Archiv für den Monat: April 2016

Wenn Deutsche ständig meckern, murren und lamentieren

von Yahya ibn Rainer

Das häufige Meckern, Murren und Lamentieren im kleinen Kreis (z.B. unter Gleichgesinnten) oder für-sich allein, ist eine bekannte Eigenart des allgemeinen Deutschen. Man kann es nervig finden und kleinkariert, aber es erfüllt einen gewissen Zweck.

Für uns Deutsche – im protestantischen Norden etwas mehr, im katholischen Süden etwas weniger – ist Zurückhaltung eine wichtige, ja geradezu angeborene Tugend. Man ist nicht gern laut, versucht möglichst Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen und scheut den offenen Konflikt.

Allerdings kann auch der allgemeine Deutsche das Leben in der Gemeinschaft nicht entbehren und stößt deshalb, besonders in der Großstadt recht häufig, auch auf Mitmenschen, die diese Tugenden nicht (mehr) im wünschenswerten Umfang beherrschen oder gar mit einer komplett anderen Wesensart geschlagen sind.

Dort ist man dann mit Menschen konfrontiert, die laut(er) sind, in gewissen Situationen keine Rücksicht nehmen, bestimmte Normen nicht einhalten, und dies alles womöglich noch in einer fremden Sprache und im Grenzfall sogar höchst temperamentvoll (oder aggressiv). Das ringt einem Deutschen, egal wie viel Zurückhaltung er auch zu wahren versucht, viel Disziplin ab und erzeugt einen gewissen Rückstau an Emotionen.

Und da auch wir keine Maschinen sind, sondern empfindungsfähige Geschöpfe, brauchen diese aufgestauten Emotionen ein Ventil. Manchen, wirklich disziplinierten Deutschen, reicht dabei ein leichtes Kopfschütteln, ein dezentes Augenrollen oder ein leises Schnalzen mit der Zunge. Andere jedoch müssen etwas mehr tun, um den Druck abzuführen. Sie meckern, murren und lamentieren dann, allerdings erst, wenn sie allein sind oder im Kreise Gleichgesinnter.

Ist der Mitteilungsdruck einmal besonders groß, dann nimmt man sogar in Kauf, dass umstehende Fremde Kenntnis vom eigenen Unmut nehmen, wobei man allerdings niemals jemanden persönlich anspricht, sondern einen gepflegten Monolog führt.

Im Zeitalter des Internets und der sozialen Netzwerke droht diese persönliche Zurückhaltung jedoch ein Ventil gefunden zu haben, das zu purer Enthemmung führt. Der allgemeine Deutsche übt zwar immer noch seine Zurückhaltung im öffentlichen Raum, jedoch entlädt er nun seinen Frust (meist anonym) auf Facebook und Twitter. Dort findet er nicht nur haufenweise Gleichgesinnte, sondern auch politische Agitatoren, die dem deutschen Meckerhannes eine große Plattform bieten und seinen Frust geschickt als Propaganda nutzen.

Was früher ein Garant für ein friedliches und zivilisiertes Zusammenleben war, ist heute zu einer schlimmen Waffe verkommen, die den gesellschaftlichen Frieden gefährdet. Die so kostbare Zurückhaltung führt den gesellschaftlichen Zustand in der realen Welt vollkommen ad absurdum, wenn man im Vergleich dazu die enthemmte Frustration der digitalen Welt betrachtet.

Zwei Dinge sind meines Erachtens wichtig, damit sich dieser Zustand wieder etwas entspannt.

