Archiv der Kategorie: Literatur

Hier findet man Buchauszüge, Zitate, Sentenzen, Aphorismen, Rezensionen uvm.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Das Knechtische an der Landwirtschaft sind die Abgaben

«Als Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – eine Pflugschar in einem der Häuser seiner Anhänger (in Medina) sah, sprach er:

„Nie kam ein solches Gerät in jemandes Haus, ohne dass mit ihm (zugleich) Unterwürfigkeit einzog.“

Al-Bukhari bezog dies auf eine übertriebene Landwirtschaft und überschrieb dementsprechend das Kapitel mit „Warnungen vor den Folgen bei der (übertriebenen) Betätigung landwirtschaftlicher Gerätschaften bzw. der Überschreitung der vorgeschriebenen Grenzen“.

Der Grund – Allah weiß es am besten – ist wohl der, dass hieraus (der Landwirtschaft) Abgaben (an den Herrscher) resultieren, die (wiederum) dazu führen, dass man beherrscht wird und sich in der Gewalt (anderer) befindet. Derjenige, der Abgaben leisten muss, ist unterwürfig und in elender Lage, da er sich der Gewalt und Macht (eines anderen) beugen muss.

Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – sprach:

„Die (letzte) Stunde (der Welt) kommt nicht eher, bevor die Almosensteuer (Zakah) zu einer (willkürlichen) Abgabe geworden ist.“

Damit wies er auf einen (möglichen) tyrannischen Herrscher hin, der Gewalt gegen die Leute anwendet, der beherrschend und ungerecht ist, der die Rechte Allahs, des Erhabenen, die dieser gegenüber erworbenen Geldmengen besitzt, vergisst und der (schließlich) der Ansicht ist, dass alle (religiösen) Verpflichtungen (auch) Abgaben an die Herrscher und ihren Staat mit einschließen.»

(Ibn Khaldun / gest. 808 n.H., in al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Übersetzung leicht redigiert)

Auszug: Friedrich Nietzsche – Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer

«Irgendwo gibt es noch Völker und Herden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da gibt es Staaten. Staat? Was ist das?

Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker. Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.« Lüge ist’s! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.

Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele und heißen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin. Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten. Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und Bösen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten. Aber der Staat lügt in allen Zungen der Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er’s.

Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beißt er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide. Sprachverwirrung des Guten und Bösen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates.

Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes! Viel zu viele werden geboren: für die Überflüssigen ward der Staat erfunden! Staat nenne ich’s, wo alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller – »das Leben« heißt.»

(Friedrich Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“)

Buchauszug: Al-Turtushi -Besserer militärischer Schutz ohne staatlichen Sold

«Ich hörte einige andalusische Shuyukh, die teils aus der Armee [arab.: jund] stammten, teils nicht, sagen: Die Muslime blieben ihren Feinden überlegen und die Stellung ihrer Feinde war schwach und miserabel, solange man das Land den Soldaten als Iqṭāʿ [deutsch: Lehnsgut] überließ. Diese zogen Nutzen daraus und behandelten die Bauern rücksichtsvoll, wie ein Kaufmann seine Ware.

So gedieh das Land, die Einkünfte flossen reichlich, es gab einen Überfluss an Soldaten, und an Verpflegung und Waffen war mehr als nötig vorhanden. Das ging so, bis Ibn Abi ‘Amir in seinen letzten Tagen den monatlichen Heeressold wieder einführte, das Geld mit Gewalt einzog und Steuerbeamte auf das Land schickte, um die Steuern einzutreiben.

Doch diese (Steuerbeamten) fraßen die Untertanen auf, unterschlugen ihr Geld und führten sich anmaßend gegen sie auf. Da flohen die Untertanen und konnten das Land nicht länger bebauen, worauf die Steuern, die der Sultan erhielt, sich verminderten, das Heer schwach wurde und der Druck der Feinde gegen das Land der Muslime sich verstärkte; schließlich eroberten die Feinde sogar einen Großteil des Landes.

