Archiv für den Monat: Mai 2011

Die Akte Polkes

von Yahya ibn Rainer

Wir schreiben das Jahr 1937. Genau genommen, Februar 1937

Seit der Machtergreifung Adolf Hitlers und seiner NSDAP im Januar 1933, ist vieles passiert im Deutschen Reiche. Am 27.02.1933 gab es den Reichtagsbrand, am 20.03.1933 wurde die Errichtung des ersten Konzentrationslagers (Dachau) begonnen, am 24.03.1933 tritt das Ermächtigungsgesetz in Kraft, im April 1933 starteten die ersten Aktionen der SA gegen Juden und (von wenigen Ausnahmen abgesehen) werden alle jüdischen Beamten aus dem Staatsdienst entlassen und jüdische Ärzte bekommen ein Zulassungsverbot. Im Mai 1933 kommt es zur Bücherverbrennung und im September 1933 werden sämtliche Juden aus den kulturellen Berufen ausgeschlossen. Im September 1935 wird die Rassentrennung an den Schulen durchgesetzt und die Nürnberger Rassengesetze werden im Reichstag einstimmig beschlossen. Im Januar des Jahres 1937, und somit kurz vor dem obigen Datum, werden sogar alle Beamte aus dem Staatsdienst entlassen, die einen jüdischen Ehepartner haben.

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Auszug: SPIEGEL – Ehrenmord an Osama bin Laden völkerrechtlich umstritten

„Sie durften ihn töten, wenn Bin Laden wirklich ihr Feind war. Doch abseits aller Rhetorik des Weißen Hauses ist diese Frage womöglich zu verneinen. Zum Feind und damit zum legitimen Ziel tödlicher Schüsse macht das Völkerrecht nur jene Menschen, die in einem Krieg als organisierte Kämpfer agieren oder im Hintergrund die Befehle geben. Alle anderen Personen am Rande der Schlachtfelder, und seien sie noch so mörderisch, gelten als Zivilisten – ihre absichtliche Tötung ist verboten.
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Ob sich die unendliche Jagd auf das Oberhaupt der globalen Terrorbande noch immer als Krieg einordnen lässt, in dem das Gesetz des Tötens gilt, wird inzwischen von einer Mehrzahl der Völkerrechtler bezweifelt. Terrorismusexperten halten al-Qaida für ein eher locker verknüpftes Netzwerk des Bösen, und ein Netzwerk, so folgern die Juristen, ist als Kriegspartei untauglich. […]
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Ein „Feind“ im Sinne des Kriegsrechts war der Flüchtling von Abbottabad kaum, viel spricht dafür, dass er – wie alle Zivilisten, seien sie auch Verbrecher – den Schutz des Menschenrechts auf Leben für sich beanspruchen konnte. Im Krieg wie im Frieden gilt: Vergeltung für schweres Unrecht, wie es dem Top-Terroristen zur Last zu legen ist, geschieht, so Völkerrechtler Claus Kreß, „nicht durch summarische Hinrichtungen, sondern durch Verhaftung, Verurteilung, Bestrafung“ – und sei es auch, wie in Amerika, durch die Todesstrafe.“
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(DER SPIEGEL Nr. 19 / 17.5.11 / Seite 91)

Wie entstand Hitlers National- und Rassenwahn?

von Yahya ibn Rainer

Für gewöhnlich passiert es im Leben eines jeden Deutschen während seiner Schulzeit, so etwa in der 5. oder 6. Klasse, wenn man das Fach Geschichte frisch belegt, dann werden üblicherweise diese Themen sofort angepackt. 2. Weltkrieg, Holocaust, Antisemitismus, Verfolgung, Vernichtung, Hass und der Inbegriff dieses Ganzen, die Überschrift über diesem Kapitel der deutschen Geschichte, Adolf Hitler.

