Archiv der Kategorie: Aus eigener Feder

Gedanken, Meinungen und Ansichten die ich pflege und hier niederschreibe.

Alternativen zum neuen Sarrazin Buch „Feindliche Übernahme“

Bald ist es soweit: Thilo Sarrazin der Sozialdemokrat par excellence hat wieder Zeit seines Rentner Daseins mit der Niederschrift eines neuen Traktats vergeudet. Doch sollte man diesen Mann noch reicher machen? Wir meinen: NEIN! Greift lieber zu durchdachten und unaufgeregten Büchern.

Hier unsere Top 5 im Bereich „Sachbuch“, die eine vortreffliche Alternative zum neuen Sarrazin Buch „Feindliche Übernahme“ darstellen:

  1. Jenseits des Westens. Für ein neues kosmopolitisches Denken von Stefan Weidner
  2. Die Panikmacher: Die deutsche Angst vor dem Islam von Patrick Bahners
  3. Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams von Thomas Bauer
  4. Islam in der Krise. Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug von Michael Blume
  5. Zwischen Koran und Kafka: West-östliche Erkundungen von Navid Kermani


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Mein Weg zum Islam – Teil 3

Seit meiner bewussten Wahrnehmung der Religion des Islams haben mich immer wieder Aufnahmen des Gebets in der heiligen Moschee in Mekka – Al-Masdschid al-Harām – zu Tränen gerührt. Diese aufwallenden Gefühle kamen ganz willkürlich, spontan und übermannten mich. Weitere Tränen flossen beim Hören des Adhāns. Insbesondere der Gebetsruf eines älteren Mannes aus Sarajevo hatte es mir angetan.

Doch wie sollte ich umgehen mit diesen unerwarteten Gemütsregungen? Diese Emotionen bedurften eines gewissen Fundaments und so begann ich über den Islam zu lesen. Die Wissensaneignung durch die Lektüre von Büchern und aufgezeichneten Vorträgen verschiedener islamischer Unterrichte, vollzog sich über mehrere Jahre. Der Pfad zum Licht wurde jedoch immer wieder unterbrochen, schließlich war ich jung und die Dunya mit vielen Verlockungen und Ablenkungen gespickt. Neben der offenherzigen Beschäftigung mit dem Koran, stellten sich das Buch „Der Weg nach Mekka“ von Muhammad Asad und die Bücher von dem deutschen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann wie „Der Islam als Alternative“ oder „Reise nach Mekka“ als wegweisend heraus. Dieser monolithische „Drive“ des Islams, seine klare Lehre und die Akzeptanz der Logik als partielle Erkenntnisquelle wurden gerade in diesen Büchern bewundernswert beschrieben.

Im Zuge meiner Recherchen und Beschäftigung mit dem Islam stieß ich auf die damalige Internetpräsenz der Hamburger „Masjid Taiba“. Unweigerlich stieß ich auf den ehrenwerten Bruder Jens Yahya Ranft und seinen Blog „Al-Adala“. Die Symbiose aus dem klaren Bekenntnis zum Islam und der dennoch vorhandenen Liebe zur eigenen Herkunft weckte mein Interesse. So besuchte ich in unregelmäßigen Abständen seine Website. Zu meiner Studienzeit gab es dann im Jahre 2012 erstmalig persönlichen Kontakt. Es entstand ein fruchtbarer Austausch über Religion, Politik und Kultur. Ich konnte jenseits von der abstrakten Beschäftigung mit dem Islam, nun eine praktische Handschrift des Islams kennenlernen. Dieses war – neben dem authentischen Akhlaq des Bruders – eine nicht unwesentliche Komponente auf dem Weg zur Annahme des Islams.

Letztlich wurde ich über Jahre hinweg vom Islam wie von einem Magneten angezogen, weil ich mich in seiner Gefühls- und Formenwelt intellektuell und gefühlsmäßig so zu Hause fand, als sei ich schon einmal dagewesen. Dieses blieb natürlich auch meiner Familie nicht verborgen. Sukzessive machte ich meine Familienmitglieder mit dem Islam vertraut, sodass Verständnis und noch wichtiger Akzeptanz für mein Interesse am Islam erwuchs.

Meine Reise zur Religion der Wahrheit endete jedoch erst als siebenundzwanzigjähriger Mann. Im Herbst diesen Jahres bezeugte ich, dass kein Gott da ist außer Allah und dass Muhammad der letzte Prophet ist. Alles Lob gebührt Allah! Wahrlich ich war mehrmals in meinem Leben der Rechtleitung ziemlich nah, doch die Vorherbestimmung Allahs hat es anders gewollt. Die Reise zum Islam endete, obgleich die Wanderschaft als gläubiger Mensch erst jetzt angefangen hat.

Kurz gesagt: Wahre Deradikalisierung

Wahre Deradikalisierung besteht nicht darin von seinen eigenen Standpunkten abzurücken, sondern vielmehr darin, sie nicht mehr als alleinige universelle Wahrheit zu kolportieren, nur weil es die eigenen sind.

In Erwägung zu ziehen, mit seinen Standpunkten auch falsch liegen zu können, befreit dich von der Anbetung eines gewaltigen Taghut (Götzen), nämlich deines Selbst.

Mein Weg zum Islam – Teil 2

Meine Jugend war geprägt von der Suche nach der Sinnhaftigkeit in diesem Dasein. Als immer schon nachdenklicher Junge ging es mir einfach nicht in den Kopf, dass neben Job und Familie, nichts Weiteres eine höhere Wertigkeit besitzt. Zum Glück ist meine Familie spirituell geprägt, wobei jedoch kein gezieltes und grundiertes Bekenntnis gepflegt wurde. So hatte ich zumindest innerhalb meiner kleinen Familie Personen mit denen ich mich austauschen konnte.

Nach dem Umzug in ein anderes Stadtviertel ging ich auf eine multikulturelle Haupt-und Realschule und lernte einige Muslime kennen, wobei ich mit einem türkischen Freund aus der damaligen Zeit, später besuchten wir auch gemeinsam das gleiche Gymnasium, auch heute noch in Kontakt stehe. Er war es auch, der mir eines Tages einen kleinen Zettel mit einer Notiz in die Hand drückte. Dort stand geschrieben: 100%iger Beweis, dass der Koran das Wort Gottes ist.

