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Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 2)

In den vorangegangenen Abschnitten hat Ibn Taymiyyah unterschieden zwischen einem Preisanstieg aufgrund von Kräften des Marktes und einem durch menschliche Ungerechtigkeit (zulm) – z. B. Horten – verursachten Preisanstieg, eine Unterscheidung, die der Ordnungsmacht eine Grundlage für Preisregulierungen gibt. Ibn Taymiyyah war ein großer Befürworter von Preiskontrollen bei Marktschwächen, doch er war gegen solche Kontrollen, wenn Preiserhöhungen durch die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage zustande kamen (Islahi, S. 79–90, Kahf und al-Mubarak, S. 107–125).

An dieser Stelle ist anzumerken, dass Ibn Taymiyyah die Auswirkungen von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage analysiert, aber nicht auf den Effekt eingeht, den hohe oder niedrige Preise auf die angebotene und nachgefragte Menge haben (d. h., eine Bewegung auf der gleichen Kurve, von einem Punkt zu einem anderen). In al-Hisbah erwähnt er die Ansicht eines früheren Juristen – Abu-l-Walid (1013–1081 n. Chr./403–474 n. H.), dass …

„ … die Vorgabe von zu niedrigen Preisen durch die Ordnungsmacht, die keinen Profit übrig lassen, zu einer Verfälschung der Preise führt sowie dazu, dass (Verkäufer) ihre Ware verstecken, und dazu, dass das Vermögen der Leute ruiniert wird“.

Ibn Taymiyyah stimmt dieser Ansicht zu (Ibn Taymiyyah 1976, S. 41). Durch dieses Bewusstsein, dass das Angebot zurückgeht, wenn der Preis zu stark fällt, ist Ibn Taymiyyah nahe dran, auf eine direkte Beziehung zwischen der angebotenen Menge und dem Preis zu schließen.

In seinen Fatawa nennt er einige Faktoren, die die Nachfrage und somit auch die Preise beeinflussen. Er schreibt (Ibn Taymiyyah, 1383, Bd. 29, S. 523–525):

(a) „Die Wünsche der Menschen (ar-raghabah) sind unterschiedlich und verändern sich ständig. Sie verändern sich entsprechend dem reichlichen Vorhandensein oder der Knappheit der nachgefragten Ware (al-matlub). Wenn es nur wenig von einer bestimmten Ware gibt, wird sie stärker nachgefragt, als wenn sie reichlich verfügbar ist.“

(b) „Die Wünsche verändern sich auch in Abhängigkeit von der Zahl derjenigen, die das Produkt nachfragen (tullab). Wenn viele Personen das Produkt nachfragen, steigt dessen Preis. Im Gegensatz dazu sinkt er, wenn die Zahl der Nachfragenden gering ist.“

(c) „Auch die Stärke oder Schwäche des Bedürfnisses nach dem Produkt und das Ausmaß des Bedürfnisses beeinflussen die Wünsche – je nachdem, wie stark oder schwach das Verlangen danach ist. Wenn das Bedürfnis ausgeprägt und stark ist, wird der Preis stärker ansteigen, als wenn es gering ausgeprägt und schwach ist.“

(d) „(Der Preis unterscheidet sich auch) entsprechend (dem Kunden), mit dem der Handel getätigt wird (al-mu’awid). Wenn er reich und vertrauenswürdig hinsichtlich des Begleichens von Schulden ist, ist (für den Verkäufer) ein niedrigerer Preis akzeptabel als bei jemandem, der für Zahlungsunfähigkeit, verspätete Zahlungen oder Leugnung fälliger Zahlungen bekannt ist.“

(e) „Außerdem (wird der Preis beeinflusst) durch die Währung, in der er gezahlt wird. Wenn es eine gängige Währung ist (naqd ra’ij), sinkt der Preis, was bei einer weniger bekannten Währung nicht der Fall ist, wie es sich heutzutage in Damaskus mit Dirham und Dinar verhält, wobei es gängige Praxis ist, in Dirham zu zahlen.

(f) „Dies ist so, weil der Zweck des Vertrages (reziproker) Besitz beider Vertragsparteien ist. Wenn der Zahler in der Lage ist zu zahlen und man von ihm erwarten kann, dass er seine Zusage einhält, wird der Gegenstand des Vertrages mit ihm umgesetzt, anders als wenn er nicht vollkommen fähig oder nicht vollkommen vertrauenswürdig ist. Das Maß an Fähigkeit und Vertrauenswürdigkeit ist unterschiedlich. Dies gilt für Käufer und Verkäufer, Mieter und Vermieter, Braut und Bräutigam. Manchmal ist das Objekt des Verkaufes (physisch) verfügbar, manchmal nicht. Der Preis für etwas Verfügbares ist niedriger als der für etwas, das nicht (physisch verfügbar) ist. Das Gleiche gilt für den Käufer, der bisweilen in der Lage ist, auf einmal zu zahlen, weil er Geld hat, doch manchmal hat er kein (Bargeld) und möchte sich etwas leihen (um zahlen zu können) oder Waren verkaufen (um die Zahlung tätigen zu können). In ersterem Fall ist der Preis niedriger.