Man erfährt grausames über diese Zeit. Entgleister Hass, fehlende Courage und automatisierte und systematische Vernichtung menschlichen Lebens. Und scheinbar alles geplant und entfacht durch diesen einen – vermeintlich – großen Führer.
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Ich machte mir bereits sehr früh Gedanken über diesen Mann. In der Schule lernte man alles über den Beginn, den Verlauf und das Ende der Hitlerzeit in Deutschland, aber auf die Person an sich, ihren Werdegang und den Auslöser ihres grenzenlosen Hasses gab es keine Antworten. „Ein Mensch ist nicht von Geburt an böse!“, so sagte ich es schon früher. Adolf Hitler war bestimmt ein normales Baby, Kleinkind, später Schulkind und Jugendlicher. Für derartig abartige Charakter- und Seelenzüge muss es einen oder mehrere Auslöser gegeben haben, negative Erfahrungen bzw Ansichten brauchen eine Bestätigung, damit sie sich in dieser heftigen Weise in Handlungen manifestieren.
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Aber die deutsche Schulpädagogik sieht diese Herangehensweise wohl nicht als zielführend. „Das war böse und darf nie wieder geschehen! Aber wie es dazu kommen konnte, wo die Wurzel oder das Fundament für solche Auswüchse auszumachen ist, das tut nichts zur Sache!“ So bleibt man also ratlos zurück.
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Eines der wenigen authentischen Werke in der Literaturauswahl über die Person Adolf Hitler ist wahrscheinlich sein eigenes Buch, Mein Kampf. Hier geht er nämlich auf seinen Werdegang ein, gibt Einblick in seine Jugend und seine Stationen auf dem Weg zu dem, was er letztendlich wurde. Und auch wenn man Adolf Hitler nicht unbedingt als einen wahrhaftigen Menschen bezeichnen kann, so sind doch seine eigenen Worte und  Wahrnehmungen tausendmal authentischer als irgendwelche Literaten, die mit spekulativer und experimenteller Psychoanalyse an einem Verstorbenen Rückschlüsse ziehen.
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Auch wenn der Druck und Vertrieb des Buches in Deutschland verboten ist (in Israel und USA übrigens nicht), so stellt das in Zeiten des WorldWideWeb kein Hindernis mehr dar und man kann sich das Buch problemlos als PDF herunterladen. Ich habe es nicht komplett gelesen und habe das auch nicht vor. Die kranken Ansichten dieses Satans interessieren mich nicht, vielmehr interessierte mich wie er zu diesen Ansichten kam. Hierfür reichen die ersten 2 Kapitel vollkommen aus.
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Zum Patrioten bzw Nationalisten wurde Adolf Hitler recht früh. Bereits in der Schule zeigte er anscheinend großes Interesse an der deutschen Geschichte und ihren Helden. Antisemitismus war zu dieser Zeit jedoch noch nicht Teil seiner Gesinnung, ganz im Gegenteil. Sein Vater, der Weltbürger, schien in dieser Hinsicht wohl einen eher positiven Einfluss auf ihn gehabt zu haben.

„Es ist für mich heute schwer, wenn nicht unmöglich, zu sagen, wann mir zum ersten Male das Wort „Jude“ Anlaß zu besonderen Gedanken gab. Im väterlichen Hause erinnere ich mich überhaupt nicht, zu Lebzeiten des Vaters das Wort auch nur gehört zu haben. Ich glaube, der alte Herr würde schon in der besonderen Betonung dieser Bezeichnung eine kulturelle Rückständigkeit erblickt haben. Er war im Laufe seines Lebens zu mehr oder minder weltbürgerlichen Anschauungen gelangt, die sich bei schroffster nationaler Gesinnung nicht nur erhalten hatten, sondern auch auf mich abfärbten.“

(Mein Kampf, Seite 54)

Diese abgefärbte weltbürgerliche Anschauung seines Vaters, machte es für den jungen Adolf Hitler dann wohl auch so unangenehm, wenn in seiner Anwesenheit andere „die Juden“ zu ihrem Streitthema machten.

