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Kurz gesagt: Positive und negative Herzensbrecher

Es gehört zu meiner persönlichen Eigenheit, dass ich – auch für einen Deutschen – emotional recht kühl veranlagt bin.

Diese Eigenart kommt mir zugute, weil ich mich dadurch in die Lage versetzt sehe, meine negativen Emotionen im Zaum zu halten.

Bedauerlicherweise wirkt sich diese emotionale Kühle leider auch auf das Empfinden und Zeigen positiver Gefühle aus. Das ausgelassene und ausgiebige (Mit-)Freuen, Beglückwünschen, Begrüßen und Zuneigungzeigen liegt mir also nicht so sehr.

Was mich seit 2 Jahren überraschenderweise merkbar wärmer und emotionaler werden lässt, ist die Geburt und Gegenwart meiner kleinen Tochter (2).

Ich bin geradezu entsetzt davon, wie sehr dieses kleine Wesen – von meinem eigenen Fleisch und Blute – meine innersten Emotionen weckt und gedeihen lässt. Wenn ich sie auf den Schoß setze und meine Nase in ihre kleine weiche Haarpracht halte, nur um minutenlang ihren ganz eigenen Duft einzuatmen, dann zerspringt mir geradezu das Herz. Und wenn sie dann auch noch mit ihren kleinen Fingerchen meine Hand streichelt und am Nagelbett meines Daumens pult, dann bin ich nahe dran in Tränen auszubrechen und werde von unglaublichen Verlustängsten gepeinigt.

Dieses kleine Wesen hat mein Herz erobert und meine kalte Schale geknackt, allein durch ihre Existenz und ihre natürliche Zuneigung zu ihrem Vater.

Wenn ich daran denke und dann im selben Moment lesen muss, dass es anscheinend Väter gibt, die in der Lage sind ihr eigenes junges Töchterchen mit einem Messer niederzumetzeln, dann bricht für mich eine Welt zusammen.

Das ist so schrecklich. Wie kann man seine eigene 1-jährige Tochter mit einem Messer töten? SubhanAllah, mir liegen Schimpfwörter auf der Zunge, die seit 11 Jahren nicht mehr über selbige gekommen sind.

Ich verstehe die Welt nicht mehr …

 => https://www.focus.de/regional/hamburg/hamburg-mourtala-m-toetete-ex-frau-und-kind-1-das-ist-der-taeter-vom-jungfernstieg_id_8759544.html

Zitat: Murad Wilfried Hofmann – Islamische Emanzipation der Frau

«Es trifft zu, daß islamische Kleidung ihren Trägerinnen eine Würde verleihen kann, wie man sie im Westen mit langem Abendkleid verbindet. Dies – und die starke Position der Muslima in der Familie – bedeutet jedoch noch nicht, daß die Frau in muslimischen Ländern die Rolle einnimmt, die Koran und Sunna für sie vorgesehen haben. Man müßte blind sein zu übersehen, daß viele Frauen in der muslimischen Welt ihre islamische Emanzipation noch vor sich haben. Diese Welt ist mehr als ihr guttut Männerwelt geblieben.»

– Murad Wilfried Hofmann (geb. 1931),
ehemaliger Informationsdirektor der NATO und ehemaliger Deutscher Botschafter in Algerien und Marokko, Muslim seit 1980

Buchauszug: Prof. Kenneth Minogue – Nur einer der Gründe, warum wir Immigranten aus allen Teilen der Welt anziehen

«Unser Reichtum ist […] nur einer der Gründe, warum wir Immigranten aus allen Teilen der Welt anziehen.

Aus der Perspektive traditioneller Gesellschaften in anderen Teilen der Welt betrachtet, scheinen wir bewundernswert frei zu sein. Richtet man sein Augenmerk auf die Besonderheiten unseres gegenwärtigen Zustands, so wird es einem unwahrscheinlich vorkommen, daß wir uns auf dem abschüssigen Pfad zur ‚Sklavenmentalität‘ befinden, wie ich es nenne.

