Schlagwort-Archive: Ordnung

Buchauszug: Prof. Johann Jakob Bachofen – Weil ich die Freiheit liebe, so hasse ich die Demokratie

«Seit dem Siege von  Luzern hat sich die Lehre von der Volkssouveränität und der Allgewalt der Demokratie zur praktischen Grundlage unserer  öffentlichen Zustände ausgebildet. Ich zweifle nicht, daß sie zu allen, auch zu ihren äußersten Consequenzen fortschreiten wird, wenn es die Gestaltung der Europäischen Zustände erlaubt, und nicht große Unglücksfälle das Volk wieder zu den wahren Grundlagen eines gesunden Staatslebens zurückführen.

Aber vollendete Demokratie ist der Untergang alles Guten. Republiken haben von ihr am meisten zu fürchten. Ich zittre vor ihrer Ausbildung, nicht um Hab und Guts willen, sondern weil sie uns in die Barbarei zurückwirft. Die Lehre von der Volkssouveränität steht meinen tiefsten geschichtlichen und religiösen Überzeugungen entgegen. Nicht daß ich das Volk verachtete oder gar vor der Berührung mit ihm aus Ekel zurücktretete, — all das Elend, dem es unterliegt, würde ihm eher mein Herz gewinnen. Nein, weil ich eine höhere Weltordnung anerkenne, der allein die Souveränität und Majestät zukommen kann.

Aus dieser höhern Weltordnung stammt die obrigkeitliche Gewalt. Sie ist das Amt Gottes, so lautet die römisch-heidnische sowohl als die christliche Lehre. Auch Richteramt ist von Gott, und der es übt, übt ein Recht höhern Ursprungs. Das Amt habe ich von Gott, nur die Berufung dazu stammt mir vom Volke. In dem ersten Punkte stimmen alle Verfassungen überein, in dem zweiten, der Berufung, mag unter ihnen die größte Verschiedenheit herrschen, das ist das weniger Wesentliche.

Darin nun findet die heutige Demokratie ihre Verdammung, daß sie den göttlichen Charakter der Obrigkeit vernichtet, und die göttliche Staatsordnung in allen Stücken verweltlicht. Schon oft habe ich über das wahre Wesen der Demokratie nachgedacht. Nun, lassen sich nicht alle ihre Erscheinungen darauf zurückführen, daß sie die Auflösung jener Bande, welche des Menschen Seele an ein Höheres knüpfen, darstellen, und jene Scheu gebrochen ist, welche allein vermag, die wilden Leidenschaften, die auf dem Grund der Seele lauern, darniederzuhalten. Denn das ist der Fluch der Demokratie, daß sie ihre Verwüstungen in alle Gebiete des Lebens hineinträgt, Kirche, Haus und Familie gerade am schwersten ergreift, und für jede, auch die kleinste Frage den wahren Standpunkt verrückt. Weil ich die Freiheit liebe, so hasse ich die Demokratie.

Ja. die auf Selbstregierung ruhende Freiheit eines tapfern, frommen, gottesfürchtigen, arbeitsamen Volkes, das seine Vorfahren höher stellt als sich, mit der Vergangenheit nie bricht, und seiner Nachkommen mehr gedenkt als seines augenblicklichen Genusses, — ja der Genuß einer solchen Freiheit scheint mir reicher Ersatz für manche Entbehrung.»

 – Johann Jakob Bachofen (gest. 1887 n. Chr.),
Schweizer Rechtshistoriker, Altertumsforscher und Anthropologe,
(in «Autobiographische Aufzeichnungen» (an F. K. Savigny gerichtet), Herausg. H. Blocher, im Basler Jahrbuch (1917), S. 328-329)

Buchauszug: Habermann / de Jouvenel – Der Mensch ohne Gott, ohne Vorfahren, ohne Glaubenshaltungen und ohne Bräuche (V)

