Archiv für den Monat: September 2015

Die allgemeine Ungleichheit der Menschen als Segen für Arbeit, Wert und Handel

von Yahya ibn Rainer

Ich hatte schon eine riesige Einleitung zu diesem Beitrag geschrieben, weil ich vermutete, dass die Wichtigkeit des Themas nach einer ausführlichen Darlegung verlangt. Letztendlich jedoch war dieses Textkonvolut auch mir zu aufgeblasen und ich trug die Befürchtung in mir, mit einer solch umfassenden Erläuterung den Leser eher abzuschrecken, als ihn zu gewinnen. Also versuche ich mich sehr kurz zu fassen …

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Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (3. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Im 2. Teil dieser Reihe habe ich den Auszug aus dem Sendschreiben „Über das Lob der Kaufleute und den Tadel der öffentlichen Ämter“ des berühmten Literaten ʿAmr ibn Bahr al-Jahiz (159-255 n. H.) begonnen. Dort ging es inhaltlich in erster Linie um die Verurteilung desjenigen, der in seinem Loblied (auf die Beamten der Dawla) die Kaufleute tadelte. Des weiteren verteidigte al-Jahiz die Kaufleute als gute Muslime und machte darauf aufmerksam, dass es solche auch unter den Salaf gab.

In diesem 3. und letzten Teil möchte ich den Auszug aus dem Sendschreiben des al-Jahiz fortsetzen. Nun geht der Autor dazu über, die Sekretäre (Beamten) der Dawla zu portraitieren und erteilt ihnen anbei einen großen Tadel.

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Zitat: Prof. Dr. Ralf Poscher – Du musst nicht verfassungstreu sein

«Ein religiöser Glaube verliert nicht durch verfassungsfeindliche Inhalte die Eigenschaft, Religion im Sinn der grundrechtlich geschützten Religionsfreiheit zu sein. Das Grundgesetz verlangt daher von den Religionen auch keine Verfassungstreue, sondern Respekt vor dem Vorrang der säkularen Rechtsordnung und den verfassungsrechtlich geschützten Rechtsgütern Dritter.»

Prof. Dr. Ralf Poscher – deutscher Rechtswissenschaftler, Verfassungsgeschichtler, Rechtssoziologe und Rechtsphilosoph

Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (2. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Im 1. Teil dieser Reihe habe ich versucht, den herrschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel der muslimischen Gemeinschaft in den ersten 150 Jahren nach der Hijra verkürzt darzustellen. Wichtig war für mich in diesem Zusammenhang der Fokus auf die „Staatlichkeit“ und „Zentralität“ der politischen und gesellschaftlichen Ordnungsstruktur. Wir können, beginnend bei der Führung durch den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil –, als Oberhaupt einer föderalen Ordnungsstruktur (al-Mithaq), bis hin zur zentralistischen Dawla der Abbasiden, einen signifikanten Anstieg der staatlichen Organisation und Planung feststellen.

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Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (1. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Die Herrschafts- und Gesellschaftsform der muslimischen Gemeinschaft hat in den ersten 150 Jahren nach der Hijra einige bedeutende Veränderungen durchgemacht. Die beste Führung war ohne jeden Zweifel die Führung durch den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil –. Diese damalige Herrschafts- und Gesellschaftsform war als al-Mithaq bekannt, was soviel bedeutet wie „ein Bündnis unabhängiger Stämme“. Es gab keinen „Staat“ im herkömmlichen Sinne, keine Verwaltung und keine Behörden, lediglich einige öffentliche und offizielle Positionen (wie Heeresführung, Richter usw) wurden besetzt.

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Ich bin Muslim, der Islam ist perfekt, ich nicht …

von Yahya ibn Rainer

Das ist wirklich ein sehr schöner Spruch, der hier im Netz seine Verbreitung findet.

»Ich bin Muslim, der Islam ist perfekt, ich nicht.
Wenn ich Fehler mache, dann gebt mir die Schuld, nicht dem Islam.«

Leider weiß ich nicht, welchen Urheber diese Weisheit hat, aber mit dem Inhalt kann sich sicherlich jeder Muslim anfreunden. Mich motivierte dieser Sinnspruch zu einer weiterführenden Überlegung.