So blieben die Muslime schwach und ihre Feinde überlegen, bis die „Verschleierten“ [Almoraviden /al-Murābiṭūn] nach Spanien kamen und das Iqṭāʿ wieder einführten, wie es früher gewesen war.»

(Abu Bakr Muhammad at-Turtushi, gest. 520 n.H., in Siraj al-Muluk fi Suluk al-Muluk / Übersetzung von Bernhard Lewis/Hartmut Fähndrich in Der Islam in Originalzeugnissen – Religion und Gesellschaft, Verlag Edition Erdmann, 2005, Seite 142f / leicht von mir redigiert)

Buchauszug: Oswald Spengler – So entsteht der Nihilismus

«So entsteht der Nihilismus, der abgründige Haß des Proleten gegen die überlegene Form jeder Art, gegen die Kultur als deren Inbegriff, gegen die Gesellschaft als deren Träger und geschichtliches Ergebnis.

Daß jemand Form hat, sie beherrscht, sich in ihr wohl fühlt, während der gemeine Mensch sie als Fessel empfindet, in der er sich nie frei bewegen wird, daß Takt, Geschmack, Sinn für Tradition Dinge sind, die zum Erbgut hoher Kultur gehören und Erziehung voraussetzen, daß es Kreise gibt, in denen Pflichtgefühl und Entsagung nicht lächerlich sind, sondern auszeichnen, das erfüllt ihn mit einer dumpfen Wut, […].

Aber während man hier über die vornehme Form und die alte Sitte lächelt, weil man sie nicht mehr als Imperativ in sich trägt, und ohne zu ahnen, daß es sich hier um Sein oder Nichtsein handelt, entfesseln sie dort den Haß, der Vernichtung will, den Neid auf alles, was nicht jedem zugänglich ist, was emporragt und endlich hinunter soll.

Nicht nur Tradition und Sitte, sondern jede Art von verfeinerter Kultur, Schönheit, Grazie, der Geschmack sich zu kleiden, die Sicherheit der Umgangsformen, die gewählte Sprache, die beherrschte Haltung des Körpers, die Erziehung und Selbstzucht verrät, reizen das gemeine Empfinden bis aufs Blut. Ein vornehm gebildetes Gesicht, ein schmaler Fuß, der sich leicht und zierlich vom Pflaster hebt, widersprechen aller Demokratie.

Das otium cum dignitate statt des Spektakels von Boxkämpfen und Sechstagerennen, die Kennerschaft für edle Kunst und alte Dichtung, selbst die Freude an einem gepflegten Garten mit schönen Blumen und seltenen Obstarten ruft zum Verbrennen, Zerschlagen, Zertrampeln auf.

Die Kultur ist in ihrer Überlegenheit der Feind. Weil man ihre Schöpfungen nicht verstehen, sie sich innerlich nicht aneignen kann, weil sie nicht »für alle« da sind, müssen sie vernichtet werden.»

(Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung – 1. Teil: Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung, 1933, Kap. 11, Seite 57)

Auszug: Abdul Azim Islahi – Defizitfinanzierung im muslimischen Staatswesen

«Das  Konzept einer Defizitfinanzierung (sprich: Staatsverschuldung) war (im muslimischen Staatswesen) nicht vorhanden und auch nicht die Möglichkeit, wie heute, sich Geld von einer (staatlichen) Zentralbank zu leihen, da es so etwas (wie staatliche Zentralbanken) damals noch nicht gab.

Ebenso waren die Muslimischen Gelehrten [wie bspw. al-Ghazali, Ibn Taymiyyah & al-Maqrizi] gegen die (willkürliche) Entwertung und Manipulierung der Währung, um die Regierungsausgaben zu bewerkstelligen, und dies, weil es die gleichen Ursachen und Wirkungen gehabt hätte wie heutige (staatliche) Schuldenpolitik.

Während der Mamlukendynastie (787 – 922 n.H.)  fand (Währungsmanipulation) jedoch (erstmals) Verbreitung und führte unweigerlich zu einer Inflation. Al-Maqrizi schrieb alle ökonomischen Krisen seiner Zeit dieser Form der Geld- bzw- Schuldenpolitik zu.»

