sprachen erarbeitet werden.“ (Dei Verbum Nr. 22). […]

Die Einheitsübersetzung sollte die einheitliche Bibel aller deutschsprachigen Bistümer werden. Der Name „Einheitsübersetzung“ spiegelt dieses Ziel wider. Entgegen einem verbreiteten Missverständnis bedeutet der Name nicht, dass eine gemeinsame Bibelübersetzung der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche erstellt werden sollte. Zwar waren evangelische Theologen seit Beginn an den Arbeiten beteiligt, aber eine Ablösung der in der evangelischen Kirche gebräuchlichen Lutherübersetzung wurde von evangelischer Seite zu keinem Zeitpunkt angestrebt. […]

Die Zielvorgabe des Zweiten Vatikanums, eine „brauchbare und genaue“ Übersetzung zu erstellen, beinhaltete eine Erarbeitung „mit Vorrang aus dem Urtext der Heiligen Bücher“ (Dei Verbum Nr. 22). Die bis dahin gültige Vorrangstellung der lateinischen Vulgata in der römisch-katholischen Kirche wurde damit aufgegeben. Das stellte die katholischen Theologen vor die Herausforderung, entgegen der bisher üblichen Praxis nicht mehr die lateinische Bibel ins Deutsche zu übertragen, sondern aus dem Hebräischen (Aramäischen) und Griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Die römisch-katholische Kirche verwirklichte damit eine Forderung der Reformation, die eine Rückkehr von der Vulgata zu den Quellen gefordert hatten.

(Wikipedia)

Die Einheitsübersetzung der katholischen Kirche orientierte sich also weder an der lateinischen Vulgata, noch an der Luther-Bibel, sondern an den (angeblich) originalen Urtexten. Es wird also keinen wundern, im 2. Buch Mose, Kapitel 20 unter Vers 13 folgendes zu lesen: Du sollst nicht morden!

Ebenfalls die Gute-Nachricht-Bibel übersetzt den 13. Vers mit Du sollst nicht morden. Interessant bei dieser Übersetzung ist, dass sie in Kooperation der Deutschen Bibelgesellschaft (evangelisch), des Katholischen Bibelwerks e. V. Stuttgart und der evangelischen und katholischen Bibelgesellschaften in Österreich übersetzt wurde und somit die einzige ökumenische Bibel im deutschen Sprachgebiet ist. Und auch die Neue-Welt-Bibel der Zeugen Jehovas übersetzt den Vers richtig.

Und was leiten Christen mit der korrekten Bibelübersetzung aus diesem Vers ab?

Durch einen Kommentar zum 1. Teil dieser Reihe bin ich von einen engagierten Christen auf den katholischen Katechismus aufmerksam gemacht worden. Der Katechismus ist seit dem Beginn der Neuzeit ein Handbuch der Unterweisung in den Grundfragen des christlichen Glaubens. Ich werde jetzt einige Stellen aus dem katholischen Katechismus zitieren. Unter der Überschrift Die Achtung vor dem menschlichen Leben gibt einen ausführlichen Tafsir (Erläuterung) des 13. Verses:

 2260 Der Bund zwischen Gott und der Menschheit ist vom Wissen um die göttliche Gabe des menschlichen Lebens und die mörderische Gewalttätigkeit des Menschen durchwirkt:

„Wenn aber euer Blut vergossen wird, fordere ich Rechenschaft, und zwar für das Blut eines jeden von euch … Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht“ (Gen 9,5-6). […]

2261 Die Schrift verdeutlicht das Verbot des fünften Gebotes: „Wer unschuldig und im Recht ist, den bring nicht um sein Leben“ (Ex 23,7). Der willentliche Mord an einem Unschuldigen ist ein schwerer Verstoß gegen die Menschenwürde, die goldene Regel und die Heiligkeit des Schöpfers. Das Gesetz, das ihn untersagt, gilt allgemein: es verpflichtet alle und jeden, immer und überall. […]

2263 Die Notwehr von Personen und Gesellschaften ist keine Ausnahme vom Verbot, einen Unschuldigen zu töten, also einen willentlichen Mord zu begehen. „Aus der Handlung dessen, der sich selbst verteidigt, kann eine doppelte Wirkung folgen: die eine ist die Rettung des eigenen Lebens, die andere ist die Tötung des Angreifers“ (Thomas v. A., s. th. 2-2, 64, 7). Nur die eine Wirkung ist gewollt, die andere nicht. […]

