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Buchauszug: Ibn Khaldun – Königtum und Kalifat

«Das eigentliche Wesen des Königtums besteht darin, dass es einen für die Menschen notwendigen Zusammenschluss darstellt und Herrschaft und Gewalt, die beide sichtbarer Ausdruck des Zornes und der Tierähnlichkeit (der menschlichen Natur) sind, bedingt. Deshalb weichen die Anordnungen des Inhabers des Königtums meistens von dem ab, was rechtens ist, und fügen den Geschöpfen, die unter seiner Herrschaft stehen, Schaden in ihren weltlichen Angelegenheiten zu. Denn meist veranlasst er sie durch seine Wünsche und Begierden zu Dingen, die nicht in ihrem Leistungsvermögen liegen.

Das wird je nach den unterschiedlichen Absichten bei ihren Vorgängern wie Nachfolgern verschieden sein. Deshalb aber fällt es schwer, ihm Gefolgschaft zu leisten. Ungehorsam kommt auf, der zu Unruhe und Totschlag führt. Daher ist es unerlässlich, das man auf bestimmte politische Grundregeln zurückgreift, denen das Volk zustimmt und deren gesetzlichen Vorschriften es sich unterwirft. So war es bei den Persern und anderen Völkern der Fall. Ermangelt es der Dynastie an einer solchen Politik, ist ihre Macht instabil und kommt ihre Vorherrschaft nicht voll zur Wirkung.

«Auch bei denen, die früher dahingegangen sind, ist Allah so verfahren.» [Koran 33. 38; 62]

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Buchauszug: Alle leblosen Dinge handeln in unbedingtem Gehorsam nach dem Willen ihres Schöpfers

„Die Lebensbedingungen werden durch menschliche Tätigkeit erzeugt. […] Daher geht die Rede in diesem Buch nur von einer der Kräfte des Menschen, nämlich, vom Gebrauch seiner physischen, tätigen Lebensenergie. Ein lebender Mensch dieser Erde ist innerhalb der Dimensionen von Raum und Zeit eine Einheit physischer Ernergie, die wie physische Ernergie innerhalb der Grenzen der Gesetze der Physik wirkt. […]

Der Mensch ist nicht der Schöpfer dieser Gesetze. Er kontrolliert, ändert oder erobert sie nicht; […] Nichts ist absurder, als die so zum Ausdruck gebrachte Ansicht „Der Mensch erobert die Natur“. Tatsache ist, daß während Tausenden von Jahren von Irrtümern, Bemühungen und Fehlschlägen die Menschen die unabänderlichen Gesetze entdecken, die in der Natur bestehen.

Warum fällt Regen? Warum bläst der Wind? Warum erzeugen Elektrone Licht, wenn sie mit Molekülen leblosen Gases zusammentreffen? Die Menschen lernen das Was und das Wie. Die einzige Antwort auf das Warum lautet: Alle leblosen Dinge handeln in unbedingtem Gehorsam nach dem Willen ihres Schöpfers. Ein „Gesetz der Physik“ ist nichts anderes als Gottes Wille, der auf diesem Planeten innerhalb der Dimensionen von Raum und Zeit wirksam ist.

Um auf dieser Erde zu leben, müssen die Menschen auch im Einklang mit den Naturgesetzen handeln. Um Korn zu mahlen, ein Gewicht emporzuheben, Mauern aufzurichten, die ein Dach stützen, müssen die Menschen die Gesetze der Physik kennen und nach ihnen Handeln. Die Menschen lernen leichter, bequemer und länger zu leben, je besser sie die Naturgesetze verstehen und je besser sie ihnen gehorchen. Um ein Flugzeug zum Fliegen zu bringen, mußten die Gebrüder Wright einige Gesetze der Ärodynamik entdecken und ihnen gehorchen. Um elektrisches Licht herzustellen, mußte Edison einige Gesetze der Elektronik entdecken und ihnen gehorchen.