  1. Die Menschen müssen wieder lernen sich in Zurückhaltung zu üben. Ich weiß, dass das Gerede von Integration einigen schon aus dem Halse heraushängt, aber in dieser Sache sehe ich eine Bringschuld bei all denen, die dem deutschen Wesen gegenüber eher abgeneigt sind (was nicht nur Ausländer sein müssen, sondern häufig auch sehr eigensinnige oder linke Individualisten).
  2. Lasst die Nazi-Keule mal häufiger stecken. Es ist einfach ein Fakt, dass meckernde Deutsche, besonders wenn sie sich über Ausländer beschweren (was ja nicht per se immer zu Unrecht sein muss), gern als Nazis, Rassisten oder ähnliches beschimpft werden. Das kann wirklich sehr frustrierend sein und trägt letztendlich nicht zu einer Besserung des Verhältnisses bei.

Ich, für meinen Teil, zelebriere meine Zurückhaltung geradezu. Ich empfinde es sogar als äußerst befriedigend, mit nahezu uneingeschränkter Ruhe und Empathie den öffentlichen Raum zu durchschreiten und möglichst niemandem zur Last zu fallen. Probiert es einfach mal aus und euch wird gewahr, dass sogar der kleinkarierteste Meckerhannes in der Lage sein wird, euch ein zufriedenes Lächeln zu schenken.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Über Rizq/Versorgung, Einkommen und Kapital/Vermögen

«Die erworbenen Dinge machen, wenn sie dem Umfang des (für den Menschen zum Leben) notwendigen Maßes und Bedarfes entsprechen, seinen Lebensunterhalt aus. Sie sind Vermögen und Kapital, wenn sie darüber hinausgehen. Wenn dann der Nutzen dieser erworbenen und erzielten Summe auf einen Menschen zurückfällt und er sie für eigene Interessen und Bedürfnisse ausgeben kann, so nennt man das Rizq (Versorgung). […]

Wenn der Mensch die (erzielte Summe) nicht für seine Interessen und Bedürfnisse nutzen kann, spricht man hinsichtlich des Eigentümers nicht von Rizq. Der Teil des Eigentums, den der Mensch durch seine Mühen und Fähigkeiten erlangt hat, wird Einkommen genannt.

So wird die Erbschaft in Bezug auf den Verstorbenen als Einkommen und nicht als Rizq bezeichnet, da der Verstorbene daraus keinen Nutzen mehr zu ziehen vermag. Im Hinblick auf die Erben wiederum wird es Rizq genannt, sofern diese daraus Nutzen ziehen.

Das ist es, was bei der Ahl as-Sunnah (den Sunniten) unter Rizq verstanden wird. Die Mutazila machte bei der Bezeichnung «Rizq» noch zur Bedingung, dass das Eigentum auf rechte Weise erworben sein müsse. Solch ein Besitzanspruch, der nicht rechtens sei, verdiene nach ihrer Auffassung nicht die Bezeichnung Rizq. Alles widerrechtlich Erworbene und Verbotene fiel bei ihnen nicht unter die Kategorie Rizq.

Allah der Erhabene jedoch versorgt in seiner Gnade sowohl denjenigen, der sich widerrechtlich etwas aneignet, als auch den, der Unrecht tut, ferner den Rechtgläubigen wie den Ungläubigen und führt, wen immer er will, auf den rechten Pfad. Die Mutaziliten haben für ihre Auffassung Argumente, für deren Darlegung hier jedoch nicht der Ort ist.

Wisse ferner, dass das Einkommen aus dem Streben, (bestimmte Dinge) anzuschaffen, und der Absicht, (diese) zu erlangen, resultiert. Auch für das Rizq sind Mühen und Arbeit unverzichtbar, selbst wenn man es auf die für seine charakteristische Art und Weise erlangt und erstrebt. Der Erhabene sprach:

«… Sucht darum bei Allah die Versorgung (rizq) …» Quran 29.:17

Die Mühen, das Rizq zu erlangen, hängen von der Vorherbestimmung Allahs, des Erhabenen, und Seiner Inspiration ab, denn alles rührt von Allah her. Menschliche Arbeit ist für alles Erworbene und jegliches Kapital unabdingbar. Handelt es sich dabei um Arbeit an sich, wie beispielsweise die menschlichen (praktischen) Fertigkeiten, so ist dies offensichtlich. Aber auch wenn das Rizq (aus der Arbeit) von Tieren, Pflanzen und Mineralien herrührt, ist die menschliche Arbeit dabei unverzichtbar, wie man sehen kann. Ohne sie wird nichts erreicht und lässt sich nichts nutzbar machen.

