Archiv für den Monat: November 2012

Liberalismus mal anders betrachtet (2. Teil)

von Yahya bin Rainer al-Brusi

Der morgenländische und der abendländische Liberalismus, zwei wirklich verschiedene Paar Schuhe. Zur Zeit kann man in Ägypten ganz gut beobachten, wie sich die Anhänger des dortigen Liberalismus gebaren. Am Sonntag starb ein 15jähriger Anhänger der Muslimbrüder, als wildgewordene Liberale die Parteizentrale in der Stadt Damanhur stürmten (>>). Und auch der moralische Relativismus zeigt mehr und mehr seine hässlich Fratze in der Gesellschaft. (Siehe hier>> und hier>>)

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Zitat: de Montesquieu – Die Wahrheit bricht doch hervor und durchdringt allemal die Finsternisse

„Ich sehe überall Mohammedanismus, obwohl ich keinen Mohammed bei ihnen finde. Man tue, was man will: Die Wahrheit bricht doch hervor und durchdringt allemal die Finsternisse. Es wird ein Tag kommen, wo der Ewige auf Erden nur wahre Gläubige erblicken wird. Die Zeit, welche alles verzehrt, wird die Irrtümer vernichten. Alle Menschen werden sich mit Erstaunen unter einem einzigen Panier einfinden … „

(Baron de Montesquieu 1689-1755, zitiert in Allahs Diener in Europa von Stefan Markowski, Seite 106)

Zitat: Rainer Maria Rilke – In einem Osten, der nicht alle wird

„Einmal habe ich im Koran zu lesen versucht, ich bin nicht weit gekommen, aber so viel verstand ich: da ist wieder so ein mächtiger Zeigefinger , und Gott steht am Ende seiner Richtung, in seinem ewigen Aufgang begriffen, in einem Osten, der nicht alle wird.“

(Rainer Maria Rilke, zitiert in Allahs Diener in Europa von Stefan Markowski, Seite 221)

Buchauszug: Hans-Hermann Hoppe – Demokratisches Gesetzemachen

„[…] allein schon der Akt der Gesetzgebung – des demokratischen Gesetzemachens – [erhöht] den Grad der Unsicherheit. Statt unveränderlich und somit voraussehbar zu sein, wird Recht zunehmend flexibel und unvoraussehbar. Was heute Recht und Unrecht ist, mag morgen anders sein. Die Zukunft wird damit unsicherer. Infolgedessen steigt der Grad der Zeitpräferenz allgemein an, Konsum und kurzfristige Orientierung werden angeregt, und zugleich wird der Respekt vor allen Gesetzen untergraben und Kriminalität gefördert (denn wenn es keinen unabänderlichen ‚Rechts‘-Standard gibt, gibt es auch keine feste Definition von ‚Kriminalität‘).“

(Hans-Hermann Hoppe, Demokratie, der Gott der keiner ist, Seite 95-96 )

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.3 – Kriegsberichterstattung

Mustafa Bey, berauscht von gutem Erfolg und von dem Weine zu Tayf, glaubte ganz allein im Stande zu sein, die Wahaby zu unterjochen. Die Stadt Taraba, etwa 70, oder 80 englische Meilen von Tayf in östlicher Richtung entfernt, gehörte zu den wichtigsten festen Punkten, welche die Wahaby der Provinz Nedschid mit denen der Gebirge Jemens verbanden. Zu Taraba wohnten die Begum-Araber; und seit den Kriegen der Wahaby mit dem Scherif Ghaleb hatten sie ihre Stadt mit einer Mauer und einem Graben befestigt; auch der dichte Wald von Dattelbäumen, in welchem dieselbe lag, gewährte ebenfalls Schutz. Mustafa Bey rückte gegen Taraba, fand aber Widerstand in der Gebirgsgegend und musste mit einem Verlust von 4, oder 500 Mann nach Tayf zurückkehren. Othman el Medhayfe war unterdessen mit seiner leichten Reiterei nicht untätig: er durchschwärmte die Gegend nach allen Richtungen, schnitt eine Menge Nachzügler ab, unterbrach oft die Kommunikation mit Mekka und beunruhigte den ganzen Sommer von 1812 die Garnison von Tayf. Der Scherif Ghaleb, welcher gleich dem Othman seine Beduinenreiter hatte, bot 5000 Dollars als eine Belohnung für die Gefangennahme Othmans. Persönliche Feindschaft gegen seinen Schwager, welcher die Hauptursache alles seines Missgeschickes mit den Wahaby gewesen war, siegte in diesem Punkte über seinen Verstand, und er bedachte nicht, dass, wenn die Beduinen in der Gegend von Mekka diesen Anführer verlören, die Türken es leicht finden würden, sich im Lande festzusetzen und ihn selbst seiner Autorität zu entkleiden.