Das ist in der Tat sehr wenig um den Willen Gottes zu erkennen. Der Wissenschaftler geht angesichts der großen Unwissenheit und der winzigen Kenntnisse des Menschen bescheiden und demütig an die Realität heran.“

(Die Amerikanische Revolution – ein Fanal der Freiheit, von Rose Wilder Lane, übertragen aus dem Amerikanischen, bearbeitet und erweitert von Jean Pierre Hamilius, Seite 21-22 )

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LIX)

„Unerfahrene Überzeugungen sind schwatzhaft und zerbrechlich.“

„Ein wechselnden Gesetzen unterworfenes Individuum schafft es nicht, sich mit der Ungerechtigkeit jedes Gesetzes zu arrangieren.“

„Die politischen Parteien entstehen, wenn der Staat untergeordnete Probleme zu lösen sucht. Solange der Staat sich darauf beschränkt, die Existenz der Gesellschaft sicherzustellen, sind die politischen Kämpfe bloße persönliche Konflikte.“

Buchauszug: Ein Regime der Freiheit

„Dank des Koran war der Grundstein für ein Regime der «Freiheit unter dem Gesetz» gelegt. Alle Bürger des Araberreiches fanden in ihrem Religions- und Rechtsbuch einfache, allgemeine und gleiche Gesetzesregeln, die für alle dieselben waren und deren Folgen klar erkennbar im Raum standen. Jeder Einzelne wußte also, welche möglichen Folgen seines Handelns er in Betracht ziehen mußte und wofür er verantwortlich gemacht werden würde.

Die regierenden Kalifen – ausgenommen gewisse Despoten unter ihnen – regierten im Rahmen des Gesetzes, d. h. sie konnten nur die Erzwingung allgemeiner Regeln durchsetzen, die unabhängig von jedem besonderen Fall festgelegt, auf alle Bürger gleichermaßen anwendbar waren. Anders ausgedrückt: das Gesetzes- und Religionsbuch des Islams schrieb genauestens vor, was die Einzelnen zu unterlassen hatten, um sich nicht gegenseitig zu behindern oder Schaden zuzufügen, während sie anderseits frei waren, alles zu tun, was nicht verboten war.“

(Die Amerikanische Revolution – ein Fanal der Freiheit, von Rose Wilder Lane, übertragen aus dem Amerikanischen, bearbeitet und erweitert von Jean Pierre Hamilius, Seite 93-94)

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Das muselmanische Wassergesetz

„Wenn der Überfluß eines Gutes für seine Unentgeltlichkeit verantwortlich ist, so folgt daraus, daß es unter Umständen sehr wohl in die Kategorie der ökonomischen Güter eintreten kann. Der Satz „Ich verkaufe Ihnen ein Pfund Eis“ würde einen Eskimo zum Lachen bringen – für einen Menschen am Äquator würde er ein akzeptables Anliegen ausdrücken.

Während der Geschichte unserer westlichen Gesellschaften sind die Bäume aus der Klasse der „unentgeltlichen Güter“ in die der „ökonomischen Güter“ übergetreten. Ein Stück Bauholz erhielt einst einen Preis ausschließlich aus der Arbeit, die in es eingegangen war: die Bäume konnten umsonst gefällt werden. Die Gewohnheit, daß Bäume schon verkauft werden, bevor sie geschlagen sind, hat sich nicht ohne Schwierigkeiten durchgesetzt.

Nicht nur die Tatsache, daß ein natürliches Gut im Überfluß vorhanden ist, steht seinem Verkauf entgegen. Es wird auch das Gefühl wirksam, daß es zwar legitim ist, für seine Arbeit und seinen Schweiß eine Belohnung zu erhalten, daß dies aber bei einer „Gabe Gottes“ weniger angebracht sei. Dieses Gefühl tritt deutlich im muselmanischen Wassergesetz zutage, das auch im Falle äußerster Wassernot entsprechend dem Koran den Verkauf von Wasser untersagt.“

(Prof. Bertrand de Jouvenel, Über Souveränität – Auf der Suche nach dem Gemeinwohl, Seite 17-18)

 

Zeitaufnahmen zu Staat und Freiheit von B. Bandulet und M. A. Schmitz du Moulin

von Yahya ibn Rainer

Ein äußerst wichtiges Thema für jeden ordnungs- und gesellschaftspolitisch interessierten Menschen ist die geschichtliche Betrachtung der expandierenden Staatsgewalt, also der stetigen Ausweitung staatlicher Befugnisse und willkürlicher Eingriffe in die zwischenmenschlichen Beziehungen und in das private Eigentum der Bürger.

