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Der Weg zu Gott

Umfangen vom herbstlichen Laubfeuer, lag das kleine, pittoreske Häuschen von Osman Efendi. Er saß im abgestorbenen Garten mit einer ranzigen Decke zugedeckt, Mocca trinkend, auf seinem geliebten Schaukelstuhl und sinnierte gedankenverloren vor sich hin. Er blickte in den Himmel, der seit dem Eintritt in die goldene Jahreszeit den fernen Stadtkern von Kütahya, in triste Silhouetten kleidete. Die Gräue und Witterung, die er an den Randbezirken des Städtchens im Laufe der Jahre so schätzen gelernt hatte, ließen ihn immer wieder wehmütig an seine sprühende Jugendzeit auf den ostanatolischen Aprikosenplantagen in Malatya denken. Doch da war sein jetziges Leben. Sein Leben war ohne Trost. Es war weder fesch noch glücklich, wie es erdachte Märchen sind. Etwas musste geschehen. Ohne lange zu überlegen, fand er plötzlich gedankliche Freude an einem freitäglichen Spaziergang durch die verschlungenen Gassen und Straßen der Provinzstadt. Geschwind holte er seinen schmuddeligen Trenchcoat aus dem Haus und ging in Richtung der altehrwürdigen Porzellanwerkstätten von dannen.

Die Straßen der Stadt Kütahya waren porös und unordentlich angetan. Ein eisiger Wind wehte um die Häuser und steigerte sich zu einem unendlichen Fluchen in den unzähligen Unterführungen. Osman Efendi erreichte ein kleines Gässchen. Damals, als er noch voller Ideale war und die bunten Farben der Zukunft in der Luft zirkulierten, kaufte er hier revolutionäre Literatur jeglicher Art. Nun, im Herbst, saßen die alten Buchhändler in ihren Lädchen frierend und warteten den lieben langen Tag vergeblich auf Kundschaft. Einige Ladeninhaber standen gesammelt vor einem kleinen Ofen und wärmten sich ihre knorrigen Hände, die an verdorrte Aprikosenkerne erinnerten. Osman Efendi rekapitulierte seine vergangenen Jahre hier in Kütahya: Die Liebe zu einer Frau ließen ihn Ostanatolien verlassen und hierher kommen. Fiebrig kamen Gedanken hoch, wie er unter der sengenden Sonne mit seiner Geliebten die reifen und vollen Früchte pflückte und ab und an – sich gegenseitig fütternd – heimlich genossen. Doch wie Kafkas Schloss konnte er sie nicht mehr erreichen. Wohlbehütet wurde sie in einem Konak verwahrt und einem fernen Verwandten angedacht und überreicht. Er blieb. Dabei verstieg er sich in Utopien und Ideologien, die er sich in unzähligen durchlesenen Nächten erschloss und die den Trost der Idee versprachen. Doch in Zeiten der dahinschwindenden Jugend, würden sie nur noch ins Leere verlaufen und Dämmerungen produzieren. Er seufzte still in sich hinein und ging hinfort.

Osman Efendi drang langsam zu dem Stadtkern vor. Es wurde reger und lebhafter um ihn herum. Hausfrauen mit ihren kleinen Kindern machten ihre freitäglichen Einkäufe für die hungrigen Männermäuler am Abend. Plötzlich vernahm er ein erhitztes Rufen und Brüllen, welches von einer der näheren Gassen zu ihm drang. Und da waren sie: Rote Fahnen schwenkende Frauen und Kerle, die das Zentrum eines mittelgroßen Marktkernes sprengten. Es war eine anrüchige Vereinigung von cholerischen Dummköpfen, die dieses und jenes schrien. Osman Efendi verspürte auf einmal tiefe innere Abscheu. Schamesröte stieg in sein Gesicht auf und er dachte: „Bei solchen Brülläffchen bin ich früher mitgelaufen?“. Er konnte nur noch entschlossen den Kopf schütteln. Ihm wurde unmittelbar eine Erkenntnis zu Teil, die sich langsam zu einem klaren Gedanken bahnte: „Die westliche Ideengebung wurde unserer muslimischen Kultur aufoktroyiert ohne jede Scham und Anstand!“ Er erschrak und fühlte sich ertappt, etwas Unbotmäßiges verbrochen zu haben. Er, der sich immer als fortschrittlich gab und damals allabendlich das Cognacglas schwenkte…unerhört! Er blickte wirr um sich, doch keine der dahin trottenden Frauen bemerkte etwas. Energisch ging er in Richtung Amüsiermeile von dannen.

