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Fanboys: Die religiöse Willkür im dualen System

von Yahya ibn Rainer

Die Selbstermächtigung des Individuums durch Wissen hat seine Grenze, nämlich genau dort, wo die Fähigkeit des jeweiligen Individuums endet, sich bestimmtes Wissen anzueignen. Die komplette Selbstermächtigung erfordert jedoch nicht nur eine ganze Bandbreite an Wissensfeldern, sondern auch auf jedem einzelnen Gebiet dieser Bandbreite ein lückenloses Verständnis.

Was mir bei Jungsalafisten (besonders der Gattung IS-Fanboy) aufgefallen ist, bestätigt nicht nur meinen Zweifel daran, dass eine komplette Selbstermächtigung überhaupt möglich ist, sondern zeigt auch auf, dass die Ideologie dieser Heißsporne vor allem auf der demokratischen Auffassung basiert, dass Wissen und Nichtwissen politisch gleichberechtigt sind.

Der Fiqh scheint leicht, wenn er den Einfältigen in kleinen und vorgefertigten Häppchen kredenzt wird. Jedoch weiß man in den Kreisen der Rattenfänger um die niedere Auffassungsgabe ihrer Klientel. Also selektiert man ihnen Meinungen vor, die 1. in die eigene Ideologie passen und 2. über das duale System von halal und haram nicht hinausgehen. Hierbei pflegen die Einfältigen ausschließlich nach dem Dalil zu fragen, wenn ihnen nicht gefällt was sie lesen. Was ihnen wiederum vorzüglich in den fanatischen Kram passt, winken sie problemlos auch ohne Beweise durch.

Der Versuch, einem solchen einfältig-aufgeklärten und stallgemästeten IS-Demokraten die Matrizen rechtschaffender Taten zu erklären – wie z.B. den Ethos oder die Weisheit -, entlockt ihm bestenfalls die Mimik eines sabbernden Patrick Star oder im schlimmsten Fall die reflexartige Bid’ah-, Kuffr- oder Shirk-Rhetorik.

Die duale Welt von halal und haram ist ihnen genug an Wissen, oder besser ausgedrückt: Hiermit ist die Grenze der Auffassungsgabe erreicht. Ihre Handlungen erfahren keinen sittlichen Rahmen, und auch die Abwägung der eigenen Taten, geprägt von Weisheit und Empathie, überfordert zumeist ihren begrenzten Verstand.

Dabei lässt sich die Einfältigkeit dieses dualen Islamverständnisses recht leicht darstellen.
Wie rechtfertigt ein IS-Fanboy für gewöhnlich die Handlungsweisen seiner Idole? Wie reagiert er auf die Frage: Wieso haben sie das getan?

Er sagt: Es ist erlaubt!

Hierzu zeigt er vielleicht einen Gelehrtenspruch auf (oder eine ganze Palette davon) und im besten Fall einige Ahadith und Ayat. Damit ist für ihn die Sache gebongt.

Es ist erlaubt, also mache ich es. Dies ist das einfache und (auf ihrem Niveau) schlüssigste Argument.

Nun denn, Allah hat uns Männern in Seinem Buche auch erlaubt unsere Frauen zu schlagen. Wir kennen alle diese Ayah, die uns von Islamkritikern immer wieder um die Ohren gehauen wird. Wir dürfen unsere Frauen schlagen, es ist halal. Und? Ist es deshalb eine gute Tat? Wenn jetzt ein Muslim mit einer gewissen Gewaltaffinität jede ihm nur mögliche Gelegenheit nutzt, um seine Ehefrau mit Schlägen zu drangsalieren, nur weil es ihm erlaubt ist, ist das gut?

Nein, natürlich ist das nicht gut. Weder lehrt uns das unsere religiöse Ethik/Sitte, noch ist es mit der Weisheit und Empathie eines gesunden Verstandes vereinbar.

Und wer ist hier unser bestes Beispiel? Der Gesandte Allahs natürlich, Allah segne ihn und schenke ihm Heil; von dem uns überliefert wird, dass er nie auch nur eine einzige seiner Frauen geschlagen oder hart angegangen hat, obwohl er der Empfänger der Worte Allahs war und am besten wusste, dass es ihm erlaubt ist.

Zudem ist ebenfalls von ihm überliefert, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, dass er Frauen davon abriet, Männer zu ehelichen, die dafür bekannt waren ihre Frauen zu schlagen, obwohl Allah es diesen Männern im Quran erlaubte.

Was lernen wir daraus?