Die Gesellschaft der Gegenwart hat uns zweifellos von vielen der Entbehrungen und Konventionen früherer Zeiten befreit. Sie fördert entschieden die Impulsivität, und wir erfreuen uns der ’negativen Freiheiten‘ gegenüber einer Vielzahl von zuvor eingeschränkten Aktivitäten.

Die Kehrseite dieses bewundernswerten Standes der Dinge ist jedoch der Anstieg der Kriminalität, des Drogenkonsums, unsozialen Verhaltens und die zunehmende Zerrüttung des Familienlebens.

Als demokratisch verfaßt reagiert die moderne Welt positiv auf das, was wir wollen, und was wir wollen, ist nicht immer gut für uns.»

(Kenneth Minogue, Die demokratische SklavenmentalitätWie der Überstaat die Alltagsmoral zerstört)

Zitat: Murad Wilfried Hofmann – Die natürliche „Pflichtversicherung“

«In der Tat: In der muslimischen Welt – ob reich oder arm – ist die Familie noch das soziale Netz, das sie im Okzident einmal gewesen war, bevor der Staat sie dieser Funktion durch Kranken-, Arbeitslosen-, Unfall-, Renten- und Pflegeversicherung praktisch enthob. In der muslimischen Familie wird weiterhin gemeinsam gelebt, gegessen, gebetet, gefeiert, getrauert und gestorben – und das ohne kollektivistische Unterdrückung von Individualität. Bunte Vögel haben ihre Familiennische, und der muslimische Familienverband fördert gezielt individuelle Begabungen, zum Beispiel durch Finanzierung von Studien im Ausland.»

 – Murad Wilfried Hofmann
in Der Islam im 3. Jahrtausend  Eine Religion im Aufbruch

Hadith: Wer müht sich ab auf dem Wege Allahs?

Der Tabi’i Ayub as-Sakhtiyani berichtete folgendes:

„Mir wurde gesagt, dass einst die Gefährten des Propheten ﷺ in einem ihrer Häuser [zusammen] waren. Ein Mann beehrte sie und sie waren über dessen Jugend und Kraft erstaunt, [und] hierauf sagten sie:

«Wenn er doch nur seine Jugend und Kraft auf dem Wege Allahs nutzen würde [d.h. im Kampf].»

Der Prophet ﷺ hörte dies und sagte:

«Befindet sich etwa nur derjenige auf dem Wege Allahs, der kämpft oder an einem Feldzug teilnimmt?
Wer sich bemüht, um [selbst] bedürfnislos zu sein*, der ist auf dem Wege Allahs!
Wer sich bemüht, dass seine Eltern bedürfnislos sind, der ist auf dem Wege Allahs!
Wer sich bemüht, dass seine Familie bedürfnislos ist, der ist auf dem Wege Allahs.
Wer sich bemüht, Besitz anzuhäufen, um anzugeben, der ist auf dem Wege Satans.»“

(Quelle: Tanbihul Ghafilin von Muhammad Ibn Ibrahim as Samaraqandi / Hadith 225# / al-Albani verzeichnet den Hadith in seinem As-silsilah as-shahihah / Abu Huraira überliefert ihn in einem ähnlichen Wortlaut )

[*Mit „Bemühen um Bedürfnislosigkeit“ ist die Erlangung/Erwirtschaftung der jeweiligen Versorgung gemeint.]

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung und Unterstützung - geht raus an den Bruder Behzad Zibari.