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Gedicht: Johann Ludwig Uhland – Der gute Kamerad

Ich hatt‘ einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

Buchauszug: Immanuel Kant – Die Pflicht (Fard)

Pflicht! du erhabener großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst, doch auch nichts drohest, was natürliche Abneigung im Gemüte erregte und schreckte, um den Willen zu bewegen, sondern bloß ein Gesetz aufstellst, welches von selbst im Gemüte Eingang findet, und doch sich selbst wider Willen Verehrung (wenngleich nicht immer Befolgung) erwirbt, vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich in Geheim ihm entgegenwirken, welches ist der deiner würdige Ursprung, und wo findet man die Wurzel deiner edlen Abkunft, welche alle Verwandtschaft mit Neigungen stolz ausschlägt, und von welcher Wurzel abzustammen die unnachlaßliche Bedingung desjenigen Werts ist, den sich Menschen allein selbst geben können?

(Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft)

Buchauszug: Bodley – Gelassenheit, Ruhe und Fassung

Der Journalist, Schriftsteller und britische Armee-Offizier Colonel Ronald Victor Courtenay Bodley (1892-1970) begab sich im Jahre 1918 auf ein großes Abenteuer. Aufgrund einer enttäuschenden Lebenslage beschloss er spontan, sich für einige Zeit in die Sahara zurück zu ziehen, um dort bei einem arabischem Normadenstamm zu leben. Das englischsprachige Wikipedia weiß dazu folgendes zu berichten:

„Bodley ran into Lawrence one day outside the Paris Peace Conference and told him of his intent to move into politics. Lawrence responded furiously, calling Bodley a moron and a traitor. When Bodley replied telling him he had no other prospects now that the war was over and asking what he should do, Lawrence suggested „Go live with the Arabs.“ Bodley promptly sorted his affairs and went to live in the Sahara. His bemused friends held him a farewell party. They all agreed Bodley would be back in six weeks; Bodley did not return for seven years.“

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Auszug: Ahmad Hassan az-Zayyat – Der Kommunismus und der Atheismus in euren Köpfen

Juri Alexejewitsch Gagarin (1934-1968), der im Jahre 1961 mit einer sowjetischen Rakete die Erde umrundete, gilt als erster Mensch im Weltraum. Von ihm wird folgende Aussage berichtet: „Ich bin in den Weltraum geflogen, aber Gott habe ich dort nicht gesehen.“
Ahmad Hassan az-Zayyat (1865-1968), damaliger Chefredakteur der ägyptischen Zeitung Al-Risala, griff dieses Zitat auf und äußerte sich dazu in einem Artikel (die Übersetzung stammt aus dem Buch La Tahzan / Sei nicht traurig):

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Liberalismus mal anders betrachtet (1. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Dies sind die (ungefähren) Worte des großen islamischen Gelehrten Imam Abū Ḥāmid Muḥammad bin Muḥammad al-Ġazālī -Allah sei ihm gnädig-.