Es gibt keinen anderen nichtmuslimischen Autor, dessen Werke ich ausgiebiger und mit solcher Hingabe studierte, wie diejenigen des Wissenschaftlers und Philosophen Prof. Bertrand de Jouvenel. Sicherlich könnte ich nun versuchen in Worte zu fassen, was die Faszination für diesen großen Denker ausmacht. Viel besser jedoch als ich, kann dies die Eminenz des klassischen Liberalismus in Deutschland, Prof. Dr. Gerd Habermann, der für seine de Jouvenel-Publikation „Die Ethik der Umverteilung“ (2012) eine umfassende Würdigung de Jouvenels verfasste. Das Folgende ist ein Auszug aus dieser Würdigung:

VIII. Die totalitäre Demokratie

Unter den Voraussetzungen einer faktisch nicht mehr beschränkten Volkssouveränität in der Form des Mehrheitswillens, wird de Jouvenels Bewertung moderner Demokratie als einer „totalitären“ verständlich. Dies gilt auch und gerade für die repräsentative Demokratie, die eher eine Herrschaft über das Volk als des Volkes darstelle und dies umso mehr, als sie sich auf die „Nabelschnur der allgemeinen Wahlen“ berufen könne (1972, S. 315). Parteien und Interessengruppen böten keinen Schutz gegen diese totalitäre Ausweitung. Sie bestimmen nur – im Kampf miteinander – die Richtung, in welche diese voranschreitet.

Der Staat werde zur „permanenten Revolution“ in der Verteilung oder Umverteilung von Rechten und in dem Streben nach einer „bestmöglichen Sozialordnung“. De Jouvenel spricht vom „Vampirismus“ der modernen Staatsgewalt.

Aber liegt nicht in der verfassungsmäßig verbürgten Gewaltenteilung eine Garantie der Freiheit? Nun, bei Montesquieu, auf den moderne Politikwissenschaftler oft ohne nähere Kenntnis seines Werkes beriefen, konnte eine Gewalt die andere in Schranken halten, weil jede der Institutionen das Organ einer in der Gesellschaft existierenden sozialen und politischen Macht war.

In modernen Demokratien beziehen aber zum Beispiel der Präsident (oder die Regierung, Gerd Habermann) und das Parlament dieselbe Art Legitimität durch das Volk, sodass diese nur formelle Gewaltenteilung „lediglich den Disput zwischen zwei Männern (oder Organen, Gerd Habermann) institutionalisiert, die ihre Macht aus derselben Quelle beziehen“ (1972, S. 354).

Dagegen vertrat das englische Oberhaus bis ins 19. Jahrhundert (und die Monarchie im Jahrhundert davor, Gerd Habermann) eine echte soziale Gegenmacht, „teilte“ nicht nur, sondern beschränkte die politische Macht.

Die Verteidigung der spontanen oder „natürlichen“ Rechtsordnung und Moral gegen das Vordringen der „gemachten“ Ordnung des Gesetzgebers sei immer schwächer geworden. Nur noch offene Gewalt motiviere die Bürger zu Widerstand, „während diese Ordnung der stillen und täglichen Unterwanderung gegenüber weder reagiert noch reagieren kann“ (1972, S. 367).

„Der Mensch ohne Gott, ohne Vorfahren, ohne Glaubenshaltungen und ohne Bräuche, der moderne Mensch, ist völlig waffenlos, wenn man ihn auf die Leistungen aufmerksam macht – erreichter Lebensstandard und realisierter Nutzen -, die mithilfe einer Gesetzgebung erreicht wurden, die ein obsoletes Recht nur deshalb verletzt, weil sie ein besseres an ihrer Seite hat“

(1972, S. 367)

So vollzieht sich im Namen der „Souveränität“ nach de Jouvenel die Zerstörung der weltoffenen „Grande Societé“ (1941b, S. 437) – jener „Welt von gestern“ der festgefügten bürgerlich-agrarisch-aristokratischen Ordnungen, als deren wortgewaltiger, aber auch etwas nostalgischer Anwalt de Jouvenel – wie sein Bruder im Geist: Friedrich August von Hayek – erscheint.

