Schlagwort-Archive: Antisemitismus

Zitat: Horkheimer & Adorno – Die Wut entlädt sich auf den, der auffällt ohne Schutz

«Erst die Blindheit des Antisemitismus, seine Intentionslosigkeit, verleiht der Erklärung, er sei ein Ventil, ihr Maß an Wahrheit. Die Wut entlädt sich auf den, der auffällt ohne Schutz. Und wie die Opfer untereinander auswechselbar sind, je nach der Konstellation: Vagabunden, Juden, Protestanten, Katholiken, kann jedes von ihnen anstelle der Mörder treten, in derselben blinden Lust des Totschlags, sobald es als die Norm sich mächtig fühlt. Es gibt keinen genuinen Antisemitismus, gewiß keine geborenen Antisemiten.»

– Max Horkheimer & Theodor W. Adorno (Dialektik der Aufklärung)

Sachsen/Dresden vor etwa 120 Jahren – Als Pegida noch “Deutsche Reformpartei” hieß

[…] Sachsen ist 1893 mit einem Anteil von 0,24% einer der deutschen Staaten mit dem geringsten Anteil an Juden, unter den großen Staaten sogar derjenige mit dem geringsten (zum Vergleich: Berlin hat einen jüdischen Bevölkerunganteil von 5%, Frankfurt am Main von 10%). Dennoch schneiden die Antisemiten unter der Firma “Deutsche Reformpartei” hier besonders stark bei den Reichstagswahlen ab und erobern die Mandate für die sechs Wahlkreise Bautzen-Kamenz-Bischofswerda, Dresden rechts der Elbe-Radeberg-Radeburg, Dresden links der Elbe, Dresden-Land links der Elbe-Dippoldiswalde, Meißen-Großenhain-Riesa und Pirna-Sebnitz. Mit weniger als einem Viertel Prozent Juden droht ja schließlich die “Verjudung” Sachsens und Deutschlands. […]

Quelle: Freisinnige Zeitung, HIER komplett lesen >>

Die Rede des Andreas Abu Bakr Rieger auf einer Veranstaltung des türk. „İslam Devleti“ (Islamischen Staat) (1993)

Im Jahre 1993 hielt der Jurist, Publizist und Herausgeber der Islamischen Zeitung, Andreas Abu Bakr Rieger, eine Rede auf der gut besuchten Veranstaltung der türkischen Organisation „Anadolu Federal İslam Devleti“ (Freier Islamischer Staat Anatoliens), die später auch als „Hilafet Devleti“ (Kalifatstaat) Bekanntheit erlangte und 2001 vom Bundesinnenministerium in Deutschland verboten wurde.

Der Wortlaut dieser Rede war wie folgt:

Die Rede des Andreas Abu Bakr Rieger auf einer Veranstaltung des türk. „İslam Devleti“ (Islamischen Staat) (1993) weiterlesen

Video: Ein kleine Erwiderung auf Herrn Riegers „Salafistenschelte“

Mit diesem Beitrag beziehe ich mich auf den Libertär-muslimischen Dialog des vorherigen Blogbeitrages.

Als Herr Andreas Abu Bakr Rieger 1993 diese Rede auf einer Veranstaltung der (heute in Deutschland verbotenen) türkischen Kalifatstaat-Organisation hielt (interessant vor allem von 0:58-1:22), da kam er nicht etwa von einer saudi-finanzierten Glaubensindoktrination, einem salafistischen Seminar oder einer wahhabitischen Gehirnwäsche – davon redete damals nämlich keine Sau -, sondern war, wie heute, angetan vom (seiner Ansicht nach) klassischen Islam und seiner mystischen Schule (Sufismus).

https://www.youtube.com/watch?v=n7H8fvnjOiU

Video: Ein kleine Erwiderung auf Herrn Riegers „Salafistenschelte“ weiterlesen

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Ein Araber, der sich von seinem Glauben „frei“ macht

„Jede semitische „Volkheit“ (im Sinne Herders und Goethes) wurzelt ihrem Wesen nach in einem Bewußtsein der Gottesverbundenheit. Sie beruft sich auf diese in ihrem geschichtlichen Denken, das ein Sendungsbewußtsein voraussetzt, und gibt sich selber auf, wenn sie dieses Bewußtsein verliert. So auch die Araber. Jeder Stoß von außen, der das arabische Volk als solches trifft, berührt notwendig dieses Sendungsbewußtsein. Je weniger dieses im einzelnen Falle berührt wird und je mehr das arabische Nationalgefühl sich dem Bilde anderer Nationalismen angleicht und so wie dieses Handelt, desto schwächer ist seine überzeugende Kraft; was allerdings keineswegs ausschließt, daß es sich desto heftiger gebärdet.