Es gibt mehr als nur halal und haram. Unsere Taten erfordern Instanzen die darüber hinausgehen. Hier kommt der Charakter ins Spiel, das gute Verhalten. Das schwerste Gewicht, das am Tage des Gerichts in die Waage des Gläubigen gelegt wird, wird das gute Verhalten sein. Allah weiß, weshalb du ein bestimmtes islamisches Urteil bevorzugt hast, Er weiß, ob du dir diese Sondermeinung nur zur Rechtfertigung deiner Gelüste zu Eigen gemacht hast, weil sie so gut zur Ideologie deiner Sekte passt oder weil du einfach zu stolz warst, das mehrheitlich vorherrschende Urteil zu akzeptieren, das von Gelehrten stammt, die auch Einblick haben in die Umstände zu dieser Zeit und an diesem Ort.

Allah aufrichtig zu fürchten, bedeutet auch, die eigenen Taten regelmäßig zu hinterfragen und zu prüfen. Besonders wenn es um solche elementaren Dinge wie Leben und Tod geht. Und der Gottesehrfurcht ist es in aller Regel näher, in all seinen Taten auf Nummer sicher zu gehen.

Wa Allahu 3alem.

Kommentar: Meine Verteidigung Imam al-Ghazalis

Das Folgende ist ein Kommentar von mir, den ich als Antwort auf einen anderen Kommentar verfasst habe. Beide Kommentare befinden sich unter meinem Beitrag "Ratschlag an die Notgeilen: Die Pflichten gegenüber den leibeigenen Mägden" im Ahlu-Sunnah-Blog. Der Kommentar ist leider so lang geworden, dass ich die Arbeit dafür nicht nur für einen Kommentarbereich geleistet haben möchte. Deshalb also hier eine Kopie meiner Verteidigung Imam al-Ghazalis:

Wa alaykum assalam wa rahmatullah

Ich habe lange überlegt, ob ich zu deinem Kommentar etwas schreiben soll. Eigentlich habe ich die Gewohnheit abgelegt, mich in endlosen Debatten zu ergehen. In diesem Fall möchte ich zumindest bezüglich deiner Bewertung von Imam al-Ghazali etwas lesbares für die Nachwelt hinterlassen.

Im Gegensatz zu anderen Autoren dieses Blogs, vertrete ich die Ansicht, dass Gelehrte – und somit auch ihre Abhandlungen und Fatawa – einen gewaltigen Nutzen für uns Muslime haben.

Das WISSEN ist von außerordentlicher Eminenz.

Al-Hafizh ibnul-Qayyim al Jawziyyah – Allah sei ihm gnädig – kommentiert in seinem „Miftaah Daaris Sa’aadah“ die 18. Ayah in Sure al’Imran, deren ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache etwa folgendermaßen lautet:

«Bezeugt hat Allah, daß kein Gott da ist außer Ihm Selbst; und die Engel und die Wissenden (bezeugen es); Er sorgt für die Gerechtigkeit. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen.»

Ibnul Qayyim nennt insgesamt 9 Punkte, allein nur um die Stellung der „Wissenden“ darzulegen, die in dieser Ayah genannt werden. Ich werde leider nicht umhin kommen, hier alle 9 Punkte zu nennen.

Ibnul Qayyim schrieb:

«Dieser Vers zeigt die Überlegenheit des Wissens (`ilm) und seiner Leute; die folgenden Punkte können aus dem Vers abgeleitet werden:

1. Allah erwählte die Leute des Wissens (Ulul-`ilm) um Seine Einzigkeit (tauhid) über den Rest Seiner Schöpfung zu bezeugen.

2. Allah ehrte die Leute des Wissens dadurch, dass Er ihre Bezeugung gemeinsam mit Seiner Bezeugung nennt.

3. Er erhob den Status der Gelehrten, indem Er ihre Bezeugung mit der Bezeugung der Engel assoziierte.

4. Dieser Vers zeugt von der Überlegenheit derer die Wissen besitzen. Allah lässt nicht ein einziges Seiner Geschöpfe bezeugen, mit Ausnahme der Aufrechten unter ihnen.
Es gibt da eine sehr bekannte Überlieferung vom Propheten – sall´Allahu alayhi wa salam -, der sagte:
„Die Aufrechten in jeder Generation werden dieses Wissen weitertragen und werden die Verfälschungen der Extremisten und die falschen Behauptungen und die (falschen) Interpretationen der Unwissenden zurückweisen.“
(hasan)

5. Allah, der Eine, frei von jeglichen Mängeln, zeugt hier selber von seiner Einzigkeit, und Er ist der größte aller Zeugen. Dann wählte er aus Seiner Schöpfung (als Zeugen) die Engel und die Gelehrten – das ist ausreichend um ihre Qualität zu zeigen.

6. Allah ließ die Gelehrten mit dem allergrößten Zeugnis bezeugen, welches lautet: „Niemand hat das Recht angebetet zu werden außer Allah!“ Allah, der Eine, frei von allen Mängeln und der Allerhöchste, gehört eigentlich nicht zu den Zeugnisabgebenden, es sei denn es handelt sich um Angelegenheiten mit höchster Wichtigkeit, und nur die großartigsten Geschöpfe Allahs bezeugen dies ebenfalls.