Der Nationalismus zerriss das internationale Netz, oligarchische Interessengruppen machten das „Gemeinwohl“ zur Farce, Rechtspositivismus und Volkssouveränität fegten die Herrschaft des Rechts, also den alten liberalen Rechtsstaat hinweg, eine atomistisch missverstandene Marktwirtschaft löste soziale Beziehungen auf und eine ignorante Politikerschicht, „deren Mittelmäßigkeit sie allein schon vor unserem Zorn bewahrt“ (1941a, S. 27) sah diesem Vorgang hilflos, wo nicht fördernd zu. De Jouvenel ist wie Wilhelm Röpke in seiner „Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart“ (1942/1979) ein Analytiker der Auflösung der liberal-marktwirtschaftlichen, bürgerlich geprägten Ordnung zwischen den beiden Kriegen.

Literatur:

Jouvenel, Bertrand de (1941a), La Décomposition de L´Europe Liberale, Paris
Jouvenel, Bertrand de (1941b), Nach der Niederlage, Berlin
Jouvenel, Bertrand de (1972), Über die Staatsgewalt - Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Freiburg

Buchauszug: Habermann / de Jouvenel – Eine zivilisierte freie Ordnung

Es gibt keinen anderen nichtmuslimischen Autor, dessen Werke ich ausgiebiger und mit solcher Hingabe studierte, wie diejenigen des Wissenschaftlers und Philosophen Prof. Bertrand de Jouvenel. Sicherlich könnte ich nun versuchen in Worte zu fassen, was die Faszination für diesen großen Denker ausmacht. Viel besser jedoch als ich, kann dies die Eminenz des klassischen Liberalismus in Deutschland, Prof. Dr. Gerd Habermann, der für seine de Jouvenel-Publikation „Die Ethik der Umverteilung“ (2012) eine umfassende Würdigung de Jouvenels verfasste. Das Folgende ist ein Auszug aus dieser Würdigung:

III. La Passion de l’ordre

De Jouvenel ist in erster Linie Ordnungstheoretiker und –politiker. Sein Denken kreist um die Frage, was die Gesellschaft „im innersten zusammenhält“. Für ihn ruht die innere Kohärenz einer Gesellschaft letztendlich darauf, dass „jeder nicht in den Bereich des anderen eindringt …, die geschworene Treue hält …, mit Gegenseitigkeit handelt („Do, ut des“, ausgleichende Gerechtigkeit) und sich ganz allgemein so verhält, wie die anderen es von ihm erwarten“ (de Jouvenel, 1963, S. 72/73). Je mehr die Menschen durch arbeitsteiligen Tausch voneinander abhängig werden, desto unerlässlicher ist für sie diese berechenbare Regelmäßigkeit des Verhaltens ihrer Tauschpartner.

„Der gesamte Tagesablauf eines Kulturmenschen beruht darauf, dass die anderen auf ihrem Posten in der Gesellschaft stehen“

(de Jouvenel, 1963, S. 74, vgl. auch 1967b).

Was ist es nun, was die „soziale Kohärenz“, den sozialen Kitt und Zusammenhalt einer Gesellschaft bildet? Es sind Regelmäßigkeiten des Handelns aufgrund gemeinsamer Verfahrens-, Handlungs- und Denkweisen im Sinne des comme il faut (de Jouvenel, 1971, S. 253), also Sitten, Bräuche. Glaubenshaltungen, moralische Regeln, Vorbilder und allgemein anerkannte Autoritäten. Nur in ihrem Rahmen kann das „soziale Wunder“, die korrekte Berechnung einer  großen Anzahl freiwilliger Handlungen bestehen – nur so ist eine „spontane“ Koordination möglich, auch und gerade in einer komplexen Gesellschaft.

Ebenso beruht der wissenschaftliche Fortschritt nach de Jouvenel darauf, dass im Rahmen der Arbeitsteilung der eine Spezialist auf die Autorität und Gewissenhaftigkeit des anderen vertrauen darf. Er kann nicht alles selber nachprüfen (de Jouvenel, 1967, S. 119).