„Schau Dir unbedingt diesen Vortrag an!“, sagte er noch. So saß ich irgendwann im Jahre 2007 nach Beendigung meiner Hausaufgaben vor dem Rechner und guckte mir den Vortrag von einem gewissen Pierre Vogel an. Man war ich beeindruckt! Es blieb natürlich nicht nur bei einem Vortrag und so landete ich auf der Seite „Die wahre Religion“. Damals war es noch nicht die Zeit in der inflationär der Begriff Salafismus verwendet wurde und vor solcherlei Gruppierungen eindringlich gewarnt wird. Seinerzeit konnte ein Ibrahim Abou Nagie in TV-Berichten über den Islam ungeniert reden und war noch keine geächtete Person. Ein ziemlich schlichtes und simples Video von ihm rührte mich besonders:

Der Satz: „Dein Schöpfer, Allah, hat schon vorherbestimmt das du diese Aufnahme siehst.“ ließ mich Gottes Gegenwart spüren. Dieses durch viele Vorträge erzeugte Wissen entlud sich eines Schultages im Religionsunterricht. Ich sollte nämlich einen Vortrag über den Islam halten und war auch sehr begeistert an die Sache rangegangen. Der Klasse, unter den verdutzten Blicken des Lehrers, erzählte ich etwas von wissenschaftlichen Wundern im Koran. Später teilte ich nach dem Referat beschwingt meine Handouts aus, wo ich die Seite „Einladung zum Paradies“ empfahl. Doch die Verlockungen des westlichen Weltverständnisses zollten ihren Tribut. .-wahrscheinlich aber auch die Aussage eines Verwandten: „Wenn Du den Islam annimmst wirst Du ein kurzes Leben haben.“ Was konkret damit gemeint war, blieb im dunklen, aber ließ mich erahnen was für ein Gegenwind ich zu erwarten hätte.

So lebte ich trotz meiner Begeisterung für Literatur, Philosophie und dem Islam ein relativ typisches Jugendleben. Es kam die Zeit wo ich ziemlich stark mit atheistischen Ansichten sympathisierte und im Politikunterricht als „Kommunistenschwein“ verschrien war. Meine Begeisterungsfähigkeit kehrte sich nun zum historischen Materialismus um und ich hielt im Geschichtsunterricht glühende Reden über den Kommunismus. Dennoch kehrte ich immer wieder für einige Tage zum Islam zurück. Er ließ mich einfach-auch in den kommenden Jahren- nicht mehr los. Mein relativ unstetes Leben war gefüllt von ideologischen Perspektivwechseln: In der Schulzeit vom linken Gedankengut- so war ich für eine Woche Mitglied in der SPD (deren verbrämtes Gedankengut und Biedermeiertum mich schnell zurückrudern ließ)- bis hin zu eher nationalrevolutionären Vorstellungen zur meiner Studienzeit. All‘ diese Entwicklungen geschahen sprunghaft und voller Sehnsucht nach Wahrheit und dem richtigen Weg.

[Wie meine Reise zum Islam weitergeht lest ihr in dem 3.Teil, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.]

Mein Weg zum Islam – Teil 1

Ich träumte einen Traum. Ein Traum der Fitra und Hidaya. Es war als Kleinkind, als ich im Schlafe ein goldenes Buch, in mitten eines wunderschönen Gartens, erblickte. Dieses Buch hatte merkwürdig verschlungene Zeichen auf dem Bucheinband. Heute weiß ich durch die Traumnotizen meiner Mutter und Rekapitulation: Es war der Koran.

Trotz dieses wundersamen Traumes blieben meine ersten Jahre auf dieser Welt jenseits von intensivieren Berührungspunkten mit der Welt des Islams und den Muslimen. Aus meiner Kindheit kann ich mich nur an zwei bewusst erlebte Begebenheiten mit Muslimen erinnern. Leider waren diese Erfahrungen eher negativ konnotiert.

Damals hatten wir ein wöchentliches Ritual in der Familie: Wir besuchten einen Flohmarkt der immer zugunsten des angegliederten Tierheimes stattfand. Diesen Markt besuchten erstaunlich viele Frauen mit Kopftuch in langen grauen Mänteln. Sie fielen dadurch auf, dass sie oftmals auf den Boden spuckten, wenn ihnen der angebotene Preis nicht passte. Als Kleinkind hatte ich so etwas noch nie erlebt und entwickelte eine gewisse Furcht vor diesen großen Schleiereulen mit ihren vollgepackten Tüten die am Ende des Flohmarktes davon watschelten.

Seinerzeit lebten wir in einem gutbürgerlichen Viertel in der Elbmetropole. Manchmal brachten wir unsere Kleidung zu einer Schneiderin an der Ecke einer großen Hauptstraße. Eine traditionell türkische Familie leitete dieses kleine Gewerbe. Die Tochter der Familie namens Esma sprang eines Tages mit einer Spielzeugpistole hinter der Ladentheke hervor: Das junge Kleinkind was ich nun einmal war, erschreckte sich zu Tode. Die Frau Mutter Schneiderin unternahm jedoch nichts gegen dieses kundenerschreckende Verhalten ihrer Tochter und fand es sogar eher amüsant. Seitdem waren wir nicht mehr Kunden dieses Ladens.

Die erste Wendung auf meinem Weg zum Islam brachte Jahre später eine deutsche Koranausgabe von Max Henning, die eher auf akzidentellem Wege in unser Haus gelangte. Zu dieser Zeit arbeitete nämlich meine älteste Schwester als Arzthelferin in einer persischen Arztpraxis der Allgemeinmedizin. Eines Tages brachte sie eine ungefähre Übersetzung des Korans mit nach Hause. Eher beiläufig erwähnte sie, dass irgendjemand der Patienten diesen liegen gelassen habe und nach einigen Wochen immer noch nicht abgeholt hatte. Seitdem lag er in unserer Wohnung und wurde durch mich als begeisterte Leseratte dann und wann frequentiert. Schon damals verspürte ich beim Lesen einen gewissen Sog der mich erkennen ließ, dass dieses Buch etwas besonderes sein muss.