Beispiele bilden jene Intellektuellen, z.B. ägyptische Studenten in Europa, wie sie jedem begegnen können: Leute, die sich rühmen, vom Islam „frei“ zu sein. Es sind Nationalisten, die vor lauter Nationalismus ihr Arabischsein, die ‚urube, gegen das Westlichsein vertauschen möchten, wenn sie es nur könnten. Wie sehr sie Schule machen […]. Sie geben im Gedanken das preis, wofür sie zu kämpfen glauben: spotten ihrer selbst und wissen nicht, wie. Es ist eine recht eigentümliche arabische Form des Nationalismus, zu dessen Wesen es gehört, daß er die Nation im Kernpunkt ihres Seins verleugnet und somit verrät. Auch andere Völker Asiens und Afrikas sind westsüchtig geworden, doch das geht nicht tief, denn sie sind ja nicht Träger einer geschichtlichen Sendung. Ein Araber, der sich von seinem Glauben „frei“ macht, ist keiner mehr und ist auch nicht etwas anderes: er ist, mag er persönlich ein guter Kerl sein, geschichtlich ein Nichts.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams,©1963, Seite 53-54)

Ist Antisemitismus ein linkes oder rechtes Phänomen?

„Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, sondern suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden,

Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz.

Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.

Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation unsrer Zeit.

Ist Antisemitismus ein linkes oder rechtes Phänomen? weiterlesen

JUDEN RAUS!!! Der Vorhang fällt …

von Yahya ibn Rainer

Ich wusste es eigentlich schon immer, die sogenannte „Islamkritik“ von PI-News & Co ist im Grunde ordinärer Antisemitismus hinter einem Vorhang von geheucheltem Prozionismus. Obwohl, … Prozionismus ist ja nicht in erster Linie Solidarität mit den Juden, sondern doch eher die Solidarität mit einem Land – weit weit weg von Deutschland – in das doch bitte alle Juden zu verschwinden haben. Raus aus Deutschland sozusagen. Michael Stürzenberger – der geistige Führer der PImaten-Gilde – hat nun endlich die Hosen runter bzw den Vorhang fallen gelassen. JUDEN RAUS!!! ist die Parole.

Wer ein wenig Ahnung hat, von den 3 abrahamitischen Religionen, dem ist natürlich bekannt, dass sie sich alle im gewissen Ausmaß gleichen. Bis auf einige Ausnahmen, verehren wir die gleichen Propheten und unsere Bücher weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Jedoch haben Islam und Judentum, im Vergleich mit dem Christentum, immer noch Riten und Praktiken, die klar den morgenländischen Ursprung erkennen lassen, wie z.B. die Rezitation im Heiligen Buche in der ursprünglichen semitischen Sprache.

Islam wie auch Judentum sind zudem Gesetzesreligionen, bei denen die Erlangung des Heils nicht ausschließlich vom Glauben und der Gnade des Schöpfers abhängig ist, sondern auch von der Einhaltung einiger Gebote und Verbote. Eben dadurch weisen Islam und Judentum viele weitere Gemeinsamkeiten auf, die dem Christentum aber völlig fremd sind. In der Geschichte gab dieser Umstand immer wieder Anlass für antijudaistische bzw antisemitische Angriffe (verbaler wie auch tätlicher Art) auf das jüdische Leben in Deutschland.

Heute haben es die Antisemiten in erster Linie auf die Muslime abgesehen und konnten sich – aufgrund der Konfliktlage im Nahen Osten – bisher auch Rückendeckung aus zionistischen, säkular-jüdischen Kreisen erhoffen. Das Label PROISRAELISCH, welches gut sichtbar im PI-News-Banner steht, war bis dato fast sowas wie ein Freifahrtsschein. Auch der Verfassungsschutz nahm u.a. diese verlogene Solidaritäts-Note zum Anlass, um die Verfassungstreue und Abgrenzung zum Rechtsextremismus bezüglich des Blogs zu postulieren.

Das Thema Beschneidung bei Jungen jedoch hat nun die wirkliche Bedeutung dieses Labels entlarvt. Der Herr Stürzenberger ist nämlich dermaßen erbost über die Gegenwehr der jüdischen Verbände und Organisationen zum Beschneidungsverbot, dass er unverhohlen klarstellt, wo diese Juden „nichts zu suchen“ haben, … nämlich „in unserem Land“.