Ohne die Erwartung einer berechenbaren Umwelt und zwar der natürlichen wie der sozialen sei menschliche Existenz schlechterdings nicht möglich (vgl. besonders 1967b). De Jouvenel wählt ein Beispiel: Wenn alle Straßen von Paris allwöchentlich ihren Namen änderten, würden alle wahnsinnig (1963, S. 74). Interessen, Wertschätzungen und damit auch die Preise im Tauschverkehr bewegen sich innerhalb dieses Rahmens.

Diese nicht „gemachte“ Ordnung ist aller Politik vorgegeben, eine Art „natürliches“ Recht vor allem positiv-gesetzem Recht, nicht als von einem einzelnen ausgedachtes Regelsystem, sondern als spontanes Ergebnis individuellen Zusammenhandelns und individueller Erfahrungen. Es ist jene Art spontanen Naturrechts, das frühere Herrscher vorfanden und nur zu bewahren und auszulegen, aber niemals konstruktivistisch zu „machen“ suchten (vgl. besonders die Betrachtungen über Rex und Dux in: de Jouvenel, 1963, S. 52-57).

„Es ist nicht so, dass die gesamte Gesellschaftsordnung von der Staatsgewalt allein gewährleistet wird. Glaubenshaltungen und Sitten machen ihren besten Teil aus. Und weder die einen noch die anderen dürfen ständig neu infrage gestellt werden, vielmehr ist ihre relative Stabilität eine für das Wohl notwendige Voraussetzung. Die erforderliche Kohäsion in der Gesellschaft kann nicht allein durch die Staatsgewalt geschaffen werden. Vielmehr bedarf der Staat einer fundamentalen Übereinstimmung der Gesellschaft, wie sie in einer unbestrittenen Moral zum Ausdruck kommt und ein unverletzliches Recht stützt. All das muss außerhalb der Reichweite der Staatsgewalt liegen. Sobald sich diese emotionale Übereinstimmung auflöst, sobald das Recht gesetzgeberischer Willkür überlassen ist, kann und muss die Staatsgewalt sich ausdehnen, um durch kontinuierliche und generelle Intervention den gestörten Zusammenhalt wiederherzustellen“

(de Jouvenel, 1972, S. 365)

Von dieser Analyse zur Hayek’schen wissenschaftlich begründeten Kritik des Konstruktivismus ist es nur ein kleiner Schritt, denn in der politischen Ordnung vorgelagerten „sozialen“ Ordnung ist ein Wissen gespeichert, das kein zentraler Planer wissen kann und das zwar Ergebnis individuellen Tuns, aber nicht Ergebnis eines individuellen Entwurfs ist.

Literatur:

Jouvenel, Bertrand de (1963), Über Souveränität, Neuwied
Jouvenel, Bertrand de (1967), Reine Theorie der Politik, Neuwied
Jouvenel, Bertrand de (1967b), Die Kunst der Vorausschau, Neuwied
Jouvenel, Bertrand de (1971), Jenseits der Leistungsgesellschaft, Elemente sozialer Vorausschau und Planung, Freiburg
Jouvenel, Bertrand de (1972), Über die Staatsgewalt - Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Freiburg

Vom Zenit unserer Zivilisation …

von Yahya ibn Rainer

Eine Gesellschaft, die sich auf dem Zenit (Höhepunkt) ihrer Zivilisation befindet, steht unweigerlich (und logischerweise) auch unmittelbar vor dem Niedergang der selbigen. Ein Zeichen für das Erreichen dieses Zenits, ist die letzte Generation, die in diese Phase der Zivilisation hinein geboren wird und in den Genuss dieses zivilisatorischen Hochstandes kommt, aber nicht die geringste Ahnung davon hat, auf welchen Fundamenten und durch welche Tugenden diese Hochkultur entstehen konnte.