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 210-211, leicht redigiert)

Imam al-Qurtubi – Der nach Profit strebende Kaufmann erreicht die Stufe eines im Jihad Kämpfenden (Mujahid)

Der berühmte Tafsir-, Hadith und Rechtsgelehrte Imam Abu ‚Abdullah Al-Qurtubi (gest. 671 n. H.) kommentierte in seinem Tafsir al-Qurtubi den Teil „[…] und andere, die im Land umherreisen, wo sie nach (etwas) von Allahs Huld trachten, und andere, die auf Allahs Weg kämpfen. […]“ der 20. Ayah in Sure Al-Muzzammil (73) mit folgenden Worten

Allah der Hocherhabene hat in dieser Ayah diejenigen, die sich im Jihad befinden (Mujahidin) und diejenigen, die Geld erwirtschaften – um es für sich selbst und ihre Angehörigen auszugeben und um Gutes zu tun und andere damit zu beschenken – gleichgestellt.

Daher ist (diese Ayah) ein Beweis dafür, dass das Erwirtschaften von Geld die selbe Stufe einnimmt, wie der Jihad, denn Er (Allah) hat es gemeinsam (in der selben Ayah) mit dem Jihad auf dem Wege Allahs erwähnt.

Und Ibrahim überlieferte von Alqamah, dass er sagte:

«Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, sagte: „Kein Kaufmann importiert Nahrungsmittel von einem Land in ein anderes und verkauft sie dort zum aktuellen Tagespreis, außer dass seine Stufe bei Allah dabei der Stufe der Märtyrer gleicht. Danach rezitierte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil:

‚ … und andere reisen nach Allahs Huld trachtend im Land umher und andere kämpfen auf dem Wege Allahs‘»

Und Ibn Mas’ud sagte:

«Immer, wenn ein Mann etwas in eine Stadt der Muslime importiert, wobei er geduldig ist und Allahs Lohn erwartet, und es daraufhin für den aktuellen Tagespreis verkauft, so bekommt er bei Allah die Stufe der Märtyrer. Und er rezitierte die Ayah:

‘ … und andere ziehen im Land umher … ’»

Und Ibn Umar sagte:

«Allah hat keinen Tod erschaffen, der mir – nach dem Tode (beim Jihad) auf dem Wege Allahs – lieber wäre, als der Tod zwischen den zwei Teilen meines Kamelsattels, während ich im Lande umherreise und dabei nach der Großgiebigkeit Allahs strebe.»

Und Tawus sagte:

«Wer für die Witwe und den Armen arbeitet, ist wie der derjenige im Jihad auf dem Wege Allahs.»

Ein herzlicher Dank - für Hinweis und Übersetzung - geht raus an die Brüder der "Ökonomie und Gesellschaft" Telegram-Gruppe.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Regierungsgesetze sind ungerecht und eine Hinterlist des habgierigen Herrschers

«Wenn der sesshafte Mensch ein großes Vermögen besitzt, viel Grund und Boden erworben hat, der Reichste in der Stadt geworden ist und man ihn als solchen ansieht, wenn er im Luxus lebt und sich dessen Gepflogenheiten hingibt, dann kann er mit den Emiren und Herrschern konkurrieren. Sie bedrängen ihn deshalb, denn die Feindseligkeit, die in der menschlichen Natur liegt, lässt sie nach seinem Besitz streben.

Sie streiten mit ihm um den Besitz und bedienen sich dabei aller möglichen Mittel, bis sie ihn in den Fallstricken des königlichen Gesetzeswerkes gefangen haben und einen Anlass finden, ihn zu bestrafen und ihm auf diese Weise das Vermögen zu entreißen. Die Mehrzahl der (weltlichen) Regierungsgesetze ist in den meisten Fällen ungerecht, denn die reine Gerechtigkeit gab es nur im legitimen Kalifat, das aber nur von kurzer Dauer war.

Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – sprach:

«Nach mir wird das Kalifat noch dreißig Jahre währen und dann wieder zu gemeiner königlicher Herrschaft werden.»

Deshalb braucht derjenige, der Geld und beträchtlichen Reichtum, von dem die Bevölkerung weiß, sein eigen nennt, unbedingt jemanden, der ihm Schutz bietet, und einen gesellschaftlichen Rang, der ihn abschirmt. Dies zu gewährleisten vermag jemand aus der Verwandtschaft bzw. der Umgang des Thrones oder auch eine asabiya (Solidarität eines Stammes), vor der sich der Herrscher in acht nehmen muss. So findet der Vermögende hinter ihrem Rücken Schutz und kann vor Feindseligkeiten sicher sein. Hat er diesen Schutz nicht, wird er zum Opfer aller erdenklichen Hinterlist und gesetzlichen Vorwände.

«Allah entscheidet. Und es gibt niemand, der seine Entscheidung revidieren könnte.» [Koran 13. 41]

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 191-192)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Darlegung der Arbeitsteilung als Grundlage für allgemeinen Reichtum

Bereits im August 2015 wies ich an dieser Stelle auf die Muqaddima von Ibn Khaldun hin, Bezug nehmend auf seine Darlegung der Arbeitsteilung, welche vieles von dem voraus nahm, was etwa 400 Jahre später Adam Smith publizierte und ihm den Titel eines Aufklärers und des Begründers der klassischen Nationalökonomie und der Freien Marktwirtschaft einbrachte. Hier nun ein weiterer Auszug aus Ibn Khalduns Muqaddima, diesmal Bezug nehmend auf die Wichtigkeit der Arbeitsteilung für die Erwirtschaftung eines Überschusses, was als Grundlage für einen prosperierenden Handel und allgemeinen Wohlstand und Reichtum betrachtet wird.

«Je nach Größe ihrer Bevölkerung unterscheiden sich die Städte und Ortschaften in· der Vermögenslage ihrer Bewohner sowie in der Prosperität ihrer Märkte.

Die Ursache hierfür liegt darin, dass, wie bekannt und erwiesen ist, der einzelne Mensch allein die Bedürfnisse seines Lebensunterhaltes nicht decken kann und dass die Menschen zu diesem Zweck in ihrer Zivilisation zusammenarbeiten.

Doch was mehrere Menschen durch ihr Zusammenwirken erreichen können, beträgt ein Vielfaches des (zum Leben) Notwendigen für eine viel größere Anzahl von Menschen. So kann z. B. der einzelne seinen Bedarf an Weizen, den er als Nahrung benötigt, nicht allein erzeugen.

Doch wenn sich nun sechs oder zehn Leute daran beteiligen – ein Schmied und ein Zimmermann für die Werkzeuge, jemand, der die Rinder aufzieht, andere, die die Erde pflügen, Ähren abernten und alle anderen Mühen der Landwirtschaft meistern – und wenn sie diese Arbeiten untereinander verteilen oder gemeinsam ausführen, dann schaffen sie durch ihr Wirken so viel an Nahrung, dass diese Nahrung für eine vielfache Menge von ihnen selbst ausreicht.