7. Allah machte die Bezeugung der Leute des Wissen zu einer Prüfung gegen die Ungläubigen, auf das sie die Beweise und die Zeichen Seiner Einzigkeit (den Tauhid) annehmen mögen.

8. Allah, der allerhöchste, benutzte ein einziges Verb (shahida) welches sich auf Seine Bezeugung und die Bezeugung der Engel und Gelehrten bezog. Er benutzte kein zusätzliches Verb für ihre Bezeugungen; und damit verband Er ihre Bezeugungen mit der Seinen. Dieses zeigt die enge Verbindung zwischen ihren Bezeugungen und Allahs Bezeugung, als ob Er selber Seine Einzigkeit mit ihren Zungen bezeugte und sie dieses Zeugnis aussprechen ließ.

9. Allah, der Eine, frei von jeglichen Mängeln, ließ die Gelehrten durch diese Bezeugung Sein Recht (Das niemand das Recht hat angebetet zu werden außer Allah) erfüllen und wenn sie es erfüllen, dann erfüllten und etablierten sie dieses Recht Allahs auch auf sie. Ab diesem Moment ist es verpflichtend für die ganze Menschheit diese Bezeugung zu akzeptieren, welche das Mittel ist um die Glückseligkeit im diesseitigen Leben und am letzten Tag der Rückkehr (zu Allah) zu erreichen. Wer auch immer diese Weisung und Führung der Gelehrten annimmt und diese Wahrheit ihrer Bezeugung akzeptiert, dann gibt es für die Gelehrten eine Belohnung in der gleichen Höhe wie für die Folgenden. Und niemand kennt den Wert dieser Belohnung, außer Allah.»

Jetzt möchte ich gern auf deine Beurteilung von Imam al-Ghazali eingehen, die du in deinem Kommentar wie folgt in Worte gefasst hast:

«Nun ist es aber so, dass Al Ghazali in diesen Themen [wie leider auch in vielen anderen spezifischen Fiqh Themen] nicht gerade seine Wissenschaftliche Stärke hat. So wurde und wird er bis heute, eigentlich nicht herangezogen, wenn es um diese Fiqh Angelegenheiten geht.
Das Zitat von Ghazali nimmt allerdings ca. 50 % deines gesamten Beitrags ein.
Zu den Worten von Ghazali: An keinster Stelle bringt er Quellen, den Sanad oder sonstwas, zu dem was er berichtet. »

Ich möchte gerne, lieber Abdul Jabbar, dass du dir deiner Stellung bewusst wirst. Damit meine ich nicht deine gesellschaftliche Stellung, deine Stellung in einer Moschee oder in Foren, Telegram- bzw. WhatsApp-Gruppen. Es geht um deine Stellung als Wissender, als Gelehrter. Nimm z.B. einen ausgebildeten DITIB-Imam. Wenn du mit ihm sitzt und ihr vergleicht eurer Wissen über den Quran und die Sunnah. Wie viel kennt der ausgebildete Imam an Quran und Ahadith auswendig? Es geht nicht darum, ob seine (vielleicht staatlich genötigten) Urteile korrekt sind, sondern was er weiß und kennt in der Religion. Meinst du, es könnte für dich knapp werden? Gehen wir einmal davon aus, dass du für dich das gleiche Wissens-Niveau in Anspruch nimmst wie so ein ausgebildeter DITIB-Imam.

Dann realisiere, dass dieser DITIB-Imam lediglich der ausgebildete Schüler eines unbedeutenden Professors ist, der jedoch viel mehr Wissen hatte als er. Dieser Professor wiederum hat im besten Fall bei einem Großgelehrten studiert. Und die Großgelehrten unserer Zeit? Sie halten sich für gering im Vergleich mit den früheren Großgelehrten. Und diese frühen Großgelehrten wiederum hatten auch Vorbilder. Die Besten der Allerbesten, die das Niveau eines ausgebildeten DITIB-Imams in einem Ausmaß überstrahlten, welches kaum in Worte zu fassen ist, wurden von den Großgelehrten jedes Jahrhunderts, als die „Wiederbeleber der Religion“ (Mudschaddid) bezeichnet. Also hatte jedes Jahrhundert einen Großgelehrten, den beinah alle darauf folgenden Großgelehrten mit diesem Titel ehrten.

Der Mudschaddid des 5. Jahrhunderts nach Hijra ist (mit überwältigender Mehrheit der Großgelehrten aller Zeiten bis heute) der Imam Abū Hāmid Muhammad al-Ghazālī; so bestätigt es auch Schams ad-Dīn Muhammad adh-Dhahabī in seinem „Siyar a’lam al-nubala’“.

Al-Ghazalis Hauptwerk, Iḥyā ulūm ad-dīn (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften), gilt auf vielen Gebieten der religiösen Wissenschaften geradezu als grundlegend. Besonders in der islamischen Ethik erfuhr er über alle sunnitischen Rechtsschulen hinaus größte Zu- und Übereinstimmung bei den führenden Großgelehrten.