Es müsste für einen Muslim eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Islam perfekt (also frei von Mängeln und Fehlern) ist, immerhin kommt er – unserer festen Überzeugung nach – vom Schöpfer, Lenker und Erhalter des gesamten Universums. Doch schadet es nicht, den Muslim von Zeit zu Zeit wieder daran zu erinnern, denn wie wir ja aus dem obigen Sprüchlein wissen, ist der Muslim nicht perfekt, denn er ist fehlbar.

Wenn diese beiden Einsichten klar sind, dann können wir die Substantive Islam und Muslim richtig einordnen. Es fehlt aber noch etwas wichtiges, quasi eine Auslassung im Text, denn der Muslim, wenn er einen Fehler macht, ist nicht allein dadurch entschuldigt, dass er nicht perfekt ist. Zum Muslimsein gehört nämlich noch die Eigenschaft, die eigenen Fehler möglichst einzusehen, zu bereuen und sich zu bemühen sie abzustellen.

Um es kurz zu sagen: Der Muslim ist zwar nicht perfekt, sollte aber nach Perfektion streben. Sein Ideal soll der bestmögliche Zustand sein, mit so wenig Fehlern wie möglich.

Unter dieser Prämisse kann man auch die attributiven Adjektivierungen dieser Substantive betrachten und verstehen. Wenn wir also etwas als »islamisch« bezeichnen, dann statten wir es mit den göttlichen Attributen des Islams aus (perfekt, frei von Mängeln und Fehlern), und bezeichnen wir etwas als »muslimisch«, dann kann es nicht perfekt sein, da es mit den menschlichen Attributen eines Muslims ausgestattet ist, also mit Fehlbarkeit.

Leider zeigt der zeitgenössische Sprachgebrauch, besonders auch unter abendländischen Muslimen, keine solche Unterscheidung. Dabei handelt es sich doch um eine gewaltige Aussage, einen Menschen, eine menschliche Institution oder ein menschliches Machwerk als islamisch zu bezeichnen. Gebietet es nicht die Zurückhaltung und Bescheidenheit, die eigene Person und das eigene Werk mit den menschlichen Attributen des Muslims auszustatten?

Man soll mich nicht falsch verstehen. Das Adjektiv islamisch hat ganz sicher seine Berechtigung, nämlich immer dann, wenn wir ein Ideal umschreiben, welches uns anzustreben empfohlen ist. So sind wir angehalten, dass islamische Gebet zu verrichten, aber unser Gebet, wenn wir es verrichtet haben, ist und bleibt das Gebet eines Muslims, niemals perfekt. Die Tugenden, die Allah – der Hocherhabene – und Sein Gesandter – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – uns auferlegten, sind unzweifelhaft islamische Tugenden, aber im Resultat, wenn wir versuchen sie bestmöglich in der Lebenspraxis umzusetzen, sind sie bestenfalls ein Schatten dessen, was wirklich islamisch ist.

Und aus dieser Perspektive schaue ich auf unsere Sprachpraxis, wenn ich die Machwerke der Muslime betrachte. Wir kennen islamische Vereine, islamische Parteien, islamische Schulen, islamische Kindergärten, islamische Gelehrte und eine islamische Nation. Und wir haben in Deutschland sogar eine Islamische Zeitung und im Nahen Osten einen Islamischen Staat.

Verspürten die Muslime auch in der Vormoderne schon den Drang, ihre fehlbaren Handlungen und Werke als islamisch, also quasi unfehlbar zu bezeichnen? Man vergleiche mal die Literatur der Vormoderne mit der Literatur des heutigen Zeitalters, egal ob im Abend- oder Morgenland. Die Adjektive islamisch, islamic, islamiyya  usw. finden sich, wenn überhaupt, nur ganz selten, während sie heute allgegenwärtig sind.

Wie will man unter diesen sprachlichen Voraussetzungen von einem Unwissenden oder Nichtmuslim verlangen, die obige Weisheit ernst zu nehmen?

Medien- und Behördenhetze: Sind arabische Korane für muslimische Flüchtlinge gefährlich?

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, die mildtätigen Handlungen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe öffentlich kategorisch als Missionierungs- bzw. Anwerbungsversuche anzuprangern.

Der (arabische) Koran ist für jeden praktizierenden Muslim ein ganz normaler und äußerst wichtiger Teil des religiösen Lebens. Es gibt weder einen salafistischen, noch einen sunnitischen oder schiitischen Koran.