2264 Die Liebe zu sich selbst bleibt ein Grundprinzip der Sittenlehre. Somit darf man sein eigenes Recht auf das Leben geltend machen. Wer sein Leben verteidigt, macht sich keines Mordes schuldig, selbst wenn er gezwungen ist, seinem Angreifer einen tödlichen Schlag zu versetzen:

„Wenn jemand zur Verteidigung des eigenen Lebens größere Gewalt anwendet als nötig, ist das unerlaubt. Wenn er die Gewalt aber mit Maß zurückstößt, ist die Verteidigung erlaubt … Es ist zum Heil nicht notwendig, auf den Akt des maßvollen Schutzes zu verzichten, um die Tötung des anderen zu vermeiden; denn der Mensch ist mehr gehalten, für das eigene Leben als für das fremde Leben zu sorgen“ (Thomas v. A., s. th. 2-2, 64, 7).

2265 Die Notwehr kann für den, der für das Leben anderer oder für das Wohl seiner Familie oder de Gemeinwesens verantwortlich ist, nicht nur ein Recht, sondern eine schwerwiegende Verpflichtung sein.

 2266 Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, daß der Angreifer außerstande gesetzt wird schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit des Rechtes und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen. Aus analogen Gründen haben die Verantwortungsträger das Recht, diejenigen, die das Gemeinwesen, für das sie verantwortlich sind, angreifen, mit Waffengewalt abzuwehren.

Die Straft soll in erster Linie die durch das Vergehen herbeigeführte Unordnung wiedergutmachen. Wird sie vom Schuldigen willig angenommen, gilt sie als Sühne. Zudem hat die Strafe die Wirkung, die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Personen zu schützen. Schließlich hat die Strafe auch eine heilende Wirkung: sie soll möglichst dazu beitragen, daß sich der Schuldige bessert [Vgl. Lk 23,40-43.].

Hiermit hätten wir also ganz klar die Argumentation einiger christlicher Angreifer auf den Islam widerlegt. Das Töten an sich ist in keiner der abrahamitischen Religionen verboten. Verboten ist lediglich das absichtliche Töten unschuldiger Menschen, also das Morden.

Martin Luther hat den 13. Vers im 20. Kapitel des 2. Buch Moses zwar falsch (mit Du darfst nicht töten) übersetzt, aber aus seinen ergänzenden Schriften ist ganz klar zu erkennen, dass er damit das Morden meinte und das Töten eines Soldaten oder eines Vollstreckers der Todesstrafe nicht in diesen Vers mit einbezog. Und die katholische Einheitsübersetzung war in dieser Angelegenheit korrekt und der Katechismus erklärt es noch einmal ganz genau.

Der begründete Tötungsakt ist erlaubt und manchmal sogar verpflichtend. Keine abrahamitische Religion lehnt die Todesstrafe ab oder verbietet dem Soldaten bzw Vollstrecker der Todesstrafe das Töten.

Somit leiten ebenfalls Juden und Christen Tötungsakte aus ihren Büchern ab und legitimieren sie damit. Jeder der das abstreitet ist entweder unwissend in seiner Religion oder ein hinterlistiger Lügner.

Du sollst nicht töten? (2. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Im 1. Teil dieser Reihe haben wir gelesen, dass der 13. Vers im 2. Buch Mose / Kapitel 20 in vielen deutschsprachigen Bibeln falsch übersetzt wurde. Anstatt das hebräischen Wort lo tirtzach mit morde nicht zu übersetzen, steht in den meisten heutigen Bibel „Du sollst nicht töten“.

Unter den jüdischen Schriftgelehrten besteht allerdings nicht der geringste Zweifel, dass diese Übersetzung falsch ist und den Sinn des Gebotes verfälscht.

