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H. H. Frank über den Sufismus (7. Teil)

„Diese wirtschaftlichen Fragen sind bereits international geworden, d. h. derselbe Zustand, dessen Bestehen in Europa zur Zeit weder geleugnet, noch durch die Staatsreligion geändert werden kann, erfährt eine Ausdehnung über den Erdball, weil die Kulturmittel, um sich wirtschaftlich halten zu können, vom ganzen Erdball getragen werden müssen.

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H. H. Frank über den Sufismus (6. Teil)

Nach längerer Zeit setze ich nun die Abschrift aus dem Buch «Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung» von Herman Heinrich Frank fort, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde.
Eine Linkliste mit allen bisher verschriftlichten Teilen der Abschrift findet ihr oben im Menü unter «Beitragsserien».

„Also sehen wir, daß die Sufi trotz größter Verschiedenheiten in der äußeren Form ihrer Lehre, innerlich eigentlich die Gebildeten im Orient sind. Indes hat natürlich das ausführlich geschilderte orientalische Wesen, hauptsächlich deswegen weil staatlich, wirtschaftlich, klimatisch der Orient seine besondere Form hat, der Sache ebenfalls ihre besondere Form gegeben, die selbstverständlich auf das Abendland nicht ohne weiteres anwendbar ist.

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H. H. Frank über den Sufismus (5. Teil)

Dieser Teil wirkt noch ein wenig behäbig, aber ab dem nächsten Teil wird es endlich faktisch und interessant ... zumindest für Leute wie mich.

„Da heißt es nun, daß besondere Zustände den künftigen Adepten auf seinen Beruf aufmerksam machen. Er bekommt „Zustände“ so ist die einfache Übersetzung des hierfür gebrauchten Kunstausdruckes Hâl. Natürlich findet er sie in seinem Innern, aber er macht sie nicht. Diese Zustände und das Verhalten des Individuums zu denselben, also der Akt des Gewahrwerdens bildet den Gegenstand der mannigfaltigsten Erklärungsversuche; und es fehlt so sehr an allen begrifflichen Anknüpfungspunkten und Handhaben zur Bezeichnung eines Zustandes, den man erst verstehen will, daß sich die meisten unwillig von solcher (ihnen leeren) Lektüre wenden und deren Gegenstand als Mystik bezeichnen.

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H. H. Frank über den Sufismus (4. Teil)

„Der Verbreitung, scheint es, leistete in Persien wenigstens die Einführung der einfachen, einheitlichen Grundlehren und die politische Bedeutung des Islams eine gute Vorbereitung, so wie einst griechische Sprache und das imperium romanum dem Christentum! Die orientalischen Autoren sind erstaunt, wie die Derwischlehren um die ersten Zeiten des Islam auf einmal da waren, plötzlich überall gleichsam aus dem Boden sproßten und geben den Versuch nicht auf, jene Lehren aus dem Islam ableiten zu wollen.

Weit gefehlt; ebensowenig wie das Christentum aus dem römischen Staatsgedanken abzuleiten ist. Wohl aber fand es darin den Nährboden der Universalität.

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H. H. Frank über den Sufismus (3. Teil)

Bevor hier nun der 3. Teil der Abschrift folgt, möchte ich den Leser um ein wenig Geduld bitten. Ich hätte den Auszug durchaus kürzer ausfallen lassen können, denn H. H. Frank holt wirklich weit aus und verliert sich z.T. in kleinlichen Abschweifungen. Jedoch möchte ich mir nicht anmaßen zu wissen, welche Teile seiner Erwägungen denn nun für den Rotstift taugen und welche nicht. Und so nehme ich ausnahmslos und zusammenhängend den ganzen Teil mit und möchte an dieser Stelle schon darauf hinweisen, dass der anfänglichen negativen Wahrnehmung durch H. H. Frank mit der Zeit eine durchaus positive Sichtweise auf den Sufismus folgen wird.

„Aus der großen Menge schriftlicher Zeugnisse und verschiedener Systeme nehmen wir mit Bedacht einiges heraus und übernehmen die Gewähr der Richtigkeit auf die Gefahr einer kontrollierenden Nachprüfung der einheimischen Quellen, die ja keinem verwehrt ist.

Der Derwisch stellt für sich den Grundsatz auf; derwisch asiát némikunéd „Der Derwisch tut keinem Leid an, stiftet keinen Schaden“. Und das muß wahr sein, kein Derwisch konspiriert. Das Volk läßt sie gewähren. Obrigkeit, Geistlichkeit, bürgerliche Gesellschaft hält sie für völlig harmlos.

