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Gedicht: Heinrich Heine – Ali Bey

Ali Bey, der Held des Glaubens,
Liegt beglückt in Mädchenarmen.
Vorgeschmack des Paradieses
Gönnt ihm Allah schon auf Erden.

Odalisken, schön wie Huris,
Und geschmeidig wie Gasellen
Kräuselt ihm den Bart die Eine,
Glättet seine Stirn die Andre.

Und die Dritte schlägt die Laute,
Singt und tanzt, und küßt ihn lachend
Auf das Herz, worin die Flammen
Aller Seligkeiten lodern.

Aber draußen plötzlich schmettern
Die Trompeten, Schwerter rasseln,
Waffenruf und Flintenschüsse –
Herr, die Franken sind im Anmarsch!

Und der Held besteigt sein Schlachtroß,
Fliegt zum Kampf, doch wie im Traume; –
Denn ihm ist zu Sinn, als läg er
Immer noch in Mädchenarmen.

Während er die Frankenköpfe
Dutzendweis heruntersäbelt,
Lächelt er wie ein Verliebter,
Ja, er lächelt sanft und zärtlich.

(Heinrich Heine)

Gedicht: Heinrich Heine – Wisse, Weib, daß ich dich liebe

Glaube nicht, daß ich aus Dummheit
Dulde deine Teufeleien;
Glaub auch nicht, ich sei ein Herrgott,
Der gewohnt ist zu verzeihen.

Deine Nücken, deine Tücken
Hab ich freilich still ertragen.
Andre Leut an meinem Platze
Hätten längst dich tot geschlagen.

Schweres Kreuz! Gleichviel, ich schlepp es!
Wirst mich stets geduldig finden –
Wisse, Weib, daß ich dich liebe,
Um zu büßen meine Sünden.

Ja, du bist mein Fegefeuer,
Doch aus deinen schlimmen Armen
Wird geläutert mich erlösen
Gottes Gnade und Erbarmen.

Heinrich Heine

Gedicht: Eduard Schulte – So ehrt der Islam wahren Ruhm

Aus dem Gedicht Bems Tod von Eduard Schulte (1823-1870)

— Als der Verrath das Heldenschwert
Ihm rang aus festgeballten Händen,
Hat er gen Mekka sich gelehrt,
Denn zur Türkei mußt‘ er sich wenden;
Da hat er unter’m Halbmond Schutz,
Beim Sultan Menschlichkeit gefunden,
Da hat er denn im festen Trutz
Den Turban um sein Haupt gewunden! —

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Gedicht: Heinrich Beitzke – König Hakeins Traum

Auf dem Dache des Alkazars,
Unter schatt’gen Palmenbäumen,
Pflegte Abends König Hakem
Gern im Ramadan zu säumen.

Hinter der Morena Gipfeln
Gleitet jetzt die Sonne nieder
Und ihr ausgegoß’nes Glutmeer
Strahlt an Iaens Bergen wider.

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Gedicht: Josef ‚Pepi‘ Mauthner – Mahomet der Glaubenswecker

Mahomet der Glaubenswecker,
Der Profet und Held der Wüste
Seinen Schüler Abubeker
Sterbend mit den Worten grüßte:

„Gott ist Gott! er trägt die Seele
Des Arabers aus den Zelten,
Aus den Satteln der Kamele,
Himmelan in bessre Welten,

Wo die Houris mit den blendend
Rosig angehauchten Nacken
Wonneheischend, wonnespendend
Ihn befrei’n von ird’schen Schlacken!“

„Herr ich will im Koran blättern,
Will zum Islam mich bekehren,
Will verzückt in Sturmeswettern
In der Kaaba dich verehren —

Früh und Abend will ich lallen:
Allah! sei gelobt, gepriesen!
Und verlange nichts von
Allen, Allen deinen Paradiesen,

Als ein Plätzchen still und einsam,
Um mit häuslichem Genügen
Mit der Freundin mich gemeinsam
Manch‘ Jahrtausend zu vergnügen!“

Also hätte ich gesprochen —
Abubeker schien zu beten,
Und er kniete gramgebrochen
An der Leiche des Profeten.

Josef Mauthner (1831-1890)
Österreichischer Schriftsteller

Gedicht: Manfred Lieser – Stalingrad und Kundus

So mancher, sagen wir, Soldat
des Reiches oder Bundes
fiel für sein Land in Stalingrad
bzw. Kundus.

Zwar opferten sich für den Sieg
im Grund die gleichen Leute,
doch damals nannte man das Krieg,
und Frieden nennt man’s heute.

Ein zweiter Punkt wird prinzipiell
sich nicht bestreiten lassen:
Heut stirbt man individuell,
einst starben sie in Massen.

Vom Vaterland der Beileidsbrief
ist heute demokratisch.
Seht doch das Ganze positiv
und nicht nur rein soldatisch!

In vielem unterscheidet sich
die Republik vom Reiche.
Doch ist die Frau, die bitterlich
zu Hause weint, die gleiche.

(Gedicht von Manfred Lieser)

Gedicht: Wilhelm Busch – Ulum al-Qulub

Es wird mit Recht ein guter Braten
Gerechnet zu den guten Taten;
Und daß man ihn gehörig mache,
Ist weibliche Charaktersache.

Ein braves Mädchen braucht dazu
Mal erstens reine Seelenruh,
Daß bei Verwendung der Gewürze
Sie sich nicht hastig überstürze.

Dann zweitens braucht sie Sinnigkeit,
Ja, sozusagen Innigkeit,
Damit sie alles appetitlich,
Bald so, bald so und recht gemütlich
Begießen, drehn und wenden könne,
Daß an der Sache nichts verbrenne.

In Summa braucht sie Herzensgüte,
Ein sanftes Sorgen im Gemüte,
Fast etwas Liebe insofern,
Für all die hübschen, edlen Herrn,
Die diesen Braten essen sollen
Und immer gern was Gutes wollen.

Ich weiß, daß hier ein jeder spricht:
Ein böses Mädchen kann es nicht.

Drum hab ich mir auch stets gedacht
Zu Haus und anderwärts:
Wer einen guten Braten macht,
Hat auch ein gutes Herz.

Gedicht: Wilhelm Busch – Al-Jarh wa al-Ta’dil

Sei ein braver Biedermann,
Fange tüchtig an zu loben!
Und du wirst von uns sodann
Gerne mit empor gehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul?
Willst nicht, daß dich andre adeln?
Na, denn sei mir nur nicht faul
Und verlege dich aufs Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenuß,
Schwebst du so mit Wohlgefallen
Als ein sel‘ger Kritikus
Hocherhaben über Allen.