„Daraus ist in voller Klarheit ersichtlich, dass diese Leute die schlechtesten Geschöpfe Allahs und der Gemeinde des Propheten sind und ihre Heilung hoffnungslos ist, und es zwecklos ist, mit ihnen zu diskutieren und sie zu beraten, dass es notwendig ist, sie auszurotten und ihr Blut fliessen zu lassen. Ein anderes Mittel sie zum Rechten zu führen, gibt es nicht. ‚Allah vollbringt mit Schwert und Speer, was Er nicht durch Beweis vollbringt.'“

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Freilich eine erschreckend harte Aussage, speziell von diesem Gelehrten, der eigentlich für seine barmherzige und liebevolle Art bekannt war. Was veranlasste diesen ehrwürdigen und großartigen Gelehrten, ein solch rigides Urteil zu fällen? Wer waren diese Leute?
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Ihre Bezeichnung zur damaligen Zeit war al-Ibahiyya. Es handelte sich um eine Gruppe von Menschen, die die Ansicht vertraten, dass die tradierten religiösen Gesetze nicht verbindlich seien und sämtliche darin enthaltenen Gebote und Verbote grundsätzlich als mubah (frei zu tun) gelten, insbesondere im Bereich der Sittengesetze.
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Deutschsprachige Orientalisten übersetzten den Begriff Ibahiyya trefflich mit Libertinisten und es ist unbestreitbar, dass sie die frühen Vorläufer des gegenwärtigen morgenländischen Liberalismus waren.
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Der zeitgenössische Liberalismus des Morgenlandes unterscheidet sich eigentlich nicht großartig vom damaligen. Auch heute fordern die Liberalen des Orients offen und mit aller Entschlossenheit, dass das Schariarecht nicht staatlich implementiert gehört (Säkularismus, Laizismus) und das jeder selbst entscheiden sollte ob er die islamischen Sittengesetze befolgen möchte oder auch nicht. Unterschiede finden wir – im Vergleich zu heute – lediglich in ihrer äußerlichen Erscheinungsform, denn diese Bewegung hatte ihren Ursprung im damaligen Sufitum und so gaben sich die Libertinisten zu al-Ghazalis Zeiten auch äußerlich als solche zu erkennen. Heute allerdings sind neben Sufis auch Kommunisten, Sozialisten und Demokratisten mit von der Partie (wie z.B. in Ägypten).
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Der Liberalismus – also die Lehre von der Freiheit des Individuums -, egal ob nun der morgenländische oder abendländische, richtet sich grundsätzlich immer gegen äußerlichen Zwang. Im Morgenland war es das Schariarecht, das von den Libertinisten (und späteren Liberalen) als despotisch empfunden wurde, weil dieses tradierte Recht fraglos Geltung hatte, wie es der Islam – als Gesetzesreligion – nun einmal vorschreibt .
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Im abendländischen Europa jedoch sah das anders aus. Mit dem Christentum dominierte hierzulande eine Religion, die sich nicht als Gesetzesreligion verstand, sondern als insich heilbringend. So galt in vielen Gegenden des mittelalterlichen und frühmodernen Europas (mehr oder weniger) das antike Römische Recht, dass ebenfalls ein tradiertes, jedoch nicht fraglos geltendes Recht war. Es konnte also hier und dort von der später mehr und mehr absolutistischen Legislative (Gesetzgebung) der Herrscher in den jeweiligen Großreichen und Kleinstaaten aufgeweicht bzw ersetzt werden, ohne das dieses grundsätzlich als unrecht bzw ungerecht galt.
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Die ersten Fälle von Legislative (sprich: menschengemachter Gesetzgebung) gegen das tradierte Recht, hatten im damaligen Europa schlicht und ergreifend nur einen einzigen Zweck, nämlich die Ausbeutung der Untertanen durch den gegenwärtigen absolutistischen Herrscher. Es waren zumeist diverse Arten von Steuern und Abgaben, die sich die Herrscher ausdachten und sodann zu allgemeingültigen Gesetzen werden ließen. Aber auch das Sittengesetz war für den absolutistischen Gesetzgeber kein Tabu.
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Wirklichen und ernstzunehmenden Widerstand gegen geltendes Gesetz gab es in Europa verständlicherweise also erst, als Menschen begannen sich die Allmacht anzumaßen, tradierte Rechte abzuschaffen, zu ersetzen oder durch endlos weitere selbsterdachte Gesetze einzuschränken.
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Und hier kommen wir zum maßgeblichen Unterschied zwischen dem abendländischen und morgenländischen Liberalismus. Im Morgenland richtete sich der Liberalismus gegen das tradierte Recht, das über jedem Herrscher stand, also nicht abgeschafft, ersetzt oder eingeschränkt werden durfte. Im hiesigen Abendland jedoch begehrte man zumeist gegen die Gesetze der Herrscher auf, die das althergebrachte tradierte Recht zerstörten.
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Mit dem Liberalismus des Orients möchte ich mich in diesem Beitrag nicht auseinandersetzen, dazu kenne ich mich zu wenig mit den dortigen Geisteswissenschaften aus. Aber der klassische Liberalismus des Okzidents jedoch hat es mir schon seit einigen Monaten schwerst angetan. Die Tatsache, dass das Christentum eine Heilslehre ohne verbindliche Gesetzgebung aufweist, machte es für die Menschen in diesen Gefilden notwendig darüber nachzusinnen, wie Gesellschaft, Recht und Gesetz auszusehen hat. Diese Anforderung an die Menschen belebte in Europa die alte Schule der Philosophie. Für alle Bedürfnisse der Lebensführung entwickelten sich philosophische Bereiche, wie die politische Philosophie, die Rechtsphilosophie, die Moralphilosophie, die Freiheitsphilosophie, … uvm.
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Es waren mitunter hochintelligente und honorige Herrschaften, die sich den Kopf darüber zerbrachen, welchen Sinn das Leben, der Mensch und sein Tun hat und welcher moralische, sittliche, rechtliche und gesetzliche Rahmen hierzu am passendsten, nützlichsten und gerechtesten sei. Welch eine große Aufgabe für die nicht unfehlbare Gattung Mensch. Viele Gesellschaftformen wurden so konstruiert, viele althergebrachte Traditionen relativiert und manch eine Generation musste die Resultate dieses Konstruktivismus und Relativismus schmerzhaft ausbaden.