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H. H. Frank über den Sufismus (2. Teil)

Hier nun zum 2. Teil der Abschrift aus dem Buch Das Abendland und das Morgenland - Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Heinrich Frank, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde. 
In diesem Abschnitt schweift H. H. Frank ein wenig ab und berichtet von einer Sekte die aus dem schiitischen Sufismus hervorgegangen ist (Babismus) und in der heutigen Ausprägung (Baha'i) als eigenständige Religionsgemeinschaft außerhalb des Islams betrachtet wird.

„Da glauben wir nun endlich Boden unter den Füßen zu haben und keine anderen Schwierigkeiten mehr zu finden, als eine gehörige Durchforschung dieser Quellen. Aber leider hat sich auch hiermit keine einheitliche Meinung herausgebildet, indem die Derwische bald als eine religiöse, bald eine philosophische Sekte, als Kommunisten, Sozialisten, Nihilisten, Anarchisten usw. sich auszuweisen scheinen.

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H. H. Frank über den Sufismus (1. Teil)

„Die Muhammedaner wissen nun selbst nicht wie, aber es entstand eine sonderbare Bewegung der Geister, wahrscheinlich schon vor und während der ersten Zeiten des Islams, eine Bewegung, die vielleicht das merkwürdigste Gebilde ist, was die Geschichte hervorgebracht hat, eine Erscheinung, die wir erst in ihrer rein äußerlichen Darstellung unbefangen prüfen wollen, ehe wir versuchen, uns klar zu machen, was ihr Wesen sei.

Der Orientreisende entdeckt bereits in Konstantinopel, in Aegypten, Syrien, Nordafrika eine seltsame Klasse von Menschen, Derwische genannt. Im großen Teil durchstreifen sie, in ihrem Äußeren verwahrlost, zerlumpt oder phantastisch gekleidet, das Land vom Balkan bis zum nördlichen China. Unsauberkeit, Unregelmäßigkeit der Lebenshaltung, Tabak und Opiumgenuß läßt viele dieser Leute geistesgestört, vertiert, als Narren erscheinen.

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Der Orientreisende Herman Heinrich Frank über den Sufismus (1901)

Seit einigen Tagen lese ich das Buch Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Heinrich Frank, dass 1901 im Leipziger Hermann Seeman Nachfolger Verlag publiziert wurde.

Über den Autoren konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen, außer das, was er im Buch selbst an Auskunft gibt. Dort schreibt er im recht kurz gehaltenen Vorwort:

„Jedenfalls habe ich uneigennützig gehandelt. Für die Ehre und Schande einer Kritik fehlt mir jedes Verständnis. Und was fünfzehn Jahre im Orient mir allmählig an Eindrücken aufgedrungen und aufgezwungen, ist eben so über und unter aller Kritik, wie die Eindrücke, die mir Europa vorher und nach langer Abwesenheit aufs neue in die Seele gesenkt hat. Reden mußt ich! Hier stehe ich; ich kann nicht anders.“

Und so liest sich das Werk dann auch. Ein gebildeter Europäer mit 15 Jahren Orienterfahrung kehrt zurück und versucht aufrichtig und objektiv die Verhältnisse, Entwicklungen und Gesinnungen beider Welten zu vergleichen. Über weite Teile kommt der Orient – und vor allem der Muslim dort – recht gut weg und Europa muss u.a. für seine sittliche Rückentwicklung einige Federn lassen.

Zum Ende hin jedoch thematisiert H. H. Frank ein Phänomen des Orients, welches ihm wohl eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung wert war, nämlich den Sufismus.

Allein die Tatsache, dass diese Betrachtung von einem Außenstehenden vorgenommen wurde, macht sie schon interessant, aber H. H. Frank ist eben zudem noch mehrjährig orienterfahren und nachweislich um Objektivität bemüht, was zusätzlich zur Lektüre motiviert.

So werde ich also den gesamten Abschnitt zu diesem Thema abschreiben und in mehreren Teilen hier publizieren.

H. H. Frank über den Sufismus (1. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (2. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (3. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (4. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (5. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (6. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (7. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (8. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (9. Teil)

H. H. Frank über den Sufismus (10. Teil)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Ordnung vs. Freiheit (1901)

«[Es] müßten doch vor allem die gebildeten Elemente, die, aus dem Orient kommend, in Europa Bildung und Erziehung suchen, ganz objektiv und aus eigener Anschauung für die Sache [der europäischen Ordnung] gewonnen, [in den Orient] zurückkehren.

Das ist nicht der Fall! Natürlich finden sie im Einzelnen die Ordnung hier besser, als die Unordnung daheim. Aber das Leben ist penibler, ernster, der Kampf ums Nötige schrecklicher, die Armut entsetzlicher. In Summa, die Leute hier seufzen über die Ordnung, die soziale Frage glimmt unter der Asche, während der ganze Orient eine sorglose Fröhlichkeit und eine viel größere persönliche Freiheit atmet.

