Archiv für den Monat: Dezember 2010

Es gibt sie doch, die christlich-jüdischen Traditionen

von Yahya ibn Rainer

Ich möchte diesen Tag dazu nutzen, eine Ode auf die viel gerühmte christlich-jüdische Tradition des Abendlandes zu verfassen. Der Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition des Abendlandes ist nämlich eine Farce. Passende Worte dazu fand dereinst der Journalist und Publizist Heribert Prantl:

“Beim Reden von der christlich-jüdischen Tradition handelt es sich aber um eine gewaltige Heuchelei. Die deutsche Politik drückt die alte, früher stigmatisierte Minderheit der Juden an die Brust, um die neue Minderheit, die Muslime, zu stigmatisieren. Die Juden werden missbraucht, um die Muslime als unverträglich zu kennzeichnen.”

(http://www.sueddeutsche.de/politik/gedenktag-november-der-missbrauch-der-juden-durch-die-politik-1.1021220)

Eingeführt hat diese Unwortkombination wahrscheinlich der Holländer Geert Wilders. In seinen pathetischen Reden betont er geradezu beschwörend, dass wir Europäer unser christlich-jüdisches Erbe vor der Islamisierung verteidigen müssten.

Als ich vor 4 Jahren ein Interview mit dem israelischen Historiker und Soziologen Moshe Zuckermann las (Das Böse der Banalisierung >>), da konnte ich mir noch nicht richtig vorstellen, was er mit dem “Rechtsruck der Antisemitismuskritik – bis an die Grenze zur Holocaust-Leugnung” meinte. Jetzt aber versteh ich es. Ich habe mich nämlich auf die Suche nach gemeinsamen christlich-jüdischen Traditionen gemacht, und ich bin fündig geworden.

Man muss zuallererst erwähnen, dass es in Europa und Deutschland schon seit vielen Jahrhunderten Juden gibt.

“Eine erste staatliche Akte betreffs der Juden in Deutschland wurde im Jahre 321 erlassen. Kaiser Konstantin d. Gr. , der in seinem berühmten Mailänder Edikt (313) das Christentum toleriert hatte, ordnete das Leben der Juden Kölns (Colonia Agrippina). Vermutlich wurde Israel (also die Juden) noch wesentlich früher auf germanischem Boden ansässig, …”

(Judentumskunde / Hans-Jochen Gamm / S. 57)

Im Laufe der folgenden knapp 1800 Jahre haben sich so manche Traditionen entwickelt, die man durchaus als christlich-jüdisch bezeichnen könnte:

 

1. Der Judeneid

“Ein besonderer Greuel für Israel (also die Juden) ist immer das Schwein gewesen, […] Auch der Judeneid (Eid more judaico) enthielt das Schweineattribut. Wurde im Mittelalter ein Jude zur gerichtlichen Eidesleistung gefordert, so verlangte das sächsische Recht, daß er dabei auf der abgezogenen Haut einer Sau stehe, die kurz zuvor geworfen hatte. Nach dem Schwabenspiegel mußte der schwörende Juden zusätzlich einen Dornenkranz tragen und dreimal auf seinen Penis spucken (Berufung auf das Beschneidungsmotiv und Appell an den “Bund”, d.h. Versuch einer religiösen Bannung).”

(Judentumskunde / Hans-Jochen Gamm / S. 112)

Die ältesten deutschsprachigen Judeneide sind im Görlitzer und Erfurter Judeneid aus dem 12. Jahrhundert überliefert. Regionale Judeneide sind für weitere deutsche Städte überliefert, darunter Augsburg, Braunschweig (15. Jahrhundert), Dortmund, Frankfurt am Main, Köln (1448), Landshut (14. Jahrhundert), Magdeburg, München, Nürnberg und Worms.

Näheres zur christlich-jüdischen Tradition des Judeneides findet man bei Wikipedia unter Judeneid.

 

2. Der Leibzoll

“In ganz Deutschland mußten Juden beim Überschreiten der Grenzen der zahllosen Kleinstaaten oder beim Betreten einer Stadt besondere Abgaben leisten, den Leibzoll, wie für Vieh. Als Mendelsohn 1776 nach Dresden reiste, mußte er den Leibzoll nach der für einen polnischen Stier festgelegten Taxe bezahlen.”

(Das Judentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Bedeutung / Eduard Lamparter / S. 155)

Auch hier eine feine christlich-jüdische Tradition.

3. Judenmessen und Zwangstaufen

“”Judenmessen” (Bekehrungspredigten) wurden, päpstlichen Anweisungen zufolge (Bullen von 1279, 1577 und 1584), regelmäßig abgehalten und die Juden gezwungen , daran teilzunehmen. Dabei wurde untersucht, ob ihre Ohren etwa mit Watte verstopft wären, und mit Stöcken ausgerüstete Wächter sorgten dafür, daß bei der Predigt niemand einschlief.”