Gemeinschaftliche Arbeit geht somit über die Bedürfnisse der Arbeitenden und das für sie (zum Leben) notwendige Maß hinaus. Wenn alle Arbeiten der Bewohner einer Ortschaft oder Stadt entsprechend den notwendigen Dingen und Bedürfnissen verteilt werden, genügt ein Minimum jener Arbeiten. Das Arbeitsvermögen kann folglich mehr als das Lebensnotwendige erbringen. Diese überschüssige Kraft wird für luxuriöse Lebensverhältnisse und die damit verbundenen Gepflogenheiten sowie für jene Dinge, die die Bewohner anderer großer Städte brauchen, aufgewendet. Deren Bewohner beschaffen sich die Dinge von ihnen durch Tausch oder Kauf mit Bargeld. Hierdurch gelangen sie zu einem gewissen Reichtum.»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 183-184)

Buchauszug: ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz – Über den Ruhm der Schwarzen über die Weißen

Der Text "Risālat mufāḫarat as-sūdān ʿalā l-bīḍān" (Über den Ruhm der Schwarzen über die Weißen) stammt aus einem der zahlreichen Adab-Bücher des berühmten Gelehrten und Literaten Abu Uthman Amr ibn Bahr al-Jahiz (159-255 n. H.). Al-Jahiz war afrikanischer Abstammung und ein Anhänger der mutazilitischen Glaubenslehre. Dieser Auszug wurde von Walter W. Müller in die deutsche Sprache übertragen und 1967 - neben vielen anderen Übersetzungen - in seinem Buch "Arabische Geisteswelt - Ausgewählte und übersetzte Texte von al-Jahiz (777-869)" bei der Artemis Verlags-AG in Zürich publiziert.

«Die Schwarzen sagen: Die Menschen stimmen darin überein, daß es auf der Erde kein Volk gibt, unter dem die Freigiebigkeit so verbreitet und bei dem sie so vorherrschend ist wie bei den Zanj (afrikanischen Schwarzen). Nun finden sich aber diese beiden Merkmale (nämlich die Freigiebigkeit und die Tapferkeit, von der vorher die Rede war) nirgendwoanders als unter Edlen.

Dieses Volk hat die beste natürliche Veranlagung zum Tanz und zum Schlagen der Trommeln, um den Rhythmus anzugeben, ohne daß es darin unterrichtet und unterwiesen worden wäre. Es gibt auf der Erde keine besseren Sänger als die Zanj, noch gibt es auf der Erde eine Sprache, die der Zunge leichter fiele als die ihre, und es gibt auch kein Volk, das beredeter wäre und weniger dazu neigt, Beleidigungen auszusprechen.

Unter allen Völkern der Erde findet man Stotterer, Leute, die gewisse Laute schwer aussprechen können, die sich nicht leicht verständlich machen können und die in der Sprache gehemmt sind, nur bei ihnen nicht. Es gibt Männer unter ihnen, die vor dem König der Zanj vom Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergang Reden halten, ohne es nötig zu haben sich umzudrehen und ohne einzuhalten, bis sie mit ihrer Rede fertig sind.

Es gibt auf der Erde kein Volk, unter dem körperliche Stärke und physische Kraft verbreiteter wäre als bei ihnen. Ein einzelner Mann von ihnen kann Steinblöcke hochheben und schwere Lasten schleppen, die die meisten Beduinen und Leute anderer Völker nicht zu tragen vermöchten. Sie sind tapfer, kräftig und freigiebig – und dies sind ja die Eigenschaften des Adels -, haben einen guten Charakter und wenig Hang zum Bösen. Man sieht sie immer guter Laune, lachenden Munds und ohne Arglist, was ein Zeichen des Adels ist.»

 

Causa #Erdogan: #Satire oder nicht?

von Yahya ibn Rainer

Dies sei vorausgeschickt:
Ich bin kein Fan von Erdogan, so wie ich generell kein Fan von Staat und willkürlicher Herrschaft bin. Jedoch bin ebenfalls nicht mit der ideologischen Brille geschlagen, mit der die zahlreichen Medien und Politiker die Causa Erdogan beurteilen.

So meldete sich am 29.03.2016 die AfD-Politikerin Beatrix von Storch mit folgendem Bild auf Facebook zu Wort:

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Man könnte ihr sicherlich zustimmen, WENN sie sich – nur 10 Tage zuvor und ebenfalls auf Facebook – nicht auf diese Weise über eine SATIRE zu ihre Person aufgeregt hätte:

vStorchWie kann man SATIRE nur als HETZE bezeichnen? Gehört sie doch zur politischen Kultur einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie.