Was mir jedoch bei dieser gebrauchten Ausgabe sofort auffiel, waren die mit einem fetten Rosabuntstift markierten Verse des Korans. Eine Stelle war zum Beispiel folgende:

„Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.“ (Sure al-Baqara: 191)

Und eine weiterer Vers:

„Gewiß, die schlimmsten Tiere bei Allah sind die, die ungläubig sind und (auch) weiterhin nicht glauben“ (Sure al-Anfal: 55)

Schon damals waren also willfährige Islamkritiker unterwegs, die den Koran nach verdächtig erscheinenden Stellen untersuchten und markierten, um in der Diskussion stolz ihr Wissen über den Islam kundtun zu können. Mich jedoch störten diese Markierungen in keinster Weise. Ich markierte einfach die mich besonders positiv inspirierenden Stellen wie zum Beispiel:

„In der Schöpfung der Himmel und der Erde; im Unterschied von Nacht und Tag; in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt; darin, daß Allah Wasser vom Himmel herabkommen läßt, und damit dann die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht und auf ihr allerlei Tiere sich ausbreiten läßt; und im Wechsel der Winde und der Wolken, die zwischen Himmel und Erde dienstbar gemacht sind, sind wahrlich Zeichen für Leute, die begreifen.“ (Sure al-Baqara: 164)

[Wie meine Reise zum Islam weitergeht lest ihr in dem 2.Teil, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.]

Der Weg zu Gott

Umfangen vom herbstlichen Laubfeuer, lag das kleine, pittoreske Häuschen von Osman Efendi. Er saß im abgestorbenen Garten mit einer ranzigen Decke zugedeckt, Mocca trinkend, auf seinem geliebten Schaukelstuhl und sinnierte gedankenverloren vor sich hin. Er blickte in den Himmel, der seit dem Eintritt in die goldene Jahreszeit den fernen Stadtkern von Kütahya, in triste Silhouetten kleidete. Die Gräue und Witterung, die er an den Randbezirken des Städtchens im Laufe der Jahre so schätzen gelernt hatte, ließen ihn immer wieder wehmütig an seine sprühende Jugendzeit auf den ostanatolischen Aprikosenplantagen in Malatya denken. Doch da war sein jetziges Leben. Sein Leben war ohne Trost. Es war weder fesch noch glücklich, wie es erdachte Märchen sind. Etwas musste geschehen. Ohne lange zu überlegen, fand er plötzlich gedankliche Freude an einem freitäglichen Spaziergang durch die verschlungenen Gassen und Straßen der Provinzstadt. Geschwind holte er seinen schmuddeligen Trenchcoat aus dem Haus und ging in Richtung der altehrwürdigen Porzellanwerkstätten von dannen.

Die Straßen der Stadt Kütahya waren porös und unordentlich angetan. Ein eisiger Wind wehte um die Häuser und steigerte sich zu einem unendlichen Fluchen in den unzähligen Unterführungen. Osman Efendi erreichte ein kleines Gässchen. Damals, als er noch voller Ideale war und die bunten Farben der Zukunft in der Luft zirkulierten, kaufte er hier revolutionäre Literatur jeglicher Art. Nun, im Herbst, saßen die alten Buchhändler in ihren Lädchen frierend und warteten den lieben langen Tag vergeblich auf Kundschaft. Einige Ladeninhaber standen gesammelt vor einem kleinen Ofen und wärmten sich ihre knorrigen Hände, die an verdorrte Aprikosenkerne erinnerten. Osman Efendi rekapitulierte seine vergangenen Jahre hier in Kütahya: Die Liebe zu einer Frau ließen ihn Ostanatolien verlassen und hierher kommen. Fiebrig kamen Gedanken hoch, wie er unter der sengenden Sonne mit seiner Geliebten die reifen und vollen Früchte pflückte und ab und an – sich gegenseitig fütternd – heimlich genossen. Doch wie Kafkas Schloss konnte er sie nicht mehr erreichen. Wohlbehütet wurde sie in einem Konak verwahrt und einem fernen Verwandten angedacht und überreicht. Er blieb. Dabei verstieg er sich in Utopien und Ideologien, die er sich in unzähligen durchlesenen Nächten erschloss und die den Trost der Idee versprachen. Doch in Zeiten der dahinschwindenden Jugend, würden sie nur noch ins Leere verlaufen und Dämmerungen produzieren. Er seufzte still in sich hinein und ging hinfort.

Osman Efendi drang langsam zu dem Stadtkern vor. Es wurde reger und lebhafter um ihn herum. Hausfrauen mit ihren kleinen Kindern machten ihre freitäglichen Einkäufe für die hungrigen Männermäuler am Abend. Plötzlich vernahm er ein erhitztes Rufen und Brüllen, welches von einer der näheren Gassen zu ihm drang. Und da waren sie: Rote Fahnen schwenkende Frauen und Kerle, die das Zentrum eines mittelgroßen Marktkernes sprengten. Es war eine anrüchige Vereinigung von cholerischen Dummköpfen, die dieses und jenes schrien. Osman Efendi verspürte auf einmal tiefe innere Abscheu. Schamesröte stieg in sein Gesicht auf und er dachte: „Bei solchen Brülläffchen bin ich früher mitgelaufen?“. Er konnte nur noch entschlossen den Kopf schütteln. Ihm wurde unmittelbar eine Erkenntnis zu Teil, die sich langsam zu einem klaren Gedanken bahnte: „Die westliche Ideengebung wurde unserer muslimischen Kultur aufoktroyiert ohne jede Scham und Anstand!“ Er erschrak und fühlte sich ertappt, etwas Unbotmäßiges verbrochen zu haben. Er, der sich immer als fortschrittlich gab und damals allabendlich das Cognacglas schwenkte…unerhört! Er blickte wirr um sich, doch keine der dahin trottenden Frauen bemerkte etwas. Energisch ging er in Richtung Amüsiermeile von dannen.