Abū l-Faradsch ʿAbd ar-Rahmān Ibn al-Dschauzīs „Minhādsch al-Qāsidīn“ und Muwaffaq ad-Dīn Abū Muhammad ʿAbdallāh ibn Qudāma al-Maqdisīs „Mukhtasar Minhādsch al-Qāsidīn“ basierten im vollen Umfang auf dem Ihya al-Ghazalis.

Die Schwächen des Imams in seinem Ihya waren vor allem im Bereich der Mystik/Sufistik zu finden. Hier wurde ihm insbesondere ein unkritischer Umgang mit Überlieferungen vorgeworfen. Aber die Mehrheit der gewaltigsten Gelehrten nach ihm, haben darin keinen Makel erkannt, der den Status des Mudschaddid hätte abschwächen können.

Wenn ich nun also von dir lese – einem Muslim, der vielleicht auf dem Niveau eines ausgebildeten Moschee-Imams ist (wenn überhaupt) -, „dass Al Ghazali in diesen Themen [wie leider auch in vielen anderen spezifischen Fiqh Themen] nicht gerade seine Wissenschaftliche Stärke hat.“, dann muss ich dir im vollem Umfang widersprechen.

Es mag vielleicht sein, dass die grundlegenden Werke des schafiitischen Fiqh al-Ibadah den Imam nicht allzu oft erwähnen, aber auf den allermeisten anderen Gebieten des Fiqh (und hier vor allem auf dem Gebiet der Ethik) ist Imam al-Ghazali nicht nur im schafiitischen Fiqh, sondern auch darüber hinaus, in allen 4 Rechtsschulen, anerkannt und respektiert.

Dass frühere Gelehrte ihre Werke ohne die heute so üblichen Quellenverweise schrieben, war durchaus normal und weit verbreitet. Dies ist aber kein Indiz dafür, dass die genannten Überlieferungen, Aussprüche und Zitate inhaltlich falsch sind. Vielmehr war zur damaligen Zeit die Unterscheidung zwischen Wissenden und Unwissenden viel deutlicher. So musste man für die Wissenden solche Quellenverweise gar nicht großartig anführen, da diese sowieso in Quran, Sunnah und Sekundärliteratur bewandert waren; und die Unwissenden – das allgemeine Volk – konnten mit derlei Angaben gar nichts anfangen bzw. sie nicht verifizieren.

Diese Gewohnheit kam erst auf, als Halb- und Viertelgelehrte, wie du und ich, auf der Bildfläche erschienen und damit begannen, den Gelehrten ihr Wissen abzusprechen und ihre Beweise zu hinterfragen. Auch wir können heutzutage solche Quellenverweise nicht wirklich selbst verifizieren, sondern müssen dazu wiederum auf die Expertisen von Gelehrten zurückgreifen … mit dem Unterschied, dass wir Dank Google nun die freie Auswahl haben, wessen Expertise zur Quelle uns am besten in den ideologischen Kram passt.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Du und ich, wir sind geblendet von der Illusion, dass wir etwas Wissen besitzen, möge Allah uns diese Anmaßung vergeben. Aber die Disqualifikation eines Mudschaddid, den die größten Gelehrten der Ahlus Sunnah bestätigten und lobten, geht wirklich zu weit. Ich halte das für eine Anmaßung sondergleichen.

Wa Allahu 3alem.

 

Nehmt euch nicht selbst als Maßstab

von Yahya ibn Rainer

Zu Beginn ist jeder still und reuig, weil er unwissend ist. Dann beginnt er den Islam zu praktizieren. Immer, wenn er nun etwas Neues lernt, fühlt er sich besser und sieht sich in der Lage, den anderen, die dieses Wissen noch nicht erlangten, ihre Unwissenheit zum Vorwurf zu machen. Dies geht immer und immer weiter so, bis man Werke von Gelehrten gelesen und Hadithe gelernt hat.

Ich denke, hier steckt ein gewaltiges Problem im Verständnis eines gottgefälligen Muslimlebens. Niemand hat von den Awwam (normalen Muslimen) zu erwarten, dass sie Hadithbücher auswendig lernen oder anderweitig Wissende in den diversen Wissenschaften der Religion werden.

Diese Auffassung einiger Brüder ist nicht selten der Ausdruck einer maßlosen Selbstgerechtigkeit, die den Muslim dazu verleitet, immer wieder sich selbst zum Maßstab zu machen.

So lange man es selbst nicht erlernt hat, ist man natürlich still, aber beherrscht man es (oder glaubt es zumindest), macht man allen anderen ihre Unwissenheit zum Vorwurf. Dieses Denken ist ein Hauptgrund für den Salafi-Burnout vieler junger Muslime, die den hohen Ansprüchen einiger Selbstdarsteller nicht mehr gerecht werden können.