Sie genießen also in allen Zügen, wie niemand vor ihnen, zehren von einem mannigfaltigen Reichtum, den sie weder erbracht haben, noch in der Lage sind zu erhalten. Sie verbinden mit diesem Hochstand, in den sie hinein geboren wurden, einen großen Stolz und empfinden Geringschätzung für sämtliche anderen Gesellschaften, die diesen Zenit noch nicht erreicht haben oder bereits über ihn hinausgegangen sind.

„Rückständig“ sind die anderen, „Barbaren“, die man verabscheut, ja geradezu fürchtet ob ihrer rauen und vom Leben gezeichneten Einfachheit.

Lange macht man sich etwas vor, will den Abgrund am Zenit nicht sehen, glaubt man könne ihn künstlich, durch Zwänge und willfährige Eingriffe in die natürliche Ordnung verbauen. Aber die Zivilisationen dieser Welt sind zyklisch und wir Menschen sind so erbärmlich schwach und neigen dazu, uns auf dem Ruhm unserer Vorfahren auszuruhen.

Und so geht es dann bergab, viel rapider als zuvor bergauf, und zusätzlich durch die vorigen Eingriffe und ihre erzeugten Illusionen und Blasen um ein vielfaches beschleunigt.

Doch Besinnung will auch jetzt nicht eintreten. Die Menschen sind entfremdet vom Ursprung ihrer Zivilisation, und benommen vom Rausch des falschen Stolzes sehen sie die Schuld am Debakel nicht bei sich, sondern bei den Fremden, bei den Rückständigen, den Barbaren, sie wollen die Hochkultur okkupieren, sie auf ihr niederes Niveau stürzen.

Doch was sie dabei vergessen ist, dass dort unten, am Nadir, am Tiefpunkt der Zivilisation, auch sein Fußpunkt liegt. Denn so, wie der Zenit, der Höhepunkt, den Abstieg einläutet, so läutet der Nadir, der Tiefpunkt, den Aufstieg ein … unweigerlich.

Zitat: Edmund Burke – Von bürgerlicher Freiheit

„Die Menschen sind zu bürgerlichen Freiheit genau in dem Maße befähigt wie sie bereit sind, ihren eigenen Trieben moralische Fesseln anzulegen […] Die Gesellschaft kann nicht existieren ohne daß irgendwo eine Kontrollmacht über ihre Wünsche und Triebe angesiedelt ist, und je weniger von dieser Kontrollmacht im Innern sitzt, desto mehr muß sie von außen kommen. Es liegt in der ewigen Ordnung der Dinge, daß Menschen von ungezügeltem Charakter nicht frei sein können. Ihre Leidenschaften schmieden ihre Fesseln.“

(Edmund Burke, 1729-1797, zitiert in Das Kapital am Pranger von Roland Baader, Seite 274-275)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Über Staat, Wissenschaft, Beamte und Ideologien (1958)

Der Autor des folgenden Textes war kein Liberaler, Libertärer oder Anarchist, sondern ein erzkonservativer Deutscher (und Muslim), der während des Nationalsozialismus als beamteter Hochschulprofessor tätig war, dann jedoch durch seinen Ungehorsam und seine kritische Haltung beim Regime in Ungnade fiel. Seine aus Selbsterfahrung resultierende Meinung zu  „Staat und Beamtentum“ ist also äußerst beachtenswert.

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Über Staat, Wissenschaft, Beamte und Ideologien (1958) weiterlesen

Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Ordnung vs. Freiheit (1901)

«[Es] müßten doch vor allem die gebildeten Elemente, die, aus dem Orient kommend, in Europa Bildung und Erziehung suchen, ganz objektiv und aus eigener Anschauung für die Sache [der europäischen Ordnung] gewonnen, [in den Orient] zurückkehren.

Das ist nicht der Fall! Natürlich finden sie im Einzelnen die Ordnung hier besser, als die Unordnung daheim. Aber das Leben ist penibler, ernster, der Kampf ums Nötige schrecklicher, die Armut entsetzlicher. In Summa, die Leute hier seufzen über die Ordnung, die soziale Frage glimmt unter der Asche, während der ganze Orient eine sorglose Fröhlichkeit und eine viel größere persönliche Freiheit atmet.