(g) „Das Gleiche gilt für jemanden, der (ein Objekt) vermieten möchte. Vielleicht ist er in der Lage, die Leistungen, die der Vertrag beinhaltet, in einer Weise zur Verfügung zu stellen, dass der Mieter ohne (weitere) Kosten davon Gebrauch machen kann. Es kann jedoch auch vorkommen, dass der Mieter die Leistungen nicht ohne (zusätzliche) Kosten in Anspruch nehmen kann. Dies kann zum Beispiel der Fall sein in Dörfern, die von tyrannischen Machthabern oder von Räubern heimgesucht werden, oder in Orten, an denen es Raubtiere gibt. Der (Miet-)Preis für solches Land entspricht natürlich nicht dem Nennwert von Land, in dem diese (zusätzlichen Kosten) nicht aufzubringen sind.

Wie wir bereits gesehen haben, verwendet Ibn Taymiyyah den Begriff ‚Wunsch‘ im Sinne von ‚Nachfrage‘. Später benutzt er al-matlub und at-talibun für die nachgefragten Güter beziehungsweise die Nachfragenden. In seiner Analyse von steigenden und fallenden Preisen werden ökonomische und nicht-ökonomische Faktoren sowie individuelle und kollektive Handlungen gleichzeitig erwähnt.

Davon auszugehen, dass ein knappes Gut deutlich stärker nachgefragt wird als eines, das zur Genüge vorhanden ist, bedeutet, dass man sich Angebot und Nachfrage als voneinander abhängig vorstellt. Dies ist jedoch im Allgemeinen nicht der Fall. Ibn Taymiyyah verzeichnet dies als von ihm beobachteten psychologischen Fakt: Manche Menschen fragen ein Gut umso stärker nach, wenn es nur in geringer Menge vorhanden ist, weil sie davon ausgehen, dass es künftig noch knapper werden wird.

Ein Anstieg der Zahl der Nachfragenden, der einen Preisanstieg verursacht, ist ein ökonomisches Phänomen und ein Fall von einer Veränderung der Funktionen der Marktnachfrage. Die geringe oder starke Ausprägung eines Bedürfnisses kann – anders als seine Intensität – auf dessen Position im Gesamtbetrag des Warenkorbs, der vom Verbraucher benötigt wird, hinweisen. Falls diese Interpretation korrekt ist, so assoziiert Ibn Taymiyyah die Stärke eines Bedürfnisses, verbunden mit seinem relativ großen Ausmaß, als Anteil der Gesamtheit seiner Konsumausgaben, mit hohen Preisen. Im Gegensatz dazu ist ein weniger intensiv empfundenes Bedürfnis nach einer Ware, die im Verhältnis zur Gesamtheit der Bedürfnisse nur in geringen Mengen benötigt wird, eine Ursache für niedrige Preise.

Der nächste Punkt (d) bezieht sich auf Kreditverkäufe. Er behandelt einen speziellen Fall, der nicht sehr relevant ist für eine Analyse der Marktpreise, außer wenn dies zum Normalfall wird, so dass Verkäufer die Unsicherheit hinsichtlich der Bezahlung mit berücksichtigen müssen.

Dass die Preise niedriger sind, wenn in Silbermünzen bezahlt wird (Punkt e) ist eine Anspielung auf die eigentümliche monetäre Lage im Damaskus jener Zeit. Der Grund hierfür war möglicherweise ein Anstieg von Legierungen bei den Goldmünzen oder die häufigen unvorteilhaften Veränderungen im Verhältnis von Dinar zu Dirham, wie aus der Geschichte jener Zeit hervorgeht (Qalaqshandi, Bd. 3, S. 438; Maqrizi, Bd. 1, S. 899). Anzumerken ist, dass Nasir Muhammad ibn Qalawun – der Sultan, der zu Ibn Taymiyyahs Zeit regierte – den Leuten verbot, Gold zu verkaufen oder anzukaufen. Alle waren gezwungen, ihr Gold der Münzprägeanstalt zu übergeben und Dirham dafür entgegenzunehmen (Maqrizi, Bd. 2, S. 393). Dies mag ein weiterer Grund für die – relativ gesehen – höheren Preise in Dinar gewesen sein.

