Archiv für den Monat: November 2013

Gutes Benehmen ist die beste Dawa?

von Yahya ibn Rainer

Ich habe diesen Satz schon des öfteren gehört und leider auch schon einige Male wiederholt. Er klingt auf Anhieb recht plausibel, da er ja das gute Benehmen fördern soll und dieses auch tatsächlich Anklang findet bei den nichtmuslimischen Mitbürgern. Aber ist dieses Benehmen wirklich das beste Mittel zur Dawa? Ich sage: NEIN !!!

Gutes Benehmen sollte als selbstverständlich gelten in einer Gesellschaft und man findet es ebenso bei Nichtmuslimen. Was den Islam in erster Linie ausmacht ist der Tauhid, der islamische Monotheismus. Die Grundlage für die Dawa ist der Islam und nicht der Muslim. Was kann nämlich passieren, wenn ein Mensch aufgrund des guten Benehmens einiger Muslime den Islam annimmt und nicht wegen des Tauhids?

Der Anteil an praktizierenden Muslimen hier in Deutschland ist katastrophal niedrig. Wenn ich sage, dass 10% aller hier in Deutschland lebenden Menschen, die sich selbst Muslim schimpfen, tatsächlich auch diese Religion ernsthaft praktizieren, dann ist das sicherlich schon heillos übertrieben. Aber gehen wir mal davon aus, dann sind von diesen 10% vielleicht gerade einmal 1% auch wirklich an der Einladung zum Islam (Dawa) interessiert. Dieser 1% strengt sich also mächtig an, in Gegenwart von Nichtmuslimen ein einwandfreies Benehmen zu zeigen.

Nimmt dieser beeindruckte Nichtmuslim dann den Islam an, dann dauert es nicht lange, bis er in Kontakt mit den anderen 9% kommt, die zwar den Islam praktizieren, sich aber nicht ständig bewusst unter Kontrolle haben. Und noch ein wenig später stößt der Konvertit dann auch auf die restlichen 90% … und die haben nicht selten, leider leider leider, ein absolut katastrophales Benehmen.

Bei Allah, hätte ich vor ca 7 Jahren den Islam wegen dem Wohlverhalten einiger Muslime angenommen, ich wäre schon viele Male wieder von der Religion abgefallen. Das übertriebene Zeigen von Benehmen zum Zwecke der Dawa ist im Grunde nichts anderes als Taqqiya. Es entspricht nicht der Realität und das kann man nicht verbergen. Bevor wir also die Menschen täuschen, machen wir lieber Dawa mit einer unumstößlichen Tatsache, deren Gegenteil keinerlei Beweise hat, nämlich …

… dass es nur einen Schöpfer, Lenker und Erhalter des gesamten Universums gibt und nur ER der Anbetung würdig ist.

Und wir, seine Diener, sind schwach und sündig und IHN nicht würdig, und nur allein durch SEINE Barmherzigkeit können wir Vergebung und Erlösung erlangen.

Buchauszug: Roland Baader – Die Grenzkosten-Illusion und ihre Medizin

„Der bedeutendste Freiheitsdenker der Gegenwart, der Philosoph Anthony de Jasay, hat mit zwingender Gedankenführung dargelegt, daß der logische Endpunkt aller Politik der Totalitarismus sein muß. Das gilt auch für die politische Entwicklung in den demokratischen und (noch) halbwegs freien Staaten. Der Hauptgrund ist in dem Umstand zu suchen, daß die Grenzkosten (Kosten der letzten hinzukommenden Einheit) der öffentlichen Güter von jedem Bürger als Null empfunden werden – und für jeden Einzelmenschen auch tatsächlich fast gleich Null sind, obwohl die Gesamtkosten ihrer Bereitstellung gigantisch sind. Dafür ein Beispiel:

Jeder Vater oder jede Mutter, die ihr Kind zur Schule schicken, wissen (oder empfinden), daß die Schulausbildung ihres Kindes die Gemeinschaft nicht mehr kostet, als wenn es zuhause bliebe. Anders gesagt: Wenn das Kind – z.B. wegen Krankheit – sein Leben lang nicht zur Schule gehen könnte, so wäre die entsprechende Einsparung im gesamten Bildungswesen gleich Null oder fast gleich Null. Entsprechendes denkt der Autofahrer hinsichtlich der Kosten der Verkehrswege. Wenn er als einzelner Mensch das Autofahren aufgeben würde, hätte das Verkehrsministerium nichts davon. Die Bau- und, Unterhaltskosten des Verkehrsnetzes würden nicht sinken (und also auch nicht steigen, wenn jener einzelne Autofahrer die Fahrpraxis wieder aufnähme). Zugleich aber verschlingen die öffentlichen Güter namens Bildungswesen und Verkehrswege immense Summen.