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Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine gewaltige Erleichterung im Leben, wenn man ein komplett gefestigtes Weltbild hat, wenn sich also im groben Blick auf den Menschen und seine gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Handlungen – und den daraus resultierenden Konsequenzen – keine großen Fragen mehr auftun.

Wer ein solches Weltbild in sich trägt, sucht nicht mehr nach Antworten, sondern stellt mit teils größter Verwunderung fest, dass sich dieses Weltbild nur noch bestätigt oder komplettiert, wenn man die Literatur der Weisen liest, die sich auf Beobachtung und Analyse beschränkten und nicht in spekulativen und rationalistischen Konstrukten ergingen.

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3 mal Roland Baader (I)

»Man hilft den Armen nicht, wenn man dafür sorgt, dass sich Armut lohnt.«

»Das Höchstmaß an „sozialer Gerechtigkeit“ ist erreicht, wenn wir alle als Penner durch die Straßen irren.«

»Versklavung kann man definieren als die Enteignung von Lebenszeit und Arbeitsleistung. Nichts anderes sind Steuern und Abgaben.«

3 mal Nicolás Gómez Dávila (LXIV)

»Die nahe Zukunft wird wahrscheinlich extravagante Katastrophen mit sich bringen, aber was die Welt am sichersten bedroht, ist nicht die Gewalttätigkeit hungerleidender Volksmengen, sondern die Übersättigung sich langweilender Massen.«

»Der Preis der intellektuellen Authentizität ist, gefühllos und egoistisch zu erscheinen.«

»Was macht es, daß uns die verurteilen, die unsere Einsichten nicht teilen?«

 

Zitat: Christian Rogler – Das Verständnis von „rechts“

»Offenbar hat sich das Verständnis von „rechts“ im Laufe der letzten Jahrzehnte im Wege einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung noch stärker zum Negativen entwickelt als der Begriff „konservativ“.

Wenn man in meiner Jugend mit irgendwelchen DVU-Leuten gesprochen hat oder auch nur mit irgendwelchen Angehörigen der Kriegsgeneration, die an Omas Kaffeetisch saßen, dann waren das gebildete, belesene Leute, die stundenlang über die Geschichte ihres Heimatortes, ihrer Familie, über die Geschichte Deutschlands erzählen konnten. Sie kannten Gedichte, Opern, hatten Ahnung von Religion und Kultur und Respekt davor, auch vor der Kultur und Religion anderer. Sie hatten Umgangsformen und waren gute Großväter, Nachbarn oder Lehrer. So etwas – und die anmaßende Art bzw. abstoßende Ideologie der 68er – machten es schwer, zu erkennen, dass ihre apologetischen Vorstellungen über die Kriegs- und NS-Zeit verkürzt waren, dass Deutschland kein Opfer war, auch wenn viele Menschen litten, die sich nicht an Verbrechen beteiligt hatten. Man fühlte Empathie angesichts ihres Vertreibungsschicksals oder angesichts der Tatsache, dass sie die besten Jahre ihres Lebens an der Front verloren hatten. „Rechts“ zu sein war einfach, als sie noch da waren.

Aber jetzt sind „Rechte“ die tätowierten, adipösen, versoffenen und grölenden Kevins und Cindys aus Heidenau, die nicht einmal die eigene Muttersprache beherrschen, wahrscheinlich nicht einmal die deutschen Landeshauptstädte aufzählen könnten, in Flüchtlingen ihre „Fressfeinde“ bei der Verteilung staatlicher Versorgungsleistungen sehen und den Islam hassen, weil jede mehrfache Mutter mit Kopftuch sie in Neid darauf verfallen lässt, dass es noch Menschen mit anderen Lebensinhalten gibt als das Dschungelcamp zu gucken oder die Wochenenden in Bauchfreitop und Hot Pants auf Ü40-Partys zu verbringen. Der Volkssturm der Bild-Zeitung also.

Und dann noch die „Konservativen“, die sich auf Alice Schwarzer und Ralph Giordano berufen. Leute, geht nach Hause. Ihr habt lange und laut genug Euren Offenbarungseid geleistet.«

(Christian Rogler, Unternehmer, Redakteur sowie sozialkonservativer und staatskritischer Reakionär >>)