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 64, übertragen in die Deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Oswald Spenglers Darlegung der verschiedenen kulturellen Geistesepochen

Oswald Spengler unterteilt in seinem monumentalen kulturphilosophischen Geschichtswerk „Der Untergang des Abendlandes“ (1922) die Entwicklungsstadien der allgemeinen Geistesgeschichte in 4 Epochen, die er nach den Jahreszeiten benennt und innerhalb dieser Jahreszeiten in verschiedene Phasen einteilt.

FRÜHLING: Landschaftlich-intuitiv. Mächtige Schöpfungen einer erwachenden traumschweren Seele. Überpersönliche Einheit und Fülle.

  1. Geburt eines Mythus großen Stils als Ausdruck eines neuen Gottgefühls. Weltangst und Weltsehnsucht.
  2. Früheste mystisch-metaphysische Gestaltung des neuen Weltblickes.

SOMMER: Reifende Bewusstheit. Früheste städtisch-bürgerliche und kritische Regungen.

  1. „Reformation“: Innerhalb der Religion volksmäßige Auflehnung gegen die großen Formen der Frühzeit.
  2. Beginn einer rein philosophischen Fassung des Weltgefühls. Gegensatz idealistischer und realistischer Systeme.
  3. Bildung einer neuen Mathematik. Konzeption der Zahl als Abbild und Inbegriff der Weltform.
  4. „Puritanismus“: Rationalistisch-mystische Verarmung des Religiösen. Intellektueller Fanatismus.

HERBST: Großstädtische Intelligenz. Höhepunkt strenggeistiger Gestaltungskraft.

  1. „Aufklärung“: Glaube an die Allmacht des Verstandes. Kultus der „Natur“. „Vernünftige Religion“.
  2. Höhepunkt des mathematischen Denkens. Abklärung der Formenwelt der Zahlen.
  3. Die großen abschließenden Systeme.

WINTER: Anbruch der weltstädtischen Zivilisation. Erlöschen der seelischen Gestaltungskraft. Das Leben selbst wird problematisch. Ethisch-praktische Tendenzen eines irreligiösen und unmetaphysischen Weltstädtertums.

  1. Materialistische Weltanschauung: Kultus der praktischen Erfahrung des Nutzens, des Glückes.
  2. Ethisch-gesellschaftliche Lebensideale: Epoche der „Philosophie ohne Mathematik“.
  3. Innere Vollendung der mathematischen Formenwelt. Die abschließenden Gedanken.
  4. Sinken des abstrakten Denkertums zu einer fachwissenschaftlichen Kathederphilosophie. Kompendienliteratur.
  5. Das Ende: Ausbreitung einer letzten Weltstimmung.

In einer Schautafel vergleicht Spengler anhand dieser Unterteilung die Geistesgeschichten der indischen, der antiken (griechischen), der arabischen und der abendländischen Kultur.

Was meint ihr, an welcher Stelle er kurz und bündig „Mohammed, 620“ eingetragen hat?

Hier eine Neueditierung der Spenglerschen Schautafel auf http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-untergang-des-abendlandes-erster-band-5332/20

Buchauszug: Prof. Johann Jakob Bachofen – Weil ich die Freiheit liebe, so hasse ich die Demokratie

«Seit dem Siege von  Luzern hat sich die Lehre von der Volkssouveränität und der Allgewalt der Demokratie zur praktischen Grundlage unserer  öffentlichen Zustände ausgebildet. Ich zweifle nicht, daß sie zu allen, auch zu ihren äußersten Consequenzen fortschreiten wird, wenn es die Gestaltung der Europäischen Zustände erlaubt, und nicht große Unglücksfälle das Volk wieder zu den wahren Grundlagen eines gesunden Staatslebens zurückführen.

Aber vollendete Demokratie ist der Untergang alles Guten. Republiken haben von ihr am meisten zu fürchten. Ich zittre vor ihrer Ausbildung, nicht um Hab und Guts willen, sondern weil sie uns in die Barbarei zurückwirft. Die Lehre von der Volkssouveränität steht meinen tiefsten geschichtlichen und religiösen Überzeugungen entgegen. Nicht daß ich das Volk verachtete oder gar vor der Berührung mit ihm aus Ekel zurücktretete, — all das Elend, dem es unterliegt, würde ihm eher mein Herz gewinnen. Nein, weil ich eine höhere Weltordnung anerkenne, der allein die Souveränität und Majestät zukommen kann.