Von weitem hörte er schon am helllichten Tag das unschickliche Gegröle aus den Kaffeehäusern und dem stadtbekannten Salon. Hier war der Tummelplatz von neureichen Banausen und arbeitslosen Taugenichtsen. Arm und Reich reichten sich hier die Hand und hinterließen eine ungesunde städtische Melange. „Wie oft war ich hier, um meine Trauer, um der verflossenen Liebe und dem Sumpf der hoffnungslosen Ideologisierung zu entgehen“, dachte er. Er schaute aus der Ferne auf das emsige Herumstolzieren der reichen Burschen in Zielrichtung Salon, die doch nur ein Imitat der westlichen Zivilisation darstellten. „Alles kommt mir vor eine orientalische Version von Thomas Manns ‚Der Zauberberg‘“, überlegte Osman Efendi. Er hörte das Schachern der liederlichen Backgammonspieler und ihr obszönes Gerede. Eine ungeahnte Wut stieg in ihm hoch, die ihm gänzlich unbekannt erschien. „Das stellt doch alles hier eine widerwärtige Verschwörung gegen unseren Glauben, unsere Tradition und unsere Art, die Welt zu sehen, dar!“, rief er auf einmal in die gesichtslose Menge. Es war also geschehen. Er hatte seit langem seinen Gefühlen und Empfindungen freie Bahn gelassen. Gedanken, die er in den letzten Monaten immer wieder erahnt, aber nie auszusprechen gewagt hatte. Menschen starrten ihn unwirsch – wenn nicht gar offen feindlich – an. Er fühlte sich wie ein traditioneller Meddah, der zur Belustigung der Menge Märchen ersann. „Doch das kann nicht sein“, sagte er zu sich selbst. „Meine Wahrnehmung ist nun mehr endlich klar“, murmelte er mehr zu sich selbst. Unter dem Gegröle der schamlosen Freibeuter rannte er mit rotem Gesicht davon.

Osman Efendi gelangte zu einer kleinen Moschee, die sich sanft an eine natürliche Erhebung schmiegte. Sein Blick fiel unmittelbar auf einen winzigen, einsamen Aprikosenbaum, der, ganz unüblich für diese Jahreszeit, volle Früchte trug. Verwunderung machte sich in seiner Seele breit. „Was für ein merkwürdiger Tag“, dachte er und schüttelte leicht den Kopf. Vor der Moschee herrschte hingegen reges Treiben: Kein Wunder, die Zeit des allwöchentlichen Freitagsgebets war angebrochen und Jung und Alt tummelten sich, wie Straßentauben um einen Brotkrumen, vor dem Eingang. Er beschloss, sich dem Taubenpulk anzuschließen. Die kleinen Маrmorsäulen, die die bauchige Decke trugen, erglänzten über den makellosen roten Teppich. Ein Geruch von Moschus und Ambra waberte in der dämmrigen Luft. Der altertümlich anmutende Imam setzte zur Predigt an: „Es liegt alle unwiderlegbare Beseligung, klare Befriedigung, feiner und reiner Genuss mit Gewissheit in der Gotteserkenntnis und der Gottesliebe. Eines kann ohne das andere nicht sein. Wer Gott den Gerechten kennt und liebt, empfängt ohne alle Grenzen glanzvolle Glückseligkeit. Wer Ihn nicht wirklich kennt und liebt, muss hingegen physisch wie psychisch Leiden und grenzenlose Not erfahren.“ Als der greise Imam seine Predigt beendet hatte und das freitägliche Gebet vollzogen war, ging Osman Efendi auf leisen Sohlen davon. Er verspürte nach diesem Strahl an wahren Worten eine noch nie dagewesene innere Ruhe und einen Frieden, der seinesgleichen suchte. Ihm war als würde er die Vögel des Paradieses hören. Er hatte nun einen weiten und kurzen Heimweg vor sich. Und als er sich nun in die Straßen und Gässchen versenkte, war Gott auch dort. Er würde ihn bis zu seinem baldigen Tode begleiten. Die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die tristen Wolken. Sie begann zu leuchten. Osman Efendi verschwand in einem weißen Licht, das die ersehnte Klarheit versprach.

„Abu Umama, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Allah, Der Allmächtige und Erhabene sprach: ‚Der Glückseligste bei Mir unter Meinen Nahestehenden ist ein gläubiger Diener, der wenig besaß, wenige Personen zu versorgen hatte, und sich dem Gebet reichlich widmete. Er war der, der seinen Herrn verehrte und Ihm insgeheim Gehorsam leistete; er trat unter den Menschen unauffällig auf, und auf ihn wurde nicht mit dem Finger gezeigt. Seine Versorgung war knapp, und er ertrug dies geduldig. ‚Der Prophet schüttelte was von seiner Hand ab und sagte: Sein Tod wurde von Allah beschleunigt, diejenigen, die ihn beweinten, waren wenig, und sein Nachlass war gering.‘“

(Hadith Qudsyy, überliefert bei Al-Tirmidyy, Ahmad und Ibn Maga)

Neuer Autor bei al-adala.de

Vielleicht haben es einige Leser bereits bemerkt, seit dem 01. August 2018 hat al-adala.de einen weiteren Autor im Repertoire. Ab sofort wird auch Nuruddin diesen Blog mit seinen Beitragen beglücken.

Sein hauptsächliches Schaffen liegt im Bereich der Literatur und wir werden vor allem Rezensionen, Buchauszüge, Zitate und Kurzgeschichten aus seiner Feder zu lesen bekommen.

Herzlichen Willkommen.

Die Krise des guten Benehmens (Adab-أدب) der Muslime

„Hätte ich den Islam anhand der Muslime kennen gelernt, wäre ich kein Muslim geworden. Zum Glück habe ich den Islam aus dem Koran gelernt.“ -Yusuf Islam-

Der Regen peitschte auf Dächer, Giebel und Straßen der Elbmetropole. Starke Winde fauchten durch die Gassen und trieben die pulsierende Menschenmenge vor sich her bis sich die Masse bei verschiedenen Unterständen zusammentrollte. Erste Äste barsten und Bäume bogen sich bedrängt an den Wegen und in den menschenverlassenen Parks. Der Verkehr der Großstadt, anfänglich sich noch sträubend, kam zum erliegen. Züge fielen aus. Mittendrin meine zierliche Mutter, die umrahmt von einem Pulk an Menschen, an einer Bushaltestelle ausharrte. Endlich kam ein Bus und meine Mutter war im Begriff einzusteigen, als eine verhüllte Frau rücksichtlos den Ellenbogen in die Seite meiner 63 jährigen Mutter rammte. Meine Mutter schrie auf und rief: „Warum machen sie das?!“ Die Erwiderung kam triumphierend und unwirsch: „Ich kann, ich kann!“

Solche Geschehnisse sind symptomatisch für eine kränkelnde Umma, die sich selbstbemitleidet und jegliche Verantwortung auch im kleinsten Kleinen von sich weist. Doch die „Dawah“ vieler „Muslime“ geht noch weiter: Unhöflichkeiten, Respektlosigkeit und Kriminalität jeglicher Couleur sind an der traurigen Tagesordnung. Wie kann es also sein, dass sichtbare Muslime sich dermaßen daneben benehmen? Nicht nur Yusuf Islam, sondern auch große Denker wie Muhammad Asad und Murad Hofmann – allesamt Konvertiten – wundern sich über die große Diskrepanz von Theorie und gelebter „Nicht-Praxis“.