Nun hat sie zwar damals – mangels eigener staatlicher Machtbefugnis – keinen Botschafter einberufen, aber immerhin fordert sie schon einmal, dem „Propagantainment“ den zwangsfinanzierten Geldhahn zuzudrehen, was ihr in Zukunft durchaus möglich werden könnte, da sie sich ja demokratisch um die nötige Machtfülle dazu bewirbt.

Ihre Forderung, die Zwangsfinanzierung des öffentlichen Rundfunks abzuschaffen, unterstütze ich übrigens vollkommen. Aber wie ist es um ihre freiheitlich-demokratische Kultur bestellt, wenn sie SATIRE, die per (Duden-)Definition eine Kunstgattung ist …

… «die durch Übertreibung, Ironie und beißenden Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt» …

…, bereits als VERLEUMDUNG, ANSTACHELUNG, HETZE und PROPAGANDA auffasst.

Nun, ich nehme Frau von Stroch hiermit in Schutz und gebe ihr auch hier vollkommen Recht. Was in westlichen Gefilden mittlerweile als SATIRE und KARIKATUR (getarnt) in vielen TV- und Radio-Stationen, sowie in zahlreichen Presseprodukten unter das Volk gebracht wird, ist genau das, nämlich Verleumdung, Anstachelung, Hetze und Propaganda. Und Erdogan hat das Recht, sich ebenso darüber zu echauffieren wie von Storch & Co. Nur mit dem Unterschied, dass ER (im Gegensatz zur AfD) bereits (demokratisch) die nötige Machtbefugnis erlangt hat und somit auch seinen Missfallen durch diplomatische Kanäle zum Ausdruck bringen kann/darf.

Erdogan hat nichts anderes getan, als seine verletzte Ehre – immerhin die eines hohen Volksvertreters – zum Ausdruck zu bringen. Alle Unkenrufe, die den Versuch unterstellen, in die deutsche Pressefreiheit einzugreifen, entbehren jeglicher Grundlage. Der genaue O-Ton der diplomatischen Note scheint nicht bekannt zu sein und wird von geneigten Mainstreammedien mit einem „offenbar“ oder „wahrscheinlich“ als reine Mutmaßungen präsentiert.

Im Islam, das sollte man wissen, ist die Verleumdung und Beleidigung einer Person verboten. Die Türkei ist nun einmal ein muslimisches Land und seine Bürger haben eine Ehre, die vom Recht geschützt wird. Dass diese Ehre im christlich-jüdischen Abendland keinen Wert hat, muss man tolerieren, aber man muss es nicht wortlos hinnehmen.

Und wie gehen deutsche Volksvertreter mit SATIRE um? Das musste im Juli 2005 ein Aktionskünstler erfahren. Der Kölner Stadtanzeiger schreibt dazu:

«Für Fotomontagen, die Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (beide SPD) mit Hitler-Bärten zeigen, ist ein Arbeitsloser zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den 28-Jährigen am Montag wegen Beleidigung schuldig. Der Mann selbst hatte sich als Aktionskünstler und seine im Internet veröffentlichten Werke als Satire bezeichnet. „Einen demokratisch gewählten Kanzler mit einem der schlimmsten Verbrecher und größten Schlächter der Menschheitsgeschichte gleichzusetzen, sei nicht von der Kunstfreiheit gedeckt“, urteilte hingegen Richter Sascha Daue. Schröder und Clement hatten Anzeige erstattet. […]»

Quelle: http://www.ksta.de/schroeder-bild-mit-hitler-bart-im-internet–1000-euro-geldstrafe-13686366?originalReferrer=https://www.facebook.com&originalReferrer

Ups, was ist denn das? Der böse Sultan Schrödodan …