Aus dieser höhern Weltordnung stammt die obrigkeitliche Gewalt. Sie ist das Amt Gottes, so lautet die römisch-heidnische sowohl als die christliche Lehre. Auch Richteramt ist von Gott, und der es übt, übt ein Recht höhern Ursprungs. Das Amt habe ich von Gott, nur die Berufung dazu stammt mir vom Volke. In dem ersten Punkte stimmen alle Verfassungen überein, in dem zweiten, der Berufung, mag unter ihnen die größte Verschiedenheit herrschen, das ist das weniger Wesentliche.

Darin nun findet die heutige Demokratie ihre Verdammung, daß sie den göttlichen Charakter der Obrigkeit vernichtet, und die göttliche Staatsordnung in allen Stücken verweltlicht. Schon oft habe ich über das wahre Wesen der Demokratie nachgedacht. Nun, lassen sich nicht alle ihre Erscheinungen darauf zurückführen, daß sie die Auflösung jener Bande, welche des Menschen Seele an ein Höheres knüpfen, darstellen, und jene Scheu gebrochen ist, welche allein vermag, die wilden Leidenschaften, die auf dem Grund der Seele lauern, darniederzuhalten. Denn das ist der Fluch der Demokratie, daß sie ihre Verwüstungen in alle Gebiete des Lebens hineinträgt, Kirche, Haus und Familie gerade am schwersten ergreift, und für jede, auch die kleinste Frage den wahren Standpunkt verrückt. Weil ich die Freiheit liebe, so hasse ich die Demokratie.

Ja. die auf Selbstregierung ruhende Freiheit eines tapfern, frommen, gottesfürchtigen, arbeitsamen Volkes, das seine Vorfahren höher stellt als sich, mit der Vergangenheit nie bricht, und seiner Nachkommen mehr gedenkt als seines augenblicklichen Genusses, — ja der Genuß einer solchen Freiheit scheint mir reicher Ersatz für manche Entbehrung.»

 – Johann Jakob Bachofen (gest. 1887 n. Chr.),
Schweizer Rechtshistoriker, Altertumsforscher und Anthropologe,
(in «Autobiographische Aufzeichnungen» (an F. K. Savigny gerichtet), Herausg. H. Blocher, im Basler Jahrbuch (1917), S. 328-329)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Sind die Schwarzen die verfluchten Nachkommen von Ham ibn Nuh (alayhi salam)

«Einige Genealogen, die keine Ahnung von der Natur (solcher) Dinge haben, meinten, dass die Schwarzen die Kinder von Ham, dem Sohn von Noah, seien, die infolge der Verfluchung Hams durch Noah mit schwarzer Hautfarbe gezeichnet worden wären. Sie wähnten ferner, dass dieser Fluch dann in Hams Hautfarbe sowie darin, dass Allah dessen Nachkommen zu Sklaven werden ließ, sichtbar geworden wäre.

Was sie hierüber berichten, gehört zu den Phantastereien von Geschichtenerzählern. Die Flüche Noahs gegen seinen Sohn Ham sind in der Thora festgehalten, und es findet sich in ihr keinerlei Hinweis auf schwarze Hautfarbe. Noah verfluchte ihn, auf dass Hams Kinder zu Sklaven seiner Brüder, aber niemandes sonst würden. In der These über die Abstammung der Schwarzen von Ham spiegelt sich das Nichtwissen um die Natur von Wärme und Kälte sowie um deren Einflüsse auf die Luft und die Lebewesen, die diese Umgebung hervorbringt.»