Buchauszug: Habermann / de Jouvenel – Kleingruppenideal und Großgesellschaft (III)

Es gibt keinen anderen nichtmuslimischen Autor, dessen Werke ich ausgiebiger und mit solcher Hingabe studierte, wie diejenigen des Wissenschaftlers und Philosophen Prof. Bertrand de Jouvenel. Sicherlich könnte ich nun versuchen in Worte zu fassen, was die Faszination für diesen großen Denker ausmacht. Viel besser jedoch als ich, kann dies die Eminenz des klassischen Liberalismus in Deutschland, Prof. Dr. Gerd Habermann, der für seine de Jouvenel-Publikation „Die Ethik der Umverteilung“ (2012) eine umfassende Würdigung de Jouvenels verfasste. Das Folgende ist ein Auszug aus dieser Würdigung:

VI. Kleingruppenideal und Großgesellschaft

Der fortgeschrittene Sozialzustand – die Ausdehnung der sozialen Verknüpfungen über immer weitere Regionen, die immer weitergehende Arbeitsteilung – entlässt, so führt de Jouvenel an anderer Stelle aus, den Menschen immer mehr aus den Bindungen der kleinen Gruppe, der „sozialen Wärme“ der Face-to-face-Beziehungen. Diese Tendenz werde noch durch die Lehren der atomistisch-hedonistischen Mainstream-Ökonomie verstärkt (1941a, S. 180). Die Individuen sähen sich so mehr und mehr „vereinsamt“. Diese moderne Tendenz – wir würden heute von „Individualisierung“ sprechen – war auch eines der Leitthemen von Benjamin Constant und Toqueville.

Nichts anderes habe die kommunistischen und faschistischen Parteien zum Siege geführt als die Möglichkeit, den modernen Menschen aus dieser Vereinsamung wieder hervortreten zu lassen (1941a, S. 184). Der moderne Mensch vermisse die alte Geborgenheit der Kleingemeinschaften der Familie oder des Stammes und dieser Mangel versetze ihn in eine Art Heimweh, die zur Quelle totalitärer Utopien und der Macht kollektivistischer Parteienwerde.

Eine anonyme „Gesellschaft“ könne jedoch nicht Quelle der Geborgenheit werden; gegenseitige Liebe und Gemeinschaftsgeist ließe sich nicht durch Verwaltung organisieren; „die Gesellschaft“ sei nur die Summe aller unserer Beziehungen „nach Abzug derjenigen, die uns erfreuen“ (1963, S. 167).

Gewiss bleibe die kleinere Gemeinschaft, als der ursprünglichen Heimat des Menschen, für ihn wünschenswert und unentbehrlich. Aber jeder Versuch einer Großgesellschaft einen analogen Handlungs- und Gefühlsrahmen aufzuzwingen, führe unweigerlich in die Tyrannei – stelle sie sich nun in Form einer fiktiven „Großfamilie“ wie beim sentimentalen Sozialismus (Ideal der „City of brotherly love“, 1990, S. 11) oder in Form einer kollektivistischen Arbeitsgemeinschaft wie im positivistischen Sozialismus dar (1963, S. 86). „Primitivismus“ dieser Art sei die „Todeskrankheit“ aller entfalteten Zivilisationen. […]

Dies kann für de Jouvenel nicht bedeuten, dass die kleine Gemeinschaft antiquiert sei – im Gegenteil: nur auf den Verhaltungsregeln und Orientierungen, die in den ursprünglichen kleinen Gemeinschaften vermittelt werden, lässt sich das größere Sozialgebäude aufbauen. Auf den noch intakten Gemeinschaftsgeist der Deutschen führte er (1941a, S. 204-216) die militärische Überlegenheit Deutschlands gegenüber dem „atomisierten“ Frankreich zurück.

Literatur:

Jouvenel, Bertrand de (1941a), La Décomposition de L´Europe Liberale, Paris
Jouvenel, Bertrand de (1963), Über Souveränität, Neuwied
Gray, John (1990), Einführung zu de Jouvenel, S. XI bis XVIII.
Habermann, Gerd (1994), Der Wohlfahrtsstaat. Die Geschichte eines Irrwegs, Berlin

Hintenherum: Meine Privatsphäre gilt auch für Zeitungsredakteure

von Yahya ibn Rainer

Vor einigen Tagen hat irgendeine Zeitungsredakteurin meinen jüngeren Bruder in Ostwestfalen via Facebook-PN kontaktiert, um ihn über meine familiären Verhältnisse auszuhorchen (ob ich Kontakt abgebrochen hätte usw).