Von weitem hörte er schon am helllichten Tag das unschickliche Gegröle aus den Kaffeehäusern und dem stadtbekannten Salon. Hier war der Tummelplatz von neureichen Banausen und arbeitslosen Taugenichtsen. Arm und Reich reichten sich hier die Hand und hinterließen eine ungesunde städtische Melange. „Wie oft war ich hier, um meine Trauer, um der verflossenen Liebe und dem Sumpf der hoffnungslosen Ideologisierung zu entgehen“, dachte er. Er schaute aus der Ferne auf das emsige Herumstolzieren der reichen Burschen in Zielrichtung Salon, die doch nur ein Imitat der westlichen Zivilisation darstellten. „Alles kommt mir vor eine orientalische Version von Thomas Manns ‚Der Zauberberg‘“, überlegte Osman Efendi. Er hörte das Schachern der liederlichen Backgammonspieler und ihr obszönes Gerede. Eine ungeahnte Wut stieg in ihm hoch, die ihm gänzlich unbekannt erschien. „Das stellt doch alles hier eine widerwärtige Verschwörung gegen unseren Glauben, unsere Tradition und unsere Art, die Welt zu sehen, dar!“, rief er auf einmal in die gesichtslose Menge. Es war also geschehen. Er hatte seit langem seinen Gefühlen und Empfindungen freie Bahn gelassen. Gedanken, die er in den letzten Monaten immer wieder erahnt, aber nie auszusprechen gewagt hatte. Menschen starrten ihn unwirsch – wenn nicht gar offen feindlich – an. Er fühlte sich wie ein traditioneller Meddah, der zur Belustigung der Menge Märchen ersann. „Doch das kann nicht sein“, sagte er zu sich selbst. „Meine Wahrnehmung ist nun mehr endlich klar“, murmelte er mehr zu sich selbst. Unter dem Gegröle der schamlosen Freibeuter rannte er mit rotem Gesicht davon.

Osman Efendi gelangte zu einer kleinen Moschee, die sich sanft an eine natürliche Erhebung schmiegte. Sein Blick fiel unmittelbar auf einen winzigen, einsamen Aprikosenbaum, der, ganz unüblich für diese Jahreszeit, volle Früchte trug. Verwunderung machte sich in seiner Seele breit. „Was für ein merkwürdiger Tag“, dachte er und schüttelte leicht den Kopf. Vor der Moschee herrschte hingegen reges Treiben: Kein Wunder, die Zeit des allwöchentlichen Freitagsgebets war angebrochen und Jung und Alt tummelten sich, wie Straßentauben um einen Brotkrumen, vor dem Eingang. Er beschloss, sich dem Taubenpulk anzuschließen. Die kleinen Маrmorsäulen, die die bauchige Decke trugen, erglänzten über den makellosen roten Teppich. Ein Geruch von Moschus und Ambra waberte in der dämmrigen Luft. Der altertümlich anmutende Imam setzte zur Predigt an: „Es liegt alle unwiderlegbare Beseligung, klare Befriedigung, feiner und reiner Genuss mit Gewissheit in der Gotteserkenntnis und der Gottesliebe. Eines kann ohne das andere nicht sein. Wer Gott den Gerechten kennt und liebt, empfängt ohne alle Grenzen glanzvolle Glückseligkeit. Wer Ihn nicht wirklich kennt und liebt, muss hingegen physisch wie psychisch Leiden und grenzenlose Not erfahren.“ Als der greise Imam seine Predigt beendet hatte und das freitägliche Gebet vollzogen war, ging Osman Efendi auf leisen Sohlen davon. Er verspürte nach diesem Strahl an wahren Worten eine noch nie dagewesene innere Ruhe und einen Frieden, der seinesgleichen suchte. Ihm war als würde er die Vögel des Paradieses hören. Er hatte nun einen weiten und kurzen Heimweg vor sich. Und als er sich nun in die Straßen und Gässchen versenkte, war Gott auch dort. Er würde ihn bis zu seinem baldigen Tode begleiten. Die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die tristen Wolken. Sie begann zu leuchten. Osman Efendi verschwand in einem weißen Licht, das die ersehnte Klarheit versprach.