Der spezielle Fall, dass für eine sofort verfügbare Ware ein niedrigerer Preis verlangt wird als für eine Ware, die zum entsprechenden Zeitpunkt nicht auf dem Markt verfügbar ist (Punkt f) kann als eine zusätzliche Zahlung betrachtet werden, die für die Beschaffung eines schwer erhältlichen Produktes geleistet wird. Ibn Taymiyyah erwähnt diesen Fall gemeinsam mit dem Fall, dass der Preis für eine Ware günstiger ist, wenn sofort gezahlt wird, als wenn die Zahlung zunächst gestundet wird. Dies hat er bereits angemerkt (unter Punkt d).

Das unter Punkt g angeführte Beispiel zielt darauf ab zu zeigen, dass sämtliche Kosten, die der Käufer übernehmen muss, um das gemietete Objekt nutzen zu können, vom Vermieter des Objektes berücksichtigt werden müssen. Ibn Taymiyyah zeigt auf, was die Punkte d, e, f und g gemeinsam haben: Unsicherheiten oder anfallende Kosten bewirken, dass der Preis anders ausfällt als er es ohne diese Faktoren getan hätte. Dies allein ist ein bedeutender Beitrag zur ökonomischen Analyse. Dem kann sein Bewusstsein für die Auswirkungen von Veränderungen in Bezug auf Angebot und Nachfrage hinzugefügt werden. Insofern ist es interessant, seine Gedanken hierzu mit denen anderer islamischer Denker und westlicher Autoren zu vergleichen, die vor dem Aufkommen der Ökonomie in der Mitte des 18. Jahrhunderts wirkten.

(Quelle: Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Journal of Research in Islamic Economics, Vol. 2, No. 2 / übertragen in die deutsche Sprache für al-adala.de von korrekturlesen-hh, leicht redigiert)

 

Abu Yusuf: Kitab al-Kharai. Beirut: Dar al-Ma’rifah, 1979
Gordon, B.: Economic Analysis Before Adam Smith. London: Lewes Reprint Ltd., 1979.
Ibn Khaldun: Al-Muqaddimah. Beirut: Dar al-Fikr, o. J.
Ibn Taymiyyah: Majmu’ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad b. Taymiyyah. Riyadh: Al-Riyadh Press, Bd. 8, 1381, Bd. 29, 1383.
Al-Hisbah fi’l Islam, Ed. Azzam, S., Kairo: Dar al-Sha’b, 1976.
Islahi, A. A.: Economic Views of Ibn Taymiyah, Aligarh Muslim University, unveröffentlichte Dissertation, 1980.
Kahf, Monzer: „Economic Views of Ibn Taymeyah“, in: Universal Message, Karachi, Ausg. 4, Nr. 2, Juli 1982; Ausg. 4, Nr. 3, erstmals veröffentlicht in al-Itthihad, Plainfield, Indiana, 1977.
al-Maqrizi, Taqiuddin, Ahmad b. Ali: Kitab al-Sulak li Ma’rifat al Duwal Wal Muluk. Ed. Ziadeh, M. M., Kairo: Lajnah, al-Ta’lif Wa’l-Tarjamah, 1956.
al-Mubarak, Muhammad: Ara’ Ibn Taymiyah fi’l Dawlah wa mada Tadakhkhulliha fi’l Majal al-Iqtisadi. Beirut: Dar al-Fikr, 1970.
al-Qalaqshandi, Abul Abbas Ahmad b. Ali: Subh al-A’sha. Kairo: Dar al-Kutub al-Khudaiwiyah, 1913.
Schumpeter, J. A.: History of Economic Analysis. London: George Allen and Unwin Ltd., 1972.
Siddiqi, M. N.: „Abu Yusuf ka Ma’ashi Fikr“ (Urdu), in: Fikr-o-Nazar, Aligarh, Ausg. 5, Nr. 1, Januar 1964, S. 79 f. und 85–87.
Speigel, H. W.: The Growth of Economic Thought. New Jersey: Prentice Hall Inc., 1971.

Zitat: Ibn Hazm – Über Zölle, Mehrwertsteuer und andere Handelsabgaben

«Es besteht Konsens darüber, dass die Zollposten auf den Wegen und an den Toren der Städte, sowie das, was auf den Märkten an Abgaben auf die von Händlern und Vorbeikommenden herbeigeschafften Waren erhoben wird, gewaltiges Unrecht, Sünde und Frevel ist.»

 – Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.) in Maraatib al-Ijmaa

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 1)

Einleitung

Das Hauptziel dieser Arbeit soll es sein, das Konzept des Marktmechanismus zu studieren und zu analysieren, so wie er von Ibn Taymiyyah verstanden wurde. Zudem wird diese Abhandlung versuchen, seine Ansichten mit denen anderer muslimischer Denker und westlicher Autoren – bis Mitte des 18. Jahrhunderts – zu vergleichen. Der erste Abschnitt befasst sich mit der Analyse von Ibn Taymiyyahs Ansichten, die letzten beiden Abschnitte dienen zum Vergleich.

Die Konzepte von „Angebot und Nachfrage“ sind die grundlegendsten in der Wirtschaftswissenschaft, sie bilden die Essenz des Marktmechanismus. Die Idee jedoch, alle Kräfte des Marktes in diese beiden Hauptkategorien einzuteilen und dass die Preisbildung durch „Angebot und Nachfrage“ zustande kommt, war eine sehr späte Entwicklung in der Geschichte des ökonomischen Denkens.

Gemäß Schumpeter:

«Was die Theorie zum Mechanismus der Preisbildung angeht, so gibt es aus der Zeit vor der Mitte des 18. Jahrhundert nur sehr wenig zu berichten …»

(Schumpeter, S. 305)

Nun ist es aber (gerade in diesem Zusammenhang) interessant zu entdecken, dass bereits im 13. Jahrhundert der (muslimische Gelehrte) Ibn Taymiyyah (1263-1328 n.Chr./661-728 n.H.) ein solches Konzept des Marktmechanismus dargelegt hatte.

Das von Ibn Taymiyyah entwickelte Konzept des Marktmechanismus

Ibn Taymiyyah hatte eine klare Vorstellung von der Preisbildung in einem freien Markt, welche durch Marktkräfte zustande kamen, die wir heute Angebot und Nachfrage nennen. Er sagt:

«Das Steigen und Fallen der Preise ist nicht immer auf das Unrecht (zulm) einiger Menschen zurückzuführen. Manchmal ist der Grund ein(e Knappheit durch) Produktions- oder Importrückgang der nachgefragten Ware. Wenn also die Nachfrage nach einer (bestimmten) Ware steigt, während ihre Verfügbarkeit (durch Knappheit) sinkt, dann steigt ihr Preis. Anderseits, wenn die Verfügbarkeit der Ware sich erhöht und die Nachfrage danach sinkt, dann sinkt auch der Preis. Diese Form von Knappheit und Überfluss kann nicht durch menschlichen Eingriff verursacht werden; sie kann (entweder) auf eine Ursache zurückgeführt werden die frei von Unrecht ist, oder, in manchen Fällen auch Unrecht zum Anlass haben. Es ist Allah der Allmächtige, der die Wünsche in den Herzen der Menschen schafft …»

(Ibn Taimiyah, 1381, vol.8, p. 523)

Aus dieser Feststellung Ibn Taymiyyahs geht hervor, dass es zu seiner Zeit eine vorherrschende Meinung war, dass steigende Preise eine Folge des Unrechts (zulm) oder des Fehlverhaltens vonseiten der Kaufleute wäre. Das ursprüngliche Wort, das von ihm benutzt wird, ist „zulm“, was auch Überschreitung oder Ungerechtigkeit bedeuten kann. Hier wird es im Sinne von Manipulationen benutzt, die von Kaufleuten vorgenommen werden um den Markt zu stören/beeinflussen, beispielsweise durch Horten. Nach Ibn Taymiyyah ist das jedoch nicht immer wahr. Er macht hier für das Steigen und Fallen der Preise wirtschaftliche Gründe und die Marktkräfte verantwortlich.

Ibn Taymiyyah erwähnt zwei Quellen für das (Waren-)Angebot – lokale Produktion und Import der nachgefragten Waren (ma yukhlaq aw yujlab min dhali’k al mal al matlub). Die (Wort-)Wurzel von „Al matlub“ ist „t-i-b“, welches das Synonym des Wortes „Nachfrage“ im Deutschen ist. Um die Nachfrage nach einer Ware auszudrücken, benutzt er den Ausdruck „raghabat fi’l shai“, d.h. Verlangen nach der Ware.

Verlangen, welches Bedürfnisse oder „Geschmack“ reflektiert, ist eines der wichtigsten (und entscheidendsten) Faktoren der Nachfrage, der andere (Faktor) ist das Einkommen. Dieser zweite Faktor wird von Ibn Taymiyyah (allerdings) nicht erwähnt.

Eine Veränderung des Angebots, der anderen Marktkraft neben der Nachfrage, wird von ihm als eine Zunahme oder Abnahme der Verfügbarkeit der Ware beschrieben. Die beiden Quellen des Angebots bemerkte er bereits: lokale Produktion und Import.