Wie erbärmlich das doch ist. Hätte ich mich erdreistet und gleiches (hintenherum) mit ihrer Verwandtschaft getan, dann hätte ich wohl schon Besuch vom Staatsschutz bekommen.

Meine familiären Verhältnisse gehen niemanden etwas an, sonst würde ich ja darüber schreiben. Aber zur Befriedigung des anscheinend bestehenden Bedürfnisses sei folgendes gesagt:

Nein, ich habe den Kontakt zu meiner Familie nicht abgebrochen. Nicht vor und nicht nach meiner Konversion zum Islam. Ich bin auch nicht vaterlos aufgewachsen (was in den Medien gern als psych. Begründung für Konversionen oder einen schlechten Lebenswandel angeführt wird).  Das Erste was ich tat, nachdem ich den Islam angenommen hatte, war ein Anruf bei meinem Vater. „Das wurde aber auch Zeit“, sagte er damals völlig unaufgeregt „herzlichen Glückwunsch.“

Mein Vater respektiert meine Entscheidungen und vertraut mir, und so sehr man es ihm von außen auch weismachen möchte, die Konversion hat meinem Allgemeinzustand in keinster Weise einen Nachteil verschafft. Mein Lebenswandel hat sich in jedweder Hinsicht verbessert, sozial, wirtschaftlich und familiär. Das hat mir mein eigener Vater selbst mehrfach bestätigt.

Das nächste Mal also, wenn jemand etwas über MICH wissen möchte, sollte er/sie sich bei MIR erkundigen. ICH entscheide dann, ob ich Auskunft gebe oder nicht. Journalisten, die diese Regel missachten, brauchen sich im Nachhinein bei mir gar nicht mehr zu melden.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Gutes und schlechtes Volkstum bzw. Stammestum (asabiya)

«Die asabiya stellt für die islamische Gemeinschaft eine Notwendigkeit dar. Durch sie wird Wirklichkeit, was Allah die Gemeinschaft (zu) tun heißt. Im Sahih steht:

«Allah schickt keinen Propheten, der nicht Rückhalt durch seine Stammesgenossen besitzt.»

Nun finden wir aber auch, daß der Gesetzgeber (d. h. der Prophet Muhammad) die asabiya mißbilligte und forderte, sie zu verwerfen und ihr den Rücken zuzukehren. Er sprach:

«Allah nahm die Überheblichkeit des vorislamischen Heidentums und dessen Stolz auf die Ahnen von euch. Ihr seid die Söhne Adams, und Adam ward aus Staub gemacht.»

Allah, der Erhabene, sprach:

«Als der Vornehmste gilt bei Allah derjenige von euch, der am frömmsten ist.» [Koran 49. 13]

Wir müssen ferner feststellen, daß Muhammad auch das Königtum und dessen Vertreter mißbilligte. Er tadelte an ihnen, wie sehr sie sich in Streitigkeiten verstrickten, wie maßlos sie in ihrer Verschwendung waren und daß sie vom Pfade Allahs abwichen. Hingegen mahnte er zur Eintracht im Glauben und warnte vor Zwist und Sonderbündelei.