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Ein Dankeschön an meinen Physiklehrer, Herrn K.

von Yahya ibn Rainer (am 16.05.2012)

Meine Schulzeit habe ich im groben und ganzen eigentlich recht erfolgreich aus meinem Gedächtnis verdrängt. Ich hatte nicht sehr viel Spaß am Lernen und somit auch nicht an der Schule. In Erinnerung blieb mir jedoch die Marotte meines Physiklehrers, den ich in der 5. Klasse der Realschule hatte. Ich war gerade von der Grundschule gekommen und freute mich sehr darüber endlich neue Schulfächer zu haben. Besonders Physik und Chemie hörte sich für mich sehr reizvoll an – was sich allerdings schnell wieder legte –.

Gleich die allererste Stunde Physik, bei diesem neuen Lehrer namens Herr K., war dermaßen prägend, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe. Herr K. war bereits um die 50 Jahre alt, wird also heute wohl nicht mehr als Lehrer tätig sein. Er hatte einen kurzen Vollbart, war etwa 1,80m groß und von drahtiger sportlicher Figur. Man merkte sofort das er sehr selbstbewußt war und er strahlte eben die Disziplin aus, die er auch von seinen Schülern erwartete. Damals gefiel mir das garnicht, ich war eher undiszipliniert, aber heute weiß ich solche Lehrer sehr zu schätzen.

Er betrat also die Klasse, forderte uns auf still zu sein und stellte sich vor. Er hatte nur wenige Regeln, aber diese wollte er unbedingt umgesetzt sehen. Still sein, zuhören und nur sprechen wenn er es gestattet. Und dann ging es auch sofort los. 5. Klasse, 1. Stunde Physik, das Hebelgesetz. Er erklärte sehr ausführlich die mechanischen Bestandteile eines Hebels (Kraftarm, Lastarm, Drehpunkt usw) und machte die üblichen Skizzen an der Tafel. Am Ende dieser Ausführungen machte er uns dann mit der Tatsache bekannt, dass es für das Hebelgesetz eine mathematische Formel gibt. Nun begab er sich an die Tafel und schrieb dort 3 verschiedene mathematische Formeln auf.

„Welches ist die richtige Formel?“ fragte Herr K. einen Mitschüler. „Weiß ich nicht!“ sagte dieser ratlos. „Weiß es sonst jemand?“ fragte er nun in die Klasse. Aber niemand meldete sich. Natürlich! Das war die allererste Physikstunde unseres Lebens und wir hatten nicht die geringste Ahnung was überhaupt eine Formel ist. Anstatt uns aber darüber aufzuklären, machte er folgenden Vorschlag. Er forderte uns dazu auf, darüber abzustimmen. Jeder konnte sich eine der 3 Formeln an der Tafel aussuchen und dafür ein Handzeichen abgeben. Herr K. zählte für jede einzelne Formel die Handzeichen zusammen und schrieb sie darunter.

„Diese Formel hat die meisten Stimmen bekommen, es ist also die richtige!“ sagt er dann. „Und jetzt schlagt mal euer Physikbuch auf.“

Wir taten das natürlich und schlugen die Seite mit dem Hebelgesetz auf. Dort jedoch, oh Wunder, stand etwas ganz anderes. Die Formel, die bei unserer Abstimmung die Mehrheit der Stimmen bekam, war nicht identisch mit der im Buch. Wir waren verwundert und fast alle Schüler im Raum hoben ihre Hand um es dem Lehrer mitzuteilen. Er nahm einen der Schüler dran und ließ sich den Umstand erklären. „Aha?“ meinte er „Dann müssen wir in diesem Fall wohl auf das Schulbuch verzichten, denn immerhin war das ja eine demokratische Abstimmung. Jeder hatte die freie Wahl und gleiches Stimmrecht.“