Die Religion wurde kompliziert und schwer gemacht, weil sich die Awwam anmaßen, in wissenschaftlichen Kategorien denken und die religiöse Praxis der Asketen verbindlich machen zu müssen.

Aber die Religion Allahs ist leicht und wir machen die Güte eines Muslims nicht daran fest, wie viel er auswendig kann oder über den Pflichtteil hinaus öffentlich praktiziert. Wer durch solche Aussagen, wie «Lern du erstmal dies-und-das, bevor du dies-und-das sagst/tust!» besticht, sollte sich ernsthaft Gedanken über seinen Ikhlas – seine Aufrichtigkeit – machen, denn man macht nicht nur sich und seinen eigenen Zustand zum allgemeinen Maßstab, sondern man offenbart ihn auch in einer Weise, die man auch als Augendienerei (riya) oder kleiner Shirk (kleiner Götzendienst) bezeichnen könnte.

Mit solchen Personen, egal wie groß ihr religiöses Wissen ist, wird Allah der Hocherhabene das Höllenfeuer anfachen, denn sie lernten ihr Wissen nicht nur um es zu praktizieren und anderen beizubringen, sondern auch um es zur Schau zu stellen.

Diese Dunya verlangt von uns Arbeitsteilung, auch in religiösen Angelegenheiten. Einige wenige erlangen das spezifische religiöse Wissen und sind uns durch ihre Askese ein Vorbild, die anderen, die Awwam (einfachen Leute) sorgen für die Bestellung der Äcker, das Handwerk, reichhaltige Märkte, technischen Fortschritt, medizinische Versorgung usw. usf.

Die Muslime sollen die Schahada verinnerlichen, die 5 Gebete verrichten, die Almosenabgabe zahlen, im Ramadan fasten und die Hajj vollziehen. Es steht niemandem zu, ihnen einen Vorwurf daraus zu machen, dass sie ihre Zeit dafür aufbringen ihre Rizq (Versorgung) zu verdienen und (im Rahmen der Scharia) allzu große religiöse Belastung zu meiden.

Das Nachlassen in der Religion gehört genauso dazu, wie das Sich-verbessern. Wer sich übernimmt und sich zu schnell zu viel aufbürdet, muss es sich eingestehen und die Konsequenzen daraus ziehen. Er muss nachlassen, um sich und seinen Iman nicht zu gefährden, denn eine Überlastung führt zu einem Burnout, und dieser kann sich im schlimmsten Fall auch als endgültiger Vernichter des Imans herausstellen.

Jedoch wird ein solches Nachlassen leider nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern von den oben bereits beschriebenen Selbstdarstellern auch entsprechend kommentiert. Das Nachlassen wird vom direkten Umfeld als Vorwurf formuliert, anstatt es verständnisvoll zu begleiten.

Besonders in isolierten Gruppen kann sich ein solch „hochreligiöses“ Umfeld als zerstörerisch erweisen, weil Gruppenzwang und -dynamik einen Druck aufbauen, der in letzter Konsequenz nur noch durch einen kompletten „Ausstieg“ abgelassen werden kann.

So entstehen sogenannte „Aussteiger“, die sich vollends abspalten und häufig sogar eine Art Feindschaft zu denen entwickeln, die die Religion strenger auslegen und praktizieren können. Es wird ein Band zerrissen, das hätte erhalten bleiben müssen. Die einen werden jetzt als „die Radikalen“ bezeichnet und die anderen als „die Nachlassenden“, obwohl beide ihre Berechtigung haben.

Besonders die Konvertiten und Revertiten müssen sich dessen bewusst sein. So hoch deine Ambitionen auch sein mögen, du gehörst zu den Awwam, zu den ganz normalen Muslimen, zu deren Prüfung es in dieser Dunya gehört, finanziell unabhängig zu werden, um für sich selbst und den Unterhalt der Familie sorgen zu können. Nicht jeder muss ein Gelehrter werden, man kann auch durch ganz normale wirtschaftliche Tätigkeiten ein äußerst wichtiger und tragender Bestandteil der Ummah  sein.

Haltet Maß und zeigt Verständnis. Verachtet weder die Mit-sich-Strengen (Radikalen) noch die Mit-sich-Milden und macht dem jeweils Anderen nicht eure Praxis verbindlich.

Wa Allahu 3alem

Buchbesprechung: «Lust & Gunst – Sex und Erotik bei den muslimischen Gelehrten» von Ali Ghandour

Dieser Beitrag erschien zuerst auf ahlu-sunnah.com.

von Yahya ibn Rainer

Titel: Lust & Gunst / Band 1
Subtitel: Sex und Erotik bei den muslimischen Gelehrten
Autor: Ali Ghandour
Verlag:
Editio Gryphus, Hamburg © 2015
Umfang:
Taschenuch, 103 Seiten

Es gab zwei hauptsächliche Gründe, mir dieses Buch anzuschaffen. Der erste Grund war natürlich das Thema, welches m. E. sehr wichtig ist und leider (häufig aus falscher Scham und Prüderie) viel zu selten aufgegriffen wird. Der zweite Grund jedoch war der Autor.