Neben den „großen Krisen“ im Islam existieren also auch gemeine Krisen bei den Muslimen. Der schlechte Adab wiegt vielleicht sogar schwerer als so manche makrosoziologische Konfliktlinie zwischen Gesellschaft und Staat! In Zeiten der politischen Verwerfungen und dem beständigen Dauerfeuer auf alles „islamisch“ anmutende, kommt es umso mehr darauf an, dem hohen ethischen Standard des Islams gerecht zu werden. Wer seine Religion in der Öffentlichkeit darbietet, trägt also eine große Verantwortung, da er schon allein mit einem simplen Kopftuch für den unwissenden deutschen Durchschnitt den Islam repräsentiert. Wir müssen zuallererst unsere Charaktereigenschaften verbessern – was für die meisten sicherlich schon viel zu mühselig ist – und sollten unserem Propheten Muhammad (s.) dem „wandelnden Quran“ nacheifern.- alles andere – wie beispielsweise ein islamisches Äußeres – kommt dann letztlich wie von selbst! Neben der Charakterschulung kommt sicherlich auch der Aspekt der mangelnden Bildung zu tragen: Wer sich nicht artikulieren kann, dem bleibt letztlich nur die Faust oder eben der Ellenbogen. Ansonsten lasst es doch einfach! Schmückt euch nicht mit dem Islam als wäre er ein profanes billiges Accessoire!

Es wird berichtet:

Abud-Darda‘ (r.) überliefert, dass der Prophet (s.) sagte: „Nichts wiegt am Tag des Gerichts in der Waagschale eines Gläubigen schwerer, als das gute Benehmen; denn Allah verabscheut denjenigen, der unanständig und schamlos ist.“ (At-Tirmidhi) (hasan sahih)

Und noch expliziter:

Abu Huraira (r.) berichtet, dass der Prophet (s.) sprach: „Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht.“ Er wurde gefragt: „Wer, oh Gesandter Allahs!?“ Er sagte: „Einer, dessen Nachbar nicht sicher ist vor seiner Bosheit.“ (Al-Bukhari und Muslim)

Diese gewaltigen Aussagen unseres geliebten Propheten (s.) sollten uns endlich mehr berühren und zum besseren verändern. Wenn wir uns als Muslime zum Guten wandeln wollen bedarf es einer schonungslosen Selbstanalyse und einer tiefgründigen Charakterreinigung. Dieses kommt primär erst mal Dir selber zu gute, mittelbar der Umma und letztlich eben auch dem richtigen Auftreten unter Nichtmuslimen.

Allah subhanahu wa ta’ala sagt im edlen Quran:

„Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah.“ (3:110)

Dieser herausfordernden Maxime müssen endlich Taten folgen. Jeder für sich. Kein Kollektiv wird Dich retten. Kein herbeigesehntes Kalifat. Du wirst alleine vor Deinem Schöpfer stehen.

Die blauen Flecken meiner Mutter tun ihr übrigens immer noch weh. Ich habe ihr „Die Gärten der Rechtschaffenen: Auszüge aus Riyadus Salihin“ von Imām an-Nawawī gegeben, um ihr nachzuweisen, dass der Islam ganz andere moralische Prinzipien besitzt und nicht die real praktizierte Unfähigkeit der Muslime ausschlaggebend ist. Vielleicht liest sie es.

Kurz gesagt: Diese geradezu religiöse Verehrung des Grundgesetzes

Diese geradezu religiöse Verehrung des Grundgesetzes ist in meinen Augen absolut widersprüchlich und basiert entweder auf Unwissenheit oder Geschichtsvergessenheit.

Ohne die philosophische Konstruierung dieses „kältesten aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche) namens STAAT, wäre die Schaffung seiner verfassungsmäßigen Bändigung gar nicht nötig gewesen.

Die abendländische Aufklärung hat dem Staat (als Institution) sämtliche Gewalt und Macht (als Monopol) zugeführt und zur Grundlage seines Handelns eine wandelbare Ethik und ein positives (willkürliches) Recht zugelassen.

Das Grundgesetz ist ein Beleg für die gewaltige Gefahr, die von einem rechtspositivistischen Gewaltstaat ausgeht und es müsste uns mit Scham und Trauer schlagen, dass wir ein solches Konvolut an Reglementierungen brauchen um die Menschen vor der Willkür ihrer institutionaliserten Autorität zu schützen.

Kurz gesagt: Das beschädigte Ansehen frommer Muslime innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands

Das Ansehen der Muslime, die äußerlich Merkmale religiöser Frömmigkeit aufweisen, hat innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands in den letzten 10-15 Jahren drastisch Schaden genommen.

Während (auch wenig religiöse) Muslime vor 15 Jahren noch großen Respekt vor dem Mann mit Vollbart, akkurat gekürzter Pluderhose und religiöser Kopfbedeckung hatten und sich vertrauensvoll in Fragen der Religion an einen solchen Muslim wandten, schaut man heute vielerorts eher misstrauisch und mitunter auch ablehnend auf solche Muslime.

Der Grund?

Früher waren die meisten Frommen nicht nur äußerlich tadellos, sondern auch innerlich wirkte der Islam, so dass sie einen vorzüglichen Charakter an den Tag legten, wenn sich ein weniger frommer Muslim an sie wandte.

Heute lassen sich die größten Rüpel den Vollbart wachsen und kleiden sich in fromme Tracht, aber die Umgangsformen sind die der Straße geblieben und ihr Umgang mit (äußerlich) weniger Frommen ist geprägt von unverhüllter Erhabenheit und selbstzufriedenem Hochmut.