JUDEN RAUS!!! Der Vorhang fällt …

Wer den Artikel auf PI-News lesen möchte, der soll es hier>> tun.Ich habe jedoch einen kleinen Abgriff der Textpassage gemacht, die mehr als deutlich die Gesinnung des OberPImaten zur Schau stellt.

pi-antisemit2

Bravo Herr Stürzenberger, erfrischend politisch unkorrekt. Und hier zeigt sich auch der Unterschied zwischen einem Antisemiten (wie Ihnen) und einem Muslim (wie ich einer bin). Sie, PROISRAELISCH wie Sie sind, wollen alle Juden raus haben, eben nach Israel, schön weit weg. Ich jedoch wünschte mir, dass alle deutschstämmigen Juden hier bleiben und diejenigen, die in Palästina leben, wieder allesamt nach Deutschland zurückkehren. Sie sagen „so etwas hat […] in unserem Land nichts zu suchen“, ich sage „kommt zurück und lebt mit uns in unserer gemeinsamen Heimat“.

Interessant ist bei alledem aber auch, was Sie über das Alte Testament schreiben:

„Dem Christentum steht es gut zu Gesicht, durch Jesus einen ’neuen Bund‘ geschlossen zu haben, was zu einer Relativierung des Alten Testamentes geführt hat.“

Das erinnert sehr an die Glaubenslehre der Deutschen Christen zur NS-Zeit. Einfach mal reinlunzen>>

Der Katholische Katechismus sagt dazu folgendes:

„121 Das Alte Testament ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift. Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden. […]

123 Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes. Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es hinfällig gemacht habe [Markionismus], wies die Kirche stets entschieden zurück.“

PI-News ist entlarvt, der Vorhang ist gefallen …

Zitat: Robert Misik – Koshere Antisemiten

„Dass innerhalb der jüdischen Gemeinden in Europa ein zunehmend schärfer ausgetragener Streit zwischen linksliberalen Juden auf der einen, Rechten und Rechtsradikalen auf der anderen Seite tobt, ist einer der traurigeren Nebenaspekte der Causa – Juden, die beim „Moslembashing“ nicht mitmachen wollen, werden kurzerhand zu ‚koscheren Antisemiten‘ erklärt.“

(Robert Misik, Sparschweinalarm, 2007)

Es gibt sie doch, die christlich-jüdischen Traditionen

von Yahya ibn Rainer

Ich möchte diesen Tag dazu nutzen, eine Ode auf die viel gerühmte christlich-jüdische Tradition des Abendlandes zu verfassen. Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce. Passende Worte dazu fand dereinst der Journalist und Publizist Heribert Prantl:

“Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime als unverträglich zu kennzeichnen.”

(http://www.sueddeutsche.de/politik/gedenktag-november-der-missbrauch-der-juden-durch-die-politik-1.1021220)

Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betont er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.

Als ich vor 4 Jahren ein Interview mit dem israelischen Historiker und Soziologen Moshe Zuckermann las (Das Böse der Banalisierung >>), da konnte ich mir noch nicht richtig vorstellen, was er mit dem “Rechtsruck der Antisemitismuskritik – bis an die Grenze zur Holocaust-Leugnung” meinte. Jetzt aber versteh ich es. Ich habe mich nämlich auf die Suche nach gemeinsamen christlich-jüdischen Traditionen gemacht, und ich bin fündig geworden.

Man muss zuallererst erwähnen, dass es in Europa und Deutschland schon seit vielen Jahrhunderten Juden gibt.

“Eine erste staatliche Akte betreffs der Juden in Deutschland wurde im Jahre 321 erlassen. Kaiser Konstantin d. Gr. , der in seinem berühmten Mailänder Edikt (313) das Christentum toleriert hatte, ordnete das Leben der Juden Kölns (Colonia Agrippina). Vermutlich wurde Israel (also die Juden) noch wesentlich früher auf germanischem Boden ansässig, …”

(Judentumskunde / Hans-Jochen Gamm / S. 57)

Im Laufe der folgenden knapp 1800 Jahre haben sich so manche Traditionen entwickelt, die man durchaus als christlich-jüdisch bezeichnen könnte:

 

1. Der Judeneid

“Ein besonderer Greuel für Israel (also die Juden) ist immer das Schwein gewesen, […] Auch der Judeneid (Eid more judaico) enthielt das Schweineattribut. Wurde im Mittelalter ein Jude zur gerichtlichen Eidesleistung gefordert, so verlangte das sächsische Recht, daß er dabei auf der abgezogenen Haut einer Sau stehe, die kurz zuvor geworfen hatte. Nach dem Schwabenspiegel mußte der schwörende Juden zusätzlich einen Dornenkranz tragen und dreimal auf seinen Penis spucken (Berufung auf das Beschneidungsmotiv und Appell an den “Bund”, d.h. Versuch einer religiösen Bannung).”