„Abu Umama, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Allah, Der Allmächtige und Erhabene sprach: ‚Der Glückseligste bei Mir unter Meinen Nahestehenden ist ein gläubiger Diener, der wenig besaß, wenige Personen zu versorgen hatte, und sich dem Gebet reichlich widmete. Er war der, der seinen Herrn verehrte und Ihm insgeheim Gehorsam leistete; er trat unter den Menschen unauffällig auf, und auf ihn wurde nicht mit dem Finger gezeigt. Seine Versorgung war knapp, und er ertrug dies geduldig. ‚Der Prophet schüttelte was von seiner Hand ab und sagte: Sein Tod wurde von Allah beschleunigt, diejenigen, die ihn beweinten, waren wenig, und sein Nachlass war gering.‘“

(Hadith Qudsyy, überliefert bei Al-Tirmidyy, Ahmad und Ibn Maga)

Zitat: Wael B. Hallaq – Es gab nie einen islamischen Staat …

«Es gab nie einen islamischen Staat. Der Staat ist modern und mit modern meine ich nicht eine besondere zeitliche Einheit an irgendeinen Punkt auf der Chronik der Menschheitsgeschichte. Das Moderne ist eine spezifische Struktur von Beziehungen, welche sich als ein einzigartiges Phänomen auszeichnet. Sie stellt eine besondere Qualität dar.

Aus diesem Grund stellt der Gebrauch des Begriffs “ Islamischer Staat“ – im Sinne einer Entität, die in der Geschichte bereits existierte – nicht nur ein Frönen in anachronistischem Denken dar, sondern verkennt auch die strukturellen und qualitativen Unterschiede zwischen dem modernen Staat und seinen „Vorgängern“, insbesondere im Vergleich mit dem, was ich als „islamische Herrschaftsform“ bezeichne.»

(Wael B. Hallaq, The Impossible State – Islam, Politics, and Modernity’s Moral Predicament, Seite 48)

Buchauszug: John Gray – Der Humanismus ist eine Religion

«Der liberale Humanismus verfügt heute über eine so weitreichende Macht wie einst die Offenbarungsreligionen. Humanisten bilden sich gern ein, ihre Sicht der Welt sei rational. Doch ihre Grundüberzeugung, die Geschichte der Menschheit sei eine Fortschrittsgeschichte, beruht auf einem Aberglauben und ist weiter von der Wahrheit entfernt als jede Religion. […]

Der Humanismus ist keine Wissenschaft. Der Humanismus ist eine Religion. Er ist ein postchristlicher Glaube daran, dass wir eine Welt aufbauen können, die besser ist als jede, in der Menschen bislang gelebt haben. Im vorchristlichen Europa ging man ganz selbstverständlich davon aus, die Zukunft werde wie die Vergangenheit sein. Es mochte zwar neue Erkenntnisse und Erfindungen geben, aber an den Grundlagen ethischen Handelns würde sich im Wesentlichen nichts ändern. Die Geschichte des Menschen betrachtete man als eine Abfolge von Zyklen, der kein allumfassender Sinn innewohnt.

Die Christen dagegen fassten die Menschheitsgeschichte im Sinne einer Erzählung von Sünde und Erlösung auf. Der Humanismus überführt diese christliche Erlösungsdoktrin in das Projekt, die gesamte Menschheit zu emanzipieren. Die Idee des Fortschritts ist der ins Säkulare gewendete christliche Glaube an die Vorsehung.»