Ich erinnere mich noch, dass mich 2007/2008 irgendwann ein türkischer Bruder mit zu sich nach Hause nahm. Ich war nicht einmal ein Jahr Muslim, aber hatte schon einen recht beeindruckenden Vollbart erlangt (da ich bereits vor der Konversion begann ihn wachsen zu lassen), und natürlich hatte ich ein akkurat gekürztes und weites Beinkleid sowie eine religiöse Kopfbedeckung auf.

Als er mich dann seinem Vater vorstellte (der vom Alter her auch mein Vater hätte sein können), nannte dieser mich tatsächlich „Yahya Effendi“ und senkte sein Haupt ein wenig, als er meine Hand schüttelte.

Mir wurde von diesem Muslim eine Art von Respekterweisung zuteil, die mir geradezu peinlich war, und das nur, weil ich für ihn den Anschein machte, ein sehr frommer Muslim zu sein.

Heute ernte ich (auch bei mir im Stadtteil mit sehr vielen Muslimen) häufig sehr vorsichtige Blicke und bekomme teils auch Gesten der Abneigung zu spüren.

Liebe Geschwister, was sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland als eine neue frömmelnde Bewegung etabliert hat, diese Resultate der massenhaften Laien-Dawa auf den Straßen der Republik, hat dem Ansehen des Islams und der praktizierenden Muslimen (in Teilen) mehr geschadet als mancher von uns Salafis es wahrhaben möchte.

Es braucht mehr Selbstreflexion bei Predigern und Anhängern, und wir müssen selbstkritisch die letzten 10-15 Jahre Revue passieren lassen. Wir haben eine Verantwortung.

Die Dawa der letzten 10 Jahre hat die Gemeinschaft in strenge und moderate/moderne Muslime gespalten. Diese Spaltung jedoch ist tragisch.

Wir können nur wie ein Körper sein, wenn wir uns gegenseitig Ermahnen lassen, so dass wir wieder die Mitte finden. Nicht die Spaltung in Sekten ist das Problem, sondern dass sich die Schwachen gegen die Frommen verbunden und andersherum.

Das nur als kurzes Wort zum Freitag.

Die Geschichte des mekkanischen Zuhälters

Der bekannte hanbalitische Gelehrte Ibn al-Jawzi (gest. 597 n. H.) schrieb in seiner Zusammenfassung Ahbar an-Nisa (Erzählungen über die Frauen) folgendes:

«Berichte über Kuppler [Zuhälter – Anm. d. Verf.] hat der Historiker al-Mada’ini [gest. 225 n. H. – Anm. d. Verf.] mitgeteilt. Er überlieferte beispielsweise folgende Geschichte:

In Mekka lebte vor einiger Zeit ein schamloser Kerl von niederer Gesinnung, der skrupellos und auf die unverschämteste Weise Frauen an Männer verkuppelte. Er gehörte zum Stamm Quraish, sein Name soll nicht erwähnt werden. Die Einwohner von Mekka beklagten sich bald über das Treiben dieses Mannes bei ihrem Statthalter, der ihn daraufhin … »

Hier stoppen wir vorerst die Erzählung und fragen uns: Was hat der Statthalter zu Mekka wohl mit diesem Zuhälter, seinen Dirnen und den Freiern machen lassen, die nahe der heiligsten Stätte des Islams gewerbsmäßig Unzucht bewerkstelligten und betrieben? Wie geht diese Geschichte wohl weiter?

Nicht wenige werden auf Anhieb wohl Vermutungen dahingehend anstellen, dass im damaligen (vermutlich umayyadischen) Kalifat die Dirnen und Freier erst einmal samt und sonders der schariarechtlichen Haddstrafe ausgeliefert und somit entweder der Auspeitschung oder Steinigung anheimfallen würden. Dem gewerbsmäßigen Zuhälter dürfte es wohl nicht viel besser ergehen.

Ahbar an nisa allerdings ist kein normatives Werk, dient also nicht dazu die Normen einer muslimischen Ordnung darzulegen, sondern es gibt in seinen historischen Berichten und Anekdoten vielmehr die Diskrepanz zwischen dem normativen Ideal und den tatsächlichen Realitäten wieder.

Während also zeitgenössische Romantiker „das Kalifat“ als scharia-perfekten Law-and-Order-Staat träumen, können wir in historischen Schilderungen und Anekdoten zahlreicher Historiker und Gelehrter nachlesen, wie ganz anders es im Kalifat sein konnte.

Nur ein kleines Beispiel ist hier der Ausgang dieser historischen Schilderung von al-Mada’ini, die Ibn al-Jawzi in seinem Werk zum Besten gibt. Ihr dürft euch wundern.

«Die Einwohner von Mekka beklagten sich bald  über das Treiben dieses Mannes bei ihrem Statthalter, der ihn daraufhin nach Arafat verbannte. In Arafat nahm sich der Kuppler eine Wohnung. Nach Mekka wagte er sich jedoch nur noch verkleidet, um seine zahlreichen Kunden – Männer und Frauen – zu treffen.

Bei solchen Treffen sagte er zu ihnen: „Warum kommt ihr nicht mehr zu mir, was hält euch fern?“ Sie antworteten: „Die weite Entfernung! Was nützt es uns denn, wenn du weit weg in Arafat wohnst?“ Er entgegnete darauf: „Nehmt euch doch für zwei Dirham einen Esel! Keinem Menschen kommt das verdächtig vor, ihr könnt euch ganz sicher fühlen! Macht euch einen schönen Spaziergang! Ihr erhaltet von mir die Gelegenheit zu einem Treffen und kommt so zu eurem Vergnügen!“ Da sprachen die Leute: „Das ist ein guter Gedanke! Wir müssen wahrlich bekennen, daß du da völlig im Recht ist!“

Bald zogen die Leute in Scharen hinaus nach Arafat. Der Zustrom der Menschen dorthin nahm bald überhand. Der schlechte Einfluß auf die Einwohner von Mekka, insbesondere auf die Jugendlichen, wurde immer sichtbarer, und erregte die moralischen Bedenken der ehrenhaften Bürger.

Aber auch die anderen Kuppler und gemeine Leute in Mekka sahen die Abwanderung ihrer Kunden nach Arafat mit dem größten Unbehagen. Sie führten deshalb erneut Klage bei ihrem Statthalter, der diesmal den Kuppler steckbrieflich suchen ließ. Sehr bald konnte man seiner habhaft werden.