Du sollst nicht töten? (2. Teil) weiterlesen

Du sollst nicht töten? (1. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Ich möchte hier auf eine große Fehlinterpretation hinweisen, der viele von den heutigen Christen leider erlegen sind. Insbesondere diejenigen Christen, welche nur wenig Wissen über ihre Religion haben. (Was leider die meisten sind)

Wie wir alle wissen, ist die Bibel ein Buch, welches mehrere male in eine andere Sprache übersetzt wurde. Die deutsche Bibel wurde z.B. aus dem Lateinischen übersetzt. Die lateinische Bibel wiederum aus dem Griechischen, Aramäischen und Hebräischen. Bei diesen Übersetzungen sind ganz gewiß Fehler passiert, die aber von vielen heutigen Christen schlichtweg ignoriert werden.

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Die Bücher der Juden: Die Heilige Schrift und der Talmud

Die Bibel (d.h. christlich gesehen: das Alte Testament) umfasst nach jüdischer Tradition 24 Bücher in 3 Abteilungen.

A. Die Thora

  • Bereschlit (Genesis, 1. Buch Mose)
  • Schemot   (Exodus, 2. Buch Mose)
  • Wajikra     (Levitius, 3. Buch Mose)
  • Bemidbar (Numeri, 4. Buch Mose)
  • Debarim   (Deuteronomium, 5. Buch Mose)

B. Die Prophetischen Bücher (Nebim):

  • Die vier geschichtlichen Prophetenbücher: Josua, Richter, Samuel, Könige. Diese werdenauch „frühere Propheten“ genannt, denn nach jüdischer Tradition sind sie von Propheten verfasst;
  • die vier eigentlichen oder „späteren Propheten“: Jesaja, Jeremia, Ezechiel und das Buch der zwölf „kleinen Propheten“.

C. Die übrigen Schriften (Ketubim):

  • die drei poetischen Schriften: Psalmen, Sprüche, Hiob;
  • die fünf Rollen (Megillot): Hoheslied, Ruth, Klagelieder, Prediger, Esther:
  • die drei geschichtlichen Schriften: Daniel, Esra, Nehemia (und Chronik).

Die Sepuaginta und der Talmud bieten ein anderes Einteilungsprinzip, aber das hier dargelegte ist in fast allen jüdischen Bibelausgaben üblich. Die fünf „Rollen“ haben die Reihenfolge der Feste, an denen sie in der Synagoge gelesen werden. Den Schwerpunkt der Bibel bildet die Thora, die ursprünglich allein Heilige Schrift war. Die übrigen Teile haben eine spätere Entstehungszeit und sind im Laufe einer langen Überlieferungsgeschichte hinzugerechnet worden. Das wird an einer Spaltung deutlich: Als um 400 v. Chr. infolge der jüdischen Selbstbesinnung nach dem babylonischen Exil die Samaritaner endgültig von der Jerusalemer Tradition ausgeschlossen wurden und ihren eigenen Tempel auf dem Garizim errichteten, besaßen sie lediglich die Thora. Sie legen diese bis heute allein ihrem Gottesdienst zugrunde.

Nach orthodoxer Tradition ist die Thora dem Mose von Gott unmittelbar geoffenbart, gewissermaßen diktiert worden, die übrigen Verfasser seien vom Geiste Gottes erfüllt gewesen. Gewiss werden in der jüdischen Theologie die Forschungen der historisch-kritischen Bibelwissenschaft anerkannt. Aber für den gläubigen Juden hat das keine Bedeutung. Aus der Thora sind dem zerstreutem Volke die Kräfte der Beharrung zugewachsen. Die Thorarolle wurde darum als heiligste Reliquie des Judentums in der Synagoge dauernd verehrt und in zum Teil kostbaren Schreinen aufbewahrt. Die biblische Weisung bedurfte allerdings erneuter Auslegung, als Jahrhunderte seit ihrer Entstehung vergangen waren und das jüdische Leben sich in der Fremde wandeln musste. Diese Denkarbeit haben die Rabbinen geleistet und im Talmud niedergelegt.

Es ging darum, dem Wort der Heiligen Schrift jene Elastizität zu verleihen, die nötig war, um unter der neuen, vom Ursprung völlig verschiedenen politischen und sozialen Situation nicht ohne geistliches Geleit zu sein. Es ging darum, das biblische Wort durch eine zeitgemäße Auslegung in seiner grundsätzlichen und unaufhörlichen Gültigkeit jeweils neu zu gewinnen.

