Archiv für den Monat: Dezember 2012

Buchauszug: Hasspredigt in Karl Mays Orientzyklus

Im Jahre 1881 erschien in der Zeitschrift Deutscher Hausschatz in Wort und Bild der 1. Teil des heute berühmt-berüchtigten Orientzyklus von Karl May. Dieser 1. Teil trug den Namen Durch Wüste und Harem (1895 umbenannt in Durch die Wüste) und beginnt gleich zu Anfang mit einem Dialog zwischen den zwei Hauptprotagonisten dieses Glanzstücks früher deutscher Trivialliteratur.

Zum einen der Held des Abenteuers, Kara ben Nemsi, der deutsche Orientreisende und Alter Ego Karl Mays: Eine Persönlichkeit, wie sie zur damaligen Zeit des deutschen Kaiserreichs nur alllzu gern mit der Heimat in Verbindung gebracht wurde. Ein vorbildlicher deutscher Christ eben. Schön, groß und kräftig gebaut, mutig, stark, schlau, uneigennützig, gerecht, ehrlich, barmherzig und prinzipientreu.

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Auszug: Sascha Tamm – Abendländische Vertragstreue

„Vielleicht waren die Prinzipien der Vertragsfreiheit und der unbedingten Einhaltung von Verträgen früher einmal im Bürgertum verankert. Heute sind sie es nicht mehr. Jetzt herrscht Prinzipienlosigkeit als einziges Prinzip. Ohne Widerstand und zuweilen mit demonstrativer Zustimmung wird zur Kenntnis genommen, dass Eigentümer nicht mehr frei entscheiden können, mit wem sie einen Mietvertrag abschließen, oder ob in ihren Räumen geraucht werden darf oder nicht.

Es wird toleriert oder sogar noch als professionelle Politik gefeiert, wenn durch politische Entscheider – zum Beispiel europäische – Verträge gebrochen werden. Politiker wissen heute, dass sie offenen Vertragsbruch begehen dürfen und in wirtschaftliche Entscheidungen und die Privatsphäre der Bürger hineinregieren können, wenn sie nur wohlklingende Argumente liefern, die irgendeine „Stimmung in der Mitte der Gesellschaft“ bedienen.“

(Sascha Tamm, Bürger als Träger der Freiheit: Schluss mit den Märchen!, eigentümlich frei, Ausgabe 129, Seite 15)

Spitzel am Gebetsplatz? – Videoüberwachung durch Moscheevereine

von Yahya bin Rainer

„Lassen sie ihre Gottesdienstbesucher eigentlich videotechnisch überwachen?“

Diese Frage zu stellen, hatte ich in letzter Zeit oft die Möglichkeit. Ich arbeite momentan in einer Arbeitsgruppe, die öffentlich zugängliche Gewerbe, Einrichtungen und Behörden auf Barrierefreiheit prüft und vorhandene Höranlagen für Schwerhörige auf Funktionalität testet. Die Ergebnisse fließen in einen speziellen Stadtteilführer und eine Broschüre des Bundes für Schwerhörige.

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Von Zigeunern, Migranten, Deutschen und einer Pfarrfamilie in Rumänien

von Yahya ibn Rainer

Ich sah kürzlich im Fernsehen eine Dokumentation über eine deutsche Pfarrfamilie in Rumänien. Den Anfang der Sendung hatte ich leider verpasst, aber auch der Rest war sehr interessant und anregend. Zwei Gedanken, die aus dem Gesehenen hängen blieben, möchte ich hier gern ausführen.

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Buchauszug: Roland Baader – Demokratie, die Gesellschaftsreligion

„Im Grunde genommen handelt es sich bei der diesseitigen Gesellschaftsreligion um eine herrschaftsstrategische Instrumentalisierung der seelischen und metaphysischen Verzweiflung der Menschen, die durch den Verlust der echten Religion eingetreten ist. Nietzsches Gott ist tot und Kierkegaards Krankheit zum Tode waren ja nicht zuletzt auch Schmerzensschreie der auf sich selbst zurückgeworfenen Kreatur und markierten die Eiseskälte der tatsächlichen oder imaginären Gottesferne.

Diese Verzweiflung läßt sich prächtig zu Herrschaftszwecken nutzen und mißbrauchen, wenn man einen „neuen“ Gott (die Gesellschaft) aufbaut und neue Ritualisierungen erfindet, welche der Glaubensgemeinschaft Wärme und Heilsgewißheit versprechen – unter der Führung kundiger und charismatischer Neupriester natürlich.“

(Roland Baader, Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Seite 247-248)

Buchauszug: Roland Baader – Vergötzung

„Die Verehrung, ja Vergötzung, welche die moderne entartete Demokratie seitens der Intellektuellen genießt, beruht nicht zuletzt darauf, daß sich in ihr fast jede hoheitliche Intervention in das Leben der Bürger und fast jede Verletzung natürlicher Rechte der Person mit der Volkssouveränität rechtfertigen lassen. Die Perversion der staatstheoretischen Begrifflichkeit ist sogar so weit fortgeschritten, daß in den neuzeitlichen Demokratien die Auffassung vorherrscht: Je mehr Demokratie – das heißt: je mehr demokratisch zustandegekommene Gesetze zur Regulierung des Lebens der Bürger -, desto freiheitlicher das betreffende Land.“

(Roland Baader, Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Seite 245)

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.4 – Kriegsberichterstattung

