Archiv für den Monat: Juli 2013

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.6 – Kriegsberichterstattung

Es wurden augenblicklich mit der Nachricht des Sieges Boten nach Konstantinopel und Kairo abgesendet, und durch ganz Hedschaz wurden die Türken übermütig und kehrten wieder zu ihrer nationalistischen Unverschämtheit und zu ihrem Stolze zurück, den sie neuerdings einigermaßen abgelegt hatten. Die Einwohner von Hedschaz waren mittlerweile zwar froh, gegen eine zweite Eroberung von Seiten der Wahaby sicher gestellt zu sein, ärgerten sich aber darüber, dass Araber von Türken besiegt worden und schauderten vor den Grausamkeiten, welche diese Sieger während und nach der Schlacht ausgeübt hatten. Die 300 Gefangenen, denen Pardon versprochen worden war, sendete Mohammed Aly nach Mekka und feierte, als ein echter türkischer Eroberer, seinen Triumph auf die Weise, dass er 50 derselben vor den Toren von Mekka spießen ließ; 12 derselben mussten denselben schrecklichen Tod vor den 10 Kaffeehäusern und an den Ruheorten zwischen Mekka und Dschidda erdulden, und die übrigen vor dem Tore der Stadt Dschidda, welches nach Mekka führt. Hier blieben sie, bis die Hunde und Raubvögel ihre Leichname verzehrt hatten. Wenn sich die Türken an dieser empörenden und abscheulichen Tat ergötzten, die sie einen kriegerischen Triumph nannten, so drückten dagegen alle mit ihnen alliierten Beduinen unverhohlen ihren höchsten Abscheu aus; Scherif Radscheh hatte sich alle Mühe gegeben, den Pascha davon abzubringen, jedoch vergebens.

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Buchauszug: Erik von Kuehnelt-Leddihn – Anthropolatrie

„Die Demokratie, die alle Autorität vom ‚Volk‘ (d.h. von der augenblicklichen Mehrheit der Wahlbürger) und nicht (ursprünglich) von Gott ableitet, wie es die klassische katholische Theologie verlangt, ist ein Stück Anthropolatrie und menschlicher Titanismus, wie sie der Ersten Aufklärung und der Französischen Revolution entspringen.“

(Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Demokratie – eine Analyse, Seite 61)

Buchauszug: Erik von Kuehnelt-Leddihn – Demokratie, die Fortschrittsreligion

«Die Demokratie bietet sich im Rahmen des Fortschrittsglaubens leicht als Religionsersatz dar. Zwei bedeutende amerikanische Gelehrte, Clarence Crane Brinton von Harvard und Ralph Henry Gabriel von Yale, haben unabhängig voneinander festgestellt, daß die Demokratie für ihren Fortbestand keine andere Wahl hat, als ein „reiner Glaube“ zu werde, da kein einziges ihrer Prinzipien rational und wissenschaftlich beweisbar ist.

Also müsse sie für ihr Weiterleben eine irrationale, aber weltliche Religion werden, an die man „glauben“ muß. Nun aber haben nichtweltliche Religionen den Vorteil, daß sie sowohl Trost als auch Gerechtigkeit in einer anderen Welt versprechen, die Demokratie aber ihre Versprechungen gleich hier auf Erden einlösen muß. Als „Fortschrittsreligion“ konkurriert sie dennoch indirekt mit den metaphysischen Religionen, und das manchmal mit einem gewissen Erfolg, denn der „Fortschritt“ ist für die „Armen im Geiste“ gerne ein praktischer Religionsersatz.»

(Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Demokratie – eine Analyse, Seite 60-61)

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Wo ist die Freiheit?

„Wo ist die Freiheit?

Seit zwei Jahrhunderten ist die europäische Gesellschaft auf der Suche nach ihr: Gefunden hat sie lediglich eine staatliche Autorität, die größer, lästiger und drückender ist als jemals zuvor in unserer Zivilisation.