Hier im Abendland glaubte man, durch die Abschaffung der absolutistischen Monarchie (Gesetzgebung durch einen Alleinherrscher) und Relativierung religiös-moralischer Grundwerte, eine Lösung für das Problem von Despotie und Knechtschaft gefunden zu haben. Mit der französischen Revolution läutete man eine neue Epoche ein und ersetzte die Souveränität des Monarchen und den Einfluss der Religion durch eine säkularisierte Volkssouveränität. Diesem Beispiel folgten später auch andere Völker und Nationen und es kam der Amerikanische Bürgerkrieg (Resultat: Demokratie), die Russische Revolution (Resultat: Sowjetsozialismus) und die Deutschen Revolutionen (Resultate: Republik und Nationalsozialismus) … allesamt einzigartig an Grausamkeit und Opferzahl.

All diese epochalen Umwälzungen waren gewissermaßen das Resultat philosophischer Konstrukte, die nach ihrem offensichtlichem Scheitern nicht etwa eingestampfte, sondern von unbelehrbaren Ewiggestigen ins Morgenland exportiert wurden.

Paul Berman, ein bekannter us-amerikanischer „liberaler“ Falke, schrieb in seinem Buch Terror und Liberalismus u.a. folgendes:

„Die gesamte muslimische Welt ist von deutschen Philosophien aus längst vergangener Zeit überschwemmt worden – den Philosophien des revolutionären Nationalismus und Totalitarismus, clever in muslimische Dialekte übersetzt. Lassen wir die Deutschen in der gesamten Region von Tür zu Tür gehen und eine Rückrufaktion durchführen. Sie können sich nützlich machen.“

Auszug: Hans-Hermann Hoppe – Herrschaft des Mobs

„Demokratie hat eben nichts mit Freiheit zu tun. Demokratie ist eine von Demagogen angereizte und unsicher gesteuerte Herrschaft des Mobs. Insbesondere die deutsche Demokratie trägt Züge eines weichen, durch weitgehende und als solche oft kaum mehr wahrgenommene Selbstzensur gekennzeichneten Totalitarismus.“

(Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe, Freiheit statt Demokratie, Junge Freiheit 26/5)