Er wurde zum Statthalter gebracht, der ihn zur Rede stellte: „Du Feind Allahs! Da habe ich dich aus der Stadt Allahs – groß und erhaben ist Er! – ausgestoßen und dich bestraft. Trotzdem unterstehst du dich, an der erhabensten Kultstätte dein verruchtes Gewerbe weiter zu betreiben, ja es in noch größerem Ausmaß auszuüben! Ohne Scham und ohne ein mahnendes Gewissen machst du dir ein Geschäft, die Leute miteinander zu verkuppeln!“

Der Kuppler erwiderte darauf: „Allah möge dem Statthalter Glück verleihen! Aber die Leute, die mich beschuldigen, lügen und sagen überhaupt nicht die Wahrheit, weil sie mir nicht gut gesinnt sind und mich beneiden!“

Voller Empörung wiesen das die Mekkaner zurück und sprachen zum Statthalter: „Es ist ganz und gar deine Angelegenheit, wem du mehr Glauben schenkst: dem Kuppler oder uns ehrbaren Bürgern. Aber erlaube uns, daß wir einen Beweis für die Richtigkeit unserer Klage erbringen. Gestatte uns, daß wir eine Dirne auf einen Esel der Gauner und Spitzbuben setzen und ihn in Richtung Arafat in Trab bringen. Wenn dieser Esel, wie er es gewohnt ist, diese Dirne in das Haus des Kupplers in Arafat bringt, dann soll das der Beweis für die Richtigkeit unserer Aussagen sein! Wenn der Esel sich aber anders verhält, so soll der Kuppler sein Recht haben!“

„Sehr gut“, sagte der Statthalter, „darin liegt der Schlüssel der Wahrheit“

Ohne zu zögern befahl er, daß ihm ein Spitzbubenesel gebracht würde. Er ließ eine Dirne aufsitzen und brachte den Esel Richtung Arafat in Trab. Tatsächlich verhielt sich der Esel so, wie es die ehrbaren Mekkaner gesagt hatten, und lief direkt zum Haus des Kupplers.

Damit war der Beweis für die Berechtigung der Beschwerde gegen den Kuppler erbracht. Der Statthalter befahl, den Kuppler auf der Stelle auspeitschen zu lassen. Als dieser dann dem Auspeitscher übergeben wurde und ihm gegenüberstand, begann er laut zu weinen.

Da fragte ihn der Statthalter verwundert: „Was bringt dich denn, du Feind Allahs, zum Weinen?“ Da gab der Kuppler die folgende Antwort: „Bei Allah! Allah schenke dem Statthalter Glück! Ich habe überhaupt keine Angst vor den Schlägen. Angst habe ich nur davor, daß die Leute im Irak über uns lachen und spotten werden. Sie werden nämlich sagen, daß die Mekkaner dem Zeugnis eines Esels Glauben schenken und es als beweiskräftig ansahen!“

Da lachte der Statthalter und erließ dem gerissenen Kuppler die Strafe.»

(Ibn al-Jawzi, Über die Frauen / Ahbar an-Nisa, übersetzt von Dieter Bellmann, Verlag C.H. Beck, Seite 292ff.)

Kurz gesagt: Positive und negative Herzensbrecher

Es gehört zu meiner persönlichen Eigenheit, dass ich – auch für einen Deutschen – emotional recht kühl veranlagt bin.

Diese Eigenart kommt mir zugute, weil ich mich dadurch in die Lage versetzt sehe, meine negativen Emotionen im Zaum zu halten.

Bedauerlicherweise wirkt sich diese emotionale Kühle leider auch auf das Empfinden und Zeigen positiver Gefühle aus. Das ausgelassene und ausgiebige (Mit-)Freuen, Beglückwünschen, Begrüßen und Zuneigungzeigen liegt mir also nicht so sehr.

Was mich seit 2 Jahren überraschenderweise merkbar wärmer und emotionaler werden lässt, ist die Geburt und Gegenwart meiner kleinen Tochter (2).

Ich bin geradezu entsetzt davon, wie sehr dieses kleine Wesen – von meinem eigenen Fleisch und Blute – meine innersten Emotionen weckt und gedeihen lässt. Wenn ich sie auf den Schoß setze und meine Nase in ihre kleine weiche Haarpracht halte, nur um minutenlang ihren ganz eigenen Duft einzuatmen, dann zerspringt mir geradezu das Herz. Und wenn sie dann auch noch mit ihren kleinen Fingerchen meine Hand streichelt und am Nagelbett meines Daumens pult, dann bin ich nahe dran in Tränen auszubrechen und werde von unglaublichen Verlustängsten gepeinigt.

Dieses kleine Wesen hat mein Herz erobert und meine kalte Schale geknackt, allein durch ihre Existenz und ihre natürliche Zuneigung zu ihrem Vater.

Wenn ich daran denke und dann im selben Moment lesen muss, dass es anscheinend Väter gibt, die in der Lage sind ihr eigenes junges Töchterchen mit einem Messer niederzumetzeln, dann bricht für mich eine Welt zusammen.

Das ist so schrecklich. Wie kann man seine eigene 1-jährige Tochter mit einem Messer töten? SubhanAllah, mir liegen Schimpfwörter auf der Zunge, die seit 11 Jahren nicht mehr über selbige gekommen sind.

Ich verstehe die Welt nicht mehr …

 => https://www.focus.de/regional/hamburg/hamburg-mourtala-m-toetete-ex-frau-und-kind-1-das-ist-der-taeter-vom-jungfernstieg_id_8759544.html

Kurz gesagt: Ist das Kopftuch bei Kindern eine Sexualisierung?

Unsere kleine Tochter Jenna Luise ist jetzt 2 Jahre alt und beginnt langsam ihre Eltern in vielen Alltagssituationen zu imitieren. So hat sie bspw. beobachtet, dass wir uns gegenseitig die Schuhe bringen, wenn wir vorhaben gemeinsam raus zu gehen. Sobald sie also das Gefühl bekommt, dass wir uns bereit machen das Haus zu verlassen, stürmt sie sofort los und bringt meiner Frau und mir die Schuhe.

Sie hat jetzt auch einen Puppen-Kinderwagen bekommen, den sie in der Wohnung bereits fleißig spazieren fährt, ebenso wie es ihre Mutter oder ihr Vater mit ihrem Kinderwagen tut.