„Erst in meinem vierzehnten bis fünfzehnten Jahre stieß ich öfters auf das Wort Jude, zum Teil im Zusammenhange mit politischen Gesprächen. Ich empfand dagegen eine leichte Abneigung und konnte mich eines unangenehmen Gefühls nicht erwehren, das mich immer beschlich, wenn konfessionelle Stänkereien vor mir ausgetragen wurden.  Als etwas anderes sah ich aber damals die Frage nicht an.“

(ebenda Seite 55)

Auch in weiteren Textstellen wird ersichtlich, dass der bereits vorhandene Antisemitismus in der damaligen Wiener Gesellschaft nicht Hitlers Ding war. Wie unangenehm ihm die erste Konfrontation mit der sogenannten Judenfrage war, dass lesen wir hier:

„Ich will nicht behaupten, daß die Art und Weise, in der ich sie [die Judenfrage Anm. d. Verf.] kennenlernen sollte, mir besonders angenehm erschien. Noch sah ich im Juden nur die Konfession und hielt deshalb aus Gründen menschlicher Toleranz die Ablehnung religiöser Bekämpfung auch in diesem Falle aufrecht. So erschien mir der Ton, vor allem der, den die antisemitische Wiener Presse anschlug, unwürdig der kulturellen Überlieferung eines großen Volkes. Mich bedrückte die Erinnerung an gewisse Vorfälle des Mittelalters, die ich nicht gerne wiederholt sehen wollte. Da die betreffenden Zeitungen allgemein nicht als hervorragend galten – woher dies kam, wußte ich damals selber nicht genau -, sah ich in ihnen mehr die Produkte bürgerlichen Neides als Ergebnisse einer grundsätzlichen, wenn auch falschen Anschauung überhaupt.

Bestärkt wurde ich in dieser meiner Meinung durch die, wie mir schien, unendlich würdigere Form, in der die wirklich große Presse auf all diese Angriffe antwortete oder sie, was mir noch dankenswerter vorkam, gar nicht erwähnte, sondern einfach totschwieg.“

(ebenda Seite 56)

Das Bild, dass sich hier vom jungen Adolf Hitler abzeichnet, ist vollkommen anders als das, was später daraus werden sollte. Hier möchte ich ansetzen. Denn es sind eigentlich nur eine schicksalshafte Begegnung und eine inhaltliche Bestätigung, die auf einem scheinbar harmlosen Fundament ein ideologisches Monster erwachen ließen.

Anfangen möchte ich mit dem Fundament, nämlich dem europäisch-abendländischen Nationalismus, von dem Adolf Hitler schon seit frühester Jugend vereinnahmt war. Man bemerkt diese europäisch-abendländische Komponente sehr gut, als er in seinem Buch die Juden aus Linz beschreibt, wo er lebte bevor er nach Wien ging.

„Linz besaß nur sehr wenig Juden. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich ihr Äußeres europäisiert und war menschlich geworden; ja, ich hielt sie sogar für Deutsche.“

(ebenda Seite 55)

Hier also ein positiver Bezug zu den Juden von Linz, weil sie sich im Laufe der Jahrhunderte „europäisiert“ hatten und dadurch „menschlich“ wurden. Ein klarer Hinweis auf die Herkunft der Juden, die ja nicht europäisch (bzw abendländisch) war, sondern orientalisch (bzw morgenländisch). Eine Unterscheidung die man heute auch noch (oder wieder) in der Gesellschaft und Politik vorfindet. Egal ob Geert Wilders, Helmut Schmidt oder Thilo Sarrazin, sie alle unterscheiden offen zwischen europäisch-abendländischen Migranten und orientalisch-morgenländischen Migranten. Also ein Fundament, welches auch heute noch in der Gesellschaft existent ist und von Teilen der Politik offen gepflegt wird.

Die schicksalshafte Begegnung ist der nächste Punkt, der wohl einen maßgeblichen Schub in der schrecklichen Entwicklung Adolf Hitlers bewirkt hatte. Der Adolf Hitler, der mit seiner europäisch-abendländischen Gesinnung bisher nur den Anblick der assimilierten Linzer Juden gewöhnt war, nahm sich nun in Wien vor, mit offenen Augen durch die Straßen der Großstadt zu wandeln und machte dabei eine höchst befremdlich wirkende Entdeckung.