Wisse, daß nach Ansicht des Gesetzgebers (d.h. des Propheten Muhammad) das gesamte Diesseits und seine Verhältnisse nur ein Beförderungsmittel zum Jenseits sind. Wer dieses Mittels verlustig geht, gelangt nicht (dorthin). Wenn nun Muhammad bestimmte Handlungen der Menschen untersagte, mißbilligte oder davon abriet, so lag es nicht in seiner Absicht, daß diese ganz und gar unterlassen bzw. mit Stumpf und Stiel ausgerottet und die Kräfte, aus denen sie entstehen, geschwächt würden. Vielmehr beabsichtigte er, diese im Interesse der (religiösen) Wahrheit so weit wie möglich zu kanalisieren, so daß alle Absichten rechtens werden und das Ziel nur eines ist. So sprach Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – :

«Wer zu Allah und seinem Gesandten aufbricht, der bricht zu Allah und seinem Gesandten auf. Wer zum Erwerb irdischer Güter oder zur Ehelichung einer Frau aufbricht, bricht (eben nur) dorthin auf, wohin er aufbricht.»

Muhammad mißbilligte den Zorn nicht mit der Absicht, ihn bei den Menschen auszurotten. Denn wenn der Mensch nicht mehr die Kraft des Zornes besäße, würde ihm die Fähigkeit, der (religiösen) Wahrheit zum Sieg zu verhelfen, verlorengehen und gäbe es keinen Heiligen Krieg und keine Lobpreisung des Wortes Allahs mehr. Er mißbilligte vielmehr den Zorn, der sich für den Teufel und für tadelnswerte Ziele einsetzt. Ein solcher Zorn ist zu tadeln. Handelt es sich um einen Zorn in und für Allah, so ist er zu rühmen. Dieser Zorn gehörte zu den guten Eigenschaften Muhammads – Allah segne ihn und schenke ihm Heil -.

Wenn Muhammad in eben dieser Weise die Begierden mißbilligte; lag es auch nicht in seiner Absicht, diese gänzlich aufzuheben, denn wer kein Begehren verspürt, verliert an Wahrhaftigkeit. Er wollte vielmehr die Begierden so lenken, daß sie für nützliche Dinge frei werden, auf daß der Mensch ein Knecht (Allahs) werde, der in Gehorsam zu den göttlichen Geboten handelt.

Ebenso ist es, wenn der Gesetzgeber die asabiya mißbilligte und sprach:

«Weder eure Blutsverwandtschaft noch eure Kinder werden euch (dereinst etwas) nützen.» [Koran 60. 3]

Dies ist gemeint, wenn die asabiya auf etwas Nichtiges und damit Zusammenhängendes ausgerichtet ist, wie es in der vorislamischen Zeit der Fall war, und wenn sie jemanden stolz und überlegen werden läßt. Denn dies entspricht nicht den Handlungsweisen weiser Leute und ist für das Jenseits, d.h. die Ewigkeit, von keinem Nutzen.

Was jedoch die ‘asabiya anbelangt, die im Bunde mit der (religiösen) Wahrheit steht und für die Erfüllung des Gebotes Allahs (wirkt), so ist sie eine erstrebenswerte Sache. Gäbe es sie nicht, gäbe es auch die religiösen Gesetze nicht mehr, da diese nur über die asabiya Bestand haben, wie wir vorhin festgestellt haben.

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung / al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 145-147)

Eine kleine Richtigstellung zu meinem Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“

von Yahya ibn Rainer

Nachdem ich meinen Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“ hier und auf ahlu-sunnah.com/blog publiziert hatte, gab es einige kritische Stimmen, die meinen Artikel dahingehend tadelten, dass er Glauben und Weltliches (Finanzielles) in nicht erlaubter Weise mische.

Die Grafik, die ich für den Beitrag benutzte …

circles

… und die ich im Rahmen eines Seminars mit Sheikh Haitham al-Haddad das erste Mal zu sehen bekam, bezog sich tatsächlich nur auf die Verantwortlichkeit für den Glauben. Der Beweis, den der Sheikh für dieses Urteil nannte, war die Aya 6 in Sure at-Tahrim(66) im edlen Quran (ungefähre Bedeutung):

Eine kleine Richtigstellung zu meinem Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“ weiterlesen

Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine gewaltige Erleichterung im Leben, wenn man ein komplett gefestigtes Weltbild hat, wenn sich also im groben Blick auf den Menschen und seine gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Handlungen – und den daraus resultierenden Konsequenzen – keine großen Fragen mehr auftun.