(Geschichte der Juden / Cecile Roth / S. 355)

“Vom 17. Jahrundert an wurden derartige Gewalltakte (gewalttätige Zwangstaufen) immer häufiger, weil sich die abergläubische Vorstellung verbreitete, daß man durch die Bekehrung eines einzigen Juden die ewige Seligkeit erringen könnte . . . Manchmal wurden noch ungeborene Kinder für das Christentum reklamiert, und schwangere Frauen wurden aus ihren Häusern geschleppt, damit die Kinder das Licht der Welt in unvergifteter Atmosphäre erblicken. Es kam auch vor, daß Neugeborene den Armen der Mütter entrissen wurden, um sogleich getauft zu werden.”

(Geschichte der Juden / Cecile Roth / S. 354)

4. Christlich-jüdischer Karneval

“Jedes Jahr während des Karnevals mußten kopulente Juden fast völlig entkleidet zur Belustigung des Pöbels zu einem Wettlauf auf dem Corso in Rom antreten. Dieses Privileg teilten sie mit den Prostituierten. Unter den lächerlichsten Vorwänden wurde das Wettrennen für ungültig erklärt und mußte an einem anderen Tage wiederholt werden. Diese schimpflichste Maßnahme wurde erst im Jahre 1668 abgeschafft. Noch fast zweihundert Jahre lang mußte aber alljährlich unter dem Spott des Pöbels eine Entschädigungssumme dafür geleistet werden.”

(Geschichte der Juden / Cecile Roth / S. 355)

Auch zu dieser christlich-jüdischen Tradition und ihren Begleitumständen kann man bei Wikipedia näheres erfahren. (hier>>)

“Aber das ist doch alles Vergangenheit”, wird dann so mancher sagen. Natürlich ist das Vergangenheit, ebenso wie der Holocaust, der ist ja auch schon knapp 70 Jahre her. Aber was ist übrig geblieben von mindestens 1800 Jahren gemeinsamer Koexistenz? Wo sind die jüdischen Feiertage, wo ist der Judentumsunterricht in der Schule?

Man sollte mal die Probe aufs Exempel machen und auf der Staße den Durchschnittsdeutschen fragen was z.B. Sukkot ist, oder Rosch Haschana, Pessach, Jom Kippur, Purim oder Chanukka. Wollen wir ehrlich sein? Die überwältigende Mehrheit unter den Heranwachsenden, Erwachsenen und Senioren können mit diesen Begriffen gar nichts anfangen. Dies sind die größten Feiertage bei den Juden, die seit 1800 Jahren neben (und nicht mit) uns existieren.

Jeder, der diesen Kulturkampfbegriff der christlich-jüdischen Tradition gebraucht, ist ein erbärmlicher Lügner, Leugner und Heuchler.

Die Geltungskraft des jüdischen Rechts (Halacha)

Im Folgenden seht ihr einen Auszug aus dem Wörterbuch des jüdischen Rechts zum Thema der Geltungskraft. Für diesen, wie auch alle anderen Artikel bezüglich des jüdischen Rechts (Halacha), ist zu beachten, dass ich diese immer mit einem schielenden Auge auf die Muslime und das islamische Recht (Scharia) verfasse.

Wer sich also wundert, wieso der Ibn Rainer so viel über das Judentum schreibt, der muss sich ein wenig anstrengen und versuchen Zusammenhänge herzustellen. Für diejenigen, denen das ein wenig schwer fällt, werde ich hier einige wichtige Textteile unterstreichen.

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Buchauszug: Karl May – Kara ben Nemsi in der Sufi-Tekke

Wie der vorherige Buchauszug, Kara ben Nemsi trifft einen Schiiten, ist der folgende ebenfalls aus dem 3. Band des Orientzyklus von Karl May. Hier überredet sein Gefährte Isla ben Maflei ihn dazu, mit ihm gemeinsam eine Sufi-Tekke in Instanbul zu besuchen. Was dort passiert und was Karl May aka Kara ben Nemsi davon denkt, das lest einfach selber:

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Buchauszug: Karl May – Kara ben Nemsi trifft einen Schiiten

Karl May ist wohl der bekannteste und meistgelesene Schriftsteller der deutschen Trivialliteratur. Besonders berühmt und berüchtigt sind sein 6-bändiger Orientzyklus und seine Winnetou-Trilogie. Der folgende Ausschnitt stammt aus dem 3. Band des Orientzyklus (Von Bagdad nach Stambul) und beschreibt die Begegnung seines Alter Egos (zweites Ich) Kara ben Nemsi und seinen Begleitern Hadschi Halef Omar, Hassan Ardschir-Mirza und Sir David Lindsay mit einem Schiiten, den sie auf dem Weg nach Kerbala antreffen.

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Zitat: Roger Willemsen – Afghanisch-tadschikisches Grenzgebiet

„Am nächsten Tag erreichen wir nicht weit vor dem Ende der Straße einen heruntergekommenen Posten, wo ein Grenzsoldat bei einer Hütte wartet. Es ist ein Lädchen dabei, am Geländer lehnt ein langbärtiger Verwahrloster, vielleicht ein hängengebliebener Hippie, vielleicht ein Sufi, oder ein Gestörter.“

Roger Willemsen (in seinem Buch „Am Ende der Welt“)