„Es kam die Zeit, da ich nicht mehr wie in den ersten Tagen blind durch die mächtige Stadt wandelte, sondern mit offenem Auge außer den Bauten auch die Menschen besah.

Als ich einmal so durch die innere Stadt strich, stieß ich plötzlich auf eine Erscheinung in langem Kaftan mit schwarzen Locken.

Ist dies auch ein Jude? war mein erster Gedanke.

So sahen sie freilich in Linz nicht aus. Ich beobachtete den Mann verstohlen und vorsichtig, allein je länger ich in dieses fremde Gesicht starrte und forschend Zug um Zug prüfte, um so mehr wandelte sich in meinem Gehirn die erste Frage zu einer anderen Frage: Ist dies auch ein Deutscher? Wie immer in solchen Fällen begann ich nun zu versuchen, mir die Zweifel durch Bilder zu beheben. Ich kaufte mir damals um wenige Heller die ersten antisemitischen Broschüren meines Lebens.“

(ebenda Seite 59 / Hervorhebungen durch mich)

Was sah Adolf Hitler da in den Straßen Wiens, das sein Bild vom europäisch-abendländischen Juden so ins Wanken brachte? Laut Lenni Brenner (in Zionismus und Faschismus) begegnete er hier einem galizischen Chassiden, also einen Angehörigen einer mystischen Bewegung innerhalb des orthodoxen Judentums. Diese, als besonders fromm geltenden Juden, fallen vom äußerlichen Erscheinungsbild besonders durch ihren frei und lang gewachsenen Bart, ihre Stirnlocken und die orientalische Kleidung (Kaftan) auf … alles andere als europäisch-abendländisch eben.

Diese Begegnung in der Wiener Innenstadt veranlaßte nun also den jungen Mann, Adolf Hitler, sich „die ersten antisemitischen Broschüren“ seines Lebens zu kaufen. Es schien für ihn die reinste Provokation zu sein, dass es mitten in Europa Menschen mit orientalisch-morgenländischem Hintergrund gab, die sich nicht in die Mehrheitsgesellschaft integrierten bzw assimilierten. Entgegen der europäisch-deutschen Leitkultur, zeigten sie offen ihre Herkunft und Religion und trugen sie mit Stolz zur Schau.

Der erste Schritt war also getan. Getrieben von diesem einschneidendem Erlebnis, befasste sich Adolf Hitler also erstmals mit den antisemitischen Thesen in den einschlägigen Broschüren dieser Zeit. Aber der Antisemitismus manifestierte sich noch nicht vollends in seinem Kopf. Nein, er berichtet sogar von einem Rückfall …

„Endlich war die Tonart [in den Broschüren Anm. d. Verf.] meistens so, daß mir wieder Zweifel kamen infolge der zum Teil so flachen und außerordentlich unwissenschaftlichen Beweisführung für die Behauptung. Ich wurde dann wieder rückfällig auf Wochen, ja einmal auf Monate hinaus. Die Sache schien mir so ungeheuerlich, die Bezichtigung so maßlos zu sein, daß ich, gequält von der Furcht, Unrecht zu tun, wieder ängstlich und unsicher wurde.“
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(ebenda Seite 60)
So befand er sich also in einer Art Wankelmut, denn bisher waren Juden für ihn nur Europäer bzw Deutsche mit einer anderen Konfession. Die Broschüren jedoch erklärten die Juden zu Geschöpfen eines anderen Volkes oder gar einer anderen Rasse. Die Begegnung mit dem Chassiden, in den Straßen Wiens, befeuerten diese neue Ansicht und so erklärt sich dann auch der folgende Abschnitt in seinem Buch.