(Judentumskunde / Hans-Jochen Gamm / S. 112)

Die ältesten deutschsprachigen Judeneide sind im Görlitzer und Erfurter Judeneid aus dem 12. Jahrhundert überliefert. Regionale Judeneide sind für weitere deutsche Städte überliefert, darunter Augsburg, Braunschweig (15. Jahrhundert), Dortmund, Frankfurt am Main, Köln (1448), Landshut (14. Jahrhundert), Magdeburg, München, Nürnberg und Worms.

Näheres zur christlich-jüdischen Tradition des Judeneides findet man bei Wikipedia unter Judeneid.

 

2. Der Leibzoll

“In ganz Deutschland mußten Juden beim Überschreiten der Grenzen der zahllosen Kleinstaaten oder beim Betreten einer Stadt besondere Abgaben leisten, den Leibzoll, wie für Vieh. Als Mendelsohn 1776 nach Dresden reiste, mußte er den Leibzoll nach der für einen polnischen Stier festgelegten Taxe bezahlen.”

(Das Judentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Bedeutung / Eduard Lamparter / S. 155)

Auch hier eine feine christlich-jüdische Tradition.

3. Judenmessen und Zwangstaufen

“”Judenmessen” (Bekehrungspredigten) wurden, päpstlichen Anweisungen zufolge (Bullen von 1279, 1577 und 1584), regelmäßig abgehalten und die Juden gezwungen , daran teilzunehmen. Dabei wurde untersucht, ob ihre Ohren etwa mit Watte verstopft wären, und mit Stöcken ausgerüstete Wächter sorgten dafür, daß bei der Predigt niemand einschlief.”

(Geschichte der Juden / Cecile Roth / S. 355)

“Vom 17. Jahrundert an wurden derartige Gewalltakte (gewalttätige Zwangstaufen) immer häufiger, weil sich die abergläubische Vorstellung verbreitete, daß man durch die Bekehrung eines einzigen Juden die ewige Seligkeit erringen könnte . . . Manchmal wurden noch ungeborene Kinder für das Christentum reklamiert, und schwangere Frauen wurden aus ihren Häusern geschleppt, damit die Kinder das Licht der Welt in unvergifteter Atmosphäre erblicken. Es kam auch vor, daß Neugeborene den Armen der Mütter entrissen wurden, um sogleich getauft zu werden.”

(Geschichte der Juden / Cecile Roth / S. 354)

4. Christlich-jüdischer Karneval

“Jedes Jahr während des Karnevals mußten kopulente Juden fast völlig entkleidet zur Belustigung des Pöbels zu einem Wettlauf auf dem Corso in Rom antreten. Dieses Privileg teilten sie mit den Prostituierten. Unter den lächerlichsten Vorwänden wurde das Wettrennen für ungültig erklärt und mußte an einem anderen Tage wiederholt werden. Diese schimpflichste Maßnahme wurde erst im Jahre 1668 abgeschafft. Noch fast zweihundert Jahre lang mußte aber alljährlich unter dem Spott des Pöbels eine Entschädigungssumme dafür geleistet werden.”

(Geschichte der Juden / Cecile Roth / S. 355)

Auch zu dieser christlich-jüdischen Tradition und ihren Begleitumständen kann man bei Wikipedia näheres erfahren. (hier>>)

“Aber das ist doch alles Vergangenheit”, wird dann so mancher sagen. Natürlich ist das Vergangenheit, ebenso wie der Holocaust, der ist ja auch schon knapp 70 Jahre her. Aber was ist übrig geblieben von mindestens 1800 Jahren gemeinsamer Koexistenz? Wo sind die jüdischen Feiertage, wo ist der Judentumsunterricht in der Schule?

Man sollte mal die Probe aufs Exempel machen und auf der Staße den Durchschnittsdeutschen fragen was z.B. Sukkot ist, oder Rosch Haschana, Pessach, Jom Kippur, Purim oder Chanukka. Wollen wir ehrlich sein? Die überwältigende Mehrheit unter den Heranwachsenden, Erwachsenen und Senioren können mit diesen Begriffen gar nichts anfangen. Dies sind die größten Feiertage bei den Juden, die seit 1800 Jahren neben (und nicht mit) uns existieren.