Die oben zitierte Aussage deutet darauf hin, dass Ibn Taymiyyah sich auf etwas bezieht, was wir heute Angebots- und Nachfrageverschiebung nennen, auch wenn er es nicht explizit bei( diese)m Namen nennt.

Das heißt, es wird (entweder) mehr zum selben Preis nachgefragt und weniger zum selben Preis angeboten, oder umgekehrt, es wird weniger nachgefragt und mehr angeboten zum selben Preis, was letztendlich zu einem Preisverfall führt. Er kombiniert zwei verschiedene Änderungen in einem.

Ohne Zweifel ist es so, dass, wenn ein sinkendes Angebot durch eine Zunahme der Nachfrage begleitet wird, der Anstieg des Preises (natürlich) ausgeprägter sein wird. In ähnlicher Weise wird, wenn ein Anstieg des Angebots mit einer Abnahme der Nachfrage verbunden ist, der Preisrückgang (natürlich) größer sein, da beide Änderungen die Bewegung des Preises in die gleiche Richtung unterstützen. Es ist jedoch nicht notwendig, die beiden Änderungen zu kombinieren, da sie nicht zwingend gleichzeitig auftreten müssen. Unter sonst gleichen Bedingungen können wir also das gleiche Ergebnis haben, auch wenn sich nur eines von beiden ändert. Wenn z.B. die Nachfrage sinkt, während das Angebot gleich bleibt, wird der Preis sinken, und umgekehrt. Man kann sich eine Anzahl solcher Möglichkeiten vorstellen, die mit der obigen Aussage Ibn Taymiyyahs in Übereinstimmung zu bringen sind. In seinem Buch „Al Hisbah fi’l Islam“ beschreibt Ibn Taymiyyah die beiden Veränderungen separat, wie er sagt:

«Wenn die Leute ihre Waren nach allgemein anerkannter Art und Weise ohne jegliches Unrecht verkaufen und der Preis steigt aufgrund eines Warenrückgangs (qillat al shai‘) oder aufgrund einer Bevölkerungszunahme (kathrat al Khalq), dann ist dies auf die Bestimmung Allahs zurückzuführen»

(Ibn Taimiyah, 1976, p.24)

Hier nennt er als Gründe für ein Steigen des Preises entweder einen Rückgang der Waren oder eine Zunahme der Bevölkerung. „Warenrückgang“ können wir hier auch als Abnahme des Angebots übersetzen. Ebenso ist eine Zunahme der Bevölkerung im Grunde nichts anderes als eine Erhöhung der Nachfrage im Markt, kann also als Anstieg der Nachfrage übersetzt werden. Eine Preiserhöhung aufgrund eines Rückgangs des Angebots oder aufgrund einer Zunahme der Nachfrage wird zudem als ein Akt des allmächtigen Gottes gekennzeichnet, was impliziert, dass der Marktmechanismus (kein Resultat menschlichen Planens, sondern) unpersönlicher Natur ist.

(Quelle: Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Journal of Research in Islamic Economics, Vol. 2, No. 2, pp. S. 51-52 / übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Referenzen:
Schumpeter, J.A. History of Economic Analysis, London, George Allen and Unwin Ltd., 1972.
Ibn, Taimiyah, Majmu' Fatawa Shaikh al Islam Ahmad b. Taimiyah, Riyadh, al Riyadh Press, vol. 8, 1381; vol. 29, 1383.
Ibn, Taimiyah, Al Hisbah fi'l Islam, ed. Azzam, S., Cairo. Dar al Sha'b, 1976.

Zitat: Ibn al-Qayyim – Händler sind für die Schöpfung, was Fische für das Meer sind

«Die Schöpfung ist [wie] das Meer: Die Gelehrten sind dessen Perlen [Schmuck], die Asketen dessen Ambra [Parfüm], die Händler dessen Fische [Nutzen], die Übeltäter deren Krokodile und die Unwissenden der Schaum auf dessen Oberfläche.»

 – Ibn Qayyim al-Jawziyyah (gest. 751 n.H.)

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Buchauszug: Der Meinungsunterschied bezüglich Gold und Silber als Zahlungsmittel

«Al-Ghazali, Ibn Khaldun und viele andere muslimische Gelehrte waren der Ansicht, dass Edelmetalle geschaffen wurden um als Geld zu dienen, was ursprünglich eine griechische Idee war. Ibn Taymiyya jedoch sieht es als eine Frage der gesellschaftlichen Konvention (Tradition/Sitte/Abkommen) an. Er sagt:

„Gold- und Silbermünzen haben weder eine natürliche, noch eine schariarechtliche Spezifikation. (Ob sie als Zahlungsmittel benutzt werden) hängt also von den Menschen ab, von ihren Gewohnheiten (Brauchtum) und gesellschaftlicher Übereinkunft,“¹

… so dass schlussendlich jedwede Ware als Geld dienen könnte.