(Ibn Khaldun / gest. 808 n.H., in al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Übersetzung leicht redigiert)

Buchauszug: Oswald Spengler – Islam war die beständige Fühlweise Jesu und die jeder andern Persönlichkeit von religiösem Genie

«Das Höhlengefühl fordert eine übersehbare Geschichte mit Weltanfang und Weltende, die zugleich Anfang und Ende der Menschheit sind, als den Akten einer zaubergewaltigen Gottheit und dazwischen, in die Grenzen der Höhle gebannt und von vorbestimmter Dauer, das Ringen des Lichtes mit der Finsternis, der Engel und Jazatas mit Ahriman, Satan, Iblis, in das der Mensch mit Geist und Seele verwickelt ist. Die gegenwärtige Höhle kann von Gott zertrümmert und durch eine neue Schöpfung ersetzt werden. […]

Daraus ergibt sich ein historischer Blick über die gegebene Zeit, wie er heute noch dem Menschen des Islam durchaus natürlich ist. „Die Weltanschauung des Volkes zerfällt naturgemäß in die großen Teile: Weltentstehung, Weltentwicklung, Weltuntergang. Für den so tief ethisch empfindenden Moslim ist in der Weltentwicklung das Wesentlichste die Heilsgeschichte und der ethische Lebensweg, die als ›Menschenleben‹ zusammengefaßt werden. Dasselbe mündet in den Weltuntergang, der die Sanktion der sittlichen Menschheitsgeschichte enthält.“ [Horten, Max]

Für das magische Menschendasein aber ergibt sich aus dem Gefühl von dieser Zeit und dem Erblicken dieses Raumes eine ganz einzige Art von Frömmigkeit, die ebenfalls höhlenhaft genannt werden darf, eine willenlose Ergebung, die das geistige Ich überhaupt nicht kennt und das geistige Wir, das in den beseelten Leib eingegangen ist, als bloßen Widerschein des göttlichen Lichtes empfindet. Das arabische Wort hierfür ist »islam«, Ergebung, aber »islam« war auch die beständige Fühlweise Jesu und die jeder andern Persönlichkeit von religiösem Genie, die in dieser Kultur hervorgetreten ist.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1922, Bd. 2, Seite 291-292)

Buchauszug: Ibn al-Athir – Als die Hanbaliten [323 n.H.] in Bagdad aktiv und mächtig wurden

«Im Jahre 323 (n.H.) wurden die Hanbaliten aktiv und mächtig. Sie begannen, in die Häuser von Offizieren und einfachen Leuten einzudringen, und wenn sie Wein fanden, schütteten sie ihn fort, und wenn sie eine Sängerin fanden, schlugen sie sie und zerbrachen ihre Instrumente.

Sie behinderten den Handel und mischten sich ein, wenn Männer mit Frauen und Knaben gingen. Wenn sie so etwas sahen, fragten sie den Mann über seinen Begleiter, und wenn ihnen seine Antwort nicht genügte, schlugen sie ihn, schleppten ihn zum Polizeichef und beschuldigten ihn der Unzucht. So schufen sie Unruhe in Bagdad.

Badr al-Kharsani, der Polizeichef, ritt am 10. Jumada ll aus und erließ in beiden Teilen Bagdads Aufrufe gegen die Gefährten des Abu Muhammad al-Barbahari, die Hanbaliten, wonach sich keine zwei von ihnen versammeln durften und ihre Imame nicht (vor)beten durften, ohne die Morgen- und Abendgebete (laut) mit „Bismillahi-r-rahmani-r-rahim“  zu beginnen.

Doch das nütze nichts, und ihr unseliges und Unruhe stiftendes Tun nahm zu. Sie suchten Hilfe bei den Blinden, denen die Moscheen als Unterkunft dienten, und wenn Anhänger der schafiitischen Rechtsschule vorbeigingen, stachelten sie die Blinden gegen sie auf, und diese schlugen sie mit ihren Stöcken fast zu Tode.