Und auch das Gebet, welches bis zu 5 mal am Tag in der Wohnung verrichtet wird, möchte sie schon mitmachen. Hierzu reicht es ihr nicht aus, dass wir ihr einen kleinen Gebetsteppich ausbreiten, nein, sie möchte auch (genauso wie Mama) einen Hijab tragen, also ein weites Gewand mit Kopftuch.

Bei uns zu Hause ist das etwas so normales, diesen Wünschen unserer kleinen Tochter nachzukommen, und niemals wären wir auf die Idee gekommen, dass dies einer Sexualisierung unseres kleinen Lieblings gleichkommen würde – wie es kürzlich die Staatssekretärin Serap Güler (CDU) in den Medien behauptete.

Die Verkürzung religiöser Handlungen auf einen zwingenden weltlichen Sinn ist eine oberflächliche Erscheinung. Viele Dinge tun wir Muslime auch einfach nur, weil es ein Gottesdienst ist. Hierzu gehört das rituelle Gebet ebenso wie das Tragen religiöser Kleidung.

Beides (Gebet und Hijab) ist für unsere kleine 2-jährige Jenna Luise keine religiöse Pflicht, das ist aber kein Grund für uns, ihr diese Gottesdienste zu verwehren. Wenn sie uns imitieren und mitbeten möchte, dann sei ihr das erlaubt, und wir freuen uns sogar sehr darüber. Und wenn sie dabei wie ihre Mutter aussehen möchte, nämlich mit Hijab, warum sollten wir ihr das verbieten?

Und sie sieht sooo süß aus mit dem Kopftuch – und dabei denkt keiner von uns an Sex oder ähnliches, Gott bewahre, das ist eine böse Unterstellung.

Buchauszug: Gustave le Bon – Der arabische Chirurg Albukassis, die Quelle aus der alle Chirurgen nach dem 14. Jahrhundert schöpften

«Der berühmteste arabische Chirurg war Albukassis von Cordoba, gestorben 1107. Er hat viele chirurgische Instrumente erfunden, die in seinen Werken abgebildet sind. Im übrigen Europa wurde er erst im fünfzehnten Jahrhundert bekannt, dann aber wurde sein Einfluß überaus groß. Der große Physiologe Haller bemerkt, die Werke Albukassis‘ seien die Quelle gewesen, „aus der alle Chirurgen nach dem vierzehnten Jahrhundert schöpften“.»

(Gustave le Bon, La civilisation arabe, 1884 / aus dem Französischen von Peter Aschner, Die mittelalterliche Welt der Araber, F.A. Herbig Verlagsbuchhaltung, München – Berlin ©1974, Seite 92)

Der Meinungswandel des Prof. Dr. de Laveleye (gest. 1892) über den Islam und die Muslime

Ich lese derzeit das 2-bändige Reisetagebuch „Die Balkanländer“ (1886) von Prof. Dr. Émile Louis Victor de Laveleye (gest. 1892 n. Chr.), einem äußerst renommierten belgischen Nationalökonomen und Universalgelehrten seiner Zeit.

Einer der Gründe, weshalb ich diese Lektüre auf mich nehme, ist mein erster Eindruck dieser Persönlichkeit, den ich in der Bandreihe (1903) des deutsch-französischen Islamkonvertiten Muhammad Adil Schmitz du Moulin gewinnen konnte.

Prof. Dr. de Laveleye begab sich auf seiner Balkanreise erstmals persönlich in Gefilde, in denen Muslime heimisch waren. Man merkt anfänglich, dass der Professor mit reichlich Vorurteilen im Gepäck sich auf diese Reise begab, Vorurteile, die sich aus zahlreichen abendländischen Pamphleten nährten, die (ähnlich wie heute) die Schuld am damals schon beginnenden Niedergang der muslimischen Zivilisation (Kranker Mann am Bosporus) eindeutig dem Islam (als Religion und Ordnungsprinzip) andichteten.

So schreibt de Laveleye, als er sich allmählich den bosnisch-muslimischen Siedlungsgebieten näherte:

Sind das vielleicht schon die Vorläufer der einstigen türkischen Provinzen, also der Barbarei, während doch der Weg nach Pest und Wien, das heißt nach der Zivilisation hin, in entgegengesetzter Richtung läuft?

Man wird im Verlaufe der weiteren Lektüre jedoch immer deutlicher der Tatsache gewahr, dass de Laveleye anscheinend mit absolut falschen Erwartungen in diese „muslimische Barbarei“ der ehemaligen türkischen Provinzen des Balkans zog. Sehr schnell, nämlich bereits bei Ankunft in der (zwischen Christen und Muslimen durch den Fluss Save) geteilten Grenzstadt Brod, sieht er sich gemüßigt, als bekennender Christ folgendes über den muslimischen Muezzinruf zu Papier zu bringen:

Das bosnische Brod besteht aus einer einzigen großen Straße, deren Häuser zum Schutze gegen die Überschwemmungen der Save auf Pfählen oder Dämmen ruhen.

Die ganz aus Holz erbaute Moschee wird von einigen Pappeln umgeben, und zu dem in roten, gelben und grünen Farbentönen schimmernden Minarett steigt eben der Muezzin oder Ausrufer hinauf, um aufzufordern zum Gebete des »Aksham« oder der Abenddämmerung, dem letzten des Tages.

Der Metallklang seiner Stimme dringt bis in die umliegenden Fluren, und es sind schöne Worte, die man da vernimmt; selbst bei dem Gedanken an Schillers »Glocke« ziehe ich diese Art der Verkündigung dem gleichförmigen Geläute der Glocken vor.

»Gott ist erhaben und allmächtig«, ruft der Muezzin. »Es gibt keinen anderen Gott als ihn und keinen anderen Propheten als Mohammed. Versammelt Euch im Reiche Gottes, an dem Orte der Gerechtigkeit. Kommt in die Wohnung der Glückseligkeit«.

Dies sollte nicht der erste positive Eindruck gewesen sein, den de Laveleye im weiteren Verlauf seines Reisetagebuches über den Islam und die Muslime auf dem Balkan zu Papier brachte.

In schaa Allah werde ich einen umfangreichen Beitrag verfassen, der all diese Äußerungen des Professors in Auszügen zur Verfügung stellt.

Ich freue mich schon.