„Auch die sich derzeit im Umlauf befindlichen Münzen (deren Tauschwert höher angesetzt war als ihr tatsächlicher Warenwert) dienen also, genauso wie Edelmetalle, zur Bemessung des Wertes von Waren.“²»

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 76 / übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Fußnoten:

¹ Ibn Taymiyyah, Majmu` Fatawa Shaykh al-Islam Ahmad Ibn Taymiyyah, 1963, edited by al-Najdi, Abd al-Rahman b. Muhammad, Al-Riyad, Matabi` al-Riyad, , Vol. 19, pp. 250, 251, 248-249
² ibid., Vol. 29, p. 469

Dr. Selim Cafer Karatas: Ibn Khalduns wirtschaftliches Rezept für eine zivilisierte Gesellschaft

Ibn Khalduns wirtschaftliches Rezept für eine zivilisierte Gesellschaft, aus seiner Muqaddima, extrahiert von Dr. Selim Cafer Karataş (ehem. Geschäftsführer der Islamic Development Bank in Jeddah/Saudi Arabien), in seiner Publikation Economic Theory of Ibn Khaldun.

Um politische Stabilität und Solidarität zu erlangen, welche für den Aufstieg der Nationen von Nöten ist, braucht man …

1) Eine feste Garantie der privaten Eigentumsrechte und der Freiheit des Unternehmertums

2) Herrschaft des Rechts (Rechtsstaatlichkeit) und Zuverlässlichkeit des Gerichtswesens, für die Herstellung von Gerechtigkeit

3) Die Sicherung des Friedens und die Sicherung der Handelswege

4) Wenige und niedrige Steuern, um die Beschäftigung, die Produktion und die Einnahmen zu steigern, […]

5) Weniger Bürokratie und eine kleine aber effiziente Armee

6) Keine staatliche Beteiligung am Handel, an der Produktion und am Gewerbe generell.

7) Keine Festsetzung von Preisen durch die Regierung

8) Eine herrschaftliche Regelung, die niemandem im Markt eine Monopolmacht verschafft.

9) Stabile Geldpolitik: Also eine unabhängige Währungsbehörde die nicht mit dem Wert des Geldes spielt.

10) Eine größere Bevölkerung und ein größerer Markt für größere Spezialisierung.

11) Ein kreatives Bildungssystem, für unabhängiges Denken und Handeln.

12) Eine kollektive (bürgerliche) Verantwortung und innere Sensibilität zur Errichtung eines gerechten Systems, in welchem gute Taten gefördert und schlechte verhindert werden.

Kurz gesagt: Natürliche und widernatürliche Formen des Lebensunterhaltes

Ibn Khaldun unterteilt in seiner Muqaddima die verschiedenen Arten (des Erwerbs) des Lebensunterhaltes in natürliche und widernatürliche Formen.

Zu den natürlichen Formen zählt er, in der Reihenfolge ihrer Natürlichkeit bzw. Ursprünglichkeit (1. = am natürlichsten) …

  1.  Landwirtschaft
  2. Handwerk/Gewerbe
  3. Handel

Zu den widernatürlichen Formen zählt er, in der Reihenfolge ihrer Widernatur bzw. niedrigen Rangstufe (3. = am widernatürlichsten) …

  1. Politische Herrschaft (Enteignung, Steuererhebung)
  2. Staatsdienst (Soldaten, Polizisten, Sekretäre)
  3. Dienerschaft/Knechtschaft im Haushalt

Imam al-Qurtubi – Der nach Profit strebende Kaufmann erreicht die Stufe eines im Jihad Kämpfenden (Mujahid)

Der berühmte Tafsir-, Hadith und Rechtsgelehrte Imam Abu ‚Abdullah Al-Qurtubi (gest. 671 n. H.) kommentierte in seinem Tafsir al-Qurtubi den Teil „[…] und andere, die im Land umherreisen, wo sie nach (etwas) von Allahs Huld trachten, und andere, die auf Allahs Weg kämpfen. […]“ der 20. Ayah in Sure Al-Muzzammil (73) mit folgenden Worten

Allah der Hocherhabene hat in dieser Ayah diejenigen, die sich im Jihad befinden (Mujahidin) und diejenigen, die Geld erwirtschaften – um es für sich selbst und ihre Angehörigen auszugeben und um Gutes zu tun und andere damit zu beschenken – gleichgestellt.

Daher ist (diese Ayah) ein Beweis dafür, dass das Erwirtschaften von Geld die selbe Stufe einnimmt, wie der Jihad, denn Er (Allah) hat es gemeinsam (in der selben Ayah) mit dem Jihad auf dem Wege Allahs erwähnt.