Der gebürtige Marokkaner Ali Ghandour ist einigen Muslimen in Deutschland sicherlich ein Begriff, vor allem unter seiner Kunya Abu Bilal al-Maliki. Schon seit einigen Jahren macht er sich einen Ruf als Kämpfer gegen muslimische Strömungen, die hierzulande unter den Namen „Wahhabismus“ und „Salafismus“ bekannt sind. Er selbst folgt nach eigenen Aussagen der malikitischen Rechtsschule, ist Anhänger der ascharitischen Glaubenlehre und ein glühender Verteidiger des Tasawwuf (Sufismus) und seiner teils speziellen Konzepte.

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Ist die Namensänderung bei Islamkonvertiten eine Unsitte?

von Yahya ibn Rainer

Vor einiger Zeit machte mich ein Bruder aus Hannover auf einen Blog aufmerksam, der von einem Konvertiten aus den USA gepflegt wird. Der Name dieses Konvertiten ist Joe Bradford und er studierte und graduierte im Fach Islamisches Recht und Rechtstheorie an der Islamischen Universität zu Medina.

Aus dem folgenden Blogbeitrag habe ich einen Teil in die deutsche Sprache übertragen:

What’s in a name? or Why you don’t have to and shouldn’t change your name in Islam. (http://www.joebradford.net/change-name-islam)

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Aufstieg und Niedergang der Dawa Salafiyya in Deutschland?

von Yahya ibn Rainer

Als plötzlich – um 2006 herum – die Dawa Salafiyya in Deutschland groß wurde und Verbreitung fand, begannen auf einmal zahlreiche muslimische und neukonvertierte Jugendliche, sich in einem Ausmaß mit islamischem Wissen und seinem Usul zu beschäftigen, wie es zuvor in Deutschland nie üblich war.

Dieser Umstand überforderte nicht nur zahlreiche Eltern und muslimische Gemeindemitglieder, sondern zum Teil auch ungelernte und gelernte Imame in den Moscheen. Den (gewiss nicht immer, aber doch recht häufig) guten Argumenten dieser „Jungsalafisten“ konnte nur schwer spontan entgegnet werden, und so nahm die Bewegung schnell zu.

Seit kurzer Zeit, fast 10 Jahre später, scheint man in den etablierten Altherrenstrukturen der religiösen Ausländervereine ein wenig aktiver und offensiver geworden zu sein. Langsam erscheinen mehr und mehr Jugendliche und Erwachsene auf der Bildfläche, die sich an der (eigentlich verhassten) Dawa Salafiyya ein gutes Beispiel nehmen, indem sie sich intensiv mit Wissen und Usul beschäftigen und dieses in deutscher Sprache verbreiten.

Immer häufiger stoße ich in letzter Zeit auf Dawa, die sich zwar nicht direkt gegen die Salafiyya richtet, aber durchaus viele ihrer Botschaften und Urteile kritisch hinterfragt und gehbare Alternativen aufzeigt.

Die Dawa Salafiyya – und hier ganz besonders Pierre Vogel – hatte einen Stein ins Rollen gebracht und die Beschäftigung mit dem Islam wieder attraktiv gemacht. Jeder, der dies leugnet, ist entweder blind oder zu differenzierter Betrachtung nicht in der Lage. Pierre Vogel & Co haben den Islam unter Jugendlichen in Deutschland (wieder) erwachen lassen. Entweder wurden junge Muslime von ihm motiviert MIT IHM in der Dawa tätig zu sein, oder sie wurden motiviert sich wieder mit dem Islam zu beschäftigen um seine Methoden und Ansichten kritisch zu hinterfragen.  Beides ist meines Erachtens ein Gewinn, so lange es für den Islam geschieht.

Auch die Deutsche Sprache wurde durch Pierre Vogel & Co in der Dawa gestärkt und die etablierten Verbände und Vereine sahen sich gezwungen, ihre verkrusteten und altbackenen Strukturen aufzubrechen, um der hiesigen Verkehrs- und Kultursprache den Rang einzuräumen, den sie unzweifelhaft verdient hat. Nie wurde mehr muslimische Literatur in die Deutsche Sprache übersetzt oder in Deutscher Sprache verfasst, als in den letzten 10 Jahren der expandierenden Dawa Salafiyya.