(John Gray, Von Menschen und anderen Tieren – Abschied vom Humanismus, Klett-Cotta Verlag)

Buchauszug: Oswald Spengler – Khawarij, die muslimischen Jakobiner

Es gibt Momente im Leben eines Autodidakten, die ihn mit unglaublicher Befriedigung erfüllen. Einer dieser Momente ist, wenn man im Werk eines bedeutenden Gelehrten eine bisher ungeläufige fachliche Einschätzung vorfindet, die man zuvor- völlig unabhängig davon – bereits selbst in Erwägung zog.

Dies erlebte ich bspw. kürzlich, als ein auf Facebook mit mir befreundeter Muslimbruder einen Auszug aus Oswald Spenglers kulturphilosophischen Geschichtswerk Der Untergang des Abendlandes publizierte. Spengler selbst bezeichnet dieses sein Hauptwerk als eine Morphologie der Weltgeschichte. Er vergleicht darin das Abendland unter kulturhistorischen Gesichtspunkten mit anderen großen Hochkulturen der Weltgeschichte.

Interessanterweise ist Spengler der Ansicht, dass es sich beim Aufkommen der Charidschiten (Khawarij) um das Inerscheinungtreten eines demokratisch-puritanischen Jakobinertums handelte; ein Gedanke, der vor über einem Jahr mein Antrieb zum Blogbeitrag „ISIS vs. Frankreich: Wenn Terror die historische Grundlage eines Staates ist“ war.

Ebenfalls erwähnenswert ist auch seine Einschätzung, dass das Schiitentum direkt etwas mit dieser Entwicklung zutun hatte und dass sich hieraus letztendlich auch ein früher (Proto-)Kommunismus generierte.

Aber lest selbst:

«Von Kufa geht die Bewegung aus, welche zum Untergang der Ommaijaden und ihres ancien régime führt, und sie hat, was in seiner ganzen Tragweite bis jetzt noch nie erkannt worden ist, den Charakter einer sozialen, gegen die Urstände und die vornehme Tradition überhaupt gerichteten Revolution. […]

Schon im Heere Alis hatten sich die ganz demokratischen und puritanischen Charidschiten abgesondert. In ihren Kreisen erscheint jetzt zum erstenmal die Verbindung von fanatischem Sektenwesen und Jakobinertum.

Hier ist damals nicht nur die schiitische Richtung entstanden, sondern auch der früheste Ansatz zur kommunistischen Churramija, die sich bis auf Mazdak zurückleiten läßt und später die ungeheuren Aufstände unter Babak hervorrief.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 1091 f.)

Buchauszug: Murad Wilfried Hofmann – Die tatsächliche westliche Geschichte seit der Aufklärung

«Die tatsächliche westliche Geschichte seit der Aufklärung war mitnichten die Verwirklichung der Vernunft, sondern eine Serie von Unmenschlichkeiten allergrößten Ausmaßes:

Verproletatisierung ganzer Landstriche und Kinderarbeit; Sklavenhaltung und Apartheid; zwei mörderische Weltkriege; Einsatz chemischer und nuklearer Waffen; systematische, ja im Falle von Nazi-Deutschland industrielle Vernichtung von Kulaken, Juden, Roma und Sinti, Homosexuellen und Geistesschwachen; bolschewistischer Staatsterror; faschistischer Chauvinismus; »ethnische Säuberungen« in Mitteleuropa, Kroatien, Bosnien und Serbien.

Für dieses singuläre Scheitern einer großen Idee, der Herrschaft der Vernunft über autonome Individuen, waren die Väter der Aufklärung nicht unmittelbar verantwortlich, etwa David Hume (1711-1776), Immanuel Kant (1727-1804), Frangois Marie Voltaire (1694-1778), Friedrich der Große (1712-1786), Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) oder Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).

Erst recht ist den Hauptanregern der Aufklärung dieser Vorwurf zu ersparen, einem Michel Montaigne (1533-1592), René Descartes (1596-1650), John Locke (1632-1704) oder Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), denn sie alle waren keine die Existenz einer Gottheit leugnenden Atheisten, sondern Deisten, die an einen einzigen, weit abwesenden Gott (deus absconditus) glaubten, wenngleich nicht an das kirchlich vermittelte Christentum und sein trinitäres Gottesbild.