Und Ibrahim überlieferte von Alqamah, dass er sagte:

«Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, sagte: „Kein Kaufmann importiert Nahrungsmittel von einem Land in ein anderes und verkauft sie dort zum aktuellen Tagespreis, außer dass seine Stufe bei Allah dabei der Stufe der Märtyrer gleicht. Danach rezitierte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil:

‚ … und andere reisen nach Allahs Huld trachtend im Land umher und andere kämpfen auf dem Wege Allahs‘»

Und Ibn Mas’ud sagte:

«Immer, wenn ein Mann etwas in eine Stadt der Muslime importiert, wobei er geduldig ist und Allahs Lohn erwartet, und es daraufhin für den aktuellen Tagespreis verkauft, so bekommt er bei Allah die Stufe der Märtyrer. Und er rezitierte die Ayah:

‘ … und andere ziehen im Land umher … ’»

Und Ibn Umar sagte:

«Allah hat keinen Tod erschaffen, der mir – nach dem Tode (beim Jihad) auf dem Wege Allahs – lieber wäre, als der Tod zwischen den zwei Teilen meines Kamelsattels, während ich im Lande umherreise und dabei nach der Großgiebigkeit Allahs strebe.»

Und Tawus sagte:

«Wer für die Witwe und den Armen arbeitet, ist wie der derjenige im Jihad auf dem Wege Allahs.»

Ein herzlicher Dank - für Hinweis und Übersetzung - geht raus an die Brüder der "Ökonomie und Gesellschaft" Telegram-Gruppe.

Der falsche gesellschaftliche Idealismus moderner „Islamisten“

von Yahya ibn Rainer

Moderne muslimische Idealisten haben ein falsches Bild von einer „islamischen“ Gesellschaft. Sie meinen, dass die Scharia ein Erziehungstool ist, das im bestmöglichen Fall dafür sorgen soll, dass die gesamte Gesellschaft aus vorbildlichen und frommen Muslimen besteht, Sünden so gut wie ausgemerzt werden und keine Armut mehr existiert.

Aber eine Gesellschaft, die nur aus vollkommen frommen, in jeglicher Hinsicht vorbildlichen und wohlhabenden Muslimen besteht, kann es nicht geben und die Scharia ist auch nicht als Erziehungstool gedacht um eine solche Gesellschaft zu formen. Vielmehr ist es sogar so, dass eine Gesellschaft zwingend auch aus schwachen und weniger tugendhaften Menschen bestehen muss, damit sie nicht zugrunde geht.

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Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (1. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Die Herrschafts- und Gesellschaftsform der muslimischen Gemeinschaft hat in den ersten 150 Jahren nach der Hijra einige bedeutende Veränderungen durchgemacht. Die beste Führung war ohne jeden Zweifel die Führung durch den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil –. Diese damalige Herrschafts- und Gesellschaftsform war als al-Mithaq bekannt, was soviel bedeutet wie „ein Bündnis unabhängiger Stämme“. Es gab keinen „Staat“ im herkömmlichen Sinne, keine Verwaltung und keine Behörden, lediglich einige öffentliche und offizielle Positionen (wie Heeresführung, Richter usw) wurden besetzt.

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Kurz gesagt: Eine schöne Sitte aus dem Morgenland

Eine schöne Sitte, die ich aus einigen muslimischen Ländern kenne und die hier in Deutschland vielleicht Eingang finden sollte:

In Ländern wie Ägypten gibt es bekannterweise recht viele arme Menschen. Was ich besonders bei armen Müttern dort sah und erlebte, war, dass sie nicht unnütz irgendwo am Straßenrand bettelten, sondern stattdessen eine kleine Gegenleistung boten.

So kaufen sie z.B. kleine Mengen an Süßigkeiten oder anderen Produkten (wie Taschentücher, Kugelschreiber usw) und bieten es an Bushaltestellen und Bahnhöfen den Fahrgästen an. Wenn sich jemand erbarmt und ihr etwas abkauft, dann erwirtschaftet die Frau einen kleinen Gewinn, den sie dann wieder reinvestiert.

Wenn sie den ganzen Tag so verfährt und genug Menschen ihr etwas abkaufen (was sie für gewöhnlich tun, da sie wissen, dass diese Form des Handels aus einer Notlage heraus passiert), dann kann sie mit einem winzigen Startkapital mitunter auch für mehrere Tage ihre Versorgung erwirtschaften und behält nebenbei auch ihren Stolz.