„Außerdem,“ fuhr er fort „ist dieses Gesetz im Schulbuch von einem gewissen Archimedes formuliert worden. Der lebte vor weit über 2000 Jahren. Das ist doch heute garnicht mehr zeitgemäß, wir leben immerhin im 20. Jahrhundert, oder?“

Wir waren baff. Was sollte man dazu sagen? Natürlich wussten wir ganz genau, dass die Formel im Buch die richtige sein musste, aber wieso der Herr K. dieses Theater mit uns aufführte, dass haben wir nicht geschnallt. Und ich habe es auch viele Jahre darauf nicht kapiert. Erst in den letzten 4-5 Jahren, in denen ich eine begründete Demokratiekritik entwickelte und mich wieder auf ein altbewährtes, präexistierendes Recht berufe, kommt mir dieses Vorkommnis wieder ins Gedächtnis und ich empfinde es als eine Wohltat dieses Lehreres, der damit sicherlich nicht nach dem regulären Lehrplan vorging.

Leider ist die 5. Klasse für eine solches Fallbeispiel noch nicht ausreichend geeignet. Aber andere Lehrer sollten sich mal ein Beispiel daran nehmen und mit den Schülern auch die Demokratie mal kritisch unter die Lupe nehmen. Die Demokratie ist kein Werkzeug um die Wahrheit zu erlangen, sondern lediglich die Summe der Dummheit ihrer Teilnehmer.

Weitere Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

<< Vorherige Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

„Wie ganz anders urteile ich jetzt über die Türken, die ich bei meiner ersten Ankunft hier mit so lieblosen Vorurteilen betrachtete ! Mit ihren Sitten, Gewohnheiten und ihrem Charakter bin ich jetzt, ebenso wie mit ihrer Tracht, nicht allein ausgesöhnt, sondern aufrichtig befreundet ; denn ich habe Wahrheitsliebe, Rechtschaffenheit und Freundlichkeit gefunden, die achtungswertesten und liebenswürdigsten Eigenschaften, bei einem Volke, wo ich sie noch wenig erwartet hatte. […]

Der allgemeine Charakter dieses Volks ist vollständige Ergebenheit in die Vorschriften ihrer Religion. Diese bildet ebensowohl das bürgerliche wie das sittliche Gesetz, und ist, anstatt durch weltliche Geschäfte und Interessen unterbrochen, unaufhörhch mit den täghchen und stündlichen Beschäftigungen, ja mit jeder Handlung des Lebens verknüpft. Das Gebet ist bei ihnen nicht auf einen bestimmten Ort beschränkt, — und wird ebensowohl auf dem Felde und in der Kammer gehalten, wie in der Moschee. Jeder verrichtet seine Andacht, unabhängig von einer Priesterschaft (die hier nicht existiert) in vollkommener Einfalt und ohne Ostentation. Charakter, Sitten und Gebräuche, körperliche Gesundheit und das ganze Leben des Volkes scheinen durch die Religion gebildet. Ich habe den Koraan nicht gelesen, und mein Urteil über die Religion ist daher nach ihren Lehrern gebildet, die in der Tat nicht blosse Lehren zu sein scheinen. […]

Dass die Religion alle bürgerlichen Verhältnisse und Pflichten regelt, habe ich stets an den Antworten auf meine Fragen, warum dies oder jenes geschehe, bemerkt, wo die beständige Antwort war, ihre Religion befehle es ihnen. Gesetz und Religion sind eines und werden den Kindern von Jugend auf zusammen gelehrt, und bei einer Verletzung der so eingeschärften Pflichten, hat der Sultan absolute Gewalt zu strafen, und die Ausübung derselben ist sicher. […]