Die Folge dieser „Grenzkosten-Illusion“ ist, daß für jeden Einzelmenschen der Nettonutzen, den er durch die zunehmende Bereitstellung öffentlicher Güter erwartet, subjektiv stets positiv ausfällt. Also wird er es begrüßen – oder sogar fordern, daß der Staat (die Politik) immer mehr und mehr Güter und Dienste als jeweils öffentliches Gut bereitstellt. Am Ende dieser „konstitutionellen Straße“, so Jasay, steht die praktische Allmacht der kollektiven Entscheidung (die allmächtige Politik), die sogar über ihre eigenen Regeln entscheidet und somit totalitär geworden ist. Aufzuhalten wäre dieser Marsch in die Knechtschaft nur dann, wenn ein bedeutender Teil der Bevölkerung ihr nutzenmaximierendes Verhalten (hinsichtlich öffentlicher Güter – sprich: Staatsleistungen) stark einschränken würde. Aber eine solche Einschränkung des verstandesgemäßen Eigeninteresses wird nur stattfinden, wenn viele oder die meisten Menschen – gewissermaßen „blind“ auf metaphysische Normen und Werte vertrauen, also sich freiwillig religiösen Verhaltensregeln oder Tabus unterstellen.

(Roland Baader, Das Kapital am Pranger – Ein Kompaß durch den politischen Begriffsnebel, Seite 214 / Hervorhebung durch Unterstrich von mir)

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Der Verfall der Rechtsidee in der Demokratie

«Der Verfall des Regimes hängt mit dem Verfall der Rechtsidee zusammen

Bei der Rede über eine so wichtige und schwierige Materie kann man nicht genug Sorgfalt darauf verwenden, jedes Mißverständnis auszuschließen.

Diskussionen über die Demokratie, Argumentationen für oder gegen sie sind wertlos, solange man nicht weiß, worüber der andere spricht. So viele Autoren, so viele Definitionen. Dieselbe Vokabel faßt oft widersprüchliche Bedeutungen. Auf der einen Seite sind es im wesentlichen die Bedeutungen „Freiheit“ und „Legalität“‚ auf der anderen Seite ist es die Bedeutung „absolute Volkssouveränität“.

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Auszug: Ferdinand A. Hoischen – Tradierte abendländische Rechtsauffassung

„Recht und Gesetz

Im Mittelalter existierte eine Fülle von kirchlichen und weltlichen Rechtsnormen und Rechtsvorschriften. Entgegen der weit verbreiteten Meinung vom „finsteren Mittelalter“ gab es so gut wie keine rechtsfreien Räume. Alle Belange des zwischenmenschlichen Miteinanders waren in irgendeiner Weise geregelt. […]

Das grundlegende Prinzip mittelalterlicher Politik war, dass alle, auch der König, durch das Recht gebunden waren, dass ein rechtloser Herrscher kein rechtmäßiger König ist, sondern ein Tyrann, dass dort, wo keine Gerechtigkeit herrscht, auch kein Gemeinwesen Bestand haben kann und dass ein Vertrag besteht zur Wahrung des Rechts zwischen Herrscher und Untergebenen. Der König war nicht dazu da, Gesetze zu erlassen, sondern das vom Volk durch Gewohnheit geschaffene Recht zu bewahren. König und Volk waren nicht einander verpflichtet, sondern Vielmehr beide gleichermaßen dem Recht – mit der Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die Unversehrtheit des Rechts erhalten wurde. Eine Rechtsverletzung durch eine Seite gab der anderen Seite die Verpflichtung, die Verletzung zu beseitigen.

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