»Diese Wissenschaft gehört zu den theologischen auf dem Gebiete der Religion (des Islam) neuentstandenen Wissenschaften. Was ihren Ursprung angelangt, so hat der Weg, den diese Leute verfolgen, bei den Ältesten und Bedeutendsten der (islamitischen) Religionsgemeinschaft, nämlich der Zeitgenossen des Propheten und deren unmittelbaren und späteren Nachfolgern immer als der wahre und richtige Weg gegolten.
Ursprünglich bestand sie in der eifrigen Erfüllung der gottesdienstlichen Handlungen, aus der ausschliesslichen Hingabe an Gott, ferner in der Abkehr von weltlichem Flitter und Tand, sowie in der Enthaltsamkeit in Bezug auf das, worauf die grosse Menge ihr Augenmerk richtet, wie Genuss, Besitz, Ehren, ferner darin, dass man sich zurückzieht von den Leuten in die Einsamkeit, um sich der Verehrung Gottes zu widmen. Und dies war (ja) allgemein unter den Jüngern und frühesten Anhängern des Propheten.
Aber nachdem im zweiten Zeitalter und später der weltliche Sinn allgemein wurde und die Leute dazu neigten, sich in das weltliche Leben zu mischen, da wurden die thätigen Gottesverehrer mit dem besonderen Namen al-Sufija und al-Mutasavvifa benannt.«
(Zitiert aus „Beitrag zur Erkenntnis des Sufismus nach Ibn Khaldun“, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde, eingereicht bei der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig von Herman Frank, aus Wikoline / Leipzig 1884 / Reprint)