„Greilich daran, daß es sich hier nicht um Deutsche einer besonderen Konfession handelte, sondern um ein Volk für sich, konnte auch ich nicht mehr gut zweifeln; denn seit ich mich mit der Frage zu beschäftigen begonnen hatte, auf den Juden erst einmal aufmerksam wurde, erschien mir Wien in einem anderen Lichte als vorher. Wo immer ich ging, sah ich nun Juden, und je mehr ich sah, um so schärfer sonderten sie sich für das Auge von den anderen Menschen ab. Besonders die innere Stadt und die Bezirke nördlich des Donaukanals wimmelten von einem Volke, das schon äußerlich eine Ähnlichkeit mit dem deutschen nicht mehr besaß.“

(ebenda Seite 60)

In diesem Stadium des Zweifels und Wankelmuts benötigt eine These bzw Theorie für gewöhnlich eine Bestätigung bzw einen Beweis. Diesen sollte Adolf Hitler dann auch bekommen. Seine Frage, ob das Judentum nur eine eigene Konfession bzw Religion sei, oder vielleicht doch ein eigenes Volk bzw eigene Rasse, sollte von einem Teil der Juden selber beantwortet werden.

„Aber wenn ich daran noch gezweifelt hätte, so wurde das Schwanken endgültig behoben durch die Stellungnahme eines Teiles der Juden selber. Eine große Bewegung unter ihnen, die in Wien nicht wenig umfangreich war, trat auf das schärfste für die Bestätigung des völkischen Charakters der Judenschaft ein: der Zionismus.

(ebenda Seite 60 / Hervorhebung durch mich)

Ab diesem Moment werden die Äußerungen Hitlers über die Juden in seinem Buche unerträglich. Jegliche Sachlichkeit geht verloren. Diese Bestätigung antisemitischer Thesen, durch einen Teil der Juden selber, besiegelte den weiteren ideologischen Werdegang.

„Nichts hatte mich in kurzer Zeit so nachdenklich gestimmt als die langsam aufsteigende Einsicht in die Art der Betätigung der Juden auf gewissen Gebieten.“

(ebenda Seite 61)

Die Tatsache, dass sich Nationalismus, Rassismus, Zionismus und Faschismus gegenseitig schon immer befruchteten, ist keine Neuigkeit. Besonders die engen ideologischen Gemeinsamkeiten zwischen dem Zionismus und dem Faschismus sind offensichtlich, aber leider ist die Thematisierung dieses Umstands immer noch mit einem Dogma belegt. Der Zionismus wird offiziell durch die Bundesrepublik Deutschland unterstützt und gefördert. Das es der Zionismus war, der den größten Verbrecher Europas der Neuzeit  in seinen Thesen bestätigte und somit wahrscheinlich prägender Teil der schrecklichen Geschichte war, das wird totgeschwiegen und in keinem deutschen Geschichtsunterricht an die Jugend vermittelt.

Auszug: Baltacioglu – Der germanische Straßenreiniger (1911)

„Soweit wir wissen, wird die Straße gefegt, und zwar ohne Wasser, nicht wahr? Der Chirurg Cemil Pascha führte uns vor, wie man Straßen schrubbt. Danach hat niemand je wieder gesehen, daß eine Straße geschrubbt worden wäre!
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In Deutschland jedoch werden die Straßen mit Bächen von Wasser geschrubbt. Mehr noch, sie werden auch getrocknet. Doch auch damit noch nicht genug: mit Gummibesen werden sie auf Hochglanz poliert! Mutet dieses polieren auch wie eine gewöhnliche Reinigungsarbeit an, so ist es doch nicht einfach. Es gehört schon eine besondere Einstellung dazu, diese Arbeit auf allen Straßen Berlins mit derselben Sorgfalt, Regelmäßigkeit und Leidenschaft zu verrichten. Es gilt, an die Aufgabe zu glauben, sie als absoluten Befehl zu nehmen, der keine Kompromisse duldet, und sie bis auf den letzten Punkt zu erfüllen. Genauso verrichtet der germanische Straßenreiniger seine Arbeit, wie einen Gottesdienst.
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So sind alle Deutschen, so pflichtbewußt. Schauen Sie sich den Wachsoldaten vor dem Reichstag an, die blonden Kellner, die in den Restaurants bedienen, den Lehrer oder Professor, der pünktlich die Klasse betritt – sie alle erfüllen ihre Pflichten genau, hundertprozentig und unbedingt. Diese Art der Pflichterfüllung verdient Beachtung.“
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(Ismayil Hakki Baltacioglu – Hayatim)