Archiv für den Monat: März 2017

Buchauszug: Oswald Spengler – Islam war die beständige Fühlweise Jesu und die jeder andern Persönlichkeit von religiösem Genie

«Das Höhlengefühl fordert eine übersehbare Geschichte mit Weltanfang und Weltende, die zugleich Anfang und Ende der Menschheit sind, als den Akten einer zaubergewaltigen Gottheit und dazwischen, in die Grenzen der Höhle gebannt und von vorbestimmter Dauer, das Ringen des Lichtes mit der Finsternis, der Engel und Jazatas mit Ahriman, Satan, Iblis, in das der Mensch mit Geist und Seele verwickelt ist. Die gegenwärtige Höhle kann von Gott zertrümmert und durch eine neue Schöpfung ersetzt werden. […]

Daraus ergibt sich ein historischer Blick über die gegebene Zeit, wie er heute noch dem Menschen des Islam durchaus natürlich ist. „Die Weltanschauung des Volkes zerfällt naturgemäß in die großen Teile: Weltentstehung, Weltentwicklung, Weltuntergang. Für den so tief ethisch empfindenden Moslim ist in der Weltentwicklung das Wesentlichste die Heilsgeschichte und der ethische Lebensweg, die als ›Menschenleben‹ zusammengefaßt werden. Dasselbe mündet in den Weltuntergang, der die Sanktion der sittlichen Menschheitsgeschichte enthält.“ [Horten, Max]

Für das magische Menschendasein aber ergibt sich aus dem Gefühl von dieser Zeit und dem Erblicken dieses Raumes eine ganz einzige Art von Frömmigkeit, die ebenfalls höhlenhaft genannt werden darf, eine willenlose Ergebung, die das geistige Ich überhaupt nicht kennt und das geistige Wir, das in den beseelten Leib eingegangen ist, als bloßen Widerschein des göttlichen Lichtes empfindet. Das arabische Wort hierfür ist »islam«, Ergebung, aber »islam« war auch die beständige Fühlweise Jesu und die jeder andern Persönlichkeit von religiösem Genie, die in dieser Kultur hervorgetreten ist.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1922, Bd. 2, Seite 291-292)

Buchauszug: Ibn al-Athir – Als die Hanbaliten [323 n.H.] in Bagdad aktiv und mächtig wurden

«Im Jahre 323 (n.H.) wurden die Hanbaliten aktiv und mächtig. Sie begannen, in die Häuser von Offizieren und einfachen Leuten einzudringen, und wenn sie Wein fanden, schütteten sie ihn fort, und wenn sie eine Sängerin fanden, schlugen sie sie und zerbrachen ihre Instrumente.

Sie behinderten den Handel und mischten sich ein, wenn Männer mit Frauen und Knaben gingen. Wenn sie so etwas sahen, fragten sie den Mann über seinen Begleiter, und wenn ihnen seine Antwort nicht genügte, schlugen sie ihn, schleppten ihn zum Polizeichef und beschuldigten ihn der Unzucht. So schufen sie Unruhe in Bagdad.

Badr al-Kharsani, der Polizeichef, ritt am 10. Jumada ll aus und erließ in beiden Teilen Bagdads Aufrufe gegen die Gefährten des Abu Muhammad al-Barbahari, die Hanbaliten, wonach sich keine zwei von ihnen versammeln durften und ihre Imame nicht (vor)beten durften, ohne die Morgen- und Abendgebete (laut) mit „Bismillahi-r-rahmani-r-rahim“  zu beginnen.

Doch das nütze nichts, und ihr unseliges und Unruhe stiftendes Tun nahm zu. Sie suchten Hilfe bei den Blinden, denen die Moscheen als Unterkunft dienten, und wenn Anhänger der schafiitischen Rechtsschule vorbeigingen, stachelten sie die Blinden gegen sie auf, und diese schlugen sie mit ihren Stöcken fast zu Tode.

Eine Verordnung des Kalifen ar-Radi gegen die Hanbaliten wurde erlassen, die deren Vorgehen tadelte und sie anthropomorphischer Glaubensvorstellungen und anderer Lehren bezichtigte und in der es hieß:

„Ihr behauptet, eure hässlichen und abscheulichen Gesichter seien nach dem Bilde des Herrn der Welten geschaffen und eure abstoßende Gestalt sei Sein Abbild; ihr sprecht von Seinen Händen, Fingern, Füßen, goldenen Schuhen und Socken, auch davon, dass Er zum Himmel aufsteige und auf die Erde herabkomme – Allah sei hoch erhaben über all das, was Sünder und Ungläubige über Ihn sagen.

Dann verleumdet ihr die besten Imame und bezichtigt die Anhänger der Familie Muhammads – Allah segne und beschütze ihn – des Unglaubens und des Irrtums. Dann ruft ihr die Muslime zur Religion auf mit offensichtlichen Neuerungen und Irrlehren, die im Koran nicht bezeugt sind, und lehnt den Besuch der Imamgräber ab und beschimpft diejenigen, welche sie besuchen, und bezichtigt sie der Neuerung; doch gleichzeitig versammelt ihr euch und besucht das Grab eines Mannes aus dem einfachen Volk, eines Mannes ohne Ansehen, Abstammung oder Verschwägerung mit dem Gesandten Allahs – Allah segne und beschütze ihn – und befielt auch den Leuten es zu besuchen, und nehmt für ihn die Wunder der Propheten und er Heiligen in Anspruch.