Ihre eigene Gottesvorstellung beruhte nicht auf Offenbarung, sondern Naturbeobachtung und Nachdenken. Sie wollten nicht Religion als solche abschaffen, wohl aber den erstickenden Dogmatismus der Kirchen und den Obskurantismus des (aus ihrer Sicht) ungebildeten, unduldsamen, herrschsüchtigen und schmarotzenden Klerus.

In der Tat benutzten einzelne Aufklärer den Islam, um auf diesem Umweg die Befreiung von dem als unerträglich empfundenen kirchlichen Joch zu beflügeln.

Lessing tat dies 1779 auf anständige (und daher für ihn riskante) Weise mit Hilfe der Vorbildlichkeit der Muslime in seinem Theaterstück »Nathan der Weise«.2 Voltaire hingegen, dafür von Friedrich dem Großen durch die Blume gerügt, hatte dies zuvor mit seinem Drama von »Mahomet« (1742), dem »Lügenpropheten«, auf weniger anständige (und weniger riskante) Weise getan, wider besseres Wissen und zu Lasten des Islam. Er schlug den Sack (Islam) und meinte den Esel (die römische Kirche).

Schließlich hatten sich auch Kants Kritiken zunächst nicht anti-religiös, sondern nur anti-kirchlich ausgewirkt.

Mit seiner »Kritik der reinen Vernunft« (1781) hatte er nicht etwa die Nichtexistenz Gottes bewiesen (noch beweisen wollen), sondern nur die Unzuverlässigkeit jeder Metaphysik, die über Erkenntniskritik hinausgeht und damit notwendigerweise spekulativ oder – wie Ludwig Wittgenstein gesagt hätte – zum Sprachspiel wird. Ganz im Gegenteil: In seiner folgenden »Kritik der praktischen Vernunft« (1788) arbeitete Kant mit dem (für das Funktionieren der Gesellschaft notwendigen) Postulat Gottes, d.h. mit Gott als nützlicher Arbeitshypothese.

Dennoch führte die von der Aufklärung bewirkte Befreiung des Menschen von kirchlicher Bevormundung zur Marginalisierung der Religion. Das anstelle Gottes zum Maßstab aller Dinge aufsteigende und während der Französischen Revolution inthronisierte »autonome« (!) Individuum wurde in grandioser Selbstüberschätzung zum neuen Idol, da die Autonomie des Menschen als prinzipiell universell und grenzenlos gedacht war.»

(Murad Wilfried Hofmann. Der Islam im 3. Jahrtausend  Eine Religion im Aufbruch, Seite 20-21 )

Zitat – Ludwig Ferdinand Clauß – Wer keinen Ruf hat, ein Eigenes zu sein, …

«Wer keinen Ruf hat, ein Eigenes zu sein, der mag so sein, wie irgendein anderer ist, oder so zu sein scheinen; denn ein bloßes Auchsein ist, geschichtlich gewertet, noch kein Sein. Er mag sich in diesem Auchsein wichtig fühlen – für den, dessen Auch er ist, bleibt er tödlich belanglos.»

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, © 1963, Seite 147)

ISIS vs. Frankreich: Wenn Terror die historische Grundlage eines Staates ist

von Yahya ibn Rainer

Nach den Anschlägen von Paris ist die halbe Welt aus den Fugen geraten. Der IS a.k.a. ISIS a.k.a. Daesh ist in aller Munde und vielerorts streitet man darüber, ob es sich bei diesem Gebilde nun wirklich um einen „Staat“ oder eher um eine „Terrororganisation“ handelt. Dabei muss man sich diese Frage gar nicht erst stellen, denn das eine schließt das andere nicht zwingend aus. Ein guter Beweis dafür ist bemerkenswerterweise Frankreich – das Opfer der kürzlichen Angriffe des IS – und seine republikanische Entstehungsgeschichte.

Wie wir alle wissen, ist die heutige Französische Republik das Resultat der Französischen Revolution, die vor etwa 225 Jahren eingeläutet wurde. Ein Mitinitiator und führender Kopf dieser Revolution war der Franzose Maximilien de Robespierre, den ich einleitend hier gerne zitieren möchte:

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Zitat: Christian Rogler – Das Verständnis von „rechts“

»Offenbar hat sich das Verständnis von „rechts“ im Laufe der letzten Jahrzehnte im Wege einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung noch stärker zum Negativen entwickelt als der Begriff „konservativ“.