Die Begum-Araber, die zum Teil Viehzucht und zum Teil Landbau treiben, wurden von einer Witwe, namens Ghalye, angeführt, deren Ehemann einer der angesehensten Männer zu Taraba war. Sie selbst besaß mehr Reichtum, als irgendeine arabische Familie in der Nachbarschaft. Sie verteilte Geld und Lebensmittel unter alle Armen ihres Stammes, die sich bereit erklärten, gegen die Türken zu fechten. Ihr Tisch war für alle rechtgläubigen Wahaby gedeckt, deren Häuptlinge in ihrem Hause beratschlagten; und da die alte Frau wegen ihres richtigen Urteils und genauer Kenntnis der Interessen der umgebenden Stämme berühmt war, so wurde ihre Meinung nicht allein in den Beratschlagungen angehört, sondern wurde auch in der Regel angenommen. In der Tat regierte sie die Begum, obschon dieselben dem Namen nach einen gewissen Ibn Khorschan zum Häuptling, oder Scheikh hatten. Seit der ersten Niederlage des Mustafa Bey in der Nähe von Taraba war der Name Ghalye im ganzen Lande bekannt geworden. Die Furcht der türkischen Soldaten vergrößerte bald den Einfluss und die Wichtigkeit dieses Weibes. Sie betrachteten sie als das Oberhaupt der vereinigten Wahaby und erzählten die albernsten Geschichten über ihre Macht als Zauberin, so z. B. dass sie mit allen Anführern der Wahaby ihre Gunstbezeigungen teile, die dadurch unsichtbar würden.

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Auszug: Peter Sloterdijk – Ein politisches Dressurergebnis

„Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus, ohne dass die Betroffenen zu der plausibelsten Reaktion darauf, dem antifiskalischen Bürgerkrieg, ihre Zuflucht nehmen. Dies ist ein politisches Dressurergebnis, das jeden Finanzminister des Absolutismus vor Neid hätte erblassen lassen. […]

So ist aus der selbstischen und direkten Ausbeutung feudaler Zeiten in der Moderne eine beinahe selbstlose, rechtlich gezügelte Staats-Kleptokratie geworden. Ein moderner Finanzminister ist ein Robin Hood, der den Eid auf die Verfassung geleistet hat.“

(Peter Sloterdijk, Die Zukunft des Kapitalismus (8) – Die Revolution der gebenden Hand, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Buchauszug: Roland Baader – Ohne jeglichen Realitätssinn

„Es wird eben seitens der Intellektuellen und sogar von sogenannten „Kapitalisten“ immer wieder und nahezu zwanghaft und ausnahmslos dem Fehler gehuldigt, das System des polit-verkrüppelten und mit der heißen Luft des staatlichen Papiergeldes aufgeblasenen Rest- und Rumpfkapitalismus mit dem Kapitalismus gleichzusetzen. Dabei handelt es sich bei der jeweils anvisierten polit-ökonomischen Realität in Wahrheit um einen Halb- bis Dreiviertel-Sozialismus, einen Scheinkapitalismus, der am staatlichen Dirigismus und Interventionismus und am wohlfahrtsstaatlichen Samtpfotensozialismus schwer erkrankt ist, ja bereits in Agonie liegt.

Wer angesichts eines verstaatlichten Gesundheitswesens, eines staatlichen Rentensystems, eines staatlichen Bildungswesens, staatlich massiv gefesselter Arbeitsmärkte, maßlosen Fiskalkleptokratismus`, uferloser Staatsverschuldung, sowie einer das ganze Leben der Bürger überwuchernden Politisierung und Bürokratisierung – wer also angesichts all dessen noch vom Kapitalismus redet und damit die deutsche oder irgendeine andere europäische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung meint, dem muß jeglicher Realitätssinn anhanden gekommen sein.“

(Roland Baader, Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Seite 70-71)

Liberales Waffenrecht: Einige Argumente für Muslime

Sheikh Yūsuf `Abd Allāh al-Qaraḍāwī schrieb in seinem Buch Al-halal wal-haram fi l-Islam (Erlaubtes und Verbotenes im Islam), im Kapitel über Erlaubte Vergnügungen, u.a. folgendes:

Zu den erlaubten Sportarten gehören auch Wettkämpfe mit Pfeil und Bogen oder anderen Waffen.

Der Prophet kam einmal an einer Gruppe von Gefährten im Bogenwettkampf vorbei. Er ermutigte sie und sagte:
„Schießt und ich bin mit euch.“ (Buchari)

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Gestern auf dem Heimweg

Als wir gestern – von einem abendlichen Ermahungskreis – auf dem Heimweg waren, unterhielt ich mich mit einem jüngeren Bruder, der zur Zeit auf Lehramt studiert. Natürlich wird man bei solch einem Studienfach ordentlich auf Linie gebracht, speziell was religiöse Ansichten angeht. Religiöser Relativismus ist angesagt, obwohl ein fester atheistischer Standpunkt gewiss am liebsten gesehen wird. So erzählte er mir von einem Seminar, an welchem neben eben solcher Atheisten auch einige bekennende Christen teilnahmen.

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Gedicht: Rainer Maria Rilke – LIES

Da aber als in sein Versteck der Hohe,
sofort Erkennbare: der Engel, trat,
aufrecht, der lautere und lichterlohe:
da tat er allen Anspruch ab und bat

bleiben zu dürfen der von seinen Reisen
innen verwirrte Kaufmann, der er war;
er hatte nie gelesen – und nun gar
ein solches Wort, zu viel für einen Weisen.

Der Engel aber, herrisch, wies und wies
Ihm, was geschrieben stand auf seinem Blatte,
und gab nicht nach und wollte wieder: LIES.

Da las er: so daß sich der Engel bog.
Und war schon einer, der gelesen hatte
Und konnte und gehorchte und vollzog.

(Rainer Maria Rilke)