Heute jedoch sehe ich einem Wandel entgegen, der mich sehr beunruhigt. Während ich nämlich unter „Salafiyya“-Kritikern einen qualitativen und quantitativen Sprung nach vorn wahrnehme, muss ich bei den sogenannten „Salafisten“ eine gewisse Degeneration feststellen. Nicht quantitativ, denn mehr werden wir auch weiterhin, aber auf jeden Fall qualitativ. Speziell bei den neuesten „Zugängen“ im „Salafi-Milieu“ stelle ich nicht selten ein äußerst oberflächliches Wissen und auch besorgniserregende ideologische Einflüsse fest. Manchmal fürchte ich, dass gewisse „Islamexperten“ und Soziologen nicht ganz Unrecht hatten, als sie den zeitgenössischen „Salafismus“ als eine neue Form der jugendlichen Subkultur bezeichneten, die vor allem darauf aus ist zu provozieren.

Besonders auffällig scheint mir dieses Phänomen bei der verhältnismäßig großen Zustimmung für den „Islamischen Staat“ zu sein. Neben sicherlich auch einigen älteren Anhängern, sind es in Deutschland aber vor allem äußerst junge und nicht selten auch relativ frische Muslime, die den „Produkten“ des IS erliegen. Hochwertig produzierte Kriegs- und Hinrichtungsvideos und markige Anasheed haben den Predigervideos von Pierre Vogel & Co schon längst den Rang abgelaufen.

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass sich mit diesem Wandel im Grunde nur das wahre Gesicht des „Wahhabismus/Salafismus“ offenbart, aber wer ehrlich ist und Einblick hat, der kennt die tatsächlichen Gründe. Was letztendlich nämlich zu dieser Degeneration des Wissens und des Verhaltens führt, ist der staatlich und mediale geführte „Kampf gegen den Salafismus“.

Wo Moscheegemeinden nicht schon von sich aus solche Muslime ausgrenzten, die sie als „Salafisten“ oder „Wahhabiten“ verstanden, machten Staat und Presse ausreichend Druck. Viele, vor allem junge Muslime, sind auf diese Weise aus den Stätten verbannt worden, wo sie eigentlich qualifiziert hätten belehrt werden können. Und wo solche ausgegrenzten Muslime aufgenommen wurden oder eigene Vereine und Räumlichkeiten gründeten, wurde der staatliche und mediale Druck sogar noch auf die Spitze getrieben.

Dass ausgegrenzte „Salafisten“ damit aber nicht verschwinden, wird jedem wohl einleuchten. Anstatt also nun in einer Moscheegemeinde mit den Älteren und Gebildeten zu sitzen, hocken sie zu Hause vor dem PC und bekämpfen ihre Langeweile mit Videos, Anasheeds und zweifelhaften Texten und Vorträgen.

Die etablierten Verbände sollten sich ganz genau überlegen, ob sie in Zukunft weiterhin an der Seite des Staates und in Zusammenarbeit mit der Presse gegen Glaubensgeschwister feindlich vorgehen wollen. Zum einen ist es nicht die richtige Art und Weise, um innerhalb der muslimischen Gemeinde Meinungsunterschiede auszufechten, und zum anderen spielt man solchen jungen Muslimen damit quasi in die Hände, die den „Salafismus“ tatsächlich als jugendliche Subkultur missbrauchen, um gegen die familiären Strukturen und das Establishment zu rebellieren. Ausgrenzung wirkt in dieser Hinsicht eher als Verstärker, und wenn die Subkultur (wie im Fall des IS-Kults) vor allem auch tödliche Gewaltphantasien bedient und erzeugt, dann kann Ausgrenzung auch Gefahr für Leib und Leben bedeuten.

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Über Staat, Wissenschaft, Beamte und Ideologien (1958)

Der Autor des folgenden Textes war kein Liberaler, Libertärer oder Anarchist, sondern ein erzkonservativer Deutscher (und Muslim), der während des Nationalsozialismus als beamteter Hochschulprofessor tätig war, dann jedoch durch seinen Ungehorsam und seine kritische Haltung beim Regime in Ungnade fiel. Seine aus Selbsterfahrung resultierende Meinung zu  „Staat und Beamtentum“ ist also äußerst beachtenswert.

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Über Staat, Wissenschaft, Beamte und Ideologien (1958) weiterlesen

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XLII)

„Was nicht Vorurteil ist, ist von Vorurteilen ausgegangen.“

„Das Unterbewusste fasziniert den modernen Menschen.
Weil man dort seine bevorzugten Blödheiten als unwiderlegbare Hypothese unterbringen kann.“

„Auf der Suche nach Kultur begeben sich heute in die Fakultäten der Geisteswissenschaften Massen, die intellektuell für manuelle Arbeiten bestimmt sind.“

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXXVII)

„Die Universität ist jener Ort, an dem junge Menschen das Schweigen lernen sollten.“

„Den Menschen zu erziehen heißt, ihn an der „freien Entfaltung seiner Persönlichkeit“ zu hindern.“

„Reifen besteht nicht im Verzicht auf unsere Sehnsüchte, sondern im Eingeständnis, dass die Welt nicht verpflichtet ist, sie zu erfüllen.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXXI)