Die Mutter, die mir in Ägypten oder Deutschland einen Schokoriegel oder Tempotaschentücher verkauft und damit ein wenig Gewinn erwirtschaftet, ist mir tausendmal lieber als der zerlotterte westliche Punker, der mich halbtrunken nach ’nem Euro anschnorrt.

Zudem hat der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – den Handel gepriesen und seiner Ummah anempfohlen ihm nachzugehen.

Zitat: Rose Wilder Lane – Eine so bemerkenswerte geschichtliche Figur wie George Washington

„Vor etwas mehr als dreizehnhundert Jahren begann ein arabischer Kaufmann mit dem zweiten Versuch, die individuelle Freiheit in Handel und Gewerbe als Tatsache hinzustellen. Dieser Mann ist heute eine so bemerkenswerte geschichtliche Figur wie der Amerikaner George Washington.“

(Rose Wilder Lane, Die Amerikanische Revolution, ein Fanal der Freiheit, Seite 88)

Aus der Feder einer nichtmuslimischen us-amerikanischen Autorin dürfte dieser Vergleich wohl positiv gemeint sein. Oder?

Auszug: Abdul Azim Islahi – Wieso Ibn Khaldun der Laissez-faire-Politik so sehr zugeneigt war

„Wenn wir ins Zeitalter des Ibn Khaldun (1332-1406 n. chr. Zeitr.) vorstoßen, bemerken wir eine deutliche Veränderung [der staatspolitischen] Situation [des Orients], vor allem in Nordafrika. Die Herrscher vergaßen den Sinn der Religion, Stabilität ging verloren und wurde ersetzt durch Anarchie; ein luxuriöser Lebensstil verdrängte das einfache Leben, und um all diese Symbole der Dekadenz und die Macht aufrecht erhalten zu können, wurden exzessiv Steuern auferlegt, was sich zu einem mächtigen Hemmnis für wirtschaftliche Aktivitäten entwickelte.

Die willkürliche Aneignung von Privateigentum durch die Regierung sorgte für eine Degeneration des Unternehmertums. Staatliche Handelshäuser schwächten den Geist des Wettbewerbs im Bürgertum. Wahrscheinlich waren genau dies die Gründe, weshalb Ibn Khaldun so sehr einer Laissez-faire-Politik zugeneigt war.“

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi – Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 61, übersetzt aus dem Englischen von Yahya ibn Rainer)

Islam und Marktwirtschaft: Die weise Kapitalistin und der Kaufmann

Der folgende Beitrag erschien zuerst in der Jan./Feb.-Printausgabe (Nr.149) des Magazins eigentümlich frei. Ein recht herzlicher Dank geht an dieser Stelle raus an den Herausgeber und Chefredakteur dieses freien und mutigen Blattes.

Wenn Muslime Roland Baader lesen

Es war einmal, vor etwa 1.420 Jahren, da lebte eine sehr wohlhabende Witwe inmitten der arabischen Wüste, in einer kleinen Handelsstadt. Den Wohlstand verdankte sie ihrem ersten Ehemann, der, als er verstarb, ihr sein gesamtes Vermögen vererbte.

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Auszüge aus „Türke, wehre dich !“ von Dr. Hans Barth (1898)

„Gibt es irgend in der Welt, nicht bloss im Orient, ein Volk von Gentlemen, so ist dies das türkische. Jeder Kenner dieser braven, liebenswürdigen, grundehrlichen und dafür von aller Welt verlästerten und verleumdeten Nation, wird dies unterschreiben, auch wenn der Chorus der internationalen Langohren sein angelerntes Anathema schreit. Tatsächlich gibt es kaum eine Staats- und gesellschafterhaltende Tugend, die dem Türken — insbesondere dem anatolischen — nicht eigen wäre: Herzensgüte und Ehrlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, demokratischer Gleichheitssinn und unbedingte Loyalität gegen die Regierung, so drückend die staatliche Notwendigkeit auch auf ihm lasten möge, endlich natürlicher Anstand und Mässigkeit und eine von der Religiosität nicht in Banden gehaltenen Intelligenz. Welch hohe Lebensweisheit, welch sittlicher Ernst, welches Gemüt spricht nicht schon aus den teilweise sogar aus vorislamscher Zeit stammenden türkischen Sprüchwörtern: „Wer von der Lüge sich entfernt, der nähert sich Gott.“ — „Mann ist, wer sein Wort hält.“ — »Tue das Gute, und wirf es ins Meer; sieht es der Fisch nicht, so sieht es der Herr.“ — „Tue Gutes denen, die dir Böses antun, so wirst du bei Gott Gnaden finden“ u. s. w, Maximen, denen der gute Moslim in seinem Wandel weit eifriger nachzuleben pflegt, als der Christ den ähnlich lautenden Befehlen Jesu. […]

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