Der Zug im Charakter des Volkes, welcher dem Fremden, der unter ihnen verweilt, zuerst auffällt, ist Gastfreundlichkeit. Diese wurde mir von allen Ständen erwiesen, vom Pascha bis zu dem Bauer in seinem Zelte im Gebirge, — und als etwas, das sich ganz von selbst versteht, ohne den Gedanken an eine Vergeltung. Keine Frage ward getan; an einen Unterschied der Nation oder Religion, von reich oder arm, wurde nicht gedacht; sondern „speise den Fremden“ war das allgemeine Gesetz. […]

Zunächst fällt dem Reisenden die Ehrlichkeit des Volkes auf. Ich liess stets Sättel, Riemenzeug, Kochgeräte und alles, was ich nicht im Zelte brauchte, wo ich und mein Diener schliefen, draussen vor demselben, ohne die geringste Furcht, dass wir etwas verlieren könnten, obgleich hin und wieder jemand vorbeiging und neugierig mein Eigentum untersuchte; aber auch nicht ein Stück Schnur ist mir weggekommen. […]

Als ich gegen meinen Diener, einen Griechen, darüber eine Bemerkung äusserte, entschuldigte er die Ehrlichkeit der Türken, in dem er meinte, ihre Religion erlaube ihnen nicht zu stehlen. An Versuchungen zur Übertretung fehlt es keineswegs, denn die gewöhnlichen Anzüge der Frauen und Kinder sind reich mit der kurrenten Goldmünze des Landes besetzt, aber das Gesetz „Du sollst nicht stehlen!“ scheint unbedingten Gehorsam zu finden. Wahrheitsliebe, die Zwillingsschwester der Ehrlichkeit, tritt ebenfalls scharf bei ihnen hervor, und hier verteidigt der Grieche sie wieder, — das moslimsche Gesetz erlaubt nicht zu lügen; ihre Religion verbietet es. […]

Die Nationalsitte, welche es zu einem besondern Vorrechte des Sohnes macht, dem Vater aufzuwarten, flösst dem Volke von Jugend auf die Pflicht ein, ihre Eltern zu ehren. In allen Lagen und Umständen wo ich sie sah, in ihren Familien und unter Fremden, schien Liebe und Zärtlichkeit gegen einander zu herrschen. Aufrichtigkeit verscheucht allen Verdacht, und Ehrbarkeit und Biederkeit erzeugen Offenheit in allen ihren Handlungen. […]

Ihrer Religion gehorsam, welche, eben so wie das jüdische Gesetz, für Geld Zinsen zu nehmen verbietet, enthalten sie sich vieler einträglicher Gewerbe, welche mit Darlehn verbunden sind; daher kommt es, dass andere Nationen, in der Regel die Armenier, die Bankiersgeschäfte betreiben. […]

Ihre religiöse Ergebenheit gibt ihnen eine solche Unterwerfung unter den göttlichen Willen, dass man sie sogar fälschlicher Weise als Fatalisten dargestellt hat. Allein sie sind ebenso bedacht, Übel zu vermeiden, wie andere. Ich habe gesehen, dass sie alle Kräfte anwandten, um eine Feuersbrunst zu löschen; oft bin ich von ihnen um Arznei gebeten worden, und sie nehmen gern Rat, um Krankheit zu verhüten; wenn aber dem Feuer nicht Einhalt getan werden kann, so unterwerfen sie sich und sagen : „Gott ist gross !“ und wenn die Krankheit mit dem Tode endet, sei es bei einem Kinde oder den Eltern, so zeigt das kräftige Auge allein, was im Herzen vorgeht, und der Leichnam wird dem Grabe überliefert, mit der unterwürfigen Betrachtung „Gott ist gross und barmherzig. […]

Die Erlaubnis der Mehrehe, welche das muselmansche Gesetz gestattet, hat zu einer der strengsten Anklagen gegen den sittlichen Charakter ihrer Bekenner Grund gegeben. Aber obwohl das Gesetz erlaubt, mehrere Frauen zu haben, so macht doch das Volk selten Gebrauch von dieser Freiheit. In tausend Fällen habe ich den Türken in seinem Zelte mit einer Frau gesehen, der er mit eben solcher Zärtlichkeit anhing, wie ein Bauer seiner Frau in einem christlichen Lande, […]