Der Talmud („Das Lernen“) ist ein gewaltiges Sammelwerk, dessen Ursprünge in Palästina und Babylon liegen. Er enthält einmal die Mischna („Das weiderholt Gelernte“) und zum anderen die Gelehrtendiskussionen über diese Mischna, also gewissermaßen geistliche Protokolle, die sog. Gemara („Lernstoff“, „Vervollständigung“). Die Mischna umfasst eine von Rabbi Jehuda Hanassi veranstaltete Sammlung von Lehrsätzen des mündlich überlieferten „Gesetzes“. Zwar gab es schon vor ihm Mischna, vermutlich bereits zur Zei Jesu. Aber es bestand die Gefahr, dass durch verschiedene Interpretationen der Thora die geistliche Einheit des Judentums bedroht wurde. Um dieser Gefahr zu begegnen, verfasste Rabbi Jehuda unter Benutzung aller vorhandenen Sammlungen seine Mischna (um 200 n. Chr.). Er wollte damit in religiösen und gesetzlichen Fragen eine Norm bieten. Indem er die verschiedenen Meinungen der Thoralehrer jeweils zitierte, gegeneinander abgrenzte und sie seiner Meinung gegenüberstellte, schuf er ein unentbehrliches Kompendium, das bald die vorläufigen Sammlungen verdrängte. Er hat das religionsgesetzliche Material gesichtet und zum System von sechs „Ordnungen“ zusammengestellt, die das Gerüst der Mischna bilden.

Die Titel der Mischna-Ordnungen (Seradim) lauten:

  1. Seraim = Gesetze über Grund und Boden
  2. Moed = Über die Feste
  3. Naschim = Ehegesetze
  4. Nesikin = Über Zivil- und Strafrecht
  5. Kodaschin = Über Tempelkult und Speisegesetze
  6. Taharot = Über levitische Unreinheit

Jede „Ordnung“ (seder) besteht aus einer Anzahl (7-12) Traktate, die Traktate zerfallen wieder in Kapitel, die Kapitel in Paragraphen oder Lehrsätze. Die einzelnen Kapitel sind nach ihren Anfangswörtern benannt, wie auch die Bücher der Thora (und päpstlichen Enzykliken). Die in der Mischna erwähnten Lehrer werden Tannaim (die „Lernenden“) genannt. Der zweite Bestandteil des Talmud, die G e m a r a, umfaßt die erläuternden und kritischen Erörterungen über die Mischna, wie sie in den Lehrhäusern Palästinas und Babylons stattgefunden haben. Die theologischen Protokolle umfassen aber auch allerlei anderes, das in den Diskussionen vorgebracht wurde. Sie können einen Eindruck vermitteln, wie die Gesetzeslehrer Meinungen ausgetauscht, einander belehrt, korrigiert und widerlegt haben. So spiegelt sich auch die Skala der menschlichen Gefühle in diesem religionsgeschichtlich einzigartigen Dokument, da die verschiedenartigsten Probleme gelegentlich ins Gespräch gerieten und beurkundet worden sind: Geschichtliches und Anekdotisches, Wunderberichte, Legenden, Parabeln, Sprichwörter; daneben astronomische, geographische und naturwissenschaftliche Mitteilungen, mathematische Lehrsätze und medizinische Ratschläge. Die gewaltigen Stoffmassen sind sehr unübersichtlich, so daß man in der Lektüre nur mühsam vorankommt. […]

Entsprechend den zwei Zentren, in denen nach Abschluss der Mischnaredaktion jüdische Gelehrsamkeit gepflegt wurde, gibt es einen palästinensischen und einen babylonischen Talmud („Jeruschalmi“ und „Babli“). Der Babylonische Talmud hat etwa den dreifachen Umfang des palästinensischen. Der Grund dafür dürfte in der Tatsache liegen, dass der babylonische Talmud ein Jahrhundert nach dem palästinensischen abgeschlossen wurde und somit Zeit zur Verfügung stand, das überlieferte Material zu erweitern und zu vertiefen. Darum hat auch der babylonische Talmud die größere Verbreitung gefunden. Etwa ein jahrtausend lang hat man an dem Werk gearbeitet. Seine ältesten Bestandteile gehen ins 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, die abschließende Redaktion erfolgte im 5. nachchristlichen Jahrhundert.

(Quelle: Judentumskunde – Eine Einführung / zweite erweiterte Auflage 1960 / Hans-Jochen Gamm / Ner-Tamid-Verlag)

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