Es ist mehr Behagen, mehr Zeit und freie Kräfte für Geistiges. Ja, der Orient hat Zeit und Luft und die Möglichkeit, es mit der Religion, dem Jenseits ernster zu nehmen.»

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 101)

Auszüge aus „Für die Türkei“ von Prof. Dr. Robert Rieder (1861–1913)

„Die Sauberkeit, die dem Körper des türkischen Kranken in der Regel anhaftet, ist für den Krankenhausarzt eine sehr willkommene Beigabe. Auf Grund meiner Erfahrung sage ich mit Überzeugung, dass der arme Türke im Durchschnitt sauberer ist, denn der Deutsche. Ich kann diese Sauberkeit nicht besser illustrieren — und die Schwestern haben mir die Richtigkeit dieser Beobachtung bestätigt, — als damit, dass viele unserer deutschen Kranken äusserlich ganz sauber und manierlich gekleidet sind, je tiefer man aber an das Entkleiden geht, um so mehr — laxiate ognie speranza.

Auszüge aus „Für die Türkei“ von Prof. Dr. Robert Rieder (1861–1913) weiterlesen

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XXVII)

„Aristokratien sind die normalen, die Demokratien die Fehlgeburten der Geschichte.“

„Disziplin, Ordnung, Hierarchie sind ästhetische Werte.“

„In Gesellschaften, in denen sich alle für gleich halten, führt die unvermeidliche Überlegenheit einiger weniger dazu, dass sich die anderen gescheitert vorkommen.“

 

Buchauszug: Schmitz du Moulin – In einem rein moslimschen Reich ist sehr wenig an Regierung erforderlich (1904)

„Ein unpopuläres Gesetz, das eine europäische Regierung mit ihrer straffen Verwaltung rücksichtslos in Vollzug setzen könnte, ist im Orient unmöglich. Eine Art Boykott würde eintreten, und in solchem Falle auch ein Volksaufstand zu befürchten sein. Aber kein moslimscher Herrscher würde aus sich je ein derartiges Gesetz einführen, weil bei den Moslims doch Fürst und Volk sich zu nahe stehen. Jede Staatsordnung, auch die härteste, verträgt der Moslim, trotz seiner ausgeprägten Persönlichkeit, als ein notwendiges Übel, notwendig wegen unserer Fehler, unserer Gebrechen, unserer Sünden. Ohne diese wäre keine Regierung nötig, und bei der großen Religiosität der Moslims ist in einem rein moslimschen Reich sehr wenig an Regierung erforderlich. Nur ein wirklich religiöses Volk kann frei und demokratisch sein.“

(Muhammad Adil Schmitz du Moulin, Der Islam ©1904, Seite 248)

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Glaubenshaltungen, das Hindernis der expandierenden Staatsgewalt

„Wer eine menschliche Ganzheit untersucht, wird zuerst jene Mächte bemerken, die aus der Masse herausragen, ihren Gruppierungen vorstehen, ihre Aktivitäten leiten. Aber schon sehr bald wird ihm bewußt, daß die Ordnung, daß die Zwänge, die von diesen sichtbaren Autoritäten ausgehen, nicht genügen können, um eine harmonische Koexistenz und Kooperation von Menschen zu ermöglichen.

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Glaubenshaltungen, das Hindernis der expandierenden Staatsgewalt weiterlesen

Multikulti vs. Parallelgesellschaften

Wer Multikulti ablehnt – und meiner Ansicht nach sollte das auch jeder Muslim tun –, der kann und darf sich nicht dem Gegenentwurf, nämlich der Parallelgesellschaft, verschließen. Allein die räumliche Trennung verschiedenster kultureller und religiöser Lebensentwürfe kann eine friedliche Koexistenz garantieren und ermöglicht einen kulturellen Austausch auf freiwilliger Basis.