Ehe ich dieses Volk besuchte, bildete ich mir ein, ein Zug seines Charakters sei Grausamkeit; ich habe aber sowohl in ihrer Behandlung der Tiere, als in ihrem Betragen gegen einander selbst gerade das Gegenteil gefunden. Instrumente zur Züchtigung der Lasttiere kennt man kaum. Über das Kameel erlangen sie allen Einfluss durch Freundlichkeit und Belohnungen, und der Gehorsam desselben ist vollkommen. Dem Europäer fällt es sehr auf, dass die Vögel durchaus keine Furcht haben, und dies allein reicht hin, die Osmanen von jeder Beschuldigung frei zu sprechen. […]

Dem Verbote des Weines (und aller berauschender Getränke), welches dem muselmanschen Gesetze eigentümhch ist, ist vielleicht zum grossen Teil die moralische und physische Gesundheit des Volkes zuzuschreiben. Der Unmässigkeit, welche alle jene guten Grundsätze zu Schanden machen würde, wird dadurch entgegengetreten. Die physischen Folgen dieses Gesetzes sieht man deutlich daran, dass es keine Krüppel gibt und die Türken fast keine Krankheit kennen; Zahnschmerz ist fast das einzige Übel, dem sie oft unterworfen sind. Eine der wohltätigen sittlichen Folgen der Mässigkeit zeigt sich darin, dass man bei dem Volke durchaus keine verworfene Armut findet. Ich habe keine Bettler gesehen, ausser Blinden, und einige wenige Personen, denen man die Armut ansah. Die Bedürfnisse des Volkes sind gering, und in der Regel leicht zu befriedigen, und in jedem Zelte findet man ein Mahl für den Fremden, welches Standes er auch sein mag. Ich habe nie einen Türken von Opium berauscht gesehen, und ich glaube, der Gebrauch dieses Reizmittels beschränkt sich auf die üppigen Bewohner der Hauptstadt. […]

Muss sich nicht das christliche Europa vor diesen Bekennern des falschen (?) Propheten schämen? Wären wir unserer Religion ebenso ergeben, wie die Muselmanen der ihrigen, — welch ein Himmel auf Erden würden unsere Länder sein! Der Aberglaube und gänzliche Mangel an Moralität bei den Bekennern der griechischen Kirche kann die Osmanen wohl von einem Wechsel ihrer Religion abschrecken. Die Bekenner der griechischen Kirche werden oft Anhänger des Propheten, wenn sie dabei für ihren Handel oder ihre bürgerliche Stellung Vorteile sehen; aber wohl nie kommt der Fall vor, dass ein Türke zu diesem sogenannten Christentum übertritt.“

(Sir Charles Fellows, Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien, 1853)

Buchauszug: Schmitz du Moulin – Der Muselman kennt und erkennt nur göttliches Gesetz (1904)

„Das persönliche Gefühl ist in Europa gänzlich versklavt, verknechtet und verdorben. Die Gesetze treten an die Stelle der Gerechtigkeit und die Regierungsmassregeln an die Stelle von Recht und Pflicht. Die meisten Völker Europas sind so an ihre Ketten gewöhnt, alle Menschenwürde ist so aus ihnen herausgequetscht, dass sie ihren Zustand weder fühlen noch einsehen. Sie sind den Ochsen gleich, die auch wohl denken mögen, der Wagen, den sie schleppen, sei ein nötiges Attribut zum Ochsen.