Eine Verordnung des Kalifen ar-Radi gegen die Hanbaliten wurde erlassen, die deren Vorgehen tadelte und sie anthropomorphischer Glaubensvorstellungen und anderer Lehren bezichtigte und in der es hieß:

„Ihr behauptet, eure hässlichen und abscheulichen Gesichter seien nach dem Bilde des Herrn der Welten geschaffen und eure abstoßende Gestalt sei Sein Abbild; ihr sprecht von Seinen Händen, Fingern, Füßen, goldenen Schuhen und Socken, auch davon, dass Er zum Himmel aufsteige und auf die Erde herabkomme – Allah sei hoch erhaben über all das, was Sünder und Ungläubige über Ihn sagen.

Dann verleumdet ihr die besten Imame und bezichtigt die Anhänger der Familie Muhammads – Allah segne und beschütze ihn – des Unglaubens und des Irrtums. Dann ruft ihr die Muslime zur Religion auf mit offensichtlichen Neuerungen und Irrlehren, die im Koran nicht bezeugt sind, und lehnt den Besuch der Imamgräber ab und beschimpft diejenigen, welche sie besuchen, und bezichtigt sie der Neuerung; doch gleichzeitig versammelt ihr euch und besucht das Grab eines Mannes aus dem einfachen Volk, eines Mannes ohne Ansehen, Abstammung oder Verschwägerung mit dem Gesandten Allahs – Allah segne und beschütze ihn – und befielt auch den Leuten es zu besuchen, und nehmt für ihn die Wunder der Propheten und er Heiligen in Anspruch.

Allah verfluche den Teufel, der euch solcherlei Abscheulichkeiten vorgaukelte, ebenso wie das, was ihn in die Irre führte. Und nun leistet der Fürst der Gläubigen einen heiligen Eid, dessen Erfüllung zwingend ist, dass er über euch, solltest ihr euch nicht von euren verderblichen Lehren und krummen Wegen abwenden, Schläge und Verbannung, Tod und Beseitigung bringen und gegen eure Hälse das Schwert und gegen eure Wohnungen das Feuer gebracht wird.“»

(Ibn al-Athir, in seinem Geschichtswerk Al-kamil fī t-tarīh, übersetzt von Bernard Lewis bzw. Hartmut Fähndrich in Der Islam in Originalzeugnissen – Band 2: Religion und Gesellschaft, Seite 27)

`Abd al-Qadir al-Jilani: 10-Punkte-Leitfaden für eigenverantwortliches Handeln

10-Punkte-Leitfaden für selbstverantwortliches Handeln, zusammengefasst von Sh. Joe Bradford aus Al-Ghunya li-Talibi Tariq al-Haqq von Imam `Abd al-Qādir al-Jīlānī:

  1. Gebrauche Allahs Namen nicht unbedacht.
  2. Gib das Lügen auf.
  3. Breche niemals deine Versprechen.
  4. Verfluche niemanden und füge keinem anderen Schaden zu.
  5. Auch wenn dir Unrecht widerfährt, sei niemals selbst ungerecht zu anderen.
  6. Urteile nicht über andere und stempele sie nicht ab.
  7. Unterlasse es, auf die Sünden anderer zu schauen.
  8. Bürde anderen nichts auf, mache es ihnen nicht schwer.
  9. Beneide andere nicht, missgönne oder begehre nicht ihr Eigentum.
  10. Zeige Menschlichkeit der gesamten Schöpfung gegenüber.

Buchauszug: Oswald Spengler – Die bolschewistischen Kreuzzüge in die arabische Zivilisation

«Der Islam hat dieser Welt endlich und viel zu spät das Bewußtsein der Einheit verliehen, und darauf beruht das Selbstverständliche seines Sieges, das ihm Christen, Juden und Perser fast willenlos zuführte.

Aus dem Islam hat sich dann die arabische Zivilisation entwickelt, die in ihrer höchsten geistigen Vollendung stand, als vorübergehend die Barbaren des Abendlandes hereinbrachen und nach Jerusalem zogen. Wie mag sich dies Schauspiel in den Augen vornehmer Araber ausgenommen haben? Etwas bolschewistisch vielleicht?