Allah verfluche den Teufel, der euch solcherlei Abscheulichkeiten vorgaukelte, ebenso wie das, was ihn in die Irre führte. Und nun leistet der Fürst der Gläubigen einen heiligen Eid, dessen Erfüllung zwingend ist, dass er über euch, solltest ihr euch nicht von euren verderblichen Lehren und krummen Wegen abwenden, Schläge und Verbannung, Tod und Beseitigung bringen und gegen eure Hälse das Schwert und gegen eure Wohnungen das Feuer gebracht wird.“»

(Ibn al-Athir, in seinem Geschichtswerk Al-kamil fī t-tarīh, übersetzt von Bernard Lewis bzw. Hartmut Fähndrich in Der Islam in Originalzeugnissen – Band 2: Religion und Gesellschaft, Seite 27)

`Abd al-Qadir al-Jilani: 10-Punkte-Leitfaden für eigenverantwortliches Handeln

10-Punkte-Leitfaden für selbstverantwortliches Handeln, zusammengefasst von Sh. Joe Bradford aus Al-Ghunya li-Talibi Tariq al-Haqq von Imam `Abd al-Qādir al-Jīlānī:

  1. Gebrauche Allahs Namen nicht unbedacht.
  2. Gib das Lügen auf.
  3. Breche niemals deine Versprechen.
  4. Verfluche niemanden und füge keinem anderen Schaden zu.
  5. Auch wenn dir Unrecht widerfährt, sei niemals selbst ungerecht zu anderen.
  6. Urteile nicht über andere und stempele sie nicht ab.
  7. Unterlasse es, auf die Sünden anderer zu schauen.
  8. Bürde anderen nichts auf, mache es ihnen nicht schwer.
  9. Beneide andere nicht, missgönne oder begehre nicht ihr Eigentum.
  10. Zeige Menschlichkeit der gesamten Schöpfung gegenüber.

Buchauszug: Oswald Spengler – Die bolschewistischen Kreuzzüge in die arabische Zivilisation

«Der Islam hat dieser Welt endlich und viel zu spät das Bewußtsein der Einheit verliehen, und darauf beruht das Selbstverständliche seines Sieges, das ihm Christen, Juden und Perser fast willenlos zuführte.

Aus dem Islam hat sich dann die arabische Zivilisation entwickelt, die in ihrer höchsten geistigen Vollendung stand, als vorübergehend die Barbaren des Abendlandes hereinbrachen und nach Jerusalem zogen. Wie mag sich dies Schauspiel in den Augen vornehmer Araber ausgenommen haben? Etwas bolschewistisch vielleicht?

Für die Politik der arabischen Welt waren die Verhältnisse in „Frankistan“ etwas, auf das man herabsah.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 606)

Buchauszug: Oswald Spengler – Die Seele der magischen Kultur fand im Islam ihren wahren Ausdruck

«Der Islam ist eine neue Religion fast nur in dem Sinne, wie das Luthertum eine solche war. In Wirklichkeit setzt er die großen Frühreligionen fort. Und ebensowenig ist seine Ausbreitung, wie immer noch geglaubt wird, eine Völkerwanderung, die von der arabischen Halbinsel ausgeht, sondern vielmehr ein Ansturm begeisterter Bekenner, der lawinengleich die Christen, Juden und Mazdaisten mit sich reißt und als fanatische Moslime alsbald an der Spitze führt.

Es waren Berber aus der Heimat Augustins, die Spanien eroberten, und Perser aus dem Irak, die zum Oxus vordrangen. Die Feinde von gestern wurden die Vorkämpfer von morgen. Die meisten »Araber«, die 717 zum ersten Male Byzanz angriffen, sind als Christen geboren worden. Um 650 erlischt mit einem Schlage die byzantinische Literatur, ohne daß der tiefere Sinn davon bis jetzt bemerkt worden wäre: diese Literatur setzt sich in der arabischen fort; die Seele der magischen Kultur fand endlich im Islam ihren wahren Ausdruck. Damit ist diese Kultur wirklich »arabisch« und endgültig von der Pseudomorphose erlöst worden. […]

Die großen Gestalten der Umgebung Mohammeds wie Abu Bekr und Omar sind durchaus den puritanischen Führern der englischen Revolution wie John Pym und Hampdon verwandt, und diese Ähnlichkeit der Gesinnung und Haltung würde noch größer sein, wüßten wir mehr von den Hanifen, den arabischen Puritanern vor und neben Mohammed.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 933 f.)

Kurz gesagt: Die Egozentrik der religiösen Strenge

Wisst ihr was ich schade finde?

In meinen jetzt fast 10 Jahren als Muslim habe ich zahlreiche muslimisch-religiöse Werdegänge mitverfolgen können. Besonders bei Konvertiten und Revertiten fällt mir auf, dass sie sich nach einiger Zeit gewissermaßen religiös einpendeln bzw. mit dem Diesseits wieder erden.

Viele lassen in diesem Zusammenhang in ihrer Strenge und Kompromisslosigkeit nach. Dies ist in vielerlei Hinsicht natürlich zu befürworten, allerdings beginnen die meisten damit anscheinend erst, wenn sie für sich selbst das Bedürfnis danach verspüren. Ihre Strenge anderen gegenüber bleibt also genau so lange erhalten, bis sie selbst ihrer eigenen Strenge nicht mehr gerecht werden können.

Dies finde ich schade und ehrlich gesagt auch ungerecht. Es gibt leider nur wenige Muslime, die diesen Wandel in der religiösen Strenge nur anderen gegenüber vollziehen, während sie sich selbst gegenüber streng bleiben können.

So siehst du also nur wenige Muslime, die anderen das Kürzen des Bartes gestatten, ohne es bei sich selbst zu tun, oder die es anderen gestatten Musik zu konsumieren, ohne selbst damit anfangen zu müssen.

Dieser Egozentrismus ist meines Erachtens eines der großen Probleme der Ummah heutzutage.