Wer ein solches Weltbild in sich trägt, sucht nicht mehr nach Antworten, sondern stellt mit teils größter Verwunderung fest, dass sich dieses Weltbild nur noch bestätigt oder komplettiert, wenn man die Literatur der Weisen liest, die sich auf Beobachtung und Analyse beschränkten und nicht in spekulativen und rationalistischen Konstrukten ergingen.

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Jede konstituierte muslimische Gruppierung, die sich um staatliche Macht bewirbt, lehne ich kategorisch ab

von Yahya ibn Rainer

Jede konstituierte muslimische Gruppierung, die sich um staatliche Macht bewirbt – ob kriegerisch oder demokratisch – lehne ich kategorisch ab.

Den Muslimen ist das Wissen um die Entstehung natürlicher Autoritäten abhanden gekommen und es fehlt ihnen nicht selten auch die nötige Bescheidenheit um solche Autoritäten anzuerkennen.

Familien, Sippen, Stämme und ihre Oberhäupter wurden durch Vereine, Verbände, Parteien und ihre politischen Strategen ersetzt.

Die Moderne infiziert die muslimische Gemeinde vor allem mit ihren Krankheiten. Während die Muslime auf den Gebieten der Wissenschaften und Technologien hinterherhinken (gelinde ausgedrückt), kopieren sie jedoch allzu gern und erfolgreich die Resultate der modernen Wohlstandsgesellschaft.

Die Atomisierung der Gemeinschaft, die Herauslösung des Individuums aus seinen natürlichen Abhängigkeiten, die Überführung dieser Abhängigkeiten an den modernen Überstaat und die gleichzeitige Aufrechterhaltung der Illusion von Selbstbestimmung und Freiheit sind Phänomene, die den Muslim lähmen und ihn in das Denkkorsett des demokratischen Wohlfahrtsstaates zwingen.

Dass man sich in Form von Gruppierungen und Parteien um staatliche Macht bewirbt, ist eine dieser kranken Ideen der Moderne. Allein im Wort „Partei“ ist schon der Frevel eingebaut, der in dieser Idee steckt, denn es handelt sich lediglich um einen „Part“ (Teil) der Gesamtheit, der unabhängig und in sich eigene Hierarchien und Autoritäten erzeugt.

Der personelle Aufstieg in solch geschlossenen Konstrukten funktioniert komplett anders als in natürlichen Gesellschaftsformen. Wer es in einer Partei oder Gruppierung zur Führungspersönlichkeit bringt, muss dazu im gesamtgesellschaftlichen Kontext längst nicht in der Lage sein. Das jedoch ist eine Voraussetzung für anerkannte Autorität. Denn nur eine allgemein anerkannte Autorität, die gesamtgesellschaftlich in der Lage war aufzusteigen, kann sich an der Spitze mit anderem beschäftigen, als mit der Aufrechterhaltung der eigenen Machtposition.

Nicht Führerschaft und Staat sollte der Muslim im Guten fokussieren und anpeilen, sondern die Zivilgesellschaft, denn sie allein legitimiert das Oberhaupt und führt seinem Staat das Personal zu. Nicht Herrscher und Staat erziehen das Volk, sondern das Volk erzieht die Obrigkeit.

Und vor allem muss uns wieder klar werden, dass der Staat – die Dawla – weder Selbstzweck noch Pflichtteil im Islam ist. Der Staat, wie er heute von fast allen Muslimen gedacht wird, ist den primären Quellen des Islams vollkommen fremd. Er hat sich in der langen Staatsgeschichte vielmehr als ein Instrument erwiesen, welches den Status des reinen Nutzens schnell verliert und sich zum Mittel für Despotie und Ausbeutung wandelt.