Wenn man in meiner Jugend mit irgendwelchen DVU-Leuten gesprochen hat oder auch nur mit irgendwelchen Angehörigen der Kriegsgeneration, die an Omas Kaffeetisch saßen, dann waren das gebildete, belesene Leute, die stundenlang über die Geschichte ihres Heimatortes, ihrer Familie, über die Geschichte Deutschlands erzählen konnten. Sie kannten Gedichte, Opern, hatten Ahnung von Religion und Kultur und Respekt davor, auch vor der Kultur und Religion anderer. Sie hatten Umgangsformen und waren gute Großväter, Nachbarn oder Lehrer. So etwas – und die anmaßende Art bzw. abstoßende Ideologie der 68er – machten es schwer, zu erkennen, dass ihre apologetischen Vorstellungen über die Kriegs- und NS-Zeit verkürzt waren, dass Deutschland kein Opfer war, auch wenn viele Menschen litten, die sich nicht an Verbrechen beteiligt hatten. Man fühlte Empathie angesichts ihres Vertreibungsschicksals oder angesichts der Tatsache, dass sie die besten Jahre ihres Lebens an der Front verloren hatten. „Rechts“ zu sein war einfach, als sie noch da waren.

Aber jetzt sind „Rechte“ die tätowierten, adipösen, versoffenen und grölenden Kevins und Cindys aus Heidenau, die nicht einmal die eigene Muttersprache beherrschen, wahrscheinlich nicht einmal die deutschen Landeshauptstädte aufzählen könnten, in Flüchtlingen ihre „Fressfeinde“ bei der Verteilung staatlicher Versorgungsleistungen sehen und den Islam hassen, weil jede mehrfache Mutter mit Kopftuch sie in Neid darauf verfallen lässt, dass es noch Menschen mit anderen Lebensinhalten gibt als das Dschungelcamp zu gucken oder die Wochenenden in Bauchfreitop und Hot Pants auf Ü40-Partys zu verbringen. Der Volkssturm der Bild-Zeitung also.

Und dann noch die „Konservativen“, die sich auf Alice Schwarzer und Ralph Giordano berufen. Leute, geht nach Hause. Ihr habt lange und laut genug Euren Offenbarungseid geleistet.«

(Christian Rogler, Unternehmer, Redakteur sowie sozialkonservativer und staatskritischer Reakionär >>)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LXIII)

»Weil er den Einwand, der ihn widerlegt, nicht versteht, glaubt der Schwachkopf sich bestätigt.«

»Die moderne Industrie strotzt von Artikeln, die weder, wie offensichtlich, zur geistigen Perfektionierung des Menschen, noch zur materiellen Vervollkommnung der Zivilisation taugen.«

»Der pädagogische Eifer war Ratgeber der schlimmsten Dummheiten der Geschichte und seiner schrecklichsten Verbrechen.«

Die Vorstellung von freier Marktwirtschaft im frühen Islam – Einleitung (1. Teil)

Der folgende Text stammt von Suleyman Dost, einem türkischstämmigen Doktoranten des Fachbereichs »Nah-östliche Sprachen und Zivilisationen« an der University of Chicago (hier ein Auszug aus seiner Dissertation), und wurde von mir (Yahya ibn Rainer) in die deutsche Sprache übertragen. Das englischsprachige Original ist »HIER« zu finden.

EINLEITUNG

(Verbindliche) islamische Standpunkte für die Ökonomie abzuleiten ist bereits eine anspruchsvolle und schwierige Aufgabe, besonders weil der Islam als Religion viele verschiedene Texte, Überzeugungen, Meinungen und Praktiken kennt, die sich jedoch weder auf die Ökonomie als Gesamtkonzept fokussieren, noch eine aufwändig entwickelte Grundlage liefern, die der Islam als Weltanschauung verbindlich macht.