Für die Politik der arabischen Welt waren die Verhältnisse in „Frankistan“ etwas, auf das man herabsah.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 606)

Buchauszug: Oswald Spengler – Die Seele der magischen Kultur fand im Islam ihren wahren Ausdruck

«Der Islam ist eine neue Religion fast nur in dem Sinne, wie das Luthertum eine solche war. In Wirklichkeit setzt er die großen Frühreligionen fort. Und ebensowenig ist seine Ausbreitung, wie immer noch geglaubt wird, eine Völkerwanderung, die von der arabischen Halbinsel ausgeht, sondern vielmehr ein Ansturm begeisterter Bekenner, der lawinengleich die Christen, Juden und Mazdaisten mit sich reißt und als fanatische Moslime alsbald an der Spitze führt.

Es waren Berber aus der Heimat Augustins, die Spanien eroberten, und Perser aus dem Irak, die zum Oxus vordrangen. Die Feinde von gestern wurden die Vorkämpfer von morgen. Die meisten »Araber«, die 717 zum ersten Male Byzanz angriffen, sind als Christen geboren worden. Um 650 erlischt mit einem Schlage die byzantinische Literatur, ohne daß der tiefere Sinn davon bis jetzt bemerkt worden wäre: diese Literatur setzt sich in der arabischen fort; die Seele der magischen Kultur fand endlich im Islam ihren wahren Ausdruck. Damit ist diese Kultur wirklich »arabisch« und endgültig von der Pseudomorphose erlöst worden. […]

Die großen Gestalten der Umgebung Mohammeds wie Abu Bekr und Omar sind durchaus den puritanischen Führern der englischen Revolution wie John Pym und Hampdon verwandt, und diese Ähnlichkeit der Gesinnung und Haltung würde noch größer sein, wüßten wir mehr von den Hanifen, den arabischen Puritanern vor und neben Mohammed.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 933 f.)

Buchauszug: Oswald Spengler – Khawarij, die muslimischen Jakobiner

Es gibt Momente im Leben eines Autodidakten, die ihn mit unglaublicher Befriedigung erfüllen. Einer dieser Momente ist, wenn man im Werk eines bedeutenden Gelehrten eine bisher ungeläufige fachliche Einschätzung vorfindet, die man zuvor- völlig unabhängig davon – bereits selbst in Erwägung zog.

Dies erlebte ich bspw. kürzlich, als ein auf Facebook mit mir befreundeter Muslimbruder einen Auszug aus Oswald Spenglers kulturphilosophischen Geschichtswerk Der Untergang des Abendlandes publizierte. Spengler selbst bezeichnet dieses sein Hauptwerk als eine Morphologie der Weltgeschichte. Er vergleicht darin das Abendland unter kulturhistorischen Gesichtspunkten mit anderen großen Hochkulturen der Weltgeschichte.

Interessanterweise ist Spengler der Ansicht, dass es sich beim Aufkommen der Charidschiten (Khawarij) um das Inerscheinungtreten eines demokratisch-puritanischen Jakobinertums handelte; ein Gedanke, der vor über einem Jahr mein Antrieb zum Blogbeitrag „ISIS vs. Frankreich: Wenn Terror die historische Grundlage eines Staates ist“ war.

Ebenfalls erwähnenswert ist auch seine Einschätzung, dass das Schiitentum direkt etwas mit dieser Entwicklung zutun hatte und dass sich hieraus letztendlich auch ein früher (Proto-)Kommunismus generierte.

Aber lest selbst:

«Von Kufa geht die Bewegung aus, welche zum Untergang der Ommaijaden und ihres ancien régime führt, und sie hat, was in seiner ganzen Tragweite bis jetzt noch nie erkannt worden ist, den Charakter einer sozialen, gegen die Urstände und die vornehme Tradition überhaupt gerichteten Revolution. […]

Schon im Heere Alis hatten sich die ganz demokratischen und puritanischen Charidschiten abgesondert. In ihren Kreisen erscheint jetzt zum erstenmal die Verbindung von fanatischem Sektenwesen und Jakobinertum.

Hier ist damals nicht nur die schiitische Richtung entstanden, sondern auch der früheste Ansatz zur kommunistischen Churramija, die sich bis auf Mazdak zurückleiten läßt und später die ungeheuren Aufstände unter Babak hervorrief.»

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Seite 1091 f.)