Jeder, der diesen Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition gebraucht, ist ein erbärmlicher Lügner, Leugner und Heuchler.

Zitat: Moshe Zuckermann – Tabuisierter Antisemitismus und legitimierte Islamophobie

„In Deutschland sehe ich in erster Linie den Zusammenhang von tabuisiertem Antisemitismus und legitimierter Islamophobie, welche nach dem 11. September 2001 einen großen weltpolitischen Aufschwung erhalten hat, als Nährboden für besagte Formation. Die Islamophobie ersetzt den Antisemitismus, der nun seinerseits in einen unsäglichen Philosemitismus umschlagen darf.“

(Moshe Zuckermann)

Was ist Antisemitismus? (4. Teil)

„Was unseren Vätern der Jud
ist für uns die Moslembrut,
seid auf der Hut!
3. Weltkrieg – 8. Kreuzzug“

Über Nacht hatten im Februar 2009 Unbekannte diese Losung in rund 70cm hohen Buchstaben an die Außenmauer der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich geschmiert. Inhalt, wie auch der Ort dieser provokanten Schändung sind zwar erschreckend, jedoch nicht verwunderlich. Was viele (vor allem sogenannte „Islamkritiker“) partout nicht wahr haben wollen, ist bereits nachgewiesene und offensichtliche Wahrheit. Der christlich- und atheistisch-abendländische Antisemitismus kennt keinen Unterschied zwischen Juden und Muslimen. Beide sind ohne weiteres Austauschbar oder gleichsam hassenswert, je nach Lust, Laune und Nutzen.

Was ist Antisemitismus? (4. Teil) weiterlesen

Was ist Antisemitismus? (3. Teil)

Der Untermensch – jene biologisch scheinbar völlig gleichgeartete Naturschöpfung mit Händen, Füßen und einer Art von Gehirn, mit Augen und Mund, ist doch eine ganz andere, eine furchtbare Kreatur, ist nur ein Wurf zum Menschen hin, mit menschenähnlichen Gesichtszügen – geistig, seelisch jedoch tiefer stehend als jedes Tier. Im Inneren dieses Menschen ein grausames Chaos wilder, hemmungsloser Leidenschaften: namenloser Zerstörungswille, primitivste Begierde, unverhüllteste Gemeinheit, Untermensch – sonst nichts!

[…] der Untermensch lebte. Er haßte das Werk des anderen. Er wütete dagegen, heimlich als Dieb, öffentlich als Lästerer – als Mörder. Er gesellte sich zu seinesgleichen.
Die Bestie rief die Bestie.
Nie wahrte der Untermensch Frieden, nie gab er Ruhe. Denn er brauchte das Halbdunkle, das Chaos.
Er scheute das Licht des kulturellen Fortschritts.
Er brauchte zur Selbsterhaltung den Sumpf, die Hölle, nicht aber die Sonne. –
Und diese Unterwelt der Untermenschen fand ihren Führer: – den ewigen Juden!…“

(Hofer, Walther: Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945 / Fischer-Bücherei – Frankfurt 1957)

Was ist Antisemitismus? (3. Teil) weiterlesen

Was ist Antisemitismus? (2. Teil)

Mit den Begriffen „Semit“ und „Arier“ schaffte man letzendlich ein neues Begründungsmuster, welches dem Geiste der Zeit entsprach. Im Laufe der historischen Entwicklung durchlief die „Abneigung gegen die Juden“ jedoch noch 2 andersartige Hauptformen in der Begründung. Ganz am Anfang stand die religiöse Hauptform, nämlich der Antisemitismus aus christlicher Wurzel:

Was ist Antisemitismus? (2. Teil) weiterlesen

Was ist Antisemitismus? (1. Teil)

Der Begriff „Antisemitismus“ ist jung, die Sache ist uralt und bezeichnet die Abneigung der Völker gegen Juden in ihrer Mitte. Es handelt sich dabei, sozialpsychologisch gesehen, um ein Minderheitenproblem: Die Mehrheiten grenzen sich gegen alles Anderartige gefühlsmäßig ab, befestigen das Eigene durch Verehrung und schieben das Fremde beiseite, um es für die eigene Art ungefährlich zu machen.

(Quelle: Judentumskunde – Eine Einführung / Hans-Jochen Gamm 1960)

Der Begriff ist tatsächlich sehr jung. Der erste Mensch, der sich dem Vorwurf des Antisemitismus stellen mußte, war der französische Schriftsteller, Religionswissenschaftler und Orientalist Ernest Renan (1823-1892).

Was ist Antisemitismus? (1. Teil) weiterlesen