Multikulti vs. Parallelgesellschaften weiterlesen

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Die Metaphysik der Staatsgewalt und das Einfallstor des Despotismus

Die beiden Auszüge, die gleich hier folgen, möchte ich nur ganz kurz versuchen einführend zu erklären. Bertrand de Jouvenel war ein anerkannter Gelehrter der politischen Philosophie und ein konservativer Liberaler. Im 1. Kapitel seines Werkes Über die Staatsgewalt, befasst er sich mit der Metaphysik der Staatsgewalt, also quasi mit der ersten und naturgemäßen Ursache derselben. Der Auszug ist eine finale Aussage des Kapitels.

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Die Metaphysik der Staatsgewalt und das Einfallstor des Despotismus weiterlesen

Buchauszug: Erik von Kühnelt-Leddihn – Für eine bessere Ordnung muß man kämpfen

„Die Welt war nie „heil“, doch eine so unheile Welt wie die jetzige hat es nie oder schon lange nicht gegeben: Überbevölkerung und Unterbevölkerung, der Familiensinn im Abstieg, die Treueverhältnisse und Ehrgefühle (rein „feudale“ Begriffe) fast ausgestorben, die Natur schwer gestört, Verkehrstote in ungeahntem Ausmaß, blutiger Terrorismus, Mangel an Leitbildern, eine technisch-physikalische Entwicklung mit tödlichen Aspekten, neue, unbezwungene Seuchen, ein pornokratischer Sittenverfall, tierische Ängste vor kriegerischen Untaten und Katastrophen, Drogensucht, Verbrecherorganisationen von globalem Charakter, Unwissenheit und Unerfahrenheit in den Machtzentren, der Neid als wichtigste politische Treibkraft – diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Es gibt da Auswege, aber dies setzt voraus, daß man die Natur des Grundübels als auch die möglichen Heilmittel kennt, und das kann man nur dann, wenn man Gottes Wort als festen Boden unter den Füßen besitzt […].

Das bedeutet kein Paradies auf Erden. Die Roten und Braunen sind „Edenisten“. Wir dürfen das nicht sein. Wenn unsere Prüfzeit hier auf Erden halbwegs erträglich wäre, dann sollten wir uns damit schon zufrieden stellen. Doch für eine bessere Ordnung muß man kämpfen. Sie wird uns nicht in den Schoß fallen und keineswegs leicht in die Wege zu leiten sein. Die verschiedenen Chancen, die uns die Geschichte immer wieder unverhofft gibt, muß man klug ausnützen und das Ziel nicht aus dem Auge lassen.“

(Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Konservative Weltsicht als Chance – Entlarvung von Mythen und Klischees, Seite 313)

Buchauszug: Roland Baader – Ohne jeglichen Realitätssinn

„Es wird eben seitens der Intellektuellen und sogar von sogenannten „Kapitalisten“ immer wieder und nahezu zwanghaft und ausnahmslos dem Fehler gehuldigt, das System des polit-verkrüppelten und mit der heißen Luft des staatlichen Papiergeldes aufgeblasenen Rest- und Rumpfkapitalismus mit dem Kapitalismus gleichzusetzen. Dabei handelt es sich bei der jeweils anvisierten polit-ökonomischen Realität in Wahrheit um einen Halb- bis Dreiviertel-Sozialismus, einen Scheinkapitalismus, der am staatlichen Dirigismus und Interventionismus und am wohlfahrtsstaatlichen Samtpfotensozialismus schwer erkrankt ist, ja bereits in Agonie liegt.

Wer angesichts eines verstaatlichten Gesundheitswesens, eines staatlichen Rentensystems, eines staatlichen Bildungswesens, staatlich massiv gefesselter Arbeitsmärkte, maßlosen Fiskalkleptokratismus`, uferloser Staatsverschuldung, sowie einer das ganze Leben der Bürger überwuchernden Politisierung und Bürokratisierung – wer also angesichts all dessen noch vom Kapitalismus redet und damit die deutsche oder irgendeine andere europäische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung meint, dem muß jeglicher Realitätssinn anhanden gekommen sein.“

(Roland Baader, Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Seite 70-71)