Die Vorstellung von freier Marktwirtschaft im frühen Islam – Einleitung (1. Teil) weiterlesen

Zitat: Rose Wilder Lane – Eine so bemerkenswerte geschichtliche Figur wie George Washington

„Vor etwas mehr als dreizehnhundert Jahren begann ein arabischer Kaufmann mit dem zweiten Versuch, die individuelle Freiheit in Handel und Gewerbe als Tatsache hinzustellen. Dieser Mann ist heute eine so bemerkenswerte geschichtliche Figur wie der Amerikaner George Washington.“

(Rose Wilder Lane, Die Amerikanische Revolution, ein Fanal der Freiheit, Seite 88)

Aus der Feder einer nichtmuslimischen us-amerikanischen Autorin dürfte dieser Vergleich wohl positiv gemeint sein. Oder?

Auszug: Dominik Tischleder – Die hilflose Anrufung des „Abendlandes“ ist womöglich Ausdruck eines verzweifelten Relativismus

«Nun, da nach Lage der Dinge das „Abendland“ wie auch die „Leitkultur“ nicht mehr vorhanden sind, sondern faktisch, egal wie bedrohlich oder sonstwie unschön man das findet, einem Pluralismus der Lebensformen weichen mussten, ist all das, was dann einem „Abendländer“ als besonders „abendländisch“ gilt, für seine Mitbürger nicht mehr unmittelbar einsichtig und bindend. Deshalb kann man in leichter Abwandlung Carl Schmitts formulieren: „Wer Abendland sagt, will geltend machen und durchsetzen. Tugenden übt man aus; Normen wendet man an; Befehle werden vollzogen, aber das Abendland wird gesetzt und durchgesetzt.“

In der Benutzung des Begriffs spiegelt sich eine Machtfrage: Wer interpretiert die Geschichte? Gleichsam also das Interesse derjenigen, die sie beantworten und nun auf Durchsetzung drängen. Vor allem wird das, was „Abendland“ inhaltlich ausmachen soll, rettungslos durch die jeweils gerade aktuellen politischen Lagen und Wertvorstellungen bestimmt, heute sind es eben die „judeo-christlichen Werte“, früher mehr die Werte der „Volksgemeinschaft“ oder die Abendlandwerte der „Grand Nation“.

Die hilflose Anrufung des „Abendlandes“ in politischer Absicht ist, entgegen seiner Intention, womöglich selbst Ausdruck eines verzweifelten Relativismus, denn in der Nutzbarmachung ist sie eben nicht Ausdruck einer Gemeinschaft, die versucht, das Gute zu erkennen und zu tun, sondern selbstgerechter Ausdruck derer, die die Wahrheit beziehungsweise das, was sie dafür halten, bereits gefunden haben. Ein Zug zur Gesinnungsschnüffelei wird so unvermeidlich, denn um Gesinnung geht es ja, wenn man genötigt wird, sich zu irgendwelchen gerade aktuellen „Abendlandwerten“ zu bekennen, nur weil man beispielsweise ein rechtschaffener, hier wohnender Bürger islamischen Glaubens ist.»

(Dominik Tischleder, Pegida und das „Abendland“ – Gegenwartsskizze und Begriffsgeschichte, Magazin eigentümlich frei, Nr. 150, Seite 18-19)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LII)

„Alles, was geschieht, nimmt delikaterweise die Form der Notwendigkeit an.“

„Die Dummköpfe glauben, dass die Menschheit erst heute bestimmte wichtige Dinge weiß, wo es doch nichts Wichtiges gibt, was die Menschheit nicht von Anfang an wusste.“

„“Feudale Anarchie“ ist der Spitzname, mit welchem der demokratische Terrorismus die einzige Periode konkreter Freiheit schlechtredet, die die Geschichte kennt.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LI)

„Wenn der Staub sich legt, den die großen Ereignisse, der modernen Geschichte aufwirbeln, ist der Historiker über die Mittelmäßigkeit der Protagonisten sprachlos.“

„Um den Dummkopf zu entlarven, gibt es kein besseres Reizwort als mittelalterlich.
Er sieht sofort rot.“

„Die Konsequenzen seiner Handlungen sind so unvorhersehbar, dass der Mensch schließlich zum bloßen Zuschauer der Geschichte wird, die er macht.“