Es ist mehr Behagen, mehr Zeit und freie Kräfte für Geistiges. Ja, der Orient hat Zeit und Luft und die Möglichkeit, es mit der Religion, dem Jenseits ernster zu nehmen.»

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 101)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Staat und Centralismus im Orient (1901)

„Rede man dem Orientalen vom Staat, vom Vaterland, von der Gemeinde, von der Verwaltung. Er wird mit den Achseln zucken. Es wird ihm peinlich. Ja, der Staat muß wohl sein; sonst gäbe es ein politisches Durcheinander, man könnte dann gar nicht existieren. Also mag der Staat wohl sein, aber er wird als allgemeine Belästigung empfunden, nirgends als eine Förderung verehrt. […]

Wo der Stammeschef oder Hausvater staatsrechtlich und mit einer Art Selbstverwaltung seine Interessen vertritt, da bieten die Familienbande eine gewisse Rechtsgewehr; aber darüber hinaus hat jede centralistische, auf einen Beamtenstaat gebaute Konstruktion jeder gesunden Unterlage entbehrt.“

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 91-92)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Der Orient in seinem beneidenswerten Behagen (1901)

„Da wir hier indes vom Erwerbsleben sprechen, hatten wir jene Bemerkung nur voraus geschickt, um klar zu machen, daß das ungeheure, wirtschaftliche Übergewicht der Europäer, auf welches wir den Anspruch der Unterjochung des Orients gründen, zwar faktisch besteht, und daß wir sogleich auf eine unstreitig ganz traurige Wirtschaft zu sprechen kommen werden; daß der Abendländer aber über die tieferen Gründe der Sache in einer noch traurigeren Urteilsverdunkelung lebt.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Mehr persönliche Freiheit (1901)

„Nicht nur vom Gemütsleben aus, sondern vom Standpunkt des wirtschaftlichen Lebens schafft der Orient ganz andere Bedingungen. Das Menschenleben ist im Abendlande im Doppelsinn teurer, im Orient billiger. Ursache und Wirkung laufen durcheinander, wenn der Orientale sein Einzelleben, mit Ergebung ins allgemeine große Geschehen, weniger teuer findet, geringer anschlägt. Allah hat einen Teil der Sorgen des bei uns sorgfältig geregelten Erwerbslebens dem Orientalen abgenommen.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die Sittlichkeit der Frauen (1901)

Ja, es ist ein trauriges Kapitel: das Los der jungen Frauenzimmer, sie sich, eben den Kinderjahren entwachsen und den Eltern zur Last, in dienende Stellung, in fremde Häuser, in die famosen Fabriken der Großstädte begeben müssen, so daß nur ein in Vorurteilen befangener die abendländische Gestaltung der Dinge dem System des Orients vorziehen möchte.

Hier ein Eingeständnis, eine volle Anerkennung natürlicher Bedürfnisse; dort eine verlogene Scheinsittlichkeit mit vielem Schmutz, der sich nicht nur in den Winkeln verkriecht, sondern sich mehr und mehr auf die Straße, in die Öffentlichkeit drängt und, wird’s zu arg, mit einigen polizeilichen Zwangsmaßregeln bedacht wird, die leider, wie wir täglich sehen, nie den Baum an der Wurzel treffen, sondern nur seine Zweige auf der einen Seite kappen.

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Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Das Vorurteil der Orient-Faulheit (1901)

„Nun also, so räumen wir doch auf mit dem Vorurteil der Orient-Faulheit! Die apathische Ruhe, die Unbeweglichkeit der Züge ist Glut unter der Asche, die leise Schwermut ein Gefühl der gehemmten Kraft. Aus dieser Grundstimmung geht die glänzende Virtuosität des Orientalen für das Religiöse hervor. Er meint es ernst damit, bitter ernst. Das unmittelbare Empfinden der Allmacht Gottes und der schattenhaften Nichtigkeit des Menschen beherrscht seine ganze Denkweise.

Nun, dann ist es doch, gelinde gesagt, eine wahre Barbarei, die rücksichtslose Hervorkehrung des Religiösen am Orientalen zu einer Art apathischen Instinktes, dem in seiner Faulheit jeder äußere Effekt gleichgültig ist, herabwürdigen zu wollen!“

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 77)

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die immer gleiche Physiognomie des Orients

„Der Orient hat nun einerseits eine ganz strenge Richtung, die den metaphysischen Lehrmeinungen der Religion eine unbedingte Herrschaft zugesteht. Die Beurteilung des Handelns im Jenseits äußert eine direkte Wirkung aufs Diesseits. (Diese Beziehung wird natürlich vermittelt durch eine die Zukunft vorauswissende Gottheit.)

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