„In einem Jahrhundert, in dem die öffentlichen Medien unbegrenzte Dummheiten unter die Leute bringen, wird der gebildete Mensch nicht an seinem Wissen erkannt, sondern an seinem Nichtwissen.“

„Die Resultate der modernen „Befreiung“ lassen uns mit Wehmut an die abgeschaffte „bürgerliche Heuchelei“ zurückdenken.“

„Die Moderne nennt „Wandel“ das immer schnellere Marschieren auf dem gleichen Weg in die gleiche Richtung.“

 

Buchauszug: José Ortega y Gasset – Wenn die Massen „Ideen“ haben

„Bedeutet es nicht einen gewaltigen Fortschritt, wenn die Massen „Ideen“ haben, das heißt gebildet sind? Ganz und gar nicht. Die „Ideen“ dieses durchschnittlichen Menschen sind keine echten Ideen, noch ist ihr Besitz Bildung. Die Idee ist ein Schach, das man der Wahrheit bietet. Wer Ideen haben will, muß zuerst die Wahrheit wollen und sich die Spielregeln aneignen, die sie auferlegt. Es geht nicht an, von Ideen oder Meinungen zu reden, wenn man keine Instanz anerkennt, welche über sie zu Gericht sitzt, keine Normen, auf welche man sich in der Diskussion berufen kann. Diese Normen sind die Grundlagen der Kultur. Es kommt mir nicht auf ihren Inhalt an. Was ich sagen will, ist, daß es keine Kultur gibt, wenn es keine Normen gibt, auf die wir und unsere Gegner zurückgreifen können. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Prinzipien des bürgerlichen Rechts gibt. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Ehrfurcht vor gewissen Grundwahrheiten der Erkenntnis gibt.

Es gibt keine Kultur, wo die wirtschaftlichen Beziehungen von keiner Verkehrsordnung beherrscht werden, unter deren Schutz man sich stellen kann. Es gibt keine Kultur, wo ästhetische Polemiken es nicht für notwendig erachten, das Kunstwerk zu rechtfertigen.

Wo dies alles fehlt, gibt es keine Kultur; es herrscht im genauesten Sinn des Wortes Barbarei. Und Barbarei ist es, geben wir uns keinen Täuschungen hin, die dank der zunehmenden Aufsässigkeit der Massen in Europa anzubrechen droht.“

(José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1930, Seite 73)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (X)

„Der erste Schritt der Weisheit besteht darin, fröhlich zuzugeben, dass es keinen Grund gibt, dass unsere Ideen irgendjemanden interessieren könnten.“

„Nur seine demütigendsten Routinen geben dem Leben etwas Ernsthaftes und etwas Gewicht.“

„Unsere Wissenschaft ist in jedem Augenblick nur die Hypothese dessen, was bis zu diesem Augenblick kein Experiment falsifiziert. Die endgültige wissenschaftliche Summe wird nie mehr sein als das geltende Vorurteil in dem Moment, in dem die Menschheit erlischt.“

 

José Ortega y Gasset, kein Irrtum, du hast Recht

Eine weitere Darstellung der zeitgenössischen Überheblichkeit des allgemeinen Pöbels, und wieder 1 zu 1 übertragbar auf das Desaster der jungen muslimischen Gemeinschaft.

„Vielleicht unterliege ich einem Irrtum; aber der Schriftsteller, wenn er die Feder zur Hand nimmt, um über einen Gegenstand zu schreiben, den er lange erwogen hat, kann nicht umhin, zu denken, daß mittelmäßige Leser, die sich nie mit diesen Fragen beschäftigten, wenn sie ihn lesen, es nicht tun, um etwas von ihm zu lernen, sondern im Gegenteil, um über ihn abzuurteilen, sobald er nicht mit den Plattheiten übereinstimmt, die sie im Kopf haben. Wenn die einzelnen, aus denen die Masse besteht, sich für besonders begabt hielten, hätten wir es nur mit einem Fall persönlicher Täuschung, aber nicht mit einer soziologischen Umwälzung zu tun.

Charakteristisch für den gegenwärtigen Augenblick ist es jedoch, daß die gewöhnliche Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen.“

(José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1930, Seite 13)

Hamburg: Mein gestriger Besuch bei der ‚Aqida-Veranstaltung der Islamischen Hochschulgemeinde e.V.

von Yahya ibn Rainer

Einiger Warnungen zum Trotz besuchte ich gestern die Veranstaltung der Islamischen Hochschulgemeinde e.V. in Hamburg. Der Titel dieser Veranstalung war Aqida – Die Grundsäulen des Islam und geladen waren, zu den Themen Identität – Bewußtsein als Muslim, Schöpferbeweis – Ausführung einer Methodik, Qur’an als Wunder – Wundercharakter aus linguistischer Sicht und Ibadah – Umsetzung der Islamischen Lebensweise, die bekannten Dozenten Mohammed Johari, Dr. Abdurrahman Reidegeld und Abdelhay Fadil.

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