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Buchauszug: Schmitz du Moulin – Ein großer Kontrast zwischen dem Abend- und Morgenlande (1904)

„Für die Europäer, muss es wohl das Auffallendste, ihnen Unerklärlichste sein, dass unter den Muselmanen weder ein Unterschied der Farbe noch des Ranges, der Klasse, der Stellung irgend einen Unterschied des Gefühles oder gar eine Abneigung unter den Menschen erzeugt. Das steht vollkommen im Gegensatze zu der allgemeinen Erfahrung bei den europäischen Nationen, die dabei aber den Mund so voll nehmen, so viel von Menschenliebe und Freiheit reden. Selbst ein Volk wie die Mänder, die seit Jahrhunderten niedergetreten waren, zeigen, sobald sie, wie in Amerika aufatmen dürfen, einen denkbar fanatischen Rassenhass. […]

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3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXXIV)

„Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.“

„“Soziale Gerechtigkeit“ ist der Begriff, um Anspruch auf irgendeine Sache zu erheben, auf die wir kein Recht haben.“

„Die sterbenden Gesellschaften häufen Gesetze an wie die Sterbenden Heilmittel.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XII)

„Die biologischen Gesetze allein haben keine Finger, die fein genug sind, um die Schönheit eines Gesichts zu modellieren.“

„Die moderne Mentalität ist nicht die Erfinderin der Technik, sondern der Zwecke, die sie pervertieren.“

„Wie lange wird der Rationalismus noch zulassen, dass die Menschheit ihre Leichen verbrennt, statt sie zu verzehren?“

 

Buchauszug: José Ortega y Gasset – Überdemokratie / Hyperdemokratie

„Gewiß  wird es niemand beklagen, daß die  Leute sich in größerer Zahl und höherem Maße amüsieren, wenn sie nun einmal Lust und Mittel dazu  haben. Schlimm  ist nur, daß diese Usurpation sich nicht  allein im Bereich der Vergnügungen abspielt und abspielen kann, sondern eine allgemeine Haltung der Zeit ist. So glaube ich — vorwegnehmend, was wir  später sehen werden —, daß die politischen Umwälzungen der jüngsten Jahre nichts anderes als ein Imperium der Massen bedeuten. Die alte Demokratie wurde durch eine kräftige Dosis Liberalismus und Verehrung für das Gesetz gemildert. Wer diesen Grundsätzen diente, war verpflichtet, bei sich selber eine strenge Zucht aufrechtzuerhalten. Unter dem Schutz des liberalen Prinzips und der Rechtsnorm konnten die Minoritäten leben und  wirken.

Demokratie und Gesetz, legale Lebensgemeinschaft, waren Synonyma. Heute wohnen wir dem Triumph einer Überdemokratie bei, in der die Masse direkt handelt, ohne Gesetz, und dem Gemeinwesen durch das Mittel des materiellen Drucks ihre Wünsche und Geschmacksrichtungen aufzwingt.

Es ist falsch, die neue Lage so zu deuten, als sei die Masse der Politik überdrüssig und betraue spezielle Personen mit ihrer Ausübung. Das war früher der Fall, und das war die Demokratie. Damals war die Masse überzeugt, daß schließlich und endlich trotz all ihrer Fehler und Mängel die Politiker etwas mehr von den öffentlichen Fragen verstünden als sie.

Jetzt dagegen glaubt sie, es sei ihr gutes Recht, ihre Stammtischweisheiten durchzudrücken und mit Gesetzeskraft auszustatten. Ich bezweifle, daß es noch eine geschichtliche Epoche gegeben hat, in der die Masse so umweglos regierte wie in unserer Zeit. Darum spreche ich von einer Hyperdemokratie.“

(José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1930, Seite 12-13)

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Der Verfall der Rechtsidee in der Demokratie

«Der Verfall des Regimes hängt mit dem Verfall der Rechtsidee zusammen

Bei der Rede über eine so wichtige und schwierige Materie kann man nicht genug Sorgfalt darauf verwenden, jedes Mißverständnis auszuschließen.

Diskussionen über die Demokratie, Argumentationen für oder gegen sie sind wertlos, solange man nicht weiß, worüber der andere spricht. So viele Autoren, so viele Definitionen. Dieselbe Vokabel faßt oft widersprüchliche Bedeutungen. Auf der einen Seite sind es im wesentlichen die Bedeutungen „Freiheit“ und „Legalität“‚ auf der anderen Seite ist es die Bedeutung „absolute Volkssouveränität“.

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