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Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Das veränderliche Recht ist das Spielzeug, das Instrument der Leidenschaften

„Ein während zweier oder dreier Generationen entwickeltes legislatives Delirium, das die öffentliche Meinung daran gewöhnt hat, fundamentale Regeln und Vorstellungen als jederzeit modifizierbar zu betrachten, schafft eine für den Despotismus günstige Situation.

Das veränderliche Recht ist das Spielzeug, das Instrument der Leidenschaften. Trägt eine Woge den Despoten an die Macht, so kann er auf die phantastischste Weise deformieren, was schon jetzt keine bestimmte Form mehr besitzt. Da es keine unverletzlichen Wahrheiten mehr gibt, vermag er dem Volk die seinen aufzuzwingen. Er wird eine Art ‚Stoffwechselkreislauf‘ installieren, in dem er die Bürger mit Ideen füttert, die sie ihm in Form des ‚Gemeinwillens‘ zurückgeben. Dieser Gemeinwille ist der Nährboden, auf dem Gesetze gedeihen, die göttlichen und Menschlichen Geist vermissen lassen.

Das Recht hat seine Seele verloren und ist bestialisch geworden.“

(Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 375 / Hervorhebungen durch Unterstrich sind von mir)

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Auf den Weg zum echten Staatsabsolutismus

«Das, was uns heute als der höchste Ausdruck staatlicher Autorität erscheint, die Entscheidung über das Tun und das Lassen, die Unterscheidung zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen, ist der politischen Gewalt erst in einem außerordentlich späten Stadium ihrer Entwicklung zugefallen.

Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung. Eine Staatsgewalt, die das Gute und das Gerechte zu definieren vermag, ist auf ganz andere Art absolut, unabhängig von ihrer Verfassung, als eine Gewalt, der das Gute und das Gerechte von übernatürlichen Mächten definiert wird. Eine Staatsgewalt, die menschliches Verhalten entsprechend den selbst entwickelten Kriterien für gesellschaftlichen Nutzen regelt, wird auf ganz andere Art absolut als eine Staatsgewalt, die über Menschen herrscht, deren Verhalten von einer Gottheit vorgeschrieben ist. Hier wird spürbar, daß der entscheidende Schritt einer Gesellschaft auf dem Wege zum echten Staatsabsolutismus in der Verneinung einer göttlichen und in der Errichtung einer menschlichen Gesetzgebung besteht.»

(Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 239 / Hervorhebungen durch Unterstrich sind von mir)

Buchauszug: Betrand de Jouvenel – Das Göttliche Gesetz

„Jedes Volk auf dem Weg zur Zivilisation besaß seine heiligen Bücher, die seinen Fortschritt bedingten. Selbst der unreligiöseste Mensch wird in den bewundernswerten heiligen Büchern großer historischer Völker so etwas wie das Werk einer Vorhersehung anerkennen. Auf der anderen Seite hat man sie wegen ihrer außerordentlichen Übereinstimmung mit der gesellschaftlichen Situation für Monumente menschlicher Weisheit gehalten, denen durch geschickten Trug übermenschlicher Ursprung unterlegt worden wäre.

Diese Auffassung führt leicht zu dem großen Irrtum anzunehmen, die Staatsgewalt sei der Urheber dieses Gesetzes, während sie ihm im Gegenteil unterworfen ist, wie sich am Fünften Buch Mose zeigt, wo es heißt, der König solle sich eine Abschrift des Gesetzes anfertigen lassen, täglich in ihm lesen, alle seine Gebote getreulich einhalten und weder rechts noch links von ihnen abweichen. (A.T., 5. Buch Mose, XVII, 16-19)

Nicht die Staatsgewalt setzt das Gesetz, sondern die Gottheit durch den Mund inspirierter oder gläubiger Männer. Nicht die staatliche Autorität, sondern die Gottheit wird durch einen Übergriff beleidigt. Nicht die staatliche Autorität, sondern die Gottheit allein bestraft die Übertretung.“

(Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 237)