Deshalb verdient der Staat keinerlei Preisung und besonderes Vertrauen, wie es durch zahlreiche muslimische Gruppen und Parteien heute geschieht, sondern er braucht eine aufmerksame und kritische Kontrolle durch zivilgesellschaftliche Autoritäten und die wahre islamisch legitimiert Obrigkeit, nämlich den Amir.

Zitat: Botho Strauß – Unsere Freiheiten

„Wir drängen den neben uns wohnenden Muslimen unentwegt unsere Freiheiten auf, denken aber nicht daran, auch nur das geringste von ihrer sittlichen Freiheitsbeschränkung nachahmenswert zu finden oder auf uns abfärben zu lassen. Das Abfärben soll nur einseitig geschehen.

Dabei täte etwas mehr Familie, etwas väterliche Stärke einem Erziehungsverhalten gut, dessen Schwächen allenthalben von staatliche geförderten Hilfen kostspielig kompensiert werden. Autorität zu bezweifeln, gehört jedoch zu den Pflichten, die der demokratischen Übereinkunft selbstverständlich erscheinen und die ihr leichtfallen.“

(Botho Strauß, Deutscher Schriftsteller, Dramatiker und konservativer Denker)

Zeitgenössische Islamophobie als Resultat des modernen demokratischen Wohlfahrtsstaates?

von Yahya ibn Rainer

Ich habe mir einige Gedanken über PImaten, Pegidasten und andere Islamophobe gemacht. Wie schaffen sie es, im Internet eine solche Dominanz zu erzeugen, im wahren Leben jedoch nicht?

Meine persönliche Erfahrung ist, dass nicht wenige dieser Menschen in einer schweren emotionalen Krise stecken. Während mental gefestigte Menschen ihren Lebenssinn und -mittelpunkt innerhalb der Familie finden und ihre Energie dazu aufbringen, durch eigene Anstrengung die Versorgung dieser Familie zu gewährleisten – und ggf. darüber hinaus noch einen gewissen Wohlstand zu akquirieren -, ist diese Gattung Mensch nicht selten aus dieser traditionellen und natürlichen Ordnung herausgetreten – oft begünstigt durch die gesellschaftlichen Eingriffe und finanziellen Zuschüsse des demokratischen Wohlfahrtsstaates – und findet in diesem Zustand der modernen Befreiung kein Ventil, um die ihm natürlich inneliegenden Zwecke zu erfüllen.

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Kartoffelbrei

von Yahya ibn Rainer

Man soll als guter Muslim und Ehemann ja eigentlich nicht vor Fremden über seine Frau sprechen, aber gestattet mir hier eine Ausnahme, weil es im Kerne nicht wirklich um die Mutter meiner zwei Söhne geht, sondern um die Kartoffel. NEIN, nicht um mich, sondern um den Erdapfel, die Grundbirne, die Solanum tuberosum, des Deutschen liebste Beilage.

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Buchauszug: Prof. Dr. Islahi – Es gibt nichts Gutes an einer Person die Reichtum verabscheut

„Die Verpflichtung eines Mannes, sich und seine unterhaltsberechtigten Angehörigen zu versorgen, erfordert u.a. weltliche Mittel, was ihren Erwerb zu einem (religiösen) Gebot werden lässt.

Ibn Taimiyah stützt diese Ansicht, indem er einen der frühesten Fiqh-Gelehrten zitiert, nämlich (den Tabi’in) Sa’id bin al-Musayyib, der sagte, dass nichts Gutes an einer Person sei die Reichtum verabscheut, wo doch eine Person damit in der Lage sei seinem HERRN zu dienen, seine Verbindlichkeiten zu begleichen, sich selbst zu beschützen und unabhängig von anderen zu bleiben.“

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Economic Concepts of Ibn Taimiyah, Seite 118)
– übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer